Hochsensibilität und Buchmessen

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Vor etwa vier Jahren habe ich herausgefunden, dass ich zu den hochsensiblen Menschen gehöre – was mir so einiges in meinem Leben erklärt hat. Das ist keine Krankheit, sondern einfach eine Form von Neurodiversität, die u.a. von der hochsensiblen amerikanischen Psychologin Dr. Elaine Aron seit den 1990ern erforscht wird.

Das bedeutet kurz gesagt, ich filtere Eindrücke anders und nehme sie stärker wahr als neurotypische Menschen. Wenn sehr viele verschiedene Sinneswahrnehmungen auf mich einstürmen, habe ich Probleme, mich auf eine davon zu konzentrieren.

Ein Alltagsbeispiel: Wenn auf einer Party viele Menschen sind und alle durcheinander reden, fällt es mir schwer, einem bestimmten Gespräch zu folgen, weil ich alle anderen nicht ausblenden kann. Gehe ich in ein Einkaufszentrum voller Menschen, werde ich dort von Sinneseindrücken „überflutet”. Entsprechend war ich nie ein Fan von Shoppingtouren mit Freund*innen und bin es auch heute nicht.

Bin ich hungrig, kann ich diese Wahrnehmung nicht ausblenden, sondern werde früher oder später „hangry” (englische Wortneuschöpfung aus „hungry” und „angry”)

Bin ich den ganzen Tag unter Menschen und interagiere ich mit ihnen, laugt mich das aus. Entsprechend brauche ich immer Rückzugsmöglichkeiten und Zeit für mich allein, um wieder „aufzutanken”, während andere Leute dieses „Auftanken” ganz gegenteilig eher in geselliger Runde und Interaktion mit anderen erleben.

In meinem Hobby LARP (Liverollenspiel) habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich dort auch mit Menschenmengen und starker Interaktion besser zurechtkomme als in meinem Alltag – selbst auf dem Großcon „Conquest of Mythodea” –, aber auch dort brauche ich Pausen, in denen ich nicht spiele, und Rückzugsmöglichkeiten, weil ich sonst bald erschöpft bin.

Buchmessen…
Als Autorin werde ich jedes Jahr gefragt, ob ich auf der Frankfurter und auf der Leipziger Buchmesse anzutreffen bin. Das bin ich nicht und habe ich auch in Zukunft nicht vor. Davon mal abgesehen, dass eine Teilnahme an diesen Messen für Selfpublisher*innen wie mich praktisch nicht finanzierbar sind und beide für mich eine weite Anreise bedeuten, sind sie mir persönliche schlichtweg zu groß: Schon ein kürzerer Besuch dort würde mich angesichts der vielen Sinneseindrücke und der vielen Menschen völlig auslaugen.
Die BuchBerlin hingegen hat eine noch für mich gut überschaubare Größe. Und selbst da bin ich abends von all den Eindrücken meistens so überwältigt, dass es mir schwerfällt, zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen.

Einige weitere Texte über Hochsensibilität:
http://www.hochsensibel-test.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t

Auf Englisch: https://hsperson.com/