Kleines Diversitäts-Lexikon

Ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren mit Diversitätsthemen, sodass ich manchmal vergesse, dass es Menschen gibt, die sich damit (noch) nicht gut auskennen. Deshalb erkläre ich hier in diesem Beitrag einige Begriffe, für Einsteiger*innen, von A bis Z.

Lesezeit (ohne weiterführende Literatur): ca. 12 Minuten

Able-bodied
Das Gegenstück zu behindert, ein Begriff aus dem Englischen

Ableismus
Die Abwertung, Diskriminierung und Unterdrückung von behinderten Menschen. Ähnlich wie bei Rassismus reicht das teilweise Jahrhunderte zurück und ist eine systemische und strukturelle Benachteiligung, z.B. durch Barrieren, die den Alltag für behinderte Menschen sehr erschweren. Im kapitalistischen System werden Menschen zudem stark nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt und wer aufgrund einer Behinderung nicht in dieses System passt, der erfährt häufig Ableismus. Während in vielen Ländern aktiv an einer Barrierefreiheit gearbeitet wird und behinderte Menschen gut in den Alltag integriert werden, sieht die Situation in Deutschland weniger gut aus, obwohl Behindertenaktivist*innen schon seit Jahren Veränderungen anmahnen.
Zum Thema ableistische Schimpfwörter: Siehe unten bei weiterführender Literatur.

Alltagsrassismus
(siehe auch Mikroagression)
Alltäglich auftretende Formen von Rassismus, die vielleicht weniger schwer erscheinen, aber dennoch für die Betroffenen sehr belastend sein können. (Zum Beispiel ohne zu fragen das Haar einer Schwarzen Person anfassen.)

Antisemitismus
Die jahrhundertealte Diskriminierung von jüdischen Menschen, die unter anderem zu Progromen in mehreren Ländern geführt hat, sowie zum Holocaust.

Behinderung
Erwünschte und neutrale Selbstbezeichnung von behinderten Menschen. Viele von ihnen lehnen Euphemismen ab, z.B. „Handicap“, „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ oder ähnliches. Es ist völlig in Ordnung, „Behinderung“ oder „behindert“ zu sagen.

Bi_PoC
Abkürzung für Black, Indigenous, People of Colour. Der Unterstrich steht dabei für weitere Menschen, die nicht weiß sind.

Bodyshaming

Die Abwertung von Körpern, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, z.B. nicht schlank sind. Das betrifft insbesondere Leute, die sehr dünn oder dick sind. Bodyshaming kann aber auch kleinwüchsige Menschen treffen, Männer, die unterdurchschnittlich klein sind oder Frauen, die überdurchschnittlich groß sind. Darüber hinaus kann Bodyshaming auch behinderte Menschen treffen, deren Behinderungen sehr sichtbar sind (z.B. manche blinde Menschen oder Leute mit deformierten oder fehlenden Gliedmaßen). Auch Veränderungen in der Körperbehaarung oder beim Kopfhaar können Bodyshaming hervorrufen (z.B. kreisrunder Haarausfall). Besonders verbreitet ist Fatshaming, also die Abwertung von dicken Menschen. Ein weiteres Problem ist außerdem, dass manche betroffene Menschen beispielsweise in medizinischen Kontexten abgewertet werden.


Catcalling

(siehe auch Sexismus): Anmachsprüche, Hinterherpfeifen oder andere sexistische Verhaltensweisen, häufig von fremden Männern gegenüber Frauen, die ihnen fremd sind und denen sie zufällig im Alltag, auf Partys o.ä. begegnen.

Coming-Out
Anderen mitteilen, dass man queer ist (vom Englischen „Coming out of the closet“, „aus dem Schrank kommen“). Coming-outs sind eine sehr persönliche Entscheidung und niemand sollte eine Person gegenüber anderen outen – außer die betreffende Person ist ausdrücklich damit einverstanden. Je nach Umfeld und Lebenssituation kann es gefährlich oder ungünstig sein, sich zu outen. Coming-outs finden häufig auch nicht nur einmal statt, sondern immer wieder, z.B. wenn die betroffene Person neue Leute kennenlernt. Coming-outs können auch anderen Formen von Marginalisierung betreffen, z.B. eine unsichtbare Behinderung offenbaren. Aber der Begriff an sich ist in erster Linie mit der queeren Community verbunden und sollte nicht für andere Bereiche verwendet werden.

Diversität
Diversität ist ein anderer Begriff für (soziale, gesellschaftliche, menschliche) Vielfalt oder auch Vielseitigkeit. Diversität gibt es nicht nur in Bezug auf Menschen, sondern auch bei Pflanzen und Tieren (Bio-Diversität) und beschreibt auch Neurodivergenz – mit dem Begriff Neurodiversität.

Diskriminierung
Handlungen, Vorurteile und Ansichten, die Menschen aufgrund bestimmter Merkmale (z.B. Geschlecht, Ethnie, Religion, Gender-Identität, Behinderung …) herabwürdigen, beleidigen, mit Vorurteilen begegnen oder stark benachteiligen, z.B. bei der Suche nach Arbeit, einer Wohnung, bzw. auch im Alltag.

Entgendern ( siehe Gendern)

Fatshaming (→ siehe Bodyshaming)

Feminismus

Jahrzehntelanger Aktivismus für die Gleichberechtigung von Frauen und FLINTA*, im Vergleich zu Männern. Die Ursprünge des Feminismus reichen zurück ins 19. Jahrhundert. Seitdem gab es in zahlreichen Ländern mehrere Wellen des Feminismus, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Mittlerweile wird häufig auch von Queerfeminismus gesprochen, um deutlich zu machen, dass nicht nur cis Frauen besonders unter dem Patriarchat leiden, sondern auch FLINTA* Personen. Feminismus gründet sich, entgegen vieler Aussagen aus der Manosphere, nicht auf Männerhass, sondern möchte die Lebensbedingungen aller Menschen verbessern (u.a. auch deshalb, weil cis Männer ebenfalls unter dem Patriarchat leiden, siehe Fußnote 1)

Gendern, gendersensible/genderneutrale Sprache
Eine Verwendung von Sprache, die alle Gender mit einbezieht und nicht nur das generische Maskulinum verwendet. Manchmal, nicht immer, kommen dabei Sonderzeichen zum Einsatz, zum Beispiel Unterstriche, Gendersternchen oder Doppelpunkte innerhalb eines Wortes. Es ist teilweise umstritten, welche dieser Sonderzeichen am besten lesbar sind.
Viele Leute lehnen solche Sonderzeichen komplett ab und regen sich darüber auf.
Bei genderneutralen Begriffen (z.B. Lehrkraft statt Lehrer) kann auf Sonderzeichen oft verzichtet werden.
In diesem Zusammenhang kann ich das gratis online Lexikon „Geschickt Gendern“ empfehlen. Entgendern ist übrigens der korrekte Begriff für diese Form des Sprachgebrauchs, weil dabei das generische Maskulinum entgendert wird.
Im alltäglichen Sprachgebrauch sagen viele Leute dazu stattdessen allerdings „gendern“.

Inklusion
Das bewusste Einbeziehen von allen Menschen in soziale Gefüge aller Art und die Gesellschaft, ungeachtet ihrer Marginalisierungsformen, beziehungsweise unter Berücksichtigung dieser und ihrer jeweiligen Bedürfnisse. Inklusion wird häufig genannt im Zusammenhang mit behinderten Menschen, bezieht sich aber letztendlich auf alle marginalisierten Leute.

Intersektionalität
Im Zusammenhang mit Diversität beschreibt dies das Ineinandergreifen verschiedener Marginalisierungen. Hier ein Beispiel: Eine trans Frau of Colour, die behindert ist, ist intersektional marginalisiert und von noch mehr Diskriminierungsformen betroffen, als wenn sie z.B. eine able-bodied cis Frau of Colour wäre.
Mehr dazu siehe auch unten bei weiterführender Literatur.


Klassismus

Die Benachteiligung, Abwertung, Herabwürdigung oder Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres sozialen Status, häufig bezogen auf die finanzielle Situation, z.B. Geringverdiener*innen, Arbeitslose, von Armut betroffene Erwachsene und Kinder, Alleinerziehende mit wenig Einkommen, Obdachlose. Diese Form der Diskriminierung reicht jahrhundertelang zurück und war in früheren Jahrhunderten eng verbunden mit dem jeweiligen Stand oder der jeweiligen gesellschaftlichen Klasse, in der sich eine Person befand, daher der Begriff „Klassismus“ (z.B. Arbeiterschicht vs. Oberschicht).

Kolonialismus
Die jahrhundertelange hochproblematische Praxis der gewaltsamen Aneignung von Gebieten, die ursprünglich nicht zum eigenen Land gehörten, auch im Rahmen des Imperialismus. In diesem Zusammenhang wurden einheimische Bevölkerungen vor Ort massiv ausgebeutet, versklavt, ermordet, häufig auch ihrer ursprünglichen Religionen durch christliche Missionarierung beraubt, außerdem kam es vielfach zu verschiedenen Formen von kultureller Aneignung. Die Rohstoffe und angebauten Produkte (z.B. Lebensmittel, Gold und andere Edelmetalle) waren ein hoher Anreiz für die Kolonialisten, die entsprechende Gebiete auszubeuten.
Es gibt auch heutzutage noch modernen Formen des Kolonialismus, z.B. der Stellvertreterkrieg, der zurzeit im Sudan herrscht.

Kulturelle Aneignung
Gemeint ist hier eine respektlose Aneignung von kulturellen Objekten, Praktiken oder Verhaltensweisen, die nicht aus der eigenen Kultur stammen, für eigene Zwecke – häufig auch zur Bereicherung, durch Kommerzialisierung. Beispiele hierfür sind verschiedene spirituelle Praktiken aus aller Welt, die im Westen populär wurden, z.B. Schamanismus, aber im Zuge der Aneignung aus ihren ursprünglichen kulturellen Zusammenhang gerissen wurden. Außerdem gibt es sogenannte geschlossene Traditionen, die für Außenstehende tabu sind (Beispiel dafür sind Hoodoo, die lateinamerikanische Brujeria-Tradition und das westafrikanische Vodún). Weitere Beispiele: exotische Karnevalskostüme oder Buddhafiguren, die rein als Dekoration dienen. In Diskursen ist teilweise umstritten, was als kulturelle Aneignung zählt und was nicht.

marginalisiert, Marginalisierung
Das kommt vom englischen Begriff „margin“ und bedeutet Rand. Es handelt sich um Menschen, die gewissermaßen am Rand der Gesellschaft leben, als Minderheit.
Hier eine Auflistung an möglichen Marginalisierungen, von A bis Z, die keinen Anspruch
auf Vollständigkeit erhebt:

Arme Menschen
Behinderte
Chronisch Kranke (z.B. psychische chronische Krankheiten wie Depressionen und Schizophrenie, Long Covid, ME/CFS, Migräne u.a.)
FLINTA* (das steht für Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans und Agender Menschen.)
Menschen mit Migrationshintergrund
Neurodivergente Menschen (z.B. ADHS, Autismus)
People of Colour, oft abgekürzt als Bi_PoC
Queere (LGBTIAQ*)
Religiöse Minderheiten
Roma, Sinti (bzw. gegendert als Sinti*zze und Rom*nja)
Wohnungslose Menschen

Mikro-Aggression
kleine, häufig subtile Formen von Abwertung, z.B. durch Anstarren, Stirnrunzeln, räumlich deutlich ausweichen (z.B. Straßenseite wechseln, in Öffis anderen Sitzplatz suchen) oder auch abwertende Bemerkungen.

Neurodivergenz
Eine Abweichung (Divergenz) von sogenannten neurotypischen Gehirnen – am bekanntesten sind Autismus, ADHS oder eine Kombination aus beidem, AuDHS. Aktivist*innen setzen sich dafür ein, dass Neurodiversität nicht als eine Störung betrachtet wird, sondern als Teil der menschlichen Vielfalt.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Neurodiversit%C3%A4t
In diesem Zusammenhang ist auch die Neurodiversitätsbewegung interessant.

Own Voice
Das beschreibt in der Kunst, Literatur, Filmen etc., dass die verfassende Person eigene direkte Lebenserfahrung mit einem Thema hat, z.B. ein schwuler Autor, der über schwule Figuren schreibt, eine behinderte Drehbuchautorin, die eine Figur mit ihrer Behinderung schreibt oder eine kunstschaffende neurodivergente Person, die sich künstlerisch mit ihrer Neurodivergenz auseinandersetzt. Dabei gilt zu beachten, dass der Hinweis auf Own Voices schwierig sein kann, z.B. wenn sich die betreffende Person dann gezwungen sähe, sich zu outen, dies aber aus persönlichen Gründen nicht möchte (siehe Coming-Out).

Patriarchat
Jahrhundertlang weltweit gewachsene Strukturen und Systeme, die auf der Dominanz und Macht von Männern basieren (das lateinische Wort bedeutet soviel wie: „Herrschaft der Väter“). Dies führt insgesamt gesehen zu zahlreichen strukturellen Problemen und schweren gesellschaftlichen Missständen, darunter Femizide und häusliche Gewalt, weniger Rechte für Frauen und FLINTA* in mehreren Ländern, bis hin zu Kriegen und schweren Kriegsverbrechen.
In heutigen Diskursen wird aber immer wieder deutlich gemacht, dass sogar Männer selbst unter dem Patriarchat leiden (siehe Fußnote 1)

Privilegien

Viele Menschen, die ein Teil der Mehrheitsgesellschaft sind, haben bestimmte Privilegien. Sie sind z.B. weiß, männlich, cisgender, heterosexuell, verdienen gut oder haben vielleicht viel Geld geerbt, eine gute Ausbildung oder ein Studium absolviert, sind able-bodied, grundsätzlich gesund, schlank, ihre Wohnsituation ist angenehm oder noch anderes. Marginalisierten Menschen fehlen solche Privilegien oder sie haben nur wenige. Wenn Menschen sagen, „Jeder ist seines Glückes Schmied“, vergessen sie häufig, dass man nicht alles durch harte Arbeit erreichen kann, wenn in der eigenen Lebenssituation viele der genannten oder noch andere Privilegien fehlen – man kann also eine schwierige Ausgangsbasis habt.
Der Spruch „Check your privileges“ soll Menschen, die sehr privilegiert sind, daran erinnern, dass sie gegenüber marginalisierten Menschen viele Vorteile haben.

Queer
Umfassender Begriff für alle Menschen, die nicht cisgender oder heterosexuell, bzw. dyageschlechtlich (2), romantisch (3) oder allosexuell (4) sind. Ursprünglich stand der Begriff im Englischen eher abwertend für „schräg“ oder „seltsam“, wurde aber von der LGBTIAQ*-Community zumindest in Teilen reclaimed. Einige Mitglieder der Community lehnen den Begriff allerdings ab. Andere argumentieren, dass dieser Begriff politisch ist.

Queerfeindlichkeit
Oft einfach als Homophobie bezeichnet, was allerdings der Diversität der queeren Community nicht ausreichend gerecht wird: Queerfeindlichkeit beschreibt diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber queeren Leuten, von Mikroaggressionen bis hin zu Hassverbrechen.

Queerfeminismus (siehe → Feminimus)

Rassismus
Die Abwertung, Diskriminierung, Vorurteile gegen und Unterdrückung von Menschen, die nicht weiß sind (Bi_PoC) – meistens basierend auf der Hautfarbe und Ethnie. Dies ist über Jahrhunderte hinweg entstanden, z.B. durch Kolonialismus, bis hin zur Sklaverei. Es handelt sich um eine systemische und strukturelle Form der Unterdrückung. Übrigens gibt es keinen systemischen und strukturellen Rassismus gegen weiße Menschen. (Ja, auch manche weiße Menschen werden benachteiligt, aber es handelt sich nicht um systemischen oder strukturellen Rassismus.)

Repräsentation
Gemeint ist hier die Darstellung von marginalisierten Menschen (oder in der Phantastik auch Wesen) in der Kultur, z.B. in Filmen, Serien, Büchern, Theater, Games u.a. Durch eine authentische, gelungene Repräsentation können sich auf gleiche oder ähnliche Weise marginalisierte Menschen besonders gut mit den entsprechenden Figuren identifizieren und fühlen sich dadurch gesehen.
Entsprechende Repräsentationen können auch zu einem Empowerment beitragen und sich positiv auf das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein auswirken. Sie können außerdem teilweise helfen, mit eigenen Bewältigungsschwierigkeiten, die durch die Marginalisierung entstehen, besser umgehen zu können oder eine andere Perspektive darauf zu erhalten.

Safe(r) Space
Ein Raum, in denen marginalisierte Menschen unter sich sind und den sie als sicher erleben. Solche Räume bieten Möglichkeit für Austausch und einige Menschen können sich dort auch leichter gegenüber anderen öffnen, da diese für sie aus eigener Lebenserfahrung heraus ein tieferes Verständnis aufbringen, als Nichtbetroffene. Safe(r) Spaces sind aber nicht automatisch sicher für alle, die dort sind, deshalb wird hier häufig von „safer“ statt dem bestimmteren „safe“ gesprochen. Die jeweilige Community muss aktiv, z.B. durch bestimmte Regeln, dafür sorgen, dass sich alle sicher fühlen können. Solche Räume können z.B. sein: queere oder migrantische Kultureinrichtungen, Meet-ups und Stammtische, Vereine oder noch andere.

Saneismus
Vorurteile, Diskriminierungen und Stigmatisierungen von Menschen mit chronischen oder akuten psychischen Erkrankungen (von englisch „sane“: psychisch gesund) oder aber basierend auf der Annahme, dass Betroffene psychisch krank seien, obwohl sie es nicht sind. Im Alltag häufig verwendete abwertend gemeinte Schimpfworte wie „wahnsinnig“ oder „schizophren“ zählen auch zum Saneismus.

Schwarz
stets großgeschriebene Eigenbezeichnung Schwarzer Menschen (nicht nur am Satzanfang, sondern auch mitten im Satz, als Adjektiv). Dazu ein Zitat von Amnesty International: „Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. „Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen,dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle‘ Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen ‚ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.“  (Quelle: Jamie Schearer, Hadija Haruna, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Über Schwarze Menschen in Deutschland berichten, Blogbeitrag, 2013)

Sexismus
Handlungen und Ansichten, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren, herabwürdigen, beleidigen oder anderweitig schädigen. Häufig sind Frauen und FLINTA* hiervon betroffen. Einige Beispiele von Sexismus sind die Bevorzugung von Männer bei der Vergabe von Arbeitsstellen, Cat-Calling, herablassende Witze über Frauen.

SWERF
Die Abkürzung steht für „Sex Worker Excluding Radical Feminist“ – sich selbst als „Feminist*innen“ bezeichnende Leute, die sich nicht für die Rechte von Sex-Arbeiter*innen einsetzen und/oder diese ganz aus ihren Kreisen und ihrem Aktivismus ausschließen.

TERF
Die Abkürzung steht für „Trans Excluding Radical Feminist“ – selbsternannte Feminist*innen,
die trans Frauen und trans Männer, sowie häufig auch nichtbinäre Personen aus ihrem Aktivismus ausschließen. Nicht selten verhalten sich diese „Feminist*innen“ auch offen feindselig gegenüber trans und nichtbinären Personen.

Fußnoten:
(1) siehe z.B. diesen Beitrag von Rising Gaze: „Wie Männer unter dem Patriarchat leiden“
https://www.instagram.com/p/DPru2FFCIXn
bzw. ohne Instagram zu öffnen: https://imginn.com/p/DPru2FFCIXn/
(2) dyageschlechtlich: Das Gegenstück zu intergeschlechtlich
(3) als Gegenstück zu aromantischen Menschen
(4) allosexuell: Ein Gegenstück zu asexuell (wobei das ein Spektrum ist)

Weiterführende Literatur

Das Glossar des Queer Lexikons erläutert viele queere Begriffe:
https://queer-lexikon.net/lexikon/glossar/

„Vielfalt · Das andere Wörterbuch: 100 Wörter – 100 Menschen – 100 Beiträge“
(hrsg. von Sebastian Pertsch, Duden Verlag)
aus dem Jahr 2023
ISBN: 978-3-411-75601-8
https://shop.duden.de/Vielfalt/9783411756018

Der englischsprachige Essay, der den Begriff „Intersektionalität“ geprägt hat:
„Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination – Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics
von Kimberle Crenshaw
https://chicagounbound.uchicago.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1052&context=uclf

„Blind, taub, dumm: Wie Ableismus sich in unserer Sprache zeigt“
https://www.neuenarrative.de/magazin/wie-ableismus-sich-in-unserer-sprache-zeigt

Liebe Romantasy-Autor*innen, wir müssen reden

Lesezeit: ca. 3 Minuten (ohne die weiteren verlinkten Texte)

Was hypermaskuline Figuren und zierliche Protagonistinnen zu tun haben mit viralen Trends wie Looksmaxxing, SkinnyTok und wie sie mit modernem Faschismus und Rechtsextremismus verbunden sind.

Ich lese nicht viel Romantasy, aber ich sehe häufig Werbung dafür und in dem Zusammenhang auch Charakterportraits. Ich sehe auch immer mal wieder Videos von Buchblogger*innen, die Romantasy vorstellen. Und das, was ich da sehe und höre, macht mir Sorgen. Denn die Schönheitsideale, die da repräsentiert werden, gab es teilweise auch schon in den 1930ern im Faschismus.

Was meine ich damit? Hypermaskuline Figuren mit stark definierten Kiefern, „Hunter Eyes“ und Body-Building-mäßig trainierten muskulösen Körpern, die außerdem meistens sehr groß und kräftig sind. Der Trend Looksmaxxing lässt grüßen. Schaut euch Propagandabilder aus der NS-Zeit an. Schaut euch Bilder an aus den nationalsozialistischen Propagandafilmen von Leni Riefenstahl. Und dann vergleicht diese mal mit den Charakterportraits oder Beschreibungen der männlichen Figuren in der Romantasy.

Dem gegenüber stehen fast immer kleine, sehr zierliche, dünne Frauenfiguren, die buchstäblich schwach sind. Aber aus irgendwelchen unrealistischen Gründen können sie dann trotzdem oft kämpfen „wie ein Mann“. Hier sehe ich Parallelen zum aktuellen Schönheitsideal für Frauen, der auch in Richtung klein, petite, zierlich geht. Warum das eigentlich überhaupt nicht romantisch, sondern schlecht ist? Dazu habe ich einen Blogbeitrag geschrieben: „Wie das Patriarchat Frauen und FLINTA* Personen kontrolliert“ (Fußnote 1)

Im rechten Backlash der letzten Jahre wünschen sich offenbar viele, in der Realität oder in der Fiktion, traditionelle, aber überholte Rollenbilder zurück. Um es mal überspitzt zu formulieren: Der starke, kompetente Mann, der für die (kleine, schwache) Frau sorgt und sie auf Händen trägt.

Und da ist nun meine Frage an euch: Wollt ihr wirklich diese völlig überholten Rollenbilder in euren Romantasy-Geschichten repräsentieren? Hate to break it to you: Das ist nicht romantisch, und das ist auch nicht hot. Das ist ein konservatives oder auch faschistisches Ideal.

Hier ein Gegenvorschlag: Body-Diversity. Wie wäre es mit einem Helden, der nicht super durchtrainiert ist, und sich trotzdem mutig ins Abenteuer stürzt? Auch Kämpfe lassen sich anders bewältigen als durch reine Muskelkraft, z.B. mit Geschmeidigkeit und Beweglichkeit. Wie wäre es mit dem Love Interest, der ein weiches Kinn hat, statt eines harten Kiefers? Wie wäre es mit einem Protagonisten, der keine „Hunter Eyes“ hat, sondern einen anderen Augenausdruck? Wie wäre es mit einer Protagonistin, die so groß (oder fast so groß) wie ihr Love Interest ist, sodass sie sich buchstäblich auf Augenhöhe begegnen können? Wie wäre es mit einer Heldin, die nicht dünn und zierlich ist? Und wie wäre es grundsätzlich mit Figuren, die irgendeinen körperlichen „Makel“ haben, also nicht perfekt sind? Das kann alles mögliche sein. Eine Körperbehinderung. Muttermale oder Narben. Eine Kriegsverletzung, die nicht vollständig heilbar ist. Kreisrunder Haarausfall. Vielleicht fällt euch noch etwas anderes ein?

Denn mal ganz ehrlich: Perfektion ist langweilig. Vor allem, wenn die Helden und Heldinnen in sämtlichen Romantasy-Romanen alle als so perfekt beschrieben werden, dass sie völlig austauschbar wirken. Gönnt euren Figuren Body-Diversity. Das macht sie interessanter und unverwechselbarer.

Fußnote 1:
https://amalia-zeichnerin.net/wie-das-patriarchat-frauen-und-flinta-personen-kontrolliert/

Weiteres zum Lesen und Anschauen:

„The Necessity for Diversity: Beauty Standards in Novels“ by E Dunsmuir.
https://www.strikemagazines.com/blog-2-1/the-necessity-for-diversity-beauty-standards-in-novels

„Wie problematisch virale Schönheitsideale wirklich sind: Das steckt hinter #Skinnytok & Looksmaxxing“ von Nicole Hofmarcher
https://wienerin.at/lifestyle/skinnytok-looksmaxxing/

Doku: Gefährlicher Trend „Looksmaxxing“: Wie weit gehen junge Männer für Schönheit?

„Looksmaxxing: ein gefährlicher TikTok-Trend für unsichere junge Männer, aus toxischer Männlichkeit und Körperscham“ von Dr. Dirk Stemper

„Body Fascism: SkinnyTok, the Far Right, and Why You Think You Want to Be Thin. How diet culture, wellness aesthetics, and authoritarian politics collide — and what it’s costing women’s health, autonomy, and power“ by Bec Cameron
https://beccameron.substack.com/p/body-fascism-skinnytok-the-far-right

„How the far right is using thinness to radicalise women and teen girls – The far right has normalised much of its ideology within mainstream politics – and ‘body fascism’ is part of that“ by Lois Shearing https://www.opendemocracy.net/en/far-right-radicalise-thin-skinny-fat-shame-women-girls-social-media-tiktok

„Looksmaxxing, Mogging & the Sexual Market Place: the latest far-right manosphere subculture“ by Harper Cleves
https://www.solidarity.ie/2026/03/looksmaxxing-mogging-the-sexual-market-place-the-latest-far-right-manosphere-subculture

Dear Romantasy Authors, We Need To Talk


Reading time: ca. 3 minutes (without the further reading suggestions)

What hyper-masculine male characters and petite female protagonists have to do with viral trends like looksmaxxing, SkinnyTok and their connection to modern day fascism and right wing extremism.

I don’t read a lot of romantasy, but I often see promo content about it and also character portraits. I also see videos by book bloggers who present romantasy. And what I read and see makes me worry. Because the beauty standards which are presented have already been a thing in the 1930ies, in fascism.

What do I mean? Hyper-masculine characters with defined jawlines, „hunter eyes“ and extremely muscular bodies who are also mostly very tall and very strong. The trend „Looksmaxxing“ says hi.

Take a look at historical propaganda images from Nazi Germany. Take a look at propaganda film images of the films of Leni Riefenstahl. And then compare these with the descriptions of male characters in Romantasy novels, or with respective character portraits.

On the other side, there are almost always very small, tiny, petite female characters, which are literally weak on a physical level. Yet somehow, for no realistic reason, they often can fight „like a man“. I see parallels here to the recenty beauty ideal for women which gets promoted by SkinnyTok and such: very thin women. Why this is not romantic at all, but bad? I have written a blog post about this – sorry, only in German. But I have linked a couple of other articles about this topic down below, as further reading suggestions.

Following the right-wing backlash of recent years, apparently a lot of folks long for, in reality or in fiction, old role models to be brought back. To put it bluntly: The strong, competent man who takes care of the (weak, tiny) woman.

So my question to you is, do you really want to represent these old-fashioned and out-of-touch gender roles and beauty standards in your romantasy stories? Hate to break it to you: This isn’t romantic and it’s also not hot. It’s a conversative, right-wing, fascist ideal.

I have another suggestion for you: Body Diversity. How about a hero who is not super trained and brawny, yet still sets out for his adventure bravely? Battles and fights do not always need muscular strength, you can also use flexibility. How about the male love interest with a soft chin instead of a hard jaw line? How about a protagonist without „hunter eyes“, but a different expression to his eyes? How about a female main character who is as tall (or almost as tall) as her love interest, so that both can literally be on a par with each other? How about a heroine who isn’t petite and small. And how about characters who have some kind of physical „flaw“, so they are not perfect? This can be a range of this. A physical disability. Moles or scars. A battle wound which cannot be healed. Alopecia (loss of hair). Or maybe you have another idea?

Because to be honest, perfection is boring. Especially when all the heroes and heroines in all the romantasy novels are described as so perfectly looking, that they become completely interchangeable. Treat your characters with body diversity. This makes them more interesting and unmistakable.

Further Reading Suggestions:

„The Necessity for Diversity: Beauty Standards in Novels“ by E Dunsmuir.
https://www.strikemagazines.com/blog-2-1/the-necessity-for-diversity-beauty-standards-in-novels

„Body Fascism: SkinnyTok, the Far Right, and Why You Think You Want to Be Thin.
How diet culture, wellness aesthetics, and authoritarian politics collide — and what it’s costing women’s health, autonomy, and power“ by Bec Cameron
https://beccameron.substack.com/p/body-fascism-skinnytok-the-far-right

„How the far right is using thinness to radicalise women and teen girls – The far right has normalised much of its ideology within mainstream politics – and ‘body fascism’ is part of that“ by Lois Shearing
https://www.opendemocracy.net/en/far-right-radicalise-thin-skinny-fat-shame-women-girls-social-media-tiktok

„Looksmaxxing, Mogging & the Sexual Market Place: the latest far-right manosphere subculture“ by Harper Cleves
https://www.solidarity.ie/2026/03/looksmaxxing-mogging-the-sexual-market-place-the-latest-far-right-manosphere-subculture

Mental Health Aufklärung: Was sind Psychosen?

Foto: Luke Jones, Unsplash

Mental Health Aufklärung: Was sind Psychosen?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Vorweg: Ich schreibe diesen Beitrag auch für Autor*innen, die über dieses Phänomen schreiben wollen oder sich erst einmal grundsätzlich informieren möchten. Ich biete auch Sensitivity Readings zu diesem Thema an.

Die kurze Antwort auf die oben genannte Frage: Psychosen sind ein starker Realitätsverlust, bei dem Denken, Fühlen und Wahrnehmungen sehr beeinträchtig werden. Häufig werden sie von Halluzinationen begleitet.

Nun ausführlicher:

Wodurch werden sie ausgelöst?

Psychosen können innerhalb von psychischen Erkrankungen auftreten, z.B. bei Schizophrenie und bipolarer Störung. Sie können auch die Folge eines traumatischen Erlebnisses sein. Psychosen können außerdem durch psychoaktive Drogen ausgelöst oder verstärkt werden. (Das ist übrigens ein Grund, warum ich persönlich nie Drogen konsumiert habe.)

Wie lange dauern Psychosen?
Das ist extrem unterschiedlich, oftmals dauern sie mehrere Stunden oder Tage. Unbehandelt können sie unter ungünstigen Bedinungen wochenlang andauern oder länger und sich immer weiter verstärken. Oder auch, unter günstigen Umständen, wieder abklingen.

Welche Symptome gibt es?
Da gibt es eine große Bandbreite. Psychosen können mit Wahnvorstellungen und Paranoia einhergehen. Wahnvorstellungen können z.B. sein, dass man sich für eine andere Person hält oder an einer anderen wahnhaften Idee festhält, die nicht der Realität entspricht. Es kann auch zu Wahrnehmungen kommen, bei denen sich das eigene Selbst quasi auflöst und man sich grenzenlos fühlt, oder auch ganz stark verbunden mit allem, ohne die sonst übliche Distanz zu anderen Personen, Objekten, Tieren, Pflanzen und so weiter.
Manche Personen mit Psychosen erleben auch eine Art Zersplitterung des eigenen Selbst,
was sehr beängstigend sein kann.

Ein weiteres häufiges Symptom sind Halluzinationen visueller oder auditiver Art. Bekannt ist aus dem Bereich der Schizophrenie das „Hören von Stimmen“.

Aus meiner Sicht hilft eine Analogie aus dem Bereich des Drogenkonsums weiter, um Psychosen zu verstehen: Je nach Droge und Situation können „Trips“ als sehr beängstigend oder erschütternd erlebt werden, oder aber eher als etwas Angenehmes. Auch Psychosen können von den Betroffenen sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, je nach den Themen und Symbolen, die darin auftreten.

Manche Psychologen und Psychiater raten dazu, sich diese Themen oder Symbole nach dem Abklingen der Psychose genauer anzuschauen und zu interpretieren. Zum Beispiel in diesem Sinne: „Was möchte diese Wahnvorstellung dir über dein Leben sagen?“ Ein religiöser Mensch wird unter Umständen im Rahmen einer Psychose mit religiösen Inhalten konfrontiert, bei einem atheistischen Menschen sind es wohl eher andere Inhalte.

Übrigens: Sicherlich habt ihr schon mal historische Geschichten über katholische Heilige und andere bekannte Menschen gehört, die der Überlieferung nach göttliche Visionen hatten. Beispiele hierfür sind die katholische Heilige Teresa von Ávila (1) und die Benediktinerin Hildegard von Bingen.

Ich wage zu behaupten, dass einige Menschen wie Theresa und Hildegard in der heutigen Zeit und in den westlichen Gesellschaften eher in einer Psychiatrie landeten, wenn sie ihrem Umfeld von göttlichen Visionen erzählen würden.

Der Übergang von spirituellen Visionen und Erlebnissen zu einer Psychose mit starkem Leidensdruck kann jedenfalls fließend sein. Aber das ist ein Thema für sich und würde diesen Blogbeitrag sprengen. Unter „Weiteres“ habe ich unteneinen interessanten Blogbeitrag von Ellen Olivia Hawthorn aka That HelPolWitch zu diesem Thema verlinkt, in dem they auch von eigenen Psychoseerfahrungen berichtet.

Bei diesem Thema finde ich ein Zitat von Joseph Campbell passend: „The psychotic drowns in the same waters in which the mystic swims with delight.” (Übersetzt: „Der psychotische Mensch ertrinkt in denselben Gewässern, in denen ein Mystiker mit Freude schwimmt.“)

Sind psychotische Menschen gefährlich?

Fangen wir mit einem Extremthema an: Man kennt es aus blutrünstigen Thrillern, Horrorfilmen und Krimis: Ein psychotischer Mörder macht eine Stadt unsicher, oder Ähnliches.

Es ist richtig, dass psychotische Menschen unter negativen Umständen eine Gefahr für sich selbst oder andere Personen darstellen können. Aber das ist längst nicht bei allen der Fall. Viele psychotische Menschen haben vor allem Probleme, ihren Alltag zu meistern und benötigen Unterstützung: aus ihrem Umfeld, therapeutisch, mit Medikamenten.

Wer mitten in einer schweren Psychose steckt, kann außerdem oft kaum noch klar denken und auch nichts Langfristiges planen. Entsprechend ist das Stereotyp aus Thriller/Horror/Krimi falsch, dass ein psychotischer Mörder (meistens als „wahnsinnig“ bezeichnet) seine Morde kaltblütig und durchdacht plant. Ein wirklich psychotischer Mensch wäre dazu kaum in der Lage.

Ich selbst hatte mehrfach in meinem Leben Psychosen, die letzte zum Glück im Jahr 2008.
Nicht zuletzt dank Therapien und guten Medikamenten (auch Anti-Psychotika) hatte ich seitdem diese Form von Realitätsverlust nicht mehr.

Last but not least: Verwendet bitte im Alltag den Begriff „psychotisch“ nicht umgangssprachlich für etwas oder eine Person, die ihr „verrückt“ findet. Ihr habt das sicherlich schon mal gehört, Phrasen wie: „Der ist ja voll der Psycho!“ oder „Das ist so psychotisch!“ (Oder auch „Das ist so schizophren!“)
Damit würdet ihr nämlich zu einer Stigmatisierung beitragen, mit der sich viele Betroffene sowieso schon ständig herumschlagen müssen. Bitte macht das nicht.

Und noch etwas: In einem Video von Marie Joan habe ich mit Schrecken erfahren, dass manche Leute Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Neurodivergenz fetischisieren. (3) Bitte macht das nicht. Und wenn ihr Leute kennt, die das tun, weist sie auf Folgendes hin: Das ist nie ein Kompliment an die betroffene Person, sondern eine Form von ekliger Objektifizierung (in lack of a better word).

Fußnoten:
(1) Teresa von Ávila https://de.wikipedia.org/wiki/Teresa_von_%C3%81vila
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_von_Bingen
(3) Marie Joans Video auf YouTube: „crazy, hot, gestört: die LÜGE des „CRAZY GIRLS“ – von Hexen zu Borderline…“

Weiteres
„I am Blessed, I am Damned: On Having Psychosis With Religious Themes When You’re a Witch“ von Ellen Olivia Hawthorn | That HelPolWitch
https://thathelpolwitch.com/psychosis-witchcraft/

Ein empfehlenswertes Sachbuch zum Thema, in dem auch viele Betroffene zu Wort kommen: „Stimmenreich – Mitteilungen über den Wahnsinn“ von Th. Bock, J.E. Deranders und I. Esterer, Psychiatrie Verlag, Bonn, 2001
Zitat daraus: „Versuche der Verständigung von Psychose*-Erfahrenen, Angehörigen und Psychiatrie-MitarbeiterInnen im Hamburger Psychose*-Seminar“

In diesem Zusammenhang auch sehr interessant:
„We’re all mad here? Darstellung von Schizophrenie in den Medien“ von der Autorin und Psychologin Elea Brandt
https://eleabrandt.de/2020/01/30/schizophrenie-in-den-medien/

Ein aus meiner Sicht empfehlenswertes englischsprachiges Buch über „Spiritual Emergencies“, mit vielen Erfahrungsberichten betroffener Leute: „Breaking Open: Finding a Way Through Spiritual Emergency“, herausgegeben von Jules Evans und Tim Read

Gute Buch-Alternativen zu „Harry Potter“ und der „Wizarding World“

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Inhaltswarnung: Transfeindlichkeit, anti-trans Aktivismus (erwähnt)

Kürzlich wurde bekannt: Die erste Staffel der HBO-Serienverfilmung von „Harry Potter“ soll ab Weihnachten 2026 gezeigt werden. Und ich rufe hiermit dazu auf, sie sich nicht anzuschauen. Es sei denn, ihr wollt eine Milliardärin finanziell unterstützen, die sich seit mehreren Jahren aktiv gegen trans Rechte einsetzt, auch massiv mit ihrem Geld – und dieser anti-trans Aktivismus, auch von anderen Akteuren, hat in UK unter anderem zu transfeindlichen Gesetzesänderungen geführt. Wenn ihr dies nachlesen wollt, weil es so unglaublich klingt, befragt bitte eine Suchmaschine eures Vertrauens oder schaut z. B. hier (Fußnote 1). Besagte Milliardärin wird auch an dieser neuen Serienverfilmung mitverdienen. Zu diesem Thema kann ich auch einen Instagrambeitrag von Cosplaytearoom empfehlen (Fußnote 2).

Ich weiß, dass viele Leute mit „Harry Potter“ angenehme Kindheits- oder Jugenderinnerungen verbinden, sei es mit den Büchern, den Filmen, Games oder dem Gemeinschaftsgefühl im Fandom, oder noch aus anderen Gründen. Wenn ihr euch von all dem nicht trennen könnt, was ihr im Laufe der Zeit gekauft habt, behaltet es. Schreibt weiter Fanfictions oder kreiert Fanart, wenn ihr dieses Fandom nicht loslassen könnt.

Aber kauft bitte keinen neuen Merch, keine neuen „Harry Potter“ oder „Wizarding World“-Produkte. Denn auch damit unterstützt ihr die Milliardärin, deren Name ich hier nicht nenne.

Und wenn ihr meine Ansichten in dieser Angelegenheit zu radikal oder übertrieben findet, dann entfolgt mir bitte in Social Media oder blockiert mich. Trans Rights are Human Rights. Und ich kann die Kunst nicht von den Kunstschaffenden trennen, wie ich hier in diesem Blogbeitrag geschrieben habe.

Und nun etwas Positives: Es gibt inklusive Fantasy-Literatur von diversen Autor*innen, die sich mit Magie, Hexen, Zauberern, Hexen- oder Zauberschulen befassen (oder Ähnlichem) und die diverser sind als „Harry Potter“ und die „Wizarding World“. Von mir gibt es außerdem die Reihe „Hexen in Hamburg“ (keine Jugendbücher, sondern für junge und ältere Erwachsene).

Hier einige Bücher und Buchreihen, die mir empfohlen wurden:

Aiden Thomas: „SOL. Die Rache der Obsidians“ Starke Freundschaften und queere Rivals to Lovers | Fantasywelt voller Götter und Monster | Für Leserinnen und Leser ab 12

Aiden Thomas „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2023 | New York Times Bestseller Autor | Urban Fantasy mit queerer Romance #OwnVoices

Und die Fortsetzung. Aiden Thomas: „Espíritu. Cemetery Boys“ Geister, Dämonen und queere Romance | Urban Fantasy mit einfühlsamer LGBTQ+-Representation | Band 1 nominiert für den Jugendliteraturpreis

Theresa Bells Reihe „Sepia“ – Band 1: „Sepia und das Erwachen der Tintenmagie“

Rick Riordan: „Percy Jackson 1: Diebe im Olymp“ Moderne Teenager, griechische Götter und nachtragende Monster – die Fantasy-Bestsellerserie ab 12 Jahren

Rick Riordan: „Magnus Chase 1: Das Schwert des Sommers“ – Ein Loser soll Ragnarök aufhalten? Lustiges Fantasy-Abenteuer ab 12 Jahren über nordische Mythen und einen (fast) normalen Typen

Rick Riordan hat mehrere Jugendbuchreihen geschrieben, hier eine Übersicht über sein gesamtes Werk auf Deutsch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rick_Riordan#Werke

Noah Stoffers: „A Midsummer’s Nightmare“ Dark Academia – Schottland – Shakespeare – queere Own-Voice-Fantasy an einem Elite-College

Zu einem Aufruf von mir für Buchtipps schrieb Desiderius Rainbow:
„Ich schmeiße mal meine Magier aus meiner Mânil-Reihe in die Runde! Contemporary-Fantasy zum Wohlfühlen: ein intensiver, skurriler und magischer Mix aus cozy Happyplace und düster-bösem Psychochaos mit Tiefgang, Casual Queerness, Neurodivergenz, own voice und viel Subtext. „Mânil – Einfach nur der Anfang“, „Mânil 2 – Keine Leinenpflicht in Katurath’ka“ und am 30.4. erscheint „Mânil 3 – Irgendwas mit neuen Jacken“, ist auch schon vorbestellbar. Ich bin Selfpublisher und zusätzlich zu meiner Geschichte stammen auch die Cover und sämtliches Design aus meiner Feder.“ Diese Buchreihe ist für Erwachsene.

Wolf September: „Grisper Castle: Eine Gay-Romantasy“ (Grisper Castle – Ein Schloss in Schottland – Cosy-Mystery 1) Vierteilige Buchreihe

Wolf schreibt: „[Meine Buchreihe] spielt in einem alten Schloss in Schottland, mit Magie, Geistern, alten Geheimnissen und einer Gruppe Figuren, die gemeinsam Rätsel lösen. Also eher Mystery/Cozy mit magischen Elementen. Ich würde die ersten beiden Bände ab 16 empfehlen, das es dort spicy Szenen gibt, ab Band 3 ab 12“

Jamie Enderlein: Die sechsteilige Buchreihe „Abra Kandelabra“
Band 1: „Hexenhut und Hokuspokus“

Fußnoten

(1) Inhaltswarnung zum englischsprachigen Artikel: sehr viel Transfeindlichkeit, Ace-Spektrum-Feindlichkeit.
„A Complete Breakdown of the J.K. Rowling Transgender-Comments Controversy“ https://www.glamour.com/story/a-complete-breakdown-of-the-jk-rowling-transgender-comments-controversy

(2) Der Instagrambeitrag von Cosplaytearoom:
„“This is why, in 2026, you should stop to cosume any Harry Potter related content – if you care at all about trans people.“
https://www.instagram.com/p/DWWPxiVisS9/

Buchtipps zum International Asexuality Day (6. April)

Jedes Jahr am 6. April ist der International Asexuality Day und ich habe hier im Blogbeitrag passende Buchtipps, darunter auch einige eigene Bücher.

Ich selbst bin auf dem asexuellen Spektrum und ein weiteres meiner Mikrolabels ist Aegosexualität.

Eine Kurzgeschichte von mir mit einer asexuellen Märchenprinzessin ist erschienen in „Beweisstück A – eine a_sexuelle Anthologie“, herausgegeben von Carmilla DeWinter und Carmen Keßler. Das ist eine Benefizanthologie, die auch fortgesetzt wurde, mit „Beweisstück A – Neue Indizien: Eine ace und aro Anthologie“

Carmilla DeWinter hat auch das Sachbuch „Das asexuelle Spektrum – eine Erkundungstour“ veröffentlicht.

Empfehlen kann ich auch das Sachbuch „(und)sichtbar gemacht: Perspektiven auf Aromantik und Asexualität“ von Katharina Kroschel und Annika Baumgart. Beide bieten übrigens ace und aro Bildung und Aktivismus, sie sind online hier zu finden:
https://linktr.ee/ace_arovolution

Carmilla DeWinter hat auch mehrere Romane mit ace Figuren veröffentlicht, z.B. „Die A-Karte“ und „Albenbrut“ (in einer Neuausgabe erschienen als Sammelband im Dead Soft Verlag)

„Upside Down – Die Welt steht Kopf“ von N.R. Walker hat ebenfalls asexuelle Protagonisten und erscheint am 9. April in deutscher Übersetzung im Second Chances Verlag (hier zu sehen ist das Cover der englischspr. Originalausgabe)

Der aus meiner Sicht sehr lesenswerte New Adult Roman „Loveless“ von Alice Oseman erzählt von einer asexuellen, aromantischen Hauptfigur, die außerdem aegosexuell ist.

Bücher von mir mit asexuellen Protagonist*innen:

„Blutige Fügel“ (Urban Fantasy Roman mit Queer Romance)

Die Novelle „Ein Konzert für einen guten Zweck mit den Demonettes“ (Queer Rockstar Romance) – da stelle ich übrigens auch das Klischee von „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ auf den Kopf.

„Hexen in Hamburg: Verbrannt“ (Die Hexe Alannah und ihre Lebensgefährtin sind beide auf dem asexuellen Spektrum und homoromantisch). Dieser Roman ist übrigens auch ganz unabhängig von den anderen lesbar.

Bookies, wir müssen reden

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Ich blogge ungefähr seit 2020 über Diversität, Repräsentation in der Literatur, Inklusion und Queerfeminismus. Aber ich habe nur eine kleine Plattform mit geringer Reichweite. Und selbst wenn ich Leute erreiche, hat natürlich nicht jede Person Zeit und Lust, meine Blogbeiträge zu lesen.

Kürzlich las ich einen Beitrag von Levi Elliott, den ich sehr empfehlen kann, hier zu finden:
https://www.instagram.com/p/DV01ihPE8kd

Und ich selbst habe auch schon an anderer Stelle von diesen Anspruchshaltungen mancher Leser*innen gehört: Leute, die sich Bi_PoC Figuren als weiß vorstellen, weil das für sie bequemer sei. Neopronomen in einem Buch seien zu anstrengend und genderneutrale Sprache (oder Gendersternchen und vergleichbare Sonderzeichen) ebenso.

Da frage ich mich: Wenn solche Leser*innen schon mit entsprechenden fiktiven Figuren nicht zurechtkommen, wie gehen sie dann eigentlich im Alltag mit ihren marginalisierten Mitmenschen um?

Oder sind manche Leute mittlerweile von ChatGPT und Co. so sehr eine „Yes, man“-Haltung gewohnt, also eine ständige positive Bestätigung ihres Daseins, dass sie sich nicht mehr empathisch auf Lebenserfahrungen einlassen können oder wollen, die ihrer eigenen nicht entspricht?

Und dann der Anspruch, der Book Space solle doch bitte unpolitisch sein. Ich möchte euch gern etwas dazu sagen, das ich schon öfter angesprochen habe: Wer eine Community, einen Space, eine Subkultur oder eine andere Gruppierung „unpolitisch“ haben möchte, lädt damit praktisch rechtskonservative und rechtsextreme Leute ein. Und damit nicht genug, diese Leute bringen ihren rechtskonservativen und rechtsextreme Freundeskreis mit, während marginalisierte Leute erst an den Rand gedrängt werden und letztendlich aus der entsprechenden Community vertrieben werden, weil sie sich darin nicht (mehr) sicher fühlen können. Und das kann nicht in eurem Sinne sein, oder?

Ich lade euch ein, euch weiterzubilden. Das geht auch kostenlos. Hier gibt es von mir eine „Literaturliste rund um Diversität“, mit Artikel, Büchern, Podcasts und mehr. Viele, nicht alle, beziehen sich auf Literatur und richten sich an Autor*innen, aber es sind auch mehrere dabei, die allgemein auf die betreffenden Themen eingehen.

Auch in meinem Blog gibt es zahlreiche Artikel, alle ebenfalls kostenlos.
Bitte ins Suchfeld beim Blog Stichworte nach Wunsch eingeben, z.B. „Diversität“, „Repräsentation“, „Inklusion“, „Feminismus“, „Patriarchat“, „Ableismus“, „Rassismus“, „queer“, „Queerfeindlichkeit“ oder andere, die zu diesem Themenbereich passen.

Liebe und Romantik – „Frauensache“?

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Anlässlich der Leipziger Buchmesse melden sich wieder Stimmen zu Wort, die die beliebten Genres Young Adult und New Adult Romance kategorisch als „Schund“ oder „minderwertige Literatur“ abwerten. Wir leben generell in einer Gesellschaft, in der Liebe und Romantik größtenteils als „Frauensache“ gilt. Gern wird alles, was damit zu tun hat, von Männern abgewertet: als Gefühlsduselei, als verweichlicht, als „nicht männlich“.

Das ist leider kein Wunder, denn vielen Männern wurde bereits in der Kindheit vermittelt, dass sie auf gar keinen Fall Gefühle oder Verhaltensweisen zeigen dürfen, die als „ typisch feminin“ gelten. Nichts wird von vielen Männern als schlimmer erachtet, als in irgendeiner Form feminin zu wirken. Man könnte sie ja für schwul halten (oder queer), und wo kämen wir denn dahin? Ja, das war sarkastisch.

Entsprechend wird auch in der Kunst alles in dieser Richtung häufig abgewertet, weil es als „nicht männlich“ wahrgenommen wird. Nicht nur YA und NA Romance, auch Erotikliteratur, häufig von Frauen für Frauen geschrieben, wird kategorisch von weißen, männlichen cis hetero Feuilletonjournalisten zum literarischem Müll erklärt (ich nenne jetzt mal keine Namen. If you know, you know.) Diese Literaturkritiker schreiben auch gern, Romantasy sei total seicht und nur etwas für die „Booktok Girlies“, die dann wiederum auch für ihre Vorlieben abgewertet werden. Dahinter steckt nicht selten eine Menge Misogynie, anstelle einer differenzierten Betrachtung des Genres.

Die Autorin Rebecca Humpert schrieb kürzlich in einer Story auf Instagram: „Man könnte ja vielleicht auch erwähnen, dass viele NA-Bücher female pleasure empowern und entabuisieren, anstatt Spice nur zu verteufeln“, und das sehe ich auch so – aber im deutschen Feuilleton ist diese Message vieler Bücher offenbar noch nicht angekommen.

Männliche Künstler, die sich mit Romantik und Liebe befassen, „dürfen“ das. Ihnen wird zugestanden, kreativ und künstlerisch mit Emotionen aller Art umzugehen. Sie werden dafür von anderen Männern (und Menschen anderer Gender) gefeiert – also z.B. Popstars, die über die große Liebe singen oder Schauspieler, die in einem Liebesfilm den romantic Lead oder den Love Interest spielen. Mehrere Liebesromane von Nicholas Sparks wurden zu Bestsellern.

Aber bei uns Normalsterblichen gilt oft noch immer: Romantik und Liebe sind Frauensache. Oder auch Sache der Queers. Überzeugt mich gern vom Gegenteil. Kennt ihr cis hetero Männer, die mit Begeisterung Liebesromane lesen? Oder sich mit Genuss eine Rom Com oder eine Weihnachtsromanze ansehen, und nicht nur, um ihrer Freundin zu gefallen?

Da alles politisch ist, ist auch das Private politisch. Auch Liebe ist politisch. An dieser Stelle möchte ich nicht das Fass aufmachen, dass Romantik und romantische Beziehungen in unserer Gesellschaft und Kultur stark überhöht werden, als das ultimativ erstrebenswerte Ziel, und dass dabei andere Lebensentwürfe, z.B. von aromantischen Menschen und Menschen auf dem a_sexuellen Spektrum, oft nicht mitgedacht werden. Dazu ließe sich ein eigener Blogbeitrag schreiben.

Mir geht es heute um etwas anderes. Auf der einen Seite gelten Liebe und Romantik als maximal erstrebenswert, auf der anderen Seite werden sie aber ständig abgewertet, weil im Patriarchat praktisch alles abgewertet und kleingeredet wird, was Frauen und Queers zugeordnet wird.

Dem gegenüber steht der im rechten Backlash der letzten Jahre wieder sehr verbreitete Mythos vom starken Mann, der über Kontrolle, Macht und Dominanz verfügt (die Mens Right Bewegung, Andrew Tate und die Incels lassen grüßen). Und ihr ahnt es schon, bei solchen angeblich „starken“ Männern ist keinerlei Platz für echte Liebe und Romantik. Denn diese Männer müssten sich ja dann mit „zarten“ Gefühlen oder zumindest kleinen Gefühlspflänzchen beschäftigen, diese hegen und pflegen, sie müssten auch emotional erreichbar sein für ihre Partner*innen.

Und das machen diese Männer natürlich nicht, denn das wäre nach ihrer Einschätzung „nicht männlich“. Stattdessen müssen ihre Partner*innen häufig die gesamte emotionale Arbeit in der Beziehung leisten (englisch: emotional labour), mitunter auch, um häusliche Gewalt zu verhindern.

Im christlichen Glauben gibt es die Nächstenliebe, die weder romantisch noch sexuell ist. Aber auch dafür ist bei diesen angeblich starken und dominanten Männern kein Platz (und ich rede hier von christlichen Nationalisten und Fundamentalisten, wie es sie so viele in den USA, aber nicht nur dort, gibt). Denn die einzige Liebe zu ihren Nächsten bezieht sich bei diesen Männern auf einen kleinen Kreis vertrauter Leute, z.B. der eigenen Familie und maximal noch der eigenen Kirchengemeinde. Ihre „Nächstenliebe“ erstreckt sich weder auf ihre andersgläubigen, immigrantischen Nachbar*innen, noch auf Queers oder andere marginalisierte Menschen.

Überall dort, wo sich Menschen solidarisch und menschlich verhalten (wie z.B. im friedlichen Kampf und Protest gegen die Behörde ICE in Minnesota und weiteren Orten in USA zu sehen), wo sie ihre Nachbar*innen unterstützen, zeigen sie eine Form der bedingungslosen Nächstenliebe. Das mag christlich motiviert oder auch nicht, und man muss das auch nicht unbedingt mit diesem Begriff bezeichnen, wenn man das nicht möchte, aber darauf läuft es hinaus.

Und das ist wichtig. Ich zucke immer zusammen, wenn Politiker*innen von Liebe sprechen (und ich meine hier nicht die „Liebe zum Vaterland“), weil ich es schlichtweg nicht gewohnt bin, dass dieser Begriff in politischen Zusammenhängen genannt wird. Aber bedingungslose Nächstenliebe, Solidarität und Menschlichkeit sind genau das, was wir in diesen Zeiten mehr denn je brauchen.

Was viele Männer dagegen von klein auf gelernt haben: Wut ist in Ordnung. Wut sei eine „männliche“ Emotion. Das lernen viele Männer auch in wettbewerbsorientierten Sportarten, oder im Beruf, wenn dort eine aggressive Ellenbogenmentalität herrscht. Aber Wut kann konstruktiv oder destruktiv sein. Und bei zu vielen Männer schlägt die Wut (oder manchmal auch unterdrückte Angst oder eine innere Unsicherheit, oder eine Kombination aus all dem) irgendwann um in Hass. Hass auf Frauen. Hass auf die Regierung. Hass auf die eigene Familie. Hass auf alle, die anders sind als sie selbst. Und zu häufig fallen sie dabei auf destruktive Narrative herein, von rechten oder rechtsextremen Parteien, die genau all das befeuern. Und dieser Hass bereitet den Boden für all die menschenfeindlichen -ismen, die es gibt, wie Rassismus und Sexismus, Ableismus, Misogynie und Queerfeindlichkeit.

Vielleicht sollten wir den Begriff Liebe einfach etwas mehr normalisieren. Speziell im Hinblick darauf, dass es eben nicht nur romantische Liebe gibt, sondern auch eine unromantische, unsexuelle Liebe zu seinen Mitmenschen. Und ich wäre sehr dafür, dass nicht nur Frauen, Queers und FLINTA* diesen Begriff normalisieren, sondern auch Männer.

Und das geht aus meiner Sicht nur, wenn wir Jungen und amab (assigned male at birth) Personen so erziehen, dass sie alle ihre Gefühle fühlen und ausdrücken können, ohne sich fürchten zu müssen, dass sie dann abgewertet oder ausgelacht werden. Und was die erwachsenen Männer betrifft: Fangt bitte an, in euch hineinzuhorchen, wenn ihr das noch nicht getan habt. In euch ist ein ganzer Schatz an vielseitigen Emotionen, und ihr dürft sie alle fühlen. Ihr dürft sie auch benennen und euch mit euren Partner*innen oder Freund*innen darüber austauschen. Und wenn ihr schon mal darüber nachgedacht habt, eine Therapie zu machen, auch das ist ein Weg, sich seinen Emotionen zu nähern und diese zu reflektieren.

Übrigens: Wusstet ihr, wie hoch die Suizidrate bei Männern im Vergleich zu Frauen ist? Sehr viel höher (Fußnote 1). Und einer der traurigen Gründe dafür ist, dass viele der betroffenen Männer ihre Gefühle wegsperren, unterdrücken, in sich hineinfressen oder ähnliches, sich niemandem anvertrauen, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Definitiv ein weiterer Grund, sich mit seinen Emotionen zu befassen.

Fußnote
(1) siehe z.B. diese Statistik:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html


Weiteres:
Ein Reel von Interstellar Isabellar auf Instagram analysiert die Serie „Heated Rivalry“ und zeigt auf, wie politisch Liebe ist – und wie hier die zwei Protagonisten (über einen Zeitraum von mehreren Jahren!) lernen, mit ihrer Liebe umzugehen und füreinander da zu sein, aller Widrigkeiten zum Trotz. https://www.instagram.com/reel/DU8bBTtDfgf/

Ein empfehlenswertes Sachbuch:
„Boys don’t cry – Identität, Gefühl und Männlichkeit“ von Jack Urwin, auf Deutsch erschienen in der Edition Nautilus

Bad Boys? Nicht bei mir.

(Oder: Warum ich keine Arschloch-Protagonist*innen schreibe.)

Vera vom YouTube Kanal Council of Geeks hat kürzlich eine sehr positive Video-Review über „Heated Rivalry“ gemacht und darin gesagt: „There are no assholes in this story.“ Damit meinte sie, dass es in Heated Rivalry keine Figuren gibt, die ihre Love Interests schlecht behandeln oder sich diesen gegenüber wie Arschlöcher aufführen – weder Ilya, noch Shane, noch Scott oder Kip, auch Svetlana und Rose nicht.

Daraufhin habe ich reflektiert, wie ich Romance schreibe. Und ich kann sagen, bei mir gibt es auch keine Bad Boys, keine Arschlöcher, die ihre Partner*innen (oder potenzielle Partner*innen) mies behandeln. Ich könnte an solch einem Verhalten nichts, aber auch gar nichts Romantisches entdecken.

Stattdessen erleben meine Protagonist*innen innere Konflikte: Dani aus „Hexen in Hamburg: Verliebt“ und Francis aus „Francis und das Gasthaus der Geister“ haben soziale Ängste, was sich auch auf ihr Liebesleben auswirkt.

Esteban aus „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ hat Depressionen und muss damit für sich und auch für seinen Freund einen Umgang finden.

Andere meiner Hauptfiguren sehen sich mit äußeren Konflikten konfrontiert: Jay und Nicholas aus „Frei und doch verbunden“ kämpfen um ihr Überleben, als sie auf einer abgelegenen Insel stranden.

Leroy und Clay aus „Love & Crime 101“ haben einige Struggles, die mit ihrem beruflichen Umfeld zusammenhängen.

Die nichtbinäre Person Ashley aus „Regency Park“ hat einen Stalker am Hals – der nicht Ashleys Love Interest ist.

In „Ein göttliches Paar“ hat eine der Hauptfiguren Konflikte mit ihrem Vater.

Der Vampir Richard und der Engel Turiel aus „Blutige Flügel“ müssen sich gegen Dämonen und ein Vampirjägerduo zur Wehr setzen, gegen Richards Schöpfer, aber auch Turiels Vorgesetze aus dem Himmel.

Grundsätzlich schreibe ich Hauptfiguren, die einander unterstützen, füreinander da sind, die einfühlsam mit ihrem Love Interest umgehen. Figuren, die sich bei Problemen nicht gegenseitig an die Gurgel gehen, sondern sich zusammenraufen, um die Probleme gemeinsam zu lösen.

Entsprechend sind meine Romances eher wholesome und ein weiterer Punkt, der mir wichtig ist: Konsens ist sexy.

Der Streik der Frauen und FLINTA* am 9. März 2026

Lesezeit: ca. 5 Minuten.

In diesem Blogbeitrag schreibe ich abwechselnd von Frauen und FLINTA*-Personen.
Am Ende des Beitrag findet ihr zahlreiche Fußnoten mit verlinkten Artikeln, Statistiken und einige Erläuterungen.
Inhaltswarnungen: Erwähnung von: häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Femizid

Ich zähle zu den FLINTA* (Fußnote 1) Personen und streike am Montag, den 9. März 2026. Das ist der Tag nach dem feministischen Kampftag, der jedes Jahr am 8. März stattfindet.

Auf dem Papier sind Frauen in Deutschland gleichberechtigt mit (cis) Männern, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Immer noch gibt es den Gender Pay Gap. Und viele FLINTA* arbeiten lange in Teilzeit, um ihren Beruf und die Care-Arbeit für Kinder unter einen Hut zu bekommen. Entsprechend bekommen sie später geringere Renten, Altersarmut droht vielen. Noch stärker benachteiligt sind alleinerziehende Mütter.

Deutschland ist generell kein kinderfreundliches Land und viele Elternteile werden mit ihren Sorgen und Problemen ziemlich allein gelassen. (2) In diesem Zusammenhang weise ich auch auf die Probleme der Hebammen hin, mehr dazu in dem verlinkten Beitrag. (Fußnote 3). Zwar besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber in der Realität sieht es oft anders aus.

Und auch in den Kitas selbst gibt es häufig Probleme, zum Beispiel durch Personalmangel und ungünstige Arbeitsbedingungen. (4)

Frauen, FLINTA* und Mädchen werden immer noch viel zu häufig Opfer von Kindesmissbrauch (5), häuslicher Gewalt (6), Vergewaltigungen und Femiziden (7). Auf der anderen Seite gibt es aber zu wenig Frauenhäuser (8 und 9) und andere schutzbietende Institutionen oder Angebote.

Die Frauenhauskoordinierung schreibt auf ihrer Webseite: „FHK setzt sich seit vielen Jahren für einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt ein. Damit wollen wir erreichen, dass Frauen und ihre Kinder adäquate Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt bekommen.“ (10)

Die Gleichberechtigung mag auf dem Papier stehen, aber in vielen Köpfen ist sie immer noch nicht angekommen, denn noch immer übernehmen viele Frauen in Familien fast die gesamte Care-Arbeit, unbezahlt: sie machen die Hausarbeit, kümmern sich um die Kindern, pflegen ältere oder erkrankte Angehörige.

Und von dem rechten Backlash, der Frauen wieder in einem völlig überholten Rollenbild sehen will (wie in den 1950ern, nach dem Motto der drei K: „Kirche, Küche, Kinder“) und dem „Trad Wives Trend“ fange ich jetzt lieber nicht an, sonst sitzen wir in einer Woche noch hier.

Außerdem ist es so, dass viele Männer sich quasi ihrer Männlichkeit beraubt fühlen, wenn ihre Partnerinnen oder Ehefrauen beruflich erfolgreicher sind als sie. Weil immer noch in den Köpfen das alte Bild vom männlichen Alleinverdiener, der seine Familie ernährt, vorhanden ist.

Darüber hinaus übernehmen viele Frauen und FLINTA* nicht nur den Mental Load, der mit all der unbezahlten Care-Arbeit einhergeht, sondern häufig auch noch Emotionsarbeit (11) für sich selbst und ihre (cis) männlichen Partner, Lebensgefährten oder Ehemänner. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und auch zu Burn Out oder anderen psychischen Erkrankungen führen.

Außerdem sind Frauen und Mädchen im Vergleich zu Männern überproportional sexueller Belästigung ausgesetzt, offline und online. Sie bekommen es mit Hassrede und Trollen zu tun, pornografischen Deepfakes oder anderen Formen von sexueller Belästigung. Und auch hiermit werden die Betroffenen größtenteils allein gelassen, denn die aktuellen Gesetze in Deutschland bieten zu wenig Schutz vor all dem. (12)

Last but not least: Marginalisierte und mehrfach marginalisierte Frauen und FLINTA* haben es noch schwerer, da sie meistens in ihrem Alltag mehrfachen Belastungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind: Behinderte, chronisch Kranke, Queers, Women of Colour, Frauen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete, Neurodivergente, von Armut betroffene oder FLINTA* mit noch anderen Marginalisierungen. Deshalb muss ein Frauen* Streik immer intersektional gedacht werden und berücksichtigen, dass unterschiedliche Frauen und FLINTA* aufgrund ihrer Lebenssituation und ihren Voraussetzungen ganz verschiedene Erfahrungen mit Diskrimierungen, Gewalt und menschenverachtenden -ismen (z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus) machen.

Um es mal überspitzt zu formulieren: Mädchen, Frauen und FLINTA* haben in Deutschland keine Lobby, obwohl sie rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung bilden. Entsprechend werden ihre Bedürfnisse immer wieder übergangen, als „nicht wichtig“ betrachtet, und manche Leute glauben ernsthaft, Feminismus sei nun überholt, weil wir ja alle gleichberechtigt seien.

Es gibt also noch viel zu tun – insbesondere auch angesichts des rechten Backlashs weltweit, der bereits erreichte Rechte und gesellschaftliche Errungenschaften von Frauen und FLINTA* wieder zurückdrehen will. Man denke nur an die Gesetze zur Abtreibung in den USA (13).

Und um auf all das aufmerksam zu machen, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben und streike am 9. März 2026.
Ich arbeite nicht, ich gehe nicht einkaufen, ich mache keine Care-Arbeit. Ich würde mich einer entsprechenden Demo anschließen, aber aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht gut an Demonstrationen teilnehmen.

Und wer nun denkt, so ein Streiktag würde doch gar nichts bringen, den lade ich ein, sich den historischen Frauenstreik in Island von 1975 (14) einmal genauer anzuschauen, der tatsächlich politische Veränderungen bewirkt hat. Und es war bei weitem nicht der einzige Generalstreik dieser Art, bereits davor und auch danach hat es in vielen Ländern vergleichbare Streiks gegeben, auch einen FrauenStreikTag in Deutschland. (15)

Es ist so, wie Hannah Arendt gesagt hat: „Dort, wo Frauen streiken, wird deutlich, dass Politik nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern überall, wo Menschen ihren Konsens zurückziehen.“

Mehr zu diesem Streik und entsprechenden Veranstaltungen in Deutschland erfahrt ihr hier, die Webseite ist in Deutsch und Englisch gehalten:
https://enoughgenug.org/

Lesenswert:
Wenn ihr auf Instagram seid, kann ich das Profil „Rising Gaze“ empfehlen, z.B. diese Beiträge: „6 Argumente gegen Feminismus – und wie du sie entkräften kannst“
https://www.instagram.com/p/DTBgACJCB8Q/

„Spaniens Masterplan gegen Femizide zeigt, dass man so einiges tun kann, wenn man es will“
https://www.instagram.com/p/DS-3zFiCAPz/

„Wie Männer unter dem Patriarchat leiden – Starre Geschlechterrollen sind für niemanden gut – auch nicht für diejenigen, die scheinbar davon profitieren“

https://www.instagram.com/p/DPru2FFCIXn

Weitere Folgeempfehlungen:

Töchter Kollektiv – intersektional-feministische Bewegung
https://www.instagram.com/toechter.kollektiv

englischsprachig: „Feminist – The global hub for intersectional feminism today.“
https://www.instagram.com/feminist


Fußnoten:
(1) FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Menschen. Der Genderstern steht außerdem für weitere Gender-Identitäten, die nicht cis männlich sind.

(2) https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/kinderfreundlich-elterngeld-mdrfragt-umfrage-100.html

(3) https://www1.wdr.de/nachrichten/hebamme-hebammenhilfevertrag-studie-100.html

(4) https://www.kita.de/wissen/kinderbetreuung-rechtsanspruch/

(5) https://beauftragte-missbrauch.de/themen/definition/zahlen-zu-sexuellem-kindesmissbrauch-in-deutschland

(6) https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html

(7) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/femizide-deutschland-100.html

(8) https://www.frauenhaus-suche.de/

(9) https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/fhk-bewohner-innenstatistik/

(10) https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/rechtsanspruch-auf-schutz

(11) Emotionsarbeit bedeutet, dass man die eigenen Emotionen, aber auch die einer Partnerperson quasi managt, zum Beispiel, um den „lieben Frieden“ in einer Beziehung zu wahren und Konflikte (oder gar Gewalt) zu vermeiden. Emotionsarbeit findet darüber hinaus auch in beruflichen Kontexten statt. Mehr Informationen darüber z.B. hier auf Englisch:
https://en.wikipedia.org/wiki/Emotional_labor

(12) siehe zum Beispiel: https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/556843/strafrecht-und-regulierung-von-deepfake-pornografie/

(13) https://www.npr.org/2022/06/24/1102305878/supreme-court-abortion-roe-v-wade-decision-overturn

(14) https://en.wikipedia.org/wiki/1975_Icelandic_women%27s_strike und

(15) siehe z.B. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/wenn-wir-streiken-steht-die-welt-still-der-8-maerz-und-der-internationale-feministische