Arbeitsabläufe und To Dos visuell darstellen: Die Kanban-Methode

Kürzlich habe ich von dieser interessanten Methode erfahren, die auch in manchen Unternehmen angewendet wird. (1) Sie eignet sich aus meiner Sicht aber auch gut für selbständige oder freiberufliche Tätigkeiten, wenn man den Überblick über verschiedene Projekte oder Projektideen behalten möchte.

Ich bin eine passionierte To-Do-Listen-Schreiberin, finde meine To-Do-Listen aber oft etwas unübersichtlich. Nun habe ich die Kanban-Methode dafür angewendet und finde die entsprechende Visualisierung deutlich übersichtlicher. Das Prinzip ist denkbar einfach: Man macht sich Spalten, die man oben betitelt mit »Ideen/Geplant«, »To Do«, »Doing (Machen)« und »Done (Gemacht)« – oder ähnlich, je nachdem, was man persönlich benötigt.

Dann werden dort die Projekte nach ihrem jeweiligen Status eingetragen und bei Änderung des Status in die passende Spalte verschoben. Je nach Notwendigkeit kann man auch mit weiteren Spalten oder Zeilen für einen Zwischenstatus oder ähnliches arbeiten.

Das kann man auch zum Beispiel mit einem Board an der Wand oder einer Pinnwand und mit Post-It-Zetteln machen. Ich habe mir einfach ein Dokument auf meinem PC angelegt, das sieht so aus: (2)

Weiterführendes und Fußnoten

(1) Mehr über deren Ursprung ist hier nachlesbar.

(2) Ich habe die Projekte teilweise umbenannt, weil ich ihre Titel noch nicht verraten möchte.

»Was ist Kanban? Die Anwendung von Taskboard, Flight-Level & Co.«, ein Video-Tutorial:

Eine Kanban App, auch für den PC (mit kostenloser Option):
https://taggle.so/

Digitaler Minimalismus – von einem anderen Umgang mit Social Media

Buchcover: (c) Rowohlt Verlag, Redline Verlag

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Inhaltswarnung: In diesem Beitrag geht es unter anderem um eine Verhaltenssucht in Bezug auf Internet und Social Media, außerdem werden Depressionen und Beleidigungen erwähnt.

Inspiriert von »Digitaler Minimalismus« von Cal Newport und »Endlich abschalten: Warum Urlaub vom Smartphone uns Zeit, Glück und Liebe schenkt« von Catherine Price, ist es seit Ende Juli 2022 mein Ziel, das Internet und Social Media mit mehr Intention und Achtsamkeit zu benutzen.

Wie alles anfing

Jahrelang habe ich mich Facebook und anderen Social Media verweigert. 2015 bin ich Facebook dann doch beigetreten, später wurde ich auch auf Twitter und Instagram aktiv. Zunächst lediglich mit der Absicht, mir dort als Autorin eine Fanbase aufzubauen und meine Bücher zu bewerben. Schnell wurde daraus eine Mischung aus privater und beruflicher Nutzung.

Überschneidungen aus Privatleben und Beruf habe ich übrigens immer wieder bei anderen Autor*innen beobachtet. Da vermischt sich oft vieles, aber das ist wiederum ein Thema für sich (dazu gibt es diesen Beitrag von mir auf Instagram: »Ich bin nicht instagramable … und das ist okay« ).

Und irgendwann fing ich gewissermaßen an, im Internet zu leben. Nein, das ist keine Übertreibung.

Ich habe zwar bis zum heutigen Tag nie Internet oder Social Media auf meinem Handy gehabt. Stattdessen war ich allerdings sehr viel am PC online. Ich gründete mehrere Facebookgruppen zu meinen verschiedenen Interessensgebieten und verwaltete die Gruppen allein oder in einem Team als Admin. Ich teilte vieles aus meinem Privatleben als marginalisierter Mensch auf Twitter. Ich beteiligte mich an vielen Autorenaktionstagen mit entsprechenden Hashtags auf Instagram.

Zugegeben, ich mache mit dem PC noch vieles mehr: Ich schreibe, höre Nachrichten, Podcasts und Musik, sehe Filme/Serien/Dokus in Streamingservices oder Mediatheken. Aber selbst diese Tätigkeiten habe ich zunehmend immer wieder unterbrochen, um in die Social Media zu schauen, oder ich habe beides parallel gemacht. Das hat sich immer mehr im Lauf der Zeit so entwickelt und hatte auch während der Pandemie noch stark zugenommen. Ich saß wirklich von morgens bis abends am PC, jahrelang. Das hat übrigens auch meiner Beziehung nicht gut getan.

In »Digitaler Minimalismus« beschreibt Cal Newport, dass Menschen Zeit für sich allein brauchen, um ihren Gedanken nachzuhängen. Das muss nicht an einem menschenleeren Ort sein. Auch z.B. bei einer Fahrt mit den Öffis oder in einem Café kann man über alles Mögliche in Ruhe nachdenken, wenn man nicht von anderen angesprochen wird oder sich beispielsweise um seine Kinder kümmern muss. Viele Menschen können das kaum noch, einfach ihre Gedanken schweifen lassen. Droht auch nur die kleinste Ruhe- oder Wartepause, greifen sie zum Handy, um sich abzulenken, zum Beispiel weil sie Angst vor Langeweile haben. Wenn man Podcasts oder Hörbücher- und Hörspiele, Musik mit Gesang, Radionachrichten konsumiert, konsumiert man damit gleichzeitig die Gedanken anderer Menschen und kann währenddessen nicht über sich selbst und sein Leben nachdenken. Gleiches gilt auch für das Lesen von Büchern, und in den Social Media für Tweets, Tröts, Facebookbeiträge, Insta-Fotos, Reels und Videos etc. Aber über sich selbst, seine Umgebung, soziale Kontakte und so weiter in Ruhe nachzudenken ist sehr wertvoll, zum Beispiel gelingt es einem dann auch tendenziell besser Probleme zu lösen.

Bei mir war es so, dass ich manchmal so viel und lange die Gedanken anderer konsumierte, mit den genannten Medien, dass ich abends kaum zur Ruhe kam. Kurz vor dem Einschlafen fing bei mir oft das Grübeln an. Ich schob es auf depressive Phasen, aber ich schätze es heute so ein, dass das nur ein Teil der Wahrheit war. Denn ich gönnte mir häufig erst vorm Einschlafen eine Pause vom Medienkonsum und fing dann entsprechend auch erst abends an, im Kopf Probleme zu wälzen.

Als ich anfing, als Selfpublisherin Belletristik zu veröffentlichen, dachte ich, die Social Media seien ein Muss. Und das ist auch richtig, als Selfpublisherin komme ich daran kaum vorbei. Schwierig wurde es allerdings im Laufe der Zeit, als ich die Social Media auch zunehmend privat nutzte. Ich schrieb einen Haufen Beiträge, auf die niemand reagierte. Ich lechzte nach Likes, Herzchen, Kommentaren oder Retweets – die direkte schnelle »Belohnung«, die im Gehirn Dopamin ausschüttet und Glücksgefühle auslöst. Die allerdings nie lange anhalten. Und das Gegenstück dazu war immer öfter auch da: Eine innere Leere, ein unangenehmes Gefühl, wenn niemand auf meine Beiträge reagierte.

Hinzu kam in den letzten paar Jahren dann immer mehr Doomscrolling, vor allem auf Twitter. Heute sehe ich es so: Ich weiß, dass es schlecht um unsere Welt, unseren ganzen Planeten bestellt ist. Kriege, eine globale Pandemie, Faschismus, fundamentalistischer Islamismus, rassistischer Terrorismus, Social Justice Probleme, die marginalisierte Menschen betreffen, Klimakrise und noch so manches mehr … Ich weiß das alles. Aber ich muss das nicht im Minutentakt lesen, inklusive vieler, vieler Reaktionen darauf. Ich möchte mich auch nicht im Minutentakt darüber aufregen, das tut weder meinem Blutdruck noch meiner Mental Health gut. Stattdessen lese ich nun die Nachrichten eher in ausgewählten, seriösen Medien oder höre sie in seriösen Radiosendern oder Nachrichtenpodcasts – und auch das reduziert.

Denn in diesem Jahr war für mich der Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe, dass die Social Media meine Seele auffressen.

Noch ein weiterer Punkt: Ich habe es mehrmals seit 2015 erlebt, dass Leute, die ich nicht näher kannte, mich online sehr angegangen sind. Zuletzt gab es auf Twitter mehrere Verrisse eines meiner ältesten Bücher (siehe dazu diesen Beitrag: https://amalia-zeichnerin.net/ueber-ein-aelteres-buch-von-mir-oder-was-ich-seitdem-dazu-gelernt-habe/) Einige Leute, die ich sehr schätze, teilten mir auf Twitter per privater Nachricht mit, dass es eine ziemlich hässliche Diskussion dazu gegeben hatte. Die ich komplett nicht gelesen habe, mit voller Absicht. Manchmal ist Schweigen (und etwas zu ignorieren) Gold.

Diese ganze Angelegenheit hat mich allerdings dennoch so sehr aufgewühlt, dass ich bestimmt drei Wochen lang daran zu knabbern hatte. Wie schon gesagt: Die Social Media sind nicht gut für meine psychische Gesundheit. Ich wage zu behaupten, sie sind auch nicht gut für die Mental Health vieler anderer intersektionaler und marginalisierter Menschen. Twitter und Facebook werden immer wieder gern mit einem »Dumpster Fire« verglichen, einem brennenden Müllhaufen, und das hat seinen Grund, leider.

Ein weiteres Beispiel: Vor einigen Jahren habe ich ein Interview zum Thema »Sensitivity Reading« in einem progressiven und nerdigen Podcast gegeben. Als der Host dies in einer riesigen Gruppe für Selfpublisher*innen teilte, wurden dort mehrere Leute beleidigend und ausfallend, wie er mir in einer privaten Nachricht schrieb. Auch das habe ich absichtlich alles nicht gelesen, um meine psychische Gesundheit zu schonen.

In meinem Tagebuch habe ich mich in den vergangenen Monaten mehrfach über die Social Media und meine Erfahrungen damit aufgeregt. Ende Juli 2022 war für mich der Punkt erreicht, an dem ich Konsequenzen ziehen wollte, unter anderem angeregt durch die beiden oben genannten Bücher.

Ich habe erkannt: Zwei, drei Tage oder auch eine Woche Social Media Pause allein reichen mir nicht. Ich möchte einen grundlegend anderen Umgang damit finden.
Ich trickse mich nun selbst aus, indem ich mit einem kostenlosen Browser-Add-on meine Social Media tageweise sperre. Ich muss diese Sperre jedes Mal erst aufheben, bevor ich eine der Seiten öffnen kann. Deshalb überlege ich es mir dreimal, ob ich die Seite wirklich öffnen will.

Klar, ich werde auch weiterhin Werbung für meine Bücher machen. Das war ja der Grundgedanke, warum ich überhaupt den Social Media beigetreten bin. Aber ich werde nicht mehr jeden Tag Beiträge über mein Autorinnenleben schreiben. Es reicht mir, wenn ich bei einer anstehenden Veröffentlichung in der Woche der Veröffentlichung eine Handvoll Beiträge schreibe und vielleicht noch gelegentlich etwas anderes über meine Bücher.

Und bevor nun jemand sagt, »Ja, aber die Algorithmen!« Das ist mir mittlerweile herzlich egal. Ich will mich nicht länger von all den Mechanismen bestimmen lassen, die Megakonzerne wie Meta (vormals Facebook) oder Twitter in ihre Produkte einbauen, um die maximale und ständige Aufmerksamkeit ihrer Nutzer*innen zu erbeuten. Sie wollen unsere Zeit, unsere Aufmerksamkeit, denn damit verdienen sie viel, viel Geld. Aber meine Lebenszeit ist mir zu wichtig, um sie ständig in Social Media zu verbringen, das habe ich mittlerweile erkannt.
Ich mache das nun seit rund zwei Wochen und meine FOMO (Fear of Missing Out, Angst etwas zu verpassen) hält sich wunderbarer Weise sehr in Grenzen.

Außerdem ist es so: Die Freund*innen und Autorenkolleg*innen, mit denen ich mich wirklich aktiv in Social Media austausche, kann ich an ein bis zwei Händen abzählen. Klar, ich habe viele Bekannte, aber muss ich wirklich wissen, was meine entfernten Bekannten X, Y und Z am Wochenende gemacht haben? Oder mir zig Urlaubsfotos anschauen, die mich nur neidisch machen, weil ich mir selbst solche Reisen nicht leisten kann? Ich habe auch keine Lust, ständig Essensbilder anzuschauen, weil ich dann selbst Appetit bekomme – und Essen ist seit Jahren ein schwieriges Thema für mich. Ich habe auch keine Lust mehr, mir bei einem Spaziergang, bei dem ich Fotos machen möchte, sofort Gedanken zu machen, ob diese Fotos denn instagramable seien.

Mein Fazit: Ich werde weiterhin in Social Media sein, aber deutlich weniger als bisher und ich werde sie anders nutzen. Und ja, mir ist die Ironie bewusst, diesen Beitrag in Social Media zu teilen. Aber vielleicht fühlen sich manche dadurch inspiriert, sich auch an einen anderen Umgang mit dem Internet und Social Media zu wagen.

Nachtrag: Falls euch die Bücher interessieren: Ich kann vor allem „Endlich abschalten“ von Catherine Price empfehlen, das bietet viele praktische Tipps, die sich für viele Menschen sicherlich gut umsetzen lassen. „Digitaler Minimalismus“ von Cal Newport ist zwar auch interessant, aber teilweise wird deutlich, wie privilegiert der Autor, ein weißer Universitätsprofessor, ist. Seine Tipps wirken zum Teil recht elitär.

Betrugsmaschen im Internet und am Telefon

Abbildung: Pixabay

Heute geht es mal nicht ums Schreiben, Bücher oder ähnliches, sondern ein Thema, das mich mehrfach beschäftigt hat: In letzter Zeit sind mir mehrere Betrugsmaschen im Internet und per E-Mail aufgefallen. Deshalb möchte ich in diesem Blogbeitrag über einige davon berichten. Weiter Beispiele gibt es in den unten verlinkten Artikeln.

Die falschen Prominenten in Social Media

Vor einigen Jahren habe ich einen Facebookbeitrag des Schauspielers Tom Hiddleston kommentiert. Einige Tage später meldete sich bei mir ein falscher Tom Hiddleston. Er hatte das Profil des echten Tom kopiert, bis hin zu dessen Profilbild und war wohl wegen meines Kommentar bei dem echten Tom auf mich aufmerksam geworden. Glücklicherweise wurde das Fake Profil von Facebook Minuten später gelöscht, vermutlich hatte es mehrere Leute bereits gemeldet. Es gibt zahlreiche Menschen, die sich als Prominente/Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ausgeben und dann ahnungslose Menschen anschreiben, auch z.B. auf Instagram. Diese falschen Profile sind oft erkennbar an zusätzlichen Buchstaben oder Sonderzeichen im Nutzernamen, da sie den echten Nutzernamen nicht übernehmen können. Sie kopieren dann, um glaubwürdig zu erscheinen, Content von der echten Person, also z.B. deren Fotos mit entsprechenden Texten.

Um bei dem Beispiel Tom Hiddleston zu bleiben: Er hat auf Instagram den Nutzernamen @twhiddleston und dieses Profil ist auch verifiziert (blauer Stern mit einem Häkchen darin) Ein Scammer könnte sich z.B. @tomhiddleston, @tom_hiddleston oder @thiddleston nennen. Was kann man gegen solche Scammer unternehmen? An Instagram melden (Person, die sich als jemand anderes ausgibt) und blockieren.

Eine andere Form des Scammings ist unter anderem auf Dating-Apps zu finden: Da werden ahnungslose Leute, häufig Frauen, angeschrieben – mit blumigen Worten und Komplimenten, z.B. über das Aussehen im Profilbild. Die Texte lesen sich allerdings oft so beliebig, als würden sie per Copy and Paste dutzendfach an Leute versendet. Und irgendwann im weiteren Verlauf wird man zum Beispiel um Geld gebeten. Spätestens an diesem Punkt sollten sämtliche Alarmglocken läuten. Auch hier ist Blocken und Melden, wenn möglich, die beste Option.

Ein Beispiel dafür, wie so ein Betrugsversuch im Extremfall von statten gehen kann, zeigt die True Crime Doku »The Tinder-Swindler«

Per E-Mail

Zum folgenden Thema über betrügerische E-Mails habe ich neulich auf Instagram einen Beitrag geschrieben, den ich hier kopiere:
In letzter Zeit habe ich mehrere E-Mails bekommen, angeblich von der Deutschen Post. In einer dieser Mails wurde ich dazu aufgefordert, eine Zollgebühr zu bezahlen – ich erwartete aber kein entsprechendes Paket aus dem Ausland.
Ein Blick in die E-Mail-Adresse vom Absender zeigte mir, dass dieser nicht wirklich für die Deutsche Post arbeitet, denn das Unternehmen wurde nicht namentlich in der E-Mail-Adresse genannt, stattdessen bestand diese größtenteils aus einer nichtssagenden Buchstaben-Zahlen-Kombination.
Wenn ihr also dubiose E-Mails erhaltet, die z.B. Lieferungen von Paketen ankündigen und eine Zahlungsaufforderung enthalten, am besten die E-Mail-Adresse genau ansehen und auf gar keinen Fall Links in der E-Mail anklicken. Das gilt natürlich auch für andere dubiose E-Mails.

Am Telefon

Wenn ihr von einer fremden Nummer aus angerufen werdet, könnt ihr z.B. auf der unten genannten Webseite nachschauen, ob es Kommentare bzw. Bewertungen zur Telefonnummer gibt – z.B. in Bezug auf Marktforschung, sonstige Umfragen, unerwünschte Werbeanrufe und ähnliches, bis hin zu Betrugsversuchen.
Einfach die betreffende Nummer oben ins Suchfeld der Webseite eingeben.
https://www.werruft.info/telefonnummer/

Einige weitere Beispiele für Betrugsmaschen gibt es in diesen Artikeln:

»Warnung vor Coca-Cola-Betrugsmasche: Tausende Nutzer sind schon darauf reingefallen«
https://www.chip.de/news/Schon-tausende-Nutzer-erwischt-Coca-Cola-Betrugsmasche_184357864.html

»PayPal-Nutzer im Visier von Kriminellen: Vorsicht vor dieser neuen Betrugsmasche«
https://www.chip.de/news/PayPal-Nutzer-aufgepasst-Kriminelle-nutzen-neue-Betrugsmasche_184357454.html

»Warnung vor neuer Betrugsmasche mit Kryptowährungen
Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben, versuchen neuerdings Menschen, die mit Kryptowährungen bereits Verluste eingefahren haben, abzuzocken. Die Berliner Polizei warnt eindrücklich davor Geldbeträge zu zahlen.«
https://www.lauterbacher-anzeiger.de/wirtschaft/geld-und-recht/warnung-vor-neuer-betrugsmasche-mit-kryptowahrungen_25637893

»Gefährliche Betrugsmasche: Kunden der Postbank und Volksbank im Visier von Kriminellen«
https://www.chip.de/news/Postbank-und-Volksbank-Kunden-aufgepasst-Gefaehrliche-Betrugsmasche-bedroht-Ihre-Daten_184353494.html

So entgehen Sie dem »Tinder-Trading-Scam«
https://www.spiegel.de/netzwelt/web/tinder-trading-scam-so-entgehen-sie-der-betrugsmasche-a-d7b492ef-f505-4af7-8880-4175fc17934a

»Warum Sie über WhatsApp keine ungewöhnlichen Nummern anrufen sollten
Auf WhatsApp macht eine neue Betrugsmasche die Runde. Kriminelle versuchen, Nutzer dazu zu verleiten, manipulierte Nummern zu wählen. Wer in die Falle tappt, kann seinen Account verlieren.«
https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/online-betrug-rufen-sie-keine-ungewoehnlichen-nummern-ueber-whatsapp-an-a-7adc40d5-c014-49d6-b99a-b7d4c9ccd409

Telefon-Betrugsmasche: Was tun, wenn „Interpol“ anruft?
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.telefon-betrugsmasche-was-tun-wenn-interpol-anruft.1b4c9d1f-aa29-4995-bf0f-0680a8456168.html

Romane mit nichtbinären Hauptfiguren

Mittlerweile gibt es im deutschsprachigen Raum immer mehr Romane mit nichtbinären Nebenfiguren, die oft auch ein Neopronomen nutzen (z.B. dey, xier, sier, they …)

Wenn ihr die Buchliste »Phantastik mit Diversität« am PC aufruft und mit den Tasten Strg, F das Suchfeld öffnet, könnt ihr dort »nichtbinär« und »nonbinary« eingeben, dann werden euch mehrere Bücher mit nichtbinären Figuren angezeigt.

Nichtbinäre Protagonist*innen gibt es in der deutschsprachigen Literatur bisher noch nicht so viele. Ich habe mich vor einiger Zeit in Social Media nach entspechenden Büchern umgehört und mir wurden die folgenden genannt – und sicherlich gibt es auch noch mehr, diese Auflistung ist nicht vollständig.

»Yanis« von Fabian Elfeld, gratis online lesbar
https://fabianelfeld.com/2020/05/03/yanis-1/

»Felix Ever After« von Kacen Callender ist ein Coming-of-Age Roman mit einer nichtbinären, transidenten Hauptfigur. Ich habe ihn vor kurzem gelesen und finde ihn empfehlenswert.
https://www.goodreads.com/book/show/58624750-felix-ever-after

Ein Interview zur Entstehungsgeschichte des Romans gibt es hier auf Englisch:
https://www.booktrust.org.uk/news-and-features/features/2021/may/felix-was-gifted-to-me-kacen-callender-shares-how-their-experiences-of-exploring-gender-identity-inspired-their-latest-novel/

»The Curse of Time and Taste« von Anne Herzel, ein Fantasyroman mit einem nichtbinären Piratenkäpt’n als Hauptfigur.

»Magnus Chase« (Band 1-3) von Rick Riordan. Die Love Interest Person des Protagonisten ist nichtbinär/genderfluid. Das Genre ist YA/Urban Fantasy. Auch darüber hinaus mit sehr diversen Figuren besetzt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rick_Riordan#Magnus_Chase

In »Bus 57: Eine wahre Geschichte« von Dashka Slater geht es um eine agender Person. Das Buch basiert, wie der Titel es sagt, auf einer wahren Begebenheit (Inhaltswarnungen: Queerfeindlichkeit bzw. Nichtbinärfeindlichkeit, Gewalt, Feuer, Rassismus)
https://www.goodreads.com/book/show/42964498-bus-57—eine-wahre-geschichte

Nike aus dem historischen Fantasyroman »Anarchie Déco« von Judith und Christian Vogt ist nicht binär (auch wenn sie dieses Label aufgrund der historischen Verortung nicht für sich nutzt).
https://www.fischerverlage.de/buch/j-c-vogt-anarchie-deco-9783596002214

Im Gegenwartsroman »Irgendwie dazwischen oder: Das mit Percy« von Sabine Nagel gibt es eine nichtbinäre Hauptfigur. Das wird aber nicht gleich zu Beginn deutlich, schrieb mir die Autorin. https://www.goodreads.com/book/show/59478451-irgendwie-dazwischen-oder

In dem Queer Romance Roman »Kissbull« von Kaye Alden ist Mari genderfluid.
https://www.goodreads.com/book/show/51888503-kissbull—mari-ethan

In »Chéri: Weil du mich siehst« (Queer Romance) von Karo Stein ist eine der Hauptfiguren genderfluid.
https://www.goodreads.com/book/show/42091628-ch-ri

»Amra und Amir« von Maria Braig ist Gegenwartsliteratur:
https://www.fairbuch.de/shop/article/44580189/maria_braig_amra_und_amir.html

»Spanische Dörfer – Wege zur Freiheit«, ebenfalls von Maria Braig, ist auch Gegenwartsliteratur. Bei der Figur Enrique bleibt allerdings offen, ob er in erster Linie transident oder nichtbinär oder beides ist.
https://www.goodreads.com/book/show/29616255-spanische-d-rfer—wege-zur-freiheit

Gegenwartsliteratur ist auch »Außer sich« von Sasha Marianna Salzmann, mit einer genderfluiden Hauptfigur.
https://www.goodreads.com/book/show/35098480-au-er-sich

In »Nur eine (schicksalhafte) Nacht?« (Queer Romance) von Robin Lang gibt es eine genderqueere Hauptfigur.
https://www.goodreads.com/book/show/48653874-nur-eine-schicksalhafte-nacht

Karlabyrinths »Die Haptik der Wände« ist eine Gegenwartsnovelle mit romantischen Anteilen, darin gibt es eine nichtbinäre Hauptfigur.
https://www.karlabyrinth.org/books/DieHaptikDerWaende.html

Ein Dark Fantasy Roman mit 13 Perspektivträger*innen, vier davon nichtbinär, das ist »Die Flotte der Maare«, ebenfalls von Karlabyrinth
https://www.karlabyrinth.org/books/DieFlotteDerMaare.html

In dem Gegenwartsroman »Atalanta Läufer_in« von Lilly Axster geht es um eine nichtbinäre Hauptfigur
https://www.goodreads.com/book/show/25631262-atalanta-l-ufer-in

Und zum Schluss noch eine Werbeeinblendung: In meinem Roman »Regency Park« (Queer Romance) ist Hauptfigur Ashley nichtbinär.
https://amalia-zeichnerin.net/contemporary-queer-romance/

Hier noch ein Tipp:

Illi Anna Heger dokumentiert die Verwendung von Neopronomen in Büchern, Comics, Filmen, Serien, Videospielen, etc., darunter gibt es entsprechend auch nichtbinäre Figuren: https://annaheger.de/pronomentexte

Bildnachweise: Die Urheberrechte der Buchcover liegen bei den jeweiligen Verlagen, Buchcoverdesigner*innen bzw. den Autor*innen.

Rund um „Regency Park“

Hier einige Fakten und mehr rund um den Roman.

1. Der Roman ist sehr lose inspiriert vom Film »Austenland«, eine romantische Wohlfühl-Komödie, in der es um ein immersives Freizeit-Event geht, bei dem die Besucher*innen in die Regency-Ära und die Welt von Jane Austen eintauchen können. Der »Regency Park« in meinem Roman ist ein völlig frei erfundener Themenpark.

2. Hauptfigur Ashley ist nichtbinär und verwendet das Neopronomen »sier«.

3. Die zweite Hauptfigur Leo ist ein cis Mann, ziemlich verplant und sieht sich selbst als Pechvogel vom Dienst, weil ihm immer wieder unangenehme Dinge passieren …

4. Eine lose Inspiration für die Figur Ashley ist der historische Schneider Zack Pinsent, der passend zu seinem Beruf ausschließlich historische Mode trägt, oft auch aus der Regency Ära. Seinen YouTube Kanal gibt es hier.

5. Eine nicht ganz unerhebliche Rolle im Roman spielt ein unterhaltsames Cover von ACDCs »Thunderstruck«, von 2Cellos. Hier das sehenswerte Video dazu.

6. Ich verrate nicht, ob das Model auf dem Buchcover mich eher an Leo oder an Ashley erinnert, aber das wird im Laufe des Romans klar, denn darin beschreibe ich das Kostüm, das das Model trägt.

7. In einer Szene habe ich den Song »Helpless« aus dem Musical »Hamilton« in die Handlung eingebaut, weil er so passend ist. Hier könnt ihr den Song hören.

8. Es gibt eine Playlist zum Roman, die auch im Buch abgedruckt ist. Hier zu finden (auf YouTube): https://www.youtube.com/playlist?list=PLTd7iW9rpwX9CuAiveUMsJVlA9N96jEQK

9. In der Handlung des Romans gibt es zwar einige Probleme, die Leo und Ashley überwinden müssen, aber eher wenig (Beziehungs-)Drama. Und Konsens ist sexy.

10. In diesem Roman konnte ich mal wieder mein Interesse an historischer Mode ein bisschen ausleben. Im Regency Park tauchen auch einige Steampunks auf, meine Verneigung vor der Steampunkcommunity, in der ich selbst mehrere Jahre aktiv war.

11. Der erste Satz im Roman ist selbstverständlich eine Anspielung auf »Stolz und Vorurteil« von Jane Austen: »Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein arbeitsloser Schauspieler nichts dringender braucht als einen Job.«

12. Dieses Zitat (siehe Bild) bringt Leo in einem entscheidenden Moment zum Grübeln.

13. Während der „Regency Park“ frei erfunden ist, habe ich unter anderem einzelne real existierende Lokale und Orte in Connecticut und New York City in den Roman eingebaut und bin mit Google Street View virtuell durch die Gegend gefahren.

14. In der Regency-Ära gab es bereits den Walzer, allerdings wurde er damals noch etwas anders getanzt als heute. In diesem Zusammenhang wird Leo in einer Szene mit historischen Tänzen vom Pech verfolgt. Siehe diesen Textschnipsel:

15. Das ist mein erster Roman mit Ich-Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Leo und Ashley erzählt. Ich habe mich früher immer gegen diese Erzählperspektive entschieden, inzwischen mag ich sie aber ganz gern.

Mehr über den Roman, auch eine Leseprobe, gibt es hier:
https://amalia-zeichnerin.net/contemporary-queer-romance/

#Autor_innensonntag: Wo finde ich Inspiration?

Was einige Geschichten betrifft, kann ich das sehr genau sagen, bei anderen eher nicht, da kam die Inspiration sozusagen aus dem Nichts, bzw. ein Plotbunny hat laut an meine Tür geklopft. Was mich schon mehrfach inspiriert hat, waren historische Recherchen, teilweise für kleinere Details, manchmal auch für größere Plotpoints.
Ich habe eine ganze Reihe an Lieblings-Schauspieler*innen und manchmal inspirieren mich deren Rollen, oder etwas, das sie in Interviews erzählen (ein solches Beispiel gibt es weiter unten). Außerdem besetze ich gern Figuren im Geiste mit realen Schauspieler*innen, das wirft dann beim Schreiben mein inneres »Kopfkino« an.

Ich möchte nun von einigen Dingen erzählen, die mich direkt inspiriert haben. Die Kurzgeschichte »Mein Regenbogenschirm« wäre nicht möglich gewesen ohne Tom Hollands Drag-Auftritt mit Rihannas Song »Umbrella« in der Show »Lipsync Battle«, hier auf YouTube zu sehen: https://youtu.be/jPCJIB1f7jk

Auf die Handlung des Romans »Love & Crime 101« kam ich, nachdem ich ein Interview mit Oscar Isaac, Daisy Ridley und John Boyega in der »Ellen Show« gesehen habe. Wie es dazu genau kam, das habe ich in dem kurzen Video »Making Of Love & Crime 101« erzählt:
https://youtu.be/KDDAOf4C86o

Daniel Defoes »Robinson Crusoe« war natürlich eine Inspiration für die Novelle »Frei und doch verbunden«, in der zwei Männer in der Regency Ära auf einer einsamen Insel im Indischen Ozean stranden.


Die Jack the Ripper Morde im viktorianischen London, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten, bildeten nicht nur eine Inspiration für »Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte«, sondern kommen auch in der Handlung teilweise vor. Ich habe dafür
sehr viel recherchiert, denn es gibt viele Dokumente und Theorien zu diesen Mordfällen.


Gaston Leroux’ Roman »Das Phantom der Oper« und das gleichnamige Musical von Andrew Lloyd Webber haben mich teilweise zu »Berlingtons Geisterjäger 4: Untotentanz« inspiriert.


Dieses viktorianisches Portrait hat mich zu der Reihe »Die mysteriösen Fälle der Miss Murray« inspiriert und es stand lange Zeit auf meinem Schreibtisch, während ich daran geschrieben habe.

Die romantische Komödie „Austenland“ bot mir eine lose Inspiration für „Regency Park“. In diesem Film, der auf einem Roman von Shannon Hale basiert, geht es unter anderem um ein immersives Freizeit-Event, das die Besucher*innen in die Regency-Ära und die Welt von Jane Austen eintauchen lässt.

Sensitivity Reading

Inhaltswarnung: Erwähnung von Queermisia und Rassismus

Dieser Essay stammt aus meinem Essayband »Diversity in der Literatur«

Zunächst einmal: Was ist das eigentlich?

Fangen wir mit einem fiktiven Beispiel an. Susanne ist eine deutsche Autorin. Sie ist weiß, heterosexuell, cisgender und lebt in der Mittelschicht, ist auch darin aufgewachsen. Susanne möchte gern einen Roman über Naomi schreiben, eine Schwarze Frau in Deutschland, eine Afrodeutsche, die lesbisch und cisgender ist und ebenfalls zur Mittelschicht zählt. Die einzigen Lebenswelten, die Susanne und ihre fiktive Naomi gemeinsam haben: Sie sind beide cisgender Frauen und in der Mittelschicht heimisch. Aber Susanne weiß nicht, wie es sich anfühlt und was es mit sich bringt, eine Afrodeutsche zu sein. Sie hat auch keine Lebenserfahrung als lesbische Frau.

Nun könnte Susanne einfach drauflos schreiben und dabei respektvoll mit der fiktiven Naomi umgehen. Aber ihr Bild dieser Frau wäre sehr ausgedacht und wenig an den Lebenswelten lesbischer, cisgender afrodeutscher Frauen orientiert. Vielleicht kennt Susanne eine lesbische Afrodeutsche und hat sich intensiv mit ihr ausgetauscht. Das wäre ganz klar ein Vorteil für ihr schriftstellerisches Projekt. Vielleicht hat sie Own-Voices-Romane oder Artikel von lesbischen afrodeutschen Frauen gelesen oder Podcasts gehört oder auf andere Weise die entsprechenden Lebenswelten recherchiert. Aber ihre fiktive Naomi und deren Leben mag zwar ähnlich sein, aber es ist immer noch eine ausgedachte Figur, die gewissermaßen durch eine „weiße Brille” gesehen wird.

Und hier kommt Sensitivity Reading ins Spiel. Susanne könnte sich an eine lesbische Schwarze Frau wenden, die bereit ist, ihren Roman über Naomi zu lesen. Sie könnte sich auch zum einen an eine Schwarze Frau und zum anderen an eine lesbische Frau wenden, die bereit sind, ein Sensitivity Reading zu übernehmen.

Beim Sensitivity Reading werden Texte testgelesen, mit einem bestimmten Fokus. Wer über marginalisierte Menschen schreibt, mit deren Lebenswelt aber keine eigene Erfahrung hat, für den sind Sensitivity Readings eine gute Möglichkeit, auf möglicherweise verletzende Formulierungen und Stereotypen über diese marginalisierten Menschen aufmerksam gemacht zu werden. So etwas kann sich übrigens auch ganz ohne böse Absicht in einen Text schleichen, einfach aus Unwissen – das gilt bei weißen Menschen zum Beispiel für unabsichtlich rassistische Aussagen.

Sensitivity Reader zählen selbst zu einer oder mehreren marginalisierten Gruppen, z.B. Menschen mit Behinderung, queere (LGBTIAQ*) Menschen, BI_PoC (Black, Indigenous, People of Color), Menschen mit Neurodiversität, einer psychischen oder chronischen Erkrankung, Menschen, die in Armut leben oder noch andere. Sensitivity Reader sind somit gewissermaßen Expert*innen für die entsprechenden Lebenswelten und -erfahrungen. Das Beispiel oben mit Naomi ist intersektional – das bedeutet, diese Figur ist zweifach marginalisiert, als Schwarze Frau und als lesbische Frau.

Das heißt natürlich nicht, dass ein Sensitivity Reader allein für die gesamten Lebenserfahrungen aller aus seiner marginalisierten Gruppe sprechen kann. Aber Sensitivity Reading kann zumindest Tendenzen aufzeigen und gröbste Fehler oder Probleme in der Beschreibung marginalisierter Menschen ausmerzen.

Wozu dient es nicht?

Entgegen so manchem Vorurteil gegenüber Sensitivity Reading ist es keine Zensur und will auch nicht die Freiheit der Kunst beschneiden. Ganz im Gegenteil hilft Sensitivity Reading dabei, authentischer, vorurteilsfreier und lebensechter über Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und/oder aus marginalisierten Gruppen zu schreiben und das sollte doch eigentlich im Interesse aller Autor*innen sein.


Warum sollte man Sensitivity Reading nutzen?

Das hat mehrere Gründe. Es sensibilisiert zum einen für einen Umgang mit nicht-diskriminierender, nicht-herabwürdigender, inklusiver Sprache. Das geht übrigens auch, ohne dass man um die Freiheit der Kunst bangen muss. Ein weiterer wichtiger Grund: Menschen aus marginalisierten Gruppen, die mithilfe von einem Sensitivity Reading bearbeitete Texte lesen, werden sich darin wahrscheinlich positiver und authentischer repräsentiert finden, in Figuren, die ihrer marginalisierten Gruppe angehören.

Sprache hat einen großen Einfluss darauf, wie wir die Welt sehen. Vorurteile, Diskriminierung und Stereotypen finden nicht nur auf dem Papier statt, wenn wir sie lesen, sie finden auch einen Weg in unsere Köpfe, wenn wir immer wieder darüber lesen. Das zeigen auch psychologische Studien. (1)

Sensitivity Readings können letztendlich nicht nur helfen, Vorurteile, Diskriminierungen und Stereotypen in Texten zu vermindern, sondern auch in den Köpfen der Lesenden abzubauen, weil sie helfen, authentischere Figuren abseits von Vorurteilen und Stereotypen zu erschaffen.

Meine eigenen Erfahrungen mit Sensitivity Reading

Ich habe selbst ein Sensitivity Reading für eine andere Autorin gemacht, das war für einen großen Publikumsverlag. Die Zusammenarbeit lief über das Lektorat, war sehr professionell und freundlich, außerdem wurde mir meine Tätigkeit auch mit einem fest vorgegebenen, nicht verhandelbaren Betrag vergütet. Ob alle meine Anmerkungen oder die mir wichtigsten umgesetzt wurden, weiß ich allerdings noch nicht, da ich das veröffentlichte Buch noch nicht gelesen habe. Und letztendlich liegt diese Entscheidung natürlich beim Verlag.

Als Autorin habe ich mehrfach mit Sensitivity Readern zusammengearbeitet. Bei zwei Sensitivity Readern lief die Zusammenarbeit reibungslos. In einem Fall hatte der Sensitivity Reader ganz andere Vorstellungen als ich zur Geschichte, was einige inhaltliche Fragen betraf. Dieser Reader ist selbst Autor und hätte meine Ausgangsbasis der Geschichte vielleicht lieber anders umgesetzt.

Aber Sensitivity Reading ist in der Regel kein inhaltliches Lektorat. Sensitivity Reader helfen einem eher dabei, auf problematische Beschreibungen und Formulierungen zu verzichten. Ihre Aufgabe ist es nicht, Geschichten komplett inhaltlich zu verändern – es sei denn, dass sich darin ein sehr problematisches Handlungsmuster befindet, das beispielsweise auf rassistischen oder queerfeindlichen Stereotypen beruht. Ein sehr negatives Trope ist beispielsweise Bury your gays (2), das so oft in der Vergangenheit eingesetzt wurde, dass manche Rezensent*innen von Filmen, Büchern etc. extra hervorheben, wenn dieses Trope nicht verwendet wird.

In einem anderen Fall hatte ich Pech, was die Umsetzung betraf: Zuerst sagte mir eine Sensitivity Readerin ab wegen zu starker Arbeitsbelastung im Brotjob, ein anderer Sensitivity Reader ließ mich mehrere Monate auf sein Feedback warten, da er ebenfalls viel zu tun hatte. Das bringt mich allerdings zu einem wichtigen Punkt: Sensitivity Reading ist nicht unbedingt eine berufliche Tätigkeit – manche Sensitivity Reader übernehmen diese Tätigkeit in ihrer Freizeit und es kann sein, dass jemand wenig Zeit dafür erübrigen kann. Deshalb ist es gut, wenn beide Seiten, also Autor*innen und Sensitivity Reader, sich gegenseitig absprechen, auch wenn möglich, über den zeitlichen Rahmen. Und auch über eine mögliche Vergütung oder andere Gegenleistungen sollte man im Vorfeld sprechen, damit es nicht zu Unstimmigkeiten oder Enttäuschungen kommt.

Fußnoten

(1) Einige Studien zu diesem Thema:

https://numerons.files.wordpress.com/2012/04/14psychology-of-entertainment-media.pdf

https://www.researchgate.net/publication/254084523_The_Impact_of_Stereotypical_Versus_Counterstereotypical_Media_Exemplars_on_Racial_Attitudes_Causal_Attributions_and_Support_for_Affirmative_Action

https://www.researchgate.net/publication/240699945_Processing_Social_Information_in_MessagesSocial_Group_Familiarity_Fiction_Versus_Nonfiction_and_Subsequent_Beliefs

(2)

Bury your gays ist ein Handlungsmuster, bei denen die einzigen queeren Charaktere (oder der einzige queere Charakter) in einem Buch, Film, etc. sterben, oft auf dramatische Weise, während die heterosexuellen Charaktere überleben.

Hier eine sehr empfehlenswerte Website:


Ein weiterer Blogbeitrag, in dem ich auch auf Sensitivity Reading eingehe: »Was darf ich denn überhaupt noch schreiben?«
https://amalia-zeichnerin.net/was-darf-ich-denn-ueberhaupt-noch-schreiben/

Eine Podcast-Folge, in der ich zum Thema Sensitivity Reading interviewt wurde:
https://dernerdigetrashtalk.podigee.io/b44-sensitivity-reading4-sensitivity-reading

Neu auf Mastodon

Nachdem Anfang dieser Woche die Nachricht aufkam, dass Elon Musk Twitter kauft, fürchten viele Nutzer*innen, mich eingeschlossen, dass das allerhand negative Folgen haben könnte. Mehr dazu in den Fußnoten.(1) Ich bleibe erst mal weiter auf Twitter, bin aber nun auch auf Mastodon, das Twitter in vielerlei Hinsicht ähnelt.

Die Vorteile, die ich bisher in diesem sozialen Netzwerk sehe:
Es ist dezentral aufgebaut mit vielen sogenannten Instanzen (Servern)
Keine Werbeanzeigen
Keine Algorithmen
Pro Beitrag kann man 500 Zeichen schreiben (statt 280 wie auf Twitter)
Content Warnungen (Inhaltswarnungen) sind in Beiträge integrierbar
Beiträge („Toots“, oder deutsch „Tröts“) können gelöscht und neu geschrieben werden, und erscheinen dann auch an derselben Stelle in einem Thread wie vorher. Also eine praktische Editierfunktion.
Instanzen (Server) sind regional oder thematisch ausgerichtet. Da Mastodon eine open Source Software ist, kann das Design von Instanzen unterschiedlich sein. Hier gibt es eine Übersicht: https://instances.social
Man instanzenübergreifend mit anderen Usern in Kontakt treten, das geht unabhängig von der Instanz, bei der man sich registriert (ähnlich wie bei E-Mails, die ja auch über verschiedene Anbieter wie GMX, Web.de, Hotmail etc. laufen). Die größte Instanz ist http://mastodon.social, sie ist allgemein ausgerichtet, nicht an ein Thema oder eine Region gebunden.
Bilder können als sensible Inhalte gekennzeichnet werden und erscheinen dann ausgeblendet.
In die „Tröts“ können Bilder, Audiodateien oder Videos hochgeladen werden, eine GIF-Galerie zum Auswählen gibt es aber nicht.
Tröts können öffentlich, nur an die eigenen Follower oder als persönliche Nachricht nur an eine Person geschrieben werden, bzw. auch als „nicht gelistet“ (sie tauchen dann nicht in öffentlichen Feeds auf).
Bildbeschreibungen können nach dem Upload eines Bildes über einen Bearbeiten-Button (der auf dem Bild erscheint) integriert werden.
Anders als bei einigen anderen sozialen Netzwerken muss man weder das eigene Geburtsdatum noch eine Postadresse angeben, es reicht ein Name und die E-Mail-Adresse.

Das sind die Vorteile, die ich bisher beobachtet habe, von daher ist mein erster Eindruck recht gut. Mehr Infos über Mastodon gibt es hier: https://joinmastodon.org

Ich mache übrigens bis 15. Mai 2022 exklusiv auf Mastodon eine E-Book Buchverlosung, diese findet ihr hier (nur wenn ihr bei Mastodon angemeldet seid): https://mastodon.social/web/@amalia12/108209348598294710

Ein interessantes Video auf Youtube über Mastodon:
https://youtu.be/x3cJWnWutFw

Fußnote
(1) Einige Artikel zur Übernahme Twitters durch Elon Musk, auf englisch bzw. deutsch:
https://techcrunch.com/2022/04/14/elon-musk-twitter-takeover-bro-log-off/

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/twitter-musk-uebernahme-103.html

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/reaktionen-twitter-musk-100.html

Jetzt neu: E-Books mit Inhaltswarnungen


Aus aktuellen Anlass (siehe diesen Beitrag) und auf die Anregung eines Autorenkollegen hin habe ich nun etwas umgesetzt, das ich schon länger überlegt hatte: In den E-Books meiner Selfpublishing-Titel gibt es nun gut sichtbar vorn im Buch Inhaltswarnungen. Wer diese nicht lesen möchte, überspringe bitte den entsprechenden Abschnitt im E-Book.

Die Inhaltswarnungen könnt ihr vor dem Kauf eines E-Books sehen, wenn ihr auf die Leseprobe klickt (z.B. den »Blick ins Buch« bei Amazon, »Klick ins Buch« bei Hugendubel oder »Hineinblättern« bei Weltbild etc.) Ich habe gerade noch mal geschaut, bei Thalia sind noch nicht alle Bücher von mir aktualisiert, aber ich denke, das ist in den Tagen nach dem Osterwochenende der Fall, so dass in den Leseproben aller aktualisierten Selfpublishing-Titeln die Inhaltswarnungen angezeigt werden.

Falls ihr sie dort nicht seht, die Inhaltswarnungen zu allen meinen Büchern gibt es auch wie bisher auf dieser Unterseite meiner Webseite: https://amalia-zeichnerin.net/inhaltswarnungen-zu-meinen-buechern/

In meinen zukünftigen Büchern wird es die Inhaltswarnungen auch vorn in den Taschenbüchern geben. Bei »Regency Park« (erscheint im Sommer 2022) ist das bereits integriert.

Ich habe übrigens auch einige positive Inhaltshinweise gesammelt, diese gibt es hier:
https://amalia-zeichnerin.net/inhaltshinweise-zu-meinen-buechern/

#DiverserDonnerstag: Ableismus

Content Note: In diesem Beitrag nenne ich einige ableistische Ausdrücke

Zu diesem Thema habe ich einiges gesammelt, das findet ihr unten bei der weiterführenden Literatur. Ableismus, also die Feindlichkeit gegenüber bzw. Diskriminierung von behinderten Menschen, ist ein weites Feld, allein schon, weil es so viele unterschiedliche Behinderungen gibt. Manche davon sind unsichtbar oder nicht auf den ersten Blick erkennbar. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Erfahrungen und Bedürfnisse behinderter Menschen.

In der Literatur und in anderen Medien werden Menschen mit Behinderung oft klischeehaft dargestellt (siehe dazu das unten verlinkte Interview), oder aber ihre Geschichte definiert sich allein über ihr »Leid«. Ich schreibe »Leid« hier absichtlich in Anführungszeichen, da nicht Betroffene meistens davon ausgehen, dass Menschen mit einer Behinderung ganz furchtbar unter dieser leiden. Das mag im Einzelfall tatsächlich der Fall sein, ist aber bei weitem nicht bei allen so. Hier wird also mitunter ein falscher Eindruck von behinderten Menschen erreicht.

In anderen Geschichten erreichen Figuren mit Behinderung etwas Besonderes oder schaffen es einfach, ihr Leben und ihren Alltag zu meistern – aber solche Geschichten dienen viel zu oft nicht Betroffenen als »Inspiration Porn« (siehe den Beitrag, der unten verlinkt ist).

In einigen Fällen gibt es leider sehr problematische Darstellungen von Behinderungen, ein Beispiel dafür ist der Bestseller »Ein ganzes halbes Jahr« von Jojo Moyes, das auch verfilmt wurde. Siehe dazu die unten verlinkte Filmkritik Behindert sein = Sterben wollen? Filmkritik “Ein ganzes halbes Jahr” von Judyta Smykowski.

Ich selbst habe eine Gehbehinderung und eine chronische psychische Erkrankung, habe mich aber erst in den letzten Jahren zunehmend mit dem Thema Ableismus auseinandergesetzt und lerne immer noch dazu. Hier ein sprachliches Thema, das mir bis vor einigen Monaten gar nicht bewusst war: Begriffe wie »dumm«, »Idiot«, »Blödmann«, »schwachsinnig«, also jede Menge Schimpfworte, sind ableistisch und ich versuche mittlerweile, sie als Autorin und auch in meiner Alltagssprache komplett zu vermeiden. Diese Begriffe sind ableistisch, weil sie der so genannten Person (oder einer ganzen Personengruppe) das Denkvermögen absprechen, sich also über deren Intelligenz lustig machen. Und das wiederum stigmatisiert zum Beispiel Menschen mit geistigen Behinderungen. Hinzu kommt noch verschärfend, dass einige dieser Begriffe, z.B. »Idiotie« und »Schwachsinn« eine unrühmliche Geschichte haben: In der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie abwertend für Menschen mit geistigen Behinderungen verwendet.
Und ich hoffe, ich muss nun nicht extra erklären, dass auch die Bezeichnung »behindert« als Schimpfwort ein absolutes No-Go ist.

Weiterführende Literatur

Begriffe über Behinderungen von A – Z https://leidmedien.de/begriffe/

Interview: So klischeehaft werden Menschen mit Behinderung in Büchern dargestellt
https://ze.tt/so-klischeehaft-werden-menschen-mit-behinderung-in-buechern-dargestellt/


Inspiration Porn: Wenn behinderte Menschen als Motivationskick dienen.
Konrad Wolf erklärt, warum nicht-behinderte Menschen aufhören müssen, Menschen mit Behinderung für alltägliche Dinge zu bewundern:

https://www.zeit.de/zett/2020-02/inspiration-porn-wenn-behinderte-menschen-als-motivationskick-dienen

online Magazin “Die neue Norm”
Eigenbeschreibung: “Das Magazin für Vielfalt, Gleichberechtigung und Disability Mainstreaming. Wir denken Inklusion weiter.”

Podcast von “Die neue Norm”:
https://dieneuenorm.de/podcast/

Behindert sein = Sterben wollen? Filmkritik “Ein ganzes halbes Jahr” von Judyta Smykowski
https://leidmedien.de/aktuelles/ein-ganzes-halbes-jahr/

Ableismus in der Phantastik:
https://www.tor-online.de/feature/buch/2020/12/ableismus-in-der-phantastik/

Interessanter Artikel von Judyta Smykowski über Menschen mit Behinderung, deren oft fehlende oder problematische Repräsentation, über „Inspiration Porn“, den Mangel an Menschen mit Behinderung im Journalismus und noch mehr:
https://www.mdr.de/altpapier/altpapier-jubilaeum-diversitaet-diskurs-100.html

6 Dinge, die ihr bei Interviews mit chronisch kranken und/oder behinderten Menschen beachtet solltet
https://be-hindernisse.org/2021/02/10/6-dinge-die-ihr-bei-interviews-mit-chronisch-kranken-und-oder-behinderten-menschen-beachtet-solltet/

Zwei Webseiten zum Thema Barrierefreiheitsgesetz in DE:
https://barrierenbrechen.de
https://barrierefreiheitsgesetz.org

Behindertenfeindliche Fehlschlüsse und Formulierungen (ein Twitter-Thread von Ash als Fließtext): https://be-hindernisse.org/2021/03/19/behindertenfeindliche-fehlschlusse-und-formulierungen/

Raul Krauthausen ist ein Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit.
Mehr über ihn erfahrt ihr hier: https://raul.de/zur-person/

Und noch eine Folgeempfehlung:

Tanja Kollodzieyski aka Rollifräulein ist unter anderem als Bloggerin aktiv.

https://thabs.de/linkpage/

Sie hat außerdem das Buch »Ableismus« veröffentlicht:
https://www.goodreads.com/book/show/55376329-ableismus

Ein Blogbeitrag von mir: „Klassismus und Ableismus – Aussagen und Fragen, die Betroffene nicht mehr hören wollen“