#Autorensonntag

Verantwortung als Autor*innen. Haben wir Verantwortung? Wie gehen wir damit um?

Um es vorwegzunehmen, ich finde, ja.Wir schreiben nicht nur im stillen Kämmerlein für uns allein, sondern für ein lesendes Publikum. Wir tragen Verantwortung für die Geschichten, die wir in die Welt setzen, denn es ist ja nicht so, dass irgendeine Muse ganz losgelöst von unserer Person uns Geschichten einflüstert, die wir dann vollkommen unbewusst zu Papier bringen. Jeder Plot, jegliche Gestaltung von Figuren beinhaltet viele bewusste Entscheidungen. Als Autor*innen können wir uns für oder gegen Diversität in unseren Geschichten entscheiden. Wir können uns für oder gegen problematische Tropes entscheiden. Ich habe einmal eine ganze Romanidee komplett verworfen, als mir durch einen Blogbeitrag und einen Videobeitrag einer Own Voices Bloggerin klar wurde, dass ich in jenem Fall fast ein sehr problematisches Trope als Plotdevice verwendet hätte.

In manchen Fällen reproduzieren Autor*innen unbewusst problematische Tropes und reagieren entsetzt oder überrascht, wenn Lektor*innen sie darauf aufmerksam machen. Die Autorin und Lektorin Susanne Pavlovic hat darüber einen Beitrag geschrieben:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/05/twilights-kinder-toxische-beziehungsmuster/


Ich habe einen Blogbeitrag geschrieben über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen.

… und darüber, dass Konsens sexy ist (denn viel zu oft fehlt Konsens zwischen zwei Figuren in einer Geschichte) http://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Ich habe mehrfach Beiträge geschrieben zum Thema Diversität in der Literatur, sowie über Triggerwarnungen (hier zu finden:
http://amalia-zeichnerin.net/category/diversitaet-inklusion-representation/) und plane dazu einen Essayband, um diese Beiträge in gebündelter Form anzubieten.

Autorensonntag: (Online-)Marketing und Goodie-Wahn

Abbildung: Geralt, Pixabay

Online-Marketing

Als ich vor 5 Jahren mit dem Veröffentlichen begonnen habe, bin ich bei Facebook Mitglied geworden. Erst 2019 bin ich auch bei Twitter richtig aktiv geworden und auch bei Instagram eingestiegen.
Anfangs habe ich auf Facebook sehr viel Werbung in Büchergruppen gemacht – es gibt gefühlt 1001 Büchergruppe bei Facebook. Ich habe auch selbst einige Büchergruppen gegründet und bin dort Admin. (1) Bei manchen Gruppen ist allerdings mein Eindruck, dass sie einfach als Werbeplattform genutzt werden und ansonsten passiert dort nicht viel.

Mittlerweile weiß ich aus Erfahrung: Menschen in Social Media sind übersättigt mit Werbebeiträgen und das gilt auch für die vielen, vielen Buchveröffentlichungen, die es jährlich gibt. Deshalb herrscht in vielen Gruppen auch ein Werbeverbot, oder Werbung ist nur an bestimmten Wochentagen erlaubt.

Wenn ich Autor*innen Rat geben sollte, würde ich folgendes vorschlagen:
Macht Werbung, aber in Maßen. Erzählt am besten Geschichten rund um eure Bücher und deren Entstehungsgeschichte, das kommt in der Regel besser an als ein plattes „Kauf! Mein! Buch! Es ist sehr gut” oder ähnliches.
Vermeidet auch multiple Werbebeiträge in ein und derselben Gruppe.
Arbeitet mit Buchblogger*innen zusammen, wenn es möglich ist.
Schaut auch unbedingt abseits von den social media, was es noch online für buchige Foren gibt, denn es gibt Menschen, die social media nicht oder nur kaum nutzen und die lieber entsprechende Foren besuchen.
Wenn ihr das Gefühl habt, damit überfordert zu sein, mehrere Social Media Kanäle zu bedienen, beschränkt euch auf ein oder zwei.
Richtet eventuell einen Newsletter ein, damit erreicht ihr dann eure Leserschaft per E-Mail.
Es gibt Newsletter-Anbieter mit kostenlosen Möglichkeiten, z.B. Mailchimp.

Weitere Tipps zum Thema Online-Marketing gibt es in meinem gratis Ratgeber für Selfpublisher, der auf der Seite gratis Texte als PDF zu finden ist.

Übrigens: Gewinnspiele und Verlosungen bringen meistens eine kurzfristige Aufmerksamkeit, z.B. für Neuveröffentlichungen. Aber bitte auch hier nicht den Werbeeffekt überschätzen. Der ist mitunter um einiges geringer, als man es sich erhofft. Menschen, die bei Buch-Gewinnspielen mitmachen, kaufen nur selten das entsprechende Buch, wenn sie es nicht gewinnen.

Goodie-Wahn

Manche Autor*innen überbieten sich gegenseitig damit, Goodies zu ihren Büchern selbst anzufertigen, oder zu kaufen – und diese dann kostenlos auf buchigen Veranstaltungen abzugeben (oder dort günstig zu verkaufen).

Es gibt kaum eine*n Autor*in, die keine Goodies anbietet. Weil es irgendwie alle machen. Weil der Eindruck entsteht, dass das erwartet wird. Aber ist das wirklich so? Es geht doch letztendlich in erster Linie um die Bücher.

Ich selbst bin eine Bastelniete, denn handwerkliches Geschick und Feinmotorik sind bei mir nicht gut ausgeprägt. Ja, ich habe auch schon gelegentlich Goodies gebastelt. Auf buchigen Veranstaltungen losgeworden bin ich sie kaum. Ich habe auch mal Buttons drucken lassen sowie kleine Schmuckanhänger bestellt und die kostenlos verteilt. Manche Besucher von Events fanden die ganz toll, wollten aber mit mir nicht über meine Bücher reden. Also überlege ich mir entsprechend zweimal, ob ich solche Goodies überhaupt verteilen möchte.

Ich kenne ein, zwei Autor*innen, die extra ein Gewerbe angemeldet haben, um neben ihren Büchern auch passendes Merchandising verkaufen zu können und die dafür extra Onlineshops aufmachen. So etwas würde ich allein schon von der Logistik her nicht wuppen können.

2020 bin ich gar nicht mit einem Autorenstand auf Veranstaltungen, aus gesundheitlichen Gründen. Wie es 2021 wird, kann ich noch nicht einschätzen. Eines weiß ich aber mit Sicherheit: Goodies werde ich auch weiterhin nur sehr eingeschränkt verteilen.

Die Autorin Sandra Florean hat übrigens einen interessanten Blogbeitrag zum Thema Goodie-Wahn veröffentlicht:
https://sandraflorean-autorin.blogspot.com/2019/10/der-goodie-wahn-muss-das-sein.html

(1) Folgende (Bücher-)Gruppen habe ich bei Facebook gegründet:

Steampunkbibliothek

Urban Fantasy Literatur

Phantastik mit Diversität, Inklusion, Repräsentation

Horror Bücher und Filme – deutschsprachige Gruppe

Literatur und Lesungen in Hamburg & Umgebung

historische queere Literatur + historische queere Phantastik Literatur