Einige Erfahrungen mit Armut, bzw. Existenzminimum

(This post in English)

Lesezeit: 5 Minuten

Die Menschen lieben Erfolgsgeschichten, nicht wahr? Vom Tellerwäscher zum Millionär. Menschen, die sich aus Armut herausgekämpft haben. Dies basiert lose auf der sehr neoliberalen Erzählung, dass „jeder seines Glücks Schmied ist“. Grüße auch vom Kapitalismus.

Aber was, wenn das Glück einfach nicht kommt oder verschwindet? Du verlierst deinen Job. Oder du erkrankst an Long Covid und bist nun dauerhaft arbeitsunfähig. Dein Partner verlässt dich und du bist plötzlich alleinerziehend. Du hast einen schweren Unfall oder eine schwere Krankheit und bleibst mit einer schweren Behinderung zurück, die nie wieder ganz heilen wird. Du leidest seit Langem an einer chronischen Krankheit oder hast seit deiner Geburt eine Behinderung. Du wirst obdachlos, weil du durch alle sozialen Sicherheitsnetze fällst.

Ich bin privilegiert aufgewachsen. Meiner Familie hat es materiell an nichts gefehlt. Ich konnte studieren und dann eine Ausbildung machen, auch dank der finanziellen Unterstützung meiner Eltern. Aber: Ich habe eine Behinderung und eine chronische psychische Erkrankung. Nachdem ich etwa 15 Jahre lang versucht hatte, irgendwo langfristig Fuß zu fassen, musste ich erkennen, dass ich einfach nicht belastbar genug für eine Vollzeitstelle oder sogar für bestimmte Formen von Teilzeitarbeit bin.

Ein weiteres Problem war, dass ich aufgrund meiner Neurodiversität Schwierigkeiten habe, mich über viele Stunden hinweg intensiv zu konzentrieren, aber in meinem früheren Arbeitsbereich (Grafikdesign) muss man sehr präzise arbeiten und selbst kleinste Details in Layouts erkennen und jederzeit korrekt gestalten können. 8 Stunden am Tag oder länger. Das war mir einfach nicht möglich. Das wurde mir während des Studiums nicht bewusst, sondern erst später, während einiger Praktika.

Während einer Gesprächstherapie wegen meiner psychischen Erkrankung empfahl mir die Therapeutin, einen sicheren, aber unspektakulären Job zu suchen. Sie war der Meinung, dass es in einem solchen Job einfacher wäre, mit der psychischen Erkrankung umzugehen. Einige Zeit später schlug mir ein Jobcoach eine Ausbildung zur Bibliothekarin vor, da ich Bücher liebe. Als ich mich jedoch in zwei verschiedenen Städten für eine entsprechende Ausbildung bewarb, wurde ich abgelehnt.

Und hier bin ich nun. Trotz aller Privilegien, die ich als Kind, Teenager und junge erwachsene Person hatte, lebe ich jetzt mit Existenzminimum, und selbst meine selbstständigen Tätigkeiten, denen ich ein paar Stunden pro Woche nachgehen kann, ändern daran nichts.

Warum schreibe ich das alles? Ich möchte zeigen, dass Armut aufgrund einer Kette unglücklicher Umstände jeden treffen kann – selbst wenn man irgendwann in seinem Leben Privilegien hatte.

Im Moment komme ich über die Runden, aber ich habe Angst vor meiner Zukunft. Vor allem angesichts möglicher politischer Veränderungen in Deutschland. Wenn die rechtsextreme Partei an die Macht kommt, könnte sie mir die staatlichen Leistungen wegnehmen, auf die ich teilweise angewiesen bin, um meine Miete, Lebensmittel und andere Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Oder sie könnte die Leistungen so stark kürzen, dass ich in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würde.

Oh, und übrigens: Eine Behinderung ist teuer. Ich brauche spezielle Schuhe, die schwer zu finden und nicht billig sind. Irgendwann in meinem Leben werde ich sicherlich einen Rollator oder einen Rollstuhl brauchen. Ich brauche eine Brille wegen meiner Kurzsichtigkeit. Außerdem muss ich täglich Medikamente einnehmen und einen Teil dieser Kosten selbst tragen (im Falle der Brille sogar die gesamten Kosten). Ich war seit sechs Jahren nicht mehr beim Augenarzt, weil ich Angst habe, dass er mir gesagt wird, ich bräuchte eine neue Brille, oder dass mir zusätzliche Untersuchungen nahegelegt werden, die für Menschen meines Alters empfohlen, aber nicht von meiner Krankenkasse bezahlt werden.

Ich habe nur sehr wenig Ersparnisse, die ich für Notfälle aufhebe – zum Beispiel, wenn mein Computer, mein Handy, mein Backofen, mein Drucker, meine Waschmaschine oder mein Kühlschrank ersetzt werden müssen. Ich musste meinen Computer sowie den Bildschirm und mein Handy ersetzen, was ein ziemliches Loch in meine Ersparnisse gerissen hat.
Seit 2019 habe ich keinen Urlaub mehr gemacht – nicht einmal einen kurzen, und ich habe solche Angst, dass ich das Geld von meinem Sparkonto für einen weiteren Notfall brauchen könnte, dass ich es nicht wage, es für etwas zu verwenden, das mir Spaß macht, wie ihr euch vorstellen könnt.

Ich habe Freund*innen und Familie. Manche Menschen haben es natürlich noch schwerer als ich, sie sind ganz allein.

Früher dachte ich, ich sei eine Last für alle um mich herum. Grüße vom verinnerlichten Ableismus.

Jahrelang hatte ich Schuldgefühle wegen des Geldes, das ich von meinen Eltern bekam – für mein Studium, für meine weitere Ausbildung. Ich machte Pläne, es ihnen eines Tages zurückzuzahlen. Eines Tages, so stellte ich mir vor, wenn ich endlich erfolgreich im Beruf wäre und Karriere gemacht hätte. Denn „jeder ist Schmied seines eigenen Glücks“, oder?

Ich komme immer wieder auf ein Zitat zurück, das ich einmal in den sozialen Medien gelesen habe, von Melanie Lau:
„In westlichen Kulturen glauben wir, dass wir aus einem bestimmten Grund leben müssen. Um zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Einige indigene Kulturen glauben, dass wir genauso leben wie die Natur: Um hier zu sein, um schön und seltsam zu sein. Wir müssen nichts erreichen, um als Menschen valide zu sein.“

Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lassen uns alle glauben, dass es unsere moralische Pflicht ist, erfolgreich zu sein und Karriere zu machen. Viele Menschen richten ihr ganzes Leben danach aus. Es gibt seit Jahrhunderten religiöse Traditionen, zum Beispiel den Calvinismus, die diese Idee ebenfalls stark unterstützen.

Wenn ich mich selbst mit den Augen des Patriarchats, des Kapitalismus und des Neoliberalismus betrachte, habe ich völlig versagt. Ich habe keine Karriere gemacht. Ich arbeite ein paar Stunden pro Woche als Autor*in und Lektor*in, weil das die einzige Arbeit ist, die ich langfristig ausüben kann, ohne wieder ernsthaft krank zu werden. Aber davon kann ich nicht leben. Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden, also habe ich keinen weiteren Menschen in die Welt gesetzt, der im Patriarchat und Kapitalismus leben muss (wenn diese Systeme nicht irgendwann in den kommenden Jahrzehnten abgeschafft werden).

Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass ich trotz alledem nicht versagt habe. Ich bin hier. Ich bin schön und seltsam. Und ich muss nichts erreichen, um als Mensch valide zu sein. Trotzdem arbeite ich gerne. Ich mag es, Dinge zu erreichen. Aber ich leite meinen Wert als Mensch nicht mehr aus meinen Leistungen ab.

Some of my Experiences with Poverty

(Dieser Beitrag auf Deutsch)

reading time: 5 minutes

People love success stories, don’t they? From rags to riches. From dish washer to millionaire. People who have fought their way out of poverty. This is based loosely on the very neoliberal narrative that ‘everyone is the architect of their own fortune,’ Greetings also from capitalism.

But what if luck just doesn’t come your way or disappears? You lose your job. Or you get long Covid and are now permanently unable to work. Your partner leaves you and you suddenly find yourself a single parent. You have a serious accident or illness and are left with a severe disability that will never heal. You have had a chronic illness for a long time or have had a disability since birth. You become homeless because you fall through all the social safety nets.

I grew up privileged. My family lacked nothing materially. I was able to study, then do an apprenticeship, also with the financial support of my parents. But: I have a disability and a chronic mental illness. After trying for around 15 years to gain a long-term foothold somewhere in a job, I had to realise that I am simply not resilient enough for full-time work, or even some forms of part-time work.

Another problem was because of my neurodivergency I have trouble with deep focus for many hours, but in the field of work I was in (graphic design), you need to be a high precision worker and spot even tiny details in layouts and design correctly all the time. 8 hours a day, or longer. I just wasn’t able to do it. Which I didn’t realize during studying, but later, in internships.

During therapy because of my mental illness, my therapist recommended to me to find a secure, but unexciting job. Her line of thought was, that it would be easier to handle the mental illness in such a job. Sometime later, a job coach suggested an education as a librarian to me, because I love books. However, when I applied for a respective education in two different cities, I got rejected.

And here I am now. Despite all the privileges I had as a child, teenager and young adult, I now live on the minimum subsistence level, and even my self-employed activities, which I can pursue for a few hours a week, do not change that.

Why am I writing all this? I want to show that poverty can affect anyone due to a chain of unfortunate circumstances – even if you used to have some privileges at some point in your life.

I get by these days, but I have fears about my future. Especially given possible political changes in Germany. If the right wing extremist party comes to power, they might take away the benefits by the state on which I partly depend to pay for rent, food and other living expenses. Or they might cut the benefits so much, that I’d be in serious trouble.

Oh, and by the way, being disabled is expensive. I need special shoes, which are hard to find and not cheap. At some point later in my life, I’ll surely need a rollator or a wheel chair. I need glasses for short-sightedness. I also need meds on a daily basis and I have to pay a part of all those bills (in the case of the glasses, all of it). I haven’t been to a eye specialist for six years for fear that they are going to tell me I need new glasses or want me to have extra examinations which are recommended for people of my age, but which do not get paid for by my health insurance.

I have very little savings, which I keep for emergencies – like if my computer, cell phone, oven, printer, washing machine or frigde need to be replaced. I had to replace my computer as well as the screen and cell phone, which caused quite a hole in my savings. I haven’t done a holiday trip since 2019 – not even a short one, and I am so worried I might need the money from my savings account for another emergency that I dare not use it for anything fun, as you can imagine.

I have friends and family. Some people have it worse than me, of course, they are all alone.

I used to think I am a burden to everybody around me. Greetings from internalized ableism.

For years, I felt guilty for the money I got from my parents – for studying, for another education. I made plans to pay them back some day. A day, I imagined when I finally was successful in a job, having a career. Because, ‘everyone is the architect of their own fortune’, right?

I keep returning to a quote I once read on social media, by Melanie Lau:
„Western cultures believe we must be alive for a purpose. To work, to make money. Some indigenous cultures believe we’re alive just as nature is alive: to be here, to be beautiful and strange. We don’t need to achieve anything to be valid in our humanness.“

Capitalism and neoliberalism make us all believe that it is our moral duty to become successful, to have a career. Many people make their whole life about this. There are religious traditions, for instance Calvinism, which also strongly endorse this idea.

If I look at myself through the eyes of patriarchy, capitalism and neoliberalism, I have utterly failed. I haven’t made a career for myself. I work a few hours a week as a writer and editor, because that is the only work I can do long-term without getting seriously ill again. But I cannot make a living from it. I am childfree by choice, so I haven’t produced yet another human being who has to live in patriarchy and capitalism.

It took me years to understand that despite all of this, I am not a failure. I am here. I am beautiful and strange. And I don’t need to achieve anything to be valid in my humanness.

That being said, I like to work. I like to achieve things. But I no longer derive my value as a person from my achievements.

Wie das Patriarchat Frauen und FLINTA* Personen kontrolliert

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Rahmen meiner Aktion #DiversityDienstag mache ich mir heute mal Gedanken über das Patriarchat. Ich verwende in diesem Blogbeitrag sowohl die Begriffe Frauen wie FLINTA*.

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie das Patriarchat nicht-cis-männliche Menschen kontrolliert, hier geht es um einige Aspekte, die manchen vielleicht gar nicht so bewusst sind.

Kürzlich sah ich auf Instagram ein interessantes kurzes Reel von Andela Alexa, im Moment Magazin: „Kontrolle durch Dünnheitsideale“
https://www.instagram.com/p/DRtcL5HCJKB/
Andela sagte darin unter anderem, das Patriarchat liebe müde Frauen. Frauen, die beständig hungern – um abzunehmen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Auf diese Weise übt das Patriarchat Kontrolle aus, denn wer ständig hungrig und/oder müde sei, habe keine Kraft sich zu solidarisieren, keine Energie für Aktivismus.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich schließe hier einige Gedanken an.

Das Patriarchat hat schon immer Mittel und Wege gefunden, Frauen (oder afab Personen bzw. FLINTA* Personen) zu kontrollieren.

Ich habe mich durch meine schriftstellerische Tätigkeit und aus Interesse viel mit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Und damals wurden Frauen massivst kontrolliert. Sie mussten die Etikette ihrer Klasse beherrschen. In einigen höheren Klassen der Gesellschaft mussten sie sich mehrmals täglich umziehen, je nach Anlass, und das war zeitaufwändig. Sie mussten sich buchstäblich in enge Korsetts quetschen und trugen ausladende Reifröcke oder später Tournüren-Gestelle, die teilweise bei Bewegungen sehr hinderlich waren. Sie mussten im Damensattel reiten.

Heutzutage gibt es High Heels. Diese sexualisieren gewissermaßen den Gang einer Frau, da Bewegungen damit die Kurven des Körpers stärker betonen. Allerdings sind High Heels eine wacklige Angelegenheit, Jogging wäre damit kaum möglich. Wegrennen bei Gefahr wohl eher auch nicht. Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an die Reifröcke und andere Gestelle aus dem 19. Jahrhundert, die auch die Bewegungsfähigkeit einschränkten.

Frauen wurden gezwungen, unbezahlte Care-Arbeit zu machen, nach dem Motto der drei K – Kinder, Küche, Kirche. Später, als Ehen eher auf Liebesbeziehungen als auf gesellschaftlichen Arrangements basierten, wurde den Frauen diese Care-Arbeit vom Patriarchat als romantische Erfüllung verkauft. Und, da erzähle ich euch nichts Neues, es gibt rechtskonservative und rechtsextreme Menschen, die Frauen wieder vor allem dort, bei diesen drei K, sehen wollen.

Um das Schönheitsideal „schlank sein“ hat sich eine ganze Industrie gebildet, inklusive der Wellness- und Fitnessbranche. Beim Abnehmen geht es nicht immer um gesundheitliche Aspekte, denn leichtes Übergewicht ist meistens gesundheitlich unbedenklich. Viele Frauen, die abnehmen wollen, sind vor allem um ihr Aussehen besorgt. Tagtäglich sind FLINTA* also mit ihrem Aussehen beschäftigt, kaufen Produkte, quälen sich durch Fitnessprogramme etc. Und von Schönheitsoperationen fange ich jetzt gar nicht erst an.

Ein weiteres Schönheitsideal, das Andela Alexa ebenfalls anspricht, ist eine Verkindlichung der Frau. Ein Beispiel dafür: Abgesehen vom Kopfhaar und den Augenbrauen soll der Körper nach diesem Ideal haarlos sein, wie bei einem Kind. Was auch wieder viel Arbeit macht, durch Rasieren, Zupfen, Epilieren, Wachs … Auch dahinter vermute ich den Gedanken, dass ein kindlicher Mensch (bzw. ein Mensch, der so aussieht), leichter zu kontrollieren sei als eine erwachsene Frau. Entsprechend werden Frauen gern „klein“ gemacht.

Langes Haar, das bei vielen Frauen immer noch als Nonplusultra gilt, ist auch so ein Thema für sich. Langes Haar täglich zu stylen, das kann sehr zeitaufwändig sein.

Und wer nicht ohne Make-up das Haus verlässt, weil Schönheitsideale einreden, ohne Make-up sehe man hässlich aus, der schminkt sich dann natürlich täglich, und auch das kostet Zeit.

Apropos Schönheitsideale: Es gibt einen wachsenden Trend, dass selbst Frauen, die so um die 30 oder noch jünger sind, Schönheitsoperationen machen lassen. Das gilt natürlich vor allem für Celebritys, aber dieser Trend hat für einige andere Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen, eine (zweifelhafte) Vorbildfunktion. Früher war das eher etwas, das einige ältere Frauen machen ließen, aber neuerdings sind solche Prozeduren der neue Schönheitsstandard. Dazu hat z.B. Bryony Claire ein Video gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=U1e0DFYpegQ

Auch die konstante Beschäftigung mit den ständig wechselnden Moden (oder auch Fast Fashion) kann sehr viel Zeit, Energie und Geld kosten. Stattdessen könnten FLINTA* einen eher zeitlosen Look für sich claimen, so dass sie weniger abhängig von diesen ständigen Wechseln sind.

Ich denke, es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was es so alles an gesellschaftlichen Erwartungen an FLINTA*s gibt und wie sie das eigene Leben beeinflussen – vor allem jene, die entweder sehr zeitaufwändig sind, also viel Aufmerksamkeit und Energie binden. Und auch jene, die für Hindernisse im Alltag sorgen, z.B. weil sie Bewegungen einschränken (wie die High Heels).

Wenn ihr wirklich Freude habt an Looks, Styles, Outfits etc, wenn ihr das als kreativen Selbstausdruck erlebt, vielleicht auch als persönliches Empowerment, oder wenn das beruflich für euch eine wichtige Rolle spielt – go for it.

Aber wenn ihr all das eher als lästige Pflicht erlebt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Gesellschaft dies von euch erwartet … dann stellt euch doch mal vor, ihr steigt einfach aus, aus diesem patriarchalen Programm der Kontrolle, getarnt als Schönheitsideal, Wellness, Fitness, Romantik, Mode und und und. Wieviel Zeit und Energie hättet ihr dann für andere Aktivitäten?

Weiteres
In diesem Sinne auch interessant zu lesen: „Auf der Suche nach dem Glow“ von Linda Rachel Sabiers: https://editionf.com/kopf-koerper/auf-der-suche-nach-dem-glow/

Über Konsumkritik, Neoliberalismus, Millionäre und Milliardäre

Foto: Jason Leung, Unsplash

Die Themen Konsumkritik sowie Millionäre und Milliardäre (bzw. überreiche Leute) haben mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt, hier einige Gedanken dazu.

Fangen wir buchig an: Erinnert ihr euch noch an den lang anhaltenden Trend mit den Millionärs- und Milliardärsromanzen? Es scheint, dass manche Menschen sich stark angezogen fühlen von Reichtum, Luxus, Macht, Statussymbolen. Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lassen grüßen. Entsprechend wirken dann auch Millionäre und Milliardäre auf solche Leute attraktiv.

Aber seit dieser Trend stattfand, hat sich viel verändert. In den USA regiert ein faschistisches Regime (nein, das ist nicht einfach eine Meinung von mir, lest dazu bei Bedarf die politische Analyse von Annika Brockschmidt im Volksverpetzer).

Millionen Menschen dort haben staatliche Unterstützung für Bedürftige für Lebens- und Haushaltsmittel verloren (das Programm SNAP – „Supplemental Nutrition Assistance Program“ wurde durch den Shutdown der Regierung ausgesetzt), ebenso wurde die Gesundheitsversorgung Medicaid gekürzt, die Preise für Lebensmittel und andere Dinge sind durch die aktuelle Politik explodiert.

Auf der anderen Seite machen die Reichen Business as usual, sie feiern, als ob kein Morgen gäbe, sie konsumieren, sie werfen mit Statussymbolen um sich. Der Ruf nach „Tax the Rich“ wird immer lauter, prallt aber an der Regierung ab, und das nicht nur in den USA.

Wenn Millionäre und Milliardäre in diesen Zeiten (immer noch) ihren Reichtum zur Schau stellen und damit prahlen, dann ist das wie ein Schlag ins Gesicht all der Menschen, die kaum über die Runden kommen. Da ist auch nicht viel mit Solidarität mit Bedürftigen, mit Menschen, die wenig haben.

Stattdessen will der Neoliberalismus lauter individualistische, egoistische Einzelkämpfer*innen, die nur auf den eigenen Vorteil und Profit bedacht sind. Ein neoliberales Narrativ ist ja: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Also erfolgreich Karriere zu machen und gut Geld zu verdienen. Das blendet aber die strukturellen Probleme aus, von denen viele Menschen betroffen sind. Zum Beispiel Leute, die in Armut aufwachsen und weniger Bildungschancen haben, bzw. im Bildungssystem unter anderem aufgrund von Vorurteilen benachteiligt werden. Marginalisierte Menschen aller Art sind ebenfalls von zahlreichen strukturellen Problemen betroffen.
„Jeder ist seines Glückes Schmied“ passt also im Grunde nur für Personen, die schon von vornherein mit gewissen Privilegien ausgestattet sind, z.B. weil sie in eine wohlhabende weiße Familie hineingeboren wurden. Auch das Gegenteil wird im Neoliberalismus gern verbreitet: Wer es nicht schafft, sein eigenes Glück zu schmieden, hat sich halt sich genug angestrengt und Pech gehabt. Leider glauben immer noch viel zu viele Leute an den Mythos, dass jede Person doch einfach ihr Glück schmieden könne.

In den USA hat zumindest in Teilen Gesellschaft mittlerweile gewissermaßen eine Entzauberung der Superreichen stattgefunden, wie eine Umfrage zeigt. Dieser zufolge glauben außerdem 53% der Amerikaner*innen, dass Milliardäre eine Gefahr für die amerikanische Demokratie darstellen. (1)

Millionäre und Milliardäre stellen in der Tat eine Gefahr für die Demokratie dar, wie in diesem Video (33 Minuten) von der Politikwissenschaftlerin und Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas erläutert wird. Die Beschreibung des Videos:
„In der neuen Folge von „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ spricht die Politikwissenschaftlerin und Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas über die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland, die Ursachen von Armut und Reichtum und die Gefährdung unserer Demokratie durch die Vermögensungleichheit. Sie erklärt, wie neoliberale Politik die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert und welche Rolle dabei die Steuerpolitik spielt.“
https://www.youtube.com/watch?v=f-UmRwTv07E

Die Singer-Songwriterin Billie Eilish hat übrigens kürzlich 11,5 Millionen Dollar an mehrere gemeinnützige Organisationen gespendet und sie hat andere Millionäre und Milliardäre dazu aufgerufen, es so wie sie zu machen. (2)

Kommen wir zum Thema Konsumkritik.
Ich bringe das hier mit ein, da bald wieder Black Friday ist. Ich bin seit Jahren konsumkritisch eingestellt. Fast Fashion, Fast Books, Fast Irgendwas, das alles ist mir ein Gräuel, unter anderem, weil es eine Katastrophe in Sachen Nachhaltigkeit ist und weil solch ein Lifestyle schlichtweg sehr teuer ist.

Was Fast Fashion betrifft, schaut euch mal Dokus darüber an, wo ein Großteil der ausrangierten Kleidung landet, in riesigen Müllhalden im globalen Süden. Schaut euch Dokus an über Kinderarbeit und Sweatshops, in denen in menschenunwürdiger Weise Fast Fashion produziert wird, oft in minderwertiger Qualität, was angesichts der katastrophalen Produktionsbedingungen kein Wunder ist.

Und deshalb möchte ich gern auf den konsumkritischen Kauf-Nix-Tag (3) hinweisen: Einfach an diesem Tag überhaupt nichts kaufen. In Deutschland findet er immer am letzten Samstag im November statt, also in diesem Jahr am 29.11.
In den USA findet er am Freitag nach Thanksgiving statt – am Black Friday, der auch hier mit Schnäppchen und allerhand Angeboten lockt.

Ich möchte diesen Beitrag schließen mit einem Austausch, den ich im Fediverse hatte.
Katharina Nocun schrieb kürzlich dort mit Bezug auf deutsche Politik (4)
„Es ist mir rätselhaft, warum manch einer es für angemessener hält, die Versorgung von besonders alten und kranken Menschen mit teuren Medikamenten zur Diskussion zu stellen, anstatt über Reformen bei Erbschaftsteuer & Vermögensteuer zu reden.“

Mein Kommentar:
„Aber das musst du doch verstehen, die Reichen, die Millionäre und Milliardäre, das sind die ungekrönten Könige und Kaiser unserer Zeit, die dürfen und bekommen alles, das Fußvolk aber nicht. (Ja, das ist Sarkasmus.)“

Daraufhin wies ein anderer Nutzer darauf hin, was während der Französischen Revolution mit den Reichen und Adligen geschehen sei.

Ich kommentierte, dass ich mittlerweile recht häufig Anspielungen auf die Französische Revolution in Social Media sähe. Wie kämen die Leute nur darauf, fragte ich dann noch auf sarkastische Weise.

Nachtrag: Schauspielerin und Regisseurin Riley Keough (eine Enkelin von Elvis Presley) hat sich Billie Eilish angeschlossen – sie hat angekündigt 8 Millionen Dollar an gemeinnützige Zwecke zu spenden und darüber hinaus hat sie Milliardäre wie Mark Zuckerberg und Elon Musk outgecallt, siehe z.B.
https://kok.xemgihomnay247.com/trangbtv/ch2-breaking-riley-keough-torches-mark-zuckerberg-and-other-billionaires-at-manhattan-gala-then-backs-it-up-with-bold-action-f0-9f-94-a5/
Sie sagte: “If you can spend billions building rockets and metaverses, you can spend millions feeding children. If you call yourself a visionary, prove it — not with money, but with mercy.“ Und am Ende ihrer Rede: “Greed isn’t strength — compassion is.”

In diesem Sinne: Tax the Rich. Und seid bitte solidarisch mit marginalisierten und armen Menschen.

Fußnoten
(1)
Siehe: https://www.forbes.com/sites/maryroeloffs/2025/11/14/americans-want-billionaires-out-of-politics-and-think-theyre-a-threat-to-democracy-poll-shows/

(2)
Siehe z.B.: https://edition.cnn.com/2025/10/31/entertainment/billie-eilish-billionaires-donation

(3)
Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Kauf-nix-Tag

(4)
Quelle: https://chaos.social/@kattascha/115548518567675124

Liebe Straights, queert eure Beziehungen

(english version of this blog: https://amalia-zeichnerin.net/dear-straights-queer-your-relationships/)
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Dieser Beitrag richtet sich vor allem an cisgender heterosexuelle, heteroromantische, allosexuelle Menschen. Um das sprachlich zu vereinfachen, verwende ich fast durchgehend den englischen Begriff „straight“, auch als Substantiv für entsprechende Leute. Und nein, keine Sorge, ich weiß, ihr seid nicht queer, sondern straight und werdet das natürlich auch bleiben. Aber es gibt einiges, das ihr von Queers und anderen Leuten lernen könnt. Davon handelt dieser Beitrag.

Was könnt ihr von Queers lernen?
Hinterfragt eure Rollenbilder. Das betrifft so viele Aspekte des Lebens, dass ich allein darüber einen langen Blogbeitrag schreiben könnte. Ich versuche, es hier relativ kurz zu halten.
Die Kernfamilie: Mutter, Vater, Kind(er). Wer übernimmt die Care-Arbeit und wie? Wie ist es mit der Lohnarbeit? Traditionelle Rollenbilder sehen immer noch den Vater als Hauptverdiener, die Mutter arbeitet oft in Teilzeit, um mehr Zeit für den Haushalt und die Kinder zu haben.
Mittlerweile hat das alte Modell „Vater verdient allein das Geld, Mutter übernimmt die gesamte Care-Arbeit zu Hause“ ausgedient, denn die wirtschaftliche Situation, hohe Mietpreise und andere Probleme erzwingen es oftmals, dass beide Elternteile in Vollzeit arbeiten müssen, um genug Geld für die Familie zu erwirtschaften.

Manche hetero Männer können nur sehr schwer damit umgehen, wenn ihre Frau mehr verdient als sie und Karriere macht. Weil Männer doch den alten Vorstellungen nach die Hauptverdiener sein sollen.

Queere Menschen hinterfragen solche Rollenbilder und machen ihre eigenen Regeln, auch in ihren Beziehungen und Familien. Da wird gern viel verhandelt und abgesprochen. Auch, was Intimitäten betrifft, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Der dreht sich zwar um die BDSM-Community, aber in dieser gibt es natürlich auch viele Queers.

Als ich diesen Blogbeitrag im Fediverse ankündigte, kommentierte eine queere Person, die ich zitieren darf: „Ich erlebe Schwangerschaft, Geburt, Elternsein als krass gegendert und mit cisheteronormativen Erwartungen überfrachtet. Da muss man dagegenqueeren. (Ravna Marin Siever sagt, sier werde in den Kontext „frauisiert und vermuttert“, das finde ich sehr treffend)“
Auch an straighte Mütter und Väter werden in unserer Gesellschaft sehr viele heteronormative Erwartungen gestellt, auch z.B. was die Erziehung ihrer Kinder betrifft. Hinterfragt das. Männer müssen nicht immer „stark“ sein. Ihr dürft euch verletzlich zeigen und fürsorglich sein, ihr dürft angeblich „weibliche“ Gefühle zeigen, auch euren Kindern gegenüber. Und als Frau dürft ihr auch wütend sein oder euch ärgern, ihr dürft euer handwerkliches Geschick zeigen, auch wenn Handwerksarbeit als typisch „männlich“ gilt – und ihr müsst nicht die gesamte Carearbeit und die Mental Load allein übernehmen. Teilt euch das mit eurem Partner. Das sind jetzt nur einige Beispiele, aber ich hoffe, sie bieten ein paar Gedankenanstöße.

Aber auch Menschen, die keine Familie haben und auch keine gründen wollen, können sich von Queers vieles abschauen. Denn es gibt viele Queers, die ebenfalls keine Familie gründen wollen und die andere Prioritäten in ihrem Leben haben, z.B. ihre Freundschaften. Mehr dazu weiter unten.

Was könnt ihr von der BDSM-Community lernen?
Selbst wenn ihr völlig „Vanilla“ seid, also keinerlei Neigung zu BDSM-Praktiken habt, könnt ihr einiges von der entsprechenden Community lernen.

In straight Beziehungen herrscht oft der Gedanke, PiV(1)-Sex ist das Höchste der Gefühle und müsse unbedingt mit einem Orgasmus enden, sonst sei es schlechter Sex. Das erzeugt sehr viel Druck und oftmals reden straight Paare wenig miteinander vor, während oder nach dem Sex.

In der BDSM-Community wird dagegen viel ausgehandelt und mit Konsens gearbeitet, mit Safe Words, es wird sich ausprobiert. Es gibt auch „nonconsensual“ Praktiken, aber auch die werden abgesprochen. Und es gibt „after care“, das bedeutet u.a., dass man nach dem Sex oder BDSM-Play füreinander da ist, miteinander über seine Erlebnisse, Wahrnehmungen, Gefühle spricht.

Redet miteinander. Vor dem Sex. Währenddessen und danach. Verhandelt. Sagt, was euch gefällt und was nicht. Sagt ein enthusiastisches Ja oder ein klares Nein, je nach Situation und euren Bedürfnissen und Wünschen. Klingt unromantisch? Nicht sexy?
Dass solche Äußerungen ausgesprochen sinnlich sein können, habe ich mal in einem Video von Council of Geeks gesehen, in dem YouTuber*in Vera Wylde etwas Entsprechendes auf eine sehr sinnliche Weise sagt, zur Veranschaulichung.

Was könnt ihr von der Community lernen, die auf dem asexuellen und/oder aromantischen Spektrum ist?
Freundschaften sind genau so wichtig wie andere Beziehungen. Ja, wirklich. Oftmals herrscht unter Straights die Idee einer Hierarchie vor, bei der romantische Beziehungen das ultimative Ziel sind und über allen anderen Beziehungen stehen, auch Freundschaften.
Das kann allerdings fatal sein, z.B. wenn eine romantische Beziehung in die Brüche geht, man aber während der Zeit der Beziehung seines Freundeskreis völlig vernachlässigt hat oder nur gemeinsame Freund*innen hatte, die dann teilweise wegbrechen oder eine Seite ergreifen. Vielleicht habt ihr nicht „die eine beste“ Freundschaft, aber pflegt eure Freundschaften. Das mag bedeuten, dass ihr einiges an Zeit investieren müsst, vielleicht auch Unterstützung, wenn eure Freund*innen bei etwas Hilfe brauchen. Aber Freundschaften sind ja idealerweise ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Und in diesem Zusammenhang:

Queert eure Freundschaften

Freundschaften sind so vielfältig, wie die Leute, die sie eingehen. Löst euch von traditionellen Vorstellungen, wie eine Freundschaft auszusehen hat. Seid mutig. Macht eure eigenen Regeln.

Leanne Yau schrieb auf Instagram (Übersetzung von mir):
„Polyamorie erlaubt mir, tiefere Beziehungen mit meinen Partner*innen einzugehen, aber unvorhergesehener Weise hat sie mich auch dazu gebracht, tiefergehende Beziehungen mit meinen Freund*innen einzugehen. Da ich keinerlei Einschränkungen habe, wie ich meine Zuneigung gegenüber nicht-romantischen Freund*innen zeigen darf, gibt mir das die Freiheit, platonische Liebe so auszudrücken, wie ich es will.“

Hier ein paar Beispiele: Ihr wollt mit euren Freund*innen gemütlich auf dem Sofa kuscheln, obwohl ihr ihnen gegenüber weder romantische noch sexuelle Empfindungen hegt? Wenn eure Freund*innen das ebenfalls möchten, go for it. (Und wenn sie das nicht möchten, akzeptiert das.)

Eure Freund*innen und ihr wollt ein Candle Light Dinner in einem Restaurant, das als Inbegriff der Romantik gilt, aber einfach ganz platonisch? Warum eigentlich nicht?
Ihr wollt gemeinsam in den Urlaub fahren und teilt euch ein Zimmer, ein Zelt oder eine andere Übernachtungsstätte? Was spricht dagegen?

Im Film „Harry und Sally“ sagt Harry sinngemäß: „Männer und Frauen können nicht befreundet sein – irgendwann kommt ihnen der Sex dazwischen.“
Das stimmt allerdings nicht, denn es würde bedeuten, dass Menschen auf dem bi Spektrum keine platonischen Freund*innen haben können.

Und ich wage einfach mal die Behauptung, auch cis hetero Männer und cis hetero Frauen können einfach so befreundet sein. Löst euch von der Vorstellung, dass eine solche Freundschaft unbedingt in einer romantischen und/oder sexuellen Beziehung enden muss.

Was könnt ihr von der polyamoren Community lernen?

Eine Basis der Polyamorie ist Einvernehmlichkeit aller Beteiligten. Das bedeutet viel Beziehungsarbeit von allen und entsprechende offene, ehrliche Gespräche. Über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Das Aushandeln von Kompromissen. Über eigene Grenzen. Über Eifersucht und wie man damit einen konstruktiven Umgang finden kann. Auch Gespräche darüber, wie man einander unterstützen kann in den Beziehungen. Und last but not least Organisatorisches, wie Terminfindungen für gemeinsame Treffen, Ausgehen, Ausflüge, Carearbeit und noch mehr.

Ich stehe nicht allein mit der Meinung, dass auch für viele Straights eine solche intensive Beziehungsarbeit mit offenen, ehrlichen Gesprächen sehr bereichernd sein kann. Vielleicht können sie sogar eine Beziehung retten.

Es gibt viele verschiedene Arten von Anziehung

Auch das ist etwas, dass ihr aus der Community der Menschen auf dem asexuellen und aromantischen Spektrum lernen könnt. Zum einen gibt es das Split-Attraction-Model (SAM). Dieses besagt, dass die romantische Orientierung und die sexuelle (oder auch noch andere Formen von Orientierung) bei einer Person unterschiedlich sein können.

Ein persönliches Beispiel: Ich bin panromantisch. Das bedeutet, dass ich romantische Anziehung zu Menschen unabhängig von ihrem Gender empfinden kann. Und ich bin grau-asexuell. Das bedeutet grob gesagt, dass ich eher selten oder gar keine sexuelle Anziehung verspüre. Ich bin darüber hinaus außerdem aegosexuell, das wird z.B. hier erklärt:
https://orientation.fandom.com/wiki/Aegosexual

Entsprechend könnte eine Person, die sich immer als hetero verortet hat, feststellen, dass sie heteroromantisch ist, aber eine andere Form von sexueller Orientierung hat, oder umgekehrt, dass sie heterosexuell ist, aber eine andere Form von romantischer Orientierung hat. Aber natürlich gibt es auch heterosexuelle-heteroromantische Menschen.

Ein weiteres Beispiel ist Demisexualität: Menschen, die demisexuell sind, müssen zuerst eine emotionale Beziehung zu einem Menschen aufbauen, bevor sie eine sexuelle Anziehung zu diesem Menschen verspüren. Vielleicht kennt ihr das Trope „Friends to Lovers“, das passt oft recht gut.

Wenn ihr gern mal stöbern wollt zu den Themen romantische und sexuelle (und weitere) Orientierungen, hier gibt es ausführliche Auflistungen auf Englisch:
Romantic Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Romantic_Orientation

Sexual Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Sexual_Orientation

Ich hoffe, ihr konntet etwas aus diesem Beitrag für euch mitnehmen und ich wünsche euch gute Erfahrungen mit dem Queeren eurer Beziehungen, wenn ihr das ausprobieren möchtet.

Fußnote:
(1) PiV ist eine Abkürzung für „Penis in Vagina“

Weiteres zum Thema

„Konsens ist sexy“
https://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Eine Inspiration für diesen Blogbeitrag war die Podcastfolge „Romantasy“ vom Genderswapped Podcast, danke an Lena und Judith.
Link zur Folge: https://genderswapped-podcast.podigee.io/101-folge82

Vorstellung der Aktion #DiversityDienstag

Jüngst gab es einen Skandal mit dem rechtskonservativ ausgerichteten „Aktionsbündnis Fantastik und Gesellschaft“. Die betreffende Webseite wurde mittlerweile vom Netz genommen wurde, aber das Manifest und die Erstunterzeichnenden sind immer noch auf einem Yopad und im Web Archive online lesbar – das Internet vergisst nicht.

Das alles hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir folgende Hashtag-Aktion überlegt: den #DiversityDienstag.

Ich schreibe seit 7.10. 2025 dienstags über progressive Phantastik, andere Genres sowie progressive Sachbücher und gebe Tipps oder teile Blogbeiträge von mir.

Nach dem Motto, wir müssen lauter sein als rechtskonservative und rechtsextreme Autor*innen, Verleger*innen und andere Leute mit diesen Einstellungen.

Aber ich möchte die Aktion gern noch weiter fassen. Von daher, wenn euch die Themen Diversität, Inklusion und Repräsentation in irgendeiner Form beschäftigen, macht gern ebenfalls dienstags mit und nutzt den Hashtag in euren Social Media.

Bitte beachten: Anders als bei mehreren Hashtag-Aktionen in Social Media gibt es KEIN vorgegebenes wöchentliches Thema. Schreibt bitte einfach dienstags mit dem Hashtag zu den Themen rund um Diversität, Inklusion, Repräsentation, progressive Bücher und Verwandtes, was euch in dieser Hinsicht bewegt.

Diesen Beitrag sehr gern teilen. Ihr könnt auch das Bild aus diesem Beitrag gern verwenden.

5 Strategies Against Fascism

Reading time: 4 minutes.
This is a summary I have written of part of the (German) podcast episode “What if there is fascism tomorrow?“ by Marina Weisband, Podcast “Wind und Wurzeln“ (“Wind and Roots“). There are several quotes of Marina (in italics). With kind permission from Marina Weisband, I have translated this summary from German into English.

Stay Human.
Always think about the human rights; they apply to all humans.
Keep your love deep inside your heart, for your family, for the world, for the animals, for nature, for whatever ignites love and joy inside of you.“

Check whether what you are being told (including in the news, on social media, etc.) is consistent with your values or whether it violates human dignity. Reflect on yourselves; view the world with a critical eye.

Create Beautiful Things.
Create poems, art, literature, music, or stories. Go pick some flowers. Invite your friends to a meal. Think of the children’s book “Frederick“ by Leo Lionni.
It is the beautiful things that help us through dark times, often small things (…) Dance. Laugh.“

Organize.
If there is one antidote against fascism, it is solidarity.“
Show solidarity to other people, also and especially to marginalized folks.
Solidarity is not only one of the best antidotes against fascism, but also against neoliberal ideologies, which like to have us as individualistic lone fighters. Everywhere where people support each other in solidarity, they show already now that there is a better future for everyone. Every form of solidarity, be it small or big, improves life immediately.“

Community spirit and trust in each other play a big part in this, whereas fascism thrives when everyone mistrusts everyone else.

Form “non-movements“, who act in unsuspicious places, exchanging goods and ideas – in associations, congregations, synagogues, mosques, while playing music together or other activities. Using small codes, other anti-fascists might recognize each other, for instance a rainbow-colored bracelet, a hairstyle, or something else.

You do in private what you can’t do publicly anymore, sharing banned books, music, art, and, essential, also humor.“ For this, you need “places that the fascist regime cannot control or enter. Where it cannot monitor what the people are doing there.“ This is why protest against mass surveillance (like of Palantir) is so important.

Create alternative channels of information.
The internet as we know it today won’t be like that in fascism. It will be censored. Whole platforms will be shut down. Just look at China, if you want to get an idea.“

An obvious method is word-of-mouth information sharing, or stickers and flyers with hidden messages. There are various technical possibilities for alternative channels of information.

That is why Marina Weisband suggests that you contact your local hacker spaces (“Embrace the hackers whom you trust.“) Another method is “decentralized ad-hoc networks where information is transported from one mobile end device to the next and so on.“

Sabotage.
You could call it hacking fascism.“
The hacker collective Anonymous launched a cyberwar against the Kremlin following the invasion of Ukraine. But also in your everyday life, you can do small things without much time and effort and without putting yourself at risk.

You could, for instance take your time looking for your ticket when the conductors on public transportation try to find fare dodgers. You could feign comprehension difficulties or clumsiness at authorities or stay longer at the restroom than necessary. Small things that disturb agencies, bureaucratic processes, police officers, or other representatives of the regime in their work. Also take a look at the appendix, at “The Simple Sabotage Field Manual“.

A conclusion by Marina that gives me hope: “Fascism always destroys itself, it is not a stable political system.“

About Marina Weisband
(translated from her website)
Marina Weisband is a certified psychologist and participatory educator. She runs the [German] “Aula Project“ on student participation and speaks at events and in public media about her work and topics such as political participation, digital society, media, and crises.

Appendix
The podcast episode in German, “Was, wenn morgen Faschismus ist?“
https://wind-und-wurzeln.podigee.io/2-new-episode

Marina Weisband’s Website (also in German): https://marinaweisband.de/

“The Simple Sabotage Field Manual“
https://en.wikipedia.org/wiki/Simple_Sabotage_Field_Manual
A quote from the wikipedia page: „The “Simple Sabotage Field Manual“ is a document written by the Office of Strategic Services in 1944. The manual was declassified by the Central Intelligence Agency in 2008. The manual was distributed to OSS officers in foreign countries in order to help them train “citizen-saboteurs” in German-occupied Europe.“

At the time I am writing this in late October 2025, you can read and download the manual here:
https://www.cia.gov/static/5c875f3ec660e092cf893f60b4a288df/SimpleSabotage.pdf