Ist das Kunst, oder kann das weg?

 

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Abbildung: rawpixel, Pixabay

Gestern gab es wieder mal eine Diskussion in einer Autorengruppe bei Facebook.
Die Diskussion begann mit dieser These, die Lennart Cole formulierte:

Wenn ein Künstler an etwas arbeitet, dann drückt er sein INNERSTES aus. Genauso ist es auch mit Autoren.
Ein Buch zu schreiben schließt aus, vorher zu fragen, wie es ankommt, wie oft es gekauft wird.
Ich habe als Autor eine Entscheidung zu treffen. Schreibe ich, aus meinem innersten, oder schreibe ich etwas, was nach -Marktanalyse- evtl. Käufer findet.
Letzteres hat mit meinem Innersten und mit Kunst, wenig zu tun. Unsere Welt ist nicht bunt, weil wir nach der Farbe fragen, die gerade mal HIP ist. Wenn jemand Geld mit festgelegten verdienen will, sollte sich Auftragsarbeiten besorgen.

Ich sehe das ein wenig anders…
Denn es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum Menschen sich hinsetzen und ganze Bücher schreiben (und damit meine ich keine Tagebücher). Für den einen mag das ein hohes künstlerisches Anliegen sein, vielleicht auch ein sozialkritisches oder ein politisches oder noch etwas anderes. Für andere geht es einfach darum, Geschichten zu erzählen, die andere Menschen unterhalten – ob nun mit einer Moral, einer tieferen Botschaft dahinter oder nicht. Ich finde, insofern kann man nicht alle AutorInnen über einen Leisten scheren.

Und die Unterscheidung von „hoher Kunst“ und „für den Markt schreiben“ ist in meinen Augen ähnlich überflüssig wie die Unterscheidung in E-Musik (ernste) und U-Musik (unterhaltende). Es ist beides Musik, und beides hat großartige Musiker ebenso hervorgebracht wie Mittelmaß oder auch zweifelhafte Qualität. Und so ist es auch in der Literatur. Auch in den Genres, die nie in den Feuilletons besprochen werden – Phantastik, Science-Fiction, Horror u.a. – gibt es Werke ganz unterschiedlicher Qualität bis hin zu echten Meistern.

Wenn ich mir darüber hinaus einmal überlege, wie lange es dauern kann, z.B. einen Roman fertigzustellen, von der Rohfassung bis zur finalen Fassung – aus meiner Sicht lohnt sich diese Mühe nicht, wenn mein Text anschließend vielleicht nur von einer Handvoll Leute gelesen wird.

Und das motiviert mich, etwas zu schreiben, womit ich nicht nur mein Innerstes ausdrücke, sondern mit dem andere auch etwas anfangen können. Das heißt dann aber keineswegs, dass ich mich für meine Leserschaft „verbiegen“ muss. Es kann halt nur sein, dass mein Werk (ganz ohne Zugeständnisse an den Markt bzw. die Leser) nicht massentauglich wird, sondern z.B. „nur“ ein Nischenpublikum findet.

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Ein Gedanke zu „Ist das Kunst, oder kann das weg?

  1. Ich halte so eine radikale Unterscheidung zwischen Hoher Kunst und Spaßlektüre ebenfalls für übertrieben und unzeitgemäß. Ich sehe es so wie du: Ich schreibe die Geschichte, damit sie andere lesen und nicht nur für mich selbst. Dazu ist es nötig, sich an ein paar gewisse Kriterien zu halten, schon allein was Spannungsaufbau und ähnliches betrifft. Das hat noch nichts mit Marktorientierung zu tun, aber ein letztendlich geht es doch jedem darum, seine Geschichte mit anderen zu teilen 🙂
    Liebe Grüße, Alex

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