Für mehr Heldinnen in der Phantastik

Abbildung: Pixabay

Ausgehend von diesem Artikel bei Tor Online „Ein Plädoyer für mehr Heldinnen in der Fantasy“ gab es kürzlich bei Facebook die eine oder andere Diskussion. Ich zitiere mal Anja Bagus:

„Ist ja ne nette Forderung, aber … ja ich hab was zu meckern. Mehr weibliche Helden. Gerne. Und dann? Wollen die denn dann auch weibliche Themen oder sollen einfach nette „starke“ knackige Frauen Männerabenteuer meistern? Oder wer gibt der Sache einen wirklich weiblichen Ansatz? Also weibliches Körpergefühl (mit allem drum und dran: wann menstruieren Frauen mal in Fantasy-Romanen?), hormonellen Begehrlichkeiten, und Schwangerschaften? Ich glaub ehrlich, das wollen die meisten Fantasy-Leser nicht.“

Ich kommentierte daraufhin wie folgt: „Doch, ich will so was lesen. Hier mal ein paar Beispiele. Wo sind die Bücher über Heldinnen, die schwanger sind, und sich trotzdem ins Abenteuer stürzen? Das so etwas funktioniert (schwangere Heldin) habe ich eindrucksvoll in der BBC Miniserie „The Night Manager“ gesehen. Ich will Bücher lesen über Heldinnen, die gerade ganz fürchterlichen Liebeskummer haben, und trotzdem mit ihren Verbündeten aufbrechen, um die Welt zu retten.

Oder über die alleinerziehende Mutter, die ihre Kinder vor einer drohenden Gefahr retten will und sich mit Leuten zusammentut, die dann ausziehen, um die Gefahr abzuwenden. Gibt schließlich auch männliche Helden, die etwas tun, um ihre Kinder zu beschützen.

Ich will Fantasy lesen über Frauen, die es sich eigentlich daheim mit ihrem Partner gemütlich machen wollten, weil die Kinder nun außer Haus sind, und dann in ein ganz mysteriöses Abenteuer verwickelt werden.

Das sind mal so ein paar Beispiele für Alternativen mit Protagonistinnen zur xten Heldenreise, wo der junge unerfahrene Mann auszieht, Abenteuer und Gefahren erlebt, ganz viel lernt und am Ende die Welt rettet (mit mehr oder weniger Verbündeten).

Es gibt viele Abenteuergeschichten und viele Ansätze, Abenteuer/Aufgaben/Rätsel zu meistern. In den meisten Fantasy-Romanen wird einfach viel gekämpft, ob nun mit Magie oder anderen Waffen. Meistens gibt es am Ende auch eine große Schlacht.

Ergo sind hier Helden und Heldinnen gefragt, die kämpfen können.

Aber es gibt ja noch andere Ansätze für Geschichten, z.B. Rätsel, tückisch-verworrene Intrigen, die durchschaut, technische Hindernisse, die überwunden werden wollen oder noch ganz andere Dinge.“

Als ich den Artikel auf meiner Facebookseite teilte, gab es ebenfalls Diskussionen. Eine Leserin kommentierte:

„Eine gute Regel, die ich irgendwo mal in einem Schreibforum gelesen habe war:

Wenn du einen weiblichen Prota schreibst und änderst nachträglich den Namen in einen Männernamen – dann sollte der Charakter trotzdem noch für die Grundstory funktionieren.“

Dem kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Ich habe kein interesse an Heldinnen, die so angelegt sind, dass man durch Änderung des Namens daraus einfach einen männlichen Charakter machen kann.

Ich bin für Vielfalt. Das bedeutet für mich auch, dass ich in Geschichten auch mal andere, nicht typisch männliche Lösungsansätze lesen möchte. Also vielleicht erst mal verhandeln und dann schießen – um es überspitzt zu formulieren. Nehmen wir mal Doctor Who als Beispiel – der tötet so gut wie nie irgendwelche Gegner. Er schießt auch nicht gleich auf Aliens, sondern versucht erst mal herauszufinden, wer die sind und was die wollen.

Gynohomoromantikphobie

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass im Gay Romance Genre* viele Autorinnen vertreten sind. Einige dieser Autorinnen kommen ursprünglich aus der Fanfiction-Szene, andere sind mit Mangas großgeworden, in denen gleichgeschlechtliche Liebe thematisiert wird, und wieder andere haben auf anderen Wegen Zugang zu diesem Genre gefunden.
Es ist auch so, dass es mehr Gay Romance Autorinnen als schwule Autoren gibt, welches dieses Genre schreiben.

Was bei manchen Schwulen zu völligem Unverständnis oder starkem Unmut führt – anstatt solche Autorinnen einfach als Allys zu verstehen (also als Sympathisantinnen oder Unterstützerinnen der LSBTI+ /queere Community).

Im August 2017 las ich im Online-Magazin QUEER eine ganze Reihe an ziemlich demütigenden und abwertenden Kommentaren, die sich gezielt gegen Gay Romance Autorinnen richteten. Ich habe lange überlegt, wie ich darauf reagieren sollte. Schließlich habe ich das für folgende unfreiwillige Spendenaktion genutzt – nach dem Vorbild der Aktion „Hass hilft“ habe ich für jeden abwertenden Kommentar (zeitlich begrenzt) 1 € an einen Verein gegen Cybermobbing gespendet. Und am Ende den Kommentatoren für ihre unfreiwillige Unterstützung gedankt. Ob danach ein Shitstorm losgegangen ist, weiß ich nicht, denn ich habe bewusst nicht mehr nachgesehen.

Die oftmals sehr abwertenden Reaktionen aus der Gay Community auf Gay Romane von Autorinnen haben nun  übrigens den folgenden Begriff  geprägt:

Gynohomoromantikphobie

Nicht, dass wir uns falsch verstehen:
Ich kann absolut nachvollziehen, dass  sich Schwule mehr schwule Autoren wünschen – ob die nun Gay Romance oder andere Bücher mit Gay-Themen schreiben.

Wenn man sich allerdings vor Augen führt, dass ca. 5 – 10 %** der Bevölkerung schwul ist, und es in Deutschland ca. 75000 Schriftsteller gibt (genaue Zahlen konnte ich bei letzteren leider nicht finden), kann man sich ausrechnen, wieviele davon statistisch gesehen schwul sein könnten.

Was dann noch nicht die Frage beantwortet, wieviele dieser schwulen Autoren überhaupt Bücher mit schwulen Themen schreiben, zumal dies insgesamt ein Nischengenre im Buchmarkt ist, welches auch weniger gelesen wird als andere.

Auf der anderen Seite gibt es viele Frauen, die Gay Romance, Gay Fantasy und andere queere Bücher schreiben. Zumindest einen Aspekt haben viele (wenn auch nicht alle) dieser Frauen mit schwulen Männern gemeinsam: Sie stehen auf Männer. Sie wissen auch, wie es ist, mit Männern Sex zu haben, wenn auch mit anderen persönlichen anatomischen Voraussetzungen.

Und entsprechend gibt es auch LeserINNEN, die gern Gay Romance lesen. Es gibt ohnehin insgesamt deutlich mehr Frauen als Männer, die überhaupt lesen, das belegen zahlreiche Statistiken.
Im Gay Romance Genre können LeserInnen nicht nur einen Mann „anhimmeln“, sondern zwei (oder auch mehr, je nach Konstellation der Beziehung). In diesem Zusammenhang ist auch der Artikel „Was zum Gayer“ von Jona Dreyer interessant.

Was ich nun schreibe, ist bewusst sarkastisch.

Sarkasmus an:

Wenn ich solche abwertenden Kommentare lese wie bei jenem Magazinartikel, würde ich am liebsten mal ganz polemisch fragen, ob denn nun Thriller und Krimis ausschließlich von echten Ermittlern oder Polizeibeamten im Ruhestand geschrieben werden müssen, weil alles andere ja nicht authentisch sein kann. Oder ob ich, wenn ich über Verbrecher schreibe, erstmal selbst eine kriminelle Karriere hinlegen muss.

Ach, und wo wir gerade dabei sind, dann darf ich ja gar keine Fantasy mehr schreiben, weil ich mich ja niemals in einen Ork, Elf, Zwerg, Gestaltwandler oder ähnliches hineinversetzen könnte. Und auch keine Sci-Fi, denn woher soll ich wissen, wie sich ein Alien fühlt? Ganz zu schweigen von Menschen, die im Mittelalter oder der Antike gelebt haben, weil das ja schon sooo lange her ist und die ja noch ganz anders gelebt haben als wir…

Und ich darf dann ja auch nicht über Menschen schreiben, die eine andere Hautfarbe oder einen anderen Glauben als ich haben oder die in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen sind oder eine andere sexuelle Orientierung oder Identität als ich haben. Oder eine Krankheit oder Behinderung, die ich selbst nicht habe.

Apropos, wie machen das eigentlich Schauspieler, wenn sie in eine andere Rolle schlüpfen?! Das ist ja auch höchst unauthentisch, was die da machen…

Sarkasmus aus.

Mal ganz im Ernst, der Schlüssel zum Schreiben sind in erster Linie die folgenden Dinge: Gutes schriftstellerisches Handwerk.
Fantasie und Vorstellungskraft.
Recherchen.
Empathie bzw. Einfühlungsvermögen für alle Charaktere, über die man schreibt.

Ein Autor (egal welcher geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung ) muss sich in seine Figuren soweit hineinfühlen können, dass er deren Gefühlswelt, Wahrnehmungen, Gedanken und Motivationen realistisch und glaubwürdig darstellen kann. Er sollte sich am besten auch mit Psychologie auskennen. Gleiches gilt auch für Schauspieler*innen und für Regisseur*innen, die ja ebenfalls fremde Rollen inszenieren.
Fantasie ist notwendig für das Vorstellungsvermögen, etwas aus dem Nichts zu erschaffen und zum „Leben zu erwecken“, wenn auch nur mit Worten.

Und Recherchen sind überall da notwendig, wo uns selbst das Wissen fehlt. Und das gilt dann natürlich auch für das Gay Genre. Ja, es ist richtig: Eine Frau weiß nicht, wie es ist, ein Mann zu sein, geschweige denn, wie es ist, ein schwuler Mann zu sein. Aber sie kann sich ja z.B. mit schwulen Männern darüber austauschen, sie mit Fragen löchern, sie ihre Texte testlesen lassen etc. Genau so, wie AutorInnen auch über andere Themen recherchieren müssen, die sie nicht aus eigener Erfahrung oder eigenem Wissen kennen.

Liebe Gay Community – wenn ihr keine Gay Romane von Autorinnen lesen möchtet, dann lasst es einfach. Überlasst sie anderen Leser*innen, die so etwas gern lesen. Nach dem bekannten Motto: Leben und leben lassen. Oder auch: Unsere Welt ist vielfältig und bunt, und es ist genug Literatur für alle da.

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* In diesem Blogbeitrag gehe ich bewusst nur auf Gay-Bücher ein, also Geschichten, die von schwulen Männern erzählen. Diese bilden den Großteil des Genres, aber es verfügt über noch viel mehr Seiten und noch vielfältigere Charaktere und deren Beziehungen – lesbisch, bisexuell, transgender, intersexuell, asexuell, demisexuell, Polyamorie, nonbinary und noch einiges mehr.

** je nach Statistik und Studie schwanken hier die Zahlen, und wenn man nach Bisexualität fragt, kann das Ergebnis deutlich höher als 10% ausfallen, jedoch stellt sich hier die Frage, wie die jeweilige Studie Bisexualität definiert.

Interview mit Fantasy-Autorin Nadja Losbohm

Auf der Buchmesse Buch Berlin habe ich die Fantasyautorin Nadja Losbohm kennengelernt. In meinem Buchblog verlose ich am Jahresende ihren Roman „Die Tagebücher des Michael Iain Ryan“. Im Interview erzählt Nadja unter anderem, wie es zu diesem Spinoff  zu ihrer Buchreihe „Die Jägerin“ kam.

Nadja Losbohm

© Nadja Losbohm

Hallo Nadja, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Seit wann schreibst du und wie bist du zum Schreiben gekommen?

Meine erste Fantasy-Geschichte habe ich mit neunzehn Jahren angefangen zu schreiben. Ich habe schon von Kindesbeinen an sehr gern gemalt und gezeichnet. Allerdings habe ich das alles nur mit halbem Herzen gemacht. Eines Tages habe ich dann die Arbeiten eines Künstlers/ Schauspielers kennengelernt, der sich so wahnsinnig vielen verschiedenen Dingen widmete, u.a. auch dem Schreiben. Das hat mich dazu inspiriert, etwas Neues auszuprobieren, sprich das Schreiben anzufangen. Das Malen und Zeichnen, und auch alles andere wie die Fotografie und das Musizieren, was ich zwischenzeitlich auch angefangen hatte, habe ich an den Nagel gehängt. Geblieben ist das Schreiben, doch genau das ist es, was ich bin.

Schreibst du denn mittlerweile haupt- oder nebenberuflich?

Ich habe einen ganz normalen Brot-Job, wie viele andere Autoren vermutlich auch. Es wäre schön, wenn ich es hauptberuflich machen könnte. Leider ist dem (noch) nicht so. Ich träume also weiterhin davon.

Buch 2

© Nadja Losbohm, Coverdesign: Tom Jay

Bitte erzähl einmal ein wenig über deine fünfteilige Reihe „Die Jägerin“, für diejenigen, die sie noch nicht kennen. Kann man sich deine Heldin Ada Pearce als eine Art Monsterjägerin vorstellen? Mir fiel da spontan die Serie „Buffy the Vampire Slayer“ („Buffy im Bann der Dämonen“) ein, aber ich nehme an, bei dir gibt es keine Vampire? Wenn du soviel verraten magst?

Es ist interessant, dass du „Buffy“ erwähnst. Lustigerweise hatte ich diese Serie beim Schreiben so gar nicht im Kopf. Manch einer mag sich vielleicht an sie erinnert fühlen, aber beim Lesen wird man merken, dass „Die Jägerin“ anders ist. Ada ist eine ganz normale, durchschnittliche, unsportliche Frau, die eines Tages erfährt, dass sie auserwählt ist, die Menschen vor den Kreaturen der Nacht zu beschützen. Diese sind übelriechende, langarmige Monster und auch Vampire, die nicht im Tageslicht glitzern und auch nicht in Liebesgeschichten zur Jägerin verwickelt sind. Ihr zur Seite gestellt ist Pater Michael, ihr Lehrer und Ausbilder. „Die Jägerin“ ist keine reine Fantasy-Geschichte. Es geht vielmehr um die zwischenmenschlichen Beziehungen. Es gibt jede Menge Herzschmerz, aber auch Lacher, denn Ada ist nicht auf den Mund gefallen und bringt ihren Mentor nicht selten zum Erröten mit ihren kessen Aussagen.

Buch 1

© Nadja Losbohm, Coverdesign: Tom Jay

Ich persönlich bin ja immer froh, wenn Vampire nicht glitzern. Und wie kam es zu dem Spinoff, “Die Tagebücher des Michael Iain Ryan“?

Auf diese Idee brachte mich eine Leserin von „Die Jägerin“. Michael Iain Ryan ist niemand Geringeres als Pater Michael aus „Die Jägerin“. Meine weibliche Leserschaft hat einen kleinen Narren an ihm gefressen, und die besagte Leserin meinte, es wäre schön, wenn es eine eigenständige Reihe mit ihm geben würde, da er in „Die Jägerin“ zu kurz kommt. Damit war der Grundstein für sein erstes Tagebuch gelegt. Wer nun überlegt, er müsse zuerst die fünf Bände von „Die Jägerin“ gelesen haben, um Michaels Geschichte zu verstehen – von verschiedenen Leserinnen habe ich gehört, dass dem nicht so ist. Es ist eher so, dass man durch „Die Tagebücher des Michael Iain Ryan“ Lust bekommt, auch „Die Jägerin“ zu lesen.

Ah, also hat dich ein Fan darauf gebracht, wie schön! Das ist natürlich klasse, wenn ein Charakter solche Begeisterung hervorruft, dass LeserInnen ein Spinoff haben möchten. Magst du verraten, woran du aktuell arbeitest? Wird es noch mehr über Pater Michael geben?

Ich arbeite an verschiedenen Projekten. Zum einen arbeite ich am zweiten Tagebuch von Michael, zum anderen auch am sechsten Band von „Die Jägerin“. Ein Abenteuer für sie gibt es noch zu bestreiten. Außerdem trage ich noch ein paar Kurzgeschichten zusammen für meine Anthologie „Die Magie der Bücher“, die ich gern erweitern möchte. Sie ist derzeit nur als Ebook erhältlich, aber einige Leser haben den Wunsch nach einem Taschenbuch geäußert. Dafür braucht die Anthologie allerdings noch ein paar mehr Seiten. ?

Bist du 2018 auf Veranstaltungen oder eigenen Lesungen anzutreffen? Falls ja, wo?

Ich hoffe, es klappt, dass ich bei der Leipziger Buchmesse im März und der BuchBerlin dabei sein kann. Lesungen sind bisher (noch) nicht geplant.

Dann drücke ich dir die Daumen, dass du auf den beiden Buchmessen sein kannst. Wie schreibst du – brauchst du etwas bestimmtes zum Schreiben (z.B. Musik, Kaffee, fest eingeplante Schreibzeiten…)?

Feste Schreibzeiten habe ich nicht. Immer wenn ich Zeit und Ideen habe, greife ich zum Stift. Am liebsten trinke ich dabei eine Tasse Stracciatella-Cappuccino. Das Radio oder der Fernseher sind dabei meistens aus bzw. leise gestellt. Ich habe auch eher eine sehr unkonventionelle Arbeitsweise, die ein bisschen an Chaos erinnert, bei der manch ein anderer die Hände über dem Kopf zusammenschlägt. Aber so bin ich eben: ein bisschen spontan – wenigstens beim Schreiben. ?

Was war bisher dein schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit deiner Autorinnentätigkeit?

Ein einziges kann ich gar nicht nennen. Ich hatte besonders in den letzten Wochen des Jahres einige schöne Erlebnisse, Nachrichten, die mich von Lesern erreicht haben. Eine Leserin schrieb mir zum Beispiel: „Du hast mehr Leser verdient.“ Das fand ich wirklich süß. Ich habe auch wunderbare Komplimente von meinem offiziell ersten männlichen Leser erhalten zu „Die Jägerin“, die eher im analogen oder digitalen Buchregal der Frauen zu finden ist. Und ich habe mich riesig gefreut über die Nominierung für den Deutschen Phantastik Preis 2017 in der Kategorie „Beste deutschsprachige Anthologie“ für „Die Magie der Bücher“. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet dieses Buch die Menschen so begeistert. Es war eine echte Überraschung für mich.

Das freut mich sehr für dich. Vielen Dank für das Interview und weiterhin ganz viel Erfolg und gutes Gelingen für deine Projekte!

Nadja Losbohms Autorinnenseite auf Facebook:
https://www.facebook.com/AdaMonsterschreck/

Die Rechtschreibpolizei

Abbildung: Alexas_Fotos, Pixabay

Neulich las ich einen Beitrag in einer Facebook-Gruppe für AutorInnen. Die Verfasserin regte sich darüber auf, wieviele Leute Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler in ihren Gruppenbeiträgen hätten. Man hätte doch eine Verantwortung als Autor, fehlerfrei zu schreiben. Immer und überall.

Ich habe schon öfter Beiträge dieser Art (auch in anderen Gruppen) gelesen und muss ganz ehrlich sagen, so etwas verleidet mir die Zugehörigkeit zu eben solchen Gruppen. Heute bin ich deshalb aus einer ausgetreten, nachdem ich schon längere Zeit mit dem Gedanken gespielt habe. Weil dort für meinen Geschmack zu viele Trolle unterwegs sind.

Mein erster Gedanke war es, die folgenden Zeilen als Kommentar zum Beitrag zu posten. Allerdings hatte ich keine Lust auf einen Shitstorm.

Hier ein paar Argumente meinerseits:

1. Manche Leute posten Beiträge oder Kommentare über ihr Smartphone, Tablet oder ähnliche Geräte, die eine Autokorrektur verwenden. Und wir alle wissen, was für skurrile Fehler mitunter bei der Autokorrektur geschehen oder mit Apps, die einem Worte vorschlagen (ich habe keine Ahnung, wie das entsprechende Fachwort dafür heißt).

2. Manche Menschen, darunter auch AutorInnen, leiden an einer Rechtschreibschwäche. Ihre Fehler sind also keineswegs auf Schludrigkeit oder Faulheit zurückzuführen.

3. Beiträge und -Kommentare in sozialen Netzwerken sind keine druckfertigen Bücher oder wissenschaftliche Arbeiten. Sie werden oftmals in Umgangssprache verfasst und weder vor noch nach dem Posten lektoriert. Außerdem werden keine Noten, Bewertungen oder Rezensionen dafür vergeben. Soziale Netzwerke sind übrigens auch kein Deutschunterricht.

Nebenbei bemerkt: Auch in mündlichen Gesprächen unterlaufen den meisten Menschen kleine „Fehler“, da sie nicht druckreif sprechen und anders als Schauspieler keine Texte auswendiglernen, ehe sie diese wiedergeben.

4. Kommentare werden häufig mit hoher Geschwindigkeit geschrieben, vor allem, wenn man sich in einer Diskussion befindet, an der sich mehrere Leute beteiligen. Und je schneller man schreibt, desto höher natürlich die Fehlerrate.

Insofern finde ich es ein bisschen anmaßend, von den Beiträgen anderer zu erwarten, dass sie fehlerfrei sind. Nicht, dass wir uns falsch verstehen – natürlich ist es wünschenswert, möglichst fehlerfrei zu schreiben, auch in sozialen Netzwerken. Fehlerfreie Texte lesen sich nun mal angenehmer. Aber aus meiner Sicht ist das kein Grund, sich über Fehler aufzuregen. Denn: Nobody is perfect.

Das ist so etwas typisch Deutsches: Andere ungefragt auf deren Fehler hinzuweisen und darüber zu meckern. Anstatt erst mal bei sich selbst anzufangen.

Last but not least: Wer Rechtschreibfehler in diesem Text findet, darf sie behalten.

Das große A

Abbildung: Pixabay

Buchhandlungen regen sich ja gern über Amazon auf. Aus Sicht einer traditionellen, stationären Buchhandlung kann ich das gut nachvollziehen. Und ja, ich kaufe auch gern lokal und vor Ort ein, das gilt dann natürlich auch für die freundliche Buchhandlung um die Ecke.

Seit ich Selfpublisher bin, sehe ich das Thema allerdings auch aus einer anderen Perspektive. Meine Bücher liegen nicht in stationären Buchhandlungen aus. Und da ich ein Nischengenre bediene, habe ich dort auch wenig Chancen. Übrigens finde ich auch die Bücher meiner AutorenkollegInnen bis auf wenige Ausnahmen nicht in Buchhandlungen, denn die meisten von ihnen sind entweder auch Selfpublisher oder aber in kleinen, unabhängigen Verlagen. Oder aber sie schreiben Genres, die man auch kaum in traditionellen Buchhandlungen findet, z.B. Gay Romance.

Aber auch stationäre Buchhandlungen sind letztendlich kommerziell ausgerichete Unternehmen, daher werden dort vor allem die Publikationen der großen Publikumsverlage angeboten (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel).

Der Publishing on Demand Anbieter BoD liefert eines meiner Bücher zwar auch an Buchhandlungen, aber das dauert länger.

Amazon ist weltweit die größte Onlinebuchhandlung mit dem größten Angebot. Das geht soweit, dass ich Bücher nicht mehr mühselig googele, sondern direkt bei Amazon suche. Selbst wenn sie nicht mehr aufgelegt werden, findet man meistens noch Hinweise dazu. Oder Restpostenexemplare.

Mir ist durchaus bewusst, dass Amazon als Konzern immer wieder in der Kritik steht. Auf der anderen Seite ist es für Selfpublisher eine der besten Veröffentlichungs – und Vertriebsplattformen, die man sich denken kann.
Das sind die zwei Seiten einer Medaille…

Sollte es irgendwann einmal eine bessere Alternative als Amazon geben mit einer ähnlichen Reichweite, würde ich dorthin wechseln. Aber bis dahin bin ich weiter beim großen „A“. Mein Roman „Der Stern des Seth“ wird Ende des Jahres dort ebenfalls hinwechseln und dann auch in der E-Book Flatrate „Kindle Unlimited“ erhältlich sein.

Und zum Thema „Einkaufen und Gutes Tun“:
Übrigens kann man bei Amazon zahlreiche gemeinnützige, Organisationen einfach durch seinen Einkauf unterstützen, ohne Mehrkosten (darunter z.B. Die UNO-Flüchtlingshilfe, Mein Grundeinkommen e.V. und den WWF). Die gewünschte Organisation kann ausgewählt werden. Für die Unterstützung ist es notwendig, einfach immer über diese Website auf Amazon zu gehen:
https://smile.amazon.de/

Kuriose Kritiken zu meinen Büchern

Vorweg möchte ich sagen: Ich freue mich, wie gewiss alle AutorInnen, über Feedback und Rezensionen zu meinen Büchern, und natürlich auch über konstruktive Kritik. Ich bin jedem Leser dankbar, der sich die Mühe macht und die Zeit nimmt, eine ehrliche Rezension über meine Bücher zu schreiben, denn das ist keinesfalls selbstverständlich. Ebenso bin ich jedem Testleser dankbar, der sich sogar noch mehr Mühe macht und mir einzelne Anmerkungen in die Rohfassung meiner Manuskripte schreibt.

Interessant wird es, wenn es um Kritik in Rezensionen geht, denn gelegentlich wundere ich mich ein wenig über einzelne Kritikpunkte. Oder darüber, wie diese formuliert werden. Mittlerweile ist mir klar, dass AutorInnen es nie, wirklich nie allen LeserInnen recht machen können. Das ist und kann gar nicht mein Ziel sein. Denn oft ist es so – frage zehn verschiedene Leser, und du erhältst zehn verschiedene Meinungen, zu ein und demselben Buch. Das gilt übrigens sogar für internationale Bestseller.

Kunst aller Art, auch Literatur, ist letztendlich eine sehr, sehr subjektive Angelegenheit, und das gilt auch für die Wahrnehmung derselben, also im Literaturbereich eben durch die LeserInnen.

Umgekehrt nehme ich aber auch Kritik ebenfalls zu einem gewissen Teil subjektiv wahr. Mitunter wirken einige Kritikpunkte auf mich etwas kurios. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle einige Kuriositäten dieser Art vorstellen.

Disclaimer: Dieser Blogbeitrag soll keineswegs einer generellen Kritik an Rezensionen dienen und ist auch nicht als Verunglimpfung gedacht, denn wie ich schon oben sagte, freue ich mich, wenn LeserInnen Zeit und Mühe in eine ehrliche Rezension investieren.

Kurioses zu „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“

Detailfragen

(Zu einer Leseprobe) – Eine Leserin sagte, sie hätte schon während der Leseprobe die Lust am Lesen verloren, denn der Ausdruck „Zimmerpflanze“ sei nicht historisch genug für einen Roman, der um 1887 spielt. Außerdem hätte ich die genaue Pflanzensorte nennen sollen.

In der entsprechenden Szene ging es allerdings weder um einen Pflanzenliebhaber, noch um einen Gärtner, Botaniker oder ähnliches. Die „Zimmerpflanzen“ dienten lediglich der Beschreibung des Raumes und waren für die eigentliche Handlung absolut irrelevant.

Die Länge des Romans

Zwei Rezensentinnen, die auch Autorinnen sind, sagten – übrigens unabhängig voneinander – dass der Roman 100 Seiten länger hätte sein können, wenn ich ausführlichere Beschreibungen von Orten und mehr über die Gefühle und Sichtweisen der Personen geschrieben hätte. Übrigens haben auch weitere Leserinnen angemerkt, dass der Roman länger hätte sein können. Dass ich insgesamt ausführlicher hätte schreiben können, sehe ich inzwischen auch so und arbeite entsprechend an meinem aktuellen Projekt daran, dies zu berücksichtigen.

Aber dass sie mir eine so konkrete Seitenzahl nennen, die angeblich gefehlt hat, kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass diese Rezensentinnen sich vermutlich im Stillen gedacht haben, „wenn ich selbst dieses Buch mit diesem Plot geschrieben hätte, dann wäre es bestimmt 100 Seiten länger gewesen“ (zugegeben, das ist nun Spekulation von meiner Seite aus).

Ich kann die Kritik an sich verstehen, nur diese sehr konkrete Seitenzahl fand ich ein bisschen seltsam, denn ich finde, letztendlich sollte jeder Autor selbst entscheiden dürfen, wie lang genau sein Buch wird, wo er kürzen möchte und wo er mehr in die Tiefe geht (es sei denn, er hat eine ganz konkrete Vorgabe von einem Verlag).

Heteronormative Erwartungen

Eine Buchbloggerin schrieb, sie hätte erwartet, dass im Buch auch mindestens eine Hetero-Liebesgeschichte vorkommt. Sie war verwundert, dass hier ausschließlich zwei gleichgeschlechtliche Romanzen behandelt werden. In sämtlichen Beschreibungen zum Buch und im Klappentext steht, dass es ein Genremix ist mit Gay/Lesbian Romance. Eine Mann-Frau-Romanze habe ich nirgendswo angedeutet.

Wie darf eigentlich ein Amerikaner in England schimpfen?

Zu dem Amerikaner Eliott schrieb eine Bloggerin:

„Leider konnte ich einen Charakter gar nicht ernst nehmen – ein Amerikaner, der „Bloody Hell“ sagt, ist für mich nicht realistisch. Auch dann nicht, wenn er anecken will. Aber das war nur einer von ein paar Rechercheschwächen.“

Anscheinend hat sie das so sehr beschäftigt, dass sie extra nachgefragt hat, warum ein Amerikaner denn eine britische Beschimpfung verwendet und diese sogar denkt.

Das ist ganz einfach: Er lebt seit mehreren Jahren in London, noch dazu im East End und hat diesen Begriff mittlerweile so oft gehört, dass er ihn verinnerlicht hat. Menschen, die längere Zeit im Ausland leben (ich habe fünf Jahre meines Lebens im Ausland verbracht) werden das vielleicht nachvollziehen können. Irgendwann übernimmt man automatisch Begriffe oder Ausdrücke aus der Gegend, wenn man sie immer wieder hört. Man denkt irgendwann auch gar nicht mehr darüber nach. Noch dazu ist der Ausdruck „Bloody hell“ zu dieser Zeit ganz schön provokativ und ich dachte mir, dass er dem Charakter deshalb gut gefällt. Natürlich muss das niemandem gefallen und niemand muss den Charakter ernst nehmen.

Aber von meiner Seite war es pure Absicht, dass Eliott ständig „Bloody hell“ sagt.

Das habe ich der Bloggerin auch erklärt. Zugegeben, im Roman selbst wird es nicht erklärt, warum er als Amerikaner ein britisches Schimpfwort verwendet. Aber ich finde, man muss nicht immer alles erklären.

Im Übrigen habe ich bei „Berlingtons Geisterjäger“ fleißig historisch Fakten mit frei Erfundenem vermischt. Es ist kein historischer Roman, sondern historische Urban Fantasy mit ein bisschen Steampunk.

Vermeintliche Anachronismen

Last but not least zu „Der Stern des Seth“:

In einer Zwei-Sterne-Rezension wurde bemängelt, ein Kugelschreiber passe nicht in ein historisches Setting (im Jahr 1885). Allerdings schreibe ich wie oben schon erwähnt nun mal keine historischen Romane, sondern Steampunk. In meinem Setting ist es so, dass es Erfindungen gibt, die in der Realität erst später auf den Markt kamen, z.B. Automobile.

Bei Wikipedia kann man folgendes über die Geschichte des Kugelschreibers lesen:

„Bereits Galileo Galilei fertigte eine Skizze an, die eine Art Vorläufer des Kugelschreibers zeigt. Erste Patente zu Schreibgeräten, die ihre eigene Tinte mitführen, gab es im 19. Jahrhundert.

1888 erhielt der Amerikaner John J. Loud ein Patent auf ein kugelschreiberähnliches Gerät, mit dem man Leder markieren können sollte. Slavoljub Eduard Penkala, ein kroatischer Erfinder, patentierte 1906 ebenfalls einen Kugelschreiber-Vorläufer.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kugelschreiber#Geschichte)

Wenn man das so liest, kann man sich eigentlich gut vorstellen, dass es in einem Steampunk-Setting in den 1880er Jahren durchaus bereits Kugelschreiber oder ähnliche Geräte geben könnte.

Die Rezensentin hat interessanterweise nur den Kugelschreiber kritisiert und nicht die Automobile. Das könnte nun wiederum daran liegen, dass ich im Nachwort erwähnt habe, dass die Geburtsstunde des Automobils eigentlich erst 1886 war, mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 vom deutschen Erfinder Carl Benz, ich diese Erfindung aber für meine Geschichte abgewandelt habe. Auf die Erfindung des Kugelschreibers bin ich im Nachwort allerdings nicht eingegangen. Denn wie ich oben schon anmerkte, ich finde, man muss nicht alles erklären.

Queer und auf Zeitreise – das etwas andere Protagonisteninterview

Anlässlich des heutigen 48. Jahrestages der Stonewall Riots, an die bis heute auf den jährlichen Gay Pride Paraden und Veranstaltungen erinnert wird, gibt es heute ein etwas anderes Protagonisten-Interview.

Zum Verständnis vorab:
In der Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“ geht es nicht, wie sonst oft in Gay Romance Romanen üblich, um eine queere Hauptfigur und deren Partner. Berlingtons Geisterjäger bilden ein Team aus 5 bis 6 Personen mit vier unterschiedlichen sexuellen Orientierungen: lesbisch, schwul, hetero- und bisexuell. Das Ganze ist angesiedelt in einem historischen Urban Fantasy/Steampunk-Setting, im Jahr 1887 in England.

Eine Zeitreise von 1887 bis ins Jahr 2017
Die 5 Hauptcharaktere aus Berlingtons Geisterjäger machen für dieses Interview eine Zeitreise ins Jahr 2017: Lord Victor Berlington, der amerikanische Privatdetektiv Eliott, die irische Hexe Fiona, die französische Spiritistin Giselle und die englische Künstlerin Nica.  Dort haben sie sich einen Abend lang im Schnelldurchgang weitergebildet, was gesellschaftliche Veränderungen angeht in Sachen sexueller Orientierung und Identität. Sie haben auch erfahren, dass es im Jahr 2017 für all die unterschiedlichen Orientierungen jeweils spezielle Begriffe gibt.

Bei einem Sekt-Frühstück in einem Londoner Café spreche ich mit ihnen anschließend über die LGBTQ-Menschen im Jahr 1887 und warum sie sich nicht outen konnten, über staatliche Verfolgung Homosexueller damals und heute und einiges mehr.

Das folgende Interview enthält leichte Spoiler zur Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“ (nicht zur Handlung an sich, sondern zu den Charakteren und ihren Beziehungen zueinander). Es wird ergänzt durch Links über LGBTQ+-Geschichte und der heutigen Situation (teilweise englischsprachig).

Interview

Lord Berlington, darf ich offen fragen – wie haben Sie eigentlich herausgefunden, dass Sie schwul sind?

Lord Berlington: Nennen Sie mich einfach Victor. Also… ich bin jetzt sechsundzwanzig, und ich muss gestehen, ich wusste es nicht. Ehrlich nicht. Eigentlich hat es sich schon in meiner Kindheit bemerkbar gemacht, aber in unserer Zeit gibt es dafür keine Begrifflichkeiten. Bzw. es gibt sie schon, aber es sind allesamt Schimpfworte.
Ich meine, natürlich gibt es – wie sagt man heute? – queere Menschen auch in unserer Zeit, also im 19. Jahrhundert, aber es war gesellschaftlich nicht existent. Oder nein, das ist falsch ausgedrückt. Es wurde in der breiten Öffentlichkeit totgeschwiegen. Und Menschen, die nicht heterosexuell waren, haben meistens – wie würden Sie heute sagen? Im Schrank gelebt? Und sie sind nie herausgekommen. Ein Coming Out, das wäre einfach zu gefährlich gewesen, verstehen Sie?

Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang bitte einmal über das Labouchere Amendment sprechen. Was genau war das und wie hat es das Leben für Schwule damals beeinflusst?

Victor: Das war eine schlimme Geschichte. 1885 wurde es beschlossen und ein Jahr später in England eingeführt, in erster Linie, um männliche Prostitution zu unterbinden. Also, im Grunde wurde damit schwuler Sex unter Strafe gestellt. Aber im Grunde auch Liebesbeziehungen zwischen Männern. Das Problem war allerdings, dass dieses Gesetz mehr oder weniger zu Hexenjagden geführt hat. Die Situation für Schwule war aber auch vorher schon ziemlich gefährlich.

Victor Berlington sieht die Hexe Fiona entschuldigend an.

Und das mit der Hexenjagd soll nun kein Wortspiel sein. Zu Zeiten der Inquisition war es ja so, dass irgendwelche Leute einfach den Verdacht aussprechen konnten, jemand sei eine Hexe, und schon war deren Leben in Gefahr. Weil solche Denunzianten oftmals keine Beweise anbringen mussten.

Und ähnlich war das auch mit dem Labouchere Amendment und den Schwulen. Das hat unter anderem massiv zu Erpressungen geführt. Im Grund konnte jeder zur Polizei gehen und behaupten, dieser oder jener Kerl begehe „Buggery“ bzw „Gross Indecency“ * mit einem anderen, und diejenigen damit ins Gefängnis bringen. Und damit Sie das genau verstehen: Das Verbot galt sogar für erwachsene Männer, die im Konsens miteinander waren.

Durch dieses Gesetz sind manche Schwule sogar im Zuchthaus gelandet und mussten Zwangsarbeit leisten. Das war ja nach unserer Zeit, aber das ist sogar dem Dichter Oscar Wilde 1895 passiert, habe ich gestern abend gelesen. Aber ich schweife ab, verzeihen Sie.

Jedenfalls habe ich 1887 einen Mann kennengelernt, der mich gefühlsmäßig völlig verwirrte. Was da genau passiert ist, das steht in unseren Memoiren**. Ich dachte damals zuerst, er sei daran schuld – ich dachte, er habe mich so stark beeinflusst oder manipuliert, dass ich mich plötzlich dem eigenen Geschlecht zuwandte.

Im Radio des Cafés hinter uns singt Lady Gaga gerade „Born this way.

Victor fährt fort: Aber dann hatte ich eine längere Unterhaltung mit Alec – einem Künstlerkollegen von Nica – und er hat mit mir Klartext geredet. Er selbst hat sich sein Leben lang nur in Männer verliebt und hat mir gesagt, dass es für ihn normal ist und keine Krankheit.

Er lauscht einen Moment auf den Text des Songs und schmunzelt schließlich.

Es scheint, dass sich die Dame, die dort singt, auch einige Gedanken dazu gemacht hat. Wir werden so geboren.

Jedenfalls, nach dem Gespräch zwischen Alec und mir hat es noch lange gedauert, bis bei mir der Groschen gefallen ist. Und heute, an diesem Tag hier im 21. Jahrhundert kann ich endlich offen sagen: Ich liebe diesen Mann. Einen Mann. Und ich stehe dazu. Ich darf ihn hier auf unserer Zeitreise sogar in der Öffentlichkeit küssen, ohne dass wir angezeigt werden. Das wäre bei uns im Jahr 1887 undenkbar gewesen.

Heute vor 48 Jahren (1969) gab es in New York übrigens Aufstände, der als die „Stonewall Riots“ in die Geschichte einging. Damals haben sich Schwule, Lesben und Transgender Menschen gegen eine Polizei-Razzia zur Wehr gesetzt und darauf hat sich dann ein Aufstand entwickelt. Daran erinnern noch heute die Gay Pride Paraden jedes Jahr auf der ganzen Welt. Allerdings muss ich dazu sagen, es gibt es noch immer Länder, in denen dies aus politischen Gründen nicht möglich ist.

Eliott: Erstaunlich. Bevor ich Privatdetektiv wurde, war ich Polizist in New York. Aber das war eine ganz andere Zeit mit ganz anderen Verhältnissen...

In sieben Ländern steht selbst heute noch immer die Todesstrafe auf Homosexualität, in einigen anderen weiterhin Gefängnisstrafen.
Ein weiteres Beispiel: In  Tschetschenien werden Schwule seit Monaten massiv verfolgt und sogar ermordet.

Victor (verzieht das Gesicht): Das ist furchtbar. Und sogar schlimmer als in unserer Zeit, zumindest was England betrifft. Das klingt eher nach 1840*** oder früher.

Veronica „Nica“ Chester und Fiona O‘Reilly sitzen nebeneinander, Nica hat einen Arm um ihre Freundin gelegt.

Nica: Das macht mich wütend und traurig zugleich. Das Labouchere Amendment galt damals übrigens nur für schwule Männer, nicht für Frauen, die Frauen lieben. Ich rätsele noch bis heute, warum das so war. Ich denke, unsere Zeitgenossen konnten sich einfach nicht vorstellen, dass zwei Frauen sich sehr gut miteinander vergnügen können. Ohne… na, Sie wissen schon. Ohne einen Mann und seinen…

Nica wird rot und verstummt. Eliott Breeches errötet ebenfalls und unterbricht sie.

Eliott: Schon klar. In unserer Zeit, da spricht man nicht offen über so etwas. Nicht in Anwesenheit von Damen, meine ich. Sogar Unterwäsche wird nur als „die Unaussprechlichen“ bezeichnet.

Fiona: Da ist so eine Sache, die ich nicht verstehe: Was hat es mit diesem Begriff „queer“ auf sich? In meiner Zeit heißt das soviel wie „sonderbar“, „verschroben“ oder sogar „verrückt“. Warum nennen sich denn Leute im 21. Jahrhundert selbst so?

Sie haben Recht, ursprünglich wurde „queer“ als Schimpfwort verwendet. Aber irgendwann haben Menschen aus der LGBT-Community begonnen, den Begriff für sich positiv umzudeuten, und heute wird er sogar mit Stolz verwendet. Er ist heute ein Überbegriff für alle Menschen, die von der Heteronormativität abweichen. Damit schließt er übrigens nicht nur Schwulen, Lesben und Bisexuelle ein, sondern auch Transgender, Intersexuelle, Asexuelle, Genderqueer, Bigender und noch andere. Das erklärt übrigens auch die Abkürzung LGBTQ+. Das Plus nach dem Q steht dabei für alle, die sich nicht oder nur teilweise in den ersten vier Buchstaben wiederfinden.

Fiona: Was, es gibt sogar noch mehr?

Ja, aber viele davon sind noch nicht so allgemein in der Öffentlichkeit bekannt wie Schwule, Lesben und Transgender. Bisexuelle begegnen selbst innerhalb der LGBTQ+Community gelegentlich Vorurteilen, und ähnliches gilt auch für Asexuelle. Ich muss gestehen, Begriffe wie Genderqueer und Bigender sind mir selbst erst vor kurzem zum ersten Mal begegnet.

Ich wende mich an den Amerikaner.

Und wie ist es mit Ihnen, Eliott?

Eliott: Ich bin… heute würde man sagen, straight. Durch und durch. Ich verstehe auch nicht, wie sich zwei Männer oder zwei Frauen ineinander verlieben können. Also ich meine, ich weiß schon, wie sie … naja, Sie wissen schon. Also so von der Anatomie her, meine ich. Ich war auch gelegentlich mal in Freudenhäusern, gebe ich zu. Ich weiß, wie sich zwei Frauen miteinander…

Er räuspert sich und runzelt die Stirn.

Also, wie gesagt, wir sprechen nicht öffentlich darüber. Sehen Sie es mir also nach, wenn ich nicht ins Detail gehe. Ich denke, es ist klar, was ich meine.
Sagen wir mal so, ich kann es nicht persönlich nachvollziehen. Mir ist das fremd. Aber durch Victor, seinen Freund und die beiden Damen hier hab ich einiges erfahren, was an meinem Weltbild gerüttelt hat. Also zum Beispiel, dass eine Frau sich dazu entschließen kann, eher mit einer anderen Frau zusammen zu sein, als eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen.

Heute können sogar lesbische oder schwule Paare zusammen Kinder groß ziehen – das wird dann Regenbogenfamilie genannt.

Der Amerikaner sieht mich mit großen Augen an.

Eliott: Was Sie nicht sagen… da wird mein Weltbild ja noch mehr durcheinander geschüttelt. (Er zuckt mit den Achseln). Naja, aber ich muss ja nicht alles in dieser großen, weiten Welt verstehen… Manche unserer Zeitgenossen im 19. Jahrhundert halten das ja für krank. Also dass Menschen, die sich in ihr eigenes Geschlecht verlieben, krank seien.

Ich muss leider sagen es gibt auch heute noch Länder und Gruppen von Menschen, die das auch heute, im 21. Jahrhundert, noch als krank betrachten. Es werden sogar immer noch angebliche Therapien dagegen angeboten. Aber die Mehrheit sieht es heute anders, einfach als eine weitere Form menschlicher Sexualität.

Eliott: Das ist interessant. Ich denke ja, es gibt noch so vieles in der Medizin, was unerforscht ist. Zumindest in unserer Zeit.

Das ist heute nicht anders, auch wenn es große Fortschritte gegeben hat seit dem 19. Jahrhundert. Aber es sind auch neue Krankheiten aufgetaucht. Aber das würde nun zu weit führen… (Ich verzichte darauf, von AIDS und dem HIV Virus oder weiteren Viren wie Ebola zu berichten, weil es den Rahmen des Interviews sprengen würde.)

Eliott: Der Punkt ist doch: Wenn noch nicht alles erforscht und bewiesen ist, wer kann sich dann anmaßen, Schwulsein oder auch andere sexuelle Orientierungen zu einer Krankheit zu erklären? Unsere Zeitgenossen tun das leider. Weil sie es ihnen fremd ist und weil sie Angst davor haben, vermute ich.

Giselle Butler meldet sich zu Wort. Sie ist die älteste in der Runde, fast fünfzig, und spricht mit einem französischen Akzent.

Giselle: Ja, das ist wirklich traurig. Denn Liebe ist schließlich Liebe, n’est-ce pas ?
Also, ich meine, ich persönlich kann mir das nicht vorstellen, mit einer Frau zusammen zu leben. Aber ich war nie in eine verliebt.
Ich war über 25 Jahre lang glücklich verheiratet und habe eine Tochter, die ebenfalls geheiratet hat. Die meisten meiner Freundinnen waren oder sind auch verheiratet. Aber ich habe einiges gelesen über… sagen wir mal… alternative Lebensstile. Manche Leute heute, in Ihrem Jahrhundert, scheinen sich zu fragen, hat es das denn immer schon gegeben?Also, ich kann natürlich nicht für alle Zeiten sprechen, aber denken Sie doch mal an Georgiana Cavendish, eine Duchess von Devonshire im ausgehenden 18. Jahrhundert, die hat zeitweilig mit einer Frau und ihrem Mann zusammengelebt. Oder kennen Sie das französische Buch „Mademoiselle de Maupin” von Théophile Gautier? Darin verlieben sich ein Mann und dessen Geliebte beide in einen androgynen abenteuerlustigen Mann verlieben, der sich dann als Frau entpuppt. Angeblich eine wahre Geschichte. Und es gab wohl auch einige Gerüchte über den Dichter Lord Byron, und wir sprachen ja auch gerade über Oscar Wilde.

Nica:
Ich war ja auch mal in einen Mann verliebt, und wir sind bis heute Freunde. Aber jetzt bin ich mit Fiona zusammen.

Fiona: Ja, was das angeht, sind wir wohl ein wandelndes Klischee – ich hatte gleich diese Schmetterlinge im Bauch, als ich sie das erste Mal gesehen habe. Das war Liebe auf den ersten Blick.

Nica (lächelt ihrer Freundin zu): Das ging mir ähnlich, muss ich sagen.

Gestern abend habe ich erfahren, dass man Menschen wie mich im 21. Jahrhundert als bisexuell bezeichnet. Für mich ist das einerlei, ob jemand weiblich oder männlich ist, es kommt einfach auf die Person an. Und als Künstlerin finde ich ebenfalls beide Geschlechter ästhetisch schön.

In dem Damenclub, in dem ich bin, haben sich übrigens alle Frauen der sapphischen Liebe verschrieben. Aber die Gründerin, Lady Thelma, war früher auch verheiratet. Heute… ich meine, 1887, war sie Witwe und lebte mit einer Frau zusammen. Also ist sie wohl auch bisexuell.

Fiona, was sagen Sie denn dazu, dass Nica mal in einen Mann verliebt war?

Fiona: Oh, das hat zu einigen Problemen geführt, muss ich gestehen. Das will ich hier nicht erzählen, aber das können Sie auch in unseren Memoiren (2) nachlesen.

Nica: Dazu möchte ich jetzt auch nichts sagen. Aber mir fällt gerade noch etwas anderes ein. In unserem Damenclub ist auch eine Frau Mitglied, die im Körper eines Mannes geboren wurde. Sie ist gewissermaßen ein Ehrenmitglied. Transgender, nennt man heute wohl? Oder Transfrau. Und vielleicht ist es schwer vorstellbar, aber solche Menschen hat es auch in unserer Zeit schon öfter gegeben, z.B. James Barry, ein englischer Arzt, der ebenfalls erwiesenermaßen als Frau geboren wurde und bis zu seinem Tod unerkannt als Mann gelebt hat.

Früher wurde Transsexualität als krankhaft angesehen. Mittlerweile wurde dies u.a. in Dänemark geändert. Dort gilt Transsexualität nicht mehr als Krankheit und es gibt in vielen Ländern die Möglichkeit zur Transition, d.h. geschlechtsan-passende Operationen. Und es gibt immer mehr Transgender Rights Aktivist*innen*.

Die fünf Zeitreisenden starren mich an.

Eliott: So etwas ist möglich im 21. Jahrhundert? Das ist erstaunlich. Da hat die Medizin ja wirklich gewaltige Forschritte gemacht, was diese Operationen angeht, meine ich.

Aber ich möchte gern noch etwas anderes ansprechen. Ich mag vielleicht straight sein, aber ich habe nicht dieses… diese… Homophobie. Ja, das war‘s. So heißt das heute. Mir persönlich ist das völlig egal, welcher Erwachsene mit welchem anderen Erwachsenen ins Bett geht und was sie da tun. Ich meine, solange sie beide übereinstimmen in dem was sie da machen. (Er grinst schief.) Und solange ich nicht dabei zu sehen muss oder gezwungen werde, mitzumachen. Das ist eine Privatsache, finde ich. Wenn Leute übereinstimmen, etwas zu tun und sich dabei glücklich fühlen, warum denn nicht?

Ich bin eigentlich sehr für Gesetz und Ordnung, das hab ich noch aus meiner Zeit als Polizist in New York so drin, darauf wurde ich gedrillt. Aber dieses Labouchere Amendment sehe ich sehr, sehr kritisch. Das richtet gewiss viel mehr Schaden als Nutzen an.

Eliott, damit sind Sie Ihrer eigenen Zeit weit voraus. Und aus Sicht heutiger LGBTQ-Menschen ein „Ally“ der Community – ein Heterosexueller, der die LGBTQ-Menschen nicht nur toleriert, sondern auch deren Gleichberechtigung fordert. Ein Verbündeter oder Freund also.

 

Eliott: Wenn Sie es so nennen wollen, von mir aus. Und wie meinen Sie das mit der Gleichberechtigung genau?

In den Ländern, aus denen Sie stammen: USA, England, Irland und Frankreich ist es seit wenigen Jahren LGBTQ-Paaren erlaubt, zu heiraten, bei gleichen Rechten wie heterosexuellen Paaren.

Die anwesenden Zeitreisen sehen mich überrascht an.

Victor: Das finde ich fast nicht vorstellbar, wenn man es mit unserer Zeit vergleicht. Aber es freut mich, das zu hören.

In Deutschland, wo ich lebe, war dies bisher nicht möglich. Es gab zwar seit 25  Jahren die Möglichkeit einer eingetragenen Lebensgemeinschaft, aber nicht mit den gleichen Rechten wie bei Ehen. Das war vor allem auf konservative politische Kreise zurückzuführen, die in dieser Sache auf dem Status Quo verharren, denn nach einer aktuellen Studie sind rund 83 % der Deutschen für eine Öffnung der Ehe für alle und rund 95% befürworten ein gesetzliches Antidiskriminierungsverbot für LGBTQ-Menschen. Aber in diesen Tagen wird in Deutschland Geschichte geschrieben, denn gerade gestern wurde bekannt, dass die Ehe für alle noch diese Woche im Bundestag beschlossen werden soll.  Und die Chancen stehen gut, dass sie tatsächlich beschlossen wird und damit ein Grundrecht für alle zugänglich wird.

Eliott: Hmm, jetzt verstehe ich, was Sie mit Gleichberechtigung meinen. Das ist ein bisschen wie die Frauenrechtsbewegung, nur halt für Menschen anderer sexueller Orientierung. Gleiche Rechte für alle Menschen.

Übrigens, falls Sie sich fragen, ich hab keine Angst, dass mich Victor irgendwie zu seinem Lebensstil bekehren wollen oder mir eine „Gehirnwäsche“ verpassen. Dazu sind sein Freund und er beide viel zu englisch, finde ich. (Er lacht.) Immer höflich und diskret. Außerdem hab ich mir in meinem ganzen Leben noch nichts aufschwatzen lassen und ich lasse mich auch nicht zu Dingen überreden, mit denen ich nichts anfangen kann. Man kann nicht dazu gemacht werden, etwas zu sein, was man nicht ist, das ist meine feste Überzeugung. Victor sagte ja auch schon, man wird so geboren. Außerdem, seit dem was wir zusammen schon erlebt und durchgemacht haben, sind wir alle Freunde geworden. Obwohl wir so unterschiedlich sind. Ist nicht immer einfach, das gebe ich zu. Aber ich finde, Freunde sollten zusammenhalten.

Victor hebt sein Sektglas.

Victor: Lassen Sie uns darauf anstoßen. Auf die Freundschaft, über alle Grenzen und Unterschiede hinweg!

Wir prosten ihm mit eben diesen Worten zu.

Ein gutes Schlusswort, finde ich. Vielen Dank für dieses Interview und eine gute Heimreise zurück in Ihre eigene Zeit.

Anmerkungen:
* historische englische, negativ behaftete Begriffe für schwulen Sex, z.B. Analverkehr
** Mit Memoiren ist natürlich die Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“ gemeint. 😉
*** 1840: Letzte bekannte Hinrichtung wegen männlicher gleichgeschlechtlicher Handlungen in Großbritannien, die Todesstrafe bleibt aber bis zur Gesetzesreform 1861 theoretisch möglich und wird erst 1861 durch Gefängnisstrafen ersetzt.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_LGBT#Neuzeit)

Ein Kommentar vom 27.6. zur Öffnung der Ehe für alle:
http://www.queer.de/detail.php?article_id=29148

Interview mit Jona Dreyer

Anlässlich der Veranstaltung „Celtica Literaturwochenende“ hat mir die Autorin Jona Dreyer freundlicherweise einige Fragen beantwortet.

© Jona Dreyer

Jona, seit wann schreibst du und was sind deine Lieblingsthemen beim Schreiben? Bitte erzähl uns ein bisschen über deine Romane und Kurzgeschichten.

Im Prinzip schreibe ich schon, seit ich einen Stift halten kann, aber ich veröffentliche erst seit Mitte 2015.

Meine Romane und Kurzgeschichten haben eine große Gemeinsamkeit: Männer lieben Männer. Ansonsten sind sie thematisch sehr unterschiedlich. Die Auswahl reicht von romantischen Komödien mit satirischen Anteilen, über klassische Romances, Dramen, bis hin zu umfangreichen Fantasy-Romanen.

Will hier jemand Haggis?“ erzählt von einem Schottland-Urlaub, bei dem sich der Amerikaner Adrien in den Reiseleiter Lachlan verknallt. Im Nachwort schreibst du, dass ebenfalls bereits in Schottland warst, und dir einiges, was im Roman vorkommt, direkt vor Ort ansehen konntest. Was gefällt dir an diesem Land besonders?

Ernstgemeinte Antwort: das Essen! Es ist manchmal wirklich ein wenig gewöhnungsbedürftig, und vor allem ist es auch schwer und gehaltvoll. Ich liebe es. Leider. Ganz faszinierend ist dort selbstverständlich auch die vielfältige Natur. Die Lowlands mit ihren grünen Gebirgslandschaften haben mich an meine Heimat, das Erzgebirge, erinnert. Nur mit mehr Ginster. Weiter nördlich in den Highlands weicht das bizarren, mächtigen Landschaften mit karger Vegetation. Felsenklüfte, durchbrochen von Wasserfällen, beschneite Gipfel, rauer Wind. Ich liebe sowas. Und dann wieder sanfte Strände wie der Portobello Beach in Edinburgh. In Nordschottland haben wir sogar große Delfine gesehen. Nicht zu vergessen die vielen geschichtsträchtigen Orte. Alte Schlösser, Burgruinen. Es ist für jeden etwas dabei, der gern eine anspruchsvolle Reise abseits von Touristenstränden und AI-Buffets unternimmt.

In einer Szene wird in einem Touristenhotel Haggis zum Frühstück angeboten, also gewürzte Schafsinnereien – das schottische Nationalgericht. Weißt du ob das in in Schottland tatsächlich manchmal morgens gegessen wird oder ist das eher ein Gag für Touristen?

Das ist definitiv kein Touristengag. Das full scottish breakfast besteht aus Eiern, Speck, gebackenen Bohnen, Würstchen, tattie scones (Kartoffelecken), Black Pudding und oft auch Haggis und fruit pudding. Natürlich darf man sich das nicht so vorstellen, dass die Schotten jeden Morgen am Frühstückstisch sitzen und sowas essen. Man kann sich das wohl eher wie unser Sonntagsfrühstück vorstellen.

Um den Haggis existiert in Schottland ein regelrechter Kult. In der sogenannten Burns Night, die jedes Jahr am 25. Januar stattfindet, wird dem Haggis mit einem festlichen Abendessen gehuldigt. Dabei werden Gedichte und Lieder des Dichters Robert Burns vorgetragen, zum Beispiel die Ode an den Haggis.

Warum nennst du das Buch eigentlich im Untertitel „eine lauwarme Schottenromanze“? Teilweise geht es da doch ziemlich heiß zu…

Das „lauwarm“ bezieht sich scherzhaft darauf, dass es sich um eine Gay Romance handelt und manche Leute Schwule ja als „(lau-)warme Brüder“ bezeichnen. Ich habe zwischen lauwarm und rosarot geschwankt. Definitiv mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Will hier jemand Haggis?“ war kurz nach dem Erscheinen bei Amazon auf Platz 1 in der Kategorie „Gay Romance“ und auf Platz 5 im Bereich „Romantische Komödie“. Wie war deine Reaktion darauf? Hattest du etwas derartiges erwartet?

Im Gesamtranking aller verfügbaren Kindle-Bücher hat das Buch es sogar bis auf Rang 13 geschafft. Das ist enorm, gemessen an der Tatsache, dass die vorderen Plätze in der Regel mit Thrillern und Milliardärsromanzen belegt sind. Ich bin schon ein wenig stolz darauf, dass die Gay-Literatur immer mehr Aufmerksamkeit erhält. Sie verdient sie, es gibt so tolle Geschichten.

Ich hatte durchaus damit gerechnet, dass „Will hier jemand Haggis?“ gut angenommen wird, denn witzige Stories kommen bei den meisten Lesern sehr gut an. Mit so einem Einschlag hatte ich allerdings nicht gerechnet. Meine Schotten halten sich immer noch wacker in ihrem Ranking. Ich freue mich sehr darüber.

Magst du verraten, woran du aktuell arbeitest?

Aktuell arbeite ich an zwei Projekten zur gleichen Zeit. Das eine ist ein kleines Sequel zu meiner Romance „Polarnächte“, das andere ist ein äußerst spannendes Projekt, das wieder ganz andere Pfade betritt. Es handelt sich dabei um ein Drama mit Thriller-Elementen. Ich schreibe gerne mal eine witzige Story, aber Dramen sind meine eigentliche Leidenschaft.

Kann man dich in diesem Jahr auch live erleben, z.B. auf einer Lesung oder Buchmesse?

Sogar mehrmals! Am 10. und 11. Juni bin ich bei der Buchmesse Hofheim, in der Nähe von Wiesbaden. Das ist eine ganz neue Buchmesse, die unbedingt einen Besuch wert ist. Dann bin ich selbstverständlich auch bei der Buch Berlin vom 25.-26. November. Und, wenn sie stattfindet, bei der Gay Book Fair in Frankfurt im Oktober. In der Regel halte ich auf allen Messen, bei denen ich zugegen bin (immer mit eigenem Stand) auch Lesungen. Es lohnt sich also, mal bei mir vorbeizuschauen, ich halte auch gerne mal einen ausgedehnten Plausch mit meinen Leser_Innen.

Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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© Jona Dreyer

Meine Rezension zum Buch

„Will hier jemand Haggis – eine lauwarme Schottenromanze“ von Jona Dreyer
(Gay Romance bzw. Gay Romantic Comedy)

Klappentext und Buchbeschreibung
Zieh dich warm an, haben sie gesagt. In Schottland ist es arschkalt, haben sie gesagt.
Ausgerüstet wie für eine Expedition an den Nordpol stehe ich bei sonnigen 24°C am Flughafen von Glasgow und frage mich, was ich hier eigentlich mache.

Wieso behauptet meine Wetter-App steif und fest, es würde regnen? Weshalb finden scheinbar alle Schotten meinen Nachnamen komisch?
Was meinen diese deutschen Touristinnen mit tits of nature?
Und warum sieht mein heißer, schottischer Reiseleiter wie der einzig wahre Highlander aus, nur ohne die alberne Föhnwelle?

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dieser Urlaub ganz anders wird, als von mir geplant …

Enthält: Kitsch, Kilts, Karos, ausgiebige Schmuddelszenen mit ein bisschen Kink, deutsche Touristinnen mit grottigem Englisch, Innereien zum Frühstück, eine Lektion in schottischer Geschichte, schwärmerische Landschaftsbeschreibungen, Flachwitze, noch flachere Witze, die exorbitant gehäufte Erwähnung von Jesus, waghalsige Verkostungen verschiedenster Art und verwegene Mädchenfantasien.

Mein Eindruck:
Der Roman wird als „lauwarme Schottenromanze“ betitelt, allerdings geht es hier teilweise auch recht heiß zu. Auch warnt die Autorin in ihrer Vorbemerkung davor, dass man nicht allzu Tiefgründiges erwarten sollte. Und so ist es dann auch, hier entfaltet sich einfach eine lockere romantische Komödie, in der sich ein amerikanischer Tourist in einen schottischen Reiseleiter verliebt. Für Lacher sorgen u.a. Highlander-Witze, von denen es reichlich gibt, und die spezielle Aussprache von zwei deutschen Touristinnen, die des Englischen nicht so mächtig sind. Also genau richtig als leichte Unterhaltung für zwischendurch, ob nun im Schottland-Urlaub oder anderswo.

Über die beiden Hauptfiguren erfährt man nicht allzu viel aus ihrem bisherigen Leben, aber das ist auch weder für das Verständnis der Geschichte noch den Genuss an derselben notwendig. Adrien, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, ist aus meiner Sicht immer wieder schön selbstironisch und zieht sich auch gelegentlich selbst durch den Kakao (oder den Whiskey 😉

Lachlan wirkt zunächst ziemlich undurchsichtig und ein bisschen geheimnisvoll, aber nach und nach findet Adrien so einiges über den „Highlander“, wie er ihn gern nennt, heraus. Und erlebt dabei mehr als eine Überraschung… Das Ende werde ich natürlich nicht verraten, aber es passt bestens zum restlichen Buch, finde ich.

Im Nachwort schreibt die Autorin, dass sie ebenfalls in Schottland gewesen ist und sich einiges direkt vor Ort hat ansehen können. Das merkt man auch den Beschreibungen der Landschaft und Orte an, allerdings stehen diese nie im Vordergrund und werden entsprechend auch nicht allzu sehr in die Länge gezogen, was ich für diese Geschichte auch passend fand.

Mein Fazit: Wer auf tiefgründige Charakterentwicklungen und/oder seitenlange Landschaftsbeschreibungen hofft, der sollte lieber anderswo suchen. Wer leichte romantische Komödien mit schwuler Liebesgeschichten mag und ein Faible für Schottland hat, dem kann ich es nur weiterempfehlen.

Link zum Buch – eine Leseprobe erscheint, wenn man dort auf das Buchcover klickt:
https://www.jonadreyer.de/meine-romane/

5 Dinge über das Autorendasein

Foto: Pixabay

Auf diese Idee hat mich Anja Bagus gebracht, und es haben bereits mehrere AutorInnen
etwas über „5 Dinge“ geschrieben.

  1. Man kann nichts mehr wirklich unvoreingenommen lesen
    Wer sich erstmal intensiv mit der Struktur und den grundlegenden Regelnzum Aufbau eines gutes Romans beschäftigt hat, wird nichts mehr lesen können,
    ohne es ganz beiläufig und nebenbei zu analysieren. Die amerikanische Autorin K.M. Weiland beschreibt in ihrem Blog „Helping writers to become authors“, man kann sich probehalber Filme anschauen oder bei Büchern bestimmte Seiten aufblättern, denn nach allgemeinen dramaturgischen Regeln sollte nach circa 25 %, 50% und 75 % der Geschichte etwas Bestimmtes passieren – zum Beispiel der erste Plotpoint, eine überraschende Wende und der Auftakt zum spannende Finale. Das bedeutet z.B. bei einem 90-Minuten-Film, es lohnt sich, einmal zu schauen was in Minute 22  und 45 passiert (+/- ein paar Minuten).
  2. Als AutorIn brauchst du tolerante Freunde, Lebensgefährten und Verwandte.
    AutorInnen sind ein merkwürdiges Volk – sie sind glücklich damit, stundenlang etwas in ihr Notizbuch zu kritzeln – oder auch auf lose Zettel, die überall in der Wohnung herumfliegen, in Handtaschen oder Schubladen verschwinden. Oder sie starren mit ernster Miene ihren Bildschirm an, während sie in die Tasten hauen. Schüchterne Anfragen des Lebensgefährten, wie man denn voran komme, werden häufig mit einem mürrischen „Stör mich nicht!“ beiseite gewischt. Und nicht selten fällt bei der Wahl zwischen Freunde/Verwandte treffen oder etwas gemeinsam unternehmen und einer ausgedehnten Schreibsession die Wahl auf letztere – weil man den gerade vorhandenen Flow ausnutzen muss oder den Kuss der Muse…
  3. Rezensionen sind wichtig, aber nicht alles.
    Ich freue mich, wenn jemand sich die Mühe macht, mein Buch zu rezensieren. Allerdings ist mir bewusst geworden, dass ich es nicht Allen recht machen kann und nicht jeder mein Buch mögen wird. Jede Rezension stellt letztendlich eine subjektive Meinung dar, zumal sie in der Regel von einem Leser und nicht von einem Literaturkritiker geschrieben wird. Und Geschmäcker sind nun mal verschieden…
  4. Andere AutorInnen können deine Freunde sein. Müssen aber nicht.
    Als angehende Autorin und Debütantin im literarischen Bereich hatte ich lange Zeit erst mal eine Riesenehrfurcht vor anderen AutorInnen, die bereits ein oder mehrere Bücher veröffentlicht haben. Und dann wurde ich eingeladen zu einem Fantasy-Autorenstammtisch und war positiv überrascht von den sympathischen Leuten dort.
    Eine AutorIn erzählte von den gerade zu familiären Freundschaften, die sie mit anderen KollegInnen verbindet. Mit dieser Kollegialität geht einher, dass wir gegenseitig Flyer oder Lesezeichen mitnehmen zu Veranstaltungen oder auch mal Bücher unserer schreibenden Kollegen auf Veranstaltungen mit verkaufen, auf denen sie nicht dabei sein können. Da ist nichts zu spüren von Ellenbogen-Mentalität oder Konkurrenzdenken.
    Auf der anderen Seite habe ich in manchen Social-Media-Gruppen gnadenlose Besserwisserei oder auch absurde, negativ gefärbte Diskussionen unter AutorInnen erlebt, was mich ganz schnell dazu bewogen hat, die entsprechende Gruppe wieder zu verlassen.
  5. Irgendwann wird jeder Autor betriebsblind. Jeder.
    Unausweichlich kommt früher oder später der Punkt, an dem man die Distanz zum eigenen Werk verliert. Ich hatte das nicht so stark erwartet, und war ziemlich überrascht. Anschlussfehler, Logiklücken, inkonsequente Charakterhandlungen oder unpassende Perspektivwechsel und manches mehr sind mir entgangen. Und das ist der Moment, wo man sein Werk erst mal ruhen lassen sollte. Einige Tage oder Wochen. Wenn man das Manuskript anschließend wieder liest, ist man objektiver. Außerdem sind Testleser und Lektoren hier die richtigen Ansprechpartner, denn selbst wenn ich mein Buch zehnmal lese und überarbeite, wird es immer noch Dinge geben, die ich übersehe.

 

6 Dinge, die du einen Autor besser nicht fragst

Abbildung: Pixabay

Wieviele Bücher hast du schon verkauft?

Diese Frage ist ähnlich wie die danach, wieviel Geld man verdient. Das kann man unter engen Freunden, Verwandten etc. besprechen, doch in anderen Fällen ist dies unhöflich. Wenn der Autor dich dies wissen lassen möchte, wird er es dir selbst erzählen.
Übrigens misst sich der Wert eines Buches und die literarische Qualität eines Autors nicht allein nach Verkäufen. Selbst gehypte und sehr populäre Bestseller können von eher fragwürdiger Qualität sein (siehe beispielsweise die „Twilight“-Reihe oder „Fifty Shades of Grey“).

Ich habe auch eine Kurzgeschichte/einen Roman geschrieben. Kannst du das bitte lesen?

AutorInnen haben in der Regel wenig Zeit, denn das Schreiben eines Buches, das Recherchieren und Überarbeiten bis hin zum letzten Feinschliff dauert lange. Wenn du selbst ein komplettes Buch geschrieben hast, wirst du das wissen. Viele AutorInnen lesen zwar nebenbei noch regelmäßig selbst, aber die meisten suchen sich ihre Lektüren dann lieber selber aus. Falls du Verbesserungstipps zu deinen Texten möchtest, suche dir lieber Testleser oder eine Schreibgruppe.

Schreib doch mal was über… (hier generisches Thema einsetzen)

AutorInnen suchen sich in der Regel ihre Themen gern selbst aus, das ist ein Teil ihrer künstlerischen Freiheit. Teilweise bekommen sie auch Vorgaben oder Schreibaufträge von Verlagen, oder sie beteiligen sich an Ausschreibungen zu ganz spezifischen Themen. Natürlich kannst du einem Autor auch Vorschläge machen, vielleicht inspirierst du ihn damit ja sogar. Aber bitte erwarte nicht, dass er deine Idee auch umsetzt.

Ich habe einige schlechte Rezensionen über deine Bücher gelesen. Was sagst du dazu?

Lass mich dazu ein wenig ausholen. Früher waren Rezensionen z.B. den Feuilletons in Zeitschriften vorbehalten oder auch speziellen Literaturkritik-Medien (auch für die verschiedenen Genres). Die entsprechenden Journalisten oder Kritiker haben sich in der Regel umfassende Kenntnisse in Sachen Literatur angeeignet oder auch geisteswissenschaftlich studiert. Man konnte also mit sachlich-fundierten Kritiken rechnen.

Heute ist das anders: Rezensionen gibt es nicht nur in speziellen Literaturmagazinen oder Feuilletons, sie können auch von jedem Leser verfasst und online veröffentlicht werden, egal wie sehr sich dieser mit Literatur oder dem jeweiligen Genre auskennt.

Das größte Portal für Rezensionen ist mittlerweile Amazon, bei dem für alle Waren 1 bis 5 Sterne vergeben werden können. Wenn du einmal die Zeit hast, schau dir einmal dort die Rezensionslisten für einige international anerkannte klassische Literaturwerke oder auch moderne Bestseller an.

Du wirst anhand der vergebenen Sterne schnell feststellen, dass selbst bei diesen die Bewertungen stark schwanken.
Das zeigt, dass Meinungen über Bücher oft weit auseinanderliegen, je nachdem welche Erfahrungen der jeweilige Leser bisher mit dem Genre oder Büchern generell gemacht hat, welche Erwartungen er an ein Buch stellt oder welche Lesegewohnheiten er hat. Die Wahrnehmung eines Buches ist immer zumindest teilweise auch subjektiv. Daher kann ich dir nur raten: Wenn dich ein Buch wirklich interessiert, bilde dir am besten selbst eine Meinung darüber.

Dein Buch ist gerade erst erschienen, wie kann es sein, dass es schon Rezensionen hat – das geht doch nicht mit rechten Dingen zu?!

Häufig vergeben Verlage oder auch Autoren schon VOR der Veröffentlichung ihrer Bücher Rezensionsexemplare, z.B. an Bücherblogger. Wenn dann kurz nach dem Erscheinen bald schon die ersten Rezensionen erscheinen, kann dies die Aufmerksamkeit für das Buch erhöhen, daher wird das gern gemacht. Das bedeutet übrigens nicht, dass diese Rezensionen „gekauft“ sind. Gute Bücherblogger und andere seriöse Rezensenten werden eine ehrliche Meinung zu jedem Buch abgeben, unabhängig davon, ob sie ein Rezensionsexemplar erhalten haben oder sich das Buch selbst gekauft haben.

Hast du dein Buch selbst veröffentlicht, weil du keinen Verlag gefunden hast?

Diese Frage impliziert dreierlei – dass jeder Autor sich eine Verlagsveröffentlichung wünscht, dies der einzig wahre Weg zur Veröffentlichung sei oder dass das entsprechende Manuskript zu schlecht war, um einen Verlag zu finden.

Seit einigen Jahren hat sich der Buchmarkt jedoch deutlich gewandelt und Selfpublishing etabliert sich immer mehr. Das ist möglich geworden durch das Publishing on demand Verfahren aber auch den wachsenden E-Book-Markt, der die Veröffentlichungs- und Vertriebskosten gering hält. Es gibt inzwischen Bestseller-Autoren, die ausschließlich selbst veröffentlichen. Es gibt sogar Hybrid-Autoren – die sowohl in Verlagen als auch als Selfpublisher veröffentlichen. Andere gründen ihren eigenen (Klein-)Verlag, in dem sie entweder nur die eigenen Bücher oder auch noch andere verlegen.

Ich selbst bin übrigens Selfpublisher, da ich die absolute künstlerische Freiheit schätze, die das mit sich bringt. Allerdings schließe ich nicht aus, dass ich irgendwann einmal Hybrid-Autorin werde.

Der Blog Schreibwahnsinn hat vor einiger Zeit einen lesenswerten, humorvollen Artikel erstellt zum Thema:
10 Dinge, die du nie zu einem Autor sagen solltest.