Mental Health: Was sind manische Phasen?

Die bipolare Störung war früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung, da Betroffene häufig entweder depressive oder manische Phasen erleben, sich also zwischen diesen zwei Polen bewegen.

Depressionen und ihre Symptome sind dank vielfacher Aufklärung mittlerweile recht bekannt, Manien allerdings weniger (oder sie werden in Geschichten teilweise verfälscht dargestellt, z.B. in reißerischen Thrillern).

Hier einige Symptome von Manien. (Disclaimer: Manien können sich je nach Individuum unterschiedlich äußern, jede Person ist einzigartig.)

In manischen Phasen neigen viele Betroffenen häufig zu einem völlig sorglosen Umgang mit Geld, z.B. tätigen sie größere Ausgaben, obwohl sie sich diese nicht leisten können.
Viele neigen zur Selbstüberschätzung.
Häufig fühlen sich Betroffene sehr energiegeladen, schlafen aber kaum, weil sie abends/nachts nicht zur Ruhe kommen.
Manche werden sehr gereizt, fahrig oder nervös und/oder aggressiv.
Die Libido verändert sich bei einigen.
Manche nehmen alles intensiver wahr: Farben, Gerüche, Musik, Berührungen … Und ja, das kann sich anfühlen wie auf einem Drogentrip. Ich habe nie Drogen konsumiert, aber aus Erzählungen, Geschichten und Berichten weiß ich, wie sich ein Drogentrip anfühlen kann. Einige Betroffenen reden plötzlich wie ein Wasserfall, um all die vielen Gedanken und Ideen auszudrücken, die in solchen Phasen auf sie einströmen.
Die Konzentrationsfähigkeit leidet.

Manches kann sogar positiv sein: Für kreativ tätige Menschen können manische oder hypomanische (1) Phasen starke kreative Schübe bringen. Ich selbst habe über die Jahre gelernt, hypomanische Phasen für meine Tätigkeiten zu nutzen und sie damit teilweise zu verarbeiten. Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass es im Laufe der Geschichte mehrere Kunstschaffende gegeben hat bzw. auch heute gibt, die die bipolare Störung haben/hatten, z.B. der Künstler Vincent van Gogh, die Musikerinnen Emilie Autumn und Mary Lambert.

Eine Liste mit entsprechenden Leuten gibt es auf Wikipedia, schaut dort bei Interesse mal nach „List of people with bipolar disorder“

(1) Hypomanie: Eine Art Vorstufe zur Manie, die sich nicht unbedingt in eine Manie entwickelt.

Joy of Missing Out – Ein Beitrag zum Disability Pride Month

Abbildung vom Verlag Ohne Ohren

Der Verlag Ohne Ohren feiert den Disability Pride Month und gibt einen ersten Satz vor. Und ich schreibe nun etwas dazu, circa in der Länge einer Instagram-Caption:

„Wir sehen uns, wenn du genug Löffel hast.“
Da war er. Der Satz, den ich befürchtet hatte. Nachdem ich meinem Freundeskreis, meiner Familie und Bekannten die Löffeltheorie erklärt hatte, sprachen sie mittlerweile öfter von „meinen Löffeln“ und fragten, wie es darum bestellt sei.
Und nun hatte ich das Treffen mit zwei Freundinnen absagen müssen. Eigentlich hatten wir uns in einem schicken Büchercafé treffen wollen, das hatte wir schon vor drei Wochen geplant, pünktlich zu dessen Neueröffnung.
Aber meine Mental Health wollte da nicht mitmachen. Diese verdammten sozialen Ängste. Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich mich kaum traute, das Haus zu verlassen. Der Gang zum Briefkasten war schon das höchste der Gefühle, aber selbst da betete ich im Stillen, dass mir keine Nachbarn über den Weg liefen.

„Es tut mir leid“, textete ich.
„Kein Problem“, kam Stefanies Antwort kurz darauf. „Ich treffe mich dann allein mit Caro. Ich schick dir Fotos vom Café. Und von unserem Essen.“ Ein Zwinkersmiley folgte. Und prompt bekam ich FOMO. Fear of Missing Out. Ich war sauer. Enttäuscht. Nicht so sehr von Stefanie und Caro, sondern mir selbst gegenüber. Ich machte eine Therapie, aber auch die konnten die Sozialphobie nur lindern, nicht völlig heilen.

Eine halbe Stunde später begann es draußen zu donnern und starker Regen setzte ein. Das Café hatte auch draußen Plätze, aber daran war bei diesem Wetter nicht zu denken. Blitze erhellten mein Wohnzimmer und die Regentropfen prasselten unermüdlich gegen die Scheiben. Meine FOMO wanderte gelangweilt zur Tür hinaus. Mit einem Mal war ich ganz froh, dass ich zu Hause geblieben war. Klar, wieder eins zu null für die Sozialphobie. Andererseits wäre ich wohl selbst mit Regenjacke oder Schirm ziemlich nass geworden auf dem Weg zum Café. Ich kuschelte mich in die weiche Decke auf dem Sofa und griff nach einem spannenden Roman, den ich endlich zu Ende lesen wollte. Das war wohl ein Fall von „Joy of Missing out“…