Wo gibt es meiner Bücher?

Da ich das gelegentlich gefragt werde, hier ein Überblick:
Meine E-Books sind überall erhältlich, wo es E-Books gibt, auch zum Kaufen als Kindle-E-Book, aber nicht (mehr) bei Kindle Unlimited.

Ausnahme: eine meiner nächsten Neuveröffentlichungen, „Regency Park“, wird es ab 14. Juli 2022 für ca. 3 Monate auch bei Kindle Unlimited geben und danach überall, wo es E-Books gibt.

Als Taschenbücher gibt es viele meiner Bücher nur bei Amazon, das gilt auch für die Buchreihen „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“ und „Berlington Geisterjäger“.

Die folgenden Bücher sind als Taschenbücher überall im Buchhandel bestellbar:

Das Herz eines Rebellen
Orangen und Schokolade
Ein göttliches Paar
Diversity in der Literatur (Essays)
Love & Crime 101
Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte
Post Mortem
In Vino Veritas
Notizbuch für Autor*innen
Buchblog Notizbuch

Weitere Details und Leseproben zu meinen Büchern findet ihr hier:
https://amalia-zeichnerin.net/veroeffentlichungen/

Schreibtipp: Erklärt eure Geschichten nicht im Nachhinein

Content Note: Ich erwähne in diesem Blogbeitrag J. K. Rowling. Mir ist bewusst, dass sie aufgrund ihrer Transfeindlichkeit eine problematische Person ist. Ich erwähne sie hier dennoch, in Bezug auf eine ihrer Figuren, um einen bestimmten Punkt zu unterstreichen.

Ich bin seit 2014 als Autorin aktiv. Und in meiner Anfangszeit habe ich so manchen Anfängerfehler gemacht. Einer davon ereignete sich kurz nachdem mein zweiter Roman erschienen war. Eine Rezensentin merkte ein Detail kritisch an, das ich ganz anders sah. Ich schrieb ihr auf Facebook und versuchte ihr dieses Detail aus meiner Sicht zu erklären.

Allerdings wurde meine Sicht auf dieses Detail nicht aus dem Roman allein deutlich. Und hier kommen wir zu einem allgemeinen Problem: Wenn ihr Leuten abseits von eurem Text diesen erklären wollt, ist das praktisch immer zum Scheitern verurteilt. Damit möchte ich sagen: Was nicht direkt (und deutlich) aus einem Buch hervorgeht, oder nur irgendwo tief im Subtext verborgen ist, werden die meisten Leute nicht verstehen. Oder sie werden etwas missverstehen, weil es euch nicht gelungen ist, die betreffende Stelle deutlich und präzise zu formulieren.

Ich habe mir die oben erwähnte Kritik zu Herzen genommen und beleuchtete das Detail in Band 2 der Reihe kurz näher, so dass es aus meiner Sicht deutlicher wurde.

J.K. Rowling hat irgendwann erklärt, ihre Figur Albus Dumbledore sei schwul. Was nirgends in den betreffenden Büchern erwähnt oder auch nur angedeutet wird. Entsprechend gab es viel an Kritik dazu. Denn Erklärungen, die einer Geschichte im Nachhinein hinzufügt werden, führen zu nichts.

Vor einer Weile habe ich ein Detail in einem Phantastikroman gefunden, das mir negativ auffiel, im Sinne eines problematischen Handlungsmusters. Ich schrieb etwas darüber auf Twitter. Darauf schrieb mir die Autorin jenes Romans (unaufgefordert) eine persönliche Nachricht, ebenfalls auf Twitter, und fing an, mir dieses Detail aus ihrer Sicht zu erklären. Mir wurde dadurch zwar klar, warum sie dieses Detail trotz des problematischen Inhalts verwendet hat, aber es änderte nichts an meiner Leseerfahrung, nämlich dass ich beim Lesen der entsprechenden Szenen ein starkes Unbehagen verspürt habe.

An dieser Stelle möchte ich gern ein Zitat von Misha Madgalene anbringen – they hat einmal geschrieben (aus Autorensicht): „What they are reviewing is not what I wrote. What they are reviewing is their experience of what I wrote.“ („Was sie rezensieren ist nicht, was ich geschrieben habe. Was sie rezensieren, ist ihre Erfahrung mit dem, was ich geschrieben habe.“)
Wenn man dies umdreht und aus Sicht von Lesenden betrachtet, macht das deutlich: Meine Erfahrung als Leserin einer Geschichte ist eine andere als jene der Autorenperson, die die Geschichte geschrieben hat. Und auch Erklärungen von Autor*innen ändern daran vermutlich nicht viel, oder sie stellen vielleicht sogar meine Erfahrung mit einem Text in Abrede.

Ich gebe an dieser Stelle auch zu bedenken: In der Regel kennt man als Autor*in nicht die Vorlieben und Abneigungen von Lesenden, man weiß auch nicht oder nur im Ausnahmefall, was für Bücher sie ansonsten noch gern lesen oder welche sie eher meiden. Manche Lesende werden auch leicht von problematischen Inhalten getriggert oder zumindest unangenehm berührt, was wieder ein eigenes Thema für sich ist. (1) Der genannte Phantastikroman verfügte übrigens über Triggerwarnungen. Auch die Leseerfahrungen generell sind sehr unterschiedlich, was teilweise auch damit zusammenhängt, wieviel eine Person liest und wie lange sie schon (regelmäßig) liest.

Fußnote
(1) Zu Triggerwarnungen habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben:
https://amalia-zeichnerin.net/triggerwarnungen-in-der-literatur/

Über den Mangel an Inklusion und Diversität in der deutschsprachigen Phantastikszene …

… am Beispiel der geplanten Phantastik Convention MetropolCon. Eine Anmerkung vorab: In diesem Beitrag verlinke ich einige Twitter-Threads, zwei Statements und einen Blogbeitrag, die alle öffentlich sichtbar sind.

Kürzlich habe ich den Blogbeitrag Einige Probleme in der deutschsprachigen Literaturszene verfasst. Das Jahr 2022 ist nur wenige Tage alt, und schon gehen die Probleme weiter. In dem genannten Beitrag schrieb ich am Beginn: „Die Literaturszene in Deutschland hat einige Probleme und hier und da zeigen sich dieselben Muster, z.B. dass so einige buchige Events keinen Safe Space für marginalisierte Menschen darstellen.“

Die MetropolCon, eine multimediale Phantastikconvention, soll 2023 zum ersten Mal in Berlin stattfinden. Ihre Vision: „MetropolCon versteht sich als inklusive, barrierefreie, diverse und nachhaltige Veranstaltung. Sie ist ein safe space für alle Teilnehmenden.“ (1) Soweit, so gut. Es gab mittlerweile einiges an Kritik in Social Media, mehr dazu im oben verlinkten Beitrag.

Kürzlich haben zwei queere BPoC (2) angekündigt, das (ausschließlich weiße) Orga Team unterstützen zu wollen. Eine der Personen, Aşkın-Hayat Doğan, arbeitet u.a. als Diversity Trainer und hätte von daher eine Menge an Fachwissen für eine diskriminierungssensible Veranstaltungsplanung einbringen können. Die andere Person, Jade S. Kye, ist als Blogger*in, Sensitivity Reader und Autor*in aktiv.
Die Reaktion der MetropolCon Orga auf dieses Angebot hat Jade S. Kye, öffentlich gemacht und ich bitte sehr darum, diese zu lesen (Lesezeit ca. 4 Minuten):
https://buecherinselblog.com/oeffentliche-antwort-an-die-metropolcon/

Warum jemand mit einer Expertise wie Aşkın von vornherein vom Orga-Team ausgeschlossen worden ist? Er hatte bestimmte Aspekte der Veranstaltung im Vorwege kritisiert, und war damit übrigens bei weitem nicht allein (siehe auch den oben verlinkten Beitrag von mir). Auf mich wirkt die Reaktion der MetropolCon so, als ob dieses Orga-Team Probleme hat, mit Kritik von marginalisierten Menschen umzugehen, wenn diese nicht in einem ausgesucht höflichen Tonfall vorgetragen wird. Das nennt sich Tone Policing (3) und es kommt mir leider nur allzu bekannt vor aus anderen Diskussionen in der Phantastikszene, zum Beispiel rund um Kritik am Phantastik Autoren Netzwerk e.V. (PAN).

Und ich möchte gern noch einige andere Stimmen zu Wort kommen lassen.
Alex hat sich in diesem längeren Twitter-Thread Gedanken über die mangelnde Inklusion und Diversität in der deutschsprachigen Phantastikszene gemacht und gibt am Ende einige Followempfehlungen, denen ich mich anschließen möchte:
https://twitter.com/KaenKazui/status/1479512950662696961

Heute hat die Metropol Con Orga folgendes Statement als Reaktion veröffentlicht:
https://www.metropolcon.eu/2022/01/07/zur-aktuellen-diskussion/

Ein Zitat daraus: „Die Entscheidung, Aşkın nicht ins Orga-Team aufzunehmen, beruht auf persönlichen Erfahrungen und hat nichts damit zu tun, dass er Kritik äußert oder auf Desiderata hinweist.
Ich kenne Aşkın seit einiger Zeit und ich finde diese Aussage der Orga mit den „persönlichen Erfahrungen“, sagen wir mal, nebulös. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass es einer Veranstaltungsorga freisteht, zu wählen, mit wem sie zusammenarbeiten möchte und mit wem nicht. Und natürlich könnte sich auch während einer Zusammenarbeit herausstellen, dass es zu unterschiedliche Positionen gibt und dass man schließlich getrennte Wege geht. Aber in diesem Fall ist diese Entscheidung, Aşkın von vornherein auszuschließen, mehr als unglücklich.

Denn nach dem, was Jade in their öffentlichen Antwort geschrieben hat, sehe ich eine fatale Signalwirkung, die von der Entscheidung der Metropol Con Orga gegen eine Zusammenarbeit mit Aşkın ausgeht – nehmen wir einmal an, andere BI_PoC hätten ein Interesse daran gehabt, das Orga Team zu verstärken, um die Themen Inklusion und Diversity aktiv in die Planung mit einzubeziehen. Nach dieser Entscheidung des Orga Teams nehme ich stark an, dass sich BI_PoC eine entsprechende Unterstützung wohl zweimal überlegen, denn wie Jade schreibt:

Natürlich würde die Orga dennoch von meiner Vorarbeit profitieren. Und könnte mich dann als bösen PoC framen, mit der man nicht “produktiv” zusammenarbeiten könne, weil “persönliche Kommunikation und Framing” … (…) Ich sehe hier das Potential mich in Gefahr zu bringen was meine Mental Health betrifft und gleichzeitig als “Quoten-PoC” herhalten zu müssen. (…)
Unter diesen Bedingungen muss ich für mich leider festhalten, dass die MetropolCon kein Safer Space sein wird und die Orga definitiv auch nicht.


Ich schließe mich dieser Sichtweise an: Auch ich betrachte dieses Event nicht länger als einen Safe Space. Ich bin zwar keine Person of Color, aber mehrfach marginalisiert. Ich möchte darüber hinaus schon allein aus Solidarität keine Veranstaltung unterstützen, deren Orga-Team so mit BPoC umgeht.

Resa hat das Statement der Orga und das Thema Kritik in einem kurzen Twitter-Thread analysiert:
https://twitter.com/resatastic/status/1479518781026320388

Ich stelle jetzt mal ein, zwei Vermutung an, wie sich das weiterentwickeln könnte. Möglicherweise heißt es später von Seiten des Orga Teams: „Tut uns leid, aber wir konnten keine BIPoC (oder Menschen aus anderen marginalisierten Gruppen) finden, die unser Team verstärken wollten.“ Nach dem, was da bisher gelaufen ist, wäre das kein Wunder. So läuft es zu oft im deutschsprachigen Raum, auf buchigen Events, und ich bin es so leid. Wenn man sich schon Inklusion und Diversity auf die eigene Fahnen schreibt, dann sollte man marginalisierten Menschen auch eine Stimme geben und sie in die Planung mit einbeziehen.

Und ein Blick in die Zukunft – dieser Con wird 2023 vermutlich dominiert werden von weißen cis hetero Männern, den Urgesteinen der deutschen Phantastik, die sich dann gegenseitig auf die Schultern klopfen. Was nicht geschehen wird, ist das, was Alex in dem von mir oben verlinkten Thread geschrieben hat: „Und natürlich benutzen diese paar großen weißen, männlichen Autoren nicht ihre Plattform, um diesen diversen Autor*innen unter die Arme zu greifen.“
Und ganz ehrlich, ich persönlich habe keine Lust auf eine weitere solche Veranstaltung.

Ich schließe diesen Beitrag mit zwei Folgeempfehlungen:
Falls ihr in Social Media seid, folgt Jade und Aşkın.
Jade ist online hier zu finden:
https://linktr.ee/Jade_S_Kye

Aşkıns Webseite, u.a. für Diversity Training und Sensitivity Reading: https://ask-dogan.de/
Twitter: @AskDoan1
Instagram: @ask-h-dogan

Fußnoten:
(1) https://www.metropolcon.eu/vision/

(2) BPoC ist eine Abkürzung für Black, People of Color. Eine weitere Abkürzung, die u.a. in USA gebräuchlich ist: BI_PoC, das steht für Black, Indigenous, People of Color.

(3) Ein Beitrag zum Thema Tone Policing: https://feminismus-oder-schlaegerei.de/2019/02/09/tone-policing-lasst-mich-verdammt-noch-mal-wuetend-sein/

#DiverserDonnerstag: Bodyshaming

CN: Fatshaming (auch internalisiert), Abnehmen, Food (erwähnt in einem Buchtitel)

Bodyshaming ist ein Thema, das mich beschäftigt, seit ich dick bin, seit ungefähr 2008, in meinem Fall also Fatshaming.
Während viele Autor*innen mittlerweile Diversität und Repräsentation „auf dem Schirm“ haben und mit mehr Vielfalt schreiben, gilt das immer noch nur in seltenen Fälle für Figuren, die nicht normschön sind, also beispielsweise sehr dünn oder eben dick. Im folgenden beziehe ich mich nur auf Fatshaming, denn mit anderen Formen von Bodyshaming habe ich persönlich keine Erfahrung.

Wie kommt es, dass es so wenig sympathische, authentisch dargestellte Figuren gibt, die dick sind? Vielleicht ist ein Grund dafür, dass auch in Filmen und Serien normschöne Menschen dominieren. Dicke Figuren dagegen sind oft der „funny sidekick“. Oder sie werden negativ dargestellt, zum Beispiel als undiszipliniert, „verfressen“, ungepflegt oder ähnliches. In vielen Fällen sind dicke Figuren auch als – teilweise besonders ekelhaft dargestellte – Antagonist*innen – ein Beispiel dafür ist Jabba the Hutt aus Star Wars (zugegeben, das ist ein Alien, aber dennoch) oder auch mehrere Figuren aus den Geschichten von Stephen King. (1)

Ein Problem für Betroffene, das ich selbst kenne: internalisiertes Bodyshaming. Also die ständige Abwertung des eigenen Körpers, oder auch ein entsprechender Selbsthass, weil dieser Körper nicht den gesellschaftlichen Schönheitsidealen entspricht. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass die meisten Menschen, auch schlanke, nicht zu 100% mit ihrem Körper zufrieden sind. Einige Leute geraten schon in Panik, wenn sie zwei oder drei Kilo mehr auf die Waage bringen als ihr Wunschgewicht. Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, ich habe entsprechendes in Social Media gelesen. Gründe dafür sind wie gesagt die vorherrschenden, überall in Medien verbreiteten Schönheitsideale und auch ein ständiges Streben nach Selbstoptimierung. Diese sind zum Beispiel verbreitet unter Menschen, die aktiv sind in den Bereichen Lebensberatung/Coaching, Sport, Mindfulness, Diäten, Yoga und Wellness.

In Romance-Genre ist folgendes schädliche Trope sehr verbreitet: „Die Protagonistin ist dick und muss erst mal abnehmen, denn erst dann ist sie ihres Mister Rights würdig.“ Das suggeriert eine in der Gesellschaft verbreitete Ansicht: „Du bist als dicker Mensch nicht okay, so wie du bist. Du musst erst all die Schönheitsideale erreichen, die wir haben, dann erst gehörst du auch mit dazu.“
Dabei gibt es viele Gründe, warum einige dicke Menschen nicht abnehmen können, oder nur wenig, hier drei Beispiele:
– chronische (Stoffwechsel-)Erkrankungen, zum Beispiel an der Schilddrüse
– vorübergehende oder ständige Einnahme von Medikamenten, die eine Gewichtszunahme als Nebenwirkung haben.
– Veranlagung
Oft sind es unsichtbare Gründe, aber dicke Menschen sehen sich oft mit Vorurteilen oder Diskriminierung konfrontiert. „Dicke Menschen seien selbst schuld an ihrem Übergewicht – ein gängiges Vorurteil.“ (2)

Das oben genannte Trope von der Figur, die erst mal abnehmen muss, bevor sie Glück in der Liebe haben darf, hat mich irgendwann so genervt, dass ich einen Kurzroman mit Body Positivity (3) geschrieben habe: „Orangen und Schokolade“. Die Protagonistin Sarah ist dick, aber genießt einfach ihr Leben und betreibt einen Back-Blog.
(Mehr Details dazu hier: Liebesromane)

Weiterführende Literatur

Die Bloggerin Marshmallow Mädchen hat einen interessanten Artikel zur Repräsentation dicker Figuren geschrieben: „Warum du dicke Heldinnen brauchst“ – im Artikel geht es um Frauen, aber das lässt sich auf alle Geschlechter erweitern. Dort findest du auch den Artikel „Body Positivity: Bücher mit dicken Heldinnen“.

Fußnoten
(1) siehe diesen englischsprachigen Artikel von Meg Elison:
https://www.fantasy-magazine.com/fm/non-fiction/all-the-kings-women-the-fats/

(2) Zitiert aus dem Artikel „Adipositas – Wie sich Stigmatisierung auf die medizinische Behandlung auswirkt“, von Pia Rauschenberger

(3) Zum Thema Body Positivity kann ich diese Artikel der Bloggerin Marshmallow Mädchen empfehlen:
https://marshmallow-maedchen.de/blog/was-ist-body-positivity-definition/

https://marshmallow-maedchen.de/blog/was-body-positivity-nicht-ist/

Und über Body Neutrality:
https://marshmallow-maedchen.de/blog/was-ist-body-neutrality-definition/

„Bodyshaming: Warum es keine Diskriminierung von dünnen Körpern gibt“ (Artikel in der ZEIT): https://www.zeit.de/zett/2022-01/body-shaming-uebergewicht-duenne-skinny-shaming

Der Druck der sozialen Medien

Bild: Pixabay

CN: Depression (erwähnt)
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Diese Aktion ist von der Autorin Nadja Losbohm und der Mediengestalterin Kathy von Epic Moon Coverdesign.

Kathy schrieb: „Ich würde gerne eine Aktion ins Leben rufen, die den Druck der sozialen Medien etwas mehr in die Köpfe der Menschen bringen soll. (…) Die Idee zu der Aktion kam mir, als ich die letzten Monate vermehrt bemerkt habe, wie sich Künstler, Autoren, Blogger, aber auch Leute wie du und ich eine Pause von Social Media nehmen mussten, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlten. (…)“
(Quelle: https://www.facebook.com/nadja.losbohm/posts/4808317815873150)

Zunächst möchte ich gern sagen, ich bin viel online. Ich tausche mich gern in Social Media mit Menschen aus. Im vergangen Jahr habe ich bei vielen Hashtag-Aktionen für Autor*innen mitgemacht, weil ich die Zeit dafür hatte. Mittlerweile ist mir das zu viel geworden und ich beschränke mich auf die Aktionen #DiverserDonnerstag und #Autor_innensonntag. Eine Autorenkollegin, die ich sehr schätze, hat mal dazu geraten, täglich etwas in den eigenen Kanälen zu posten, damit die Reichweite erhalten bleibt. Das habe ich eine Zeitlang gemacht. Ich habe auch oft Beiträge geplant, die dann automatisch zur gewünschten Zeit gepostet wurden. Im Folgenden gehe ich auf meine Erfahrungen mit verschiedenen Social Media ein und gebe am Ende einige Tipps.

Die Algorithmen auf Facebook
Mittlerweile ist es auf Facebook so ziemlich egal, wieviel ich poste, meine Reichweite ist tief in den Keller gegangen. Das liegt an den Algorithmen von Facebook, die Werbeanzeigen begünstigen und Beiträge mit Links kaum anzeigen (aber selbst Beiträge ohne Links werden weniger als früher angezeigt).

Instagram – alles schick hier?
Insbesondere auf Instagram sehe ich weiterhin den Trend, die schönen Seiten des Autoren- oder Buchbloggerdaseins zu zeigen. Und manche Autor*innen und Blogger*innen betreiben viel Aufwand, schöne Fotos aus ihrem Alltag, ihren Bücherregalen, Büchern mit Deko, von sich, aus dem Urlaub oder noch andere Dinge zu zeigen. Und ganz ehrlich, da kann und will ich nicht mithalten. Ich schrieb neulich dort den Beitrag: „Ich bin nicht instagramable … und das ist okay.“

Dass im Autor*innenleben bei weitem nicht nur alles „nice and shiny“ ist, zeigte zum Beispiel der #Autor_innensonntag von Justine Pust, mit den Themen „Vom Umgang mit Zweifeln“ oder auch „Toxische Positivität in der Buchwelt“ und „Verbiege ich mich für Instagram und Social Media?“, außerdem „Umgang mit Missgunst und Hate“ und „Konkurrenzkampf“, um einige zu nennen (verlinkt sind meine Beiträge dazu).

Doomscrolling auf Twitter
Auf Twitter bewege ich mich als @fortunately1 in einer progressiven Bubble. Oft geht es dort um Diversität, um Repräsentation, Inklusion und um Social Justice Themen. Viele der Leute, denen ich dort folge, berichten von schlimmen Erfahrungen mit Diskriminierungen oder ihren Mental Health Problemen. Hinzu kommen die vielen Nachrichten zur Pandemie und andere globale oder regionale Probleme und Missstände. Das führt bei mir oft zu Doomscrolling, und da ich als Mensch mit chronischer Erkrankung nicht viel Energie (oder „Löffel“) habe, muss ich immer wieder mit diesem Profil eine Pause einlegen. Die letzte hatte ich während einer Depression im November, für ganze drei Wochen.
Ich habe dort noch ein anderes Profil für meine Autorentätigkeit, das ist entspannter für mich zu handhaben.

Ich probiere außerdem gerade etwas Neues aus: @SerenaMoon2021 ist ein rein englischsprachiges Profil von mir, ein „Happy Place“ und ausschließlich für stimmungsaufhellenden Content gedacht. Ich gehe dort nicht auf Social Justice Issues, problembelastete Themen, Politik etc. ein. Dieses Profil kann ich auch nutzen, wenn ich mit dem ersten eine Pause einlegen muss.

Twitch
Ich habe mal kurzfristig im vergangenen Jahr versucht, auf Twitch einen Livestream für Co-Working (gemeinsam Schreiben) anzubieten. Das ist an meinem altersschwachen PC gescheitert, der immer wieder abgestürzt ist. Stattdessen war ich öfter zu Gast in anderen Co-Working Livestreams, zum Beispiel von Ann-Kathrin Karschnick (kann ich sehr empfehlen) und ich werde das sicherlich auch in diesem Jahr wieder machen. Aber ich selbst werde auf Twitch auch in Zukunft nichts Entsprechendes anbieten.

TikTok?
Mit TikTok kann ich persönlich nichts anfangen, mir fehlen hier auch die Kenntnisse, deshalb schreibe ich nichts weiter dazu.

Einige Tipps
Entfolgt oder blockiert toxische Personen, wenn es euch möglich ist. Ihr müsst nicht mit jeder Person in Social Media befreundet sein. Ihr seid ja auch offline nicht mit jeder Person befreundet.

Ich bin in Facebook in vielen Gruppen, die meisten davon beziehen sich auf Bücher. Ich habe aber so gut wie sämtliche Gruppenbenachrichtigungen ausgestellt, weil meine Timeline sonst quasi in Bücherwerbung ertrinken würde.

Es kann auch hilfreich sein, die Benachrichtigungen aus Social Media am Handy auszustellen oder eine App zu nutzen, die eure Social Media Zeit beschränkt (z.B. auf einige Minuten pro Stunde oder für mehrere Stunden am Tag.) Ich nutze dafür gelegentlich die kostenfreie App „Leech Block NG“, in meinem Fall am PC. Man kann sie im Browser installieren, z.B. hier für Firefox: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/leechblock-ng/

Sucht euch eine oder zwei Social Media Plattformen, mit denen ihr gut zurecht kommt und konzentriert euch ganz darauf. Ich habe mehrfach von Autor*innen gehört, die sich z.B. von Facebook komplett zurückgezogen haben und stattdessen Twitter und Instagram nutzen. Egal, was andere sagen: Ihr müsst nicht auf sämtlichen Social Media aktiv sein.

Ich zitiere aus Instagram-Beiträgen von mir:
Überlegt euch gut, ob ihr in Facebook-Gruppen oder in Internet-Foren aktiv sein wollt, in denen ein toxisches Klima herrscht, in denen zum Beispiel destruktive, hässliche Diskussionen geführt werden, die nicht moderiert werden.

Reagiert nicht auf negative Rezensionen. Regt euch nicht öffentlich darüber auf (diesen Fehler habe ich früher gemacht und ich kann davon nur abraten. Das kommt nicht gut an und entmutigt unter Umständen auch Leute, überhaupt Rezensionen zu schreiben.) Diskutiert nicht mit den Rezensent*innen, auch wenn ihr die Rezension für unfair, unlogisch oder schlichtweg falsch haltet. Bitte immer im Hinterkopf behalten: Rezensionen sind letztendlich Einzelmeinungen. Nach 25 veröffentlichten Büchern habe ich die Erfahrung gemacht, dass praktisch alle davon die ganze Bandbreite an Bewertungen erhalten haben, von einem Stern bis fünf Sterne. Misha Magdalene hat in diesem Zusammenhang in einem Podcast gesagt: »What they are reviewing is not what I wrote. What they are reviewing is their experience of what I wrote.« (Was sie rezensieren, ist nicht das, was ich geschrieben habe. Was sie rezensieren, ist ihre Erfahrung mit dem, was ich geschrieben habe.«)
Ich würde hier im Zweifelsfall zu »Lächeln und winken« raten, also z.B. 1-Sterne- Bewertungen einfach ignorieren, auch wenn es schwer fällt.

Zum Thema Selbstdarstellung und Selbstvermarktung

Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass manche Autor*innen eine Selbstdarstellung mit Selbstvermarktung verwechseln. Damit meine ich, dass sie sich im Grunde eher als Privatperson präsentieren anstatt als Autor*innen. Ich lese da in einigen Beiträgen u.a. von Ehrlichkeit und Authentizität.

Meine Sicht dazu: Selbst wenn man sich ehrlich und authentisch präsentieren möchte, ist es dazu nicht notwendig, sein Privatleben in Social Media auszubreiten, wenn man eigentlich in erster Linie für die Tätigkeit als Autor*in werben möchte. Natürlich kann es sein, dass die Themen in den eigenen Bücher eng mit dem Privatleben verknüpft sind, z.B. Bücher, die stark autobiografisch geprägt sind. In einem solchen Fall kann es Sinn machen, über das eigene Leben auch in Social Media zu erzählen. Das habe ich bei zwei Büchern auch schon gemacht.

Aber ansonsten: Als Autorin wird man durch Selbstvermarktung zu einer „Marke“ – und die sollte nicht verwechselt werden mit der Privatperson dahinter. Entsprechend muss man als Autor*in auch in Social Media nicht alles von sich zeigen, das eigentlich in den Privatbereich gehört und nichts mit den eigenen Büchern zu tun hat.

Ich schreibe Wohlfühl-Eskapismus

TruthSeeker08, Pixabay

Ich bin jetzt seit rund 7 Jahren als Autorin unterwegs und dabei ist mir eines aufgefallen: Ich tue mich sehr schwer mit dem Schreibratgebertipp: „Jedes Kapitel (oder jede Szene) muss einen Konflikt beeinhalten.“ Weil es sonst angeblich langweilig sei.(1)

Ich zähle nicht zu den Autor*innen, die ihre Figuren gern quälen. Einer meiner Grundsätze lautet, dass es bei mir kein „Bury your gays“ (2) gibt: Das heißt, gibt es in einer Geschichte von mir nur eine oder wenige queere Figuren, werden diese nicht sterben.

Ich lese immer wieder, dass Leute gern beim Lesen auf eine „emotionale Achterbahnfahrt“ gehen wollen: Sie wollen mit den Figuren mitfiebern, mitleiden, mitzittern und ganz viel Dramatisches miterleben. Das ist natürlich auch ein Nervenkitzel und ich kann diesen Wunsch verstehen.

Aber ich für meinen Teil schreibe so etwas nicht so gern. Beziehungsweise, ja, ich habe auch schon Dramatisches, Martialisches und Düsteres geschrieben, unter anderem in „Das Herz eines Rebellen“ und „Vanfarin – Von Untoten und Totems“.

Aber im Grunde meines Herzens neige ich zu Wohlfühl-Eskapismus. Mein Alltag steckt voller Probleme, die mit meinen intersektionalen Marginalisierungen zu tun haben. Schreiben wirkt für mich letzendlich therapeutisch, aber nicht in dem Sinne, dass ich über all meine Probleme in einer fiktionalisierten Form als Own Voices Autorin berichten möchte, um sie zu verarbeiten. Stattdessen ist Schreiben für mich ein „Happy Place“ – ein Ort zum Wohlfühlen. Die Autorin Louisa May Alcott wird übrigens zu Beginn der Neuverfilmung von „Little Women“ so zitiert: „Ich hatte viel Kummer in meinem Leben, also schreibe ich heitere Geschichten.“

Von mir wird es auch in Zukunft eher Wohlfühl-Eskapismus geben. Was meine ich damit? Ich möchte über Folgendes schreiben und habe das auch schon immer mal in der Vergangenheit gemacht:

  • Freundschaft und „found families“
  • Zusammenhalt einer Gruppe, auch unter schwierigen Bedingungen oder Konflikten, die von außerhalb kommen
  • Konsens ist sexy
  • Liebes- und andere Beziehungen, die nicht toxisch sind
  • Menschen/Wesen, die sich gegenseitig unterstützen
  • … und so einige Diversitätsthemen, z.B. Queerness, Body Positivity, Polyamorie und noch manches mehr

Und natürlich werde ich in kommenden Geschichten nicht ganz auf Konflikte oder Probleme verzichten. Aber wenn ihr gern ganz viel „Drama“ lesen möchtet, seid ihr bei mir an der falschen Stelle.

Fußnoten
(1)
Dass es auch andere Erzählkulturen und Geschichten gibt, die nicht von einem Konflikt zum nächsten führen, zeigt das japanische Kishōtenketsu, siehe diesen englischsprachigen Artikel:

(2) Elea Brandt hat einen lesenswerten Beitrag zum Trope „Bury your gays“ geschrieben:
https://eleabrandt.de/2020/12/09/dont-bury-your-gays/

Schreibtipp: Mythologie in der Belletristik, aus paganer Sicht

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus (c.1484)


Ich sage es heute mal ganz offen: Ich bin seit einigen Jahren eine pagane Polytheistin, d.h. ich verehre einige Gottheiten, die bereits in der Antike verehrt wurden.

Neulich kam auf Twitter eine Unterhaltung auf dazu, wenn sich Autor*innen an antiken Mythologien bedienen, z.B. an der nordischen, keltischen, altägyptischen, römischen, griechischen oder noch anderen. Ich schreibe dazu nun etwas aus meiner pagan Perspektive, das ich bereits auf Twitter in einem Thread geschrieben habe und hier noch um einige Überlegungen ergänze.

Für viele pagane oder polytheistische Menschen sind antike Mythologien nicht einfach nur alte Geschichten, die man nach Belieben nehmen und nach eigenem Gutdünken verändern kann. Diese alten Mythen haben für viele pagane Menschen eine religiöse Bedeutung.

Wenn sich nun Autor*innen daran machen, diese Mythen neu zu interpretieren, gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten:

Methode 1
Die Autor*innen bleiben dicht am Original. Oder an einem der Originale, denn oft ist es so, dass es unterschiedliche Mythen zu ein und derselben Gottheit oder einem Wesen gibt, je nach regionaler (oft zunächst mit mündlicher und erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte später schriftlich festgehaltener) Überlieferung, und ja, manche dieser Mythen widersprechen sich auch.

Die Autor*innen adaptieren dann den vorhandenen Stoff so, dass das Original gewissermaßen noch durchscheint, aber neu interpretiert wird. Damit erweist man den historischen Überlieferungen und der Kultur, in der diese Mythen entstanden sind, einen gewissen Respekt aus meiner Sicht.

Methode 2
Die Autor*innen nehmen sich, was sie wollen aus der mythologischen Vorlage und drehen ihr ganz eigenes Ding draus, ohne Rücksicht auf die Eigenschaften der verwendeten Wesen/Gottheiten oder der historischen Quellen. Zum Beispiel nehmen sie den Namen einer Gottheit und verleihen diesen einem Dämon.

Oder sie versetzen Figuren aus einer bestimmten Region oder einem bestimmten Pantheon ganz ans andere Ende der Welt, ohne das näher zu begründen. Im schlimmsten Fall werden hier historische Mythen gewissermaßen ausgebeutet und das geht in Richtung kulturelle Aneignung.

Diese Gefahr besteht auch, wenn man sich an den Mythen einer Kultur bedient, in der man nicht selbst aufgewachsen ist. Zum Beispiel wenn eine Autorin aus Deutschland sich mit japanischer Mythologie oder Folklore befasst und dann Methode 2 anwendet.

Und man kann es sich schon denken, ich würde immer zur ersten Methode raten.

In der Twitter Unterhaltung kam das Gegenargument zu meiner Position, dass ja auch zahlreiche Motive aus der christlichen Religion auf unterschiedlichste Weise Einzug in die Popkultur gefunden haben und da auch viele Autor*innen einfach machen, was ihnen gefällt (z.B. in der Phantastik Engel, Teufel, Dämonen, im Horror-Genre Exorzismen, oder auch neue Interpretationen biblischer Geschichten in verschiedenen Genres).

Ich möchte allerdings zu Bedenken geben, dass die christliche Religion im Gegensatz zu heutigen paganen Glaubensgemeinschaften seit Jahrhunderten weltweit bestens etabliert ist. Christ*innen werden eher nicht diskriminiert (oder in einigen Fällen nur dort, weltweit gesehen, wo sie eine Minderheit bilden). Von daher haben Christ*innen größtenteils, zumindest was ihren Glauben betrifft, eine privilegierte Position.

Pagane/heidnische Menschen sind dagegen überall eine Minderheit und müssen sich oft mit Vorurteilen oder diskriminierendem Verhalten herumschlagen, wenn sie offen von ihrer Religion sprechen – das zeigt z.B. dieser englischsprachige Bericht über eine Umfrage der Pagan Federation in Schottland:
https://wildhunt.org/2021/03/scottish-pagan-federation-to-release-results-of-discrimination-survey.html

Insofern tut man aus meiner Sicht als Autor*in diesen Menschen einen großen Gefallen, wenn man die alten Mythen, die vielen von ihnen heilig sind, mit Respekt behandelt. Und deshalb würde ich wie gesagt, immer zur ersten Methode raten.

#DiverserDonnerstag: Inklusiver ins Neue Jahr

Die Aktion #DiverserDonnerstag ist von @equalwritesde ins Leben gerufen worden, mit dem Thema „Inklusiver ins Neue Jahr“

(Diesen Blogbeitrag schreibe ich schon am 23. Dezember.)
Ich blicke erst einmal zurück. Ich sehe mittlerweile klar eine Entwicklung bei mir. Vieles, was mir heute bewusst ist in Sachen Diversität, Repräsentation und Inklusion, gab es in meinen ersten Büchern noch nicht, einfach weil ich das nötige Wissen damals noch nicht hatte. Wer also z.B. noch nie ein Buch von mir gelesen hat und mit meinem Debütroman „Der Stern des Seth“ (von 2015, überarbeitete Neuauflage 2018) anfängt, wird dort wohl einiges vermissen, worüber ich heute so oft in Social Media und in meinem Blog schreibe.

Ich habe leider nicht die zeitlichen Kapazitäten, um sämtliche meiner bisher veröffentlichen Bücher zu überarbeiten. Stattdessen schreibe ich lieber neue Bücher, in denen ich Diversität, Inklusion und Repräsentation berücksichtige. Ich verwende mittlerweile auch zunehmend gendergerechte Sprache, soweit es mir möglich ist.

Seit 2019 pflege ich die Buchliste „Phantastik mit Diversität“ Die Liste ist ein erster Versuch, Diversitätsthemen in Phantastikbüchern sichtbarer zu machen, denn Klappentexte verrate diese oft nicht oder nur in Andeutungen. Mittlerweile sind über 230 Bücher/Buchreihen auf dieser Liste, von deutschsprachigen und internationalen Autor*innen (bei letzteren nur Bücher, die ins Deutsche übersetzt wurden). Wenn ihr ein Buch veröffentlicht habt, das auf diese Liste passt, und ihr darauf vertreten sein wollt, schreibt mich gern an.

Übrigens, wer englischsprachige Phantastik mit Diversität sucht, dem sei diese starke Datenbank mit zahlreichen Suchfunktionen empfohlen: https://queersff.theillustratedpage.net/

Wenn ihr gern mit mehr Diversität und Inklusion schreiben möchtet und Tipps für den Einstieg sucht, schaut gern mal in diese Linksammlung: https://diversitaetinderliteratur.carrd.co/

Falls ihr ein kurzes Buch mit Essays zu diesem Thema lesen mögt, schaut euch gern einmal „Diversity in der Literatur“ an.

Ich biete mittlerweile Sensitivity Reading an, für folgende Themen:

Queerness (panromantisch, grauasexuell, gender-nonconforming)
Polyamorie
bipolare Störung (Depressionen, Manien, Psychosen)
Angststörung, soziale Ängste
Erfahrung mit Armut, Klassismus
Dicksein (z.B. Erfahrungen mit Fatshaming)

Falls jemand von euch in der Hinsicht Bedarf hat, schreibt mich gern an.

Ich habe auch schon mehrfach selbst Sensitivity Reading für eigene Manuskripte genutzt und ich kann das einfach nur immer wieder empfehlen, wenn man diskriminierungssensibel schreiben möchte, für ein bestimmtes Thema oder mehrere aber keine eigene Lebenserfahrung mitbringt. Meine Erfahrung damit? Die Sensitivity Readings waren eine große Bereicherung für meine Texte, ich wurde z.B. auf problematische Plotpoints oder verletzende Formulierungen hingewiesen, die mir vorher nicht bewusst waren.

Einige Probleme in der deutschsprachigen Literaturszene

Die Literaturszene in Deutschland hat einige Probleme und hier und da zeigen sich dieselben Muster, z.B. dass so einige buchige Events keinen Safe Space für marginalisierte Menschen darstellen. Mit anderen Worten: Es gibt Veranstaltungen, auf denen sich marginalisierte Menschen nicht rundum sicher und wertgeschätzt fühlen können.

Dieser Blogbeitrag handelt von dem, was mir in den letzten Monaten so aufgefallen ist. Da ich natürlich bei weitem nicht die gesamte Literaturszene überblicke, handelt es sich um einen mehr oder weniger subjektiven Bericht.

Es gibt zum einen ein grundsätzliches Problem, das genreübergreifend ist. Manche Autor*innen sehen angesichts eines innovativen Umgangs mit Sprache, zum Beispiel gendergerechter Formulierungen, aber auch angesichts von Triggerwarnungen/Content Notes oder Sensitivity Reading (noch immer) den Untergang des Abendlandes heraufziehen und beklagen sich über angebliche Zensur. Sie pochen auf die Freiheit der Kunst. Und meinen damit meistens vor allem die Freiheit, verletzende, herabwürdige Formulierungen oder Handlungen in ihren Texten unterzubringen (Beispiel), oder generell problematische Inhalte. Sie meinen oft auch die Freiheit, vor entsprechenden Inhalten nicht mit Triggerwarnungen o.ä. zu warnen.

Funfact: In einigen Ländern sind Autor*innen und der Literaturbetrieb schon wesentlich weiter, wenn es um Diversität, Repräsentation und Inklusion in der Literatur geht. Da könnten wir uns im deutschsprachigen Raum die eine oder andere Scheibe abschneiden. Hier reden sich marginalisierte Menschen oft den Mund fusselig, leisten oftmals kostenlose Aufklärungsarbeit in Social Media oder Blogs und stoßen dabei immer wieder auf unbelehrbare Zeitgenoss*innen, denen die eigenen Privilegien nicht bewusst sind und auch nicht bewusst werden wollen und die Probleme oder problematische Inhalte kleinreden.

Der größte deutschsprachige Phantastikautor*innen Verein, das Phantastik Autoren Netzwerk e.V.(PAN e.V), hatte im Programm seiner Veranstaltung für 2020 (die wegen der Pandemie letztendlich abgesagt wurde) den Programmpunkt „Retten wir die Kunst vor den Moralaposteln“. Wohlgemerkt, nachdem sich mehrere Leute im Verein für Diversität und Inklusion stark gemacht hatten und sich nun fragten, warum eine solche kontroverse, polarisierende Position – anders formuliert: „Die Kunst ist frei und darf alles! Meinungsfreiheit!!“ – wieder und wieder zur Diskussion gestellt werde. Es hagelte Kritik in den Social Media, der Programmpunkt wurde gestrichen. Mehrere Leute traten aus dem Verein aus – ich ebenfalls, was in meinem Fall übrigens noch andere persönliche Gründe hatte, die nichts direkt mit dem Verein zu tun hatten.

Und es gab noch weitere Probleme, die ich persönlich nicht überblicke. Unter anderem kündigte die neue multimediale Phantastik-Veranstaltung MetropolCon an, für ihre erste Con im Jahr 2023 eng mit PAN e.V. zusammenarbeiten zu wollen. Auch das führte zu einiger Kritik auf Twitter, unter anderem gab es auch Bedenken, wie die MetropolCon mit ihrem Team ihre Veranstaltung diskriminierungssensibel gestalten möchte, angesichts ihrer Vision,
MetropolCon versteht sich als inklusive, barrierefreie, diverse und nachhaltige Veranstaltung. Sie ist ein safe space für alle Teilnehmenden. Austausch, Diskussion und Vernetzung finden auf Basis von Respekt, Offenheit und einem generell wertschätzenden Umgang miteinander statt.„(1)

Ich war sehr angetan, als ich von dieser Vision gelesen habe und hoffe, dass diesen guten Worten auch Taten folgen.

Edit am 14.12.:
Die MetropolCon hat folgendes Statement veröffentlicht:
https://www.metropolcon.eu/2021/12/14/statement-diversitaet-pan-und-unsere-vision/

PAN e.V. hat übrigens in einer Kurzstellungnahme am 13.12. 2021 auf Twitter angekündigt:

Wir haben die Diskussionen der letzten 24 Stunden aufmerksam verfolgt. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Vorwürfe an den Verein aufzuarbeiten und Lösungen für vorhandene Probleme zu entwickeln. Für konkrete Hinweise zu rassistischen Übergriffen wären wir sehr dankbar, denn ein solches Verhalten wird von PAN nicht geduldet. Es war unser Versäumnis, dass die Betroffenen der im Raum stehenden Vorfälle sich nicht sicher genug gefühlt haben, um sich direkt bei uns zu melden. Wir stehen für ein vielfältiges Miteinander und Diversität. Dass uns nicht gelungen ist, das auch deutlich zu kommunizieren, tut uns aufrichtig leid. Wir wollen es besser machen. Informationen zu weiteren Schritten folgen in den nächsten Tagen.“ (2)

Ich hoffe, das sich dieses Vorhaben konstruktiv und positiv entwickelt.

Die Aktion „Fair Lesen“

… führte zu zahlreichen Diskussionen um Bibliotheken und die Onleihe. Dazu hat sich auch der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) geäußert und ist darin auf einige Fehlinformationen der Aktion eingegangen:

https://dbv-cs.e-fork.net/sites/default/files/2021-10/PM_dbv%20zur%20Kampagne%20Fair%20Lesen_20210118_final_1.pdf

Ein deutscher Literaturpreis sorgte mehrfach für Kritik angesichts eines queerfeindlichen Beitrags und es wurde nicht besser, als es im September 2021 um das Thema Trennung von Werk und Autor ging. (3)

Bereits 2017 kam es auf der Frankfurter Buchmesse zu Gewalt, die in Zusammenhang mit Rechtsextremismus stand. (4)

In diesem Jahr sagten mehrere Schwarze Autor*innen, der Aktivist Raul Krauthausen und weitere marginalisierte Personen ihre Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse ab, weil dort an prominenter Stelle ein rechtsextremer Verlag ausstellen durfte und generell unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit dort rechtsextremen, menschenverachtenden Verlagen der Zugang gewährt wird.

Die Mitteilung der Buchmesse dazu liest sich aus meiner Sicht recht fadenscheinig und zeigt, dass hier offenbar privilegierte weiße Menschen nicht verstehen, was das eigentliche Problem ist: Dass diese Haltung dazu führt, dass sich marginalisierte Menschen auf der Messe nicht wohl, geschweige denn sicher fühlen können. (5)

Ich zitiere einen Tweet von mir:

„Man stelle sich nur mal vor, es gäbe eine Buchmesse dieser Größe, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, inklusiv zu sein und zwar so, dass sich auch marginalisierte Menschen dort uneingeschränkt sicher fühlen können. Das wäre doch mal was. (Utopischer Gedanke, ich weiß.)“

Um diesen Blogbeitrag nicht völlig pessimistisch enden zu lassen, möchte ich auch auf einige positive Entwicklungen eingehen. Mittlerweile kommt es auch in großen Verlagen an, dass die Repräsentation von marginalisierten Menschen von der Leserschaft erwünscht ist, z.B. gibt es mehr Romane mit queeren Figuren, die nicht nur eine Nebenrolle spielen. Einige Verlage arbeiten bereits mit Sensitivity Readern zusammen, das finde ich sehr gut. Ebenso gibt es engagierte Kleinverlage (und auch einige größere Verlage), die ganz selbstverständlich Content Notes/Triggerwarnungen in ihre Bücher einbinden. Der Publikumspreis „Goldener Stephan“ verfügte in diesem Jahr über sehr viele nominierte Bücher mit Diversitätsthemen. Engagierte Kleinverlage und auch Selfpublisher*innen machen sich wie schon seit mehreren Jahren oft besonders stark in Sachen Diversität, das ist klasse.

(1) https://www.metropolcon.eu/vision/

(2) https://twitter.com/PAN_eV_DE/status/1470362885847146499

(3) https://skoutz.de/autor-und-werk-ist-das-wirklich-unzertrennlich/

(4) https://www.zeit.de/kultur/literatur/2017-10/frankfurt-am-main-buchmesse-bjoern-hoecke-rechte-gewalt

(5)
Die Statements von Jasmina Kuhnke und Raul Krauthausen zu ihren Absagen:

und

Das Statement der Messe:

Eine lesenswerte Kolumne zu diesem Thema von Margarete Stokowski: https://www.spiegel.de/kultur/literatur/frankfurter-buchmesse-boykott-wir-muessen-gar-nichts-aushalten-kolumne-a-b28c47c0-9d03-45f6-bf29-27de62d83bc3

Easter Eggs und Anspielungen in meinen Büchern

Amna Zabini fragte heute danach auf Twitter und das hat mich zu diesem Blogbeitrag angeregt, weil ich Easter Eggs liebe und immer gern welche in meinen Geschichten unterbringe, wenn es denn passt. In manchen Fällen sind es deutlich mehr als nur Anspielungen.

Meine Kurzgeschichte „Mein Regenbogenschirm“ dreht sich direkt um diesen Auftritt von Tom Holland bei Lip Sync Battle, aus Sicht einer genderqueeren Person:

Mein Roman „Love & Crime 101“ wurde stark inspiriert durch ein Interview mit Daisy Ridley, John Boyega und Oscar Isaac. Deshalb habe ich ein kurzes „Making of“-Video gemacht, in dem ich erkläre, wie es dazu kam. Mit einem kurzen Ausschnitt aus dem Buch:

In den Romanen „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ spiele ich an auf dieses Video, in dem ein schwarzer Hund als Metapher für Depressionen verwendet wird:

Im Steampunk-Abenteuer-Roman „Der Stern des Seth“ sagt der Wissenschaftler Frederick MacAlistair gern: „Ich bin Wissenschaftler, kein Abenteurer!“ Das ist natürlich eine Anspielung auf diverse Zitate von Dr. McCoy und weiteren Leuten in Star Trek, die gern betonen, „Ich bin Arzt und kein …“

In „Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte“ gibt es eine Anspielung auf einen berühmten Doctor aus der Popkultur. Könnt ihr erraten, um wen es geht?

Und noch mehr zu diesem Roman: Darin gibt es True Crime in einem phantastischen Gewand – darin habe ich meine eigene Theorie entwickelt, wer der Mörder Jack the Ripper war. Ich habe dafür sehr viel zu den entsprechenden Morden recherchiert. Davon erzählt auch das Vorwort:

Ich liebe Shakespeare und habe in der historischen Novelle „Sein wahres Selbst“, die in seiner Ära spielt, mehrere Zitate aus seinen Werken, aus „Hamlet“ und „Wie es euch gefällt“. Auch der Titel ist eine Anspielung auf ein Zitat.


In mehreren meiner Romane tauchen reale historische Persönlichkeiten als Nebenfiguren oder per Cameo auf, z.B. der viktorianische Schauspieler und Theaterintendant Herbert Beerbohm-Tree, in „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist“

Herbert Beerbohm-Tree in der Rolle des Hamlets, zeitgenössische Abbildung

In „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Kunstraub in Kensington“ ermittelt Miss Murray im Kunstmilieu und trifft auf einer Feier unter anderem Oscar Wilde, dem ich bei diesem Anlass ein Zitat von ihm selbst in den Mund lege.

Oscar Wilde, zeitgenössische Abbildung von 1882

In „Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London“ haben die Geisterjäger und die magisch Begabten Londons eine Audienz bei Königin Victoria … and she is not amused.

Königin Victoria, Abbildung von Alexander Bassano, 1882

Es gibt noch weitere Anspielungen und Referenzen in meinen Büchern, aber ich belasse es nun hierbei.