Der Streik der Frauen und FLINTA* am 9. März 2026

Lesezeit: ca. 5 Minuten.

In diesem Blogbeitrag schreibe ich abwechselnd von Frauen und FLINTA*-Personen.
Am Ende des Beitrag findet ihr zahlreiche Fußnoten mit verlinkten Artikeln, Statistiken und einige Erläuterungen.
Inhaltswarnungen: Erwähnung von: häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Femizid

Ich zähle zu den FLINTA* (Fußnote 1) Personen und streike am Montag, den 9. März 2026. Das ist der Tag nach dem feministischen Kampftag, der jedes Jahr am 8. März stattfindet.

Auf dem Papier sind Frauen in Deutschland gleichberechtigt mit (cis) Männern, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Immer noch gibt es den Gender Pay Gap. Und viele FLINTA* arbeiten lange in Teilzeit, um ihren Beruf und die Care-Arbeit für Kinder unter einen Hut zu bekommen. Entsprechend bekommen sie später geringere Renten, Altersarmut droht vielen. Noch stärker benachteiligt sind alleinerziehende Mütter.

Deutschland ist generell kein kinderfreundliches Land und viele Elternteile werden mit ihren Sorgen und Problemen ziemlich allein gelassen. (2) In diesem Zusammenhang weise ich auch auf die Probleme der Hebammen hin, mehr dazu in dem verlinkten Beitrag. (Fußnote 3). Zwar besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber in der Realität sieht es oft anders aus.

Und auch in den Kitas selbst gibt es häufig Probleme, zum Beispiel durch Personalmangel und ungünstige Arbeitsbedingungen. (4)

Frauen, FLINTA* und Mädchen werden immer noch viel zu häufig Opfer von Kindesmissbrauch (5), häuslicher Gewalt (6), Vergewaltigungen und Femiziden (7). Auf der anderen Seite gibt es aber zu wenig Frauenhäuser (8 und 9) und andere schutzbietende Institutionen oder Angebote.

Die Frauenhauskoordinierung schreibt auf ihrer Webseite: „FHK setzt sich seit vielen Jahren für einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt ein. Damit wollen wir erreichen, dass Frauen und ihre Kinder adäquate Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt bekommen.“ (10)

Die Gleichberechtigung mag auf dem Papier stehen, aber in vielen Köpfen ist sie immer noch nicht angekommen, denn noch immer übernehmen viele Frauen in Familien fast die gesamte Care-Arbeit, unbezahlt: sie machen die Hausarbeit, kümmern sich um die Kindern, pflegen ältere oder erkrankte Angehörige.

Und von dem rechten Backlash, der Frauen wieder in einem völlig überholten Rollenbild sehen will (wie in den 1950ern, nach dem Motto der drei K: „Kirche, Küche, Kinder“) und dem „Trad Wives Trend“ fange ich jetzt lieber nicht an, sonst sitzen wir in einer Woche noch hier.

Außerdem ist es so, dass viele Männer sich quasi ihrer Männlichkeit beraubt fühlen, wenn ihre Partnerinnen oder Ehefrauen beruflich erfolgreicher sind als sie. Weil immer noch in den Köpfen das alte Bild vom männlichen Alleinverdiener, der seine Familie ernährt, vorhanden ist.

Darüber hinaus übernehmen viele Frauen und FLINTA* nicht nur den Mental Load, der mit all der unbezahlten Care-Arbeit einhergeht, sondern häufig auch noch Emotionsarbeit (11) für sich selbst und ihre (cis) männlichen Partner, Lebensgefährten oder Ehemänner. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und auch zu Burn Out oder anderen psychischen Erkrankungen führen.

Außerdem sind Frauen und Mädchen im Vergleich zu Männern überproportional sexueller Belästigung ausgesetzt, offline und online. Sie bekommen es mit Hassrede und Trollen zu tun, pornografischen Deepfakes oder anderen Formen von sexueller Belästigung. Und auch hiermit werden die Betroffenen größtenteils allein gelassen, denn die aktuellen Gesetze in Deutschland bieten zu wenig Schutz vor all dem. (12)

Last but not least: Marginalisierte und mehrfach marginalisierte Frauen und FLINTA* haben es noch schwerer, da sie meistens in ihrem Alltag mehrfachen Belastungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind: Behinderte, chronisch Kranke, Queers, Women of Colour, Frauen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete, Neurodivergente, von Armut betroffene oder FLINTA* mit noch anderen Marginalisierungen. Deshalb muss ein Frauen* Streik immer intersektional gedacht werden und berücksichtigen, dass unterschiedliche Frauen und FLINTA* aufgrund ihrer Lebenssituation und ihren Voraussetzungen ganz verschiedene Erfahrungen mit Diskrimierungen, Gewalt und menschenverachtenden -ismen (z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus) machen.

Um es mal überspitzt zu formulieren: Mädchen, Frauen und FLINTA* haben in Deutschland keine Lobby, obwohl sie rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung bilden. Entsprechend werden ihre Bedürfnisse immer wieder übergangen, als „nicht wichtig“ betrachtet, und manche Leute glauben ernsthaft, Feminismus sei nun überholt, weil wir ja alle gleichberechtigt seien.

Es gibt also noch viel zu tun – insbesondere auch angesichts des rechten Backlashs weltweit, der bereits erreichte Rechte und gesellschaftliche Errungenschaften von Frauen und FLINTA* wieder zurückdrehen will. Man denke nur an die Gesetze zur Abtreibung in den USA (13).

Und um auf all das aufmerksam zu machen, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben und streike am 9. März 2026.
Ich arbeite nicht, ich gehe nicht einkaufen, ich mache keine Care-Arbeit. Ich würde mich einer entsprechenden Demo anschließen, aber aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht gut an Demonstrationen teilnehmen.

Und wer nun denkt, so ein Streiktag würde doch gar nichts bringen, den lade ich ein, sich den historischen Frauenstreik in Island von 1975 (14) einmal genauer anzuschauen, der tatsächlich politische Veränderungen bewirkt hat. Und es war bei weitem nicht der einzige Generalstreik dieser Art, bereits davor und auch danach hat es in vielen Ländern vergleichbare Streiks gegeben, auch einen FrauenStreikTag in Deutschland. (15)

Es ist so, wie Hannah Arendt gesagt hat: „Dort, wo Frauen streiken, wird deutlich, dass Politik nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern überall, wo Menschen ihren Konsens zurückziehen.“

Mehr zu diesem Streik und entsprechenden Veranstaltungen in Deutschland erfahrt ihr hier, die Webseite ist in Deutsch und Englisch gehalten:
https://enoughgenug.org/

Lesenswert:
Wenn ihr auf Instagram seid, kann ich das Profil „Rising Gaze“ empfehlen, z.B. diese Beiträge: „6 Argumente gegen Feminismus – und wie du sie entkräften kannst“
https://www.instagram.com/p/DTBgACJCB8Q/

„Spaniens Masterplan gegen Femizide zeigt, dass man so einiges tun kann, wenn man es will“
https://www.instagram.com/p/DS-3zFiCAPz/

„Wie Männer unter dem Patriarchat leiden – Starre Geschlechterrollen sind für niemanden gut – auch nicht für diejenigen, die scheinbar davon profitieren“

https://www.instagram.com/p/DPru2FFCIXn

Weitere Folgeempfehlungen:

Töchter Kollektiv – intersektional-feministische Bewegung
https://www.instagram.com/toechter.kollektiv

englischsprachig: „Feminist – The global hub for intersectional feminism today.“
https://www.instagram.com/feminist


Fußnoten:
(1) FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Menschen. Der Genderstern steht außerdem für weitere Gender-Identitäten, die nicht cis männlich sind.

(2) https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/politik/kinderfreundlich-elterngeld-mdrfragt-umfrage-100.html

(3) https://www1.wdr.de/nachrichten/hebamme-hebammenhilfevertrag-studie-100.html

(4) https://www.kita.de/wissen/kinderbetreuung-rechtsanspruch/

(5) https://beauftragte-missbrauch.de/themen/definition/zahlen-zu-sexuellem-kindesmissbrauch-in-deutschland

(6) https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_HaeuslicheGewalt2024.html

(7) https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/femizide-deutschland-100.html

(8) https://www.frauenhaus-suche.de/

(9) https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/fhk-bewohner-innenstatistik/

(10) https://www.frauenhauskoordinierung.de/arbeitsfelder/rechtsanspruch-auf-schutz

(11) Emotionsarbeit bedeutet, dass man die eigenen Emotionen, aber auch die einer Partnerperson quasi managt, zum Beispiel, um den „lieben Frieden“ in einer Beziehung zu wahren und Konflikte (oder gar Gewalt) zu vermeiden. Emotionsarbeit findet darüber hinaus auch in beruflichen Kontexten statt. Mehr Informationen darüber z.B. hier auf Englisch:
https://en.wikipedia.org/wiki/Emotional_labor

(12) siehe zum Beispiel: https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/556843/strafrecht-und-regulierung-von-deepfake-pornografie/

(13) https://www.npr.org/2022/06/24/1102305878/supreme-court-abortion-roe-v-wade-decision-overturn

(14) https://en.wikipedia.org/wiki/1975_Icelandic_women%27s_strike und

(15) siehe z.B. https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/themen/wenn-wir-streiken-steht-die-welt-still-der-8-maerz-und-der-internationale-feministische

Buch-Aktivismus

Sunita Sukhana hat vier Fragen:

  1. Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram?
    2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
    3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
    4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Was ist der Fokus eures Aktivismus?

Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)

Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?

Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.

Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?

Lesende:
Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.

Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.

Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.

Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.

Autor*innen:
Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.

„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.

Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).


Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Victoria Linnea, Nora Bendzko und Noah Stoffers bieten regelmäßig Workshops für Autor*innen an, die sich mit Diversität befassen. https://www.victorialinnea.de/seminare-workshops

Auch Lena Richter bietet regelmäßig Workshops an:

Empfehlen kann ich auch das halbjährlich erscheinende Phantastik-Magazin „Queer*Welten“, das im Amrûn Verlag erscheint: https://amrun-verlag.de/cat/verlagsbuchhandlung/lgbt/

Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.

Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.

Fußnoten:
1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“

2) „Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?“

3)„Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“
https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/

4) Alternativen zu KI generierten Bildern (Beitrag in Deutsch und Englisch):

Wie das Patriarchat Frauen und FLINTA* Personen kontrolliert

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Rahmen meiner Aktion #DiversityDienstag mache ich mir heute mal Gedanken über das Patriarchat. Ich verwende in diesem Blogbeitrag sowohl die Begriffe Frauen wie FLINTA*.

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie das Patriarchat nicht-cis-männliche Menschen kontrolliert, hier geht es um einige Aspekte, die manchen vielleicht gar nicht so bewusst sind.

Kürzlich sah ich auf Instagram ein interessantes kurzes Reel von Andela Alexa, im Moment Magazin: „Kontrolle durch Dünnheitsideale“
https://www.instagram.com/p/DRtcL5HCJKB/
Andela sagte darin unter anderem, das Patriarchat liebe müde Frauen. Frauen, die beständig hungern – um abzunehmen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Auf diese Weise übt das Patriarchat Kontrolle aus, denn wer ständig hungrig und/oder müde sei, habe keine Kraft sich zu solidarisieren, keine Energie für Aktivismus.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich schließe hier einige Gedanken an.

Das Patriarchat hat schon immer Mittel und Wege gefunden, Frauen (oder afab Personen bzw. FLINTA* Personen) zu kontrollieren.

Ich habe mich durch meine schriftstellerische Tätigkeit und aus Interesse viel mit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Und damals wurden Frauen massivst kontrolliert. Sie mussten die Etikette ihrer Klasse beherrschen. In einigen höheren Klassen der Gesellschaft mussten sie sich mehrmals täglich umziehen, je nach Anlass, und das war zeitaufwändig. Sie mussten sich buchstäblich in enge Korsetts quetschen und trugen ausladende Reifröcke oder später Tournüren-Gestelle, die teilweise bei Bewegungen sehr hinderlich waren. Sie mussten im Damensattel reiten.

Heutzutage gibt es High Heels. Diese sexualisieren gewissermaßen den Gang einer Frau, da Bewegungen damit die Kurven des Körpers stärker betonen. Allerdings sind High Heels eine wacklige Angelegenheit, Jogging wäre damit kaum möglich. Wegrennen bei Gefahr wohl eher auch nicht. Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an die Reifröcke und andere Gestelle aus dem 19. Jahrhundert, die auch die Bewegungsfähigkeit einschränkten.

Frauen wurden gezwungen, unbezahlte Care-Arbeit zu machen, nach dem Motto der drei K – Kinder, Küche, Kirche. Später, als Ehen eher auf Liebesbeziehungen als auf gesellschaftlichen Arrangements basierten, wurde den Frauen diese Care-Arbeit vom Patriarchat als romantische Erfüllung verkauft. Und, da erzähle ich euch nichts Neues, es gibt rechtskonservative und rechtsextreme Menschen, die Frauen wieder vor allem dort, bei diesen drei K, sehen wollen.

Um das Schönheitsideal „schlank sein“ hat sich eine ganze Industrie gebildet, inklusive der Wellness- und Fitnessbranche. Beim Abnehmen geht es nicht immer um gesundheitliche Aspekte, denn leichtes Übergewicht ist meistens gesundheitlich unbedenklich. Viele Frauen, die abnehmen wollen, sind vor allem um ihr Aussehen besorgt. Tagtäglich sind FLINTA* also mit ihrem Aussehen beschäftigt, kaufen Produkte, quälen sich durch Fitnessprogramme etc. Und von Schönheitsoperationen fange ich jetzt gar nicht erst an.

Ein weiteres Schönheitsideal, das Andela Alexa ebenfalls anspricht, ist eine Verkindlichung der Frau. Ein Beispiel dafür: Abgesehen vom Kopfhaar und den Augenbrauen soll der Körper nach diesem Ideal haarlos sein, wie bei einem Kind. Was auch wieder viel Arbeit macht, durch Rasieren, Zupfen, Epilieren, Wachs … Auch dahinter vermute ich den Gedanken, dass ein kindlicher Mensch (bzw. ein Mensch, der so aussieht), leichter zu kontrollieren sei als eine erwachsene Frau. Entsprechend werden Frauen gern „klein“ gemacht.

Langes Haar, das bei vielen Frauen immer noch als Nonplusultra gilt, ist auch so ein Thema für sich. Langes Haar täglich zu stylen, das kann sehr zeitaufwändig sein.

Und wer nicht ohne Make-up das Haus verlässt, weil Schönheitsideale einreden, ohne Make-up sehe man hässlich aus, der schminkt sich dann natürlich täglich, und auch das kostet Zeit.

Apropos Schönheitsideale: Es gibt einen wachsenden Trend, dass selbst Frauen, die so um die 30 oder noch jünger sind, Schönheitsoperationen machen lassen. Das gilt natürlich vor allem für Celebritys, aber dieser Trend hat für einige andere Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen, eine (zweifelhafte) Vorbildfunktion. Früher war das eher etwas, das einige ältere Frauen machen ließen, aber neuerdings sind solche Prozeduren der neue Schönheitsstandard. Dazu hat z.B. Bryony Claire ein Video gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=U1e0DFYpegQ

Auch die konstante Beschäftigung mit den ständig wechselnden Moden (oder auch Fast Fashion) kann sehr viel Zeit, Energie und Geld kosten. Stattdessen könnten FLINTA* einen eher zeitlosen Look für sich claimen, so dass sie weniger abhängig von diesen ständigen Wechseln sind.

Ich denke, es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was es so alles an gesellschaftlichen Erwartungen an FLINTA*s gibt und wie sie das eigene Leben beeinflussen – vor allem jene, die entweder sehr zeitaufwändig sind, also viel Aufmerksamkeit und Energie binden. Und auch jene, die für Hindernisse im Alltag sorgen, z.B. weil sie Bewegungen einschränken (wie die High Heels).

Wenn ihr wirklich Freude habt an Looks, Styles, Outfits etc, wenn ihr das als kreativen Selbstausdruck erlebt, vielleicht auch als persönliches Empowerment, oder wenn das beruflich für euch eine wichtige Rolle spielt – go for it.

Aber wenn ihr all das eher als lästige Pflicht erlebt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Gesellschaft dies von euch erwartet … dann stellt euch doch mal vor, ihr steigt einfach aus, aus diesem patriarchalen Programm der Kontrolle, getarnt als Schönheitsideal, Wellness, Fitness, Romantik, Mode und und und. Wieviel Zeit und Energie hättet ihr dann für andere Aktivitäten?

Weiteres
In diesem Sinne auch interessant zu lesen: „Auf der Suche nach dem Glow“ von Linda Rachel Sabiers: https://editionf.com/kopf-koerper/auf-der-suche-nach-dem-glow/

In diesem Zusammenhang fand ich auch dieses Video von Marie Joan interessant:
„DIE NEUE SKINNY ERA – von Bodypositivity zu Knochen ?!“
https://www.youtube.com/watch?v=_CuwoshXf40