
Die Autorin und Podcasterin Sunita Sukhana hat mich passend zur Spooky Season zum Thema Hexen und Paganismus interviewt. Hier ihr Originalbeitrag auf Instagram.
Und für alle, die Instagram nicht nutzen, hier das Interview im Blog.
(Lesezeit ca. 4 min)
In „Hexen von Hamburg“ geht es um pagane Hexen – was heißt das eigentlich?
Der Begriff „pagan“ leitet sich ab vom Lateinischen „paganus“, was so viel bedeutet wie „Landbewohner“. „Heidnisch“ schildert aus christlicher Sicht den Zustand, nicht einer der monotheistischen Religionen (Islam, Christentum, Judentum) anzugehören. Entsprechend wurden „Heide“ oder „heidnisch“ in früheren Jahrhunderten und Jahrzehnten oft abwertend oder als Schimpfworte verwendet. Daher stammen auch Phrasen wie „eine Heidenangst haben“. Bitte verwendet diese Begriffe nicht abwertend. Die heidnische Community hat sie mittlerweile reclaimed, sie haben also für sie eine neutrale oder positive Bedeutung. Es gibt auch pagane Hexen, aber nicht alle paganen Menschen sind Hexen.
Die Bücher waren nicht, was ich erwartet habe, sondern die Hexen waren viel realistischer als ich von Fantasyliteratur gewöhnt bin. Siehst du die Bücher als fantastisch oder realistisch?
Beides. Ich möchte gern mit dieser Reihe moderne Hexen repräsentieren und wie sie ihre Magie wirken und erleben könnten. Das ist natürlich subtiler als Fantasy-Magie, denn reale Hexen können mit ihrer Magie natürlich keine Naturgesetze aushebeln (z.B. mit Telekinese, Feuerbällen, Teleportation …)
Fantastischer wird es in der Buchreihe, wenn die Hexenfiguren Astralreisen unternehmen und dort auf Geister, Gottheiten oder andere übernatürliche Wesen treffen.
Gibt es wirklich Menschen, die pagane Götter verehren? Was bedeutet das? Kann ich mir das ähnlich vorstellen wie eine Religion?
Zu diesem Thema habe ich einen längeren Blogbeitrag geschrieben:
„Spirituelle Vielfalt: Paganismus – was das ist, was nicht, Vorurteile und noch mehr“
Die Kurzfassung: Ja, es gibt weltweit eine religiöse Minderheit, die pagane Gottheiten verehrt, z.B. aus der ägyptischen, keltischen, nordischen, griechischen, slawischen oder römischen Antike, oder aus anderen Kulturkreisen. Paganismus ist eine Religion, mit vielen verschiedenen Strömungen. Allerdings sind diese, anders als die großen Weltreligionen, nicht zentral organisiert. Es gibt keinen Papst wie im Katholizismus, keine großen Gemeinden etc. Stattdessen gibt es kleinere Gruppen, Vereine oder auch einzeln oder im kleinen Familien-/Freundeskreis Praktizierende.
Hast du selbst Bezug zum paganen Hexentum?
Ja, sonst hätte ich wohl gar nicht erst angefangen mit dieser Buchreihe. Ich bin pagane Polytheistin (d.h. ich verehre mehrere pagane Gottheiten) und beschäftige mich mit Hexentum. Ich bin nicht in einer Gruppe, einem Coven (Hexenkreis) oder einem Verein, sondern praktiziere allein.
Im Buch verehrt die Gruppe der Hexen ganz unterschiedliche Gottheiten: die Protagonistinnen aus Teil 1 und 2 z.B. Odin und Aphrodite. Ist es üblich, dass sie trotzdem in einer Gruppe sind, sich austauschen und auch zusammen Magie wirken?
Das kommt ganz drauf an. Es gibt pagane Gruppen, die sich auf einen Pantheon oder eine bestimmte Gottheit fokussieren. Es gibt aber auch eher lose organisierten Communities, in denen die Leute verschiedene Gottheiten verehren. Ich wollte in der Buchreihe gern eine entsprechende Vielfalt abbilden.
Manche der beschriebenen Magie (z.B. Astralreisen und Tarot) kenne ich aus esoterischen Kreisen. Was ist der Unterschied zwischen Esoterik und dem modernen Hexentum in deinen Büchern?
Meine Hexen vertrauen alle auf die Naturwissenschaften und evidenzbasierte Medizin. Das ist in der New Age Esoterik häufig nicht der Fall. Zum Beispiel werden dort teilweise zweifelhafte Heilmethoden angepriesen, die sogar schwere Krankheiten heilen sollen, aber sie sind nicht evidenzbasiert. Das ist gefährlich. Die realen Hexen, die ich kenne, lehnen so etwas ab und wollen mit New Age Esoterik dieser Ausrichtung eher nichts zu tun haben. Es war mir wichtig aufzuzeigen, dass das Hexentum und New Age Esoterik nicht ein und dasselbe sind – beides wird häufig undifferenziert in denselben Topf geworfen. Deshalb sprechen meine Figuren hier und da über dieses Thema.
Diese Woche ist Halloween. Spielt das Fest irgendeine Rolle für pagane Hexen?
Pagane Leute feiern teilweise Samhain, das mit Halloween zusammenfällt, manche Hexen feiern auch beides, also einmal eher weltlich (Halloween) und einmal spirituell (Samhain). Samhain geht zurück auf keltische Traditionen, teilweise geht es heute darin vor allem um ein Gedenken der eigenen Ahn*innen. Je nach Tradition werden Ende Oktober/Anfang November übrigens andere pagane Feste gefeiert.
Zur Buchreihe Hexen in Hamburg