Tipps für Nachwuchsautor*innen, für den Einstieg

Lesedauer, ohne die verlinkten Texte: ca. 6 Minuten.

Du bist gerade dabei, dein erstes Buch zu schreiben, oder eine Kurzgeschichte für eine Verlagsausschreibung? Dann sind diese Tipps für dich.

Kurz zu mir: Ich habe seit 11 Jahren Erfahrung mit dem Veröffentlichungen von Romanen, Novellen und Kurzgeschichten – teilweise im Selfpublishing, teilweise bei Kleinverlagen. Seit 2024 mache ich außerdem regelmäßig Lektorate, vor allem für einen Kleinverlag, sowie für Selfpublisher*innen.

Großverlag
Du möchtest deinen Roman am liebsten in einem großen Publikumsverlag unterbringen? Dann wirst du um eine Literaturagentur für die Vermittlung nicht herumkommen

Hier findest du eine entsprechende Liste und weitere Informationen:

https://text-manufaktur.de/service/liste-deutschsprachiger-literaturagenturen

Kleinverlag
Du möchtest dich mit deinem Manuskript bei einem Kleinverlag bewerben? Das kannst du direkt machen – ohne eine Literaturagentur -, sofern der Verlag aktuell Manuskripte annimmt. Entsprechende Infos findest du auf der Webseite des Verlags oder in dessen Social Media. Halte dich genau an die Vorgaben, wie ein Manuskript und Exposé aussehen sollte und wie sie eingereicht werden sollen.

Hier habe ich eine Liste mit deutschsprachigen Kleinverlagen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die Genres und Webseiten sind mit aufgelistet.
https://yopad.eu/p/deutschsprachige_Kleinverlage-365days

Ich empfehle auch diesen Blogbeitrag von mir:„Tipps für Autor*innen: Wenn ihr ein Manuskript bei einem Verlag einreichen wollt…“

Druckkostenzuschussverlage? Lieber nicht.
Mehr dazu hier:
https://amalia-zeichnerin.net/druckkostenzuschussverlage-und-andere-methoden-autorinnen-zur-kasse-zu-bitten/

Selfpublishing

Du hast dich für Selfpublishing entschieden? Dann musst du vieles selbst machen.

Hier gibt es von mir einen kostenlosen Ratgeber als PDF mit vielen Tipps.
https://amalia-zeichnerin.net/gratis-texte/

Eine Fundgrube an Informationen, Themen rund ums Selfpublishing und Tipps bietet die Selfpublisherbibel von Matthias Matting: https://www.selfpublisherbibel.de/

Ein Buchportal speziell für Selfpublishing-Bücher, das auf Spendenbasis arbeitet und kostenlos nutzbar ist, ist https://www.indiependables.com/.

Das Besondere daran? Hier können Autor*innen zahlreiche Infos und Metadaten zu ihren Büchern eintragen und Leser*innen können anhand vieler Suchkriterien sehr gezielt nach dem gewünschten Lesestoff suchen (nicht nur Genres und Subgenres, sondern auch Themen, romantische Beziehungen oder auch nicht, Tropes, Diversitätsthemen, Spice oder kein Spice, Hörbücher und vieles mehr)

Exposé

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen an ein Exposé. Besonders gut finde ich die Tipps der Autorin Sandra Florean zu diesem Thema: https://sandraflorean-autorin.blogspot.com/2014/03/das-expose-so-hab-ich-es-gemacht.html

Normseiten

Hier wird erklärt was das ist und es gibt kostenlose Vorlagen zum Download, für Word, LibreOffice, Pages und alle Textverarbeitungen:

https://www.literaturcafe.de/normseite-dokumentvorlage-download

Generative KI (abgekürzt meistens gen. KI)

Mit gen. KI können ganze Texte, Bilder, Videos und Musik erstellt werden, oft in kürzester Zeit. In buchigen Diskursen ist der Einsatz von gen. KI sehr umstritten. Einige Autor*innen lehnen diese strikt ab für ihre Texte, haben aber keine Probleme damit, Social-Media-Beiträge, Charakterkarten oder auch Buchcover mit gen KI zu erstellen. Meine Meinung dazu: Das ist gegenüber Illustrator*innen und Buchcoverdesigner*innen, die ohne KI arbeiten, nicht fair. Übrigens: Viele Leser*innen lehnen KI-generiertes Material (Buchcover, Texte, Charakterillustrationen, auch KI-generierte Social-Media-Beiträge) so sehr ab, dass sie keine entsprechenden Bücher kaufen würden.
Auch von daher kann ich nur dazu raten: Verwendet lieber keine gen. KI für euer Buchmarketing.

Zwei Blogbeiträge von mir zum Thema:

„No to AI: Warum KI nichts der Kunst verloren haben sollte“

„Alternativen zu KI generierten Bildern“

Buchmarketing

Als Autor*in kommst du nicht darum herum, dein Buch auch selbst zu bewerben. Falls du Verlagsautor*in wirst, macht zwar dein Verlag etwas Werbung für dein Buch, aber auch du wirst das machen müssen.

Und da kommen Social Media ins Spiel. Bau dir eine Community auf. Ja, das ist langwierig und kann mühsam sein, aber du wirst auf diese Weise andere Autor*innen, Buchbloggende und Leute finden, die deine Bücher lesen möchten, und kannst dich mit ihnen vernetzen und austauschen. Weitere Tipps zum Buchmarketing findest du in meinem gratis Ratgeber oder in der Selfpublisherbibel.

Bestseller und Verfilmungen?

Neulich las ich auf Reddit einen Post von einer Person mit einem Debütroman. Sie wollte diesen nicht nur in einem Großverlag unterbringen, sondern auch gern verfilmt haben. Mehrere Leute kommentierten daraufhin, dass es in der Regel nur Bestseller schaffen, überhaupt verfilmt zu werden. Aber auch ein Bestseller bietet keine Garantie auf eine Verfilmung. Solltest du davon träumen, mit deinem Debütroman, einen Bestseller zu landen, der außerdem verfilmt wird, muss ich dich enttäuschen. Die wenigsten Autor*innen im deutschsprachigen Raum schaffen es, einen Bestseller zu veröffentlichen – vor allem ist das schwer, wenn es ihr Debüt ist, aber nicht nur dann.

Und die, die den großen Durchbruch schaffen? Da spielt nicht nur das schriftstellerische Talent eine Rolle, sondern auch die Vermarktbarkeit und die Marke der jeweiligen Autor*innen. Kaum zu glauben? Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder Bestseller beobachtet (z.B. in den Genres Thriller, Romantasy und Dark Romance), die vielfach aufgrund ihrer schlechten literarischen Qualität kritisiert wurden.

Followerzahlen

Mittlerweile ist es auch so, dass zumindest einige Verlage danach gehen, wie viele Follower Autor*innen (bereits vor einer Veröffentlichung) in Social Media haben. Das ist kein Scherz. Teilweise bekommen auch z.B. Influencer*innen und Buchblogger*innen oder Prominente, die sehr viele Follower haben, die Chance, ein Buch zu schreiben und zu veröffentlichen.
Auch hier geht es natürlich wieder um die Vermarktung des Buches und die Annahme: Viele Follower, viele Käufer*innen. Dass das so nicht einfach aufgeht, zeigt z.B. dieses Audiovideo:
„Instagram und Autoren – Schluss mit dem Stress“ von Isa Nanoadmin:
https://www.youtube.com/watch?v=UHn23higV1M

Tropes

Tropes und Tags, um die Inhalte von Geschichten näher zu beschreiben, stammen ursprünglich aus dem Fanfiction-Bereich, mittlerweile sind sie in der Buchbubble überpräsent. Ich habe sogar Ausschreibungen von Verlagen gesehen, in denen Romane bestimmte Tropes haben sollten. Einige lieben Tropes, andere hassen sie, weil sie sich dadurch in ihrer Kreativität eingeschränkt fühlen. Fakt ist aber auch, dass viele Leser*innen gezielt nach ihren Lieblingstropes suchen. Schau am besten für dich, welchen Umgang du damit finden möchtest.

Inhaltswarnungen

Zu diesem Thema habe ich hier einen Blogbeitrag:
https://amalia-zeichnerin.net/triggerwarnungen-in-der-literatur/

Sensitivity Reading

Auch zu diesem Thema habe ich einen Blogbeitrag:

Social Media

Für die deutschsprachige Buchbubble sind vor allem diese Social Media relevant: Instagram, (#Bookstagram), TikTok (#BookTok), Threads, Bluesky, Facebook. Weniger los in Sachen Buchbubble ist im Fediverse/auf Mastodon, auf YouTube und auf Tumblr, aber auch dort sind natürlich Lesefans, Buchbloggende und Autor*innen.

Meine Empfehlung: Du musst nicht sämtliche dieser Social Media bedienen, egal wie sehr das empfohlen wird. Finde einige, die für dich besonders gut passen und wo du dich im Großen und Ganzen wohlfühlst. Und dann konzentriere dich auf diese.

Testleser*innen

Es gibt Leute, die ernsthaft behaupten, sie bräuchten keine Testleser*innen. Das halte ich für sehr unklug. Testlesende können dir einen wertvollen ersten Eindruck zu deiner Geschichte, deinem Buch schildern und sie können dich auch auf grobe Fehler hinweisen. Du kannst auch einen Fragebogen für deine Testlesenden entwerfen.

Hier einige Beispiele für entsprechende Fragen:
Sind Räumlichkeiten/Orte, Gefühle/Empfindungen, Gedankengänge anschaulich genug beschrieben?
Gibt es irgendwo Logikfehler oder Plotlücken?
Sind die Handlungen der Charaktere nachvollziehbar (selbst wenn du vielleicht in der Situation anders handeln würdest?)

Was Testlesende in der Regel nicht leisten: Korrekturen von Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehlern. Testlesende können außerdem kein Lektorat ersetzen.

Testlesen ist in der Regel kostenlos. Einige Autor*innen senden als Dankeschön Goodies, ein signiertes Printexemplar oder etwas anderes, am besten nach Vereinbarung.

Testleser*innen kannst du in deinem Umfeld, in Social Media oder in passenden Gruppen findet, auf Reddit z.B. im Subreddit https://www.reddit.com/r/schreiben/

Weiteres

In meinem Blog findest du mehrere Schreibtipps, hier:
https://amalia-zeichnerin.net/category/schreibtipps/

„Kleines Lexikon für Newbie-Autor*innen und alle, die es werden wollen“

„Warnhinweise und weitere Tipps für Autor*innen“

„Tipp für Autor*innen: Lest keine 1-Sterne-Rezensionen über eure Bücher“

Eine Liste mit Dienstleistenden rund ums Buch findest du hier:
https://amalia-zeichnerin.net/empfehlungen-fuer-buchcoverdesign-lektorat-sensitivity-reading/

Buchblogger*innen gesucht

Hast du grundsätzlich Interesse an Rezensionenexemplaren (als E-Book)?
Oder stellst du auch hin und wieder Bücher in deinem Blog vor, die du nicht selbst gelesen hast, aber vom Thema her interessant findest? Vielleicht findest du ein für dich passendes Buch bei mir.

Bei mir gibt es …

Ich biete Rezensionsexemplare als E-Book für alle meine Veröffentlichungen an, bis auf die Reihe „viktorianische Krimis mit Mrs und Mr Fox“.

Ich vergebe keine Frist, bis wann das Buch gelesen werden muss, aber es wäre schön, wenn ich nicht 6 Monate oder so warten muss. Bitte melde dich entsprechend nur, wenn du das Buch innerhalb eines halben Jahres lesen und rezensieren kannst.

Mein längstes Buch ist übrigens nur 362 Seiten lang, die meisten haben so um die 250 Seiten, oder etwas weniger oder etwas mehr. Es sind also keine langen Wälzer.

Bzw. falls du eines meiner Bücher vorstellen magst, sende ich dir gern entsprechende Bilder vom Buchcover, Klappentext und was im Buch enthalten ist als Stichworte.

Meine Veröffentlichungen findest du hier. Sie sind auf meiner Webseite nach Genres sortiert und dort gibt es auch jeweils Leseproben bei den Büchern und eine Übersichtsseite mit Inhaltswarnungen.

Wenn du Fragen oder Interesse hast, schreib mir gern eine E-Mail an amaliazeichnerin(at)gmx.de

Es ist mir übrigens egal, wie viele Follower du hast oder wie viele Leute deinen Blog regelmäßig lesen. Ich würde mich einfach über eine Zusammenarbeit mit Buchblogger*innen freuen.

Mein einziges No-Go: Ich lehne gen. KI in der Kunst ab. Wenn du in deinem Buchblog Bilder oder Videos, Musik etc. mit gen. KI verwendest, oder deine Text mit gen. KI schreibst, dann schreibe mich bitte nicht an.

Bestellaktion

Foto: Thought Catalogue, Unsplash

Ich bin auch in diesem Jahr nicht auf Messen oder Cons mit einem Stand. Ich lebe mit Existenzminimum und kann mir es nicht leisten, auf gut Glück Bücher für eine Veranstaltung drucken zu lassen, ohne zu wissen, ob sie alle verkauft werden. Darüber hinaus bin ich Risikopatient*in, was Covid betrifft und vermeide Großveranstaltungen.

Deshalb freue ich mich um so mehr, wenn Leute bei mir Taschenbücher bestellen, die ich gern signiere und dazu gibt es dann auch einige Goodies.

Also mache ich nun eine allgemeine Bestellaktion:
Sucht euch bei Interesse ein Buch von mir (oder auch mehrere) aus.
Meine Veröffentlichungen gibt es hier, nach Genres sortiert und mit
Leseproben: https://amalia-zeichnerin.net/veroeffentlichungen/
Viel Spaß beim Stöbern.

Das gewünschte Buch bestelle ich dann für euch, signiere es auf Wunsch und obendrauf gibt es wie gesagt noch einige Goodies, z.B. Sticker und Tee. Ihr bekommt das Buch als Warensendung per Post, mit einer Rechnung. Bitte erst nach Erhalt der Sendung zahlen, das ist mit Paypal oder Banküberweisung möglich.

Versandkosten:
Bei einem einzelnen Buch kostet der Versand 2,70 € (Porto für eine Warensendung),
bei mehreren Bücher versende ich ein DHL-Päckchen oder Paket (Preis für die Versandkosten auf Nachfrage).

Bitte schreibt mir eine E-Mail an amaliazeichnerin(at)gmx.de mit dem gewünschten
Buch, eurer Postadresse für den Versand und einer Angabe, ob ihr eine Signierung
haben möchtet oder nicht (und falls ja, mit welchem Namen von euch oder einer anderen Person, falls ihr das Buch verschenken möchtet).
Alternativ könnt ihr mir auch eine Nachricht in Social Media schreiben, hier im Linktree sind meine Profile zu finden.

Ein paar Gedanken über Kunst und Politik

Lesezeit: ca. 3 Minuten
Manchmal frage ich mich, warum bin ich eigentlich in der Unterhaltungsbranche? Warum mache ich nicht was Sinnvolleres? Angesichts der vielen Krisen? Klimakrise. Regierungskrise. Kriege und noch so vieles mehr, das ich täglich im Doomscrolling sehe. Und das hat mich ins Grübeln gebracht. Es heißt ja immer, man soll sich engagieren. Aber ich persönlich habe aus gesundheitlichen Gründen nicht die Löffel dafür, zu demonstrieren, in eine Partei einzutreten, ein Ehrenamt zu bestreiten oder oder oder. Seit der Pandemie meide ich auch jegliche Großveranstaltung und schlage 365 Tage im Jahr mit FFP2-Maske überall in Innenräumen auf. So ist das Leben als Risikopatientin.

Stattdessen mache ich das, was manchmal abfällig als Sessel-Aktivismus (englisch: armchair activism) bezeichnet wird. Ich unterschreibe fast täglich Petitionen oder Appelle und teile diese oft. Für den Umweltschutz. Fürs Klima. Gegen die AfD. Und noch vieles mehr, auch hier, bei den Petitionen für den Bundestag:
https://epetitionen.bundestag.de/epet/startseite.html
Ich schreibe gelegentlich Abgeordnete an, bei https://www.abgeordnetenwatch.de/

Was die Literatur betrifft … Menschen haben sich schon immer Geschichten erzählt. Der Schauspieler Alan Rickman hat einmal gesagt: „Es ist ein menschliches Bedürfnis, Geschichten erzählt zu bekommen. Je mehr wir von Idioten regiert werden und keine Kontrolle über unser Schicksal haben, desto mehr müssen wir uns Geschichten darüber erzählen, wer wir sind, warum wir sind, woher wir kommen, und was möglich sein könnte.“

Wir brauchen Geschichten. Über uns selbst. Über andere. Über die menschliche Existenz. Geschichten erzählen, das ist wie so vieles andere politisch, denn es bildet ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ab, sogar in der Phantastik (1). Bzw. viele Geschichten halten unserer Gesellschaft einen kritischen Spiegel vor.

Und wir brauchen auch all die anderen Kunstrichtungen. Kunst ist etwas, dass das Leben reflektiert. Für viele Menschen ist Kunst auch etwas, womit ihr Leben erträglicher wird. Deshalb schreibe ich mittlerweile größtenteils Wohlfühl-Eskapismus – wholesome und cozy. Zur Entspannung und zum Abschalten vom Alltag. Denn die Realität ist hart genug.

Aber natürlich gibt es auch ganz andere Belletristik, die den Finger in die Wunde legt und zeigt, wo es weh tut. Die auf schmerzhafte Weise aufzeigt, was alles schief läuft in unserer Welt. Oder wie Kafka es ausgedrückt hat: „„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“

Aus meiner Sicht ist beides wichtig: Kunst zum Entspannen und Kunst, die aufrüttelt.

In der Maslowschen Bedürfnispyramide steht Kunst vielleicht nicht unten an der Basis bei den Grundbedürfnissen, aber sie ist auf jeden Fall ein wichtiger Teil der Kultur. Sie ist mit Sicherheit bei den Individualbedürfnissen zu finden und kann der Selbstverwirklichung dienen.

T. Thorn Coyle hat einen lesenswerten Essay geschrieben: „Flinging Joy in the Face of Oppression: On Fighting Tyranny at Every Turn“. Darin heißt es am Ende: „To fight tyranny is, to quote Emma Goldman, to insist upon “freedom, the right to self-expression, everybody’s right to beautiful, radiant things.““ – Übersetzung: „Die Tyrannei zu bekämpfen bedeutet, um Emma Goldman zu zitieren, auf Folgendes zu bestehen: Freiheit, das Recht auf Selbstausdruck, das Recht einer jeden Person auf wundervolle, strahlende Dinge.“(2)

In diesem Sinne: Auch in schweren Zeiten haben wir nicht nur das Recht auf Leben und Freiheit, sondern auch auf Kunst. Wir haben ein Recht auf wundervolle, strahlende Dinge. Macht bitte weiter mit eurer Kunst. Wir brauchen sie. Sonst haben wir irgendwann nur noch KI-generierte, seelenlose „Kunst“ (3), die nicht von Menschen, sondern Maschinen erschaffen wurde.

Fußnoten
(1) siehe z.B. diesen Blogbeitrag von Elea Brandt: „Fantastisch politisch“
https://eleabrandt.de/2019/05/06/fantastisch-unpolitisch/

(2) Den gesamten Essay gibt es hier:
https://www.thorncoyle.com/post/flinging-joy-in-the-face-of-oppression

(3) Lesenswert über KI „Kunst“ sind beispielsweise diese beiden Aritkel von Lena Richter:
„Das Problemwort mit K – Auswirkungen generativer KI auf Buchmarkt und Kreativbranche“
Teil 1
https://www.tor-online.de/magazin/science-fiction/das-problemwort-mit-k-auswirkungen-generativer-ki-auf-buchmarkt-und
Teil 2
https://www.tor-online.de/magazin/science-fiction/das-problemwort-mit-k-auswirkungen-generativer-ki-auf-buchmarkt-und-0

Von Trollen, die Rezensionen oder Sterne vergeben – oder warum ehrliche Rezensionen so wichtig sind

Sicherlich habt ihr schon das eine oder andere Mal Aufrufe von Autor*innen gelesen, doch bitte Rezensionen zu schreiben, wenn ihr ein Buch gelesen habt. Das ist unter anderem möglich auf Amazon und auch bei anderen online Shops, wie z.B. Thalia, in Buchportalen wie Lovelybooks und Goodreads, in Bücherforen und natürlich auch im eigenen (Buch-)Blog. Warum sind Rezensionen so wichtig? Kurz gesagt: Auf Amazon werden Bücher mit vielen Rezensionen und Bewertungen häufiger angezeigt, ihr Ranking steigt, zumindest bei einer guten Durchschnittsbewertung. Und natürlich sind Rezensionen auch in anderen Portalen eine gute Orientierungshilfe für andere Lesende.

Auf Amazon und Goodreads kann man auch einfach nur Sterne-Bewertungen abgeben, ohne eine Rezension zu verfassen. Das ist natürlich sehr leserfreundlich, bietet aber leider auch das Potential für Missbrauch. Zur Vergabe einer Stern-Bewertung muss man das betreffende Buch nämlich gar nicht gelesen haben, außerdem kann man das anonym machen (auf Amazon) und ich fürchte, dass einige Leute dies ausnutzen. Ich habe mittlerweile schon mehrfach von Autor*innen gehört, dass sie häufig 1-Sterne-Bewertungen erhalten, ohne eine entsprechende Rezension. Da liegt der Verdacht nah, dass einige Leute gezielt schlechte Bewertungen verteilen, um bestimmten Autor*innen zu schaden. Besonders stark ist dieser Verdacht, wenn solche Bewertungen schon wenige Stunden oder Tage nach dem Erscheinen eines Buches auftauchen. Gerade habe ich wieder von solch einem Fall gehört.

Dem gegenüber stehen dann aber meistens im Laufe der Zeit deutlich bessere Bewertungen. Und genau das ist wichtig, um solche negativen Bewertungen, die nur aus Sternen bestehen und möglicherweise von Trollen vergeben wurden, auszugleichen: ehrliche Rezensionen, die tatsächlich auf das betreffende Buch eingehen. Das muss kein langer Text sein, einige Zeilen würden schon reichen. Denn ansonsten entsteht unter Umständen ein völlig falscher verzerrter Eindruck von einem Buch, weil es von Trollen bewertet worden ist, die es möglicherweise gar nicht gelesen haben.

Ein ähnliches Phänomen gab es übrigens eine Zeitlang im Film-Bereich. So erhielt der Film „Captain Marvel“ beispielsweise schon vor seiner Premiere haufenweise negative Bewertungen, was natürlich keinen Sinn ergab, da die entsprechenden Leute, den Film noch gar nicht gesehen hatten. (1) Einige Portale, darunter z.B. die IMDB (International Movie Data Base), haben mittlerweile ihre Bewertungssysteme so angepasst, dass man Filme und Serien erst nach dem Erscheinen bewerten kann.

Überlassen wir also den Trollen nicht das Feld, denn deren Beurteilungen würden wie gesagt die Bewertungen verzerren. Dazu ein Zitat aus dem 2019 erschienenen Artikel „Was sind Sterne-Bewertungen bei Büchern heute wert?“ von Stephanie Vonwiller: „Laut dem Institut für Demoskopie Allensbach (AWA) geben nur zehn Prozent der Internetnutzer ihre Meinung ab. Tendenz seit Jahren gleichbleibend. Diese werden von der Branche »Meinungsführer« genannt. Dagegen orientieren sich vor dem Kauf tendenziell immer mehr Menschen an den Bewertungen.“ (2)

Deshalb auch von mir der Aufruf: Wenn ihr Autor*innen unterstützen möchtet, sodass ihre Bücher auf Amazon und Co. mehr Reichweite oder ein besseres Ranking erhalten, schreibt bitte eine ehrliche Rezension. Oder wenn euch das aus Zeitmangel oder anderen Gründen nicht möglich ist, vergebt eine Sterne-Bewertung.

Fußnoten
(1) siehe z.B. diesen Artikel:
https://www.spiegel.de/netzwelt/web/imdb-metacritic-rotten-tomatoes-wie-filmbewertungsportale-funktionieren-a-1301967.html

(2) https://ruprechtfrieling.de/was-sind-sterne-bewertungen-wert/

Diversität und Repräsentation in der Literatur

Lesezeit: ca. 5 Minuten
In der deutschsprachigen Phantastikszene verfolge ich seit längerem Diskussionen über Diversität und Repräsentation. Auch in anderen Genres wird das inzwischen diskutiert.

Zunächst einmal: Was ist Diversität?
Sie ist ein Spiegel unserer vielfältigen, multikulturellen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der auch Minderheiten und marginalisierte Gruppen leben: Menschen mit Migrationshintergrund. Menschen mit Behinderungen. Queere Menschen (LGBTQ+). Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen. Menschen mit Neurodiversität**. Menschen mit Körperformen, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Menschen, die alternative Beziehungsformen leben, z.B. Polyamorie oder Patchworkfamilien. Diversität ermöglicht auch solchen Menschen eine Stimme zu leihen, sie zu repräsentieren – als Protagonist*innen oder Nebenfiguren. Das ist letztlich eine Form der Inklusion, auch in der Phantastikliteratur.

@DieKatzenhai schrieb vor einiger Zeit auf Twitter (heute X):
Wer ein rein weißes, dya, allo, cishet Cast schreibt, kann einfach nicht gut schreiben. Diversität *ist* Realismus.

Wer sich angesichts der Abkürzungen fragt, was das bedeutet:
dya = Das Geschlecht eines Menschen ist klar, entweder weiblich oder männlich – das Gegenteil zu intersexuellen Menschen
allo(sexuell) = Das Gegenteil zu asexuell
cis(gender) = Das Gegenteil zu transgender; cisgender Menschen sind das Gender, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde
het(erosexuell) = das Gegenteil zu queer
Dazu muss ich sagen, dass diese Genderidentitäten und sexuellen Orientierungen
sich meistens auf einem Spektrum bewegen, von daher ist „Gegenteil“ nicht immer ganz richtig, aber ich habe es hier so genannt, um es einfacher zu halten.

Ich würde zwar nicht unbedingt sagen, dass man nicht gut schreiben kann, wenn man nicht auf Diversität achtet. Aber Diversität ist auch aus meiner Sicht Realismus.
In vielen westlichen Ländern bilden weiße, dya/allo/cis/hetero Menschen zwar die Mehrheit der Gesellschaft. Wer aber nur solche Menschen in seinen Texten abbildet, blendet damit viele andere kleinere Gruppen aus, die ebenfalls zu unserer Gesellschaft gehören.

Warum ist Diversität überhaupt wichtig?

Menschen, die keiner Minderheit angehören, sind in gewisser Weise privilegiert. Marginalisierte Menschen machen in ihrem Leben oft negative Erfahrungen, z.B. Diskriminierung, fremdenfeindliches Verhalten, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Antisemitismus oder noch andere und zwar verbal oder auch physisch, bis hin zu Gewalttaten. Oftmals hat das noch dazu historische Gründe (z.B. Kolonialismus, Sklaverei, Illegalität von Homosexualität, massivste Menschenrechtsverletzungen im Nationalsozialismus und anderen totalitären Regimen u.a.).

Was hat das nun mit der Literatur zu tun? Belletristik, wie auch Theaterstücke, Comics/Graphic Novels, Filme, Serien und Spiele, also alle Medien, die Geschichten erzählen, ermöglichen Leser*innen, sich mit den handelnden Figuren mehr oder weniger zu identifizieren. Manche Figuren können Mut machen, als Vorbild dienen, andere eher nicht. Manche können Probleme erleben, die auch marginalisierte Menschen im Alltag haben und damit deren Realität widerspiegeln. Sie können in fiktionaler Form zeigen, wie man solche oder auch andere Probleme überwinden kann oder damit umzugehen lernt. Damit zeigen solche Figuren Leser*innen Wege zu einer Art Empowerment (Selbstwirksamkeit, Handlungsfähigkeit).

Wenn in Büchern aber alle Figuren wie oben beschrieben weiß, dya/cis/allo/hetero, und neurotypisch** sind, finden sich Menschen, die das nicht sind, darin nicht wieder. Natürlich können sie die Geschichte trotzdem lesen, aber sie werden sich weniger mit den Figuren identifizieren können, weil diese andere Lebensentwürfe, andere Weltanschauungen oder einen anderen Sozialisationshintergrund als sie selbst haben.

Man könnte auch sagen, wer ausschließlich weiße, dya/cis/allo/hetero, neurotypische** Figuren ohne Behinderungen oder Erkrankungen schreibt, wendet sich damit letztlich im Grunde nur an Leser*innen, die das auch sind. Und das ist zwar die Mehrheit unserer Gesellschaft im deutschsprachigen Raum, aber halt nicht die gesamte.

Ein weiteres Problem: Es gibt unzählige Bücher, die genau so gestaltet sind, es ist die Mehrheit an Publikationen. Bücher, die Diversität thematisieren – und das auf gelungene Weise – die muss man im deutschsprachigen Raum meistens noch immer suchen.

Aber das ist doch alles Fantasie. Das hat doch keinen Einfluss auf das reale Leben”
Auf den ersten Blick mag das stimmen. Allerdings gibt es Studien, die zeigen, dass der Konsum von fiktiven Inhalten sich durchaus auf Menschen, ihre Gedanken und ihr Verhalten auswirken kann.

Siehe: The Psychology of Entertainment Media – Blurring the Lines Between Entertainment and Persuasion
https://numerons.files.wordpress.com/2012/04/14psychology-of-entertainment-media.pdf

Entsprechend wird sich auch eine positive Repräsentation auf die eine oder andere Weise auf Leser*innen auswirken, die sich durch eine Figur repräsentiert sehen.

Ein Beispiel: Falls du eine Frau bist und dir die Superheldinnen-Filme „Captain Marvel“ oder „Wonder Woman“ gut gefallen haben, könnte es teilweise daran liegen, dass du dich hier als Frau durch eine Superheldin als Titelheldin repräsentiert gefühlt hast. Bis zu diesen beiden Filmen waren es fast ausschließlich männliche Superhelden, die auf der Leinwand und in Serien als Titelhelden agierten.

Darf man denn gar nicht mehr frei schreiben, was man will?”

Während in anderen Ländern, z.B. UK und USA mittlerweile größtenteils etabliert ist, dass Diversität wichtig und wünschenswert ist, wird hierzulande noch viel diskutiert, ob das so ist. Ich habe mehrfach die Frage gelesen, ob man denn nun nicht mehr frei schreiben dürfe, was man wolle. Natürlich darf man das. Die Kunst ist frei. (Artikel 5 des Grundgesetzes, hier nachlesbar: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html)

Entsprechend dürfen Autor*innen natürlich auch weiterhin Literatur ganz ohne Diversität schreiben, also mit den oben erwähnten weißen, dya/cis/allo/hetero, neurotypischen Menschen (oder Wesen) als Protagonist*innen und Nebenfiguren.

Man muss allerdings dann damit rechnen, dass manche Leser*innen und Rezensent*innen bei solchen Büchern auf einen Mangel an Diversität hinweisen. Zumal dieses Thema auch in anderen Medien, z.B. Games, Comics/Graphic Novels, Serien und Filmen einen immer größeren Stellenwert gewinnt.

Foto: Sweetlouise, Pixabay

Die Sexualität meiner Figuren interessiert mich nicht.”

Oft höre ich dieses Argument in Bezug auf queere Figuren, oder auch: „Es gibt sowieso keinen Sex in der Geschichte”. Allerdings führt das zu folgendem Problem: Wenn man die sexuelle Identität und Orientierung seiner Figuren nicht einmal ansatzweise andeutet, wird ein Großteil der Leser*innen sie einfach heteronormativ als cisgender/hetero wahrnehmen. Weil das die Mehrheit an Menschen nun einmal ist und weil man es aufgrund diversitätsarmer Literatur gewohnt ist, über solche Figuren zu lesen. Selbst wenn Sex keine Rolle spielt – Figuren sind auf die eine oder andere Weise aufgewachsen, haben ihre Erfahrungen gemacht, hatten eventuell schon mal Sex (oder auch nicht), hatten eine Beziehung (oder auch nicht). Es ist ein Teil ihrer Sozialisation, möglicherweise sogar ein wichtiger. All das prägt sie, auch das Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen und das Zusammenspiel mit dem eigenen oder dem anderen Geschlecht bzw. anderen Geschlechtern. Oft reichen schon wenige Sätze in einem Buch, um zumindest anzudeuten, welche sexuelle Identität und Orientierung eine Figur hat. Übrigens: Queere Figuren müssen in einer Geschichte keinen Sex haben, um queer zu sein.

Aber ich kenne keine marginalisierten Menschen. Wie soll ich dann über sie schreiben?”

Für die meisten Geschichten muss man recherchieren, das gilt auch für den Phantastikbereich. Also warum nicht auch über das Leben von Minderheiten recherchieren? Es gibt Erfahrungsberichte, Biografien, Blogs und vieles mehr, was sich dazu lesen lässt oder auch Dokumentarfilme und Leute bzw. Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen man Fragen stellen kann. Ja, das macht mehr Arbeit und man muss dafür eventuell seine Komfortzone ein Stück weit verlassen – aber es lohnt sich. Außerdem gibt es Sensitivity Reader: Menschen, die selbst zu einer Minderheit gehören und einen Text aus Betroffenensicht beurteilen können. Solche Leser*innen können auf problematische Mikroaggressionen, Klischees und Stereotypen oder andere Probleme hinweisen. Eine hilfreiche Webseite dafür: https://sensitivity-reading.de/


Und damit es keine Missverständnisse gibt: Niemand verlangt, dass Autor*innen in ihren Werken sämtliche marginalisierte Gruppen abbilden, die es gibt. Es müssen auch nicht direkt die Protagonist*innen sein, schließlich können auch Nebenfiguren eine Minderheit repräsentieren.

Und noch etwas: Immer wieder lese ich darüber, dass Klischees, Stereotypen und problematische Tropes im Zusammenhang mit Charakteren verwendet werden, die aus einer marginalisierten Gruppe stammen. Wer sich fragt, was Tropes sind, das sind typische Handlungsmuster, die innerhalb eines Genres, oder auch genreübergreifend häufig in verschiedenen Varianten auftauchen. Hier eine englischsprachige Seite dazu: https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/GenreTropes

Einige Beispiele für problematische Tropes:

  • Die einzige behinderte Figur in einer Geschichte wird ausschließlich über ihr Leid und ihre Behinderung definiert.
  • Die einzige Schwarze Figur ist Mitglied einer üblen Gang, ein Drogendealer oder auf andere Weise kriminell.
  • Die einzige Person of Color (nicht-weiß) dient ausschließlich als „Funny sidekick” für den Protagonisten oder die Protagonistin
  • Die einzige queere Figur stirbt auf dramatische Weise (Trope „Bury your gays”)
  • Die einzige neurodiverse Figur wird nur über ihre „Andersartigkeit” und ihre Probleme mit sozialer Interaktion definiert, oder als einsames, verschrobenes „Wunderkind” dargestellt (z.B. Autismus, Asperger-Syndrom, Hochbegabung)
  • Die einzige schwule Figur ist der beste Freund der Protagonistin. (Trope „Gay best friend”)
  • Eine eigentlich heterosexuelle Figur „wird” für diese eine ganz besondere Person schwul (Trope „Gay for you”) – was eigentlich auch noch zum Problem der Unsichtbarkeit von Bisexualität führt (Trope: „No bisexuals”)

Diversität bedeutet nicht, eine marginalisierte Figur in seine Geschichte einzubauen und diese einfach um des Drama willens leiden zu lassen. Wenn solche Figuren einfach als Plotdevice benutzt werden, um Spannung oder Emotionalität zu erzielen, ist das falsch verstandene Diversität.

Viele marginalisierte Menschen möchten in Büchern auch nicht mit Klischees und Vorurteilen über ihre Gruppe konfrontiert werden, denn das erleben sie ohnehin viel zu häufig in ihrem Alltag, bis hin zu Diskriminierungen, Übergriffigkeit oder Gewalt.
Viele von ihnen wollen dann nicht auch noch Geschichten darüber lesen. Vor allem nicht von Autor*innen, die davon nicht selbst betroffen sind. Deshalb gibt es die „Own Voices”-Bewegung, bei der betroffene Autor*innen über ihre eigene Erfahrungen schreiben oder diese in ihre Bücher einfließen lassen.

Du möchtest diverser schreiben? Hier ein paar Tipps:

  • Schreibe lebensnahe, realistische Figuren, die nicht einfach als Plotdevice dienen und auch nicht nur als (lustiger) Sidekick.
  • Mach sie authentisch und menschlich, gib ihnen eigene Motivationen (eine eigene Agenda) und mehr Eigenschaften als nur das, was sie als Mitglied einer Minderheit kennzeichnet. Definiere sie nicht allein über ihr „Anders-Sein“, denn das ist Othering.
  • Und keine Sorge, natürlich dürfen sie auch Schwächen und Macken haben, das macht sie menschlich.
  • Vermeide aber Klischees und Stereotypen.
  • Sprich mit Leuten, die zu dieser Minderheit gehören oder suche nach Sensitivity Readern


Diversität und Repräsentation in der Literatur stecken im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen.
Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass einige Verlage kaum damit werben, dass ihre Bücher divers sind und auch aus Klappentexten und Leseproben ist das nicht immer ersichtlich.
Deshalb kann ich nur dazu aufrufen: Wenn ihr Rezensionen schreibt oder wenn ihr selbst divers schreibt, und die Möglichkeit dazu habt, weist darauf hin, z.B. im Klappentext oder zumindest in der Buchbeschreibung. Das geht in den meisten Fällen auch ohne Spoiler.

Ich habe übrigens einen Essayband über Diversität in der Literatur veröffentlicht: Diversity in der Literatur

Hier gibt es außerdem eine Liste mit Phantastikbüchern, in denen Diversität und Repräsentation eine wichtige Rolle spielt – die jeweiligen Diversitätsthemen sind bei den Büchern genannt.
https://docs.google.com/document/d/1VQHMAOkYWz-4d-scnGkCd6jyO1FA3m0eabdDRYb6W7Q/

Einige weiterer Text zum Thema:
https://www.tor-online.de/feature/und-der-ganze-rest/2017/04/can-we-talk-ein-plaedoyer-fuer-mehr-diversitaet-in-der-fantastik/

Blogeitrag von mir: Für mehr Diversität im Bücherregal

Blogbeitrag von mir: Sensitivity Reading

Fußnote:
** neurotypisch ist das Gegenstück zu neurodivers. Neurodivergente Menschen können z.B. AD(H)S haben, autistische Züge, Hochsensibilität oder noch etwas anderes haben. Neurodiversität bewegt sich auf einem Spektrum. Neurotypische Menschen haben keine solchen Varianten und bilden die Mehrheit der Gesellschaft.