Kuriose Kritiken zu meinen Büchern

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Vorweg möchte ich sagen: Ich freue mich, wie gewiss alle AutorInnen, über Feedback und Rezensionen zu meinen Büchern, und natürlich auch über konstruktive Kritik. Ich bin jedem Leser dankbar, der sich die Mühe macht und die Zeit nimmt, eine ehrliche Rezension über meine Bücher zu schreiben, denn das ist keinesfalls selbstverständlich. Ebenso bin ich jedem Testleser dankbar, der sich sogar noch mehr Mühe macht und mir einzelne Anmerkungen in die Rohfassung meiner Manuskripte schreibt.

Interessant wird es, wenn es um Kritik in Rezensionen geht, denn gelegentlich wundere ich mich ein wenig über einzelne Kritikpunkte. Oder darüber, wie diese formuliert werden.  Mittlerweile ist mir klar, dass AutorInnen es nie, wirklich nie allen LeserInnen recht machen können. Das ist und kann gar nicht mein Ziel sein. Denn oft ist es so – frage zehn verschiedene Leser, und du erhältst zehn verschiedene Meinungen, zu ein und demselben Buch. Das gilt übrigens sogar für internationale Bestseller.

Kunst aller Art, auch Literatur, ist letztendlich eine sehr, sehr subjektive Angelegenheit, und das gilt auch für die Wahrnehmung derselben, also im Literaturbereich eben durch die LeserInnen.

Umgekehrt nehme ich aber auch Kritik ebenfalls zu einem gewissen Teil subjektiv wahr. Mitunter wirken einige Kritikpunkte auf mich etwas kurios. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Kuriositäten dieser Art vorstellen.

Disclaimer: Dieser Blogbeitrag soll keineswegs einer generellen Kritik an Rezensionen dienen und ist auch nicht als Verunglimpfung gedacht, denn wie ich schon oben sagte, freue ich mich, wenn LeserInnen Zeit und Mühe in eine ehrliche Rezension investieren.

Kurioses zu „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“

Detailfragen

(Zu einer Leseprobe) – Eine Leserin sagte, sie hätte schon während der Leseprobe die Lust am Lesen verloren, denn der Ausdruck „Zimmerpflanze“ sei nicht historisch genug für einen Roman, der um 1887 spielt. Außerdem hätte ich die genaue Pflanzensorte nennen sollen.

In der entsprechenden Szene ging es allerdings weder um einen Pflanzenliebhaber, noch um einen Gärtner, Botaniker oder ähnliches. Die „Zimmerpflanzen“ dienten lediglich der Beschreibung des Raumes und waren für die eigentliche Handlung absolut irrelevant.

Die Länge des Romans

Zwei Rezensentinnen, die auch Autorinnen sind, sagten – übrigens unabhängig voneinander – dass der Roman 100 Seiten länger hätte sein können, wenn ich ausführlichere Beschreibungen von Orten und mehr über die Gefühle und Sichtweisen der Personen geschrieben hätte. Übrigens haben auch weitere Leserinnen angemerkt, dass der Roman länger hätte sein können. Dass ich insgesamt ausführlicher hätte schreiben können, sehe ich inzwischen auch so und arbeite entsprechend an meinem aktuellen Projekt daran, dies zu berücksichtigen.

Aber dass sie mir eine so konkrete Seitenzahl nennen, die angeblich gefehlt hat, kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass diese Rezensentinnen sich vermutlich im Stillen gedacht haben, „wenn ich selbst dieses Buch mit diesem Plot geschrieben hätte, dann wäre es bestimmt 100 Seiten länger gewesen“ (zugegeben, das ist nun Spekulation von meiner Seite aus).
Ich kann die Kritik an sich verstehen, nur diese sehr konkrete Seitenzahl fand ich ein bisschen seltsam, denn ich finde, letztendlich sollte jeder Autor selbst entscheiden dürfen, wie lang genau sein Buch wird, wo er kürzen möchte und wo er mehr in die Tiefe geht (es sei denn, er hat eine ganz konkrete Vorgabe von einem Verlag).

Heteronormative Erwartungen

Eine Buchbloggerin schrieb, sie hätte erwartet, dass im Buch auch mindestens eine Hetero-Liebesgeschichte vorkommt. Sie war verwundert, dass hier ausschließlich zwei gleichgeschlechtliche Romanzen behandelt werden. In sämtlichen Beschreibungen zum Buch und im Klappentext steht, dass es ein Genremix ist mit Gay/Lesbian Romance. Eine Mann-Frau-Romanze habe ich nirgendswo angedeutet.

Wie darf eigentlich ein Amerikaner in England schimpfen?

Zu dem Amerikaner Eliott schrieb eine Bloggerin:
Leider konnte ich einen Charakter gar nicht ernst nehmen – ein Amerikaner, der „Bloody Hell“ sagt, ist für mich nicht realistisch. Auch dann nicht, wenn er anecken will. Aber das war nur einer von ein paar Rechercheschwächen.“

Anscheinend hat sie das so sehr beschäftigt, dass sie extra nachgefragt hat, warum ein Amerikaner denn eine britische Beschimpfung verwendet und diese sogar denkt.
Das ist ganz einfach: Er lebt seit mehreren Jahren in London, noch dazu im East End und hat diesen Begriff mittlerweile so oft gehört, dass er ihn verinnerlicht hat. Menschen, die längere Zeit im Ausland leben (ich habe fünf Jahre meines Lebens im Ausland verbracht) werden das vielleicht nachvollziehen können. Irgendwann übernimmt man automatisch Begriffe oder Ausdrücke aus der Gegend, wenn man sie immer wieder hört. Man denkt irgendwann auch gar nicht mehr darüber nach. Noch dazu ist der Ausdruck „Bloody hell“ zu dieser Zeit ganz schön provokativ und ich dachte mir, dass er dem Charakter deshalb gut gefällt. Natürlich muss das niemandem gefallen und niemand muss den Charakter ernst nehmen.
Aber von meiner Seite war es pure Absicht, dass Eliott ständig „Bloody hell“ sagt.
Das habe ich der Bloggerin auch erklärt. Zugegeben, im Roman selbst wird es nicht erklärt, warum er als Amerikaner ein britisches Schimpfwort verwendet. Aber ich finde, man muss nicht immer alles erklären.
Im Übrigen habe ich bei „Berlingtons Geisterjäger“ fleißig historisch Fakten mit frei Erfundenem vermischt. Es ist kein historischer Roman, sondern historische Urban Fantasy mit ein bisschen Steampunk.

Vermeintliche Anachronismen

Last but not least zu „Der Stern des Seth“:
In einer Zwei-Sterne-Rezension wurde bemängelt, ein Kugelschreiber passe nicht in ein historisches Setting (im Jahr 1885). Allerdings schreibe ich wie oben schon erwähnt nun mal keine historischen Romane, sondern Steampunk. In meinem Setting ist es so, dass es Erfindungen gibt, die in der Realität erst später auf den Markt kamen, z.B. Automobile.
Bei Wikipedia kann man folgendes über die Geschichte des Kugelschreibers lesen:

„Bereits Galileo Galilei fertigte eine Skizze an, die eine Art Vorläufer des Kugelschreibers zeigt. Erste Patente zu Schreibgeräten, die ihre eigene Tinte mitführen, gab es im 19. Jahrhundert.
1888 erhielt der Amerikaner John J. Loud ein Patent auf ein kugelschreiberähnliches Gerät, mit dem man Leder markieren können sollte. Slavoljub Eduard Penkala, ein kroatischer Erfinder, patentierte 1906 ebenfalls einen Kugelschreiber-Vorläufer.“
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kugelschreiber#Geschichte)

Wenn man das so liest, kann man sich eigentlich gut vorstellen, dass es in einem Steampunk-Setting in den 1880er Jahren durchaus bereits Kugelschreiber oder ähnliche Geräte geben könnte.
Die Rezensentin hat interessanterweise nur den Kugelschreiber kritisiert und nicht die Automobile. Das könnte nun wiederum daran liegen, dass ich im Nachwort erwähnt habe, dass die Geburtsstunde des Automobils eigentlich erst 1886 war, mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 vom deutschen Erfinder Carl Benz, ich diese Erfindung aber für meine Geschichte abgewandelt habe. Auf die Erfindung des Kugelschreibers bin ich im Nachwort allerdings nicht eingegangen. Denn wie ich oben schon anmerkte, ich finde, man muss nicht alles erklären.

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2 Gedanken zu „Kuriose Kritiken zu meinen Büchern

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