(Lesezeit: ca. 3 min) Ich schreibe mehrere Genres, alle mit dem Pseudonym „Amalia Zeichnerin“, und ja, mir ist bewusst, dass das verwirrend sein kann für Leute, die bevorzugt ein einzelnes Genre lesen. Ihr seid bei mir richtig, wenn ihr eines oder mehrere dieser Genres mögt: – Phantastik (z. B. Urban Fantasy und High Fantasy) – Queer Romance – viktorianische Cosy Krimis
Für Queers, Allys and Friends In vielen meiner Bücher gibt es queere Hauptfiguren, mit oder ohne queeren Romanzen. In mehreren meiner Bücher gibt es Spice, aber nicht in allen. Hinweise dazu gibt es auf der Seite „Inhaltswarnungen zu meinen Büchern“ auf meiner Webseite.
Ich habe relativ oft MM Romance geschrieben, aber auch andere Formen von Queerness, z. B. eine Sapphic Romance als Nebenhandlung in meiner Reihe „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“ (Die Hauptfigur ist trans und lesbisch). In „Regency Park“ ist eine der Hauptfiguren eine nichtbinäre Person mit dem Pronomen sier/siem.
19. Jahrhundert Ich habe ein Faible für das 19. Jahrhundert, insbesondere die Regency-Zeit und die viktorianische Ära. Über beides habe ich viel recherchiert. 17 meiner Bücher sind im 19. Jahrhundert angesiedelt, vor allem in England. Darunter viktorianische Cosy Krimis, eine vierteilige Urban-Fantasy-Buchreihe („Berlingtons Geisterjäger“), eine Gothic Novelle und zwei historische queere Romances. Diese Bücher findet ihr bei meinem Veröffentlichungen unter „Historisches“ und bei „Phantastik“.
Wohlfühleskapismus In mehreren meiner Bücher gibt es eher wenig „Drama“. Konflikte kommen meistens eher von außen, nicht so sehr innerhalb von Beziehungen oder Freundschaften. Ich neige auch dazu, meistens freundliche „Comfort characters“ zu schreiben. Wenn ihr beim Lesen gern auf eine emotionale Achterbahnfahrt gehen wollt und hochdramatische Entwicklungen liebt, seid ihr bei mir eher falsch. Stattdessen geht es bei mir meistens eher cozy zu – Lesestoff zum Abschalten und Entspannen.
Mental Health Repräsentation In einigen meiner Bücher habe ich langjährige eigene Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen einfließen lassen: Depressionen (in den Romanen „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“), die bipolare Störung (früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung, im Roman „Hexen in Hamburg: Vergoldet“) und Sozialphobie (soziale Ängste, in den Romanen „Hexen in Hamburg: Verliebt“ und „Francis und das Gasthaus der Geister“).
Repräsentation moderner, paganer Hexen Fantasy-Hexen mit spektakulären Fähigkeiten (z. B. Telekinese) gibt es viele, aber moderne Hexen und wie sie Magie wirken und erleben, das wird selten in der Belletristik repräsentiert. In meiner Buchreihe „Hexen in Hamburg“ geht es um moderne, pagane Hexen und deren Verhältnis zur Magie, wenn sie rätselhafte, magische Fälle lösen. Aber auch hier kommt die Fantasy nicht zu kurz, denn auf Astralreisen begegnen diese Hexen übernatürlichen Wesen.
Was es bei mir nicht gibt … Wenn ich toxische Beziehungen schreibe, was eher selten vorkommt, dann romantisiere ich diese nicht. Stattdessen muss die Täterperson mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Toxische Beziehungen gibt es in meinen Büchern „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“ und der Gothic Novelle „Geisterhaft“. Ich empfehle, auch die Inhaltswarnungen dazu zu lesen. Egal, wie dramatisch oder gefährlich die Handlung sein mag, am Ende gibt es bei mir ein Happy End. Außerdem bediene ich nicht das Trope „Bury your gays/queers“ – also, dass ausschließlich queere Figuren sterben, während die heterosexuellen alle überleben.
Ich habe schon mal einen Blogbeitrag über die Romantisierung von toxischen Beziehungen geschrieben (1), aber ich habe noch einige weitere Gedanken zu diesem Thema.
Ich schreibe hier zur Vereinfachung von (hetero, cis) Männern und (hetero, cis) Frauen. Ich gehe davon aus, dass es in manchen Geschichten auch queere toxische Beziehungen gibt, die romantisiert werden, das ist aber nicht der Schwerpunkt dieses Beitrag.
Die Romantisierung von toxischen (heterosexuellen) Beziehungen spielt dem Patriarchat direkt in die Hände, aus folgenden Gründen:
In althergebrachten patriarchalen Strukturen streben Männer nach Einflussnahme und Macht. Sie haben kein Interesse daran, eine gleichberechtigte Beziehung mit einer Frau einzugehen, stattdessen wollen sie die Frau zunächst erobern und dann kontrollieren. Konsens ist sexy? Nicht mit patriarchal geprägten Männern, die pfeifen auf Konsens. Oder aber, wenn die Frau einmal eingewilligt hat, wird ein späteres Nein nicht mehr akzeptiert. (2)
Der patriarchal geprägte Mann ist außerdem der Ansicht, dass seine Partnerin sein Besitz ist. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass es so viele Femizide gibt. Wer eine Person als persönlichen Besitz betrachtet, wird auch denken, dass er mit ihr machen kann, was immer er will – im Extremfall auch Mord.
Ein weiterer Punkt: Patriarchal geprägte Männer haben üblicherweise das Rollenbild des „starken Mannes“, der seine Partnerin beschützen will. Das mag nobel klingen, aber vielleicht braucht oder will seine Frau oder Freundin gar nicht seinen Schutz, sondern kann sich im Zweifelsfall selbst verteidigen, bzw. will auf eigenen Füßen stehen?
Patriarchal geprägten Männern wird schon als Kind vermittelt, dass sie keine „weichen“, „weiblichen“ Gefühle haben dürfen, nicht darüber sprechen dürfen, bzw. solche Gefühle verdrängen sollten. Was dagegen erlaubt ist: Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft, Ärger, Wut und Aggression. Entsprechend können solche Männer kaum oder gar nicht über viele ihrer Gefühle reden, auch nicht mit ihren Frauen.
Sie sind emotional nicht verfügbar, aber genau das ist für eine romantische Beziehung sehr wichtig (wie auch für die meisten anderen Beziehungen, z.B. Freundschaften und Eltern-Kind-Beziehungen).
Vielen Männern wird außerdem beigebracht, dass sie ihre Probleme alle allein lösen müssen, weil sie doch „starke, unabhängige Männer“ seien. Entsprechend fressen viele Männer auch ihre psychischen Probleme in sich hinein, anstatt sich professionelle Hilfe zu suchen – denn letzteres würde ja bedeuten, sie seien verweichlicht. Schauen wir mal in die Fiktion: Wenn ein traumatisierter oder psychisch kranker Protagonist eine Beziehung eingeht, ohne an seinen psychischen Problemen je gearbeitet zu haben … das kann nicht gutgehen. Klar, eine traumatische Kindheit oder eine psychische Erkrankung mag erklären, warum der Protagonist sich gegenüber der Protagonistin (oder gegenüber anderen Figuren) wie ein Arschloch verhält. Aber das sollte nicht als Entschuldigung für fürchterliches Verhalten dienen.
Die Incels lassen grüßen: Manche Männer glauben nicht nur, dass ihnen quasi die Welt gehört, sondern auch, dass sie einen Anspruch auf eine romantische Beziehung und/oder Sex haben. Dass zu einer Beziehung aber auch Beziehungsarbeit gehört, ist ihnen entweder nicht bewusst, oder sie verdrängen es. Und dann sind sie verwundert oder regen sich darüber auf, wenn keine Frau eine Beziehung mit ihnen eingehen (oder in selbiger bleiben) will. Außerdem geben solche Männer häufig Frauen die Schuld daran, dass sie (die Männer) allein bleiben, anstatt vor der eigenen Tür zu kehren.
Einige oder mehrere dieser Motive finden sich oft in Büchern, die toxische Beziehungen romantisieren. Anstatt aufzuzeigen, wie toxisch solche Verhaltensweisen, Ansichten und Anspruchshaltungen sind, wird das alles mit rosaroter Brille von den Protagonistinnen verklärt oder abgetan mit einem „So sind Männer nun mal“. Oft wird auch alles damit erklärt, wie sehr der Mann die Frau liebt (selbst, wenn das obsessive, also ungesunde Züge annimmt).
Toxische Maskulinität ist alles andere als romantisch, wird aber ebenfalls zu häufig in Bücher als etwas Bewundernswertes dargestellt:
Der Protagonist löst Konflikte ausschließlich mit verbaler oder physischer Gewalt, etwas anderes hat er nie gelernt. Er kontrolliert seine Partnerin auf Schritt und Tritt und dominiert sie, egal ob ihr das gefällt oder nicht. Er will eigentlich keine Partnerin, sondern vor allem einen Mutterersatz, der ihn versorgt. Er behandelt Frauen wie Menschen zweiter Klasse. Er hört nur auf andere Männer. Er mansplaint gern. Er kann es nicht ertragen, wenn eine Frau erfolgreicher oder beliebter ist als er. Seine eigenen Ansichten und Gefühle zählen immer mehr als die seiner Frau/Freundin. Fürsorglichkeit betrachtet er als Schwäche oder als etwas typisch „weibliches“ und ist deshalb nicht fürsorglich. Er kommt mit Kompromissen in der Beziehung nicht zurecht. Einige Männer wollen außerdem immer im Mittelpunkt stehen und können es nicht ertragen, wenn jemand anderes mal im Rampenlicht steht – schon gar nicht eine Frau.
Es gibt viele Leute, auch gerade Frauen, die sich für die Romantisierung toxischer Beziehungen in Büchern (oder auch Filmen/Serien) aussprechen. Manche sagen, dass sei ja alles nur Fantasie und hätte nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Oder dass es ihren eigenen, dunklen Fantasien entspräche (Grape-Fantasien sind ein Ding). Aber muss man wirklich jede dunkle Fantasie, jede düstere Idee einem großen Mainstream-Publikum zugänglich machen? Zumal solche Bücher keine FSK haben und oft auch von Minderjährigen gelesen werden, obwohl diese Geschichten für sie nicht geeignet sind.
Und muss man dann auch noch dem Patriarchat den Steigbügel halten, indem man alle diese patriarchalen Mechanismen schützt und weiter bedient? Das ist eine rethorische Frage. Bitte, Schluss mit „Männer sind halt so.“ Es ist Zeit, dass sich etwas ändert. Ich persönlich wäre mehr als froh, wenn dieser Trend, gewaltvolle, toxische Beziehungen zu romantisieren, endlich ein Ende findet, denn es gibt ihn schon viel zu lange.
Lesedauer, ohne die verlinkten Texte: ca. 6 Minuten.
Du bist gerade dabei, dein erstes Buch zu schreiben, oder eine Kurzgeschichte für eine Verlagsausschreibung? Dann sind diese Tipps für dich.
Kurz zu mir: Ich habe seit 11 Jahren Erfahrung mit dem Veröffentlichungen von Romanen, Novellen und Kurzgeschichten – teilweise im Selfpublishing, teilweise bei Kleinverlagen. Seit 2024 mache ich außerdem regelmäßig Lektorate, vor allem für einen Kleinverlag, sowie für Selfpublisher*innen.
Großverlag Du möchtest deinen Roman am liebsten in einem großen Publikumsverlag unterbringen? Dann wirst du um eine Literaturagentur für die Vermittlung nicht herumkommen
Hier findest du eine entsprechende Liste und weitere Informationen:
Kleinverlag Du möchtest dich mit deinem Manuskript bei einem Kleinverlag bewerben? Das kannst du direkt machen – ohne eine Literaturagentur -, sofern der Verlag aktuell Manuskripte annimmt. Entsprechende Infos findest du auf der Webseite des Verlags oder in dessen Social Media. Halte dich genau an die Vorgaben, wie ein Manuskript und Exposé aussehen sollte und wie sie eingereicht werden sollen.
Eine Fundgrube an Informationen, Themen rund ums Selfpublishing und Tipps bietet die Selfpublisherbibel von Matthias Matting: https://www.selfpublisherbibel.de/
Ein Buchportal speziell für Selfpublishing-Bücher, das auf Spendenbasis arbeitet und kostenlos nutzbar ist, ist https://www.indiependables.com/.
Das Besondere daran? Hier können Autor*innen zahlreiche Infos und Metadaten zu ihren Büchern eintragen und Leser*innen können anhand vieler Suchkriterien sehr gezielt nach dem gewünschten Lesestoff suchen (nicht nur Genres und Subgenres, sondern auch Themen, romantische Beziehungen oder auch nicht, Tropes, Diversitätsthemen, Spice oder kein Spice, Hörbücher und vieles mehr)
Mit gen. KI können ganze Texte, Bilder, Videos und Musik erstellt werden, oft in kürzester Zeit. In buchigen Diskursen ist der Einsatz von gen. KI sehr umstritten. Einige Autor*innen lehnen diese strikt ab für ihre Texte, haben aber keine Probleme damit, Social-Media-Beiträge, Charakterkarten oder auch Buchcover mit gen KI zu erstellen. Meine Meinung dazu: Das ist gegenüber Illustrator*innen und Buchcoverdesigner*innen, die ohne KI arbeiten, nicht fair. Übrigens: Viele Leser*innen lehnen KI-generiertes Material (Buchcover, Texte, Charakterillustrationen, auch KI-generierte Social-Media-Beiträge) so sehr ab, dass sie keine entsprechenden Bücher kaufen würden. Auch von daher kann ich nur dazu raten: Verwendet lieber keine gen. KI für euer Buchmarketing.
Zwei Blogbeiträge von mir zum Thema:
„No to AI: Warum KI nichts der Kunst verloren haben sollte“
Als Autor*in kommst du nicht darum herum, dein Buch auch selbst zu bewerben. Falls du Verlagsautor*in wirst, macht zwar dein Verlag etwas Werbung für dein Buch, aber auch du wirst das machen müssen.
Und da kommen Social Media ins Spiel. Bau dir eine Community auf. Ja, das ist langwierig und kann mühsam sein, aber du wirst auf diese Weise andere Autor*innen, Buchbloggende und Leute finden, die deine Bücher lesen möchten, und kannst dich mit ihnen vernetzen und austauschen. Weitere Tipps zum Buchmarketing findest du in meinem gratis Ratgeber oder in der Selfpublisherbibel.
Bestseller und Verfilmungen?
Neulich las ich auf Reddit einen Post von einer Person mit einem Debütroman. Sie wollte diesen nicht nur in einem Großverlag unterbringen, sondern auch gern verfilmt haben. Mehrere Leute kommentierten daraufhin, dass es in der Regel nur Bestseller schaffen, überhaupt verfilmt zu werden. Aber auch ein Bestseller bietet keine Garantie auf eine Verfilmung. Solltest du davon träumen, mit deinem Debütroman, einen Bestseller zu landen, der außerdem verfilmt wird, muss ich dich enttäuschen. Die wenigsten Autor*innen im deutschsprachigen Raum schaffen es, einen Bestseller zu veröffentlichen – vor allem ist das schwer, wenn es ihr Debüt ist, aber nicht nur dann.
Und die, die den großen Durchbruch schaffen? Da spielt nicht nur das schriftstellerische Talent eine Rolle, sondern auch die Vermarktbarkeit und die Marke der jeweiligen Autor*innen. Kaum zu glauben? Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder Bestseller beobachtet (z.B. in den Genres Thriller, Romantasy und Dark Romance), die vielfach aufgrund ihrer schlechten literarischen Qualität kritisiert wurden.
Followerzahlen
Mittlerweile ist es auch so, dass zumindest einige Verlage danach gehen, wie viele Follower Autor*innen (bereits vor einer Veröffentlichung) in Social Media haben. Das ist kein Scherz. Teilweise bekommen auch z.B. Influencer*innen und Buchblogger*innen oder Prominente, die sehr viele Follower haben, die Chance, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Auch hier geht es natürlich wieder um die Vermarktung des Buches und die Annahme: Viele Follower, viele Käufer*innen. Dass das so nicht einfach aufgeht, zeigt z.B. dieses Audiovideo: „Instagram und Autoren – Schluss mit dem Stress“ von Isa Nanoadmin: https://www.youtube.com/watch?v=UHn23higV1M
Tropes
Tropes und Tags, um die Inhalte von Geschichten näher zu beschreiben, stammen ursprünglich aus dem Fanfiction-Bereich, mittlerweile sind sie in der Buchbubble überpräsent. Ich habe sogar Ausschreibungen von Verlagen gesehen, in denen Romane bestimmte Tropes haben sollten. Einige lieben Tropes, andere hassen sie, weil sie sich dadurch in ihrer Kreativität eingeschränkt fühlen. Fakt ist aber auch, dass viele Leser*innen gezielt nach ihren Lieblingstropes suchen. Schau am besten für dich, welchen Umgang du damit finden möchtest.
Für die deutschsprachige Buchbubble sind vor allem diese Social Media relevant: Instagram, (#Bookstagram), TikTok (#BookTok), Threads, Bluesky, Facebook. Weniger los in Sachen Buchbubble ist im Fediverse/auf Mastodon, auf YouTube und auf Tumblr, aber auch dort sind natürlich Lesefans, Buchbloggende und Autor*innen.
Meine Empfehlung: Du musst nicht sämtliche dieser Social Media bedienen, egal wie sehr das empfohlen wird. Finde einige, die für dich besonders gut passen und wo du dich im Großen und Ganzen wohlfühlst. Und dann konzentriere dich auf diese.
Testleser*innen
Es gibt Leute, die ernsthaft behaupten, sie bräuchten keine Testleser*innen. Das halte ich für sehr unklug. Testlesende können dir einen wertvollen ersten Eindruck zu deiner Geschichte, deinem Buch schildern und sie können dich auch auf grobe Fehler hinweisen. Du kannst auch einen Fragebogen für deine Testlesenden entwerfen.
Hier einige Beispiele für entsprechende Fragen: Sind Räumlichkeiten/Orte, Gefühle/Empfindungen, Gedankengänge anschaulich genug beschrieben? Gibt es irgendwo Logikfehler oder Plotlücken? Sind die Handlungen der Charaktere nachvollziehbar (selbst wenn du vielleicht in der Situation anders handeln würdest?)
Was Testlesende in der Regel nicht leisten: Korrekturen von Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehlern. Testlesende können außerdem kein Lektorat ersetzen.
Testlesen ist in der Regel kostenlos. Einige Autor*innen senden als Dankeschön Goodies, ein signiertes Printexemplar oder etwas anderes, am besten nach Vereinbarung.
Testleser*innen kannst du in deinem Umfeld, in Social Media oder in passenden Gruppen findet, auf Reddit z.B. im Subreddit https://www.reddit.com/r/schreiben/
Kürzlich sah ich ein interessantes Video der Soziologin Jen: „Ich habe keine Freunde“ – Warum wir uns einsamer fühlen, als jemals zuvor“
Darin beschreibt u.a. eine Frau, dass viele „Third Spaces“ der Begegnung für (junge) Erwachsene abgeschafft wurden – das sind Räume, die nicht die eigenen Wohnräume und auch nicht der Arbeitsplatz sind. Stattdessen gibt es nun das Internet (und Social Media) als virtuelle „Begegnungsstätten“, die allerdings auch negative Seiten haben.
Jen zeigt in ihrem Video auf, dass sich die Lebensrealitäten vieler Menschen in den letzten Jahrzehnten sehr verändert haben. Institutionen wie Kirchen spielen für die meisten kaum noch eine Rolle, aber damit fällt auch die entsprechende Gemeinschaft weg. Großfamilien, die zusammen wohnen, gibt es auch seltener, Angebote für Jugendliche oder junge Erwachsene (z.B. Jugendzentren) sind rar gesät und generationsübergreifende Begegnungen finden ebenfalls weniger statt.
Menschen sind soziale Tiere und abgesehen von dem Wunsch nach Rückzugsmöglichkeiten (wie den eigenen vier Wänden), suchen viele Leute nach Communities, nach Gleichgesinnten, mit denen sie etwas erleben können – abseits von Schule, Ausbildung, Studium oder Arbeit. Bei manchen Menschen kommt auch noch eine Sinnsuche hinzu, die spirituell oder auch nicht spirituell sein kann.
Und ich fürchte, das nutzen rechtsextreme Gruppierungen sowie Sekten/destruktive Kulte aus – sie geben sich als sinnstiftend aus, sie machen (für Einsteiger*innen) niedrigschwellige gemeinschaftliche Angebote und locken damit letztendlich auch einsame Menschen in ihre Fänge.
Ein weiteres Problem in Zeiten von Chatbots und KI: Immer mehr Leute suchen gar nicht mehr gezielt nach Freundschaften, weil eine vermeintliche Alternative nur ein paar Klicks entfernt ist: Die Beschäftigung und Kommunikation mit Chatbots. Was teilweise so weit geht, dass diese Bots als Ersatz für Freund*innen, oder gar Therapeut*innen oder romantische Partner*innen eingesetzt werden. Das Problem hierbei: Diese Bots sind so „gestrickt“, dass sie ihren Menschen immerzu bestätigen, also quasi zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen. Aber eine tiefgreifende soziale Begegnung ist so gar nicht möglich. Denn zu zwischenmenschlichen Beziehungen gehört es nun mal auch, dass man z.B. mit Konflikten und Meinungsverschiedenheiten umgehen kann.
Was könnte helfen?
Ich denke, es ist vorteilhaft, wenn man ein – gemeinschaftlich ausgerichtetes – Hobby betreibt oder Teil einer Subkultur ist. Oder wenn man einen Teamsport macht. Oder Teil eines Buchclubs ist oder ehrenamtlich tätig ist. (Und es gibt sicherlich noch andere Möglichkeiten.) Und ich meine damit vor allem Begegnungen, die direkt vor Ort, von Angesicht zu Angesicht stattfinden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch online Kontakte sind gut. Aber eine Mischung aus online und offline Begegnungen halte ich für besonders gut. Vielleicht entwickeln sich bei diesen Begegnungen im Hobby, Sport, Subkultur o.ä. erst mal keine engen Freundschaften, aber zumindest hat man auf diese Weise regelmäßig soziale Kontakte, mit denen man gemeinsam etwas erlebt.
Ich habe das selbst erlebt – mit meinen Hobbys Pen & Paper Rollenspiel und LARP, außerdem mit den Subkulturen Steampunk und Goth, sowie mit einem Buchclub. Darüber hinaus habe ich viele Bekannte in der Buchbubble gefunden, worüber ich mich sehr freue.
Und mit Glück kann sich aus solchen sozialen Kontakten vielleicht doch die eine oder andere Freundschaft entwickeln. Das mag nun anekdotisch sein, aber zumindest nach meiner Erfahrung kann es sehr hilfreich sein, gemeinsame Interessen zu haben, sodass es eine gute Basis für eine Freundschaft gibt, auf die sich immer mal wieder zurückgreifen lässt.
In diesem Sinne, ich wünsche euch, dass ihr Freundschaft findet.
Auch interessant: „Was ist mit Gen-Z-Freundschaften passiert?“ von Katharina Kin
Der Tempel der flammenden Herzen Davon handelt der Roman: Einige Jahre sind vergangen, seit eine Untotenarmee das Land Vanfarin verwüstet und mit einem Krieg überzogen hat. Der junge Jhorin hat alles verloren: seine Familie, sein Heim in einem Dorf, eine mögliche Ausbildungsstelle. Mittlerweile lebt er in der Hauptstadt Semvansin auf der Straße und schlägt sich mit gelegentlichen Tagelöhnerarbeiten durch. Der Vertreter einer Sekte lockt ihn und eine Freundin in seine Gemeinschaft. Zunächst scheint dort alles ganz wunderbar zu sein, außerdem lernt Jhorin einen Mann kennen, zu dem er sich sehr hingezogen fühlt. Aber der schöne Schein trügt …
Ein in sich abgeschlossener Fantasyroman mit einer Slowburn MM Romance. Die Leseprobe zum Roman. Das E-Book erscheint am 7.11.2026 und ist vorbestellbar (fast überall, nur nicht erhältlich bei Amazon). Das Taschenbuch erscheint voraussichtlich im September 2026 und wird überall im Buchhandel bestellbar sein.
Der Roman ist in meiner High-Fantasy-Welt „Vanfarin“ angesiedelt, wie auch mein Roman „Vanfarin – Von Untoten und Totems“. Es handelt sich jedoch nicht um eine Fortsetzung und es geht auch um andere Figuren. Daher kann dieser Roman auch ganz unabhängig von dem ersten „Vanfarin“-Roman gelesen werden.
Warum mich das Thema Sekten so sehr interessiert, dass ich in zwei Romanen darüber geschrieben habe?
Mit Mitte Zwanzig war ich auf spiritueller Suche und habe mich sehr für Meditation interessiert. Als ich in einer mental labilen Phase war, kam mir ein entsprechendes kostenloses Wochenendangebot gerade recht. Dann stellte sich heraus, der Meditationslehrer machte das für einen indischen Guru und erzählte von einer Gruppe in meiner Stadt, die sich regelmäßig traf, um sich den Lehren dieses Gurus zu widmen (mit Videos, in denen er Vorträge auf Englisch hielt) und um gemeinsam zu meditieren. Ich war wie gesagt labil und habe mir von den entsprechenden Treffen viel erhofft. Und dann habe ich bald einiges aus dem typischen „Playbook“ von Sekten kennengelernt:
Lovebombing: Die Gruppe war super freundlich, alles sehr harmonisch, keine Konflikte, zumindest nicht nach außen hin.
Kontrolle: Der Guru stellte, vermittelt durch schriftliche Texte und seine Vortragsvideos, zahlreiche Regeln für seine Anhängerschaft auf. Zum Beispiel eine bestimmte Form von vegetarischer Ernährung und Abstinenz/Enthaltsamkeit (bezogen auf Drogen, Alkohol, S3x). Außerdem gab es auch Vorschriften, wie genau, wie oft und wie lange man zu meditieren habe. Außerdem verbot er andere spirituelle Praktiken, Aktivitäten aus anderen Traditionen und so weiter.
Versprechungen: Der Guru versprach seiner Anhängerschaft allerhand wundersame Veränderungen in ihrem Leben, wenn sie sich an all die Regeln halten würde, die er aufgestellt hatte.
Die finanzielle Seite: Das war nicht ganz so krass wie in manchen anderen Sekten. Die Treffen in gemieteten Räumlichkeiten waren auf Spendenbasis, aber wer kein Geld spenden konnte, durfte dennoch hinkommen.
Auch nach mehreren Wochen, in denen ich regelmäßig in dieser Gruppe meditierte und mir Vorträge anhörte, stellten sich bei mir keine wundersamen Veränderungen ein. Mir wurde auch klar, dass ich es hier mit einer Sekte zu tun hatte. Daraufhin ging ich nicht mehr zu den Treffen und brach den Kontakt zu diesen Leuten völlig ab.
Viele Jahre später wurden Sekten für mich ein Hyperfokus-Thema und ich habe sehr viel und lange darüber recherchiert. Und so sind einige Ideen für meine Geschichten entstanden.
In „Hexen in Hamburg: Vergoldet“ (im Juni 2026 erschienen) gibt es eine sektenartige Gruppe rund um die charismatische Vera. In „Der Tempel der flammenden Herzen“ gerät der junge Jhorin, wie oben geschildert, in eine Sekte, die in einer eigenen Siedlung lebt.
Einige Textschnipsel aus dem Roman:
Bei meinen Recherchen über Sekten/destruktive Kulte bin ich im Magazin Gurumag auf ein “How to Start a Cult” Playbook in mehreren Schritten gestoßen, die ich hier zitiere und übersetze. (Quelle: siehe unten)
Inhaltswarnung: Erwähnung von Suizid.
1. Behaupte, dass du über göttliche bist und übernatürliche gottgleiche Fähigkeiten verfügst. 2. Normalisiere verbalen Missbrauch als Teil des spirituellen Pfaden und nimm dir als Guru Straffreiheit heraus. 3. Habe Sex mit deiner Anhängerschaft. 4. Verwende desorientierende Methoden um deine Anhänger*innen zu verwirren, abzulenken und in tranceartigen Zuständen zu halten. 5. Attackiere die Familien deiner Anhänger*innen und ermutige sie, keinen Kontakt mehr mit ihren Familienmitgliedern zu haben. 6. Überzeuge deine Anhängerschaft davon, sich selbst zu verlieren, kritisches Denken aufzugeben und reframe als das als positiv. 7. Stelle den Tod als etwas dar, das ganz einfach ist [eigene Anmerkung: manche Sektenanführer*innen stellen auch Suizid so dar] 8. Behaupte, deine Lehren seien so fortgeschritten, dass andere sie nicht verstehen können. 9. Verspreche deiner Anhängerschaft Erlösung. 10. Ermutige deine Anhänger*innen dir überall dorthin zu folgen, wo du wohnst. 11. Verbreite Verschwörungstheorien (z.B. über die Regierung) und Gespräche über Außerirdische. 12. Starre deine Anhänger*innen immer wieder lange an („Guru-gaze“) 13. Nimm zwölf Anhänger*innen mit in die Wüste, als „Versuchskaninchen“, um deine Methoden zu testen. 14. Erschaffe eine „erleuchtete“ Stadt.
Diese Bücher können als Taschenbücher bei Epubli oder überall im Buchhandel bestellt werden:
Hexen in Hamburg: Verflucht Hexen in Hamburg: Verliebt Hexen in Hamburg: Verbrannt Hexen in Hamburg: Vergoldet
Orangen und Schokolade Ein göttliches Paar Diversity in der Literatur Love & Crime 101 Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte Regency Park Die vielen Farben der Liebe Geisterhaft Liebeswirren und Sommerwind Unser Vorstadtidyll Nox and the Shadows Blutige Flügel Francis und das Gasthaus der Geister Ein Konzert für einen guten Zweck mit den Demonettes
Diese Bücher könnt ihr als Taschenbücher direkt bei den Verlagen oder im Buchhandel bestellen:
Post Mortem, In Vino Veritas, Memento Mori (viktorianische Krimis mit Mrs und Mr Fox) im Dryas Verlag
Diese Bücher können als Taschenbücher nur bei Amazon bestellt werden:
Der Stern des Seth Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London Berlingtons Geisterjäger 4 – Untotentanz Vanfarin – Von Untoten und Totems Frei und doch verbunden Sein wahres Selbst Ein Mann namens Flora Maskiert Die Rolle seines Lebens An seiner Seite
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Cleveland Street Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Mörderische Ostern Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Kunstraub in Kensington Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Manege frei für einen Mord Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Adel vernichtet
Lesezeit (ohne verlinkte Literatur): ca. 7 Minuten
Vorweg: In diesem Beitrag verwende ich abwechselnd die Begriff pagan, heidnisch, Heidentum und Paganismus. Im deutschsprachigen Raum werden diese zwei Begriffe häufig für die betreffenden spirituellen Pfade verwendet und es handelt sich um neutrale, nicht wertende Bezeichnungen. Bitte achtet aber auf die Selbstbezeichnungen von Personen und verwendet diese.
Der Begriff pagan leitet sich ab vom lateinischen „paganus“, was so viel bedeutet wie „Landbewohner“, „Dörfler“ (Fußnote 1). „Heidnisch“ schildert aus christlicher Sicht den Zustand, nicht zu einer der monotheistischen Religionen (Islam, Christentum, Judentum) zu gehören. Entsprechend wurde „Heide“ oder „heidnisch“ in früheren Jahrhunderten und Jahrzehnten oft abwertend oder als Schimpfwort verwendet. Daher stammen auch Phrasen wie „eine Heidenangst haben“. Bitte verwendet diese Begriffe nicht abwertend. Die heidnische Community hat den Begriff mittlerweile reclaimed, er hat also für sie eine neutrale oder positive Bedeutung.
Strukturen Paganismus umschreibt eine Vielzahl an spirituellen Traditionen und Strömungen, die keine übergeordneten Oberhäupter haben (damit meine ich so etwas wie den Papst in der römisch-katholischen Kirche). Stattdessen gibt es zum einen allein praktizierende Heid*innen, zum anderen Gruppen oder auch Vereine, wie beispielsweise die in mehreren Ländern aktive Pagan Federation. Entsprechend individuell wird auch der Glauben gelebt oder innerhalb einer Gruppe gemeinschaftlich organisiert, teilweise auch von dafür berufenen Priester*innen, die beispielsweise Rituale leiten und Initiationen durchführen.
Glaubensinhalte Paganismus beschäftigt sich häufig mit der Natur, Tieren, Pflanzen und Ereignissen im Jahreslauf, wie die Fruchtbarkeit im Frühling, Ernten im Herbst, das Ruhen im Winter – oft ist dies auch mit landwirtschaftlichen Themen verbunden. Heid*innen verehren außerdem oft einen oder mehrere Gottheiten aus den antiken Pantheons – keltisch, römisch, griechisch, nordisch, slawisch, altägyptisch oder noch aus anderen Kulturen. Entsprechend gibt es polytheistische, pantheistische oder seltener auch monotheistische Heid*innen. Einige befassen sich weniger mit Gottheiten, sondern mehr mit den Elementen, Naturgeistern oder noch anderen spirituellen Entitäten.
Einige pagane Leute sind gleichzeitig auch moderne Hexen oder praktizieren Magie unter einem anderen Namen. Aber nicht alle Heid*innen machen das, und es sind auch nicht alle magisch Praktizierenden pagan.
Spirituelle Praktiken im Paganismus können z.B. die folgenden sein: spezielle Feste zu Ehren einer Gottheit, die Jahreskreisfeste, Rituale, Gesänge/Chants, Tanz, Versenkungsübungen (Trance), Gebete, regelmäßige Opfergaben für Gottheiten, Ahn*innen oder andere spirituelle Entitäten.
Ahn*innenverehrung spielt für viele heidnische Leute eine wichtige Rolle, aber nicht für alle.
Viele Überlieferungen über pagane Praktiken aus der Antike oder noch davor sind mittlerweile verlorengegangen, aber einiges hat sich erhalten und bietet Stoff dafür, den betreffenden Glauben auszugestalten. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen: im Rekonstruktionismus wird versucht, den Glauben möglichst exakt so zu leben wie vor vielen Jahrhunderten (mit einigen notwendigen modernen Anpassungen). Andere Heid*innen gestalten ihren Glauben eher modern, sodass er sich auf bestmögliche Weise in ihren Alltag integrieren lässt. Aus Sicht mancher ist es auch nicht notwendig, einen gesamten Pantheon zu verehren, stattdessen kann man sich auf eine oder einige Gottheiten konzentrieren.
Pagane Leute haben übrigens keinen Missionierungsauftrag; sie versuchen nicht, andere zu ihrem Glauben zu bekehren. Dass ich hier in diesem Beitrag darüber schreibe, dient das in erster Linie der Information und Aufklärung.
Für viele, nicht für alle paganen Leute spielt Animismus eine wichtige Rolle – der Glaube, dass alles beseelt ist – nicht nur Menschen, sondern auch alles in der Natur, z.B. Pflanzen, Tiere, Steine … Entsprechend wird die Natur von Animist*innen sehr in Ehren gehalten und sie begreifen sich nicht als hierarchisch darüber stehend, sondern als ein Teil dieser weltweiten Gemeinschaft an beseelten Lebenwesen aller Art.
Räumlichkeiten Im Gegensatz zu den großen Weltreligionen haben pagane Leute oft keine Tempel oder Kirchen zur Verfügung, da es sich, wie bereits gesagt, nicht um eine stark organsierte Religionsgemeinschaft handelt. In einigen Ländern gibt es allerdings Gruppen, die eigene Räumlichkeit für Feste, Rituale und die Verehrung der Gottheiten gebaut oder gemietet haben. Viele heidnische Leute ziehen es vor, Rituale outdoors abzuhalten, allein oder in einer Gruppe, z.B. am Meer, im Wald oder noch an anderen Orten.
Da es aber, wie gesagt, eher selten eigene Räumlichkeiten für diese Zwecke gibt, stellen viele heidnische Leute in ihrem Heim oder Garten einen oder mehrere Altare auf, typischerweise mit kleinen oder größeren Statuen ihre Gottheiten und noch anderen Gegenstände (z.B. Kerzen, passende Orakel- oder Tarotkarten, Steine, Muscheln, Zeichen/Symbole der Elemente oder Gottheiten, Schalen für Opfergaben oder noch anderes). Einige dekorieren ihre Altare immer passend um, z.B. zur Jahreszeit, einem Fest oder einem anderen Anlass.
Veranstaltungen In einigen Ländern, z.B. UK und USA, gibt es mehrere pagane Cons und Konferenzen, teilweise auch große Jahreskreisfeste, z.B. vom Fire Festival Edinburgh oder Versammlungen bei Stonehenge und noch andere. Auch in Deutschland gibt es einige Veranstaltungen von Vereinen oder Vereinigungen, allerdings weniger und auch tendenziell kleiner als in den oben genannten Ländern.
Geschlossene Traditionen und kulturelle Aneignung Manche spirituelle Strömungen sind für Außenstehende aus anderen Kulturen geschlossen, z.B. das haitianische Vodou oder spirituelle Praktiken der amerikanischen Native Americans. Teilweise wurden und werden einige dieser Praktiken von Außenstehenden, (z.B. weißen Leuten aus Europa) übernommen, aber das ist eine Form der kulturellen Aneignung. Ein Beispiel ist Smudging mit Weißem Salbei. Es spricht nichts gegen Rituale mit Räucherungen, aber Weißer Salbei wird so sehr nachgefragt, auch aus der Wellness- und New-Age-Community, dass hier eine starke Ausbeutung der entsprechenden Ressourcen stattfindet. Stattdessen empfiehlt es sich, heimische Pflanzen zum Räuchern zu verwenden, z.B. Gartensalbei, Rosmarin, Beifuß, Lavendel …
Wenn ihr unsicher seid, ob eine Tradition geschlossen ist oder nicht, bzw. ob die Gefahr kultureller Aneignung besteht, recherchiert bitte, fragt Leute, die sich damit gut auskennen, oder schaut nach Sachbüchern zum Thema, zumindest im englischsprachigen Raum gibt es viel entsprechende Literatur.
Gatekeeping Wie in allen Communitys gibt es auch im Paganismus Gatekeeper, die gern die Deutungshoheit an sich reißen, wie man diese Religion leben sollte, bzw. was aus ihrer Sicht No-Gos sind. Wenn es diesen Gatekeepern nicht gerade darum geht, geschlossene Traditionen zu schützen (was ein wichtiges und richtiges Anliegen ist), würde ich dazu raten, sie zu meiden, wenn es möglich ist. Auch in paganen Gruppen haben Gatekeeper nicht das letzte Wort, bzw. sollten es nicht haben. Stattdessen sollten aus meiner Sicht Anliegen aller Art auf Augenhöhe mit allen diskutiert werden können.
Vorurteile
Was ist mit New-Age-Esoterik? Die meisten Heid*innen, die ich kenne, sind bodenständig, sie vertrauen auf evidenzbasierte Medizin, schätzen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und anderer Wissenschaften. Entsprechend lehnen sie New-Age-Esoterik ganz oder größtenteils ab, denn darin werden beispielsweise esoterische Heilversprechen gemacht, mit zweifelhaften oder sehr schädlichen „Heil“-Methoden. Und, ihr könnt es euch schon denken, solche Heilversprechen sind brandgefährlich. (Es gibt Berichte über Menschen mit potentiell tödlichen Erkrankungen wie Krebs, die sich auf solche Heilversprechen eingelassen haben, evidenzbasierte Behandlungsmethoden ablehnten und daraufhin gestorben sind.) Es gibt sicherlich auch pagane Leute, die sich mit New-Age-Esoterik befassen, aber es ist ein Vorurteil, dass alle Heid*innen das befürworten.
Paganismus ist kein Satanismus Paganismus und Satanismus sind keine Synonyme, da es, wie ich oben beschrieben haben, zahlreiche verschiedene pagane Strömungen und Traditionen gibt. Der moderne Satanismus ist eine eigene Philosophie mit ethischen Grundsätzen und nicht so, wie er in der Satanic Panic der 1990er reißerisch dargestellt wurde (kriminelle, mörderische Aktivitäten wie Tieropfer, Vergewaltigungen, düstere Messen …) (Siehe auch Fußnote 2)
Paganismus ist nicht gleichzusetzen mit Wicca Mehr über Wicca habe ich in einem anderen Blogbeitrag geschrieben, der sich in erster Linie mit Hexen befasst. (3) Man kann zwar sagen, dass Wicca eine pagane Religion ist, aber nicht jede heidnische Person befasst sich mit Wicca. Also bitte auch hier, diese Begriffe nicht synonym verwenden.
Literatur Im deutschsprachigen Raum gibt es meines Wissens nach kaum oder keine Bücher, die eine allgemeine Einführung in den Paganismus bieten. Im englischsprachigen Raum gibt es mehrere, ich kann z.B. dieses sehr empfehlen: „The Path of Paganism: An Experience-based Guide to Modern Pagan Practice“ von John Beckett.
Der Verlag Moon Books hat außerdem zahlreiche englischsprachige Bücher im Programm, die sich entweder mit einzelnen paganen Gottheiten, anderen spirituellen Entitäten, ganzen Pantheons oder noch weiteren Aspekten aus Paganismus und Hexenkunst befassen.(4)
Davon handelt er: Der queere Student Fabian hat die bipolare Störung und gerät in eine manische Phase. Das ist aber nicht sein einziges Problem: Der nordische Gott Loki, den er verehrt, lässt sich schon seit Längerem nicht blicken. Fabians Freund Stefan ist außerdem in den Dunstkreis einer sektenartigen Gruppe rund um die charismatische Vera geraten. Fabian forscht nach, auch gemeinsam mit seinem Hexenfreundeskreis. Denn mit einer App, die Vera kostenlos für ihre Follower anbietet, scheint etwas faul zu sein …
Eine ausführliche Leseprobe (die ersten 2 Kapitel als PDF) gibt es hier.
In „Hexen in Hamburg: Vergoldet“ beschäftige ich mich mit mehreren ganz verschiedenen Themen: die bipolare Störung, Aromantik, den nordischen Gott Loki und eine sektenartige Gruppierung. Für die bipolare Störung bin ich own voice und konnte eigene Erfahrungen mit manischen Phasen einfließen lassen. Was Aromantik betrifft, dafür fehlt mir die Lebenserfahrung. Eine aromantische Freundin von mir hat freundlicherweise ein Sensitivity Reading für mich gemacht, das mir sehr weitergeholfen hat.
In diesem Zusammenhang zeige ich euch hier die Sachbücher, die ich für Recherchen und darüber hinaus gelesen habe und sehr empfehlen kann – vier davon erwähne ich auch im Buch:
Laura Tempest Zakroff: Sigil Witchery Misha Magdalene: Outside the Charmed Circle: Exploring Gender & Sexuality in Magical Practice Dagulf Loptson: Pagan Portals: Loki – Trickster and Transformer Katharina Kroschel, Annika Baumgart: (un)sichtbar gemacht – Perspektiven auf Aromantik und Asexualität Thomas Bock: Achterbahn der Gefühle – Mit Manie und Depression leben lernen Fabian Maysenhölder: Die Spur des Bösen – Wenn Fanatismus tödlich endet. Wahre Sektenverbrechen
Das folgende Meme finde ich wunderbar, deshalb habe ich es in den Roman mit eingebaut, weil Fabian wie ich auch davon träumt, so resilient wie die Löwenzahnpflanze zu werden. Darüber hinaus wird der Löwenzahn im modernen Heidentum auch in Verbindung mit dem nordischen Gott Loki gebracht. Im Buchcover habe ich eine Makrofotografie einer Löwenzahnblüte mit eingebaut.
Fabian hört im Roman in einem Club den Song „Girls just wanna have fun“, in einer Cover-Version von Emilie Autumn. Emilie hat wie Fabian die bipolare Störung und geht offen damit um. Das kann man auch auf ihrer Wikipediaseite lesen.
Hier ihre Version von „Girls just wanna have fun“ bei YouTube.
Im Roman steht der Song symbolisch auch für Fabians manische Phase, in der er sehr sorglos und risikobereit wird, außerdem einfach nur Spaß haben will.
Eine Inspiration für „Hexen in Hamburg: Vergoldet“
Im Roman treffen der Protagonist Fabian und ein guter Freund von ihm auf die charismatische Vera, die den Besucher*innen ihrer Kurse verspricht, dass ihre selbstentwickelte Methode „Golden Angel Flow“ für alles Mögliche gut sei, vor allem auch gesundheitlich und in Sachen Mental Health.
Vera hat außerdem eine sektenartige Struktur um sich geschaffen. Die Inspiration dafür kam durch New-Age-Esoterik-Werbungen, die mir im Internet aufgefallen sind, sowie durch kritische Dokus, z.B. über spirituelle Life Coaches.
Da gibt es selbsternannte spirituelle Lehrer*innen (nicht selten mit hochtrabenden, aber frei erfundenen oder geklauten Titeln), die eine Methode entwickelt haben, die Wunder wirken soll. Häufig basieren diese Methoden allerdings auf schon real existierenden, z.B. Yoga.
Oft geht es da auch um angebliche Heilmethoden, die aber nicht evidenzbasiert sind, zu denen auch keine medizinischen Studien existieren, und die gefährlich sein können. In mehr als einer Doku habe ich z.B. von Fällen gehört, bei denen die Betroffenen eine potenziell tödliche Erkankung hatten, dann eine mehr als fragwürdige Methode ausprobiert haben statt evidenzbasierter Medizin … und nicht überlebt haben.
Und all das hat mich inspiriert, Vera und ihre angeblich Wunder wirkende Methode zu schreiben und das kritisch zu beleuchten.
Ich möchte einen neuen Trend starten, macht gern mit.
Zunächst mal, der Begriff Charactermaxxing stammt nicht von mir, sondern von Marie Joan. Sie hat ihn in ihrem YouTube Video „SCHÖN, SCHÖNER, INCEL – Die Looksmaxxing Sekte“ genannt:
Was ist damit gemeint? Anstatt sich obsessiv (und mit oft unerreichbaren Zielen) mit dem eigenen Aussehen zu beschäftigen, wie es die Looksmaxxer tun, wäre es doch viel besser, an seinem Charakter zu arbeiten. Denn, ich zitiere Marie Joan aus ihrem Video: „Denn was juckt uns ein schöner Mensch, wenn der Charakter scheiße ist?“ Anders ausgedrückt: Für eine ernsthafte, langfristige Beziehung ist gutes Aussehen allein in den meisten Fälle nicht ausreichend, stattdessen sind auch beziehungsfähige Charaktereigenschaften gefragt.
Wie kann man Charactermaxxing machen?
Hier einige Ideen: An seinen Social Skills arbeiten. Dazu zählt auch eine offene und ehrliche Kommunikation.
Emotional verfügbar sein. Ja, das bedeutet auch über eigene Gefühle zu reden.
Was leider etwas ist, das viele Männer nie gelernt haben. Aber daran kann man ja arbeiten. Auch zusammen mit Freunden oder männlichen Familienmitgliedern.
Sich mit Feminismus beschäftigen, um die Struggles von Frauen und FLINTA* zu verstehen.
Den Sexismus von Familienmitgliedern, Freunden oder Kollegen outcallen, anstatt zu schweigen.
Wenn ihr bereits in einer Beziehung seid: Übernehmt langfristig einen Teil der Care-Arbeit (z.B. Hausarbeit) und des Mental Loads – und zwar ohne dafür Lobpreisungen eurer Partnerin zu erwarten. Das ist ein bare minimum.
An dem eigenen Einfühlungsvermögen (Empathie) arbeiten. Das geht z.B. auch, indem man fiktionale Texte liest oder Filme/Serien sieht und sich in die Figuren hineinfühlt. An der Stelle ein Tipp: Konsumiert Geschichten von Frauen und FLINTA*, mit queeren und/oder weiblichen Protagonist*innen – das eröffnet euch Perspektiven und Erfahrungswelten, die euch vielleicht bisher überhaupt nicht vertraut sind.
Und, ihr ahnt es schon: All das ist auch in Beziehungen sehr hilfreich. Übrigens: Charactermaxxing ist unabhängig von den eigenen finanziellen Möglichkeiten, dem sozialen Status oder anderen Umständen möglich.
Im Interview zeige ich auch Bücher von Saskia, die they veröffentlicht bzw. mit herausgegeben hat. Lesezeit: ca. 10 Minuten
Hallo Saskia, danke, dass du dir die Zeit nimmst für ein Interview.
Du bist als Autor*in und Herausgeber*in tätig und bietest auch Workshops an. Außerdem machst du die wöchentliche Mitmachaktion #Queergelesen (auf Instagram und im Fediverse) zu verschiedenen Themen rund um Queerness in der Literatur. Was gefällt dir an diesen Tätigkeiten besonders?
Ich glaube, das sind zwei Aspekte, die mir bei allen Tätigkeiten besonders gefallen: Der erste Aspekt ist der Kontakt mit Menschen – sei es live oder online. Ich mag es mich mit anderen über Themen auszutauschen, die mir wichtig sind. Sei es, dass ich bei Workshops mein Wissen weitergeben kann und auch etwas dazu lerne. Oder sei es, dass ich neue Texte durch das Herausgeben von Anthologien kennenlerne und Erfahrungen bei #Queergelesen teilen kann. Auch im Schreiben haben wir Kontakt mit Menschen auf verschiedenen Ebenen, den ich nicht missen möchte. Der zweite Aspekt ist für mich eher ein ideeller. Ich finde es wichtig Geschichten zu schreiben oder aufzuklären über Marginalisierungen, die mich betreffen. Natürlich finde ich es auch wichtig, dass wir Figuren in Geschichten haben, die nicht alle unsere Marginalisierungen teilen – aber der Umgang mit einem Sensitivity Reading ist etwas anderes. Beim Schreiben meiner Marginalisierung geht es mir vor allem darum auch unterhaltend Aspekte meiner Marginalisierung der lesenden Person näher zu bringen. Hier können sich betroffene Personen wiederfinden, während alle anderen eine neue Sichtweise kennenlernen können – und damit sind wir wieder beim Kontakt und der Kreis zwischen den Aspekten, die mir bei allen verschiedenen Tätigkeiten gefallen.
Erzähl uns bitte etwas über dein neues Buch. Wann und wo erscheint es, und wie bist du auf die Idee dazu gekommen?
Mein neuestes Buch »Geisterfall« ist Band 1 einer vierbänden Yokai-Punkreihe (Fußnote 1). Das Buch erscheint Mitte/Ende Mai beim Weltenruder Verlag und die Geschichte spielt in den 1920ern in Tokyo. Es ist eine Geschichte, die sich zu großen Teilen an der realen Geschichte und realen Gegebenheiten der Zeit orientiert – aber eben nur zum Teil. Es gibt eine enge Verflechtung mit der japanischen Mythologie und einen etwas veränderten Technikstand. Die Idee der Geschichte begleitet mich seit 2021. Witzigerweise kam mir zuerst die Idee für das Prequel, was 1870 spielen sollte – aber an die Geschichte habe ich mich nicht getraut. Stattdessen habe ich gedacht, dass es leichter wäre 4 Bände zu schreiben. Kleiner Spoiler: Ist es natürlich nicht. Am Anfang der Idee standen für mich drei Dinge: Erstens meine Faszination für die japanische Geisterwelt und den spannenden Hintergründen dazu und zweitens ein Gesellschaftskonzept, was ich gerne erzählen wollte. Und drittens hatte ich die letzte Szene zuerst bildlich im Kopf – bevor ich meine Figuren oder irgendwas wirklich kannte. Von dieser Szene und meinen theoretischen Ausgangsgedanken zum Gesellschaftskonzept, bin ich dann weitergegangen und alles hat sich entwickelt.
Klappentext: Vor Jahren hat ein Pakt das Verhältnis der japanischen mythologischen Wesen Yōkai und Yūrei zu den Menschen neu geregelt – aber nicht alle halten sich daran. Der berühmte Schriftsteller Nakahara-san wird von der jungen Sai tot aufgefunden. Noch bevor sie den Fund melden kann, wird sie von einer Gruppe Yōkai und Yūrei entführt. Deren Detektivbüro Himitsu glaubt an eine übernatürliche Einmischung und möchte den Fall aufklären – kann dabei aber keine menschliche Einmischung gebrauchen. Doch ein mächtiger Kami hat andere Pläne. Er trägt Sai auf, als Vermittlerin zwischen Himitsu und den Menschen zu dienen. Das ist auch notwendig, denn der totgeglaubte Schriftsteller ist wieder sehr lebendig. Spannende Urban Fantasy in einem technisch alternativen Tōkyo der 1920er – mit einem sprechenden Kater. Das Buch erscheint am 28. Mai 2026 im Weltenruder Verlag.
Welche Figur im Roman, abgesehen von deinen Hauptfiguren, magst du besonders, und warum?
Ich möchte vier Nebenfiguren euch mitgeben, die ich besonders gerne mag und ich zähle sie mal in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Buch auf: Da haben wir die Vermieterin von Sais Schlafplatz (Sai ist dabei unsere menschliche Hauptfigur) Frau Yamada. Diese ist für mich so nahbar. Sie lästert gerne und hat ein bisschen eine konservative Lebensauffassung, aber genau das macht sie als Figur mich so lebendig. Und dann möchte ich noch meinen zweiköpfigen Tanuki Makoto hervorheben. Dey wäre gerne ein Tanuki, der große Erfindungen machen würde – doch leider schlägt das immer … ein bisschen fehl. Außerdem habe ich Keiko als Figur (hier bleibe ich mit Absicht ein bisschen vage) so ins Herz geschlossen, dass sie in anderen Teilen definitiv wieder vorkommen wird. Keiko ist als Figur einfach wunderbar direkt und kämpft für ihren eigenen Platz im Leben und in der Gesellschaft. Außerdem ist sie eine der Figuren, die Sai in Tokyo relativ offen aufnimmt – wo es sonst eher Probleme gibt.
Was steht als nächstes für dich an? Auf Instagram und auf deiner Webseite hast du eine ganze Reihe an Buchprojekten vorgestellt, an denen du arbeitest – schreibst du an mehreren parallel, oder eines nach dem anderen, wenn du das verraten magst?
Das ist eine gute Frage! Ich habe ja bei Schreibprojekten immer das Problem mit der Motivation. Das hängt sehr eng mit meiner Neurodivergenz bzw. den Neurodivergenzen zusammen. Bei Kurzgeschichten ist das nicht so ein großes Problem, aber je länger ein Projekt dauert, desto mehr muss ich mir Strategien überlegen, um am Projekt zu bleiben. Parallel arbeiten funktioniert bei mir nur bedingt. Eine Kurzgeschichte dazwischen zu schieben, ist immer möglich – bei längeren Projekten müssen die in unterschiedlichen Zuständen sein. Beispielsweise schreibe ich an einem die Rohfassung und versuche beim anderen einen Teil zu überarbeiten. Im Moment gerade warte ich noch auf eine Verlagsrückmeldung für ein Projekt. Für dieses gebe ich einfach das Stichwort »Pirat*innen«. Sonst habe ich am Anfang des Jahres eine Abstimmung auf Patreon gemacht. Diese war für alle zugänglich und es konnte entschieden werden, welches meiner Projekte gerade am interessantesten ist. Hier hat – mit weitem Abstand – mein Arcanepunk-Gerichtsdrama gewonnen. Hier muss ich noch ein bisschen etwas am Weltenbau arbeiten, aber es freut mich schon sehr ein Gerichtsdrama zu schreiben. So was habe ich in der Phantastik noch nicht so oft gelesen.
Du gibst auch manchmal Workshops für Autor*innen. Was für Erfahrungen hast du damit gemacht? Schreibe auch gern, wo man deine Workshops finden kann.
Mit den Schreibworkshops habe ich im letzten Jahr begonnen. Meine kleine Premiere hatte ich auf der Leipziger Autor*innenrunde, bei der ich über die Darstellung von neurodivergenten Figuren und Mental Health in Geschichten gesprochen habe. Daraus hat sich mein erster Workshop »Neurodivergenz & Schreiben« entwickelt. Mir hat die Erfahrung super viel Spaß gemacht. Ich kenne Lehre bisher vor allem im Studiumsumfeld und es ist schon ein kleiner Unterschied, ob ich vor Studierenden einen Lehrinhalt halte oder vor Autor*innen. Ich war echt überrascht, dass es doch einige Personen gab, die sich für meinen Themenbereich interessieren.
In diesem Jahr gibt es bei mir drei neue Workshops zu den Themen »Mental Health Repräsentation«, »Let’s get Punk – Ein Überblick über Punkgenre« und »Anime und Manga: Was können wir von ihnen vom Schreiben lernen?«, und dazu kommt die Wiederholung des Workshops »Neurodivergenz & Schreiben«. Die Workshops sind alle etwas unterschiedlich aufgebaut und für mehr Informationen würde ich meine Webseite (siehe unten) empfehlen. Die Terminabstimmung für die Workshops beginnt im April, und wer sich davor bei mir per E-Mail auf die Interessent*innenliste gesetzt hat, kann beim Termin mitbestimmen. Der offizielle Anmeldungsstart ist im Mai – und ich freue mich natürlich über alle, die sich für die Themen interessieren!
Sprechen wir kurz über progressive Phantastik und Diversität. Was hat sich aus deiner Sicht in den vergangenen paar Jahren diesbezüglich auf dem Buchmarkt verändert? Ist die Phantastik zumindest teilweise progressiver geworden oder war mehr Diversität in der Literatur nur eine Art kurzer Trend?
Ich glaube, dass gleichzeitig viel Gutes und viel Negatives passiert. Ich sehe positive Trends in Bezug auf Awareness und das Aufkommen von diversen Figuren und Plots in der Kleinverlagsebene und bei Selfpublishenden. Auf der anderen Seite sind Großverlage, meiner Meinung nach, noch sehr hinterher. Da ist der englische Buchmarkt uns meilenweit voraus. Unsere Wirtschaftslage und unser Konsumverhalten zieht das Problem mit sich nach, dass die Gruppen, die progressiver sind (eben die Kleinverlage und Selfpublishenden) sehr große Probleme haben zu überleben. Viele müssen irgendwann aufgeben, weil die Kapazität (sowohl finanziell wie auch mental) nicht mehr reicht. Diese Entwicklung sehe ich sehr kritisch – und hier habe ich noch gar nicht begonnen über die Verwendung von KI in der Buchbranche zu reden.
Was die verschiedenen Facetten von Diversität betrifft, habe ich das Gefühl, dass es bestimmte Facetten gibt, die akzeptierter sind als andere. Allein im queeren Spektrum sehen wir dieses Phänomen: So sind Geschichten mit schwulen Protagonisten (jetzt mal die Darstellung davon herausgenommen) relativ weitverbreitet. Schwieriger wird es da schon mit Geschichten mit lesbischen Figuren und von weiteren Aspekten des queeren Spektrums will ich da gar nicht anfangen. Ähnliches lässt sich auch auf andere Arten von Diversität übertragen. Ich glaube, dass wir auf einen guten Weg sind, aber insgesamt gibt es doch noch einiges zu tun.
Wenn du zwei Wünsche frei hättest, was würdest du dir von Leser*innen und dem deutschsprachigen Buchmarkt wünschen?
Ich glaube, mein erster Wunsch ist »Offenheit« und das auf verschiedenen Ebenen. Ich wünsche mir die Offenheit von Lesenden sich auf Geschichten einzulassen, die vielleicht diverser oder jenseits von Erzählkonventionen sind, die wir kennen. Außerdem wünsche ich mir die Offenheit von Verlagen, dass sie Autor*innen und Literatur, die divers sind, fördern. Wagt doch etwas, denn nur so kann sich langfristig die Literaturlandschaft ändern.
Und mein zweiter Wunsch ist speziell an Lesende gerichtet: »Euer Konsumverhalten bestimmt den Markt mit«. Ich glaube nämlich, dass das ein Punkt ist, der sehr vergessen wird. Wir sind nicht einfach den Verlagen ausgeliefert. Mit unserem Kaufverhalten, den Trends, auf die wir aufspringen, oder die Bücher und Verlage, die wir supporten, werden gesehen, und Verlage passen sich daran an. Feiert doch einfach mal diverse Geschichten und zeigt, dass wir so etwas lesen wollen!
Gibt es noch etwas, was du gern ansprechen möchtest?
Tatsächlich möchte ich allgemein erwähnen: Wenn ihr diverse Literatur sucht, dann schaut euch die Kleinverlagslandschaft und Selfpublishende an. Gebt den Büchern eine Chance und unterstützt diesen Personenkreis. Da reicht es schon, wenn ihr einen Social Media-Beitrag teilt oder kommentiert. Ich glaube, wer sich da ein bisschen rein wagt, kann da ziemlich gute Bücher entdecken!
Kann man dich in diesem Jahr irgendwo auf Lesungen, Messen, Conventions treffen?
Es ist zwar noch ein bisschen in der Bewegung, aber auf folgenden Veranstaltungen könnt ihr mich treffen:
16.05. & 17.05.: FaRK 29.05. – 31.05.: DoKomi (hier aber wahrscheinlich nur Samstag und Sonntag) 31.10. & 01.11.: Buch Berlin
Sonst ist noch in der Planung: 01.08. & 02.08.: Krähenfee 22.08 & 23.08.: Contaku Magdeburg
Alles weitere – auch was Lesungen betrifft – wird sich wohl noch ergeben. Da findet ihr in meinem Newsletter oder auf Social Media dann die aktuellen Informationen.
Fußnote: (1) Yokai: Yōkai (japanisch 妖怪) sind Figuren des japanischen Volksglaubens, die mit unerklärlichen Geschehnissen und Phänomenen assoziiert werden. Sie sind mit Dämonen, Kobolden, Gestaltwandlern, Gespenstern und Geistern im deutschen Volksglauben vergleichbar. Heutzutage ist Yōkai ein Oberbegriff für übernatürliche Wesen.