Verlagsvorstellung: Der Art Skript Phantastik Verlag

Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag Foto: © David Knospe – http://davidknospe.de/

Ich verfolge schon seit längerem die Aktivitäten diesen engagierten Kleinverlags. Positiv aufgefallen sind mir die zahlreichen hochwertigen Anthologien zu verschiedenen Themen der Phantastik – mehrere davon, sowie einige Romane, wurden für Preise nominiert oder haben diese gewonnen, darunter den Deutschen Phantastik Preis. Auch in diesem Jahr gibt es für den Verlag wieder entsprechende Nominierungen. Zuletzt habe ich im Clockworker Magazin die Anthologie „Aeronautica – Logbuch der Lüfte” rezensiert.

Die Genres des Verlags sind:
Dark Fantasy
Steampunk
Space Opera

Ein Zitat von der Verlagsseite:
„Weg vom Mainstream und Kopien amerikanischer Bestseller, hin zu deutschsprachigen Originalen, willkommen auf der dunklen Seite der Phantastik. Nach diesem Motto führt Verlegerin und Grafik-Designerin Grit Richter den Verlag seit dem 01.01.2012 und konnte bereits einige Aufmerksamkeit erregen. Diverse Nominierungen und Gewinne des Deutschen Phantastik Preis für die Romane und Anthologien des Verlages zeigen, dass die ungewöhnlichen Geschichten auf dem Markt Anklang finden. (…)
Verlagsgründerin Grit Richter ist staatlich geprüfte Grafik-Designerin und kam eher durch eine Verkettung glücklicher Umstände zu ihrer Berufung. Eines Tages las sie das Roh-Manuskript von Michael Zandts Erstling und dachte sich, ,So geilen Scheiß, will ich auch machen.‘ Kaum ein halbes Jahr später wurde der Art Skript Phantastik Verlag geboren.”

Der Verlag arbeitet übrigens gern mit Bloggern zusammen. Hinweise dazu gibt es hier: https://www.artskriptphantastik.de/blogger.html

Wer als Autor*in gern ein Manuskript einsenden möchte, muss sich gedulden, denn aktuell nimmt der Verlag keine Manuskripte oder Exposées an.

Wo Ihr die Verlegerin und ihre Bücher demnächst live vor Ort antreffen könnt?
Grit Richter wird mit ihrem Verlag beim BuCon in Dreieich (19. Oktober 2019) und auf der Buchmesse BuchBerlin sein (23./24. November 2019). Geplant ist außerdem eine Teilnahme an der Leipziger Buchmesse 2020.

Die Webseite des Verlags: http://artskriptphantastik.de/
Twitter: @ASPhantastik
Instagram: https://www.instagram.com/asp_verlag/
Facebook: https://www.facebook.com/ArtSkriptPhantastikVerlag/

6 Fakten zur Entstehung einiger meiner Bücher

Manchmal ist die Entstehungsgeschichte eines Romans fast ebenso spannend wie der Roman selbst. Autorin Melanie Vogltanz (http://www.melanie-vogltanz.net/) interessiert sich sehr für die Geschichten hinter der Geschichte und findet es immer ein wenig schade, wenn diese irgendwo hinten in einem Nachwort versauern oder gar nie erzählt werden können. Deswegen hat sie letztes Jahr den Hashtag #6fakten ins Leben gerufen – sechs spannende, skurrile oder witzige Fakten über ein Buch, die man nicht einfach in der Produktbeschreibung findet.

Einen ersten Beitrag dazu gab es im letzten Jahr auf meiner Autorenseite bei Facebook:
https://www.facebook.com/amaliazeichnerin/posts/1890805287655742

Hier nun ein zweiter…

1. „Vanfarin – von Untoten und Totems”

Ich befand mich weit hinter der Frontlinie eines Schlachtfeldes und vor mir lag ein verwundeter, blutender Krieger. Mir zitterten die Hände vor Aufregung und Nervosität, als ich mich um seine Verwundung kümmerte, denn dieser hier durfte auf gar keinen Fall sterben. Natürlich sagte ich mir das bei jedem Patienten, doch dieser war ein Freund von mir. Das ist mir tatsächlich passiert – im Jahr 2016 spielte ich eine schamanische Heilerin auf einem der größten Liverollenspielcons der Welt, mit mehr als 8000 TeilnehmerInnen. Ein Freund von mir spielte einen Totemkrieger, der gerade im Kampf verwundet worden war. Unsere Begegnung hier war nicht außerhalb des Spiels abgesprochen, sondern zufällig. Unmittelbar nach diesen dramatischen Momenten auf dem Schlachtfeld kam mir eine erste Szene für diesen Fantasyroman in den Sinn. Natürlich habe ich unsere beiden Charaktere nicht eins zu eins übernommen, sondern eher als grobe Inspiration betrachtet, nachdem ich die Erlaubnis von diesem Freund erhielt, seinen Charakter als Vorbild für Brynjar zu nehmen.
(Text aus meinem Nachwort zum Roman)

2. Der Stern des Seth
Liverollenspiel und Pen & Paper Rollenspiel hat mich immer mal wieder für meine schriftstellerischen Projekte inspiriert. Die Journalistin Gemma Hawthorne, eine aus dem Team der ProtagonistInnen, basiert auf meinem allerersten, gleichnamigen Pen & Paper Rollenspielcharakter, den ich ab 2004 ca. 3 Jahre lang in einer „Call of Cthulhu”-Runde regelmäßig gespielt habe (viktorianisches Setting mit Horror- und Fantasy-Elementen).

3. An seiner Seite
Zu „Die Rolle seines Lebens” war eigentlich gar keine Fortsetzung von mir geplant. Im Gespräch mit Leserinnen hörte ich allerdings mehrfach den Wunsch nach einer, und mir kamen selbst auch weitere Ideen für Esteban und Oliver. Diese Fortsetzung schließt allerdings nicht an den Epilog von „Die Rolle seines Lebens” an. Dort wird erwähnt, dass seit der bisherigen Handlung über ein Jahr vergangen ist. Was in dieser Zeit passiert, habe ich allerdings nur angedeutet. „An seiner Seite” erzählt nun ausführlicher, was Esteban und Oliver in diesem Jahr erlebt haben … und geht noch darüber hinaus.
(Text aus der Vorbemerkung zum Roman)

4. „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Mörderische Ostern”
Die Idee zu diesem Krimi kam mir, weil ich schon länger einen Krimi mit einen geschlossenen Schauplatz schreiben wollte. Die Charaktere sitzen an einem Ort fest (in diesem Fall wurden sie in einem abgelegenen Herrenhaus auf dem Land eingeschneit) und kommen weder von dort weg, noch können sie Hilfe von außen anfordern. Um wem das bekannt vorkommt – geschlossene Schauplätze haben in der Kriminalliteratur schon eine längere Tradition.

5. „Frei und doch verbunden”
Die Geschichte, sehr lose inspiriert von Daniel Defoes „Robinson Crusoe” und anderen Robinsonaden, ist mir rund zwei Jahre lang immer mal wieder durch den Kopf gespukt, aber ich habe mich damals nicht getraut, sie aufzuschreiben. Ich wusste zu dem Zeitpunkt auch noch nicht, dass queere Bücher und insbesondere welche mit schwulen Liebesgeschichten zunehmend im deutschsprachigen Raum populärer werden. Erst Facebook-Gruppen wie „Homoerotische Lektüre für alle”, „Queere Literatur” und andere haben mir das gezeigt und mich ermutigt, die Geschichte zu schreiben und zu veröffentlichen.

6. „Orangen und Schokolade”
Wenn Protagonistinnen in Liebesromanen Übergewicht haben, hadern sie meistens damit, machen die xte Diät, quälen sich durch Sportprogramme etc. Ich wollte gern mal eine Geschichte schreiben, in der das nicht so ist. Sarah ist Plus-size-Trägerin, genießt aber ihr Leben und tritt für Body Positivity ein. Außerdem hat es mich gereizt, eine Geschichte über zwei sehr unterschiedliche Menschen zu schreiben, zumindest, was ihren Lifestyle betrifft.

Diversität und Repräsentation in der Literatur

In der deutschsprachigen Phantastikszene verfolge ich seit längerem Diskussionen über Diversität und Repräsentation. Auch in anderen Genres wird das inzwischen diskutiert.

Zunächst einmal: Was ist Diversität?
Sie ist ein Spiegel unserer vielfältigen, multikulturellen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der auch Minderheiten und marginalisierte Gruppen leben: Menschen mit Migrationshintergrund. Menschen mit Behinderungen. Queere Menschen (LGBTQ+). Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen. Menschen mit Neurodiversität**. Menschen mit Körperformen, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen. Menschen, die alternative Beziehungsformen leben, z.B. Polyamorie oder Patchworkfamilien. Diversität bietet die Möglichkeit, auch solchen Menschen eine Stimme zu leihen, sie zu repräsentieren – als Protagonist*innen oder Nebencharaktere. Das ist letztendlich eine Form der Inklusion. Auch in der Phantastikliteratur.

@DieKatzenhai schrieb neulich auf Twitter:
Wer ein rein weißes, dya, allo, cishet Cast schreibt, kann einfach nicht gut schreiben. Diversität *ist* Realismus.

Wer sich angesichts der Abkürzungen fragt, was das bedeutet:
dya = Das Geschlecht eines Menschen ist klar, entweder weiblich oder männlich – das Gegenteil zu intersexuellen Menschen
allo(sexuell) = Das Gegenteil zu asexuell
cis(gender) = Das Gegenteil zu transgender; cisgender Menschen identifizieren sich mit dem Geschlecht, das bei ihrer Geburt vorlag.
het(erosexuell) = das Gegenteil zu queer

Ich würde zwar nicht unbedingt sagen, dass man nicht gut schreiben kann, wenn man nicht auf Diversität achtet. Aber Diversität ist auch aus meiner Sicht Realismus.
In vielen westlichen Ländern bilden weiße, dya/allo/cis/hetero Menschen zwar die Mehrheit der Gesellschaft. Wer aber nur solche Menschen in seinen Texten abbildet, blendet damit viele andere kleinere Gruppen aus, die ebenfalls zu unserer Gesellschaft gehören.

Warum ist Diversität überhaupt wichtig?

Menschen, die keiner Minderheit angehören, sind in gewisser Weise privilegiert, während marginalisierte Menschen in ihrem Leben oft negative Erfahrungen machen, z.B. Diskriminierung, fremdenfeindliches Verhalten, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus oder noch andere und zwar verbal oder auch physisch, bis hin zu Gewalttaten. Oftmals hat das noch dazu historische Gründe (z.B. Kolonialismus, Sklaverei, Illegalität von Homosexualität, massivste Menschenrechtsverletzungen im Nationalsozialismus und anderen totalitären Regimen u.a.).

Was hat das nun mit der Literatur zu tun? Belletristik, wie auch Theaterstücke, Comics/Graphic Novels, Filme, Serien und Spiele, also alle Medien, die Geschichten erzählen, bieten Leser*innen die Möglichkeit, sich mit den handelnden Charakteren mehr oder weniger zu identifizieren. Manche Charaktere können Mut machen, als Vorbild dienen, andere eher nicht. Manche können Probleme erleben, die auch marginalisierte Menschen im Alltag haben und damit deren Realität widerspiegeln. Sie können in fiktionaler Form zeigen, wie man solche oder auch andere Probleme überwinden kann oder damit umzugehen lernt. Damit bieten solche Charaktere letztendlich auch die Möglichkeit, Leser*innen Wege zu einer Art Empowerment (Handlungsfähigkeit) zu zeigen.

Wenn in Büchern aber alle Charaktere wie oben beschrieben weiß, dya/cis/allo/hetero, und neurotypisch** sind, finden sich Menschen, die das nicht sind, darin nicht wieder. Natürlich können sie die Geschichte trotzdem lesen, aber sie werden sich weniger mit den Charakteren identifizieren können, weil diese andere Lebensentwürfe, andere Weltanschauungen oder einen anderen Sozialisationshintergrund als sie selbst haben.

Man könnte auch sagen, wer ausschließlich weiße, dya/cis/allo/hetero, neurotypische** Charaktere ohne Behinderungen oder Erkrankungen schreibt, wendet sich damit letztendlich im Grunde nur an Leser*innen, die das auch sind. Und das ist zwar die Mehrheit unserer Gesellschaft im deutschsprachigen Raum, aber halt nicht die gesamte.

Ein weiteres Problem: Es gibt unzählige Bücher, die genau so gestaltet sind, es ist die Mehrheit an Publikationen. Bücher, die Diversität thematisieren – und das auf gelungene Weise – die muss man im deutschsprachigen Raum meistens noch immer suchen.

Aber das ist doch alles Fantasie. Das hat doch sowieso keinen Einfluss auf das reale Leben”
Auf den ersten Blick mag das stimmen. Allerdings gibt es Studien, die zeigen, dass der Konsum von fiktiven Inhalten sich durchaus auf Menschen, ihre Gedanken und ihr Verhalten auswirken kann.

Siehe: The Psychology of Entertainment Media – Blurring the Lines Between Entertainment and Persuasion
https://numerons.files.wordpress.com/2012/04/14psychology-of-entertainment-media.pdf

Entsprechend wird sich auch eine positive Repräsentation sich auf die eine oder andere Weise auf Leser*innen auswirken, die sich durch einen Charakter repräsentiert sehen.

Ein Beispiel: Falls du eine Frau* bist und dir die Superheldinnen-Filme „Captain Marvel“ oder „Wonder Woman“ gut gefallen haben, könnte es zum Teil daran liegen, dass du dich hier als Frau* durch eine Superheldin als Titelheldin repräsentiert gefühlt hast. Bis zu diesen beiden Filmen waren es fast ausschließlich männliche Superhelden, die auf der Leinwand und in Serien als Titelhelden agierten.

Darf man denn gar nicht mehr frei schreiben, was man will?”

Während in anderen Ländern, z.B. UK und USA mittlerweile größtenteils etabliert ist, dass Diversität wichtig und wünschenswert ist, wird hierzulande noch viel diskutiert, ob das so ist. Ich habe mehrfach die Frage gelesen, ob man denn nun nicht mehr frei schreiben dürfe, was man wolle. Natürlich darf man das. Die Kunst ist frei. (Artikel 5 des Grundgesetzes, hier nachlesbar: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html)

Entsprechend dürfen Autor*innen natürlich auch weiterhin Literatur ganz ohne Diversität schreiben, also mit den oben erwähnten weißen, dya/cis/allo/hetero, neurotypischen Menschen (oder Wesen) als Protagonist*innen und Nebenfiguren.

Man muss allerdings dann damit rechnen, dass manche Leser*innen und Rezensent*innen bei solchen Büchern auf einen Mangel an Diversität hinweisen. Zumal dieses Thema auch in anderen Medien, z.B. Games, Comics/Graphic Novels, Serien und Filmen einen immer größeren Stellenwert gewinnt.

Foto: Sweetlouise, Pixabay

Die Sexualität meiner Charaktere interessiert mich nicht.”

Oft höre ich dieses Argument in Bezug auf queere Charaktere, oder auch: „Es gibt sowieso keinen Sex in der Geschichte”. Allerdings führt das zu folgendem Problem: Wenn man die sexuelle Identität und Orientierung seiner Charaktere nicht einmal ansatzweise andeutet, wird ein Großteil der Leser*innen sie einfach heteronormativ als cisgender/hetero wahrnehmen – weil dass die Mehrheit an Menschen nun einmal ist und weil man es aufgrund diversitätsarmer Literatur gewohnt ist, über solche Charaktere zu lesen. Selbst wenn Sex keine Rolle spielt – Charakter sind auf die eine oder andere Weise aufgewachsen, haben ihre Erfahrungen gemacht, hatten eventuell schon mal Sex (oder auch nicht), hatten eine Beziehung (oder auch nicht). Es ist ein Teil ihrer Sozialisation, möglicherweise sogar ein wichtiger. All das prägt sie, auch das Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen und das Zusammenspiel mit dem eigenen oder dem anderen Geschlecht bzw. anderen Geschlechtern. Oft reichen schon wenige Sätze in einem Buch, um zumindest anzudeuten, welche sexuelle Identität und Orientierung ein Charakter hat. Übrigens: Queere Charaktere müssen in einer Geschichte keinen Sex haben, um queer zu sein.
Siehe auch:
https://alpakawolken.de/mein-charakter-hat-keine-sexualitaet/
https://alpakawolken.de/der-fluch-der-heteronormativitaet/
https://alpakawolken.de/repraesentation-geht-auch-ohne-sex/

Aber ich kenne keine marginalisierten Menschen. Wie soll ich dann über sie schreiben?”

Für die meisten Geschichten muss man recherchieren, das gilt auch für den Phantastikbereich. Also warum nicht auch über das Leben von Minderheiten recherchieren? Es gibt Erfahrungsberichte, Biografien, Blogs und vieles mehr, was sich dazu lesen lässt oder auch Dokumentarfilme und Leute bzw. Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen man Fragen stellen kann. Ja, das macht mehr Arbeit und man muss dafür eventuell seine Komfortzone ein Stück weit verlassen – aber es lohnt sich. Außerdem gibt es Sensitivity Reader: Menschen, die selbst zu einer Minderheit gehören und einen Text aus Betroffenensicht beurteilen können. Solche Leser*innen können auf problematische Mikroaggressionen, Klischees und Stereotypen oder andere Probleme hinweisen.Eine hilfreiche Webseite dafür: https://sensitivity-reading.de/

Und damit es keine Missverständnisse gibt: Niemand verlangt, dass Autor*innen in ihren Werken sämtliche marginalisierte Gruppen abbilden, die es gibt. Es müssen auch nicht direkt die Protagonist*innen sein, schließlich können auch Nebenfiguren eine Minderheit repräsentieren.

Und noch etwas: Immer wieder lese ich darüber, dass Klischees, Stereotypen und problematische Tropes im Zusammenhang mit Charakteren verwendet werden, die aus einer marginalisierten Gruppe stammen. Wer sich fragt, was Tropes sind, das sind typische Handlungsmuster, die innerhalb eines Genres, oder auch genreübergreifend häufig in verschiedenen Varianten auftauchen. Hier eine englischsprachige Seite dazu: https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/GenreTropes

Einige Beispiele für problematische Tropes:

  • Der einzige behinderte Charakter in einer Geschichte wird ausschließlich über sein Leid und seine Behinderung definiert.
  • Der einzige schwarze Charakter ist Mitglied einer üblen Gang, ein Drogendealer oder auf andere Weise kriminell.
  • Die einzige Person of Color (nicht-weiß) dient ausschließlich als „Funny sidekick” für den Protagonisten oder die Protagonistin
  • Der einzige queere Charakter stirbt auf dramatische Weise (Trope „Bury your gays”)
  • Der einzige neurodiverse Charakter wird nur über seine „Andersartigkeit” und seine Probleme mit sozialer Interaktion definiert, oder als einsames, verschrobenes „Wunderkind” dargestellt (z.B. Autismus, Asperger-Syndrom, Hochbegabung)
  • Der einzige schwule Charakter ist der beste Freund der Protagonistin. (Trope „Gay best friend”)
  • Ein eigentlich heterosexueller Charakter „wird” für diese eine ganz besondere Person schwul (Trope „Gay for you”) – was eigentlich auch noch zum Problem der Unsichtbarkeit von Bisexualität führt (Trope: „No bisexuals”)

Diversität bedeutet nicht, einen marginalisierten Charakter in seine Geschichte einzubauen und diesen einfach um des Drama willens leiden zu lassen. Wenn solche Charaktere einfach als Plotdevice benutzt werden, um Spannung oder Emotionalität zu erzielen, ist das falsch verstandene Diversität.

Viele marginalisierte Menschen möchten in Büchern auch nicht mit Klischees und Vorurteilen über ihre Gruppe konfrontiert werden, denn das erleben sie ohnehin viel zu häufig in ihrem Alltag, bis hin zu Diskriminierungen, Übergriffigkeit oder Gewalt.
Viele von ihnen wollen dann nicht auch noch Geschichten darüber lesen. Vor allem nicht von Autor*innen, die davon nicht selbst betroffen sind. Deshalb gibt es die „Own Voices”-Bewegung, bei der betroffene Autor*innen über ihre eigene Erfahrungen schreiben oder diese in ihre Bücher mit einfließen lassen.
Siehe z.B. https://alpakawolken.de/ownvoices-sind-wichtig/

Du möchtest diverser schreiben? Hier ein paar Tipps:

  • Schreibe lebensnahe, realistische Charaktere, die nicht einfach als Plotdevice dienen und auch nicht nur als (lustiger) Sidekick.
  • Mach sie authentisch und menschlich, gib ihnen eigene Motivationen (eine eigene Agenda) und mehr Eigenschaften als nur das, was sie als Mitglied einer Minderheit kennzeichnet. Definiere sie nicht allein über ihr „Anders-Sein“, denn das ist Othering.
  • Und keine Sorge, natürlich dürfen sie auch Schwächen und Macken haben, das macht sie menschlich.
  • Vermeide aber Klischees und Stereotypen.
  • Sprich mit Leuten, die zu dieser Minderheit gehören oder suche nach Sensitivity Readern


Diversität und Repräsentation in der Literatur stecken im deutschsprachigen Raum noch in den Kinderschuhen.
Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Verlage kaum damit werben, dass ihre Bücher divers sind und auch aus Klappentexten und Leseproben ist das selten ersichtlich.

Deshalb kann ich nur dazu aufrufen, was auch die Bloggerin Katriona schon schrieb: Wenn ihr Rezensionen schreibt oder wenn ihr selbst divers schreibt, und die Möglichkeit dazu habt, weist darauf hin, z.B. im Klappentext oder zumindest in der Buchbeschreibung. Das geht in den meisten Fällen auch ohne Spoiler.

Wer mehr über Diversität und Repräsentation erfahren möchte ohne darüber zu diskutieren, ob sie sinnvoll sind oder nicht – speziell dafür habe ich auf Facebook diese Gruppe gegründet:
https://www.facebook.com/groups/DiversitaetundRepraesentation/

Hier gibt es außerdem eine Liste mit Phantastikbüchern, in denen Diversität und Repräsentation eine wichtige Rolle spielt – die jeweiligen Diversitätsthemen sind bei den Büchern genannt.
https://docs.google.com/document/d/1VQHMAOkYWz-4d-scnGkCd6jyO1FA3m0eabdDRYb6W7Q/

Weitere Texte zum Thema:
https://www.tor-online.de/feature/und-der-ganze-rest/2017/04/can-we-talk-ein-plaedoyer-fuer-mehr-diversitaet-in-der-fantastik/

** neurotypisch ist das Gegenstück zu neurodivers. Menschen mit Neurodiversität können z.B. AD(H)S haben, autistische Züge, das Asperger-Syndrom, Hochsensibilität oder noch etwas anderes haben. Neurotypische Menschen haben keine solchen Varianten und bilden die Mehrheit der Gesellschaft.

Hochsensibilität und Buchmessen

Foto: Sponchia, Pixabay

Vor etwa vier Jahren habe ich herausgefunden, dass ich zu den hochsensiblen Menschen gehöre – was mir so einiges in meinem Leben erklärt hat. Das ist keine Krankheit, sondern einfach eine Form von Neurodiversität, die u.a. von der hochsensiblen amerikanischen Psychologin Dr. Elaine Aron seit den 1990ern erforscht wird.

Das bedeutet kurz gesagt, ich filtere Eindrücke anders und nehme sie stärker wahr als neurotypische Menschen. Wenn sehr viele verschiedene Sinneswahrnehmungen auf mich einstürmen, habe ich Probleme, mich auf eine davon zu konzentrieren.

Ein Alltagsbeispiel: Wenn auf einer Party viele Menschen sind und alle durcheinander reden, fällt es mir schwer, einem bestimmten Gespräch zu folgen, weil ich alle anderen nicht ausblenden kann. Gehe ich in ein Einkaufszentrum voller Menschen, werde ich dort von Sinneseindrücken „überflutet”. Entsprechend war ich nie ein Fan von Shoppingtouren mit Freund*innen und bin es auch heute nicht.

Bin ich hungrig, kann ich diese Wahrnehmung nicht ausblenden, sondern werde früher oder später „hangry” (englische Wortneuschöpfung aus „hungry” und „angry”)

Bin ich den ganzen Tag unter Menschen und interagiere ich mit ihnen, laugt mich das aus. Entsprechend brauche ich immer Rückzugsmöglichkeiten und Zeit für mich allein, um wieder „aufzutanken”, während andere Leute dieses „Auftanken” ganz gegenteilig eher in geselliger Runde und Interaktion mit anderen erleben.

In meinem Hobby LARP (Liverollenspiel) habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich dort auch mit Menschenmengen und starker Interaktion besser zurechtkomme als in meinem Alltag – selbst auf dem Großcon „Conquest of Mythodea” –, aber auch dort brauche ich Pausen, in denen ich nicht spiele, und Rückzugsmöglichkeiten, weil ich sonst bald erschöpft bin.

Buchmessen…
Als Autorin werde ich jedes Jahr gefragt, ob ich auf der Frankfurter und auf der Leipziger Buchmesse anzutreffen bin. Das bin ich nicht und habe ich auch in Zukunft nicht vor. Davon mal abgesehen, dass eine Teilnahme an diesen Messen für Selfpublisher*innen wie mich praktisch nicht finanzierbar sind und beide für mich eine weite Anreise bedeuten, sind sie mir persönliche schlichtweg zu groß: Schon ein kürzerer Besuch dort würde mich angesichts der vielen Sinneseindrücke und der vielen Menschen völlig auslaugen.
Die BuchBerlin hingegen hat eine noch für mich gut überschaubare Größe. Und selbst da bin ich abends von all den Eindrücken meistens so überwältigt, dass es mir schwerfällt, zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen.

Einige weitere Texte über Hochsensibilität:
http://www.hochsensibel-test.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochsensibilit%C3%A4t

Auf Englisch: https://hsperson.com/

Schreiben über das Schreiben

Schreiben übers Schreiben

Stefanie Müller hat zu einer Blogparade eingeladen, an der ich mich gern beteilige:

Was schreibst du?
Romane und Novellen, seit 5 Jahren. Bzw. eigentlich schon, seit ich 17 bin, aber zwischendurch hatte ich eine langjährige Pause und damals auch noch nichts veröffentlicht. Ich würde auch gern Kurzgeschichten schreiben, aber das liegt mir nicht so und auf Anthologie-Ausschreibungen hin zu schreiben, erzeugt mir zu viel Druck.

Wie sieht für dich der perfekte Schreibtag oder die perfekte Schreibsession aus? Wenn es fließt. Wenn ich nicht nach drei Sätzen erst überlegen muss, wie ich den nächsten formuliere. Bzw. ansonsten, wenn ich mindestens 1000 Worte schaffe, egal wie die Umstände drum herum sind. Sind es mehr als 1000 Worte, freue ich mich sehr.

Was motiviert dich zum Schreiben?
Das kommt ganz von selbst, ich hatte immer schon diesen Drang, Geschichten zu erzählen. Schreiben ist für mich außerdem wie Meditation, oder vielleicht wie Traumreisen, denn ich kann damit in andere Welten abtauchen. Ansonsten motivieren mich all die Plotbunnys, die bei mir oft auftauchen.

Was ist die größte Herausforderung beim Schreiben?
Ich würde sagen, das Durchhaltevermögen. Schreiben ist so ungeheuer zeitaufwändig, man braucht einen langen Atem dafür. Außerdem schreibe ich teilweise eher distanziert und gehe nicht immer genug auf Gefühle und Empfindungen meiner Protagonist*innen ein. Daran muss ich mich immer wieder erinnern. Ansonsten empfinde ich zwei Arten von Szenen immer als Herausforderung: Sexszenen und Action-/Kampfszenen. Bei den Sexszenen denke ich oft, wie kann ich da Wiederholungen vermeiden, und bei Actionszenen ist vieles eine Frage der Koordination von Bewegungen oder auch mehreren Personen, die alle gleichzeitig agieren. Das ist gar nicht so einfach. Manchmal stelle ich dann eine Szene mit kleinen Figuren nach, um nicht den Überblick zu verlieren, wer sich gerade wo befindet.

Beim Schreiben muss ich unbedingt dabei haben:
Instrumentale Musik, z.B. von Erdenstern, oder Soundlandschaften, die atmosphärisch zu dem passen, was ich schreibe. Zum Beispiel etwas Düsteres für unheimliche Szenen, oder etwas Romantisches bei entsprechenden Stellen. Oder Geräusche aus einem Wald, wenn meine High Fantasy Helden gerade durch die Wildnis ziehen.

Bist du Mitglied in einer Schreibgruppe?
Nein. Hört sich vielleicht komisch an, aber ich bin ein ungeduldiger Kontrollfreak und lasse mir nicht gern in meinen Schreibprozess hineinreden. Was das angeht, arbeite ich lieber allein als im Team. Entsprechend wäre es für mich auch ausgeschlossen, zusammen mit einem anderen Autor einen Roman zu schreiben. Wenn es mal im Plot hakt und ich nicht weiter komme, ist mein erster Ansprechpartner meine bessere Hälfte – er ist sehr kritisch und redet mir halbgare, nicht durchdachte Plotideen immer ganz schnell aus – und natürlich weiß ich die Anmerkungen meiner BetaleserInnen sehr zu schätzen. Trotzdem tausche ich mich gern mit anderen AutorInnen aus, bei einem Autorenstammtisch, der einmal monatlich in meiner Stadt stattfindet. Ich schätze den Austausch und die gegenseitige Unterstützung dort sehr. Wir haben auch schon zusammen eine Lesung organisiert, die sehr gut besucht war.

„Sie wissen, wen.“

Abbildung: Tookapic, Pixabay

Ich liebe Anspielungen in Geschichten auf real existierende historische (oder noch lebende) Persönlichkeiten, Ereignisse oder auch bekannte fiktive Personen.Manchmal sind sie recht unerwartet; vor Jahren hab ich zum Beispiel in einem Terry-Pratchett-Roman eine Szene gefunden, die auf Indiana Jones anspielt.
Und weil ich so viel Spaß an solchen Anspielungen habe, habe ich natürlich auch in meinen Büchern welche untergebracht: In „Der Stern des Seth“ taucht kein geringerer als Arthur Conan Doyle auf und es gibt einen Hinweis auf seinen späteren literarischen Ruhm durch die Sherlock-Holmes-Romane.
In „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“ hat Nica einen schaurigen Traum, in dem Oscar Wilde eine Rolle spielt.
In „Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte“ verlangt ein Polizeibeamter in Anspielung auf Doctor Who: „Rufen Sie den Doktor – Sie wissen, wen.“ Und dieser Doctor hat dann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem 12. Doctor Who (gespielt von Peter Capaldi).
In einigen meiner Bücher, z.B. „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist“ sind mehrere historische Persönlichkeiten Teil der Handlung.
In „Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London“ bittet sogar Queen Victoria persönlich zu einer Audienz, bei der Erstaunliches zu Tage tritt.
Außerdem habe ich hier und da Anspielungen auf verschiedene historische Ereignisse, z.B. die erste Weltausstellung in London von 1851 mit dem extra dafür errichteten Kristallpalast.
In meinen Gegenwarts-Romanen „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ erwähne ich mehrere reale Schauspieler und Songs.
Auch in „Berlingtons Geisterjäger 4“ wird es wieder einiges an historischen und fiktiven Anspielungen geben, aber mehr verrate ich noch nicht.

Schreibtipps: Plotter oder Pantser?

Abbildung: Pixabay

Pantser kommt von englischen „pants” („Hose”) und beschreibt Autor*innen, die sich sich einfach auf ihren metaphorischen Hosenboden setzen und drauflos schreiben. Sie sehen dann einfach, wo die Geschichte sie hin trägt. Neulich habe ich dazu den Vergleich mit einem Gärtner gehört, der Samen pflanzt und dann im Laufe der Zeit schaut, welche Pflanzen (und wie) dabei herauskommen.

Plotter dagegen planen ihre Geschichte von Anfang bis Ende, sie sind wie Architekten, die zunächst ein Grundgerüst bauen und dann nach und nach Wände und andere Teile eines Hauses einbauen. Plotter kennen entsprechend in der Regel auch das Ende der Geschichte schon, bevor sie zu schreiben beginnen, was bei Pantsern nicht immer der Fall ist.
Als ich mit 17 meinen ersten Roman geschrieben habe (Urban Fantasy mit Vampiren), war ich noch ein Pantser und hatte keine Ahnung vom Plotten. Auch bei meinem zweiten Roman (High Fantasy) war es so – und ich habe mich hoffnungslos mit der Geschichte verfranst und sie an zig Stellen wieder und wieder umgeschrieben. Damit habe ich mich mehrere Jahre lang (!) beschäftigt, aber zufrieden war ich letztendlich nie mit diesem Roman. Das Ende vom Lied war, dass ich dieses Projekt bis heute als ausgedehnte Schreibübung betrachte. Mit anderen Worten: Das Pantser-Dasein hat für mich persönlich nicht funktioniert.

Vor ca. 6 Jahren habe ich dann einen Schreibratgeber gelesen – „Wie man einen Roman plant: Gliedern Sie Ihre Schritte zum Erfolg” von K.M. Weiland. In diesem wird sehr ausführlich Methoden zum Plotten beschrieben. Dieser Ratgeber war für mich ein Augenöffner. Seitdem bin ich ein Fan des Plottens. Gerade für komplexe Geschichten kann ich es sehr empfehlen. Dazu zählen für mich zum Beispiels Krimis oder Thriller, in denen ja auch meistens Dinge im Geheimen stattfinden, die dem Leser entweder gar nicht oder erst spät offenbart werden.

Allerdings heißt das in meinem Fall nun nicht, dass ich jeden Absatz meiner Geschichten vorab genauestens plane. Ich habe eher ein grobes Gerüst bzw. einen Ablauf. Meistens erstelle ich vorab in meinem Schreibprogramm Kapitel und schreibe zu jedem einige Stichworte, was darin passiert. Diesen Grundriss fülle ich dann während des Schreibprozesses mit Einzelheiten, die ich nicht schon vorher komplett kenne. Oft entwickeln auch meine Charaktere im Zusammenspiel eine Eigendynamik, die ich kaum voraussehen kann. Solange sie mir nicht den geplanten Plot sprengen, lasse ich ihnen dann auch gern freien Lauf.
Durch das Plotten habe ich auch die Freiheit, nach Belieben auch mal unchronologisch schreiben zu können. Ich kann also zum Beispiel das Ende vor dem Mittelteil schreiben oder mir einzelne Szenen herauspicken und diese zuerst schreiben. Gelegentlich entsteht auf diese Weise eine Art literarisches Puzzle, das ich dann nach und nach zusammensetze.

Ob man nun plottet oder einfach drauf los schreibt, ist natürlich eine Frage der persönlichen Vorlieben und wie man mit der jeweiligen Methode zurecht kommt. Ich würde deshalb angehenden Autor*innen dazu raten, beides auszuprobieren. Ein Nachteil des Plottens mag sein, dass es dann wenig Überraschendes zu entdecken gibt während des Schreibprozesses, weil man die Geschichte ja schon vorab geplant hat.
Der Vorteil beim Plotten liegt aus meiner Sicht darin, dass es meistens ziemlich effizient ist und man eher selten in die Verlegenheit kommt, später viel neu schreiben oder ändern zu müssen, weil der Plot ja bereits im Großen und Ganzen feststeht.

Weiteres zum Thema:

Plotten oder nicht plotten
https://www.die-schreibtrainerin.de/plotten-oder-nicht-plotten/

In 13 Schritten zum Roman-Plot

Verschiedene Wege, einen Roman zu plotten:
https://malakaldeen.wordpress.com/2018/01/07/verschiedene-wege-einen-roman-zu-plotten/

Video – Plotten mit 4 Akten:
https://www.youtube.com/watch?v=9Wp-M_vuMFA

Über die fatale Romantisierung von toxischen Beziehungen und anderen problematischen Tropes in der Fiktion

Foto: Pixel2013, Pixabay

Spätestens der Twilight-Reihe von Stephenie Meyer und „Fifty Shades of Grey“ von E.L. James (ursprünglich übrigens eine Fanfiction der Twilight-Reihe) sind Liebesgeschichten ausgesprochen populär geworden, die eine ganze Reihe an toxischen Verhaltensweisen romantisieren, darunter Grenzüberschreitungen, häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Entführungen, Stalking und noch einiges mehr. Ähnliches findet sich auch in manchen Liebesfilmen.
Oftmals geht es auch um die „Eroberung” eines Love-Interests, die dann mit allen Mitteln durchgezogen wird, bis hin zu dem erwähnten Stalking oder noch anderen fragwürdigen Methoden. Selbst wenn der Love-Interest deutlich macht, dass er oder sie kein Interesse hat, wird ein „Nein” nicht akzeptiert. Das allein ist schon ein problematischer Trope, der die Entscheidungsfreiheit von Menschen völlig in Frage stellt.

Nicht selten geht es in solchen Büchern auch um die Annahme, man könne einen „Bad Boy” zum Guten hin ändern. Oder dass dieser sich aus Liebe zu einer bestimmten Person sich zumindest dieser gegenüber nicht wie der letzte Arsch verhalten wird.
Der Typus des „Bad Boy” als Protagonist (fast ausschließlich männlich) ist mittlerweile so beliebt, dass manche Liebesromane den Begriff direkt im Titel tragen oder ihn zumindest im Klappentext unterbringen. Glaubt ihr nicht? Gebt einfach mal in einer großen Onlinebuchhandlung den Suchbegriff „Bad Boy“ ein.
Die Liebe zu einem „Bad Boy” mag romantisch klingen, ist sie aber nicht. Weil die Realität ganz anders aussieht. Viele Opfer häuslicher Gewalt können davon ein Lied singen – sie bleiben oft lange bei einem Partner, der sie schlägt oder auf andere Weise missbraucht. Weil sie die Schuld bei sich selbst suchen. Weil sie ihn trotz allem immer noch lieben, oder sich zumindest an diese Vorstellung klammern. Weil sie Angst vor einer Trennung und den entsprechenden Konsequenzen haben. Weil sie darauf hoffen, ihn doch noch ändern zu können. Das sind aber in vielen Fällen nichts als Illusionen. Die als realitätsferne Fantasien in entsprechenden Büchern auftauchen.

Nun werden manche Lesende so argumentieren, dass das ja eben alles Fantasie sei und einfach einer nervenkitzelnden Unterhaltung diene. Mir ist durchaus bewusst, dass es viele Leser*innen gibt, für die ein solches Buch genau das ist – einfach nur ein Nervenkitzel, etwas über im Grunde verbotene oder fragwürdige Verhaltensweisen zu lesen, der aber keine spürbare Auswirkungen auf ihr reales Leben hat.

Ähnlich, wie es auch ein Nervelkitzel für manche Computerspieler*innen ist, sich mit „Baller-Spielen” zu beschäftigen – für viele eine Möglichkeit, „Dampf abzulassen”, ohne dass dies Nachwirkungen im realen Leben hat. Während wiederum andere, leicht beeinflussbare und/oder labile Menschen dadurch auch in der Realität aggressiv werden können oder andere negative Verhaltensweisen an den Tag legen.

Entsprechend gibt es auch junge, leicht beeinflussbare oder auch labile Leser*innen, die oft in Büchern nach Vorbildern und Identifikationsfiguren suchen. Diesen wird im Genre der „Dark Romance” und verwandten Genres ein äußerst fragwürdiges Weltbild präsentiert: Verhaltensweisen (häufig von Männern), die im realen Leben im Grunde strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen würden, werden in solchen Büchern romantisch verklärt und geschönt, und damit in gewisser Weise normalisiert. Entsprechend dürften sie vor allem von diesen Leser*innen mit wenig Lebenserfahrung dann möglicherweise als etwas relativ Normales empfunden werden. Vielleicht erkennen sie darin auch Verhaltensweisen aus ihrem eigenen Umfeld wieder und sagen sich dann, „Männer sind halt so.” Insofern finde ich es fatal, dass manche dieser angeblichen Romanzen mit toxischen Beziehungsmustern als jugendfrei eingestuft werden, und auch in entsprechenden Kategorien in Onlinebuchhandlungen zu finden sind.

Das Argument, Fiktion sei doch Fiktion und würde sich nie wirklich auf die Gedanken- und Gefühlswelt von Menschen auswirken, ist übrigens hinfällig, wenn man sich Studien wie diese ansieht, die deutlich macht, dass sich der Konsum von fiktiven Medien aller Art durchaus auf das Weltbild und die Verhaltensweisen von Menschen auswirken kann:
„The Psychology of Entertainment Media – Blurring the Lines Between Entertainment and Persuasion” ( siehe: https://numerons.files.wordpress.com/2012/04/14psychology-of-entertainment-media.pdf)

Wenn man sich die erschreckenden Zahlen aus Kriminalstatistiken ansieht, wie viele Frauen (und auch Männer) jährlich vergewaltigt oder gar ermordet werden, wird deutlich, dass diese negativen, toxischen Verhaltensweisen, wie schon gesagt, sehr real sind. Entsprechend dürften sich Opfer von häuslicher Gewalt oder anderen Straftaten von solchen Büchern, in denen all das romantisiert oder als etwas „Normales” dargestellt wird, vermutlich auf Schlimmste verhöhnt vorkommen.

Entsprechend realistisch, ohne eine Romantisierung, sollte aus meiner Sicht auch der Umgang in fiktiven Texten damit sein.

Mein persönlicher Kodex als Autorin lautet daher:
Ich verzichte in meinen Geschichten auf die Romantisierung, Normalisierung oder Idealisierung von:
– sexueller Belästigung
– Missbrauch (verbal und körperlich)
– häuslicher Gewalt
– Vergewaltigung
– Stalking
– Entführung und Stockholm-Syndrom (https://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm-Syndrom)
– Gaslighting und anderen Formen von psychischer Manipulation
(https://de.wikipedia.org/wiki/Gaslighting)
– Grenzüberschreitungen
– ungesunde BDSM-ähnliche Beziehungen ohne Konsens und ohne Sicherheit
– sowie andere schädigende, menschenverachtende Verhaltensweisen, deren Täter keinerlei strafrechtliche oder andere Konsequenzen erfahren.

Sollten in meinen Büchern dennoch Charaktere oben genannte Verhaltensweisen an den Tag legen, werden sie dafür nicht mit der Liebe oder der erfolgreichen „Eroberung“ eines anderen Charakters „belohnt“, sondern werden stattdessen früher oder später schmerzhafte Konsequenzen auf die eine oder andere Weise erleben, bis hin zu strafrechtlicher Verfolgung.

Weiteres zum Thema:

Verwischte Grenzen: Wenn Literatur problematisch ist https://stuermischeseiten.de/2017/12/16/teegedanken-das-problem-mit-den-toxischen-inhalten-in-unserer-literatur/

Guilty pleasure oder Gesellschaftsproblem? https://eleabrandt.de/2018/02/05/guilty-pleasure-oder-gesellschaftsproblem/

Meine Probleme mit Pseudo-Liebesromanen https://ninahasse.wordpress.com/2017/04/26/meine-probleme-mit-pseudo-liebesromanen/

Rapefiction-Debatte: Es geht um alles, aber nicht um Sex https://geekgefluester.de/rapefiction-debatte-es-geht-um-alles-aber-nicht-um-sex

Sexuelle Gewalt im Mediengedächtnis https://buechnerwald.wordpress.com/2019/04/14/sexuelle-gewalt-im-mediengedaechtnis/

Podcast-Folge zum Thema: https://feuer-und-brot.podigee.io/46-toxische-beziehungen

Die Autorin Jenny Trout hat vor einiger Zeit den Roman „Fifty Shades of Grey” (und andere Bücher) in allen Einzelheiten analysiert, Kapitel für Kapitel. Dabei legt sie unter anderem offen, wieviele negative Verhaltensweisen darin zu finden sind (englischsprachig): http://jennytrout.com/?page_id=5720&fbclid=IwAR2Vr6r__QuRlU95QEpQ05RDxgzbFchmHK-dNzLQfWZknC-oJRzCGWeY_Eg

Aktuell ist „The Mister” von E.L. James auch in den deutschen Bestseller-Listen zu finden.
Diese und andere Rezensionen lassen kein gutes Haar an dem Roman:https://www.vice.com/de/article/vb9eqy/e-l-james-the-mister-wir-haben-den-nachfolger-von-fifty-shades-of-grey-gelesen

Das Video „Stalking for Love“ zeigt Stalking, wie es in vielen Filmen umgesetzt wurde (englischsprachig, deutsche Untertitel können eingeschaltet werden):

„Entführung als Romanze“

(englischsprachig, deutsche Untertitel können eingeschaltet werden):
https://www.youtube.com/watch?v=t8xL7w1POZ0

leider nur englischsprachig: „Rom Cons: Problematic Movie Romance Lessons“
https://www.youtube.com/watch?v=ohmWqno24cE

Das, was wir lieben und das, was wir fürchten…

Abbildungen: Pixabay

Neulich habe ich mir mal Gedanken darüber gemacht, warum Menschen eigentlich Geschichten lieben, und oft ganz bestimmte Arten von Geschichten. Nach einiger Überlegung ist mir dann aufgefallen, dass im Grunde fast alle Geschichten, wenn man es stark herunterbricht, in eine von zwei Kategorien fallen – die einen erzählen in erster Linie von all dem, nach dem wir uns sehnen oder was wir lieben, die anderen erzählen vor allem davon, was wir fürchten.
Sehnsucht und Liebe spielt natürlich eine Große Rolle bei Liebesromanen aller Art, aber auch bei Familiengeschichten sowie Kinder- und Jugendbüchern.
Furcht wiederum ist ein zentrales Element im Krimi, Thriller und im Horror-Genre. Außerdem gibt es dann noch jene Geschichten, in denen sich diese beiden so unterschiedlichen Gefühlswelten mischen, z.B. im Dark Romance Genre, im Romantic Thriller, in Genre-Crossovern oder auch im Gothic Horror, der meistens sowohl Gruselelemente als auch romantische Tendenzen enthält. Gerade in letzter Zeit werden Antiheld*innen immer beliebter und solche Geschichten bieten dem Leser oft ein Auf und Ab an ganz unterschiedlichen Emotionen.

Auch die Phantastik lässt sich im Grunde in diese beiden Kategorien einteilen – da gibt es die teilweise romantisch verklärte Fantasy, die oft an eine vergangene Epoche angelehnt ist und auf der anderen Seite zum Beispiel eher düstere Dark Fantasy, die häufig ebenfalls historische Vorbilder hat. Auch Science-Fiction ist oft entweder utopisch-optimistisch, oder aber eher dystopisch. Historische Romane orientieren sich nicht selten nostalgisch, z.B. historische Liebesromane, oder aber sie beschreiben ein eher düsteres Setting.

Natürlich heißt das alles nicht, dass nicht auch andere Gefühle in unterschiedlichen Geschichten angesprochen werden. Und auch der Verstand will ja unterhalten werden. So bieten gerade Krimis und Thriller oft jede Menge Rätsel und Möglichkeiten für den Leser, selbst im Geiste mit zu ermitteln. Aber wie gesagt, wenn man es stark herunterbricht, passen eigentlich alle so gut wie die meisten Geschichten in eine der beiden genannten Kategorien.

Ich selbst schreibe sowohl gern das eine als auch das andere, weil dies mehr Abwechslung bringt, oder ich schreibe Genremischungen, in denen beides vorkommt, z.B. die Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“.

Wie meine Buchcover entstehen

Ich habe Grafikdesign studiert. Die entsprechenden Kenntnisse nutze ich sehr gern, um meine Buchcover selbst zu gestalten und das macht mir sehr viel Spaß. Es klingt vielleicht skurril, ist aber kein Witz:
Oft habe ich Ideen für Buchcover, bevor das Buch überhaupt geschrieben ist. Die nenne ich gern Buchcoverbunnys, in Anlehnung an die Plotbunnys. Aktuell befinden sich auf meinem Rechner 5 Buchcover-Entwürfe, zu denen ich die entsprechenden Bücher erst noch schreiben oder – in einem Fall – überarbeiten muss. Die zeige ich aber erst dann, wenn die Bücher halbwegs fertig sind.

Meistens verwende ich Fotografien aus Fotoagenturen, entweder einzeln oder ich montiere zwei oder mehr mit einem Grafikprogramm zusammen (z.B. bei „Der Stern des Seth”, „Die Rolle seines Lebens” und „Frei und doch verbunden”) oder ich kombiniere sie mit eigenen Illustrationen (die stilisierten Tiere auf dem Cover von „Vanfarin – Von Untoten und Totems”).

Bei einigen Büchern habe ich ganz bewusst auf (Foto-)Abbildungen von Menschen verzichtet, unter anderem weil es gar nicht so leicht ist, passende Modelle zu finden – gerade für den Phantastik-Bereich.
Bei „Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt“ gab es ursprünglich ein von mir gemaltes Portrait von Victor Berlington auf dem Buchcover, in Kombination mit dem Hintergrundbild.
Nachdem mir allerdings immer wieder LeserInnen zurückgemeldet haben, dass sie illustrierte Gesichter in dieser Form auf Buchcovern ablehnen, habe ich das Portrait entfernt, so dass nur noch die Hintergrund-Landschaft zu sehen ist. Man könnte auch sagen, Victor Berlington ist wohl in der Anderswelt verschwunden.

Beim Cover zu „Ein Mann namens Flora“ habe ich absichtlich in die Klischeekiste gegriffen und ein rosafarbenes Cover mit Blumen gestaltet – nicht, weil es mir persönlich so gut gefällt, sondern weil es perfekt zum Protagonisten und seinen Vorlieben passt.

Bei „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray” habe ich eine original historische Modezeichnung als Vorlage für die Silhouette von Miss Murray genommen und diese kombiniert mit Jugendstilornamenten sowie einem tapetenartigen Hintergrund, der ebenfalls Ornamente zeigt. Um den Wiedererkennungseffekt der Reihe zu erhalten, ist das Grundmotiv bei den verschiedenen Bänden immer dasselbe, nur die Hintergrundfarbe ändert sich. Je nachdem, wie lange ich diese Reihe noch fortsetze, kann es aber auch sein, dass ich hier später noch Änderungen vornehme.

Übrigens: Das Foto einer rötlich beleuchteten Gasse auf dem Cover von „Berlingtons Geisterjäger 2 -Mördernächte” soll eine Gasse im viktorianischen Whitechapel (in London) darstellen, ist aber in Wirklichkeit von dem Fotografen im heutigen Italien aufgenommen worden.