Warum lesen und schreiben so viele Frauen (straight oder queer) gern MM Romance?

Fanart von mir zu „Heated Rivalry“ (Shane und Ilya)

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Disclaimer: Ich verwende hier größtenteils den Begriff „Frauen“, aber FLINTA* sind ebenfalls mitgemeint, bzw. afab (assigned female at birth) Personen.

Der unerwartete große Erfolg der TV-Serie „Heated Rivalry“ hat große und kleine Medien unter anderem zu der Frage veranlasst, warum die Serie und auch die Bücher von Rachel Reid, auf denen sie basiert, so beliebt bei Frauen sind – obwohl es hier um die Liebe zwischen Männern geht. Ich habe darauf mehrere interessante Antworten gefunden, mehr als in den vergangenen Jahren.

Um 2017 wollte mir die Idee für eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern in der Regency Ära nicht mehr aus dem Kopf gehen. Damals wurde mir auch langsam bewusst, dass es im Fanfiction Bereich viel MM Romance gibt und ich shippte Dean Winchester und Castiel aus „Supernatural“ (auch bekannt mit dem Shipping-Namen „Destiel“).

Aber ich fragte mich auch: Darf ich das überhaupt, eine MM Romance schreiben und veröffentlichen? Keine Fanfiction, sondern ein Buch, für das ich Geld verlange? Ich bin ja weder ein Mann, noch bin ich schwul. Oder anders ausgedrückt, ich bin nicht own voice.
Aber dann wurde ich auf Facebook-Gruppen für queere Literatur aufmerksam und da wurde mir klar, es gibt zahlreiche Frauen (oder afab Personen), die MM Romance schreiben – und dafür auch ein begeistertes, größtenteils weibliches Publikum finden.

Und so habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und wenig später „Frei und doch verbunden“ veröffentlicht. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte, denn das Buch kam gut an.

In den folgenden Jahren machte ich zahlreiche Erfahrungen, die mich nachdenklich machten. Ich hörte von Autorinnen, die offen von schwulen Männern angefeindet wurden, weil sie MM Romance schrieben. Ich erntete irritierte Blicke bis hin zu beleidigenden Kommentaren von manchen schwulen Männern, wenn ich erzählte, dass ich unter anderem auch MM Romance schrieb. Oft hörte ich den Vorwurf, Frauen, die MM Romance schreiben, würden einfach schwule (oder bi) Männer fetischisieren.

Ich las einige Erklärungen, warum manche Frauen MM Romance so sehr mögen. Allerdings blieb einiges davon („Zwei heiße Männer sind spannender als nur einer.“) eher an der Oberfläche. Und mir selbst wurde auch nicht so ganz klar, warum ich MM Romance so sehr mag.

Erst in den Diskursen um „Heated Rivalry“ habe ich kürzlich einige Erklärungen für das Phänomen gefunden, in denen ich mich selbst auch wiederfinde, als afab Person.

Hier ein Zitat (aus dem Englischen übersetzt):
„Aber warum sind Millionen von Frauen so besessen von Geschichten über Männer, die sich ineinander verlieben? Warum scheint dies ein prägender Bestandteil weiblicher Fandoms zu sein? Warum hat sich dies als beliebte romantische Erkundung über Jahrzehnte, Genres und Fandoms hinweg gehalten?
Die einfache Antwort, die schon tausendmal geschrieben wurde, lautet, dass MM Romances geschlechtsspezifische Machtverhältnisse aufheben. Ohne die Last sexueller Gewalt, männlicher Privilegien und der Erniedrigung, die oft damit einhergeht, wie Männer Frauen im Patriarchat behandeln, können (junge) Frauen endlich ohne Angst ihre Sehnsüchte erkunden.
Sie nutzen MM als Experimentierfeld, um herauszufinden, wie Sehnsucht und Romantik aussehen könnten, wenn wir die spezifischen Dynamiken weglassen, die heterosexuelle Beziehungen im Patriarchat als erstickend, unsicher und deprimierend empfinden lassen, und gleichzeitig die Elemente beibehalten, die sie tatsächlich faszinierend finden: Intensität, Risiken, maskuline Ästhetik, Machtspiele. Oder sie erforschen ihre eigene queere Identität.“
(Quelle siehe Fußnote 1)

Weitere interessante Erklärungen findet ihr in den verlinkten (englischsprachigen) Artikeln, die sich alle mehr oder weniger auf „Heated Rivalry“ beziehen, aber auch darüber hinausgehen. Wenn ihr anderen dieses Phänomen erklären möchtet, oder wenn ihr selbst MM Romance lest oder schreibt und in eurem Umfeld auf Unverständnis stoßt, zeigt den betreffenden Leuten gern diesen Blogbeitrag oder die verlinkten Artikel.

Was mich betrifft, ich bin agender und auf dem asexuellen Spektrum. Mich mit MM Romance zu beschäftigen, ob lesend oder schreibend, bietet mir eine wohltuende Distanz zu mir, meinem Körper und auch manchen meiner Struggles.

Weitere Artikel
„Why Women Can’t Get Enough Of The Gay Male Romance In ‘Heated Rivalry’
A sex expert explains the unexpected appeal of all those steamy scenes between Shane and Ilya“
von Korin Miller
https://www.womenshealthmag.com/relationships/a69638098/heated-rivalry-why-women-love-gay-man-romance

„Women are feral for Heated Rivalry. What does that say about men?“
von Julia Carrie Wong
https://www.theguardian.com/society/2026/jan/13/why-do-women-like-heated-rivalry

„Down to Puck: Why Women Are Going Wild for ‘Heated Rivalry’
The Canadian series with explicit male-on-male sex scenes has tapped into a long-overlooked corner of the audience — and caught Hollywood by surprise“
von Seth Abramovitch
https://www.hollywoodreporter.com/tv/tv-features/heated-rivalry-hbo-max-gay-drama-hockey-players-hit-women-1236456083

Fußnote
(1) Quelle: „Everyone Hates Fangirls (Until They’re Right)
Slash fics, girl yearning, fangirl expertise, and all that we call culturally frivolous until it prints $125 million.“ von Rachel Issan Lowenstein, insgesamt ein lesenswerter Essay, wenn man sich für Fandoms, Fanfiction und auch aktuelle Buchtrends wie Romantasy interessiert.
https://girlstudies.substack.com/p/everyone-hates-fangirls-until-theyre

Mental Health: Was sind manische Phasen?

Die bipolare Störung war früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung, da Betroffene häufig entweder depressive oder manische Phasen erleben, sich also zwischen diesen zwei Polen bewegen.

Depressionen und ihre Symptome sind dank vielfacher Aufklärung mittlerweile recht bekannt, Manien allerdings weniger (oder sie werden in Geschichten teilweise verfälscht dargestellt, z.B. in reißerischen Thrillern).

Hier einige Symptome von Manien. (Disclaimer: Manien können sich je nach Individuum unterschiedlich äußern, jede Person ist einzigartig.)

In manischen Phasen neigen viele Betroffenen häufig zu einem völlig sorglosen Umgang mit Geld, z.B. tätigen sie größere Ausgaben, obwohl sie sich diese nicht leisten können.
Viele neigen zur Selbstüberschätzung.
Häufig fühlen sich Betroffene sehr energiegeladen, schlafen aber kaum, weil sie abends/nachts nicht zur Ruhe kommen.
Manche werden sehr gereizt, fahrig oder nervös und/oder aggressiv.
Die Libido verändert sich bei einigen.
Manche nehmen alles intensiver wahr: Farben, Gerüche, Musik, Berührungen … Und ja, das kann sich anfühlen wie auf einem Drogentrip. Ich habe nie Drogen konsumiert, aber aus Erzählungen, Geschichten und Berichten weiß ich, wie sich ein Drogentrip anfühlen kann. Einige Betroffenen reden plötzlich wie ein Wasserfall, um all die vielen Gedanken und Ideen auszudrücken, die in solchen Phasen auf sie einströmen.
Die Konzentrationsfähigkeit leidet.

Manches kann sogar positiv sein: Für kreativ tätige Menschen können manische oder hypomanische (1) Phasen starke kreative Schübe bringen. Ich selbst habe über die Jahre gelernt, hypomanische Phasen für meine Tätigkeiten zu nutzen und sie damit teilweise zu verarbeiten. Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass es im Laufe der Geschichte mehrere Kunstschaffende gegeben hat bzw. auch heute gibt, die die bipolare Störung haben/hatten, z.B. der Künstler Vincent van Gogh, die Musikerinnen Emilie Autumn und Mary Lambert.

Eine Liste mit entsprechenden Leuten gibt es auf Wikipedia, schaut dort bei Interesse mal nach „List of people with bipolar disorder“

(1) Hypomanie: Eine Art Vorstufe zur Manie, die sich nicht unbedingt in eine Manie entwickelt.

Buch-Aktivismus

Sunita Sukhana hat vier Fragen:

  1. Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram?
    2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
    3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
    4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Was ist der Fokus eures Aktivismus?

Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)

Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?

Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.

Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?

Lesende:
Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.

Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.

Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.

Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.

Autor*innen:
Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.

„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.

Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).


Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Victoria Linnea, Nora Bendzko und Noah Stoffers bieten regelmäßig Workshops für Autor*innen an, die sich mit Diversität befassen. https://www.victorialinnea.de/seminare-workshops

Auch Lena Richter bietet regelmäßig Workshops an:

Empfehlen kann ich auch das halbjährlich erscheinende Phantastik-Magazin „Queer*Welten“, das im Amrûn Verlag erscheint: https://amrun-verlag.de/cat/verlagsbuchhandlung/lgbt/

Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.

Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.

Fußnoten:
1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“

2) „Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?“

3)„Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“
https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/

4) Alternativen zu KI generierten Bildern (Beitrag in Deutsch und Englisch):

Einige Erfahrungen mit Armut, bzw. Existenzminimum

(This post in English)

Lesezeit: 5 Minuten

Die Menschen lieben Erfolgsgeschichten, nicht wahr? Vom Tellerwäscher zum Millionär. Menschen, die sich aus Armut herausgekämpft haben. Dies basiert lose auf der sehr neoliberalen Erzählung, dass „jeder seines Glücks Schmied ist“. Grüße auch vom Kapitalismus.

Aber was, wenn das Glück einfach nicht kommt oder verschwindet? Du verlierst deinen Job. Oder du erkrankst an Long Covid und bist nun dauerhaft arbeitsunfähig. Dein Partner verlässt dich und du bist plötzlich alleinerziehend. Du hast einen schweren Unfall oder eine schwere Krankheit und bleibst mit einer schweren Behinderung zurück, die nie wieder ganz heilen wird. Du leidest seit Langem an einer chronischen Krankheit oder hast seit deiner Geburt eine Behinderung. Du wirst obdachlos, weil du durch alle sozialen Sicherheitsnetze fällst.

Ich bin privilegiert aufgewachsen. Meiner Familie hat es materiell an nichts gefehlt. Ich konnte studieren und dann eine Ausbildung machen, auch dank der finanziellen Unterstützung meiner Eltern. Aber: Ich habe eine Behinderung und eine chronische psychische Erkrankung. Nachdem ich etwa 15 Jahre lang versucht hatte, irgendwo langfristig Fuß zu fassen, musste ich erkennen, dass ich einfach nicht belastbar genug für eine Vollzeitstelle oder sogar für bestimmte Formen von Teilzeitarbeit bin.

Ein weiteres Problem war, dass ich aufgrund meiner Neurodiversität Schwierigkeiten habe, mich über viele Stunden hinweg intensiv zu konzentrieren, aber in meinem früheren Arbeitsbereich (Grafikdesign) muss man sehr präzise arbeiten und selbst kleinste Details in Layouts erkennen und jederzeit korrekt gestalten können. 8 Stunden am Tag oder länger. Das war mir einfach nicht möglich. Das wurde mir während des Studiums nicht bewusst, sondern erst später, während einiger Praktika.

Während einer Gesprächstherapie wegen meiner psychischen Erkrankung empfahl mir die Therapeutin, einen sicheren, aber unspektakulären Job zu suchen. Sie war der Meinung, dass es in einem solchen Job einfacher wäre, mit der psychischen Erkrankung umzugehen. Einige Zeit später schlug mir ein Jobcoach eine Ausbildung zur Bibliothekarin vor, da ich Bücher liebe. Als ich mich jedoch in zwei verschiedenen Städten für eine entsprechende Ausbildung bewarb, wurde ich abgelehnt.

Und hier bin ich nun. Trotz aller Privilegien, die ich als Kind, Teenager und junge erwachsene Person hatte, lebe ich jetzt mit Existenzminimum, und selbst meine selbstständigen Tätigkeiten, denen ich ein paar Stunden pro Woche nachgehen kann, ändern daran nichts.

Warum schreibe ich das alles? Ich möchte zeigen, dass Armut aufgrund einer Kette unglücklicher Umstände jeden treffen kann – selbst wenn man irgendwann in seinem Leben Privilegien hatte.

Im Moment komme ich über die Runden, aber ich habe Angst vor meiner Zukunft. Vor allem angesichts möglicher politischer Veränderungen in Deutschland. Wenn die rechtsextreme Partei an die Macht kommt, könnte sie mir die staatlichen Leistungen wegnehmen, auf die ich teilweise angewiesen bin, um meine Miete, Lebensmittel und andere Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Oder sie könnte die Leistungen so stark kürzen, dass ich in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würde.

Oh, und übrigens: Eine Behinderung ist teuer. Ich brauche spezielle Schuhe, die schwer zu finden und nicht billig sind. Irgendwann in meinem Leben werde ich sicherlich einen Rollator oder einen Rollstuhl brauchen. Ich brauche eine Brille wegen meiner Kurzsichtigkeit. Außerdem muss ich täglich Medikamente einnehmen und einen Teil dieser Kosten selbst tragen (im Falle der Brille sogar die gesamten Kosten). Ich war seit sechs Jahren nicht mehr beim Augenarzt, weil ich Angst habe, dass er mir gesagt wird, ich bräuchte eine neue Brille, oder dass mir zusätzliche Untersuchungen nahegelegt werden, die für Menschen meines Alters empfohlen, aber nicht von meiner Krankenkasse bezahlt werden.

Ich habe nur sehr wenig Ersparnisse, die ich für Notfälle aufhebe – zum Beispiel, wenn mein Computer, mein Handy, mein Backofen, mein Drucker, meine Waschmaschine oder mein Kühlschrank ersetzt werden müssen. Ich musste meinen Computer sowie den Bildschirm und mein Handy ersetzen, was ein ziemliches Loch in meine Ersparnisse gerissen hat.
Seit 2019 habe ich keinen Urlaub mehr gemacht – nicht einmal einen kurzen, und ich habe solche Angst, dass ich das Geld von meinem Sparkonto für einen weiteren Notfall brauchen könnte, dass ich es nicht wage, es für etwas zu verwenden, das mir Spaß macht, wie ihr euch vorstellen könnt.

Ich habe Freund*innen und Familie. Manche Menschen haben es natürlich noch schwerer als ich, sie sind ganz allein.

Früher dachte ich, ich sei eine Last für alle um mich herum. Grüße vom verinnerlichten Ableismus.

Jahrelang hatte ich Schuldgefühle wegen des Geldes, das ich von meinen Eltern bekam – für mein Studium, für meine weitere Ausbildung. Ich machte Pläne, es ihnen eines Tages zurückzuzahlen. Eines Tages, so stellte ich mir vor, wenn ich endlich erfolgreich im Beruf wäre und Karriere gemacht hätte. Denn „jeder ist Schmied seines eigenen Glücks“, oder?

Ich komme immer wieder auf ein Zitat zurück, das ich einmal in den sozialen Medien gelesen habe, von Melanie Lau:
„In westlichen Kulturen glauben wir, dass wir aus einem bestimmten Grund leben müssen. Um zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Einige indigene Kulturen glauben, dass wir genauso leben wie die Natur: Um hier zu sein, um schön und seltsam zu sein. Wir müssen nichts erreichen, um als Menschen valide zu sein.“

Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lassen uns alle glauben, dass es unsere moralische Pflicht ist, erfolgreich zu sein und Karriere zu machen. Viele Menschen richten ihr ganzes Leben danach aus. Es gibt seit Jahrhunderten religiöse Traditionen, zum Beispiel den Calvinismus, die diese Idee ebenfalls stark unterstützen.

Wenn ich mich selbst mit den Augen des Patriarchats, des Kapitalismus und des Neoliberalismus betrachte, habe ich völlig versagt. Ich habe keine Karriere gemacht. Ich arbeite ein paar Stunden pro Woche als Autor*in und Lektor*in, weil das die einzige Arbeit ist, die ich langfristig ausüben kann, ohne wieder ernsthaft krank zu werden. Aber davon kann ich nicht leben. Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden, also habe ich keinen weiteren Menschen in die Welt gesetzt, der im Patriarchat und Kapitalismus leben muss (wenn diese Systeme nicht irgendwann in den kommenden Jahrzehnten abgeschafft werden).

Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass ich trotz alledem nicht versagt habe. Ich bin hier. Ich bin schön und seltsam. Und ich muss nichts erreichen, um als Mensch valide zu sein. Trotzdem arbeite ich gerne. Ich mag es, Dinge zu erreichen. Aber ich leite meinen Wert als Mensch nicht mehr aus meinen Leistungen ab.

Some of my Experiences with Poverty

(Dieser Beitrag auf Deutsch)

reading time: 5 minutes

People love success stories, don’t they? From rags to riches. From dish washer to millionaire. People who have fought their way out of poverty. This is based loosely on the very neoliberal narrative that ‘everyone is the architect of their own fortune,’ Greetings also from capitalism.

But what if luck just doesn’t come your way or disappears? You lose your job. Or you get long Covid and are now permanently unable to work. Your partner leaves you and you suddenly find yourself a single parent. You have a serious accident or illness and are left with a severe disability that will never heal. You have had a chronic illness for a long time or have had a disability since birth. You become homeless because you fall through all the social safety nets.

I grew up privileged. My family lacked nothing materially. I was able to study, then do an apprenticeship, also with the financial support of my parents. But: I have a disability and a chronic mental illness. After trying for around 15 years to gain a long-term foothold somewhere in a job, I had to realise that I am simply not resilient enough for full-time work, or even some forms of part-time work.

Another problem was because of my neurodivergency I have trouble with deep focus for many hours, but in the field of work I was in (graphic design), you need to be a high precision worker and spot even tiny details in layouts and design correctly all the time. 8 hours a day, or longer. I just wasn’t able to do it. Which I didn’t realize during studying, but later, in internships.

During therapy because of my mental illness, my therapist recommended to me to find a secure, but unexciting job. Her line of thought was, that it would be easier to handle the mental illness in such a job. Sometime later, a job coach suggested an education as a librarian to me, because I love books. However, when I applied for a respective education in two different cities, I got rejected.

And here I am now. Despite all the privileges I had as a child, teenager and young adult, I now live on the minimum subsistence level, and even my self-employed activities, which I can pursue for a few hours a week, do not change that.

Why am I writing all this? I want to show that poverty can affect anyone due to a chain of unfortunate circumstances – even if you used to have some privileges at some point in your life.

I get by these days, but I have fears about my future. Especially given possible political changes in Germany. If the right wing extremist party comes to power, they might take away the benefits by the state on which I partly depend to pay for rent, food and other living expenses. Or they might cut the benefits so much, that I’d be in serious trouble.

Oh, and by the way, being disabled is expensive. I need special shoes, which are hard to find and not cheap. At some point later in my life, I’ll surely need a rollator or a wheel chair. I need glasses for short-sightedness. I also need meds on a daily basis and I have to pay a part of all those bills (in the case of the glasses, all of it). I haven’t been to a eye specialist for six years for fear that they are going to tell me I need new glasses or want me to have extra examinations which are recommended for people of my age, but which do not get paid for by my health insurance.

I have very little savings, which I keep for emergencies – like if my computer, cell phone, oven, printer, washing machine or frigde need to be replaced. I had to replace my computer as well as the screen and cell phone, which caused quite a hole in my savings. I haven’t done a holiday trip since 2019 – not even a short one, and I am so worried I might need the money from my savings account for another emergency that I dare not use it for anything fun, as you can imagine.

I have friends and family. Some people have it worse than me, of course, they are all alone.

I used to think I am a burden to everybody around me. Greetings from internalized ableism.

For years, I felt guilty for the money I got from my parents – for studying, for another education. I made plans to pay them back some day. A day, I imagined when I finally was successful in a job, having a career. Because, ‘everyone is the architect of their own fortune’, right?

I keep returning to a quote I once read on social media, by Melanie Lau:
„Western cultures believe we must be alive for a purpose. To work, to make money. Some indigenous cultures believe we’re alive just as nature is alive: to be here, to be beautiful and strange. We don’t need to achieve anything to be valid in our humanness.“

Capitalism and neoliberalism make us all believe that it is our moral duty to become successful, to have a career. Many people make their whole life about this. There are religious traditions, for instance Calvinism, which also strongly endorse this idea.

If I look at myself through the eyes of patriarchy, capitalism and neoliberalism, I have utterly failed. I haven’t made a career for myself. I work a few hours a week as a writer and editor, because that is the only work I can do long-term without getting seriously ill again. But I cannot make a living from it. I am childfree by choice, so I haven’t produced yet another human being who has to live in patriarchy and capitalism.

It took me years to understand that despite all of this, I am not a failure. I am here. I am beautiful and strange. And I don’t need to achieve anything to be valid in my humanness.

That being said, I like to work. I like to achieve things. But I no longer derive my value as a person from my achievements.

Wo bekommt ihr meine Bücher?

Grundsätzlich gilt: Taschenbücher könnt ihr jederzeit direkt bei mir bestellen, einfach eine
E-Mail an amaliazeichnerin(at)gmx.de mit dem gewünschten Buch senden.
Ich signiere sie gern und lege Goodies mit bei. Ihr bekommt von mir eine Warensendung mit einer Rechnung. Diese bitte erst nach dem Erhalt zahlen.

E-Books:
Alle meine im Selfpublishing veröffentlichten E-Books sind erhältlich via Tolino Media, d.h. in allen online Buchhandlungen, außer Amazon und Kindle Unlimited. Die in Verlagen erschienenen E-Books gibt es zusätzlich wie bisher auf Amazon.

Taschenbücher:
Die folgenden Taschenbücher (Romane und Novellen) gibt es nur bei Amazon, sie können aber auch direkt bei mir bestellt werden:

Der Stern des Seth
Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt
Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte
Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London
Berlingtons Geisterjäger 4 – Untotentanz
Vanfarin – Von Untoten und Totems
Frei und doch verbunden
Sein wahres Selbst
Ein Mann namens Flora
Maskiert
Die Rolle seines Lebens
An seiner Seite

Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Cleveland Street
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Mörderische Ostern
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Kunstraub in Kensington
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Manege frei für einen Mord
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Adel vernichtet

Die folgenden Taschenbücher (Romane, Novellen, Kurzgeschichtenband, Essayband) sind überall im Buchhandel bestellbar und es gibt sie auch auf Amazon:

Das Herz eines Rebellen
Orangen und Schokolade
Ein göttliches Paar
Diversity in der Literatur
Love & Crime 101
Post Mortem
In Vino Veritas
Memento Mori
Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte
Regency Park
Hexen in Hamburg: Verflucht
Hexen in Hamburg: Verliebt
Hexen in Hamburg: Verbrannt
Die vielen Farben der Liebe
Geisterhaft
Liebeswirren und Sommerwind
Unser Vorstadtidyll
Nox and the Shadows
Blutige Flügel
Francis und das Gasthaus der Geister
Ein Konzert für einen guten Zweck mit den Demonettes
Mikaels Entscheidung

Diese Bücher könnt ihr auch direkt beim Verlag bestellen, als Taschenbuch oder
E-Book:

Francis und das Gasthaus der Geister (Link zur Seite des Buches im Dead Soft Verlag)

Post Mortem (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)
In Vino Veritas (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)
Memento Mori (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)

Einen Überblick über all meine Veröffentlichungen gibt es wie immer hier,
nach Genres sortiert und mit Leseproben bei den Büchern.