Privilegierte Zerbrechlichkeit

Kira Hoffmann, Pixabay

Ich habe mich lange gefragt, warum sich manche Menschen so gegen Diversität in der Literatur (oder anderen Medien) sperren. Warum sie das entweder nicht interessiert oder sie es sogar offen ablehnen. Oder warum sie sofort genervt reagieren, wenn jemand darauf hinweist, Teil einer marginalisierten Gruppe zu sein. Eigentlich sollte es doch mehr als willkommen sein, die ganze bunte Vielfalt des Lebens in Medien abzubilden. Sollte man eigentlich meinen …

Lasst uns in diesem Zusammenhang über Privilegien reden. Und das wird jetzt einigen Leuten möglicherweise wehtun. Und damit wir das Thema nicht zu weit aufmachen, beschränke ich mich auf den deutschsprachigen Raum.

Der rundum privilegierte Mensch im deutschsprachigen Raum ist weiß, cisgender, heterosexuell und männlich, er hat keine Behinderung. Er ist neurotypisch, dyageschlechtlich (das Gegenstück zu intergeschlechtlich) und allosexuell (Auf dem Spektrum der Sexualität ganz am anderen Ende von Asexualität). Außerdem ist er nicht arm und hat auch sonst wenig Probleme.

Das gilt für eine Mehrheit an Menschen. Und diese Menschen bestimmen den Diskurs, auch in der Literatur. Sie sitzen in Feuilleton-Redaktionen und in den Jurys von Literaturpreisen. Sie sind im Journalismus tätig und pflegen die deutschsprachige Wikipedia. Viele von ihnen sind sehr gebildet, haben Karriere gemacht. Manche von ihnen sind in Vereinen, die sich um die deutsche Sprache sorgen, aber das ist ein Thema für sich und dieses Fass möchte ich nun nicht aufmachen.

Wenn sie keinen engeren Kontakt mit marginalisierten und/oder intersektionalen Menschen haben, besteht ihre Bubble, ihr Umfeld ebenfalls aus privilegierten Menschen. Und das ist ziemlich bequem. Viele dieser Männer (denn meistens sind es cis Männer, wie schon erwähnt) sind mit einer Literatur aufgewachsen, die mehrheitlich von Menschen geschrieben wurde, die ihnen gleichen: weiß, cis, heterosexuell … siehe die Auflistung oben. Sie sind damit aufgewachsen, selbst wieder und wieder in der Literatur und anderen Medien repräsentiert worden zu sein. Das hat sie geprägt, sie haben dadurch sicherlich auch einiges an Selbstbestätigung gefunden und dieses wunderbare einzigartige Gefühl, wenn man sich in sympathischen, coolen, fiktiven Figuren widergespiegelt findet. Und entsprechend erwarten viele von ihnen auch, immer wieder solche Repräsentationen in der Literatur und anderen Medien zu finden. Weil sie es so gewohnt sind, und weil es bequem ist.

Dieses von mir erwähnte wunderbare Gefühl ist eines, das viele Frauen und nichtbinäre Menschen aus ihrer Kindheit kaum oder gar nicht kennen. Ein einzelnes Beispiel: Ich kann die Euphorie kaum beschreiben, die ich verspürte, als ich zum ersten Mal ever einen Film mit einer Superheldin in der Hauptrolle sah. Das war 2017 und ich war 39.

Kommen wir wieder zurück zu den Menschen mit den Privilegien. Die meisten von ihnen konnten es sich im Laufe ihres Lebens so richtig gemütlich damit einrichten – sie mussten sich nie persönlich auseinandersetzen mit Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und anderen menschenverachtenden -ismen. Viele von ihnen umgeben sich auch gern vor allem mit Menschen, die ähnlich sind wie sie selbst, also auch ähnlich privilegierte Erfahrungen gemacht haben.

Und dann kam das Internet und ab ca. 2007 verschiedene Social Media. Man kann über beides viel Negatives sagen, aber zugleich bieten diese virtuellen Räume marginalisierten und intersektionalen Menschen den Platz, öffentlich oder halb öffentlich von ihren Erfahrungen zu erzählen, von ihren Wünschen und Bedürfnissen, und ja, auch von Wut und Enttäuschung angesichts von Diskriminierungserfahrungen.

Und das zu lesen, ist unbequem für all die Privilegierten da draußen. Denn während sie es sich in ihrer privilegierten Bubble gemütlich eingerichtet haben, werden nun andere Stimmen laut, die von ganz anderen Erfahrungen erzählen – wie ich schon erwähnte, Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und andere menschenverachtende -ismen. Darüber hinaus auch von einem Mangel an Diversität und Repräsentation in der Literatur und anderen Medien, aber auch in der Berufswelt, in Communities aller Art und noch anderen Umgebungen.

Es dürfte für die meisten privilegierten Menschen ein unangenehmes Gefühl sein, von Perspektiven weniger privilegierter Menschen zu erfahren. Viele Privilegierte gehen dann schnell in eine Art Abwehrhaltung oder leugnen sogar das, was sie von Betroffenen hören oder reden es klein. Sie sagen vielleicht, »Du stellst dich zu sehr an.« Oder »Du willst nur Aufmerksamkeit.« Oder sie sagen von sich, »Natürlich bin ich gegen Rassismus«, aber sie hören zugleich Menschen, die von rassistischen Erfahrungen betroffen sind, gar nicht erst zu, sondern belehren diese stattdessen, was denn Rassismus sei und was nicht.

Man könnte dies zusammenfassend privilegierte Zerbrechlichkeit nennen (in Anlehnung an Begriffe wie White Fragility, also englisch: Privileged Fragility) – dies beschreibt das Phänomen, dass manche privilegierte Menschen sich schnell angegriffen fühlen, wenn man sie auf menschenverachtende, destruktive -ismen hinweist, oder dass sie diese und damit verbundene Probleme leugnen, weil sie sie nicht wahrhaben wollen.

Oft kommt es in entsprechenden Gesprächen und in Social-Media-Kommentarspalten zu Derailing (Vom Thema ablenken) oder zu Whataboutism (»Ja, aber was ist mit …, das ist doch auch ganz schlimm!«). Denn es ist für viele privilegierte Menschen offenbar zu schmerzhaft oder unangenehm, sich einzugestehen, wie privilegiert sie selbst sind, während andere Menschen in einigen oder sogar mehreren Lebensbereichen immer wieder Diskriminierungen erleben.

Ich vermute, entsprechend ist es zumindest manchen dieser privilegierten Menschen auch sehr unangenehm, über marginalisierte Figuren in der Literatur zu lesen oder sie in anderen Medien zu finden. Denn die sind ja erstens so anders als sie selbst, zweitens schlagen sich diese Figuren womöglich mit unangenehmen -ismen herum und drittens finden die privilegierten Leute sich darin nicht repräsentiert. (Welcome to my world.)

Ich möchte diesen Beitrag schließen mit einem Zitat des Historikers Patrice Poutus:
„Leute, die privilegiert sind, empfinden Gleichberechtigung als eine Art Unterdrückung“

Weiterführendes:

„Die meisten Weißen sehen nur expliziten Rassismus“
Warum reagieren Weiße so abwehrend, wenn es um Rassismus geht? Weil sie es nicht gewohnt sind, sich mit ihrem Weißsein zu befassen, sagt die Soziologin Robin DiAngelo.

https://www.zeit.de/campus/2018-08/rassismus-dekonstruktion-weisssein-privileg-robin-diangelo

Podcast-Episode: „Weiße Zerbrechlichkeit und weiße Tränen“
von den Journalisten Marcel Aburakia und Malcolm Ohanwe
https://kanackischewelle.podigee.io/21-weisse-zerbrechlichkeit-weisse-traenen

Blogbeitrag von mir: Die Welt ist gemein zu marginalisierten Menschen

Tipp zum Anschauen: Youtube-Reihe „Uncomfortable Conversations With A Black Man“ mit Emmanuel Acho

Druckkostenzuschussverlage und andere Methoden, Autor*innen zur Kasse zu bitten

Druckkostenzuschussverlage arbeiten grob gesagt nach dem Motto: »Wir bringen dein Buch heraus – aber du musst in Vorkasse gehen.« Je nach Verlag, der dies anbietet, muss man als Autor*in für eine einzige Veröffentlichung mehrere hundert oder tausende Euro bezahlen.

Das ist ein Missstand. Seriöse Verlage verlangen kein Geld von ihren Autor*innen – sie bezahlen Buchcover, Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Marketing/Werbung und die Druckauflage. Das gilt sowohl für Romane als auch Anthologien.

Joshua Hoehne, Unsplash

Mehr über Druckkostenzuschussverlage könnt ihr hier nachlesen und dort gibt es auch eine Liste mit entsprechenden Verlagen, um die man besser einen großen Bogen machen sollte:

https://neinzudruckkostenzuschussverlagen.blogspot.com/

Aber das ist noch nicht alles, worüber ich heute schreiben möchte. Kürzlich las ich eine Ausschreibung für eine Anthologie. Diese, so hieß es, würde von einer Autorin herausgegeben, ein Selfpublishing-Projekt ohne einen Verlag. In der Ausschreibung war zu lesen, jede Autor*in würde ein E-Book als Belegexemplar erhalten. Das Lektorat für die angenommenen Geschichten würde den Autor*innen in Rechnung gestellt werden, nach Seitenanzahl berechnet. Wie sich diese Kosten genau berechnen würden, also der Preis pro Seite, wurde nicht erwähnt. Später erfuhr ich, dass eine Gewinnbeteiligung der Autor*innen geplant sei – davon stand allerdings nichts im Ausschreibungstext.

Liebe angehende Autor*innen, oder auch schon erfahrene, bitte lasst euch nicht auf solche Angebote ein, das wäre in den meisten Fällen ein Verlustgeschäft, bei dem ihr nur draufzahlt. Und wie gesagt: Seriöse Verlage verlangen kein Geld von Autor*innen – und es gibt tolle Verlage da draußen mit interessanten Ausschreibungen für Anthologien. (Hier übrigens eine Liste mit deutschsprachigen Kleinverlagen: https://bit.ly/listedeutschsprachigerkleinverlage) Das ist übrigens keine Einzelmeinung von mir, und auch keine „unpopular opinion“; andere erfahrene Autor*innen sehen das auch so.
Die Autorin Annette Juretzki hat darüber übrigens diesen Blogbeitrag geschrieben:
„Auch Kurzgeschichten verdienen Bezahlung“

Und diese Ausschreibung ist kein Einzelfall: Mir sind in den letzten Monaten immer mal wieder Ausschreibungen begegnet, in denen von keinerlei Gewinnbeteiligung die Rede war. Es handelte sich dabei um Selfpublishing-Projekte von verschiedenen Autor*innen.

Nun ist es ja so: Wer unbezahlt veröffentlichen möchte, der braucht dafür keine Anthologien. Es gibt zig online Plattformen, wo das möglich ist, für Fanfictions und auch Originalfiktion, u.a. Wattpad, fanfiktion.de, archiveofourown.org und noch andere. Vor allem aber muss man dort nicht auch noch draufzahlen, eine Veröffentlichung ist kostenlos. Überlegt euch also bitte gut, ob ihr etwas bezahlen wollt, nur um eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlichen zu können. Ich wiederhole noch einmal meinen Rat: Lasst das lieber sein.

Es geht aber auch anders, was (Selfpublishing-)Anthologien angeht – hier drei Beispiele:

Benefizanthologien
Ich kenne mehrere Anthologien, die ausschließlich für Benefizzwecke veröffentlicht wurden – die beteiligten Autor*innen und auch das Lektorat, Korrektorat und Buchcoverdesigner*innen verzichten hier für den guten Zweck auf ein Honorar. Ein Beispiel dafür ist die aktuelle Ausschreibung der Autor*innengruppe „Münchner Schreiberlinge“:
Das Thema: „Weihnachten und Rauhnächte in München und im Alpenvorland“. Es handelt sich um eine Selfpublishing-Veröffentlichung, die Erlöse werden für einen Charityzweck gespendet. Der Einsendeschluss: 28.02.2021. Weitere Infos dazu gibt es hier: http://muenchner-schreiberlinge.de/ausschreibungen

Gemeinschaftsprojekte mit Kostenteilung
Eine andere Autorin auf Twitter schrieb, sie hätte zusammen mit ihrer Autor*innengruppe ein Gemeinschaftsprojekt gestaltet, eine Anthologie, bei der sich alle die anfallenden Kosten geteilt hätten. Mit den Einnahmen hätten sie später eine weitere Anthologie finanziert. Solche Gemeinschaftsprojekte sind eine feine Sache und vermutlich können die einzelnen Beteiligten sich auch mehr in den kreativen Prozess einbringen als bei einer fragwürdigen Ausschreibung.

Crowdfunding-Kampagne
Das ist etwas, das viele Künstler*innen und auch Selfpublishing-Autor*innen nutzen: Mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne, z.B. auf Startnext oder Kickstarter, wird ein bestimmter Betrag an Geld von einer Crowd gesammelt: eine Menge Leute, jede Person gibt eine kleine oder größere Summe. Dies dient dann der Finanzierung eines künstlerischen Projektes, also z.B. ein Buch. So wurde beispielsweise die Anthologie „Aeronautica – Logbuch der Lüfte“ aus dem Art Skript Phantastik Verlag finanziert. Als Dankeschön gibt es für die Crowd verschiedene Produkte, z.B. das fertige Buch als E-Book oder Taschenbuch. Crowdfunding ist also nicht mit Spendenkampagnen vergleichbar, stattdessen wird hier gewissermaßen etwas vorfinanziert, so dass es realisiert werden kann.

Autor_innensonntag: Wie können wir LGBTQ+ unterstützen?

Ich bin queer, entsprechend ist auch mein Blickwinkel auf dieses Thema. Hier sind einige Vorschläge von mir dazu, mit mehreren verlinkten Seiten.

An die Autor*innen unter euch:
Sensitivity Reading

Wenn ihr als Autor*innen über queere (LGBTQ+) Menschen schreibt, aber selbst nicht queer seid (oder auf andere Weise als eure Figuren) macht euch bitte auf die Suche nach Sensitivity Readern, die es sind. Sie können euch helfen, schädliche Stereotypen, unabsichtliche Darstellungen von Mikroaggressionen oder andere problematische Dinge zu eliminieren, die ihr möglicherweise versehentlich in euren Text bringt, einfach weil ihr nicht die entsprechende Lebenserfahrungen teilt. Auf diese Weise könnt ihr problematische Darstellungen von LGBTQ+ Menschen vermeiden, z.B. das fürchterliche Handlungsmuster »Bury your gays«, zu dem die Autorin Elea Brandt kürzlich einen interessanten Beitrag in ihrem Blog geschrieben hat. Auf dieser Seite findet ihr Sensitivity Reader, oder fragt in Social Media:
https://sensitivity-reading.de/

Recherchieren
Sicherlich recherchiert ihr allerhand für eure schriftstellerischen Projekte, nicht wahr? Hier gibt es Recherchematerial in Sachen Diversität – auf dieser Liste findet ihr Links zu zahlreichen Texten, z.B. Blogbeiträge, Artikel, außerdem Bücher, Podcasts u.a., die sich mit Diversität und auch mit der Repräsentation von queeren Menschen befassen (Google Doc):

http://bit.ly/literaturundlinksdiversität

Hier außerdem einige englischsprachige Texte (Google Doc):

http://bit.ly/linksandtextsdiversity

Mein Essayband »Diversity in der Literatur« beschäftigt sich ebenfalls mit vielen Diversitätsthemen, auch mit queeren Menschen.

An die Leserinnen unter euch
Werft einmal einen kritischen Blick in euer Bücherregal. Seht ihr da ausschließlich Bücher von cisgender, heterosexuellen Autor*innen? Klar, bei vielen ist das nicht auf Anhieb ersichtlich und natürlich muss jede Person ganz individuell für sich entscheiden, ob, wann oder wie sie sich outet. Aber es gibt online Listen und Buchempfehlungen zu queeren (auch genannt »Own Voices«) Autor*innen – z.B. aus Buchblogs, die sich auf queere Bücher spezialisiert haben. Zwei dieser Blogs:
QueerBuch – https://queerbuch.wordpress.com/
Like a dream – https://www.like-a-dream.de/

Der sehr engagierte Blog »Wir schreiben queer« hat einen großen Autor*innen-Katalog auf seiner Webseite: https://www.wir-schreiben-queer.de/ und ist auf Facebook und Instagram aktiv.

Auch auf dieser Liste für Phantastik findet ihr Bücher von Own Voices Autor*innen:
http://bit.ly/phantastikmitdiversität

Und hier englischsprachig für Phantastik: https://queersff.theillustratedpage.net/

Last but not least hier der Vorschlag: Lest mehr Bücher mit queeren Figuren, mit queeren Geschichten. Das bietet nicht nur eine Abwechslung zur heteronormativ geprägten Mainstream-Literatur, es könnte auch euren Horizont erweitern.


Winterpause und ein Ausblick

Nun hat sie wieder begonnen, die Vorweihnachtszeit. Und wie jedes Jahr gibt es jede Menge Adventsaktionen und Bücher mit Bezug zu Weihnachten. Ich schwimme dieses Jahr wieder gegen den Strom und mache eine Winterpause. Und 2021 wird alles anders! Scherz beiseite, ich lege im kommenden Jahr teilweise eine Schaffenspause ein, was meine Romane betrifft.

Geplant habe ich für 2021 folgendes:
Eine Kurzgeschichte von mir erscheint in der Anthologie „Urban Fantasy: Going Intersectional“ am 28. Januar im Ach Je Verlag.

Eine weitere Veröffentlichung steht bereits in den Startlöchern: „Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte“. Dieses queere Märchen erscheint am 26. Februar 2021 (das Cover eine Leseprobe sind bereits online, siehe Queer Fantasy)

Ich schreibe außerdem bereits am 2. viktorianischen Krimi mit Mrs und Mr Fox für den Dryas Verlag.

Darüber hinaus werde ich voraussichtlich 2021 keine Romane oder Novellen veröffentlichen. Auch in der Reihe »Die mysteriösen Fälle der Miss Murray« werde ich wahrscheinlich pausieren. Ich bitte hier um Geduld. Wahrscheinlich werde ich statt der bisher geplanten zwei Teile für diese Reihe nur noch einen schreiben, der sie dann zu einem guten Abschluss bringt.

Wenn es wieder ein neues Buch von mir gibt, schreibe ich wie bisher Beiträge rund um das Buch und seine Entstehung in Social Media. In der Zwischenzeit werde ich voraussichtlich weniger aktiv als Autorin sein. Ich wünsche euch eine schöne Vorweihnachtszeit, besinnliche Feiertage und kommt gut und gesund ins Neue Jahr. Wir sehen uns 2021.

Tu Gutes und sprich darüber: Eine Charity-Kurzgeschichte

2017 habe ich eine Kurzgeschichte für Charity-Zwecke geschrieben und habe die Erlöse an Exit Deutschland gespendet. Kürzlich habe ich das wieder gemacht und das kam so: Ich habe zufällig die Tanzperformance des Schauspielers Tom Holland beim Lip Sync Battle (2017) wiedergesehen, die wirklich sehenswert ist:

Und in diesem Zusammenhang kam mir eine Idee für eine Kurzgeschichte, in der ich direkt auf die Tanzperformance eingehe. Eine kurze Recherche ergab, dass Tom Holland und seine Familie einen Charity Fundraiser aufgezogen haben, mit dem sie über 14 gemeinnützige Organisationen unterstützen: The Brothers Trust. Die Erlöse der Kurzgeschichte spende ich diesem Trust.

Mein Regenbogenschirm

Klappentext:
Mein Name ist Adrian und mein Pronomen ist sier. Ich gehe zur High School, aber ich habe mich noch nicht als queer geoutet. Wenn ich mir nur trauen würde! Als ich mit meinem Kumpel Rodrigo eine Drag Tanzperformance von Tom Holland gesehen habe, hat er mit mir gewettet, dass ich es nicht wagen würde, auch so aufzutreten – in der Talentshow der High School. Also stehe ich nun vor zwei Herausforderungen: ein gewagter Auftritt und ein Coming-out …

Umfang: 22 Seiten
Link zum Kindle-E-Book: https://smile.amazon.de/Mein-Regenbogenschirm-Amalia-Zeichnerin-ebook/dp/B08NXMHPD8/
Außerdem überall erhältlich, wo es E-Books gibt, außer in Leihservices.

Eine englische Übersetzung gibt es übrigens weltweit auf Amazon, damit ich auch eine englischsprachige Leserschaft erreiche.



Die Zukunft des Rollenspiels

Alex Chambers, Unsplash

Frank schrieb neulich auf Twitter:

»Mich würde echt sehr interessieren, was dabei herauskäme, wenn queere Rollenspieler*innen, BPoCs, Menschen mit Behinderungen oder Neurodivergenzen und anderen marginalisierten Identitäten berichten würden, wie sie sich die Zukunft des P&P Rollenspiels vorstellen.«

Ich bin mehrfach marginalisiert (intersektional). Wie ich mir die Zukunft des Rollenspiels wünschen würde? Hier einige Anregungen.

1. Liebe SLs, lasst Spieler*innen crossgender oder nichtbinäre Charaktere spielen, wenn sie das wollen. Für manche ist das ein Weg, in einem sicheren, spielerischen Rahmen die eigene Geschlechtsidentität zu hinterfragen, zu erforschen oder diese einfach auszuleben. Denn wir leben in einer Welt, in der queere Menschen noch immer Begegnungen mit Alltags-Queerfeindlichkeit haben, teilweise auch in ihren eigenen Familien. Hier kann das Hobby Rollenspiel unter Umständen zumindest einen leichten Ausgleich bieten.
Und wenn es schwerfällt, sich das jeweilige Pronomen des Charakters während des Spiels zu merken, können sich die betreffenden Spieler*innen einen Button oder ein kleines Schild an die Kleidung heften, auf dem das gewünschte Pronomen steht. Vielleicht schließt sich einfach die gesamte Spielrunde an? Man kann auch die Charakternamen ergänzen.

2. Witze auf Kosten marginalisierter Gruppen jeglicher Art sind out-of-game und in-game ein No-Go. Immer. Auch wenn alle Teilnehmer*innen einer Spielrunde nicht marginalisiert sind – Humor ist vielfältig und muss nicht auf Kosten marginalisierter Menschen stattfinden. Macht es bitte nicht Comedians nach, die bewusst kontrovers und provokativ „nach unten“ treten.

3. Nutzt Safety Tools und die X-Karte oder andere Sicherheitskarten. Sie sind sehr gut. Und sprecht ab, was für euch No-Gos in einem Spiel sind. Bitte bedenkt: Rollenspiel ist ein Hobby, das Freude bringen soll. Traumatisierende Szenen im Spiel können zu echter (Re-)Traumatisierung führen und da hört der Spaß auf.

4. Wenn ihr z.B. in einem gesellschaftskritischen Spiel -ismen erforschen wollt (z.B. Rassismus), dann reflektiert bitte ausführlich vorher darüber,
a) was ihr persönlich davon habt, bzw. was eurer Ziel ist (z.B. wenn das Spiel dem Zwecke der politischen Bildung dient)
b) wie euer Spiel trotz der -ismen so gestaltet werden kann, dass es nicht auf Mitspielende (re)traumatisierend wirkt
Um bei dem Beispiel zu bleiben: Man kann Rassismus auch thematisieren, ohne das N-Wort zu verwenden. Ja, wirklich.

5. Stereotypen werden gern eingesetzt im Rollenspiel, unter anderem wegen des Wiedererkennungseffekts, z.B. der dicke Wirt in der Taverne, die Hure mit Herz, die eiskalte Adlige, die über Leichen geht oder der vom Leben gebeutelte Ermittler mit einem Alkoholproblem und die exotische, undurchschaubare Schönheit. Auch bei Schauplätzen ist das oft der Fall – hier einige Beispiele: der finstere Wald, aus dem kein Wanderer zurückgekehrt ist. Die unheimliche Nervenheilanstalt, aus der niemand gesund wieder herauskommt (beides gibt es auch in unzähligen Horrorfilmen). Die heruntergekommene Hafenspelunke oder das protzige Schloss. Hier ein Tipp: Überlegt doch mal, an welchen Stellen man Klischees vermeiden oder bewusst brechen kann. Insbesondere Klischees über marginalisierte Menschen (wie die exotische Schönheit) würde ich vermeiden. Auf Stereotypen zu verzichten, ist meistens origineller und kann für interessante Überraschungen sorgen.

6. Ich wünsche mir mehr Barrierefreiheit an Spielorten (z.B. Personenaufzüge, ebenerdiger Eingang ohne Stufen) und auch mehr Barrierefreiheit in Rollenspielwerken, z.B. für blinde und taube Menschen.

7. Ich wünsche mir generell mehr Spielrunden, in denen nicht nur weiße cis hetero Männer mitspielen oder diese das Spiel leiten. Bzw. die Offenheit und Bereitschaft, Menschen, auf diese Merkmale nicht zutreffen, mitspielen oder leiten zu lassen.

Empfehlenswerte Literatur und Links:
Essayband »Roll Inclusive: Diversity und Repräsentation im Rollenspiel«, hrsg. Von Aşkın-Hayat Doğan, Frank Reiss und Judith Vogt

Hier geht es um LARP, aber einiges davon gilt auch fürs Pen & Paper Rollenspiel:
https://www.teilzeithelden.de/2020/06/14/safety-first-safetytools-consent-und-mentale-sicherheit-im-larp/

Die Sicherheitskarte und andere Safety-Tools
https://spielen.trillitzsch.net/sicherheitskarte/

Drei empfehlenswerte Podcasts mit Themen zu Diversität im Rollenspiel und mehr:
Genderswapped Podcast
https://genderswapped-podcast.podigee.io/

Nerd ist ihr Hobby
https://nerdistihrhobby.podigee.io/

Der nerdige und niveauvolle Trashtalk
https://dernerdigetrashtalk.podigee.io/

Panel-Diskussion „2031 – Die Zukunft des Rollenspiels ist ungerade“
https://www.youtube.com/watch?v=3pB19pkc9N0

#Autorensonntag

Verantwortung als Autor*innen. Haben wir Verantwortung? Wie gehen wir damit um?

Um es vorwegzunehmen, ich finde, ja.Wir schreiben nicht nur im stillen Kämmerlein für uns allein, sondern für ein lesendes Publikum. Wir tragen Verantwortung für die Geschichten, die wir in die Welt setzen, denn es ist ja nicht so, dass irgendeine Muse ganz losgelöst von unserer Person uns Geschichten einflüstert, die wir dann vollkommen unbewusst zu Papier bringen. Jeder Plot, jegliche Gestaltung von Figuren beinhaltet viele bewusste Entscheidungen. Als Autor*innen können wir uns für oder gegen Diversität in unseren Geschichten entscheiden. Wir können uns für oder gegen problematische Tropes entscheiden. Ich habe einmal eine ganze Romanidee komplett verworfen, als mir durch einen Blogbeitrag und einen Videobeitrag einer Own Voices Bloggerin klar wurde, dass ich in jenem Fall fast ein sehr problematisches Trope als Plotdevice verwendet hätte.

In manchen Fällen reproduzieren Autor*innen unbewusst problematische Tropes und reagieren entsetzt oder überrascht, wenn Lektor*innen sie darauf aufmerksam machen. Die Autorin und Lektorin Susanne Pavlovic hat darüber einen Beitrag geschrieben:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/05/twilights-kinder-toxische-beziehungsmuster/


Ich habe einen Blogbeitrag geschrieben über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen.

… und darüber, dass Konsens sexy ist (denn viel zu oft fehlt Konsens zwischen zwei Figuren in einer Geschichte) https://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Ich habe mehrfach Beiträge geschrieben zum Thema Diversität in der Literatur, sowie über Triggerwarnungen (hier zu finden:
https://amalia-zeichnerin.net/category/diversitaet-inklusion-representation/) und plane dazu einen Essayband, um diese Beiträge in gebündelter Form anzubieten.

Neuerscheinung: Ein göttliches Paar


Ein Unfall während eines Gewitters zwingt den jungen Tarys aus Ithyrios dazu, in einem Tempel Zuflucht zu suchen. Dort lernt er Eli kennen. Sier zählt zu den Semilx – Leute, die jenseits der Geschlechterzuordnungen von „Mann” und „Frau” sind. Eli und Tarys fühlen sich zueinander hingezogen und wollen sich wiedersehen. Doch ihrem gemeinsamen Glück steht mehr als ein Problem im Weg …

In dieser Novelle haben Sex und Sexualität spirituelle Aspekte, diese basieren zum Teil auf Tantra. Außerdem gibt es eine genderqueere Hauptfigur, die für sich das Neopronomen „sier” nutzt. Die Fantasywelt Ithyrios ist lose von der römischen Antike inspiriert.

Seitenanzahl: 97

Leseprobe (als PDF): https://bit.ly/Leseprobe_EingöttlichesPaar

Weiteres zum Buch: https://amalia-zeichnerin.net/queer-fantasy/

Warum ich diese Novelle geschrieben habe?
Zum einen wollte ich gern eine genderqueere Figur schreiben, da ich einige genderqueere/nonbinäre Menschen im realen Leben kenne und sie kaum in der Literatur repräsentiert werden. Zum anderen habe ich mich mit Tantra befasst und über entsprechende Texte herausgefunden: Dabei geht es nicht allein um Sex, sondern vor allem um eine intensive spirituelle Verbindung zwischen zwei (oder mehr) Menschen. Es hat mich gereizt, dieses Thema einmal in einer Geschichte zu erforschen und es drückt sich unter anderem darin aus, dass die beiden Hauptfiguren Tarys und Eli einen sehr wertschätzenden Umgang miteinander pflegen.

Was war zuerst da, der Plot oder die Figuren?

Maarten van den Heuvel, Unsplash

Beim Schreiben gibt es grob gesagt, plot-getriebene Ansätze und figuren-getriebene Ansätze. Beides ist absolut valide und lasst euch bitte nichts anderes erzählen. Warum ich darauf komme? Anfang des Jahres war ich auf der Veranstaltung „Crime Day“ für Krimiautor*innen und andere Interessierte. Im Interview zu Gast auf der Bühne waren unter anderem die beiden Bestseller-Autor*innen Charlotte Link und Andreas Gruber. Beide sind bekannt für Krimis und Thriller. Charlotte Link erzählte, dass sie immer von den Figuren ausgeht, ihre Geschichten aus den Figuren heraus entwickelt. Andreas Gruber dagegen beginnt mit dem Plot und „lenkt“ seine Figuren dementsprechend anders gewissermaßen. Beide Autor*innen sind mit ihren unterschiedlichen Herangehensweisen sehr erfolgreich.

Bei mir ist es so, meine Geschichten sind „character-driven“. Am Anfang steht meistens bei mir ein Szenario, z.B. „Geisterjäger sind aktiv im viktorianischen London“ Als nächstes stehen bei mir die Charaktere im Mittelpunkt.

Ich schreibe ihnen kurze Steckbriefe, suche mir Bilder, die mich inspirieren, z.B. für „Moodboards“ oder Portraits. Ich überlege mir, wen ich für einen Charakter casten würde, wenn es um eine Verfilmung ginge.

Klingt komisch, aber mir hilft das, mein inneres „Kopfkino“ beim Schreiben anzuwerfen. Und erst nach all dem entwickle ich für diese Charaktere eine Geschichte, die ich durchplotte bis zu einem gewissen Grad. Ich lasse den Charakteren aber auch einen gewissen Spielraum.

Das ist meine Herangehensweise. Aber wie gesagt, auch der plot-getriebene Ansatz ist vollkommen valide. Damit möchte ich auch sagen – nicht jede Methode funktioniert für alle Autor*innen. Das gilt auch für das entdeckende Schreiben (auch bekannt als Pantser) vs. Plotten.

Konsens ist sexy

Ava Sol, Unsplash

CN: In diesem Text erwähne ich Sex, Alkohol, Drogen, Genitalien, BDSM, Übergriffigkeit, Rape Fiction

Konsens in der Literatur betrifft natürlich vor allem das Romance Genre. Romance und Erotik gibt es als Nebenhandlung aber auch in vielen anderen Genres, wie der Phantastik, im historischen Roman, in Krimis oder Thrillern. In Büchern zeigt sich immer wieder auch die Abwesenheit von Konsens. Ich habe im letzten Jahr einen Beitrag geschrieben über problematische Tropes im Romance Bereich und deren Romantisierung und gehe darin auch auf Rape Fiction ein.

Als ich vor vielen Jahren mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich mir über Konsens relativ wenig Gedanken gemacht. Mir war die Relevanz dessen nicht wirklich bewusst, zumal mir aktiver Konsens in meinen Jahrzehnten als Leserin nur selten in der Literatur begegnet ist. Mittlerweile sehe ich das anders und mir ist bewusst: Übergriffigkeit kann schon im Kleinen anfangen. Ein Beispiel, das jede*r von uns schon mal gelesen haben dürfte: Eine Figur küsst eine andere einfach so zum ersten Mal und fragt nicht vorher, ob sie das darf. Mitunter ist das dann auch ein eher harter, rücksichtsloser Kuss, der anzeigt, dass hier gerade jemand „erobert“ worden ist. Küsse, bei denen nicht um Erlaubnis gefragt wird, sind in der Literatur, im Romance-Genre wie ein unverrückbarer Standard schon seit Jahrzehnten, nein, Jahrhunderten so geschrieben.
Besonders deutlich wird das auch in dem alten Grimmschen Märchen „Dornröschen“ – die Titelfigur wird hier vom Prinz ohne den Hauch einer Einwilligung geküsst, denn sie schläft.
Ein Kuss ohne aktive Einwilligung kann für die beteiligten Charaktere passen, aber es kann auch sein, dass das zu Unbehagen bei der geküssten Person führt.
Kommt dazu noch Alkohol ins Spiel, verschwimmen die Grenzen von Konsens meistens ziemlich schnell. Als Autor*in sollte man sich daher sehr gut überlegen, ob die eigenen Figuren angetrunken oder berauscht sind sind, und wie sie sich dann verhalten.
Konsens ist auch im Zusammenhang mit Verhütung wichtig. Dazu mehr weiter unten.

Berührungen sind generell eine Sache für sich. Im Romance Genre scheint das alles immer sehr selbstverständlich zu sein, dass jeder Charakter Berührungen in jeder Situation mag, also Küsse, Umarmungen, Streicheln oder auch das Händehalten und ähnliches. In Hetero-Romanzen sind die Rollenbilder oft sehr traditionell und auch da wird meist nicht viel hinterfragt. Ein Beispiel: Sex beinhaltet da praktisch immer Penetration und alles andere wird als quasi minderwertiger Ersatz betrachtet.

In Bereich Gay Romance entsteht oft der Eindruck, Analsex wäre die absolute Erfüllung für jede schwule Figur. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass viele Schwule Analsex nicht sonderlich mögen oder sogar komplett ablehnen. (1)
In queeren Beziehungen sind die traditionellen heteronormativen Rollenbilder nicht gegeben, hier verhandeln und kommunizieren die Menschen viel eher, was sie mögen und was nicht – und das ist ein weites Spektrum. Entsprechend wäre es nur realistisch, dass in einer queeren Romanze sehr auf Konsens und Kommunikation gesetzt wird. Also dass Figuren, wenn sie sich berühren, ob nun beim ersten Kuss, beim Kuscheln, beim Vorspiel oder beim Sex, einander fragen oder erzählen, was ihnen gefällt und was nicht. Und dass die jeweils andere Figur auch darauf eingeht.

Gleiches gilt auch für BDSM-Beziehungen, die außerdem mit Safety Tools arbeiten, z.B. Safewords, unter anderem um deutlich anzuzeigen, wann für einen persönlich eine Grenze erreicht ist, die nicht überschritten werden soll. BDSM ohne Konsens ist kein BDSM mehr, sondern eine höchstproblematische Grenzüberschreitung. Apropos: „Fifty Shades of Grey” zeigt keine BDSM- Beziehung mit Konsens und lasst euch bitte nichts anderes erzählen. Es gibt deutlich authentischere Romane mit BDSM-Thematik, die auch eine positivere Repräsentation dessen bieten. (2)

Und damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Auch heterosexuelle Menschen, die kein BDSM leben, mögen ganz unterschiedliche Dinge, wenn es um Romantik und Sexualität geht. Auch hier ist Konsens wichtig und das spiegelt sich leider nicht in jedem Buch wieder.

Wie kann man Konsens also in seine Geschichten einbringen?

Das Zauberwort ist Kommunikation. Schreibt Dialoge, in denen eure Figuren darüber offen und ehrlich sprechen, was sie mögen und was nicht. Was sie wollen und was nicht. Macht am besten kein Riesendrama draus und auch keine Plottwists. Meistens lassen sich Kompromisse finden, wenn einem etwas an der anderen Person liegt und nicht nur am eigenen Vergnügen. Und lasst eure Figuren auf ihre Partner*innen und deren Wünsche/Bedürfnisse Rücksicht nehmen, ob nun bei einem One-Night-Stand oder in einer längeren Beziehung.
Überlegt euch sehr gut, wie ihr mit Figuren umgeht, die Alkohol getrunken oder z.B. Partydrogen genommen haben. Eine berauschte Person kann schneller übergriffig handeln oder selbst übergriffig behandelt werden. Von Konsens kann dann kaum noch die Rede sein und an dieser Stelle lauern allerhand problematische Tropes.
Schreibt Dialoge, in denen sich die Figuren über Verhütung und/oder den Schutz vor Geschlechtskrankheiten Gedanken machen. Das muss sich nicht in die Länge ziehen, meistens reichen schon ein, zwei Sätze, in denen z.B. Kondome (für Menschen mit Penis) oder Lecktücher (für Menschen mit Vagina) genannt werden und die dann auch zum Einsatz kommen.
Auch in der Phantastik gibt es Möglichkeiten in dieser Hinsicht: Ein fiktives Verhütungsmittel beispielsweise oder bestimmte sexuelle Praktiken.

Ja, es fällt vielen Menschen schwer, über ihre romantischen und sexuellen Bedürfnisse zu sprechen. Man macht sich dadurch verletzlicher, ist aber gleichzeitig authentischer. In euren Geschichten könnt ihr zeigen, dass man darüber ehrlich sprechen kann und das es kein Beinbruch ist. Dadurch können auch eure Figuren in einem ganz anderen Licht erscheinen oder ein bisschen mehr Tiefe gewinnen. Beziehungen werden durch aktiven Konsens sehr bereichert, auch in der Fiktion.

1) Dazu ein englischsprachiger Artikel des amerikanischen Autors Jamie Fessenden:
https://jamiefessenden.com/2013/01/13/even-in-gay-romance-love-does-not-always-have-to-equal-anal-sex/

2) Ich kann z.B. den Erotikroman „The Boss“ von Abigail Barnette empfehlen
http://jennytrout.com/?page_id=9 – Die Autorin hatte sich vorgenommen, eine ähnliche Ausgangssituation wie in „Fifty Shades of Grey“ zu nehmen und daraus einen BDSM-Roman mit Konsens zu schreiben. Aus meiner Sicht ist ihr das bestens gelungen.

Ein weiterer Beitrag über Konsens:
https://wirliebenkonsens.wordpress.com/was-ist-konsens/