Schreiben über das Schreiben

Schreiben übers Schreiben

Stefanie Müller hat zu einer Blogparade eingeladen, an der ich mich gern beteilige:

Was schreibst du?
Romane und Novellen, seit 5 Jahren. Bzw. eigentlich schon, seit ich 17 bin, aber zwischendurch hatte ich eine langjährige Pause und damals auch noch nichts veröffentlicht. Ich würde auch gern Kurzgeschichten schreiben, aber das liegt mir nicht so und auf Anthologie-Ausschreibungen hin zu schreiben, erzeugt mir zu viel Druck.

Wie sieht für dich der perfekte Schreibtag oder die perfekte Schreibsession aus? Wenn es fließt. Wenn ich nicht nach drei Sätzen erst überlegen muss, wie ich den nächsten formuliere. Bzw. ansonsten, wenn ich mindestens 1000 Worte schaffe, egal wie die Umstände drum herum sind. Sind es mehr als 1000 Worte, freue ich mich sehr.

Was motiviert dich zum Schreiben?
Das kommt ganz von selbst, ich hatte immer schon diesen Drang, Geschichten zu erzählen. Schreiben ist für mich außerdem wie Meditation, oder vielleicht wie Traumreisen, denn ich kann damit in andere Welten abtauchen. Ansonsten motivieren mich all die Plotbunnys, die bei mir oft auftauchen.

Was ist die größte Herausforderung beim Schreiben?
Ich würde sagen, das Durchhaltevermögen. Schreiben ist so ungeheuer zeitaufwändig, man braucht einen langen Atem dafür. Außerdem schreibe ich teilweise eher distanziert und gehe nicht immer genug auf Gefühle und Empfindungen meiner Protagonist*innen ein. Daran muss ich mich immer wieder erinnern. Ansonsten empfinde ich zwei Arten von Szenen immer als Herausforderung: Sexszenen und Action-/Kampfszenen. Bei den Sexszenen denke ich oft, wie kann ich da Wiederholungen vermeiden, und bei Actionszenen ist vieles eine Frage der Koordination von Bewegungen oder auch mehreren Personen, die alle gleichzeitig agieren. Das ist gar nicht so einfach. Manchmal stelle ich dann eine Szene mit kleinen Figuren nach, um nicht den Überblick zu verlieren, wer sich gerade wo befindet.

Beim Schreiben muss ich unbedingt dabei haben:
Instrumentale Musik, z.B. von Erdenstern, oder Soundlandschaften, die atmosphärisch zu dem passen, was ich schreibe. Zum Beispiel etwas Düsteres für unheimliche Szenen, oder etwas Romantisches bei entsprechenden Stellen. Oder Geräusche aus einem Wald, wenn meine High Fantasy Helden gerade durch die Wildnis ziehen.

Bist du Mitglied in einer Schreibgruppe?
Nein. Hört sich vielleicht komisch an, aber ich bin ein ungeduldiger Kontrollfreak und lasse mir nicht gern in meinen Schreibprozess hineinreden. Was das angeht, arbeite ich lieber allein als im Team. Entsprechend wäre es für mich auch ausgeschlossen, zusammen mit einem anderen Autor einen Roman zu schreiben. Wenn es mal im Plot hakt und ich nicht weiter komme, ist mein erster Ansprechpartner meine bessere Hälfte – er ist sehr kritisch und redet mir halbgare, nicht durchdachte Plotideen immer ganz schnell aus – und natürlich weiß ich die Anmerkungen meiner BetaleserInnen sehr zu schätzen. Trotzdem tausche ich mich gern mit anderen AutorInnen aus, bei einem Autorenstammtisch, der einmal monatlich in meiner Stadt stattfindet. Ich schätze den Austausch und die gegenseitige Unterstützung dort sehr. Wir haben auch schon zusammen eine Lesung organisiert, die sehr gut besucht war.

„Sie wissen, wen.“

Abbildung: Tookapic, Pixabay

Ich liebe Anspielungen in Geschichten auf real existierende historische (oder noch lebende) Persönlichkeiten, Ereignisse oder auch bekannte fiktive Personen.Manchmal sind sie recht unerwartet; vor Jahren hab ich zum Beispiel in einem Terry-Pratchett-Roman eine Szene gefunden, die auf Indiana Jones anspielt.
Und weil ich so viel Spaß an solchen Anspielungen habe, habe ich natürlich auch in meinen Büchern welche untergebracht: In „Der Stern des Seth“ taucht kein geringerer als Arthur Conan Doyle auf und es gibt einen Hinweis auf seinen späteren literarischen Ruhm durch die Sherlock-Holmes-Romane.
In „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“ hat Nica einen schaurigen Traum, in dem Oscar Wilde eine Rolle spielt.
In „Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte“ verlangt ein Polizeibeamter in Anspielung auf Doctor Who: „Rufen Sie den Doktor – Sie wissen, wen.“ Und dieser Doctor hat dann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 12. Doctor Who (gespielt von Peter Capaldi).
In einigen meiner Bücher, z.B. „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist“ sind mehrere historische Persönlichkeiten Teil der Handlung.
In „Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London“ bittet sogar Queen Victoria persönlich zu einer Audienz, bei der Erstaunliches zu Tage tritt.
Außerdem habe ich hier und da Anspielungen auf verschiedene historische Ereignisse, z.B. die erste Weltausstellung in London von 1851 mit dem extra dafür errichteten Kristallpalast.
In meinen Gegenwarts-Romanen „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ erwähne ich mehrere reale Schauspieler und Songs.
Auch in „Berlingtons Geisterjäger 4“ wird es wieder einiges an historischen und fiktiven Anspielungen geben, aber mehr verrate ich noch nicht.

Schreibtipps: Plotter oder Pantser?

Abbildung: Pixabay

Pantser kommt von englischen „pants” („Hose”) und beschreibt Autor*innen, die sich sich einfach auf ihren metaphorischen Hosenboden setzen und drauflos schreiben. Sie sehen dann einfach, wo die Geschichte sie hin trägt. Neulich habe ich dazu den Vergleich mit einem Gärtner gehört, der Samen pflanzt und dann im Laufe der Zeit schaut, welche Pflanzen (und wie) dabei herauskommen.

Plotter dagegen planen ihre Geschichte von Anfang bis Ende, sie sind wie Architekten, die zunächst ein Grundgerüst bauen und dann nach und nach Wände und andere Teile eines Hauses einbauen. Plotter kennen entsprechend in der Regel auch das Ende der Geschichte schon, bevor sie zu schreiben beginnen, was bei Pantsern nicht immer der Fall ist.
Als ich mit 17 meinen ersten Roman geschrieben habe (Urban Fantasy mit Vampiren), war ich noch ein Pantser und hatte keine Ahnung vom Plotten. Auch bei meinem zweiten Roman (High Fantasy) war es so – und ich habe mich hoffnungslos mit der Geschichte verfranst und sie an zig Stellen wieder und wieder umgeschrieben. Damit habe ich mich mehrere Jahre lang (!) beschäftigt, aber zufrieden war ich letztendlich nie mit diesem Roman. Das Ende vom Lied war, dass ich dieses Projekt bis heute als ausgedehnte Schreibübung betrachte. Mit anderen Worten: Das Pantser-Dasein hat für mich persönlich nicht funktioniert.

Vor ca. 6 Jahren habe ich dann einen Schreibratgeber gelesen – „Wie man einen Roman plant: Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg” von K.M. Weiland. In diesem wird sehr ausführlich Methoden zum Plotten beschrieben. Dieser Ratgeber war für mich ein Augenöffner. Seitdem bin ich ein Fan des Plottens. Gerade für komplexe Geschichten kann ich es sehr empfehlen. Dazu zählen für mich zum Beispiels Krimis oder Thriller, in denen ja auch meistens Dinge im Geheimen stattfinden, die dem Leser entweder gar nicht oder erst spät offenbart werden.

Allerdings heißt das in meinem Fall nun nicht, dass ich jeden Absatz meiner Geschichten vorab genauestens plane. Ich habe eher ein grobes Gerüst bzw. einen Ablauf. Meistens erstelle ich vorab in meinem Schreibprogramm Kapitel und schreibe zu jedem einige Stichworte, was darin passiert. Diesen Grundriss fülle ich dann während des Schreibprozesses mit Einzelheiten, die ich nicht schon vorher komplett kenne. Oft entwickeln auch meine Charaktere im Zusammenspiel eine Eigendynamik, die ich kaum voraussehen kann. Solange sie mir nicht den geplanten Plot sprengen, lasse ich ihnen dann auch gern freien Lauf.
Durch das Plotten habe ich auch die Freiheit, nach Belieben auch mal unchronologisch schreiben zu können. Ich kann also zum Beispiel das Ende vor dem Mittelteil schreiben oder mir einzelne Szenen herauspicken und diese zuerst schreiben. Gelegentlich entsteht auf diese Weise eine Art literarisches Puzzle, das ich dann nach und nach zusammensetze.

Ob man nun plottet oder einfach drauf los schreibt, ist natürlich eine Frage der persönlichen Vorlieben und wie man mit der jeweiligen Methode zurecht kommt. Ich würde deshalb angehenden Autor*innen dazu raten, beides auszuprobieren. Ein Nachteil des Plottens mag sein, dass es dann wenig Überraschendes zu entdecken gibt während des Schreibprozesses, weil man die Geschichte ja schon vorab geplant hat.
Der Vorteil beim Plotten liegt aus meiner Sicht darin, dass es meistens ziemlich effizient ist und man eher selten in die Verlegenheit kommt, später viel neu schreiben oder ändern zu müssen, weil der Plot ja bereits im Großen und Ganzen feststeht.

Weiteres zum Thema:

Plotten oder nicht plotten
https://www.die-schreibtrainerin.de/plotten-oder-nicht-plotten/

In 13 Schritten zum Roman-Plot

Verschiedene Wege, einen Roman zu plotten:
https://malakaldeen.wordpress.com/2018/01/07/verschiedene-wege-einen-roman-zu-plotten/

Video – Plotten mit 4 Akten:
https://www.youtube.com/watch?v=9Wp-M_vuMFA

Über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen und anderen problematischen Tropes in der Fiktion

Foto: Pixel2013, Pixabay

Spätestens der Twilight-Reihe von Stephenie Meyer und „Fifty Shades of Grey“ von E.L. James (ursprünglich übrigens eine Fanfiction der Twilight-Reihe) sind Liebesgeschichten ausgesprochen populär geworden, die eine ganze Reihe an toxischen Verhaltensweisen romantisieren, darunter Grenzüberschreitungen, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Entführungen, Stalking und noch einiges mehr. Ähnliches findet sich auch in manchen Liebesfilmen.
Oftmals geht es auch um die „Eroberung” eines Love-Interests, die dann mit allen Mitteln durchgezogen wird, bis hin zu dem erwähnten Stalking oder noch anderen fragwürdigen Methoden. Selbst wenn der Love-Interest deutlich macht, dass er oder sie kein Interesse hat, wird ein „Nein” nicht akzeptiert. Das allein ist schon ein problematischer Trope, der die Entscheidungsfreiheit von Menschen völlig in Frage stellt.

Nicht selten geht es in solchen Büchern auch um die Annahme, man könne einen „Bad Boy” zum Guten hin ändern. Oder dass dieser sich aus Liebe zu einer bestimmten Person sich zumindest dieser gegenüber nicht wie der letzte Arsch verhalten wird.
Der Typus des „Bad Boy” als Protagonist (fast ausschließlich männlich) ist mittlerweile so beliebt, dass manche Liebesromane den Begriff direkt im Titel tragen oder ihn zumindest im Klappentext unterbringen. Glaubt ihr nicht? Gebt einfach mal in einer großen Onlinebuchhandlung den Suchbegriff „Bad Boy“ ein.
Die Liebe zu einem „Bad Boy” mag romantisch klingen, ist sie aber nicht. Weil die Realität ganz anders aussieht. Viele Opfer häuslicher Gewalt können davon ein Lied singen – sie bleiben oft lange bei einem Partner, der sie schlägt oder auf andere Weise missbraucht. Weil sie die Schuld bei sich selbst suchen. Weil sie ihn trotz allem immer noch lieben, oder sich zumindest an diese Vorstellung klammern. Weil sie Angst vor einer Trennung un den entsprechenden Konsequenzen haben. Weil sie darauf hoffen, ihn doch noch ändern zu können. Das sind aber in vielen Fällen nichts als Illusionen. Die als realitätsferne Fantasien in entsprechenden Büchern auftauchen.

Nun werden manche Lesende so argumentieren, dass das ja eben alles Fantasie sei und einfach einer nervenkitzelnden Unterhaltung diene. Mir ist durchaus bewusst, dass es viele Leser*innen gibt, für die ein solches Buch genau das ist – einfach nur ein Nervenkitzel, etwas über im Grunde verbotene oder fragwürdige Verhaltensweisen zu lesen, der aber keine spürbare Auswirkungen auf ihr reales Leben hat.

Ähnlich, wie es auch ein Nervelkitzel für manche Computerspieler*innen ist, sich mit „Baller-Spielen” zu beschäftigen – für viele eine Möglichkeit, „Dampf abzulassen”, ohne dass dies Nachwirkungen im realen Leben hat. Während wiederum andere, leicht beeinflussbare und/oder labile Menschen dadurch auch in der Realität aggressiv werden können oder andere negative Verhaltensweisen an den Tag legen.

Entsprechend gibt es auch junge, leicht beeinflussbare oder auch labile Leser*innen, die oft in Büchern nach Vorbildern und Identifikationsfiguren suchen. Diesen wird im Genre der „Dark Romance” und verwandten Genres ein äußerst fragwürdiges Weltbild präsentiert: Verhaltensweisen (häufig von Männern), die im realen Leben fast immer strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würden, werden in solchen Büchern romantisch verklärt und geschönt, und damit in gewisser Weise normalisiert. Entsprechend dürften sie vor allem von diesen Leser*innen mit wenig Lebenserfahrung dann möglicherweise als etwas relativ Normales empfunden werden. Vielleicht erkennen sie darin auch Verhaltensweisen aus ihrem eigenen Umfeld wieder und sagen sich dann, „Männer sind halt so.” Insofern finde ich es fatal, dass manche dieser angeblichen Romanzen mit toxischen Beziehungsmustern als jugendfrei eingestuft werden, und auch in entsprechenden Kategorien in Onlinebuchhandlungen zu finden sind.

Das Argument, Fiktion sei doch Fiktion und würde sich nie wirklich auf die Gedanken- und Gefühlswelt von Menschen auswirken, ist übrigens hinfällig, wenn man sich Studien wie diese ansieht, die deutlich macht, dass sich der Konsum von fiktiven Medien aller Art durchaus auf das Weltbild und die Verhaltensweisen von Menschen auswirken kann:
„The Psychology of Entertainment Media – Blurring the Lines Between Entertainment and Persuasion” ( siehe: https://numerons.files.wordpress.com/2012/04/14psychology-of-entertainment-media.pdf)

Wenn man sich die erschreckenden Zahlen aus Kriminalstatistiken ansieht, wie viele Frauen (und auch Männer) jährlich vergewaltigt oder gar ermordet werden, wird deutlich, dass diese negativen, toxischen Verhaltensweisen, wie schon gesagt, sehr real sind. Entsprechend dürften sich Opfer von häuslicher Gewalt oder anderen Straftaten von solchen Büchern, in denen all das romantisiert oder als etwas „Normales” dargestellt wird, vermutlich auf Schlimmste verhöhnt vorkommen.

Entsprechend realistisch, ohne eine Romantisierung, sollte aus meiner Sicht auch der Umgang in fiktiven Texten damit sein.

Mein persönlicher Kodex als Autorin lautet daher:
Ich verzichte in meinen Geschichten auf die Romantisierung, Normalisierung oder Idealisierung von:
– sexueller Belästigung
– Missbrauch (verbal und körperlich)
– häuslicher Gewalt
– Vergewaltigung
– Stalking
– Entführung und Stockholm-Syndrom (https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom)
– Gaslighting und anderen Formen von psychischer Manipulation
(https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting)
– Grenzüberschreitungen
– ungesunde BDSM-ähnliche Beziehungen ohne Konsens und ohne Sicherheit
– sowie andere schädigende, menschenverachtende Verhaltensweisen, deren Täter keinerlei strafrechtliche oder andere Konsequenzen erfahren.

Sollten in meinen Büchern dennoch Charaktere oben genannte Verhaltensweisen an den Tag legen, werden sie dafür nicht mit der Liebe oder der erfolgreichen „Eroberung“ eines anderen Charakters „belohnt“, sondern werden stattdessen früher oder später schmerzhafte Konsequenzen auf die eine oder andere Weise erleben, bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung.

Weiteres zum Thema:

Verwischte Grenzen: Wenn Literatur problematisch ist https://stuermischeseiten.de/2017/12/16/teegedanken-das-problem-mit-den-toxischen-inhalten-in-unserer-literatur/

Guilty pleasure oder Gesellschaftsproblem? https://eleabrandt.de/2018/02/05/guilty-pleasure-oder-gesellschaftsproblem/

Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen https://ninahasse.wordpress.com/2017/04/26/meine-probleme-mit-pseudo-liebesromanen/

Rapefiction-Debatte: Es geht um alles, aber nicht um Sex https://geekgefluester.de/rapefiction-debatte-es-geht-um-alles-aber-nicht-um-sex

Sexuelle Gewalt im Mediengedächtnis https://buechnerwald.wordpress.com/2019/04/14/sexuelle-gewalt-im-mediengedaechtnis/

Die Autorin Jenny Trout hat vor einiger Zeit den Roman „Fifty Shades of Grey” (und andere Bücher) in allen Einzelheiten analysiert, Kapitel für Kapitel. Dabei legt sie unter anderem offen, wieviele negative Verhaltensweisen darin zu finden sind (englischsprachig): http://jennytrout.com/?page_id=5720&fbclid=IwAR2Vr6r__QuRlU95QEpQ05RDxgzbFchmHK-dNzLQfWZknC-oJRzCGWeY_Eg

Aktuell ist „The Mister” von E.L. James auch in den deutschen Bestseller-Listen zu finden.
Diese und andere Rezensionen lassen kein gutes Haar an dem Roman:https://www.vice.com/de/article/vb9eqy/e-l-james-the-mister-wir-haben-den-nachfolger-von-fifty-shades-of-grey-gelesen

Das Video „Stalking for Love“ zeigt Stalking, wie es in vielen Filmen umgesetzt wurde (englischsprachig, deutsche Untertitel können eingeschaltet werden):

„Entführung als Romanze“

(englischsprachig, deutsche Untertitel können eingeschaltet werden):
https://www.youtube.com/watch?v=t8xL7w1POZ0

leider nur englischsprachig: „Rom Cons: Problematic Movie Romance Lessons“
https://www.youtube.com/watch?v=ohmWqno24cE

Das, was wir lieben und das, was wir fürchten…

Abbildungen: Pixabay

Neulich habe ich mir mal Gedanken darüber gemacht, warum Menschen eigentlich Geschichten lieben, und oft ganz bestimmte Arten von Geschichten. Nach einiger Überlegung ist mir dann aufgefallen, dass im Grunde fast alle Geschichten, wenn man es stark herunterbricht, in eine von zwei Kategorien fallen – die einen erzählen in erster Linie von all dem, nach dem wir uns sehnen oder was wir lieben, die anderen erzählen vor allem davon, was wir fürchten.
Sehnsucht und Liebe spielt natürlich eine Große Rolle bei Liebesromanen aller Art, aber auch bei Familiengeschichten sowie Kinder- und Jugendbüchern.
Furcht wiederum ist ein zentrales Element im Krimi, Thriller und im Horror-Genre. Außerdem gibt es dann noch jene Geschichten, in denen sich diese beiden so unterschiedlichen Gefühlswelten mischen, z.B. im Dark Romance Genre, im Romantic Thriller, in Genre-Crossovern oder auch im Gothic Horror, der meistens sowohl Gruselelemente als auch romantische Tendenzen enthält. Gerade in letzter Zeit werden Antiheld*innen immer beliebter und solche Geschichten bieten dem Leser oft ein Auf und Ab an ganz unterschiedlichen Emotionen.

Auch die Phantastik lässt sich im Grunde in diese beiden Kategorien einteilen – da gibt es die teilweise romantisch verklärte Fantasy, die oft an eine vergangene Epoche angelehnt ist und auf der anderen Seite zum Beispiel eher düstere Dark Fantasy, die häufig ebenfalls historische Vorbilder hat. Auch Science-Fiction ist oft entweder utopisch-optimistisch, oder aber eher dystopisch. Historische Romane orientieren sich nicht selten nostalgisch, z.B. historische Liebesromane, oder aber sie beschreiben ein eher düsteres Setting.

Natürlich heißt das alles nicht, dass nicht auch andere Gefühle in unterschiedlichen Geschichten angesprochen werden. Und auch der Verstand will ja unterhalten werden. So bieten gerade Krimis und Thriller oft jede Menge Rätsel und Möglichkeiten für den Leser, selbst im Geiste mit zu ermitteln. Aber wie gesagt, wenn man es stark herunterbricht, passen eigentlich alle so gut wie die meisten Geschichten in eine der beiden genannten Kategorien.

Ich selbst schreibe sowohl gern das eine als auch das andere, weil dies mehr Abwechslung bringt, oder ich schreibe Genremischungen, in denen beides vorkommt, z.B. die Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“.

Wie meine Buchcover entstehen

Ich habe Grafikdesign studiert. Die entsprechenden Kenntnisse nutze ich sehr gern, um meine Buchcover selbst zu gestalten und das macht mir sehr viel Spaß. Es klingt vielleicht skurril, ist aber kein Witz:
Oft habe ich Ideen für Buchcover, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist. Die nenne ich gern Buchcoverbunnys, in Anlehnung an die Plotbunnys. Aktuell befinden sich auf meinem Rechner 5 Buchcover-Entwürfe, zu denen ich die entsprechenden Bücher erst noch schreiben oder – in einem Fall – überarbeiten muss. Die zeige ich aber erst dann, wenn die Bücher halbwegs fertig sind.

Meistens verwende ich Fotografien aus Fotoagenturen, entweder einzeln oder ich montiere zwei oder mehr mit einem Grafikprogramm zusammen (z.B. bei „Der Stern des Seth”, „Die Rolle seines Lebens” und „Frei und doch verbunden”) oder ich kombiniere sie mit eigenen Illustrationen (die stilisierten Tiere auf dem Cover von „Vanfarin – Von Untoten und Totems”).

Bei einigen Büchern habe ich ganz bewusst auf (Foto-)Abbildungen von Menschen verzichtet, unter anderem weil es gar nicht so leicht ist, passende Modelle zu finden – gerade für den Phantastik-Bereich.
Bei „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“ gab es ursprünglich ein von mir gemaltes Portrait von Victor Berlington auf dem Buchcover, in Kombination mit dem Hintergrundbild.
Nachdem mir allerdings immer wieder LeserInnen zurückgemeldet haben, dass sie illustrierte Gesichter in dieser Form auf Buchcovern ablehnen, habe ich das Portrait entfernt, so dass nur noch die Hintergrund-Landschaft zu sehen ist. Man könnte auch sagen, Victor Berlington ist wohl in der Anderswelt verschwunden.

Beim Cover zu „Ein Mann namens Flora“ habe ich absichtlich in die Klischeekiste gegriffen und ein rosafarbenes Cover mit Blumen gestaltet – nicht, weil es mir persönlich so gut gefällt, sondern weil es perfekt zum Protagonisten und seinen Vorlieben passt.

Bei „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray” habe ich eine original historische Modezeichnung als Vorlage für die Silhouette von Miss Murray genommen und diese kombiniert mit Jugendstilornamenten sowie einem tapetenartigen Hintergrund, der ebenfalls Ornamente zeigt. Um den Wiedererkennungseffekt der Reihe zu erhalten, ist das Grundmotiv bei den verschiedenen Bänden immer dasselbe, nur die Hintergrundfarbe ändert sich. Je nachdem, wie lange ich diese Reihe noch fortsetze, kann es aber auch sein, dass ich hier später noch Änderungen vornehme.

Übrigens: Das Foto einer rötlich beleuchteten Gasse auf dem Cover von „Berlingtons Geisterjäger 2 -Mördernächte” soll eine Gasse im viktorianischen Whitechapel (in London) darstellen, ist aber in Wirklichkeit von dem Fotografen im heutigen Italien aufgenommen worden.

Wie meine Manuskripte entstehen

Ich arbeite fast nie handschriftlich, aus zwei Gründen: Zum einen kann ich schneller tippen als handschriftlich schreiben (kein Witz!). Zum anderen wäre es doppelte Arbeit, erst handschriftlich zu schreiben und es dann abzutippen. Entsprechend verbringe ich viel Zeit am Rechner.
Nur gelegentlich mache ich mir handschriftliche Notizen, z.B. wenn mir abends vorm Einschlafen noch eine Idee kommt, die ich unbedingt festhalten möchte. Das sind manchmal auch Plotbunnys, also Ideen für neue Geschichten.

Ich arbeite mit dem Autorenprogramm Scrivener. Da ich die Handlung erst durchplane, bevor ich anfange zu schreiben, ist dieses Programm sehr praktisch, denn damit kann ich schon vorab Kapitel anlegen und diese in Szenen unterteilen. Zu jeder Szene erstelle ich eine kurze Stichwortbeschreibung, z.B. „Eliott trifft den Archäologen im Britischen Museum” so dass ich einen groben Überblick über alle Szenen habe.
Diese Vorab-Struktur ändert sich allerdings dann meistens ein bisschen, weil ich die Längen der Szenen und Kapitel nicht schon zu Beginn einschätzen kann. Ich verschiebe also manchmal eine Szene ins vorherige oder ins nächste Kapitel.
Weil ich ja wie gesagt die Handlung durchplane, weiß ich zumindest im Groben und Ganzen, was wann und wo passiert. Deshalb schreibe ich gelegentlich Szenen nicht in chronologischer Reihenfolge, also zum Beispiel das Ende vor dem Mittelteil. Oder ich schreibe den Übergang zwischen zwei Kapiteln erst später. Das führt manchmal dazu, dass ich mein Manuskript am Ende wie ein Puzzle zusammensetze.
Und wenn es mal in der Geschichte hakt und ich damit nicht weiterkomme, ist mein erster Ansprechpartner mein Mann, der mich immer mit konstruktiver Kritik unterstützt. Gemeinsam überlegen wir dann, wie sich die Geschichte verbessern lässt.

Mein durchschnittliches Tagesziel sind 1000 Worte. Das entspricht ca. 4 Buchseiten (je nach Formatierung). Für einen 300-Seiten Roman brauche ich also durchschnittlich 75 Tage. Oft dauert es aber auch länger, zum Beispiel, weil Recherchen hinzukommen. Gelegentlich schreibe ich weniger am Tag, manchmal auch deutlich mehr. Mein persönlicher Rekord war „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Mörderische Ostern”, hier habe ich die Rohfassung mit 31900 Worten innerhalb von 14 Tagen geschrieben, also durchschnittlich pro Tag mehr als 2200 Worte.

Vor allem bei historischen Themen, aber auch für Gegenwarts-Geschichten muss ich oft viel recherchieren – was mir übrigens viel Spaß macht, weil ich dabei viel Neues lernen kann. In manchen Fälle lese ich dann vor dem Schreiben ein, zwei Sachbücher zu einem bestimmten Thema. Die Recherchen mache ich aber nicht alle vorher, sondern oft auch während des Schreibprozesses, weil mir viele Einzelheiten erst beim Schreiben auffallen.

Mein Schreibtisch

Interview mit der Autorin Marie Gräff

Welches war dein erstes veröffentlichtes Buch? Erzähl uns gern ein bisschen darüber.

Mein erstes veröffentlichtes Buch ist tatsächlich das ‚Amulett des Trebeta‘. Ich schreibe zwar schon seit einer Ewigkeit, hatte aber lange Zeit massive Selbstzweifel und habe mich so sabotiert, dass ich nichts bis zur Veröffentlichung gebracht habe. Als ich aber den Trebeta entworfen habe, wusste ich irgendwie, das wird etwas Besonderes. Das gab mir den Mut, endlich eine meiner Geschichten zu veröffentlichen.

Der Trebeta, oder korrekt: ‚Das Amulett des Trebeta – oder wie Gott dem Schicksal ein Schnippchen schlägt‘ ist ein Buch, das in jeder Hinsicht ungewöhnlich ist und schwer einem bestimmten Genre zuzuordnen. Am ehsten gehört es zur Urban Fantasy / Historischen Fantasy oder in den Magischen Realismus. Die Geschichte dreht sich um den freien Willen und eine Wette mit Gott und wird von niemand anderem erzählt als Gott selbst. Elfen. Orks und andere klassische Vertreter der Fantasy gibt es bei mir nicht, dafür aber lebendige lokale Sagengestalten, Geister und einen verrückten Statuengeist, der sich ins Herz der Leser geschlichen hat.

Und woran arbeitest du aktuell?

Aktuell arbeite ich an einem richtigen Großprojekt, das mich schon seit einer Weile auf Trab hält: Ich überarbeite und veröffentliche das Buch, das ich mit ca. 12-14 Jahren geschrieben habe, das aber nie veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine sehr komplexe Trilogie im Bereich klassische Fantasy. Ich bin jetzt fast 20 Jahre lang um dieses Projekt herumgeschlichen, habe es beäugt, wieder verworfen und konnte dann doch nicht die Finger davon lassen. Es scheint irgendwie wichtig zu sein. 😉

Details kann ich zu dem Projekt noch nicht geben, aber auf meiner Facebook-Seite gibt es regelmäßig Einblicke in den Entstehungsprozess und auch Textschnipsel.

Was interessiert oder begeistert dich besonders am Phantastik-Genre?

Phantastik und Fantasy haben mich einfach schon immer begeistert. Ich liebe es, in andere Welten zu reisen oder mir vorzustellen, wie phantastische Elemente in unsere Welt einbrechen und sie zu einem magischen Ort werden lassen. Ich mag es, in jeder Hinsicht über die Grenzen des Möglichen hinauszudenken.

In „Das Amulett des Trebeta” lässt du Gott persönlich erzählen. Wie war es für dich, eine so ungewöhnliche Erzählperspektive zu schreiben?

Ehrlich gesagt hat sich das einfach so ergeben. 🙂 Das Ganze ist so entstanden: Eines Abends saß ich mit meinem Partner da und wir haben einen ziemlich schlechten Film mit Totenbeschwörung/Nekromantie oder so etwas geschaut. Ich erinnere mich nicht mehr daran, welcher Film es war, wohl aber, dass ich erbost darüber war, dass jemand einen so guten Stoff so schlecht umgesetzt hatte. Ich hatte das Gefühl, dringend etwas schreiben zu müssen, das besser ist. Also setzte ich mich hin und plötzlich war da diese Erzählstimme, die aufgeschrieben werden wollte. Dass da eine Art Gott spricht, hab ich erst viel später gemerkt.

Sorgen hat mir die Möglichkeit gemacht, damit in irgendeine religiöse Ecke gesteckt zu werden oder irgendjemandem gewaltig auf die Füße zu treten. Aber der Trebeta ist tatsächlich reine Fiktion und versteht sich nicht als eine tatsächlich von Gott erzählte Geschichte. Jedenfalls nicht mehr als jede andere Geschichte auch. 😉

Gibt es etwas, auf das du beim Schreiben nicht verzichten kannst? Und zu welcher Tageszeit schreibst du am Liebsten oder am Besten?

Ich bin ein überzeugter Morgenmuffel. 😉
Ansonsten habe ich keine festen Schreibzeiten, sondern ich baue das Schreiben in meinen Alltag ein, wo immer es passt. Das Allerwichtigste für mich ist, mich nicht unter Druck zu setzen und dem Kritiker in meinem Kopf keine Stimme zu geben. Ich schreibe, wenn ich mich danach fühle. Mein Schreibrythmus ist sehr unkonventionell. Mal schreibe ich 20 Seiten an einem Tag, dann wiederum passiert wochenlang kaum etwas. Früher hat mich das schrecklich nervös gemacht, mittlerweile habe ich aber einfach verstanden, dass ich eben so ticke und das Buch genau so am schnellsten geschrieben wird.

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit (lebend oder tot) treffen könntest, wer wäre es und was würdest du sie/ihn gern fragen?

Verdammt, jetzt sitze ich hier mit dieser Frage und mir fällt niemand ein. 😉
Es gibt sehr viele Menschen, die ich gerne treffen würde. Mit J. K. Rowling würde ich gerne mal übers Schreiben quatschen und sehr gerne würde ich die bereits verstorbene Maya Angelou treffen und an ihrer Lebensweisheit teilhaben.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich schreibe gefühlt schon mein ganzes Leben. Schon als kleines Kind war ich verrückt nach Geschichten und meine Eltern mussten mir ständig vorlesen. Sobald ich lesen konnte, verschlang ich den Inhalt der örtlichen Bibliothek in beängstigendem Tempo und sobald ich schreiben konnte, begann ich auch damit, selbst Geschichten zu entwerfen. Sie wurden selten fertig und waren meist sehr kurz, weil ich schon damals starke Zweifel an meinen Fähigkeiten hatte, aber ich habe nie wirklich aufgegeben. Ich konnte einfach nicht. Denn wenn ich über längere Zeit hinweg nicht schreibe, ist das sehr unangenehm für meine Mitmenschen. 😉

Kann man dich in diesem Jahr auf Veranstaltungen antreffen?

Ich werde auf der Buchregio Trier am 3. und 4. Mai 2019 einen Stand haben und auch mit einer Lesung aus dem Trebeta vertreten sein. Details dazu gibt es auf meiner Facebook-Seite.

Vielen Dank für das Interview!

Maries Webseite und Facebookseite:
https://schwellentroll.de/
https://www.facebook.com/MarieGraeff.Autorin/

Über die Repräsentation von Bisexualität in Medien der Fiktion

Der Blog „Alpakawolken“ hat zu einer kooperativen Beitragsreihe zum Thema Repräsentation aufgerufen: https://alpakawolken.de/writing-about-us/

In diesem Beitrag schreibe ich über das Thema Bisexualität, da ich mich selbst damit identifiziere, und wie diese in Medien wie Büchern, Filmen, Serien dargestellt wird.

Zunächst ein paar persönliche Worte: Ich selbst habe erst mit Mitte Dreißig herausgefunden, dass ich bisexuell bin, weil ich bis dahin populären Irrtümer über die sexuelle Orientierung geglaubt habe, z.B. die folgenden:
„Das ist nur eine Phase. Früher oder später wird einem klar, dass man eigentlich hetero- oder homosexuell ist”
„Man muss sich zu gleichen Teilen zu Männern und Frauen hingezogen fühlen, um als bisexuell zu gelten.”
„Man muss mindestens einmal eine Beziehung/und/oder Sex zu einem Mann und einer Frau gehabt haben, um sich als bisexuell identifizieren zu können.”
Erst ein Artikel der amerikanischen Organisation GLAAD hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet: https://www.glaad.org/blog/celebrate-bisexuality-glaad-dispels-common-myths-and-stereotypes

Nun ist es so, dass auch heute noch immer mal wieder Vorurteile über Bisexuelle in Medien verbreitet werden, was früher noch ausgeprägter war. Zum Beispiel gab es lange Zeit den Trope des „depraved bisexual”, in dem entsprechende Charaktere oft mit Stereotypen dargestellt werden, z.B. als hypersexuell, promiskuitiv, manipulativ oder, um des Dramas willen, sogar als gefährlich oder mörderisch.

Ein weiteres negatives Trope ist „Bury your gays” , von dem nicht selten auch bisexuelle Charaktere betroffen sind. An dieser Stelle möchte ich gern den „Lexa Pledge” erwähnen, der sich seit 2016 im englischsprachigen Raum für eine bessere Repräsentation von lesbischen und bisexuellen Frauen einsetzt. Diese Initiative geht zurück auf den Tod des Charakters Lexa aus „The 100” zurückgeht. Dieser wiederum steht in der traurigen Tradition des oben genannten Tropes. Das bedeutet, dass queere Charaktere in Filmen, Serien und anderen Medien häufig gewaltsam sterben, in erster Linie, um Drama zu erzeugen. Oftmals wird dieses Handlungsmuster auch verwendet, um die Charakterentwicklung des (heterosexuellen) Protagonisten voranzutreiben. Dieser Trope ist besonders dann schädlich, wenn in einer Geschichte ausschließlich einer oder mehrere queere Charakter sterben, während die heterosexuellen Charaktere überleben. Denn wer selbst queer ist, kann angesichts solcher Geschichten fast den Eindruck bekommen, dass queere Menschen meistens ein besonders schweres Schicksal haben, das selten gut endet.

Bisexuelle müssen sich von Heterosexuellen oft anhören, sie seien zu queer. Von Homosexuellen wiederum kommt häufig der Vorwurf, sie seien zu feige, um sich als homosexuell zu outen. Letzteres basiert auf den Vorurteilen, dass Bisexualität eigentlich gar nicht existiere oder lediglich eine Phase sei. Ein weiteres Problem, mit dem Bisexuelle oft zu kämpfen haben, ist ihre relative Unsichtbarkeit: Eine Person in einer gegengeschlechtlichen Beziehung wird als heterosexuell gelesen. Eine Person, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung ist, wird von ihrem Umfeld als homosexuell gesehen. Wer also von sich aus nicht erklärt, er sei bisexuell, wird so u. U. gar nicht als solcher wahrgenommen.

Diese Form von Unsichtbarkeit ist auch in vielen Medien zu finden und wird im englischsprachigen Raum auch als „Bisexual erasure” bezeichnet: Also ein Ausradieren der eigentlichen sexuellen Orientierung.
Ein Beispiel hierfür: Willow aus „Buffy – Im Bann der Dämonen” ist zunächst mit einem Mann (Oz) zusammen, später mit einer Frau (Tara). Das Wort Bisexualität wird in diesem Zusammenhang nie erwähnt, Willow äußert auch nie entsprechende Gedanken gegenüber anderen. Stattdessen beschreibt sie sich selbst als lesbisch. Nun gibt es durchaus Menschen, die sich zunächst unsicher sind, was ihre Sexualität betrifft, aber in Willows Fall würde das quasi bedeuten, dass die längerfristige Romanze mit Oz nicht echt war, wenn sie sich eigentlich als lesbisch sieht.

Weitere Filme, in denen Charaktere nie auch nur ansatzweise über Bisexualität sprechen, obwohl es dazu einige Gründe gebe, sind z.B. „The kids are alright”, „Freier Fall” und „Chasing Amy”. Und noch ein Beispiel: Der Comic-Charakter Constantine ist in den Comics offen bisexuell, jedoch nicht in der Verfilmung von 2005 und auch nicht in der Adaption von NBC aus dem Jahr 2014. In beiden wird er als heterosexuell dargestellt. Ähnliches gilt für den Comic-Charakter Deadpool (der in den Comics offiziell pansexuell ist). Einige englischsprachige Artikel zum Thema Bisexual erasure sind am Ende des Artikels verlinkt.

Gelegentlich wird Bisexual erasure auch für Queerbaiting ausgenutzt, so zum Beispiel in der Serie „Supernatural”. Dean Winchester ist auf der einen Seite mehr oder weniger ein Womanizer, auf der anderen Seite hat er eine so innige Freundschaft mit dem Engel Castiel, dass diese schon als deutlich mehr erscheint. Zumindest wird entsprechendes immer wieder angedeutet und sei es nur über den Subtext. Aber dabei bleibt es, aus ihrer Beziehung wird nie eine richtige Romanze und keiner von ihnen outet sich.

An der Frage, ob Dean bi ist, scheiden sich die Geister im entsprechenden Fandom und das Shipping „Destiel” ist so beliebt, dass es nicht nur unzählige Fanfictions zu diesem Thema gibt, sondern 2016 sogar eine Destiel-Convention.

Im Artikel „Supernatural’s Scariest Monster: Bi Erasure” schreibt der Verfasser: „In gewisser Weise zieht die Serie Vorteile aus dem bi erasure und benutzt es als Brennstoff für ihr Queerbaiting-Feuer”.

Und wie sieht es in der Literatur aus?
Bei einer Suche nach Büchern, in denen Bisexuelle vorkommen, stieß ich als erstes auf Erotik-Literatur, die häufig Dreiecksbeziehungen oder -Affären abbildet, wie schon auf den Covern zu sehen ist. Also ein weiteres Klischee über Bisexuelle – dass sie nur in einer Dreiecksbeziehung mit beiden Geschlechtern glücklich sein könnten.

In der Belletristik fand ich den Begriff „bisexuell” fast nie direkt im Klappentext, obwohl das eigentlich hilfreich wäre oder zumindest Andeutungen in dieser Richtung.

Im Bereich der deutschsprachigen Lesbian und Gay Romance Bücher tauchen hin und wieder offen bisexuelle Charaktere auf, aber im Vergleich mit lesbischen oder schwulen Charakteren sind sie eher selten. Wie es im englischsprachigen Raum aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Wie kann denn nun eine gute Repräsentation von Bisexualität aussehen?
Eine gute Repräsentation würde meiner Meinung nach damit anfangen, dass entsprechende Charaktere offen bisexuell sind und auch darüber mit anderen sprechen. Oder sich – für den Anfang – zumindest schon mal darüber Gedanken machen, was ja auch in Form innerer Monologe geschehen kann. Ebenso wäre ein Verzicht auf Vorurteile und eine klischeefreie Darstellung wünschenswert. Oder aber, dass bisexuelle Charakter auf Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden, adäquat reagieren.
Außerdem sollten sie nicht allein über ihre Sexualität definiert werden und, wie andere Charaktere auch, über einzigartige Eigenschaften, Stärken, Schwächen, Macken etc. verfügen, so dass es keine blassen Figuren sind, sondern lebensechte Menschen.
In dem Zusammenhang finde ich auch diesen Artikel des Blogs „Stürmische Seiten“ lesenswert.

Leider kenne ich selbst nur wenige Beispiele, bei denen diese Repräsentation gut gelungen ist. Das ist zum Beispiel der Fall in der in der Serie „Crazy Ex-Girlfriend”, in dem ein bisexueller Charakter (Darryl Whitefeather) sogar ein Lied über seine Orientierung singt und dabei auch gleich mit einigen Vorurteilen aufräumt: https://www.youtube.com/watch?v=5e7844P77Is

Selbst in Serien, in denen es mehrere queere Charaktere gibt, sind offen bisexuelle eher selten zu finden. Da mir selbst so wenige positive Beispiele eingefallen sind, habe ich bei Twitter eine Umfrage gemacht nach offen bisexuellen Charakteren, die möglichst klischeefrei dargestellt werden.

Diese hier wurden mir genannt – eine Liste, die natürlich nicht vollständig sein kann:

Jack Harkness aus „Doctor Who” und „Torchwood”
Stella Gibson in „The Fall“
Kelly in „Black Mirror: San Junipero“
Edie und Russell aus „Six Feet Under“
Sadie im gleichnamigen Thriller von Courtney Summers
Leliana und Zevran Arainai aus „Dragon Age: Origins“
In „Dragon Age 2“: alle vier Companions (Anders, Fenris, Isabela und Merrill)
In „Dragon Age: Inquisition“: Iron Bull (bzw. eigentlich pansexuell) und Josephine Montilyet
Kyra Hare aus „Der Schleier der Welt” von R.A. Prum und S.C. Kreuer mehrere Charaktere im geschriebenen Webserien-Projekt „Mosaik”, ebenfalls von R.A. Prum und S.C. Kreuer
Toni Topaz aus der Serie „Riverdale”
Korra und Asami aus „Legend of Korra”
Amalia in der Sookie Stackhouse-Reihe, sowie Pam in der TV-Adaption „True Blood”
H.G. Wells in der Serie „Warehouse 13”
Bo aus „Lost Girl”
Magnus Bane aus „Shadowhunters”
Zeyn aus der „Sternenbrand”-Dilogie von Annette Juretzki
Askar und die Rote Dame aus „Opfermond” von Elea Brandt.
Rosa aus der Serie „Brooklyn 99”
Myoujin Araya aus dem Manga „Act-Age”
Mitsuri Kanroji aus „Kimetsu No Yaiba“
Sara Lance aus „Arrow“/ „Legends Of Tomorrow“
Waverly Earp aus „Wynonna Earp“
Henry Marley aus dem Manga „Java Bonds“ von Nana Yaa Kyere
Stephen Stills aus den „Scott Pilgrim“-Comics
Leah aus „Leah on the Offbeat“
Viola Davis in „How to get away with murder“
Amy aus „Faking it“
Zakia aus „Sense8“
Außerdem wurde das Spiel „Mass Effect” in diesem Zusammenhang erwähnt.

In meinen eigenen Büchern gibt es ebenfalls mehrere bisexuelle Charaktere.

Gerade in den letzten Jahren ist das Thema Bisexualität deutlich präsenter geworden und das lässt hoffen, in der Zukunft mehr bisexuelle Charaktere in Filmen, Serien, Büchern etc. vertreten zu finden, die ohne die gängigen Klischees und Stereotypen dargestellt werden.
Übrigens: In den USA gibt es mittlerweile einen jährlichen Preis für die Repräsentation von bisexuellen Menschen in der Literatur, den „Bisexual Book Award” (siehe: http://www.biwriters.org/)

So etwas wäre auch im deutschsprachigen Raum wünschenswert, nicht nur für bisexuelle, sondern generell für queere Charaktere in der Literatur.

Wie sieht es in Sachmedien aus?
Mittlerweile gibt es zahlreiche Artikel, die mit Vorurteilen und Klischees über Bisexualität aufräumen. Ein Own Voices Medium ist das Magazin Bijou. Blogger und Youtuber befassen sich ebenfalls mit dem Thema.
Vor wenigen Jahren noch konnte man stattdessen hier und da den Eindruck gewinnen, Bisexualität sei ein neuer „Trend“. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass sich eine Reihe an Prominenten als bisexuell geoutet haben und damit diese sexuelle Orientierung öffentlicher gemacht haben.

Einige Links:

deutschsprachig:
https://www.zeit.de/lebensart/partnerschaft/2012-12/leserartikel-bisexualitaet-comingout

https://www.zeitjung.de/bisexualitaet-liebe-menschen-vorurteile-bisexualitaet/

https://gleichheitunddifferenz.wordpress.com/2015/10/28/bisexuelle-sind-das-nicht-die-die-alles-vogeln/

https://sexualitaetundmedien.wordpress.com/2018/06/15/das-ist-nur-eine-phase-%c2%ad-bisexual-erasure-in-orange-is-the-new-black/

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/bi-visibility-day-warum-bisexuelle-auch-von-homos-diskriminiert-werden/12352558-2.html

Englischsprachig:

https://www.theodysseyonline.com/bisexual-erasure-in-media-needs-to-stop

https://www.gaystarnews.com/article/9-worst-offenders-bisexual-erasure-tv-film-and-books220914/

https://bisexual.org/supernaturals-scariest-monster-bi-erasure/


Starke Frauencharaktere – zum Weltfrauentag

Heute ist Weltfrauentag.
Und aus diesem Anlass habe ich mal geschaut (auch durch eine Anregung aus einer Büchergruppe auf Facebook), in welchen meiner Bücher es starke Frauencharaktere gibt. Diese stelle ich nun kurz vor.

„Der Stern des Seth“
Die einzige Frau in der Expeditionsgesellschaft, Gemma Hawthorne, ist eine Journalistin, die unabhängig sein möchte und ihren Beruf sehr mag. Heiraten und Kinder kriegen? Das kann sie sich nicht vorstellen, denn es würde wohl bedeuten, dass sie ihren Beruf aufgeben müsste.

„Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“
Miss Josephine Murray ist eine etwas ungewöhnliche Frau, die im viktorianischen London als Groschenromanautorin arbeitet und sich gelegentlich als Amateurdetektivin versucht.

„Berlingtons Geisterjäger“
Die irische Hexe Fiona O’Reilly und die Künstlerin Veronica „Nica“ Chester werden schon bald ein Paar. Fiona hat zu Beginn der viktorianischen Urban Fantasy Buchreihe mit so manchen Unsicherheiten zu kämpfen, obwohl sie einiges an Fähigkeiten hat. Nica ist selbstbewusster und ähnlich wie Gemma Hawthorne liebt sie ihren Beruf, die Kunstmalerei.

„Orangen und Schokolade“
Sarah ist Plus-Size Trägerin, backt für ihr Leben gern und bloggt darüber, außerdem ist sie Genießerin aus Überzeugung. Letzteres ist gar nicht so einfach heutzutage, denn Gesundheit ist für manche fast schon zur Religion geworden. Anstatt wie viele Frauen permanent mit ihrem Gewicht zu hadern, ist sie eine Verfechterin von Body Positivity.