#Autorensonntag

Verantwortung als Autor*innen. Haben wir Verantwortung? Wie gehen wir damit um?

Um es vorwegzunehmen, ich finde, ja.Wir schreiben nicht nur im stillen Kämmerlein für uns allein, sondern für ein lesendes Publikum. Wir tragen Verantwortung für die Geschichten, die wir in die Welt setzen, denn es ist ja nicht so, dass irgendeine Muse ganz losgelöst von unserer Person uns Geschichten einflüstert, die wir dann vollkommen unbewusst zu Papier bringen. Jeder Plot, jegliche Gestaltung von Figuren beinhaltet viele bewusste Entscheidungen. Als Autor*innen können wir uns für oder gegen Diversität in unseren Geschichten entscheiden. Wir können uns für oder gegen problematische Tropes entscheiden. Ich habe einmal eine ganze Romanidee komplett verworfen, als mir durch einen Blogbeitrag und einen Videobeitrag einer Own Voices Bloggerin klar wurde, dass ich in jenem Fall fast ein sehr problematisches Trope als Plotdevice verwendet hätte.

In manchen Fällen reproduzieren Autor*innen unbewusst problematische Tropes und reagieren entsetzt oder überrascht, wenn Lektor*innen sie darauf aufmerksam machen. Die Autorin und Lektorin Susanne Pavlovic hat darüber einen Beitrag geschrieben:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/05/twilights-kinder-toxische-beziehungsmuster/


Ich habe einen Blogbeitrag geschrieben über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen.

… und darüber, dass Konsens sexy ist (denn viel zu oft fehlt Konsens zwischen zwei Figuren in einer Geschichte) http://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Ich habe mehrfach Beiträge geschrieben zum Thema Diversität in der Literatur, sowie über Triggerwarnungen (hier zu finden:
http://amalia-zeichnerin.net/category/diversitaet-inklusion-representation/) und plane dazu einen Essayband, um diese Beiträge in gebündelter Form anzubieten.

Was war zuerst da, der Plot oder die Figuren?

Maarten van den Heuvel, Unsplash

Beim Schreiben gibt es grob gesagt, plot-getriebene Ansätze und figuren-getriebene Ansätze. Beides ist absolut valide und lasst euch bitte nichts anderes erzählen. Warum ich darauf komme? Anfang des Jahres war ich auf der Veranstaltung „Crime Day“ für Krimiautor*innen und andere Interessierte. Im Interview zu Gast auf der Bühne waren unter anderem die beiden Bestseller-Autor*innen Charlotte Link und Andreas Gruber. Beide sind bekannt für Krimis und Thriller. Charlotte Link erzählte, dass sie immer von den Figuren ausgeht, ihre Geschichten aus den Figuren heraus entwickelt. Andreas Gruber dagegen beginnt mit dem Plot und „lenkt“ seine Figuren dementsprechend anders gewissermaßen. Beide Autor*innen sind mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen sehr erfolgreich.

Bei mir ist es so, meine Geschichten sind „character-driven“. Am Anfang steht meistens bei mir ein Szenario, z.B. „Geisterjäger sind aktiv im viktorianischen London“ Als nächstes stehen bei mir die Charaktere im Mittelpunkt.

Ich schreibe ihnen kurze Steckbriefe, suche mir Bilder, die mich inspirieren, z.B. für „Moodboards“ oder Portraits. Ich überlege mir, wen ich für einen Charakter casten würde, wenn es um eine Verfilmung ginge.

Klingt komisch, aber mir hilft das, mein inneres „Kopfkino“ beim Schreiben anzuwerfen. Und erst nach all dem entwickle ich für diese Charaktere eine Geschichte, die ich durchplotte bis zu einem gewissen Grad. Ich lasse den Charakteren aber auch einen gewissen Spielraum.

Das ist meine Herangehensweise. Aber wie gesagt, auch der plot-getriebene Ansatz ist vollkommen valide. Damit möchte ich auch sagen – nicht jede Methode funktioniert für alle Autor*innen. Das gilt auch für das entdeckende Schreiben (auch bekannt als Pantser) vs. Plotten.

Über Gefühle schreiben

Foto: Christopher Sardegna, Unsplash

Wieder was gelernt: Neulich habe ich auf Facebook einen Beitrag geschrieben über Schreibstile und dass meiner nicht besonders emotional sei. Die Emotionen der Charaktere werden oft nicht fühlbar für die Leser*innen. Das haben mir immer wieder Testlesende und auch Rezensent*innen zurückgemeldet. Damit kämpfe ich schon, seit ich als Teenager mit dem Schreiben begonnen habe. Irgendwann dachte ich, ich kann das einfach nicht gut und müsse damit klarkommen. Weil ich den Knackpunkt des Problems nicht gefunden habe.

Nun hat sich etwas Neues in dieser Hinsicht für mich entwickelt. Auch im Austausch mit einer neuen Lektorin kam dieses Thema mit den fehlenden Emotionen vor kurzem auf. Dann habe ich einen Beitrag der Autorin und Literaturwissenschaftlerin Barbara Drucker/B.D. Winter dazu gefunden:

Wenig später hatte ich eine Art persönliche Offenbarung, warum es mir so schwerfällt, über Gefühle so zu schreiben, dass sie spürbar werden: Es hat mit der Art zu tun, wie ich jahrzehntelang mit meinen eigenen Gefühlen umgegangen bin. Das ist wieder eine Geschichte für sich, die ich hier jetzt nicht vertiefe.

Mir ist dadurch jedenfalls schlagartig klar geworden, warum es mir so schwerfällt, über Gefühle zu schreiben. Denn Schreiben, das ist zwar zum einen Handwerk, das klaren Regeln folgt, aber zum anderen fließt auch viel Unbewusstes mit ein, bei dem ich oft gar nicht konkret benennen kann, wo die Inspiration dafür herkommt. Ich habe also den Knackpunkt des Problems gefunden, was mich sehr freut.

Ich bin oft heute noch sehr sachlich und distanziert. Das wäre sicher kein Problem, wenn ich Sachbücher schreiben würde. Aber wenn es um fiktionale Charaktere geht, müssen deren Gefühle einfach präsent sein.

Also werde ich nun anders über Emotionen schreiben und der Text von Barbara Drucker hat mir da bereits weitergeholfen. Das heißt nun natürlich nicht, dass ich quasi von 0 auf 100 gehen und auf einmal sehr emotional schreiben kann. Es ist für mich immer noch ein Lernprozess. Aber ich habe nun einen Weg gefunden, das besser anzugehen.

Nicht nur bei Amazon

Organisatorische Neuigkeiten zu meinen Veröffentlichungen

Bisher gab es alle meine bisherigen Veröffentlichungen ausschließlich bei Amazon. Das ist aus vielen Gründen ungünstig, denn
– Amazon steht als Konzern in der Kritik, aus vielen Gründen
– manche Leute boykottieren Amazon deshalb komplett
– zurzeit priorisiert Amazon andere Waren, wodurch die Auslieferung von (Print-)Büchern stark verzögert wird (siehe verlinkten Beitrag unten)
– meine Bücher kann man bisher nicht über den stationären Buchhandel bestellen
– Meine E-Books gibt es bisher nicht im Format epub, z.B. für Tolino

Ich möchte so nicht weitermachen. Nach einem Tipp der Autorin Tanja Rast gehe ich nun folgendermaßen vor:

Neuveröffentlichungen
Diese gibt es drei Monate lang als E-Book bei Kindle Unlimited, danach nehme ich sie bei diesem Leihservice heraus und biete sie parallel bei Amazon und für Tolino an (also auch bei Weltbild, Thalia, Hugendubel, buecher.de u.a.)
Die Printversionen wird es bei Epubli geben (die u.a. auch Amazon, sowie Weltbild, Apple Books, Hugendubel u.a. beliefern). Sie werden auch regulär über stationäre Buchhandlungen bestellbar sein.

Auch die bereits veröffentlichten Bücher nehme ich nach und nach bei Kindle Unlimited heraus und biete sie parallel bei Amazon (Format mobi) und für Tolino (Format epub) an.
Das gilt aktuell für meinen Steampunk-Abenteuer Roman „Der Stern des Seth“, die anderen folgen nach und nach.

Noch etwas zu den Taschenbuchausgaben …
Meine bereits veröffentlichten Bücher wird es weiterhin größtenteils als Prints bei Amazon geben – denn es würde mich sehr viel Zeit kosten, sie alle umzuformatieren. Taschenbücher können aber auch weiterhin bei mir bestellt werden. Ich signiere sie auf Wunsch gern und übernehme die Versandkosten.
Einzelne Titel werde ich zu Epubli umziehen, das gilt bereits für „Das Herz eines Rebellen“ und „Orangen und Schokolade“.

Hier eine Übersicht, welche meiner Bücher wann Kindle Unlimited verlassen – wer also gern noch welche über diesen Leihservice lesen möchte, nun wäre noch die Gelegenheit dazu, in einigen Wochen nicht mehr.




Ein offener Brief an Amazon von Tomas Montasser, Autor und Literaturagent (vom 26.03.2020):

Update am 31.03.2020

Die oben im Bild angezeigten Bücher sind nun als E-Book im epub-Format (für Tolino u.a.) vorbestellbar bei:

Weltbild
Hugendubel
Osiander
buecher.de
ebook.de

Thalia

Bitte bei Interesse auf die Webseite der gewünschten Online-Buchhandlung gehen und dort „Amalia Zeichnerin“ ins Suchfeld eingeben.


Autorensonntag: (Online-)Marketing und Goodie-Wahn

Abbildung: Geralt, Pixabay

Online-Marketing

Als ich vor 5 Jahren mit dem Veröffentlichen begonnen habe, bin ich bei Facebook Mitglied geworden. Erst 2019 bin ich auch bei Twitter richtig aktiv geworden und auch bei Instagram eingestiegen.
Anfangs habe ich auf Facebook sehr viel Werbung in Büchergruppen gemacht – es gibt gefühlt 1001 Büchergruppe bei Facebook. Ich habe auch selbst einige Büchergruppen gegründet und bin dort Admin. (1) Bei manchen Gruppen ist allerdings mein Eindruck, dass sie einfach als Werbeplattform genutzt werden und ansonsten passiert dort nicht viel.

Mittlerweile weiß ich aus Erfahrung: Menschen in Social Media sind übersättigt mit Werbebeiträgen und das gilt auch für die vielen, vielen Buchveröffentlichungen, die es jährlich gibt. Deshalb herrscht in vielen Gruppen auch ein Werbeverbot, oder Werbung ist nur an bestimmten Wochentagen erlaubt.

Wenn ich Autor*innen Rat geben sollte, würde ich folgendes vorschlagen:
Macht Werbung, aber in Maßen. Erzählt am besten Geschichten rund um eure Bücher und deren Entstehungsgeschichte, das kommt in der Regel besser an als ein plattes „Kauf! Mein! Buch! Es ist sehr gut” oder ähnliches.
Vermeidet auch multiple Werbebeiträge in ein und derselben Gruppe.
Arbeitet mit Buchblogger*innen zusammen, wenn es möglich ist.
Schaut auch unbedingt abseits von den social media, was es noch online für buchige Foren gibt, denn es gibt Menschen, die social media nicht oder nur kaum nutzen und die lieber entsprechende Foren besuchen.
Wenn ihr das Gefühl habt, damit überfordert zu sein, mehrere Social Media Kanäle zu bedienen, beschränkt euch auf ein oder zwei.
Richtet eventuell einen Newsletter ein, damit erreicht ihr dann eure Leserschaft per E-Mail.
Es gibt Newsletter-Anbieter mit kostenlosen Möglichkeiten, z.B. Mailchimp.

Weitere Tipps zum Thema Online-Marketing gibt es in meinem gratis Ratgeber für Selfpublisher, der auf der Seite gratis Texte als PDF zu finden ist.

Übrigens: Gewinnspiele und Verlosungen bringen meistens eine kurzfristige Aufmerksamkeit, z.B. für Neuveröffentlichungen. Aber bitte auch hier nicht den Werbeeffekt überschätzen. Der ist mitunter um einiges geringer, als man es sich erhofft. Menschen, die bei Buch-Gewinnspielen mitmachen, kaufen nur selten das entsprechende Buch, wenn sie es nicht gewinnen.

Goodie-Wahn

Manche Autor*innen überbieten sich gegenseitig damit, Goodies zu ihren Büchern selbst anzufertigen, oder zu kaufen – und diese dann kostenlos auf buchigen Veranstaltungen abzugeben (oder dort günstig zu verkaufen).

Es gibt kaum eine*n Autor*in, die keine Goodies anbietet. Weil es irgendwie alle machen. Weil der Eindruck entsteht, dass das erwartet wird. Aber ist das wirklich so? Es geht doch letztendlich in erster Linie um die Bücher.

Ich selbst bin eine Bastelniete, denn handwerkliches Geschick und Feinmotorik sind bei mir nicht gut ausgeprägt. Ja, ich habe auch schon gelegentlich Goodies gebastelt. Auf buchigen Veranstaltungen losgeworden bin ich sie kaum. Ich habe auch mal Buttons drucken lassen sowie kleine Schmuckanhänger bestellt und die kostenlos verteilt. Manche Besucher von Events fanden die ganz toll, wollten aber mit mir nicht über meine Bücher reden. Also überlege ich mir entsprechend zweimal, ob ich solche Goodies überhaupt verteilen möchte.

Ich kenne ein, zwei Autor*innen, die extra ein Gewerbe angemeldet haben, um neben ihren Büchern auch passendes Merchandising verkaufen zu können und die dafür extra Onlineshops aufmachen. So etwas würde ich allein schon von der Logistik her nicht wuppen können.

2020 bin ich gar nicht mit einem Autorenstand auf Veranstaltungen, aus gesundheitlichen Gründen. Wie es 2021 wird, kann ich noch nicht einschätzen. Eines weiß ich aber mit Sicherheit: Goodies werde ich auch weiterhin nur sehr eingeschränkt verteilen.

Die Autorin Sandra Florean hat übrigens einen interessanten Blogbeitrag zum Thema Goodie-Wahn veröffentlicht:
https://sandraflorean-autorin.blogspot.com/2019/10/der-goodie-wahn-muss-das-sein.html

(1) Folgende (Bücher-)Gruppen habe ich bei Facebook gegründet:

Steampunkbibliothek

Urban Fantasy Literatur

Phantastik mit Diversität, Inklusion, Repräsentation

Horror Bücher und Filme – deutschsprachige Gruppe

Literatur und Lesungen in Hamburg & Umgebung

historische queere Literatur + historische queere Phantastik Literatur

Bücher, die ein neues Zuhause suchen

Aus gesundheitlichen Gründen bin ich das gesamte Jahr 2020 über nicht mit einem Autorenstand auf Veranstaltungen. Ich habe noch einzelne Printbücher auf Lager, die ich gern verkaufen möchte.
Ich übernehme die Versandkosten und signiere die Bücher auf Wunsch gern. Der Buchsendung lege ich eine Rechnung bei, ihr könnt die Bücher nach dem Erhalt per Banküberweisung bezahlen. Paypal ist leider nicht möglich.

Ich lebe übrigens, ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen, auf Existenzminimum-Niveau und auch von daher freue ich mich über jeden Buchverkauf.

Hier die vorhandenen Taschenbücher (update, einige Bücher sind nicht mehr vorrätig):

„An seiner Seite” (9,- €) – Fortsetzung zu „Die Rolle seines Lebens“
siehe: http://amalia-zeichnerin.net/contemporary-gay-romance/

„Berlingtons Geisterjäger: Die Türme von London” (10,- €)
siehe: http://amalia-zeichnerin.net/berlingtons-geisterjaeger/

Bei Interesse einfach eine E-Mail an amaliazeichnerin(at)gmx.de senden.
Bitte für Versand und die Rechnung die Postadresse in der E-Mail angeben und mir schreiben, ob und wenn ja, wie ich das Buch signieren soll.

#FürAutorenundgegen99Cent

#FürAutorenundgegen99Cent
Ich möchte gern einiges zu dieser Aktion schreiben, auch aus persönlicher Sicht.
Zunächst ein ernüchternder Blick von Timo Liebig auf die finanzielle Seite des Autorendaseins:
https://www.timoleibig.de/blog/wirtschaftlicher-erfolg-als-verlags-autorin/

Timo Liebig schreibt in seinem Beitrag: „Nur rund zwei Prozent aller Autor*innen in Deutschland können nach Angaben verschiedener Quellen vom Schreiben leben. Anhand der nackten Zahlen sieht man, warum.“

Hier eine ganz einfache Rechnung: Biete ich als Selfpublisherin ein Kindle-E-Book für 99 Cent an, verdiene ich pro verkauftes Buch gerade mal 30 Cent. Man kann sich sicher leicht vorstellen, dass sich so etwas ausschließlich im Bestseller-Sektor lohnt.

Nackte Zahlen: Ich bin keine Bestsellerautorin. Ich schreibe es jetzt mal ganz offen: Von den 18 Büchern, die ich bislang veröffentlicht habe, habe ich insgesamt gerade mal rund 2800 Bücher verkauft. Das sind durchschnittlich 155 Exemplare von jedem Buch. (Man sieht daran übrigens auch: Dass ich hier über 800 Follower habe, bedeutet bei weitem nicht, dass all diese meine Bücher kaufen.)
Angesichts solcher ernüchternden Aussichten für mich persönlich und der immensen Zeit, die ich mit dem Schreiben und Recherchieren für meine Bücher verbringe, habe ich mich schon mehr als einmal gefragt, warum ich mir das eigentlich alles antue.

Und dazu zitiere ich gern Timo Liebig aus oben verlinkten Beitrag: „Nun: Weil wir erzählen wollen. Weil Geschichten essenziell sind. Ein Kulturgut. Man stelle sich die Welt ohne Geschichten vor. Wir traurig wäre das?“

Ich persönlich kann nicht anders. Ich bin mit Leib und Seele Geschichtenerzählerin. Ich war schon als Kind so, habe mir ständig Geschichten ausgedacht. Es ist meine persönliche Art, unser menschliches Dasein zu erforschen (und das gilt für mich auch in Bezug auf humanoide Aliens oder Fantasywesen, denn auch die sind letztendlich menschlich, nur in einem Phantastikgewand). Und ich möchte anderen davon erzählen. Ich möchte unterhalten, aber nicht nur.

Geschichten sind seit Jahrtausenden ein Kulturgut. Insofern wünsche ich mir mehr Anerkennung für der Beruf Autor*in, auch im finanziellen Bereich. Deshalb unterstütze ich die Aktion #FürAutorenundgegen99Cent.

Triggerwarnungen in der Literatur

Dieses Thema spaltet Teile der deutschsprachigen Literaturszene und wird kontrovers diskutiert. Teilweise machen sich Leute (auch Autor*innen) lustig darüber.

Hier dazu einige Argumente, die immer wieder dagegen genannt werden – und was ich darauf gern antworte:

Ich weiß doch als Autorin gar nicht, was meine Leser*innen alles triggern könnte. Wo soll ich denn da anfangen?

Es ist natürlich richtig, man kann selbstverständlich nicht alle Trigger dieser Welt identifizieren und benennen, denn die sind enorm vielfältig bzw. von Person zu Person unterschiedlich. Es geht also gar nicht darum, sämtliche möglichen Trigger zu finden. Es reicht schon, wenn man einigste gröbste Trigger benennt, falls diese im eigenen Werk auftauchen. Mehr dazu weiter unten.

Manche Leute stellen sich einfach viel zu sehr an!

Manche Menschen werden nie in ihrem Leben von etwas getriggert, für diese Glücklichen sind Inhaltswarnungen unerheblich.

Manche Leute verwenden das Wort „Trigger“ sehr umgangssprachlich für alles, was sie nervt oder für Inhalte, die sie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sehen wollen.

Diese verfälschende Bedeutung von Trigger meine ich nicht, sondern Trigger in einen medizinisch-klinischem Sinne, die gravierende psychische Auswirkungen haben können, zum Beispiel einen Rückfall in eine depressive Phase, einen verstörenden Flashback aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung oder ähnliches.

Trigger können übrigens auch, je nachdem wie stabil eine Person gerade psychisch ist, mal sehr triggernd wirken und mal wieder eher nicht. Auch das ist sehr individuell unterschiedlich.
Einige persönliche Beispiele:
Ich selbst habe Bücher schon abbrechen müssen in depressiven Phasen, weil mich Inhalte darin massiv getriggert haben, insbesondere das Thema Suizid. Ich habe neulich von einer Person gehört, die ein einziger Begriff in einem Gespräch so sehr getriggert hat, dass sie einen nervösen Zusammenbruch und Suizidgedanken hatte.

Triggerwarnungen sind doch immer Spoiler!

Nein. Eigentlich ist es immer möglich, spoilerfrei die gröbsten Trigger zu benennen, als Inhaltswarnungen. In manchen Fällen können solche Inhaltswarnungen sogar dazu dienen, dass Leser*innen, die gerade über solche Themen gern lesen, entsprechende Bücher leichter finden, das gilt z.B. für Fetische, Kinks, oder auch Gewalt oder manche Inhalte in der Horror-Literatur, z.B. Body-Horror.

Mit „gröbste Trigger“ meine ich z.B.

Vergewaltigung
Brutalität/Gewalt
sexuelle Belästigung
psychische Erkrankung, Phobien
Kindesmissbrauch oder Missbrauch allgemein
Suizid oder Suizidgedanken
Mord
Krieg
Trauma, z.B. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Drogensucht, Alkoholismus oder andere Suchterkrankungen
Folter, Verstümmelung
Selbstverletzendes Verhalten
Mobbing

Dass diese Begriff in einer Inhaltswarnung genannt werden, spoilert dennoch nicht die Handlung, denn, um einige Beispiele herauszugreifen: Wir wissen nicht, wer wann und wie vergewaltigt wird und was für Folgen das hat. Wir wissen nicht, wann und in welchem Ausmaß der Missbrauch in der Handlung eine Rolle spielt. In mehreren Genres sind Themen wie Gewalt, Mord oder auch Krieg ohnehin häufig zu finden, entsprechende Begriffe sind dort keine Spoiler. Wir wissen nicht, welche Person in einem Roman über Suizid nachdenkt und warum. Und so weiter.
Zu diesem Thema hat die Psychologin und Autorin Elea Brandt übrigens einen sehr lesenswerten Beitrag verfasst:
https://eleabrandt.de/…/mythbusting-triggerwarnungen…/

Abschließend sei noch gesagt: Es steht allen Autor*innen und Verlagen natürlich völlig frei, inwieweit sie Rücksicht auf Leser*innen nehmen wollen, wenn es um Inhaltswarnungen geht. Ich für meinen Teil möchte Rücksicht auf alle meine Leser*innen (oder potentielle Leser*innen) nehmen, gerade auch diejenigen, die sich keinen triggernden Inhalten aussetzen mögen. Auch wenn das bedeutet, dass sie manche meiner Bücher nicht lesen werden.

Die Inhaltswarnungen zu meinen Büchern sind hier zu finden:
http://amalia-zeichnerin.net/inhaltswarnungen-zu-meinen-buechern/

Viktorianisch und queer schreiben…

ein viktorianisches Portrait, das mich inspiriert hat

… das ist für mich immer wieder eine Herausforderung, aktuell in „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“. Für mich geht das nur, wenn einige Charaktere dabei sind, die progressive Ansichten haben, die ihrer Zeit weit voraus sind. Denn ansonsten fürchte ich, wäre wohl arg viel Queerfeindlichkeit darin, einfach weil es damals die gesellschaftliche „Norm“ war.
Miss Murray ist lesbisch und transgender. Ihre Freundin Constance ist cisgender und lesbisch. Nach heutigem Verständnis. Miss Murray begegnet immer mal wieder Leuten, die irritiert auf ihr Äußeres reagieren bis hin zu offener Feindseligkeit. Auf der anderen Seite gibt es in ihrem Umfeld aber auch progressive Menschen wie die bisexuelle Lady Thelma und deren Lebensgefährtin oder ihr Verleger, Mister Bostwick, der sie so akzeptiert wie sie ist und einfach ihre Arbeit als Autorin schätzt.
Mir ist bewusst, dass all das manche Freunde historischer Romane für ganz und gar abwegig oder unrealistisch halten würden. Aber historische Romane sind kein 100 % authentisches Abbild historischer Gegebenheiten. Das können sie gar nicht sein. Sie sind eine historische Imagination, ein „so hätte es sein können“.
Und da ich keine Zeitreisemaschine habe und meine Leser*innen auch keine Viktorianer*innen von damals sind, sondern heutige Menschen, möchte ich sensible Themen wie Queerness auch sensibel und modern behandeln.

Einige Texte dazu:

https://zeitfaeden.de/2019/07/21/wie-geht-recherche-wie-ein-historischer-roman-entsteht/

https://zeitfaeden.de/2019/03/30/historische-queerness-das-histo-genre-hat-ein-problem/

https://zeitfaeden.de/2019/08/08/queering-history-wie-man-queere-figuren-im-historischen-roman-nicht-schreibt/

https://geekgefluester.de/historische-korrektheit-fantasy


Buchmessenzeit

Ich auf der BuchBerlin 2018, Foto von Fantasyguide.de

Ein paar Gedanken dazu…

Autorin sein, das kann ein einsamer Job sein. Ich verbringe sehr viel Zeit allein, mit dem Schreiben.Für 1000 Worte brauche ich ca. ein bis zwei Stunden. Mehr schaffe ich pro Tag nur selten. Für einen Roman mit 50.000 Worten gehen also zwischen 50 und 100 Stunden drauf, in denen ich Satz an Satz reihe, und da ist vieles noch nicht mit drin – Recherchen, Überarbeitungen, Plotten, Korrekturen und noch so einiges mehr. Ich schreibe also ein Buch und veröffentliche es. Meine Leser*innen bekomme ich meistens nicht zu Gesicht und auch viele Rezensent*innen kenne ich nicht oder nur durch einen online Kontakt.

Zugleich sind die meisten Autor*innen, die ich kenne, gesellige Menschen, die fürs Schreiben brennen und die an Austausch mit anderen Schreibenden interessiert sind – auf Stammtischen, in Schreibgruppen, in Literaturcamps, Branchentreffen, in Workshops und Seminaren, online und offline.

Und ein paar Mal im Jahr werden wir Autor*innen aus unseren Schreibstuben „befreit“. Dann reisen wir auf Buchmessen und Conventions, veranstalten Lesungen oder Aktionen mit Buchblogger*innen. Das sind Momente, die ich nicht missen möchte, auch wenn das ganze Drumherum manchmal anstrengend ist.Ich bin eine Geschichtenerzählerin, aber letzendlich geht es nicht nur um die einzelne Geschichte, sondern auch um das, was die Leser*innen darin für sich entdecken, was sie damit erleben und was sie beim Lesen empfinden.

Und deshalb ist es mir immer eine Freude, auf Buchmessen und anderen Veranstaltungen Leute zu treffen, die meine und andere Bücher lesen, gelesen haben, lesen möchten … Ich wünsche uns allen viel Freude auf der BuchBerlin 2019 und auf den buchigen Veranstaltungen im kommenden Jahr.