Über ein älteres Buch von mir – oder was ich seitdem dazu gelernt habe

An diesem Wochenende habe ich zwei Verrisse für ein älteres Buch von mir gelesen, das 2016 erschien. Normalerweise würde ich sagen, okay, hier hat jemand seine ehrliche Meinung zum Buch abgegeben. Diese zwei Verrisse treffen mich aber insofern, weil mir darin eine problematische Repräsentation queerer Menschen vorgeworfen wird. Ich bin selbst queer und wie man sich vorstellen kann, möchte ich eigentlich keine problematische Repräsentation von queeren Menschen schreiben.

Aber ich bin, wie viele andere queeren Menschen, mit allerhand Stereotypen und schlechter Repräsentation – bzw. auch mit internalisierter Queerfeindlichkeit – aufgewachsen. Offenbar habe ich in diesem Buch einiges davon unbewusst eingebaut.

Wie kommt das? 2015/2016, als das Buch entstand, habe ich mich noch gar nicht mit Diversität und Repräsentation auseinandergesetzt und auch nicht viel mit Diskursen zum Thema Queerness in der Literatur. Das kam erst ab ca. 2018/2019. Mit anderen Worten: Ich befinde mich seitdem in einem Lernprozess und würde dieses Buch heute mit Sicherheit anders schreiben. Zum Beispiel würde ich einen problematischen Plotanteil – mit einem queeren Antagonisten, der sich in der Tat höchst problematisch verhält – streichen. Was ich mit all dem sagen möchte: Als Autorin habe ich einiges in Sachen Diversität dazu gelernt und würde so manches heute wie gesagt anders schreiben als vor sechs, sieben Jahren.

Ich habe allerdings nicht die Kapazitäten frei, um meine älteren Bücher in dieser Hinsicht zu überarbeiten. Insofern kann ich nur dazu raten, wenn ihr Interesse an meinen Büchern habt, lest vielleicht lieber die, die ich ab 2019 veröffentlicht habe. Zu der Zeit bin ich übrigens auch auf Sensitivity Reading aufmerksam geworden und habe seitdem mit mehreren Sensitivity Readern zusammengearbeitet.

Hier ist eine Auflistung meiner Bücher, die seit 2019 erschienen sind:
Vanfarin – Von Untoten und Totems
Das Herz eines Rebellen
Die Rolle seines Lebens
An seiner Seite
Miss Murray: Mörderische Ostern
Miss Murray: Kunstraub in Kensington
Miss Murray: Manege frei für einen Mord
Orangen & Schokolade
Ein göttliches Paar
Love & Crime 101
Post Mortem
Queer durch die Märchenwelt
In Vino Veritas
und im Sommer 2022 erscheint „Regency Park“

Alle sind hier zu finden: Veröffentlichungen
Außerdem habe ich Inhaltswarnungen und Inhaltshinweise zu allen meinen Büchern erstellt.

Update am 16.04.2022
Siehe diesen Beitrag zu Inhaltswarnungen in meinen Selfpublishing-E-Books:
https://amalia-zeichnerin.net/jetzt-neu-e-books-mit-inhaltswarnungen/

#DiverserDonnerstag – Internationaler Tag der Sichtbarkeit von trans Menschen

#DiverserDonnerstag von Xenia ( Auf Instagram: @equalwritesde). Heute geht es um den Internationalen Tag der Sichtbarkeit von trans Menschen.

CN: In diesem Beitrag erwähne ich TERFs und Transfeindlichkeit

Buchempfehlungen
Hier gibt es zahlreiche interessante Buchempfehlungen, von Linus Giese: http://buzzaldrins.de/2018/04/01/bucher-zum-thema-trans-meine-empfehlungen/
Linus selbst hat das Buch »Ich bin Linus« veröffentlicht.

Bücher mit nichtbinären oder trans Figuren gibt es auch auf der Buchliste »Phantastik mit Diversität«. Bitte am PC mit den Tasten Strg, F die Suchfunktion einschalten und ins Suchfeld »trans« bzw. »nichtbinär« oder »nonbinary« eingeben, dann werden euch entsprechende Bücher angezeigt. http://bit.ly/phantastikmitdiversität

Einige empfehlenswerte Webseiten/Profile

https://www.bundesverband-trans.de/linktree (Instagram: @bv_trans)
https://www.trans-kinder-netz.de/wer-sind-wir.html (Instagram: @transkindernetz)
https://www.transfabel.de/ (Instagram: @transfabel)
http://buzzaldrins.de/ (Instagram @linus_giese)

Das von der Regierung geplante Selbstbestimmungsgesetz wird ja zurzeit stark diskutiert. Emma Kohler (auf Instagram: @_emmanzipation_) hat unter anderem diese Petition erstellt, die bereits von zahlreichen Menschen unterzeichnet wurde: #Selbstbestimmung2022 – TSG abschaffen https://www.change.org/p/selbstbestimmung2022-tsgabschaffen

Weiteres

Ein interessanter Artikel von Felicia Ewert: „Trans ist einfach ein Teil meines Frauseins“ https://www.rnd.de/lifestyle/felicia-ewert-trans-ist-einfach-ein-teil-meines-frauseins-SGR5CVA44JEU5LKBFY2WWFBSLI.html

Felicia (auf Twitter: https://twitter.com/redhidinghood_) hat außerdem unter anderem das Buch »Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung« veröffentlicht: https://www.edition-assemblage.de/buecher/trans-frau-sein/

Zu der leider oft sehr negativen Repräsentation von trans Menschen insbesondere in Krimis und Thrillern hat Elea Brandt einen lesenswerten Blogbeitrag geschrieben:
https://eleabrandt.de/2021/04/08/transfeindliche-motive-krimis/

Ich selbst war diese negative Repräsentation leid und das war einer der Gründe, warum ich eine lesbische trans Frau als Protagonistin in meiner viktorianischen Cosy Krimi Reihe »Die mysteriösen Fälle der Miss Murray« geschrieben habe. Da ich selbst cis bin, habe ich dafür auch mit Sensitivity Readern zusammengearbeitet.

Apropos Transfeindlichkeit: Vielleicht habt ihr den Begriff TERF (trans exclusionary radical feminist) gehört und fragt euch, was damit gemeint ist. Dieser Artikel erklärt das gut:

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/transfeindlichkeit-unter-frauen-besorgte-feministinnen/24182500.html

Über den Mangel an Inklusion und Diversität in der deutschsprachigen Phantastikszene …

… am Beispiel der geplanten Phantastik Convention MetropolCon. Eine Anmerkung vorab: In diesem Beitrag verlinke ich einige Twitter-Threads, zwei Statements und einen Blogbeitrag, die alle öffentlich sichtbar sind.

Kürzlich habe ich den Blogbeitrag Einige Probleme in der deutschsprachigen Literaturszene verfasst. Das Jahr 2022 ist nur wenige Tage alt, und schon gehen die Probleme weiter. In dem genannten Beitrag schrieb ich am Beginn: „Die Literaturszene in Deutschland hat einige Probleme und hier und da zeigen sich dieselben Muster, z.B. dass so einige buchige Events keinen Safe Space für marginalisierte Menschen darstellen.“

Die MetropolCon, eine multimediale Phantastikconvention, soll 2023 zum ersten Mal in Berlin stattfinden. Ihre Vision: „MetropolCon versteht sich als inklusive, barrierefreie, diverse und nachhaltige Veranstaltung. Sie ist ein safe space für alle Teilnehmenden.“ (1) Soweit, so gut. Es gab mittlerweile einiges an Kritik in Social Media, mehr dazu im oben verlinkten Beitrag.

Kürzlich haben zwei queere BPoC (2) angekündigt, das (ausschließlich weiße) Orga Team unterstützen zu wollen. Eine der Personen, Aşkın-Hayat Doğan, arbeitet u.a. als Diversity Trainer und hätte von daher eine Menge an Fachwissen für eine diskriminierungssensible Veranstaltungsplanung einbringen können. Die andere Person, Jade S. Kye, ist als Blogger*in, Sensitivity Reader und Autor*in aktiv.
Die Reaktion der MetropolCon Orga auf dieses Angebot hat Jade S. Kye, öffentlich gemacht und ich bitte sehr darum, diese zu lesen (Lesezeit ca. 4 Minuten):
https://buecherinselblog.com/oeffentliche-antwort-an-die-metropolcon/

Warum jemand mit einer Expertise wie Aşkın von vornherein vom Orga-Team ausgeschlossen worden ist? Er hatte bestimmte Aspekte der Veranstaltung im Vorwege kritisiert, und war damit übrigens bei weitem nicht allein (siehe auch den oben verlinkten Beitrag von mir). Auf mich wirkt die Reaktion der MetropolCon so, als ob dieses Orga-Team Probleme hat, mit Kritik von marginalisierten Menschen umzugehen, wenn diese nicht in einem ausgesucht höflichen Tonfall vorgetragen wird. Das nennt sich Tone Policing (3) und es kommt mir leider nur allzu bekannt vor aus anderen Diskussionen in der Phantastikszene, zum Beispiel rund um Kritik am Phantastik Autoren Netzwerk e.V. (PAN).

Und ich möchte gern noch einige andere Stimmen zu Wort kommen lassen.
Alex hat sich in diesem längeren Twitter-Thread Gedanken über die mangelnde Inklusion und Diversität in der deutschsprachigen Phantastikszene gemacht und gibt am Ende einige Followempfehlungen, denen ich mich anschließen möchte:
https://twitter.com/KaenKazui/status/1479512950662696961

Heute hat die Metropol Con Orga folgendes Statement als Reaktion veröffentlicht:
https://www.metropolcon.eu/2022/01/07/zur-aktuellen-diskussion/

Ein Zitat daraus: „Die Entscheidung, Aşkın nicht ins Orga-Team aufzunehmen, beruht auf persönlichen Erfahrungen und hat nichts damit zu tun, dass er Kritik äußert oder auf Desiderata hinweist.
Ich kenne Aşkın seit einiger Zeit und ich finde diese Aussage der Orga mit den „persönlichen Erfahrungen“, sagen wir mal, nebulös. Nun könnte man natürlich argumentieren, dass es einer Veranstaltungsorga freisteht, zu wählen, mit wem sie zusammenarbeiten möchte und mit wem nicht. Und natürlich könnte sich auch während einer Zusammenarbeit herausstellen, dass es zu unterschiedliche Positionen gibt und dass man schließlich getrennte Wege geht. Aber in diesem Fall ist diese Entscheidung, Aşkın von vornherein auszuschließen, mehr als unglücklich.

Denn nach dem, was Jade in their öffentlichen Antwort geschrieben hat, sehe ich eine fatale Signalwirkung, die von der Entscheidung der Metropol Con Orga gegen eine Zusammenarbeit mit Aşkın ausgeht – nehmen wir einmal an, andere BI_PoC hätten ein Interesse daran gehabt, das Orga Team zu verstärken, um die Themen Inklusion und Diversity aktiv in die Planung mit einzubeziehen. Nach dieser Entscheidung des Orga Teams nehme ich stark an, dass sich BI_PoC eine entsprechende Unterstützung wohl zweimal überlegen, denn wie Jade schreibt:

Natürlich würde die Orga dennoch von meiner Vorarbeit profitieren. Und könnte mich dann als bösen PoC framen, mit der man nicht “produktiv” zusammenarbeiten könne, weil “persönliche Kommunikation und Framing” … (…) Ich sehe hier das Potential mich in Gefahr zu bringen was meine Mental Health betrifft und gleichzeitig als “Quoten-PoC” herhalten zu müssen. (…)
Unter diesen Bedingungen muss ich für mich leider festhalten, dass die MetropolCon kein Safer Space sein wird und die Orga definitiv auch nicht.


Ich schließe mich dieser Sichtweise an: Auch ich betrachte dieses Event nicht länger als einen Safe Space. Ich bin zwar keine Person of Color, aber mehrfach marginalisiert. Ich möchte darüber hinaus schon allein aus Solidarität keine Veranstaltung unterstützen, deren Orga-Team so mit BPoC umgeht.

Resa hat das Statement der Orga und das Thema Kritik in einem kurzen Twitter-Thread analysiert:
https://twitter.com/resatastic/status/1479518781026320388

Ich stelle jetzt mal ein, zwei Vermutung an, wie sich das weiterentwickeln könnte. Möglicherweise heißt es später von Seiten des Orga Teams: „Tut uns leid, aber wir konnten keine BIPoC (oder Menschen aus anderen marginalisierten Gruppen) finden, die unser Team verstärken wollten.“ Nach dem, was da bisher gelaufen ist, wäre das kein Wunder. So läuft es zu oft im deutschsprachigen Raum, auf buchigen Events, und ich bin es so leid. Wenn man sich schon Inklusion und Diversity auf die eigene Fahnen schreibt, dann sollte man marginalisierten Menschen auch eine Stimme geben und sie in die Planung mit einbeziehen.

Und ein Blick in die Zukunft – dieser Con wird 2023 vermutlich dominiert werden von weißen cis hetero Männern, den Urgesteinen der deutschen Phantastik, die sich dann gegenseitig auf die Schultern klopfen. Was nicht geschehen wird, ist das, was Alex in dem von mir oben verlinkten Thread geschrieben hat: „Und natürlich benutzen diese paar großen weißen, männlichen Autoren nicht ihre Plattform, um diesen diversen Autor*innen unter die Arme zu greifen.“
Und ganz ehrlich, ich persönlich habe keine Lust auf eine weitere solche Veranstaltung.

Ich schließe diesen Beitrag mit zwei Folgeempfehlungen:
Falls ihr in Social Media seid, folgt Jade und Aşkın.
Jade ist online hier zu finden:
https://linktr.ee/Jade_S_Kye

Aşkıns Webseite, u.a. für Diversity Training und Sensitivity Reading: https://ask-dogan.de/
Twitter: @AskDoan1
Instagram: @ask-h-dogan

Fußnoten:
(1) https://www.metropolcon.eu/vision/

(2) BPoC ist eine Abkürzung für Black, People of Color. Eine weitere Abkürzung, die u.a. in USA gebräuchlich ist: BI_PoC, das steht für Black, Indigenous, People of Color.

(3) Ein Beitrag zum Thema Tone Policing: https://feminismus-oder-schlaegerei.de/2019/02/09/tone-policing-lasst-mich-verdammt-noch-mal-wuetend-sein/

Meine Empfehlungen für mehr Vielfalt im Bücherregal

Dieses Thema gibt es im Rahmen des #Autor_innensonntags von Justine Pust.

Wenn ihr gern Phantastik lest, schaut gern mal auf diese Liste – die dort aufgelisteten Autor*innen sind queer, BI_PoC oder auf andere Weise divers, zum Teil auch intersektional (Teil mehrerer marginalisierter Gruppen):
https://bit.ly/diversePhantastikAutor_innen (oder den QR Code im Bild nutzen).

Und hier folgen einige weitere Empfehlungen:

Tommy Herzsprung schreibt Gay Bücher und Thriller

Der Buchblog »Like a dream« berichtet seit über 15 Jahren über queere Literatur, darunter auch Jugendbücher.

Linus Giese hat ein Buch über seine Lebensgeschichte als trans Mann veröffentlicht (»Ich bin Linus«) und ist als Buchblogger aktiv.

Schwarzrund ist Autor*in der Bücher »Biskaya« und »Quasi«.

Abschließend einige empfehlenswerte (nonfiction) Bücher zum Thema Antirassismus:

exit RACISM: rassismuskritisch denken lernen
von Tupoka Ogette
Unrast Verlag
ISBN: 978-3897712300

Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus
von Noah Sow
Books on Demand
ISBN: 978-3746006819

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten
von Alice Hasters
Hanserblau Verlag
ISBN: 978-3446264250

Unter Weißen – Was es heißt, privilegiert zu sein
von Mohamed Amjahid
Hanser Literaturverlage
ISBN: 978-3-446-25472-5

Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken
von Mohamed Amjahid
Piper Verlag, München 2021
ISBN: 978-3-492-06216-9

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
Von Reni Eddo-Lodge 
Tropen-Verlag 
ISBN: 978-3608504194

Aktion: #QueerBuchMontag

In den Social Media, vor allem auf Instagram, gibt es verschiedene wöchentliche oder monatliche Beitragsaktionen für Autor*innen oder Buchblogger*innen, die über Hashtags gefunden werden können. (Hier ist eine Auflistung zu finden, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: https://bit.ly/Autor_innen_Aktionstage.)

Ich möchte ebenfalls eine Aktion starten, speziell für queere Literatur, unter dem Hashtag #QueerBuchMontag. Die Aktion läuft vorerst vom 28. Juni bis 22. November, immer montags. Die Themen gebe ich vor. Manche davon richten sich speziell an Autor*innen, aber auch für Leser*innen ist etwas dabei.

Die Teilnahme verpflichtet zu nichts, man muss auch nicht jede Woche teilnehmen. Ich kündige das jeweilige Thema für den Montag sonntags um 15 Uhr an, auf meinem Twitterprofil – https://twitter.com/AZeichnerin (das ist öffentlich sichtbar, also auch für Leute, die nicht bei Twitter registriert sind).
Wenn euch etwas zum jeweiligen Thema einfällt, zeigt ein Bild und schreibt etwas dazu. Nutzt unbedingt den Hashtag #QueerBuchMontag, damit man euren Beitrag leicht und zeitnah finden kann. Ihr könnt eure Beiträge z.b. auf Instagram, Facebook, Twitter oder im eigenen Blog schreiben.

Autor_innensonntag: Wie können wir LGBTQ+ unterstützen?

Ich bin queer, entsprechend ist auch mein Blickwinkel auf dieses Thema. Hier sind einige Vorschläge von mir dazu, mit mehreren verlinkten Seiten.

An die Autor*innen unter euch:
Sensitivity Reading

Wenn ihr als Autor*innen über queere (LGBTQ+) Menschen schreibt, aber selbst nicht queer seid (oder auf andere Weise als eure Figuren) macht euch bitte auf die Suche nach Sensitivity Readern, die es sind. Sie können euch helfen, schädliche Stereotypen, unabsichtliche Darstellungen von Mikroaggressionen oder andere problematische Dinge zu eliminieren, die ihr möglicherweise versehentlich in euren Text bringt, einfach weil ihr nicht die entsprechende Lebenserfahrungen teilt. Auf diese Weise könnt ihr problematische Darstellungen von LGBTQ+ Menschen vermeiden, z.B. das fürchterliche Handlungsmuster »Bury your gays«, zu dem die Autorin Elea Brandt kürzlich einen interessanten Beitrag in ihrem Blog geschrieben hat. Auf dieser Seite findet ihr Sensitivity Reader, oder fragt in Social Media:
https://sensitivity-reading.de/

Recherchieren
Sicherlich recherchiert ihr allerhand für eure schriftstellerischen Projekte, nicht wahr? Hier gibt es Recherchematerial in Sachen Diversität – auf dieser Liste findet ihr Links zu zahlreichen Texten, z.B. Blogbeiträge, Artikel, außerdem Bücher, Podcasts u.a., die sich mit Diversität und auch mit der Repräsentation von queeren Menschen befassen (Google Doc):

http://bit.ly/literaturundlinksdiversität

Hier außerdem einige englischsprachige Texte (Google Doc):

http://bit.ly/linksandtextsdiversity

Mein Essayband »Diversity in der Literatur« beschäftigt sich ebenfalls mit vielen Diversitätsthemen, auch mit queeren Menschen.

An die Leserinnen unter euch
Werft einmal einen kritischen Blick in euer Bücherregal. Seht ihr da ausschließlich Bücher von cisgender, heterosexuellen Autor*innen? Klar, bei vielen ist das nicht auf Anhieb ersichtlich und natürlich muss jede Person ganz individuell für sich entscheiden, ob, wann oder wie sie sich outet. Aber es gibt online Listen und Buchempfehlungen zu queeren (auch genannt »Own Voices«) Autor*innen – z.B. aus Buchblogs, die sich auf queere Bücher spezialisiert haben. Zwei dieser Blogs:
QueerBuch – https://queerbuch.wordpress.com/
Like a dream – https://www.like-a-dream.de/

Der sehr engagierte Blog »Wir schreiben queer« hat einen großen Autor*innen-Katalog auf seiner Webseite: https://www.wir-schreiben-queer.de/ und ist auf Facebook und Instagram aktiv.

Auch auf dieser Liste für Phantastik findet ihr Bücher von Own Voices Autor*innen:
http://bit.ly/phantastikmitdiversität

Und hier englischsprachig für Phantastik: https://queersff.theillustratedpage.net/

Last but not least hier der Vorschlag: Lest mehr Bücher mit queeren Figuren, mit queeren Geschichten. Das bietet nicht nur eine Abwechslung zur heteronormativ geprägten Mainstream-Literatur, es könnte auch euren Horizont erweitern.


Tu Gutes und sprich darüber: Eine Charity-Kurzgeschichte

2017 habe ich eine Kurzgeschichte für Charity-Zwecke geschrieben und habe die Erlöse an Exit Deutschland gespendet. Kürzlich habe ich das wieder gemacht und das kam so: Ich habe zufällig die Tanzperformance des Schauspielers Tom Holland beim Lip Sync Battle (2017) wiedergesehen, die wirklich sehenswert ist:

Und in diesem Zusammenhang kam mir eine Idee für eine Kurzgeschichte, in der ich direkt auf die Tanzperformance eingehe. Eine kurze Recherche ergab, dass Tom Holland und seine Familie einen Charity Fundraiser aufgezogen haben, mit dem sie über 14 gemeinnützige Organisationen unterstützen: The Brothers Trust. Die Erlöse der Kurzgeschichte spende ich diesem Trust.

Mein Regenbogenschirm

Klappentext:
Mein Name ist Adrian und mein Pronomen ist sier. Ich gehe zur High School, aber ich habe mich noch nicht als queer geoutet. Wenn ich mir nur trauen würde! Als ich mit meinem Kumpel Rodrigo eine Drag Tanzperformance von Tom Holland gesehen habe, hat er mit mir gewettet, dass ich es nicht wagen würde, auch so aufzutreten – in der Talentshow der High School. Also stehe ich nun vor zwei Herausforderungen: ein gewagter Auftritt und ein Coming-out …

Umfang: 22 Seiten
Link zum Kindle-E-Book: https://smile.amazon.de/Mein-Regenbogenschirm-Amalia-Zeichnerin-ebook/dp/B08NXMHPD8/
Außerdem überall erhältlich, wo es E-Books gibt, außer in Leihservices.

Eine englische Übersetzung gibt es übrigens weltweit auf Amazon, damit ich auch eine englischsprachige Leserschaft erreiche.



Neuerscheinung: Ein göttliches Paar


Ein Unfall während eines Gewitters zwingt den jungen Tarys aus Ithyrios dazu, in einem Tempel Zuflucht zu suchen. Dort lernt er Eli kennen. Sier zählt zu den Semilx – Leute, die jenseits der Geschlechterzuordnungen von „Mann” und „Frau” sind. Eli und Tarys fühlen sich zueinander hingezogen und wollen sich wiedersehen. Doch ihrem gemeinsamen Glück steht mehr als ein Problem im Weg …

In dieser Novelle haben Sex und Sexualität spirituelle Aspekte, diese basieren zum Teil auf Tantra. Außerdem gibt es eine genderqueere Hauptfigur, die für sich das Neopronomen „sier” nutzt. Die Fantasywelt Ithyrios ist lose von der römischen Antike inspiriert.

Seitenanzahl: 97

Leseprobe (als PDF): https://bit.ly/Leseprobe_EingöttlichesPaar

Weiteres zum Buch: https://amalia-zeichnerin.net/queer-fantasy/

Warum ich diese Novelle geschrieben habe?
Zum einen wollte ich gern eine genderqueere Figur schreiben, da ich einige genderqueere/nonbinäre Menschen im realen Leben kenne und sie kaum in der Literatur repräsentiert werden. Zum anderen habe ich mich mit Tantra befasst und über entsprechende Texte herausgefunden: Dabei geht es nicht allein um Sex, sondern vor allem um eine intensive spirituelle Verbindung zwischen zwei (oder mehr) Menschen. Es hat mich gereizt, dieses Thema einmal in einer Geschichte zu erforschen und es drückt sich unter anderem darin aus, dass die beiden Hauptfiguren Tarys und Eli einen sehr wertschätzenden Umgang miteinander pflegen.

Viktorianisch und queer schreiben…

ein viktorianisches Portrait, das mich inspiriert hat

… das ist für mich immer wieder eine Herausforderung, aktuell in „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“. Für mich geht das nur, wenn einige Charaktere dabei sind, die progressive Ansichten haben, die ihrer Zeit weit voraus sind. Denn ansonsten fürchte ich, wäre wohl arg viel Queerfeindlichkeit darin, einfach weil es damals die gesellschaftliche „Norm“ war.
Miss Murray ist lesbisch und transgender. Ihre Freundin Constance ist cisgender und lesbisch. Nach heutigem Verständnis. Miss Murray begegnet immer mal wieder Leuten, die irritiert auf ihr Äußeres reagieren bis hin zu offener Feindseligkeit. Auf der anderen Seite gibt es in ihrem Umfeld aber auch progressive Menschen wie die bisexuelle Lady Thelma und deren Lebensgefährtin oder ihr Verleger, Mister Bostwick, der sie so akzeptiert wie sie ist und einfach ihre Arbeit als Autorin schätzt.
Mir ist bewusst, dass all das manche Freunde historischer Romane für ganz und gar abwegig oder unrealistisch halten würden. Aber historische Romane sind kein 100 % authentisches Abbild historischer Gegebenheiten. Das können sie gar nicht sein. Sie sind eine historische Imagination, ein „so hätte es sein können“.
Und da ich keine Zeitreisemaschine habe und meine Leser*innen auch keine Viktorianer*innen von damals sind, sondern heutige Menschen, möchte ich sensible Themen wie Queerness auch sensibel und modern behandeln.

Einige Texte dazu:

https://zeitfaeden.de/2019/07/21/wie-geht-recherche-wie-ein-historischer-roman-entsteht/

https://zeitfaeden.de/2019/08/08/queering-history-wie-man-queere-figuren-im-historischen-roman-nicht-schreibt/

https://geekgefluester.de/historische-korrektheit-fantasy


Mehr zur Buchreihe „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“:
https://amalia-zeichnerin.net/miss-murray/