Wie das Patriarchat Frauen und FLINTA* Personen kontrolliert

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Im Rahmen meiner Aktion #DiversityDienstag mache ich mir heute mal Gedanken über das Patriarchat. Ich verwende in diesem Blogbeitrag sowohl die Begriffe Frauen wie FLINTA*.

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie das Patriarchat nicht-cis-männliche Menschen kontrolliert, hier geht es um einige Aspekte, die manchen vielleicht gar nicht so bewusst sind.

Kürzlich sah ich auf Instagram ein interessantes kurzes Reel von Andela Alexa, im Moment Magazin: „Kontrolle durch Dünnheitsideale“
https://www.instagram.com/p/DRtcL5HCJKB/
Andela sagte darin unter anderem, das Patriarchat liebe müde Frauen. Frauen, die beständig hungern – um abzunehmen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Auf diese Weise übt das Patriarchat Kontrolle aus, denn wer ständig hungrig und/oder müde sei, habe keine Kraft sich zu solidarisieren, keine Energie für Aktivismus.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich schließe hier einige Gedanken an.

Das Patriarchat hat schon immer Mittel und Wege gefunden, Frauen (oder afab Personen bzw. FLINTA* Personen) zu kontrollieren.

Ich habe mich durch meine schriftstellerische Tätigkeit und aus Interesse viel mit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Und damals wurden Frauen massivst kontrolliert. Sie mussten die Etikette ihrer Klasse beherrschen. In einigen höheren Klassen der Gesellschaft mussten sie sich mehrmals täglich umziehen, je nach Anlass, und das war zeitaufwändig. Sie mussten sich buchstäblich in enge Korsetts quetschen und trugen ausladende Reifröcke oder später Tournüren-Gestelle, die teilweise bei Bewegungen sehr hinderlich waren. Sie mussten im Damensattel reiten.

Heutzutage gibt es High Heels. Diese sexualisieren gewissermaßen den Gang einer Frau, da Bewegungen damit die Kurven des Körpers stärker betonen. Allerdings sind High Heels eine wacklige Angelegenheit, Jogging wäre damit kaum möglich. Wegrennen bei Gefahr wohl eher auch nicht. Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an die Reifröcke und andere Gestelle aus dem 19. Jahrhundert, die auch die Bewegungsfähigkeit einschränkten.

Frauen wurden gezwungen, unbezahlte Care-Arbeit zu machen, nach dem Motto der drei K – Kinder, Küche, Kirche. Später, als Ehen eher auf Liebesbeziehungen als auf gesellschaftlichen Arrangements basierten, wurde den Frauen diese Care-Arbeit vom Patriarchat als romantische Erfüllung verkauft. Und, da erzähle ich euch nichts Neues, es gibt rechtskonservative und rechtsextreme Menschen, die Frauen wieder vor allem dort, bei diesen drei K, sehen wollen.

Um das Schönheitsideal „schlank sein“ hat sich eine ganze Industrie gebildet, inklusive der Wellness- und Fitnessbranche. Beim Abnehmen geht es nicht immer um gesundheitliche Aspekte, denn leichtes Übergewicht ist meistens gesundheitlich unbedenklich. Viele Frauen, die abnehmen wollen, sind vor allem um ihr Aussehen besorgt. Tagtäglich sind FLINTA* also mit ihrem Aussehen beschäftigt, kaufen Produkte, quälen sich durch Fitnessprogramme etc. Und von Schönheitsoperationen fange ich jetzt gar nicht erst an.

Ein weiteres Schönheitsideal, das Andela Alexa ebenfalls anspricht, ist eine Verkindlichung der Frau. Ein Beispiel dafür: Abgesehen vom Kopfhaar und den Augenbrauen soll der Körper nach diesem Ideal haarlos sein, wie bei einem Kind. Was auch wieder viel Arbeit macht, durch Rasieren, Zupfen, Epilieren, Wachs … Auch dahinter vermute ich den Gedanken, dass ein kindlicher Mensch (bzw. ein Mensch, der so aussieht), leichter zu kontrollieren sei als eine erwachsene Frau. Entsprechend werden Frauen gern „klein“ gemacht.

Langes Haar, das bei vielen Frauen immer noch als Nonplusultra gilt, ist auch so ein Thema für sich. Langes Haar täglich zu stylen, das kann sehr zeitaufwändig sein.

Und wer nicht ohne Make-up das Haus verlässt, weil Schönheitsideale einreden, ohne Make-up sehe man hässlich aus, der schminkt sich dann natürlich täglich, und auch das kostet Zeit.

Apropos Schönheitsideale: Es gibt einen wachsenden Trend, dass selbst Frauen, die so um die 30 oder noch jünger sind, Schönheitsoperationen machen lassen. Das gilt natürlich vor allem für Celebritys, aber dieser Trend hat für einige andere Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen, eine (zweifelhafte) Vorbildfunktion. Früher war das eher etwas, das einige ältere Frauen machen ließen, aber neuerdings sind solche Prozeduren der neue Schönheitsstandard. Dazu hat z.B. Bryony Claire ein Video gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=U1e0DFYpegQ

Auch die konstante Beschäftigung mit den ständig wechselnden Moden (oder auch Fast Fashion) kann sehr viel Zeit, Energie und Geld kosten. Stattdessen könnten FLINTA* einen eher zeitlosen Look für sich claimen, so dass sie weniger abhängig von diesen ständigen Wechseln sind.

Ich denke, es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was es so alles an gesellschaftlichen Erwartungen an FLINTA*s gibt und wie sie das eigene Leben beeinflussen – vor allem jene, die entweder sehr zeitaufwändig sind, also viel Aufmerksamkeit und Energie binden. Und auch jene, die für Hindernisse im Alltag sorgen, z.B. weil sie Bewegungen einschränken (wie die High Heels).

Wenn ihr wirklich Freude habt an Looks, Styles, Outfits etc, wenn ihr das als kreativen Selbstausdruck erlebt, vielleicht auch als persönliches Empowerment, oder wenn das beruflich für euch eine wichtige Rolle spielt – go for it.

Aber wenn ihr all das eher als lästige Pflicht erlebt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Gesellschaft dies von euch erwartet … dann stellt euch doch mal vor, ihr steigt einfach aus, aus diesem patriarchalen Programm der Kontrolle, getarnt als Schönheitsideal, Wellness, Fitness, Romantik, Mode und und und. Wieviel Zeit und Energie hättet ihr dann für andere Aktivitäten?

Weiteres
In diesem Sinne auch interessant zu lesen: „Auf der Suche nach dem Glow“ von Linda Rachel Sabiers: https://editionf.com/kopf-koerper/auf-der-suche-nach-dem-glow/

Deutschsprachige Phantastik ohne Romance und Spice, von FLINTA* Autor*innen

Romantasy ist überall, aber was ist eigentlich mit deutschsprachiger Phantastik ohne Romance und Spice? Oder nur mit ganz wenig Romance, in Nebenhandlungen? Darum ging es kürzlich auf Bookstagram. Ich tauschte mich mit einigen Leuten aus, fragte nach Empfehlungen, aber nicht für die „üblichen Verdächtigen“ – sehr erfolgreiche cis-männliche Autoren. Stattdessen fragte ich nach FLINTA* Autor*innen, die entsprechende Bücher veröffentlicht haben.
Ich habe in diesem Beitrag rund 30 Bücher und Buchreihen ganz ohne Spice und Romance gesammelt, sowie einige, die einen geringen Romance- oder Spice-Anteil haben (als Nebenhandlung, Subplot).
Bitte beachten: Bis auf einige habe ich nicht alle diese Bücher selbst gelesen. Schaut sie euch näher an, wenn ihr mögt, bildet euch gern selbst eine Meinung darüber.
Ich habe nicht alle Buchcover herausgesucht, sondern eine zufällige Auswahl getroffen, die keine Wertung darstellt. Die Webseiten oder Instagram-Profile der Autor*innen sind ebenfalls verlinkt, sofern es mir möglich war.

Patricia Eckermann: „Elektro Krause“ (Urban Fantasy)

Roxane Bicker: In den Buchreihen „Herren des Schakals“ und „Gezeitenwechsel“ gibt es queere romantische Subplots, aber keinerlei Spice.

Iva Moor: „Die Alchemie des Träumens“ (Dark Fantasy) und „Liminal Creatures“ (Dark Fantasy), letzteres enthält Spice mit Succubi-Figuren, aber keine Romance.
https://ivamoor.carrd.co

Lena Richter: „Dies ist mein letztes Lied“ (Science-Fiction)

https://lenarichter.com/veroeffentlichungen-2/dies-ist-mein-letztes-lied/

Melanie Vogltanz: „Wolfswille“ (1. Band der Reihe „Weißer Wolf“) und „Road to Ombos“

Freya Peterson: “Die Mutter der Masken” von Freya Petersen
(Sci-Fi Fantasy mit sehr wenig Romance)
https://linktr.ee/petersenfreya

Saskia Dreßler: Sternenleuchten (Fantasy-Novelle)
https://saskiadressler.com/novellen/

Kathrin Tordasi: „Nightowls. Boten der Dämmerung“ (Urban Fantasy)
https://kathrintordasi.de/meine-buecher-kathrin-tordasi/

Sophie Grossalber: „Blut und Dunkelheit“ (Fantasy-Novelle)

Lumen Milites: „Remoire – Echos der Vergessenen“ (Dark und High Fantasy), ganz ohne Romance, der erste Band einer Dilogie.
https://www.alealibris.de/produkt/remoire-echos-der-vergessenen-lumen-milites/

Evelyne Aschwanden: „Die Diebe von Alderport“ (Fantasy, viktorianisch inspiriert)
https://www.evelyneaschwanden.ch/die-diebe-von-alderport

Noah Stoffers: „A Midsummer’s Nightmare“ (Urban Fantasy, Dark Academia)
mit einem Romance-Subplot, der nicht im Fokus steht.
https://wonderl.ink/@noahstoffers

Tessa Maelle: „Der Riss im Traumnetz“ (High Fantasy)
https://www.instagram.com/tessa.maelle

C. I. Ryze (Christine Ina Ryze): „Spirits of Violence“ (Science Fiction Fantasy, Einzelband) „Splitter der Unendlichkeit“ (Fantasy mit Drachen, Trilogie)
https://www.ciryze.de/buecher

Jamie Enderlein: „Schmiedefeuer“ Trilogie (High Fantasy)
https://www.jamie-enderlein.com/linktree

Desiderius M. Rainbow: Buchreihe „Mânil“ (Academy Fantasy/ Contemporary-Fantasy/ Low Fantasy)
https://desideriusrainbow.jimdofree.com


Katja Jansen: „Nach dem Reset“ (dystopische Fantasy mit SciFi Elementen) und „Schatten über Yagrolor“ (Portalfantasy), beides Einzelbände.

Dee van Lux: „Das Erbe von Elvendahl“ (Buchreihe, Dark High Fantasy)
https://www.instagram.com/deevanlux/

Nadja Fischlin: „Jawra“ (Buchreihe)
https://www.novumverlag.com/onlineshop/belletristik/science-fiction-fantasy/jawra.html

I.R. Leys: „Chroniken der Gefallenen“ (Buchreihe, Dark Fantasy)
https://wonderl.ink/@irleys

Alessandra Reß: „Spielende Götter“ (GameLit), „Die Türme von Eden“ (Space Fantasy), „Sommerlande“ (High Fantasy) und „Liminale Personae“ (Postapokalypse)
https://www.instagram.com/fragmentansichten/

Dorothee Zürcher: „Der schwarze Garten“ (Urban Fantasy)
https://www.dorothe-zürcher.ch

Myra Çakan: „Hier kommt die Flut – When The Music’s Over“ (Science Fiction)

Ria Winter: „Sonnenerben“ (Urban Fantasy, Einzelband), die Protagonistin ist aro-ace.
https://riawinter.de/sonnenerben/

Amrei Lafort: „Weitezeit“ (Fantasy, ab 12 Jahre, All Age)
https://www.instagram.com/lyrik.a.l/


Ein passendes Buch von mir: „Vanfarin – Von Untoten und Totems“ (High Fantasy, Einzelband), komplett ohne Romance und Spice.

Mini-Vorschau auf 2026
Saskia Diepold: „Und in mir die Nacht“ (erscheint im März 2026)
https://www.instagram.com/frl.chaos/

Von mir erscheint:„Hexen in Hamburg: Vergoldet“ (im Juni 2026), mit einem aromantischen Protagonisten. Keine Romance, kein Spice. Das ist Band 4 dieser Urban-Fantasy-Reihe.