Liebe und Romantik – „Frauensache“?

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Liebe und Romantik größtenteils als „Frauensache“ gilt. Gern wird alles, was damit zu tun hat, von Männern abgewertet: als Gefühlsduselei, als verweichlicht, als „nicht männlich“.

Das ist leider kein Wunder, denn vielen Männern wurde bereits in der Kindheit vermittelt, dass sie auf gar keinen Fall Gefühle oder Verhaltensweisen zeigen dürfen, die als „ typisch feminin“ gelten. Nichts wird von vielen Männern als schlimmer erachtet, als in irgendeiner Form feminin zu wirken. Man könnte sie ja für schwul halten (oder queer), und wo kämen wir denn dahin? Ja, das war sarkastisch.

Entsprechend wird auch in der Kunst alles in dieser Richtung häufig abgewertet, weil es als „nicht männlich“ wahrgenommen wird. Erotikliteratur, häufig von Frauen für Frauen geschrieben, wird kategorisch von weißen, männlichen cis hetero Feuilletonjournalisten zum Schund erklärt (ich nenne jetzt mal keine Namen. If you know, you know.) Diese Journalisten sagen auch, Romantasy sei total seicht und nur etwas für die „Booktok Girlies“, die dann wiederum auch für ihre Vorlieben abgewertet werden. Dahinter steckt nicht selten eine Menge Misogynie anstelle einer differenzierten Betrachtung des Genres.

Männliche Künstler, die sich mit Romantik und Liebe befassen, „dürfen“ das. Ihnen wird zugestanden, kreativ und künstlerisch mit Emotionen aller Art umzugehen. Sie werden dafür von anderen Männern (und Menschen anderer Gender) gefeiert – also z.B. Popstars, die über die große Liebe singen oder Schauspieler, die in einem Liebesfilm den romantic Lead oder den Love Interest spielen. Mehrere Liebesromane von Nicholas Sparks wurden zu Bestsellern.

Aber bei uns Normalsterblichen gilt oft noch immer: Romantik und Liebe sind Frauensache. Oder auch Sache der Queers. Überzeugt mich gern vom Gegenteil. Kennt ihr cis hetero Männer, die Liebesromane lesen? Oder sich mit Genuss eine Rom Com oder eine Weihnachtsromanze ansehen, und nicht nur, um ihrer Freundin zu gefallen?

Da alles politisch ist, ist auch das Private politisch. Auch Liebe ist politisch. An dieser Stelle möchte ich nicht das Fass aufmachen, dass Romantik und romantische Beziehungen in unserer Gesellschaft und Kultur stark überhöht werden, als das ultimativ erstrebenswerte Ziel, und dass dabei andere Lebensentwürfe, z.B. von aromantischen Menschen und Menschen auf dem a_sexuellen Spektrum, oft nicht mitgedacht werden. Dazu ließe sich ein eigener Blogbeitrag schreiben.

Mir geht es heute um etwas anderes. Auf der einen Seite gelten Liebe und Romantik als maximal erstrebenswert, auf der anderen Seite werden sie aber ständig abgewertet, weil im Patriarchat praktisch alles abgewertet und kleingeredet wird, was Frauen und Queers zugeordnet wird.

Dem gegenüber steht der im rechten Backlash der letzten Jahre wieder sehr verbreitete Mythos vom starken Mann, der über Kontrolle, Macht und Dominanz verfügt (die Mens Right Bewegung und die Incels lassen grüßen). Und ihr ahnt es schon, bei solchen angeblich „starken“ Männern ist keinerlei Platz für echte Liebe und Romantik. Denn diese Männer müssten sich ja dann mit „zarten“ Gefühlen oder zumindest kleinen Gefühlspflänzchen beschäftigen, diese hegen und pflegen, sie müssten auch emotional erreichbar sein für ihre Partner*innen.

Und das machen diese Männer natürlich nicht, denn das wäre nach ihrer Einschätzung „nicht männlich“. Stattdessen müssen ihre Partner*innen häufig die gesamte emotionale Arbeit in der Beziehung leisten (englisch: emotional labour), mitunter auch, um häusliche Gewalt zu verhindern.

Im christlichen Glauben gibt es die Nächstenliebe, die weder romantisch noch sexuell ist. Aber auch dafür ist bei diesen angeblich starken und dominanten Männern kein Platz (und ich rede hier von christlichen Nationalisten und Fundamentalisten, wie es sie so viele in den USA, aber nicht nur dort gibt). Denn die einzige Liebe zu ihren Nächsten bezieht sich bei diesen Männern auf einen kleinen Kreis vertrauter Leute, z.B. der eigenen Familie und maximal noch der eigenen Kirchengemeinde. Ihre „Nächstenliebe“ erstreckt sich weder auf ihre andersgläubigen, immigrantischen Nachbar*innen, noch auf Queers oder andere marginalisierte Menschen.

Überall dort, wo sich Menschen solidarisch und menschlich verhalten (wie z.B. im friedlichen Kampf und Protest gegen die Behörde ICE in Minnesota und weiteren Orten in USA zu sehen), wo sie ihre Nachbar*innen unterstützen, zeigen sie eine Form der bedingungslosen Nächstenliebe. Das mag christlich motiviert oder auch nicht, und man muss das auch nicht unbedingt mit diesem Begriff bezeichnen, wenn man das nicht möchte, aber darauf läuft es hinaus.

Und das ist wichtig. Ich zucke immer zusammen, wenn Politiker*innen von Liebe sprechen (und ich meine hier nicht die „Liebe zum Vaterland“), weil ich es schlichtweg nicht gewohnt bin, dass dieser Begriff in politischen Zusammenhängen genannt wird. Aber bedingungslose Nächstenliebe, Solidarität und Menschlichkeit sind genau das, was wir in diesen Zeiten mehr denn je brauchen.

Was viele Männer dagegen von klein auf gelernt haben: Wut ist in Ordnung. Wut sei eine „männliche“ Emotion. Das lernen viele Männer auch in wettbewerbsorientierten Sportarten, oder im Beruf, wenn dort eine aggressive Ellenbogenmentalität herrscht. Aber Wut kann konstruktiv oder destruktiv sein. Und bei zu vielen Männer schlägt die Wut (oder manchmal auch unterdrückte Angst oder eine innere Unsicherheit, oder eine Kombination aus all dem) irgendwann um in Hass. Hass auf Frauen. Hass auf die Regierung. Hass auf die eigene Familie. Hass auf alle, die anders sind als sie selbst. Und zu häufig fallen sie dabei auf destruktive Narrative herein, von rechten oder rechtsextremen Parteien, die genau all das befeuern. Und dieser Hass bereitet den Boden für all die menschenfeindlichen -ismen, die es gibt, wie Rassismus und Sexismus, Ableismus, Misogynie und Queerfeindlichkeit.

Vielleicht sollten wir den Begriff Liebe einfach etwas mehr normalisieren. Speziell im Hinblick darauf, dass es eben nicht nur romantische Liebe gibt, sondern auch eine unromantische, unsexuelle Liebe zu seinen Mitmenschen. Und ich wäre sehr dafür, dass nicht nur Frauen, Queers und FLINTA* diesen Begriff normalisieren, sondern auch Männer.

Und das geht aus meiner Sicht nur, wenn wir Jungen und amab (assigned male at birth) Personen so erziehen, dass sie alle ihre Gefühle fühlen und ausdrücken können, ohne sich fürchten zu müssen, dass sie dann abgewertet oder ausgelacht werden. Und was die erwachsenen Männer betrifft: Fangt bitte an, in euch hineinzuhorchen, wenn ihr das noch nicht getan habt. In euch ist ein ganzer Schatz an vielseitigen Emotionen, und ihr dürft sie alle fühlen. Ihr dürft sie auch benennen und euch mit euren Partner*innen oder Freund*innen darüber austauschen. Und wenn ihr schon mal darüber nachgedacht habt, eine Therapie zu machen, auch das ist ein Weg, sich seinen Emotionen zu nähern und diese zu reflektieren.

Übrigens: Wusstet ihr, wie hoch die Suizidrate bei Männern im Vergleich zu Frauen ist? Sehr viel höher (Fußnote 1). Und einer der traurigen Gründe dafür ist, dass viele der betroffenen Männer ihre Gefühle wegsperren, unterdrücken, in sich hineinfressen oder ähnliches, sich niemandem anvertrauen, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.

Definitiv ein weiterer Grund, sich mit seinen Emotionen zu befassen.

Fußnote
(1) siehe z.B. diese Statistik:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/suizide.html


Weiteres:
Ein Reel von Interstellar Isabellar auf Instagram analysiert die Serie „Heated Rivalry“ und zeigt auf, wie politisch Liebe ist – und wie hier die zwei Protagonisten (über einen Zeitraum von mehreren Jahren!) lernen, mit ihrer Liebe umzugehen und füreinander da zu sein, aller Widrigkeiten zum Trotz. https://www.instagram.com/reel/DU8bBTtDfgf/

Ein empfehlenswertes Sachbuch:
„Boys don’t cry – Identität, Gefühl und Männlichkeit“ von Jack Urwin, auf Deutsch erschienen in der Edition Nautilus

Bad Boys? Nicht bei mir.

(Oder: Warum ich keine Arschloch-Protagonist*innen schreibe.)

Vera vom YouTube Kanal Council of Geeks hat kürzlich eine sehr positive Video-Review über „Heated Rivalry“ gemacht und darin gesagt: „There are no assholes in this story.“ Damit meinte sie, dass es in Heated Rivalry keine Figuren gibt, die ihre Love Interests schlecht behandeln oder sich diesen gegenüber wie Arschlöcher aufführen – weder Ilya, noch Shane, noch Scott oder Kip, auch Svetlana und Rose nicht.

Daraufhin habe ich reflektiert, wie ich Romance schreibe. Und ich kann sagen, bei mir gibt es auch keine Bad Boys, keine Arschlöcher, die ihre Partner*innen (oder potenzielle Partner*innen) mies behandeln. Ich könnte an solch einem Verhalten nichts, aber auch gar nichts Romantisches entdecken.

Stattdessen erleben meine Protagonist*innen innere Konflikte: Dani aus „Hexen in Hamburg: Verliebt“ und Francis aus „Francis und das Gasthaus der Geister“ haben soziale Ängste, was sich auch auf ihr Liebesleben auswirkt.

Esteban aus „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ hat Depressionen und muss damit für sich und auch für seinen Freund einen Umgang finden.

Andere meiner Hauptfiguren sehen sich mit äußeren Konflikten konfrontiert: Jay und Nicholas aus „Frei und doch verbunden“ kämpfen um ihr Überleben, als sie auf einer abgelegenen Insel stranden.

Leroy und Clay aus „Love & Crime 101“ haben einige Struggles, die mit ihrem beruflichen Umfeld zusammenhängen.

Die nichtbinäre Person Ashley aus „Regency Park“ hat einen Stalker am Hals – der nicht Ashleys Love Interest ist.

In „Ein göttliches Paar“ hat eine der Hauptfiguren Konflikte mit ihrem Vater.

Der Vampir Richard und der Engel Turiel aus „Blutige Flügel“ müssen sich gegen Dämonen und ein Vampirjägerduo zur Wehr setzen, gegen Richards Schöpfer, aber auch Turiels Vorgesetze aus dem Himmel.

Grundsätzlich schreibe ich Hauptfiguren, die einander unterstützen, füreinander da sind, die einfühlsam mit ihrem Love Interest umgehen. Figuren, die sich bei Problemen nicht gegenseitig an die Gurgel gehen, sondern sich zusammenraufen, um die Probleme gemeinsam zu lösen.

Entsprechend sind meine Romances eher wholesome und ein weiterer Punkt, der mir wichtig ist: Konsens ist sexy.

Das, was wir lieben und das, was wir fürchten…

Abbildungen: Pixabay

Neulich habe ich mir mal Gedanken darüber gemacht, warum Menschen eigentlich Geschichten lieben, und oft ganz bestimmte Arten von Geschichten. Nach einiger Überlegung ist mir dann aufgefallen, dass im Grunde fast alle Geschichten, wenn man es stark herunterbricht, in eine von zwei Kategorien fallen – die einen erzählen in erster Linie von all dem, nach dem wir uns sehnen oder was wir lieben, die anderen erzählen vor allem davon, was wir fürchten.
Sehnsucht und Liebe spielt natürlich eine Große Rolle bei Liebesromanen aller Art, aber auch bei Familiengeschichten sowie Kinder- und Jugendbüchern.
Furcht wiederum ist ein zentrales Element im Krimi, Thriller und im Horror-Genre. Außerdem gibt es dann noch jene Geschichten, in denen sich diese beiden so unterschiedlichen Gefühlswelten mischen, z.B. im Dark Romance Genre, im Romantic Thriller, in Genre-Crossovern oder auch im Gothic Horror, der meistens sowohl Gruselelemente als auch romantische Tendenzen enthält. Gerade in letzter Zeit werden Antiheld*innen immer beliebter und solche Geschichten bieten dem Leser oft ein Auf und Ab an ganz unterschiedlichen Emotionen.

Auch die Phantastik lässt sich im Grunde in diese beiden Kategorien einteilen – da gibt es die teilweise romantisch verklärte Fantasy, die oft an eine vergangene Epoche angelehnt ist und auf der anderen Seite zum Beispiel eher düstere Dark Fantasy, die häufig ebenfalls historische Vorbilder hat. Auch Science-Fiction ist oft entweder utopisch-optimistisch, oder aber eher dystopisch. Historische Romane orientieren sich nicht selten nostalgisch, z.B. historische Liebesromane, oder aber sie beschreiben ein eher düsteres Setting.

Natürlich heißt das alles nicht, dass nicht auch andere Gefühle in unterschiedlichen Geschichten angesprochen werden. Und auch der Verstand will ja unterhalten werden. So bieten gerade Krimis und Thriller oft jede Menge Rätsel und Möglichkeiten für den Leser, selbst im Geiste mit zu ermitteln. Aber wie gesagt, wenn man es stark herunterbricht, passen eigentlich alle so gut wie die meisten Geschichten in eine der beiden genannten Kategorien.

Ich selbst schreibe sowohl gern das eine als auch das andere, weil dies mehr Abwechslung bringt, oder ich schreibe Genremischungen, in denen beides vorkommt, z.B. die Buchreihe „Berlingtons Geisterjäger“.