Kleines Diversitäts-Lexikon

Ich beschäftige mich schon seit mehreren Jahren mit Diversitätsthemen, sodass ich manchmal vergesse, dass es Menschen gibt, die sich damit (noch) nicht gut auskennen. Deshalb erkläre ich hier in diesem Beitrag einige Begriffe, für Einsteiger*innen, von A bis Z.

Lesezeit (ohne weiterführende Literatur): ca. 12 Minuten

Able-bodied
Das Gegenstück zu behindert, ein Begriff aus dem Englischen

Ableismus
Die Abwertung, Diskriminierung und Unterdrückung von behinderten Menschen. Ähnlich wie bei Rassismus reicht das teilweise Jahrhunderte zurück und ist eine systemische und strukturelle Benachteiligung, z.B. durch Barrieren, die den Alltag für behinderte Menschen sehr erschweren. Im kapitalistischen System werden Menschen zudem stark nach ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt und wer aufgrund einer Behinderung nicht in dieses System passt, der erfährt häufig Ableismus. Während in vielen Ländern aktiv an einer Barrierefreiheit gearbeitet wird und behinderte Menschen gut in den Alltag integriert werden, sieht die Situation in Deutschland weniger gut aus, obwohl Behindertenaktivist*innen schon seit Jahren Veränderungen anmahnen.
Zum Thema ableistische Schimpfwörter: Siehe unten bei weiterführender Literatur.

Alltagsrassismus
(siehe auch Mikroagression)
Alltäglich auftretende Formen von Rassismus, die vielleicht weniger schwer erscheinen, aber dennoch für die Betroffenen sehr belastend sein können. (Zum Beispiel ohne zu fragen das Haar einer Schwarzen Person anfassen.)

Antisemitismus
Die jahrhundertealte Diskriminierung von jüdischen Menschen, die unter anderem zu Progromen in mehreren Ländern geführt hat, sowie zum Holocaust.

Behinderung
Erwünschte und neutrale Selbstbezeichnung von behinderten Menschen. Viele von ihnen lehnen Euphemismen ab, z.B. „Handicap“, „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ oder ähnliches. Es ist völlig in Ordnung, „Behinderung“ oder „behindert“ zu sagen.

Bi_PoC
Abkürzung für Black, Indigenous, People of Colour. Der Unterstrich steht dabei für weitere Menschen, die nicht weiß sind.

Bodyshaming

Die Abwertung von Körpern, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, z.B. nicht schlank sind. Das betrifft insbesondere Leute, die sehr dünn oder dick sind. Bodyshaming kann aber auch kleinwüchsige Menschen treffen, Männer, die unterdurchschnittlich klein sind oder Frauen, die überdurchschnittlich groß sind. Darüber hinaus kann Bodyshaming auch behinderte Menschen treffen, deren Behinderungen sehr sichtbar sind (z.B. manche blinde Menschen oder Leute mit deformierten oder fehlenden Gliedmaßen). Auch Veränderungen in der Körperbehaarung oder beim Kopfhaar können Bodyshaming hervorrufen (z.B. kreisrunder Haarausfall). Besonders verbreitet ist Fatshaming, also die Abwertung von dicken Menschen. Ein weiteres Problem ist außerdem, dass manche betroffene Menschen beispielsweise in medizinischen Kontexten abgewertet werden.


Catcalling

(siehe auch Sexismus): Anmachsprüche, Hinterherpfeifen oder andere sexistische Verhaltensweisen, häufig von fremden Männern gegenüber Frauen, die ihnen fremd sind und denen sie zufällig im Alltag, auf Partys o.ä. begegnen.

Coming-Out
Anderen mitteilen, dass man queer ist (vom Englischen „Coming out of the closet“, „aus dem Schrank kommen“). Coming-outs sind eine sehr persönliche Entscheidung und niemand sollte eine Person gegenüber anderen outen – außer die betreffende Person ist ausdrücklich damit einverstanden. Je nach Umfeld und Lebenssituation kann es gefährlich oder ungünstig sein, sich zu outen. Coming-outs finden häufig auch nicht nur einmal statt, sondern immer wieder, z.B. wenn die betroffene Person neue Leute kennenlernt. Coming-outs können auch anderen Formen von Marginalisierung betreffen, z.B. eine unsichtbare Behinderung offenbaren. Aber der Begriff an sich ist in erster Linie mit der queeren Community verbunden und sollte nicht für andere Bereiche verwendet werden.

Diversität
Diversität ist ein anderer Begriff für (soziale, gesellschaftliche, menschliche) Vielfalt oder auch Vielseitigkeit. Diversität gibt es nicht nur in Bezug auf Menschen, sondern auch bei Pflanzen und Tieren (Bio-Diversität) und beschreibt auch Neurodivergenz – mit dem Begriff Neurodiversität.

Diskriminierung
Handlungen, Vorurteile und Ansichten, die Menschen aufgrund bestimmter Merkmale (z.B. Geschlecht, Ethnie, Religion, Gender-Identität, Behinderung …) herabwürdigen, beleidigen, mit Vorurteilen begegnen oder stark benachteiligen, z.B. bei der Suche nach Arbeit, einer Wohnung, bzw. auch im Alltag.

Entgendern ( siehe Gendern)

Fatshaming (→ siehe Bodyshaming)

Feminismus

Jahrzehntelanger Aktivismus für die Gleichberechtigung von Frauen und FLINTA*, im Vergleich zu Männern. Die Ursprünge des Feminismus reichen zurück ins 19. Jahrhundert. Seitdem gab es in zahlreichen Ländern mehrere Wellen des Feminismus, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Mittlerweile wird häufig auch von Queerfeminismus gesprochen, um deutlich zu machen, dass nicht nur cis Frauen besonders unter dem Patriarchat leiden, sondern auch FLINTA* Personen. Feminismus gründet sich, entgegen vieler Aussagen aus der Manosphere, nicht auf Männerhass, sondern möchte die Lebensbedingungen aller Menschen verbessern (u.a. auch deshalb, weil cis Männer ebenfalls unter dem Patriarchat leiden, siehe Fußnote 1)

Gendern, gendersensible/genderneutrale Sprache
Eine Verwendung von Sprache, die alle Gender mit einbezieht und nicht nur das generische Maskulinum verwendet. Manchmal, nicht immer, kommen dabei Sonderzeichen zum Einsatz, zum Beispiel Unterstriche, Gendersternchen oder Doppelpunkte innerhalb eines Wortes. Es ist teilweise umstritten, welche dieser Sonderzeichen am besten lesbar sind.
Viele Leute lehnen solche Sonderzeichen komplett ab und regen sich darüber auf.
Bei genderneutralen Begriffen (z.B. Lehrkraft statt Lehrer) kann auf Sonderzeichen oft verzichtet werden.
In diesem Zusammenhang kann ich das gratis online Lexikon „Geschickt Gendern“ empfehlen. Entgendern ist übrigens der korrekte Begriff für diese Form des Sprachgebrauchs, weil dabei das generische Maskulinum entgendert wird.
Im alltäglichen Sprachgebrauch sagen viele Leute dazu stattdessen allerdings „gendern“.

Inklusion
Das bewusste Einbeziehen von allen Menschen in soziale Gefüge aller Art und die Gesellschaft, ungeachtet ihrer Marginalisierungsformen, beziehungsweise unter Berücksichtigung dieser und ihrer jeweiligen Bedürfnisse. Inklusion wird häufig genannt im Zusammenhang mit behinderten Menschen, bezieht sich aber letztendlich auf alle marginalisierten Leute.

Intersektionalität
Im Zusammenhang mit Diversität beschreibt dies das Ineinandergreifen verschiedener Marginalisierungen. Hier ein Beispiel: Eine trans Frau of Colour, die behindert ist, ist intersektional marginalisiert und von noch mehr Diskriminierungsformen betroffen, als wenn sie z.B. eine able-bodied cis Frau of Colour wäre.
Mehr dazu siehe auch unten bei weiterführender Literatur.


Klassismus

Die Benachteiligung, Abwertung, Herabwürdigung oder Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres sozialen Status, häufig bezogen auf die finanzielle Situation, z.B. Geringverdiener*innen, Arbeitslose, von Armut betroffene Erwachsene und Kinder, Alleinerziehende mit wenig Einkommen, Obdachlose. Diese Form der Diskriminierung reicht jahrhundertelang zurück und war in früheren Jahrhunderten eng verbunden mit dem jeweiligen Stand oder der jeweiligen gesellschaftlichen Klasse, in der sich eine Person befand, daher der Begriff „Klassismus“ (z.B. Arbeiterschicht vs. Oberschicht).

Kolonialismus
Die jahrhundertelange hochproblematische Praxis der gewaltsamen Aneignung von Gebieten, die ursprünglich nicht zum eigenen Land gehörten, auch im Rahmen des Imperialismus. In diesem Zusammenhang wurden einheimische Bevölkerungen vor Ort massiv ausgebeutet, versklavt, ermordet, häufig auch ihrer ursprünglichen Religionen durch christliche Missionarierung beraubt, außerdem kam es vielfach zu verschiedenen Formen von kultureller Aneignung. Die Rohstoffe und angebauten Produkte (z.B. Lebensmittel, Gold und andere Edelmetalle) waren ein hoher Anreiz für die Kolonialisten, die entsprechende Gebiete auszubeuten.
Es gibt auch heutzutage noch modernen Formen des Kolonialismus, z.B. der Stellvertreterkrieg, der zurzeit im Sudan herrscht.

Kulturelle Aneignung
Gemeint ist hier eine respektlose Aneignung von kulturellen Objekten, Praktiken oder Verhaltensweisen, die nicht aus der eigenen Kultur stammen, für eigene Zwecke – häufig auch zur Bereicherung, durch Kommerzialisierung. Beispiele hierfür sind verschiedene spirituelle Praktiken aus aller Welt, die im Westen populär wurden, z.B. Schamanismus, aber im Zuge der Aneignung aus ihren ursprünglichen kulturellen Zusammenhang gerissen wurden. Außerdem gibt es sogenannte geschlossene Traditionen, die für Außenstehende tabu sind (Beispiel dafür sind Hoodoo, die lateinamerikanische Brujeria-Tradition und das westafrikanische Vodún). Weitere Beispiele: exotische Karnevalskostüme oder Buddhafiguren, die rein als Dekoration dienen. In Diskursen ist teilweise umstritten, was als kulturelle Aneignung zählt und was nicht.

marginalisiert, Marginalisierung
Das kommt vom englischen Begriff „margin“ und bedeutet Rand. Es handelt sich um Menschen, die gewissermaßen am Rand der Gesellschaft leben, als Minderheit.
Hier eine Auflistung an möglichen Marginalisierungen, von A bis Z, die keinen Anspruch
auf Vollständigkeit erhebt:

Arme Menschen
Behinderte
Chronisch Kranke (z.B. psychische chronische Krankheiten wie Depressionen und Schizophrenie, Long Covid, ME/CFS, Migräne u.a.)
FLINTA* (das steht für Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans und Agender Menschen.)
Menschen mit Migrationshintergrund
Neurodivergente Menschen (z.B. ADHS, Autismus)
People of Colour, oft abgekürzt als Bi_PoC
Queere (LGBTIAQ*)
Religiöse Minderheiten
Roma, Sinti (bzw. gegendert als Sinti*zze und Rom*nja)
Wohnungslose Menschen

Mikro-Aggression
kleine, häufig subtile Formen von Abwertung, z.B. durch Anstarren, Stirnrunzeln, räumlich deutlich ausweichen (z.B. Straßenseite wechseln, in Öffis anderen Sitzplatz suchen) oder auch abwertende Bemerkungen.

Neurodivergenz
Eine Abweichung (Divergenz) von sogenannten neurotypischen Gehirnen – am bekanntesten sind Autismus, ADHS oder eine Kombination aus beidem, AuDHS. Aktivist*innen setzen sich dafür ein, dass Neurodiversität nicht als eine Störung betrachtet wird, sondern als Teil der menschlichen Vielfalt.
Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Neurodiversit%C3%A4t
In diesem Zusammenhang ist auch die Neurodiversitätsbewegung interessant.

Own Voice
Das beschreibt in der Kunst, Literatur, Filmen etc., dass die verfassende Person eigene direkte Lebenserfahrung mit einem Thema hat, z.B. ein schwuler Autor, der über schwule Figuren schreibt, eine behinderte Drehbuchautorin, die eine Figur mit ihrer Behinderung schreibt oder eine kunstschaffende neurodivergente Person, die sich künstlerisch mit ihrer Neurodivergenz auseinandersetzt. Dabei gilt zu beachten, dass der Hinweis auf Own Voices schwierig sein kann, z.B. wenn sich die betreffende Person dann gezwungen sähe, sich zu outen, dies aber aus persönlichen Gründen nicht möchte (siehe Coming-Out).

Patriarchat
Jahrhundertlang weltweit gewachsene Strukturen und Systeme, die auf der Dominanz und Macht von Männern basieren (das lateinische Wort bedeutet soviel wie: „Herrschaft der Väter“). Dies führt insgesamt gesehen zu zahlreichen strukturellen Problemen und schweren gesellschaftlichen Missständen, darunter Femizide und häusliche Gewalt, weniger Rechte für Frauen und FLINTA* in mehreren Ländern, bis hin zu Kriegen und schweren Kriegsverbrechen.
In heutigen Diskursen wird aber immer wieder deutlich gemacht, dass sogar Männer selbst unter dem Patriarchat leiden (siehe Fußnote 1)

Privilegien

Viele Menschen, die ein Teil der Mehrheitsgesellschaft sind, haben bestimmte Privilegien. Sie sind z.B. weiß, männlich, cisgender, heterosexuell, verdienen gut oder haben vielleicht viel Geld geerbt, eine gute Ausbildung oder ein Studium absolviert, sind able-bodied, grundsätzlich gesund, schlank, ihre Wohnsituation ist angenehm oder noch anderes. Marginalisierten Menschen fehlen solche Privilegien oder sie haben nur wenige. Wenn Menschen sagen, „Jeder ist seines Glückes Schmied“, vergessen sie häufig, dass man nicht alles durch harte Arbeit erreichen kann, wenn in der eigenen Lebenssituation viele der genannten oder noch andere Privilegien fehlen – man kann also eine schwierige Ausgangsbasis habt.
Der Spruch „Check your privileges“ soll Menschen, die sehr privilegiert sind, daran erinnern, dass sie gegenüber marginalisierten Menschen viele Vorteile haben.

Queer
Umfassender Begriff für alle Menschen, die nicht cisgender oder heterosexuell, bzw. dyageschlechtlich (2), romantisch (3) oder allosexuell (4) sind. Ursprünglich stand der Begriff im Englischen eher abwertend für „schräg“ oder „seltsam“, wurde aber von der LGBTIAQ*-Community zumindest in Teilen reclaimed. Einige Mitglieder der Community lehnen den Begriff allerdings ab. Andere argumentieren, dass dieser Begriff politisch ist.

Queerfeindlichkeit
Oft einfach als Homophobie bezeichnet, was allerdings der Diversität der queeren Community nicht ausreichend gerecht wird: Queerfeindlichkeit beschreibt diskriminierende Verhaltensweisen gegenüber queeren Leuten, von Mikroaggressionen bis hin zu Hassverbrechen.

Queerfeminismus (siehe → Feminimus)

Rassismus
Die Abwertung, Diskriminierung, Vorurteile gegen und Unterdrückung von Menschen, die nicht weiß sind (Bi_PoC) – meistens basierend auf der Hautfarbe und Ethnie. Dies ist über Jahrhunderte hinweg entstanden, z.B. durch Kolonialismus, bis hin zur Sklaverei. Es handelt sich um eine systemische und strukturelle Form der Unterdrückung. Übrigens gibt es keinen systemischen und strukturellen Rassismus gegen weiße Menschen. (Ja, auch manche weiße Menschen werden benachteiligt, aber es handelt sich nicht um systemischen oder strukturellen Rassismus.)

Repräsentation
Gemeint ist hier die Darstellung von marginalisierten Menschen (oder in der Phantastik auch Wesen) in der Kultur, z.B. in Filmen, Serien, Büchern, Theater, Games u.a. Durch eine authentische, gelungene Repräsentation können sich auf gleiche oder ähnliche Weise marginalisierte Menschen besonders gut mit den entsprechenden Figuren identifizieren und fühlen sich dadurch gesehen.
Entsprechende Repräsentationen können auch zu einem Empowerment beitragen und sich positiv auf das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein auswirken. Sie können außerdem teilweise helfen, mit eigenen Bewältigungsschwierigkeiten, die durch die Marginalisierung entstehen, besser umgehen zu können oder eine andere Perspektive darauf zu erhalten.

Safe(r) Space
Ein Raum, in denen marginalisierte Menschen unter sich sind und den sie als sicher erleben. Solche Räume bieten Möglichkeit für Austausch und einige Menschen können sich dort auch leichter gegenüber anderen öffnen, da diese für sie aus eigener Lebenserfahrung heraus ein tieferes Verständnis aufbringen, als Nichtbetroffene. Safe(r) Spaces sind aber nicht automatisch sicher für alle, die dort sind, deshalb wird hier häufig von „safer“ statt dem bestimmteren „safe“ gesprochen. Die jeweilige Community muss aktiv, z.B. durch bestimmte Regeln, dafür sorgen, dass sich alle sicher fühlen können. Solche Räume können z.B. sein: queere oder migrantische Kultureinrichtungen, Meet-ups und Stammtische, Vereine oder noch andere.

Saneismus
Vorurteile, Diskriminierungen und Stigmatisierungen von Menschen mit chronischen oder akuten psychischen Erkrankungen (von englisch „sane“: psychisch gesund) oder aber basierend auf der Annahme, dass Betroffene psychisch krank seien, obwohl sie es nicht sind. Im Alltag häufig verwendete abwertend gemeinte Schimpfworte wie „wahnsinnig“ oder „schizophren“ zählen auch zum Saneismus.

Schwarz
stets großgeschriebene Eigenbezeichnung Schwarzer Menschen (nicht nur am Satzanfang, sondern auch mitten im Satz, als Adjektiv). Dazu ein Zitat von Amnesty International: „Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. „Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen,dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle‘ Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen ‚ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.“  (Quelle: Jamie Schearer, Hadija Haruna, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), Über Schwarze Menschen in Deutschland berichten, Blogbeitrag, 2013)

Sexismus
Handlungen und Ansichten, die Menschen aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren, herabwürdigen, beleidigen oder anderweitig schädigen. Häufig sind Frauen und FLINTA* hiervon betroffen. Einige Beispiele von Sexismus sind die Bevorzugung von Männer bei der Vergabe von Arbeitsstellen, Cat-Calling, herablassende Witze über Frauen.

SWERF
Die Abkürzung steht für „Sex Worker Excluding Radical Feminist“ – sich selbst als „Feminist*innen“ bezeichnende Leute, die sich nicht für die Rechte von Sex-Arbeiter*innen einsetzen und/oder diese ganz aus ihren Kreisen und ihrem Aktivismus ausschließen.

TERF
Die Abkürzung steht für „Trans Excluding Radical Feminist“ – selbsternannte Feminist*innen,
die trans Frauen und trans Männer, sowie häufig auch nichtbinäre Personen aus ihrem Aktivismus ausschließen. Nicht selten verhalten sich diese „Feminist*innen“ auch offen feindselig gegenüber trans und nichtbinären Personen.

Fußnoten:
(1) siehe z.B. diesen Beitrag von Rising Gaze: „Wie Männer unter dem Patriarchat leiden“
https://www.instagram.com/p/DPru2FFCIXn
bzw. ohne Instagram zu öffnen: https://imginn.com/p/DPru2FFCIXn/
(2) dyageschlechtlich: Das Gegenstück zu intergeschlechtlich
(3) als Gegenstück zu aromantischen Menschen
(4) allosexuell: Ein Gegenstück zu asexuell (wobei das ein Spektrum ist)

Weiterführende Literatur

Das Glossar des Queer Lexikons erläutert viele queere Begriffe:
https://queer-lexikon.net/lexikon/glossar/

„Vielfalt · Das andere Wörterbuch: 100 Wörter – 100 Menschen – 100 Beiträge“
(hrsg. von Sebastian Pertsch, Duden Verlag)
aus dem Jahr 2023
ISBN: 978-3-411-75601-8
https://shop.duden.de/Vielfalt/9783411756018

Der englischsprachige Essay, der den Begriff „Intersektionalität“ geprägt hat:
„Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination – Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics
von Kimberle Crenshaw
https://chicagounbound.uchicago.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1052&context=uclf

„Blind, taub, dumm: Wie Ableismus sich in unserer Sprache zeigt“
https://www.neuenarrative.de/magazin/wie-ableismus-sich-in-unserer-sprache-zeigt

Gute Buch-Alternativen zu „Harry Potter“ und der „Wizarding World“

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Inhaltswarnung: Transfeindlichkeit, anti-trans Aktivismus (erwähnt)

Kürzlich wurde bekannt: Die erste Staffel der HBO-Serienverfilmung von „Harry Potter“ soll ab Weihnachten 2026 gezeigt werden. Und ich rufe hiermit dazu auf, sie sich nicht anzuschauen. Es sei denn, ihr wollt eine Milliardärin finanziell unterstützen, die sich seit mehreren Jahren aktiv gegen trans Rechte einsetzt, auch massiv mit ihrem Geld – und dieser anti-trans Aktivismus, auch von anderen Akteuren, hat in UK unter anderem zu transfeindlichen Gesetzesänderungen geführt. Wenn ihr dies nachlesen wollt, weil es so unglaublich klingt, befragt bitte eine Suchmaschine eures Vertrauens oder schaut z. B. hier (Fußnote 1). Besagte Milliardärin wird auch an dieser neuen Serienverfilmung mitverdienen. Zu diesem Thema kann ich auch einen Instagrambeitrag von Cosplaytearoom empfehlen (Fußnote 2).

Ich weiß, dass viele Leute mit „Harry Potter“ angenehme Kindheits- oder Jugenderinnerungen verbinden, sei es mit den Büchern, den Filmen, Games oder dem Gemeinschaftsgefühl im Fandom, oder noch aus anderen Gründen. Wenn ihr euch von all dem nicht trennen könnt, was ihr im Laufe der Zeit gekauft habt, behaltet es. Schreibt weiter Fanfictions oder kreiert Fanart, wenn ihr dieses Fandom nicht loslassen könnt.

Aber kauft bitte keinen neuen Merch, keine neuen „Harry Potter“ oder „Wizarding World“-Produkte. Denn auch damit unterstützt ihr die Milliardärin, deren Name ich hier nicht nenne.

Und wenn ihr meine Ansichten in dieser Angelegenheit zu radikal oder übertrieben findet, dann entfolgt mir bitte in Social Media oder blockiert mich. Trans Rights are Human Rights. Und ich kann die Kunst nicht von den Kunstschaffenden trennen, wie ich hier in diesem Blogbeitrag geschrieben habe.

Und nun etwas Positives: Es gibt inklusive Fantasy-Literatur von diversen Autor*innen, die sich mit Magie, Hexen, Zauberern, Hexen- oder Zauberschulen befassen (oder Ähnlichem) und die diverser sind als „Harry Potter“ und die „Wizarding World“. Von mir gibt es außerdem die Reihe „Hexen in Hamburg“ (keine Jugendbücher, sondern für junge und ältere Erwachsene).

Hier einige Bücher und Buchreihen, die mir empfohlen wurden:

Aiden Thomas: „SOL. Die Rache der Obsidians“ Starke Freundschaften und queere Rivals to Lovers | Fantasywelt voller Götter und Monster | Für Leserinnen und Leser ab 12

Aiden Thomas „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2023 | New York Times Bestseller Autor | Urban Fantasy mit queerer Romance #OwnVoices

Und die Fortsetzung. Aiden Thomas: „Espíritu. Cemetery Boys“ Geister, Dämonen und queere Romance | Urban Fantasy mit einfühlsamer LGBTQ+-Representation | Band 1 nominiert für den Jugendliteraturpreis

Theresa Bells Reihe „Sepia“ – Band 1: „Sepia und das Erwachen der Tintenmagie“

Rick Riordan: „Percy Jackson 1: Diebe im Olymp“ Moderne Teenager, griechische Götter und nachtragende Monster – die Fantasy-Bestsellerserie ab 12 Jahren

Rick Riordan: „Magnus Chase 1: Das Schwert des Sommers“ – Ein Loser soll Ragnarök aufhalten? Lustiges Fantasy-Abenteuer ab 12 Jahren über nordische Mythen und einen (fast) normalen Typen

Rick Riordan hat mehrere Jugendbuchreihen geschrieben, hier eine Übersicht über sein gesamtes Werk auf Deutsch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rick_Riordan#Werke

Noah Stoffers: „A Midsummer’s Nightmare“ Dark Academia – Schottland – Shakespeare – queere Own-Voice-Fantasy an einem Elite-College

Zu einem Aufruf von mir für Buchtipps schrieb Desiderius Rainbow:
„Ich schmeiße mal meine Magier aus meiner Mânil-Reihe in die Runde! Contemporary-Fantasy zum Wohlfühlen: ein intensiver, skurriler und magischer Mix aus cozy Happyplace und düster-bösem Psychochaos mit Tiefgang, Casual Queerness, Neurodivergenz, own voice und viel Subtext. „Mânil – Einfach nur der Anfang“, „Mânil 2 – Keine Leinenpflicht in Katurath’ka“ und am 30.4. erscheint „Mânil 3 – Irgendwas mit neuen Jacken“, ist auch schon vorbestellbar. Ich bin Selfpublisher und zusätzlich zu meiner Geschichte stammen auch die Cover und sämtliches Design aus meiner Feder.“ Diese Buchreihe ist für Erwachsene.

Wolf September: „Grisper Castle: Eine Gay-Romantasy“ (Grisper Castle – Ein Schloss in Schottland – Cosy-Mystery 1) Vierteilige Buchreihe

Wolf schreibt: „[Meine Buchreihe] spielt in einem alten Schloss in Schottland, mit Magie, Geistern, alten Geheimnissen und einer Gruppe Figuren, die gemeinsam Rätsel lösen. Also eher Mystery/Cozy mit magischen Elementen. Ich würde die ersten beiden Bände ab 16 empfehlen, das es dort spicy Szenen gibt, ab Band 3 ab 12“

Jamie Enderlein: Die sechsteilige Buchreihe „Abra Kandelabra“
Band 1: „Hexenhut und Hokuspokus“

Fußnoten

(1) Inhaltswarnung zum englischsprachigen Artikel: sehr viel Transfeindlichkeit, Ace-Spektrum-Feindlichkeit.
„A Complete Breakdown of the J.K. Rowling Transgender-Comments Controversy“ https://www.glamour.com/story/a-complete-breakdown-of-the-jk-rowling-transgender-comments-controversy

(2) Der Instagrambeitrag von Cosplaytearoom:
„“This is why, in 2026, you should stop to cosume any Harry Potter related content – if you care at all about trans people.“
https://www.instagram.com/p/DWWPxiVisS9/

Bookies, wir müssen reden

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Ich blogge ungefähr seit 2020 über Diversität, Repräsentation in der Literatur, Inklusion und Queerfeminismus. Aber ich habe nur eine kleine Plattform mit geringer Reichweite. Und selbst wenn ich Leute erreiche, hat natürlich nicht jede Person Zeit und Lust, meine Blogbeiträge zu lesen.

Kürzlich las ich einen Beitrag von Levi Elliott, den ich sehr empfehlen kann, hier zu finden:
https://www.instagram.com/p/DV01ihPE8kd

Und ich selbst habe auch schon an anderer Stelle von diesen Anspruchshaltungen mancher Leser*innen gehört: Leute, die sich Bi_PoC Figuren als weiß vorstellen, weil das für sie bequemer sei. Neopronomen in einem Buch seien zu anstrengend und genderneutrale Sprache (oder Gendersternchen und vergleichbare Sonderzeichen) ebenso.

Da frage ich mich: Wenn solche Leser*innen schon mit entsprechenden fiktiven Figuren nicht zurechtkommen, wie gehen sie dann eigentlich im Alltag mit ihren marginalisierten Mitmenschen um?

Oder sind manche Leute mittlerweile von ChatGPT und Co. so sehr eine „Yes, man“-Haltung gewohnt, also eine ständige positive Bestätigung ihres Daseins, dass sie sich nicht mehr empathisch auf Lebenserfahrungen einlassen können oder wollen, die ihrer eigenen nicht entspricht?

Und dann der Anspruch, der Book Space solle doch bitte unpolitisch sein. Ich möchte euch gern etwas dazu sagen, das ich schon öfter angesprochen habe: Wer eine Community, einen Space, eine Subkultur oder eine andere Gruppierung „unpolitisch“ haben möchte, lädt damit praktisch rechtskonservative und rechtsextreme Leute ein. Und damit nicht genug, diese Leute bringen ihren rechtskonservativen und rechtsextreme Freundeskreis mit, während marginalisierte Leute erst an den Rand gedrängt werden und letztendlich aus der entsprechenden Community vertrieben werden, weil sie sich darin nicht (mehr) sicher fühlen können. Und das kann nicht in eurem Sinne sein, oder?

Ich lade euch ein, euch weiterzubilden. Das geht auch kostenlos. Hier gibt es von mir eine „Literaturliste rund um Diversität“, mit Artikel, Büchern, Podcasts und mehr. Viele, nicht alle, beziehen sich auf Literatur und richten sich an Autor*innen, aber es sind auch mehrere dabei, die allgemein auf die betreffenden Themen eingehen.

Auch in meinem Blog gibt es zahlreiche Artikel, alle ebenfalls kostenlos.
Bitte ins Suchfeld beim Blog Stichworte nach Wunsch eingeben, z.B. „Diversität“, „Repräsentation“, „Inklusion“, „Feminismus“, „Patriarchat“, „Ableismus“, „Rassismus“, „queer“, „Queerfeindlichkeit“ oder andere, die zu diesem Themenbereich passen.

Buch-Aktivismus

Sunita Sukhana hat vier Fragen:

  1. Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram?
    2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
    3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
    4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Was ist der Fokus eures Aktivismus?

Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)

Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?

Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.

Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?

Lesende:
Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.

Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.

Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.

Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.

Autor*innen:
Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.

„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.

Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).


Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Victoria Linnea, Nora Bendzko und Noah Stoffers bieten regelmäßig Workshops für Autor*innen an, die sich mit Diversität befassen. https://www.victorialinnea.de/seminare-workshops

Auch Lena Richter bietet regelmäßig Workshops an:

Empfehlen kann ich auch das halbjährlich erscheinende Phantastik-Magazin „Queer*Welten“, das im Amrûn Verlag erscheint: https://amrun-verlag.de/cat/verlagsbuchhandlung/lgbt/

Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.

Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.

Fußnoten:
1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“

2) „Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?“

3)„Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“
https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/

4) Alternativen zu KI generierten Bildern (Beitrag in Deutsch und Englisch):

#DiversityDienstag: Support für marginalisierte Autor_innen… die nicht preisverdächtige Literatur schreiben

Lesezeit: 1 Minute
In Social Media wird recht oft dazu aufgerufen, queere oder anderweitig margi­nalisierte Autorys zu unterstützen, z.B. indem man ihre Bücher kauft oder darauf hinweist. Aber die Bücher, die dann empfoh­len werden, sind praktisch immer dieselben von so ungefähr 5 bis 10 Autorys, zumindest habe ich das öfter so beobachtet.

Oftmals geht es um Bücher, die als besonders herausragend und lesenswert erachtet werden und/oder die für Preise nomi­niert wurden oder mit welchen ausgezeichnet wurden. Teilwei­se sind das auch englischsprachige Bücher oder Bücher aus großen Verlagen. Das ist natürlich einerseits sehr schön.

Andererseits entsteht für mich der Eindruck, als ob die Bücher marginalisierter Autor*innnen nur dann beachtenswert sind, wenn sie überdurchschnittlich gut sind.

Die eher durch­schnittlich schreibenden Autorys, zu denen ich ebenfalls zähle, kommen bei solchen Empfehlungen nicht oder kaum vor. Gleiches gilt oft auch für Kleinverlage und marginalisierte Selfpublisherinnen. Deshalb: Wenn ihr Autorys unterstützen wollt, auch solche, die vielleicht nicht preisverdächtig schreiben: Traut euch auch an Bücher aus Kleinverlagen und an welche von Selfpublisherinnen.

Das alles erinnert mich übrigens schmerzhaft an etwas, das so einigen marginalisierten Autor*innen bekannt vorkommen dürfte: marginalisierten Leuten, z.B. mit Behinderungen, wird oft schon von Kindheit an vermittelt, dass sie immer mehr als 100 % geben müssten, dass sie besonders viel leisten müssten, um von der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden.

Aber nicht jeder marginalisierte Autorin ist ein literarisches Genie, um es mal überspitzt zu formulieren, oder schreibt preisverdächtig. Und das hängt natürlich auch teilweise mit der eigenen Lebenssituation, aber auch dem Buchmarkt und den Produktionsbedingungen zusammen, bei der marginalisierte Autorinnen oft strukturell benachteiligt werden.

Vorstellung der Aktion #DiversityDienstag

Jüngst gab es einen Skandal mit dem rechtskonservativ ausgerichteten „Aktionsbündnis Fantastik und Gesellschaft“. Die betreffende Webseite wurde mittlerweile vom Netz genommen wurde, aber das Manifest und die Erstunterzeichnenden sind immer noch auf einem Yopad und im Web Archive online lesbar – das Internet vergisst nicht.

Das alles hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir folgende Hashtag-Aktion überlegt: den #DiversityDienstag.

Ich schreibe seit 7.10. 2025 dienstags über progressive Phantastik, andere Genres sowie progressive Sachbücher und gebe Tipps oder teile Blogbeiträge von mir.

Nach dem Motto, wir müssen lauter sein als rechtskonservative und rechtsextreme Autor*innen, Verleger*innen und andere Leute mit diesen Einstellungen.

Aber ich möchte die Aktion gern noch weiter fassen. Von daher, wenn euch die Themen Diversität, Inklusion und Repräsentation in irgendeiner Form beschäftigen, macht gern ebenfalls dienstags mit und nutzt den Hashtag in euren Social Media.

Bitte beachten: Anders als bei mehreren Hashtag-Aktionen in Social Media gibt es KEIN vorgegebenes wöchentliches Thema. Schreibt bitte einfach dienstags mit dem Hashtag zu den Themen rund um Diversität, Inklusion, Repräsentation, progressive Bücher und Verwandtes, was euch in dieser Hinsicht bewegt.

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Metaphern von Marginalisierung in Horrorfilmen und -Serien

Lesezeit: ca 3 Minuten
Ich sehe gern Horrorfilme und -serien, nicht nur in der Gruselsaison, Spuktober oder wie mensch es sonst gern nennen mag. Marginalisierte Menschen haben es schwer in der Welt (1) und mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass entsprechende Probleme auch sehr gern in Horrorfilmen und -serien thematisiert werden, seien es Behinderungen, Queerness, Rassismuserfahrungen, Fluchterfahrungen oder noch andere. In diesem Blogbeitrag geht es mir nicht um Geschichten, die diese Themen dramatisch und klischeebehaftet für Schockeffekte einsetzen, sondern die damit sensibel umgehen.

Hier einige der Filme/Serien, die ich in diesem Zusammenhang sehr sehenswert finde. Ich stelle sie jeweils kurz vor.

His House
erzählt die Geschichte eines geflüchteten Paares aus dem Südsudan, das in England versucht sich ein neues Leben aufzubauen. Doch in dem Haus, das ihnen zugeteilt wird, passieren mysteriöse Dinge. Hier geht es zentral um das Thema Krieg, Flucht, Tod und damit verbundene Traumata.
https://de.wikipedia.org/wiki/His_House

Still (Originaltitel: Hush)
Eine gehörlose Horrorautorin, die Gebärdensprache spricht, muss sich gegen einen Serienkiller zur Wehr setzen. Aus meiner Sicht ein empowernder und feministischer Film von Mike Flanagan, der auch zahlreiche weitere Serien und Filme im Horrorbereich entwickelt hat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Still_(2016)

Get Out
Auf Wikipedia ist zu lesen: „Der satirische Mystery-Horror-Thriller mit Comedy-Elementen basiert auf einem Originaldrehbuch des Regisseurs [Jordan Peele].“ Ein Schwarzer Amerikaner besucht mit seiner weißen Freundin deren ebenfalls weiße Eltern zum ersten Mal, doch der schöne Schein trügt …
https://de.wikipedia.org/wiki/Get_Out

The Old Ways
Ein Folk-Horror-Film über eine mexikanisch-amerikanische Reporterin, die auf der Suche nach einer Story über Hexerei in ihre Heimatstadt in der Nähe von Veracruz (Mexiko) zurückkehrt. Dort wird sie von einer Gruppe von Einheimischen entführt, darunter eine Bruja (eine Art Hexe), die glaubt, dass die Reporterin von einem Dämon besessen sei. In diesem Film gibt es einen starken Fokus auf Folklore, Hexenglauben und alte Traditionen.
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Old_Ways

Niemand kommt hier lebend raus (Originaltitel: No One Gets Out Alive)
Ambar, eine illegale Einwanderin, zieht nach dem Tod ihrer Mutter von Mexiko nach Cleveland, Ohio. Auf der Suche nach einer Bleibe findet sie eine baufällige Pension, doch nachdem sie dort eingezogen ist, geschehen im Haus und anderswo merkwürdige Dinge mit ihr. Dieser Film thematisiert die Schwierigkeiten von Immigrant*innen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Niemand_kommt_hier_lebend_raus

In diese Serie habe ich reingeschaut, sie aber nicht zu Ende gesehen, weil ich es nicht ausgehalten habe, wie ich zugeben muss.

THEM: Covenant
spielt im Jahr 1953 und handelt von einer Schwarzen Familie, die während der zweiten großen Migration von North Carolina in ein rein weißes Viertel in East Compton zieht. Das idyllische Haus der Familie verwandelt sich langsam in ein Epizentrum böser Mächte von nebenan und aus dem Jenseits, die sie heimzusuchen, zu verwüsten und zu zerstören drohen. Was hier besonders stark thematisiert wird, ist Rassismus durch die weiße Nachbarschaft.
https://en.wikipedia.org/wiki/Them_(TV_series)


Den folgenden Film habe ich noch nicht gesehen, er ist aber auf meiner Wunschliste.
They/Them
Ein Slasher-Horrorfilm: Mehrere queere Menschen, auch eine nichtbinäre Person, kommen in ein Camp, das ihnen ihre Queerness austreiben soll (amerikanisch: Conversion Camp) … und das Ganze wird mörderisch.
https://en.wikipedia.org/wiki/They/Them_(film)

Einige weitere Filme mit Marginalisierungsthemen

Forgiveness
https://en.wikipedia.org/wiki/Forgiveness_(2021_film)

Orphan
https://en.wikipedia.org/wiki/Orphan_(2009_film)

A quiet place
https://en.wikipedia.org/wiki/A_Quiet_Place

und die Fortsetzung: https://en.wikipedia.org/wiki/A_Quiet_Place_Part_II

The Silence
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Silence_(2019_film)

Wer sich speziell für das Thema Behinderungen in Bezug auf Horror interessiert:
Disability in Horror Films
https://en.wikipedia.org/wiki/Disability_in_horror_films

In diesem Zusammenhang kann ich auch die Folge „Horrormetaphern“ vom Genderswapped Podcast empfehlen:
https://genderswapped-podcast.podigee.io/47-episode-37

Fußnote
(1) Siehe bei Interesse meinen Blogbeitrag „Die Welt ist gemein zu marginalisierten Menschen“

Buchtipps zum Trans Visibility Day



Hier einige deutschsprachige Bücher (teilweise auch ins Deutsche übersetzt) mit trans Hauptfiguren (oder trans und nonbinary):

Im Februar 2024 habe ich „A Midsummer’s Nightmare“ von Noah Stoffers gelesen und kann den Roman sehr empfehlen. Meine Rezension gibt es u.a. hier bei Lovelybooks.

Neu auf meiner Wunschliste:
„Muskeln aus Plastik“ von Selma Kay Matter, mit einer trans Hauptfigur, die Long Covid hat. Dieser Roman wurde mir empfohlen.

Falls ihr Lust habt, euch weitere passende Buchempfehlungen anzuschauen, stöbert gern mal auf diesen Seiten:

Empfehlungen von Linus Giese:
http://buzzaldrins.de/2018/04/01/bucher-zum-thema-trans-meine-empfehlungen/

Bücher mit trans Themen in der Lili-Elbe Bibliothek:
https://lili-elbe.de/bestaende/alle-trans-inter-buecher/

Schaut auch mal in euren Social Media nach dem Hashtag #transreadathon,
da gibt es jedes Jahr viele Buchempfehlungen für trans Autor*innen und deren Bücher.

Unbezahlte Werbung:
Wenn ihr gern in einem queeren Shop zum Thema trans stöbern möchtet,
kann ich Trans*Fabel sehr empfohlen, dort gibt es nicht nur Bücher, sondern auch Pins, Schmuck, Pride-Flaggen und noch einiges mehr. Siehe:
https://www.transfabel.de/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=trans

Und last but not least: Trans Rights are Human Rights. Trans Women are Women. Trans Men are Men. Trans nonbinary people are trans nonbinary people.

Für mehr Diversität im Bücherregal

Neulich schrieb mir jemand im Fediverse, er fühle sich nicht »divers« genug für Phantastik mit Diversität. Er sei ein monogamer cis hetero Mann. Und da möchte ich gern widersprechen. Heute richte ich mich einmal an alle, die diesen Beitrag lesen und straight (heterosexuell), cis und weiß sind. Oder auch ablebodied anstatt behindert, neurotypisch, allosexuell, nicht von Armut betroffen – mit anderen Worten: Ich wende mich mit diesem Beitrag an Leute, die nicht einer oder mehreren marginalisierten Minderheiten angehören.

Das Lesen von Belletristik fördert die Empathie und das Sich-Hineinversetzen-Können in andere Lebenswelten. Dazu gibt es übrigens auch psychologische Studien, von denen einige z.B. Elea Brandt in ihrem lesenswerten Blogbeitrag „Ist Phantastik unpolitisch?“ verlinkt hat.

Ich habe online öfter Statements gehört oder gelesen a la „Ich bin weiß. Ich kann mich mit einer Schwarzen Hauptfigur nicht identifizieren.“ Oder: „Ich bin heterosexuell. Warum sollte ich Bücher mit queeren Hauptfiguren lesen?“ Oder ähnliches, zu anderen Marginalisierungen. Aber wer als weißer cis hetero Mensch immer nur Bücher von anderen weißen cis hetero Menschen liest, die wiederum nur von weißen cis hetero Menschen handeln … Ihr ahnt es schon, so hat man wenig Chancen, sich literarisch in die Erfahrungswelten von Menschen hineinzuversetzen, die nicht so sind, wie man selbst. Zum Beispiel queer. Oder Schwarz. Oder neurodivergent. Oder behindert. Oder oder oder … es gibt viele Diversitätsthemen.

In den USA gibt es zurzeit rechtskonservative bis hin zu noch rechteren Intiativen, die massiv Bücherzensur betreiben und bestimmte Bücher in Bildungseinrichtungen verbieten (sucht mal online »Banned Books«). Davon sind auch Klassiker der Weltliteratur betroffen, sowie überdurchschnittlich viele Bücher über marginalisierte Themen, häufig auch von marginalisierten Autor*innen. Es gibt dort also immer mehr Menschen, die wollen, dass nur noch die Lebenswelten von weißen cis hetero Menschen in Büchern Gehör finden. Und wer sich fragt, zum Glück gibt es auch Gegenintiativen, die gegen diese Bücherzensur ankämpfen.

In Deutschland gibt es zurzeit keine Bücherzensur dieser Art und ich hoffe sehr, dass das auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten so bleibt.

Und was können wir heute tun? Ich bin bei weitem nicht die erste Person, die darüber schreibt, aber ich möchte auch gern daran erinnern, falls ihr noch nichts in der Richtung gehört oder gelesen habt: Liebe nicht marginalisierte Lesefans, bitte diversifiziert eure Bücherregale, wenn ihr dazu die Möglichkeit habt – zusätzlich zu dem, was ihr sonst so lest. Auf die Weise findet ihr vielleicht auch die eine oder andere Bücherperle, die euch sonst entgangen wäre. Viel Freude beim Lesen.

#DiverserDonnerstag: Hautfarben

Eine Aktion von @equalwritesde

Diesmal mit dem Thema Hautfarben. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Hautfarben gar nicht beschrieben werden, wenn es um weiße Figuren geht. Vielleicht ist da der Gedanke, dass müsse nicht sein, weil Lesende automatisch davon ausgehen, dass die nicht näher beschriebenen Figuren weiß sind. „Weiß als Default“, sozusagen – aber das ist keine gute Einstellung. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit die Hautfarben weißer Figuren auch nicht näher beschrieben habe. Erst in den letzten Jahren ist mir dieses Problem überhaupt bewusst geworden.

Wer Tipps haben möchte, wie man Hautfarben diskriminierungsfrei beschreiben kann, dem empfehle ich die folgenden Texte:

“Warum Hautfarbe allein nichts aussagt” von Victoria Linnea

Und der zweiteilige „Hautfarben-Guide“, eine Übersetzung von Victoria Linnea zu einem Text aus dem Tumblr-Blog „Writing with Color“
Teil 1:

Teil 2:

Und wenn ihr euch gern in diesem oder anderen Bereichen rund um Diversität weiterbilden möchtet, schaut gern mal in meine Literatur- und Linksammlung „Literatur/Links über Diversität, Inklusion und Repräsentation“, diese findet ihr hier (ein Google Doc):
http://bit.ly/literaturundlinksdiversität