Die Verantwortung der Männer

Vorweg: Ich schreibe in diesem Beitrag manchmal von Frauen, manchmal von FLINTA*. Auch vorab sei gesagt, ich bin wütend und mit meiner Geduld am Ende.

Inhaltswarnung: sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt gegen FLINTA* (keine grafische Schilderungen), Sexismus

Luisa Neubauer sagte sinngemäß auf einer Kundgebung zum Thema „Sexualisierte und digitale Gewalt stoppen!“, dass vielen Männern nicht bewusst ist, was für ein Glück sie haben, dass Frauen und FLINTA* nur Gleichberechtigung fordern und keine Vergeltung. (1)

Denn streng genommen haben Frauen und FLINTA* alle Grund, Vergeltung zu fordern. Jahrhundertelang wurden Frauen unterdrückt, an so vielen Orten auf der Welt und das ist heute noch so, ebenfalls an so vielen Orten der Welt. Jahrhundertelang galten Frauen als Besitz – erst ihrer Väter, dann ihrer Ehemänner, und wehe den Frauen, die sich dagegen zur Wehr setzten oder das heute noch in manchen Ländern und Gemeinschaften tun. Jahrhundertelang wurden Frauen objektifiziert und sie werden es immer noch. Jahrhundertelang wurde Frauen von Männern Gewalt angetan, bis hin zum Femizid, und das passiert immer noch.

Ist es angesichts dessen eigentlich verwunderlich, dass manche Frauen und FLINTA* Männer hassen? Ich finde nicht. Es ist auch nicht verwunderlich, dass viele Frauen und FLINTA* Angst vor Männern haben, an jedem.einzelnen.Tag.

Es ist aus meiner Sicht auch nicht verwunderlich, dass sich vermehrt junge Frauen aus der GenZ oder teilweise auch Millennials dazu entscheiden, Single zu bleiben, nicht mehr zu daten – oder sich zumindest in Social Media darüber austauschen, was eigentlich das bare minimum wäre, dass sie von einem Mann als Beziehungspartner erwarten.

Es ist lange überfällig, dass Männer endlich Verantwortung übernehmen. Verantwortung dafür, dass Frauen geglaubt wird, wenn sie von sexuellen Übergriffen berichten, anstatt die Täter reflexhaft sofort in Schutz zu nehmen. Verantwortung dafür, dass ihre Kumpel, Freunde, Nachbarn, Brüder, Väter und andere männliche Verwandte Frauen/FLINTA* mit Respekt behandeln, anstatt z.B. sexistische Witze zu reißen, Catcalling zu machen, Frauen zu erniedrigen oder sie gar zu bedrohen. Verantwortung dafür, sich zu fragen, was Mann selbst beiträgt zu diesen frauenverachtenden patriarchalen Strukturen, unter denen so viele Menschen leiden – das gilt übrigens nicht nur für Frauen und FLINTA*, sondern auch für Männer. (2)

Übrigens: Ein Mann, der eine solche Verantwortung übernimmt, ist – ganz unabhängig von seinem sozialen Status und Aussehen, zehn Mal, wenn nicht hundert Mal attraktiver als die „Alpha Males“, die Incels, die Men’s Rights Aktivisten, die vor allem eins tun: Hass auf Frauen schüren.

Last but not least wende ich mich einmal an die Autor*innen, die das hier lesen:
Wo reproduziert ihr, vielleicht ganz unbewusst, patriarchale Gewalt in euren Geschichten? Wie genau gehen eure Figuren damit um? Und welche Message sendet ihr damit an eure Leserschaft? Geht bitte mal in euch in dieser Angelegenheit.

Ich denke hier z.B. an sexistische Sprüche und den Male Gaze. Ich denke an weibliche Figuren, die erniedrigt, gedemütigt, geschlagen werden. Ich denke auch Dark Romances mit toxischen Protagonisten, die ihren Love Interest stalken, gaslighten, entführen oder vergewaltigen – und dafür romantisiert werden. Ich denke an düstere Fantasywelten, in denen weibliche Figuren von männlichen vergewaltigt werden und dafür niemand zur Rechenschaft gezogen wird. Oftmals, weil den Autoren vermutlich nichts Originelleres eingefallen ist, wie sie ihren Antagonisten als besonders böse darstellen könnten. Ja, ich gebe zu, ich habe vor zehn Jahren auch eine Vergewaltigung in einem Roman explizit ausgeschrieben. Aber die Täterfigur kam nicht davon, er wurde dafür bestraft. Solche Verhaltensmuster zu romantisieren, das ist einfach keine gute Idee.

Fußnoten:
(1) Luisa Neubauers Rede, siehe z.B. https://www.instagram.com/p/DWMqxrtDK_b/

(2) siehe z.B. diesen Beitrag von Rising Gaze https://www.instagram.com/p/DPru2FFCIXn/?img_index=1

Weiteres

Wenn es euch möglich ist, zeichnet bitte diese Petition mit:
„In Solidarität mit Collien Fernandes – 10 Forderungen an die Bundesregierung“
https://weact.campact.de/petitions/in-solidaritat-mit-collien-fernandes-10-forderungen-an-die-bundesregierung

„Mut beginnt da, wo Widerspruch im eigenen Umfeld unbequem wird“
von Raul Krauthausen, im Magazin „Die Neue Norm“:
https://dieneuenorm.de/gesellschaft/mut-beginnt-da-wo-widerspruch-im-eigenen-umfeld-unbequem-wird/

Auch sehr lesenswert: „Die Schuldvermutung“, eine Kolumne von Jasmin Schreiber
https://www.jasmin-schreiber.de/texte/die-schuldvermutung-23-3-2026

Wichtiger Instagrampost der Autorin Justine Pust: „Sie schreien NICHT ALLE MÄNNER. Wir schreien nach Hilfe“
https://www.instagram.com/p/DWTbCkEihsD/

Blogbeitrag von mir
„Über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen und anderen problematischen Tropes in der Fiktion“