(Oder: Warum ich keine Arschloch-Protagonist*innen schreibe.)
Vera vom YouTube Kanal Council of Geeks hat kürzlich eine sehr positive Video-Review über „Heated Rivalry“ gemacht und darin gesagt: „There are no assholes in this story.“ Damit meinte sie, dass es in Heated Rivalry keine Figuren gibt, die ihre Love Interests schlecht behandeln oder sich diesen gegenüber wie Arschlöcher aufführen – weder Ilya, noch Shane, noch Scott oder Kip, auch Svetlana und Rose nicht.
Daraufhin habe ich reflektiert, wie ich Romance schreibe. Und ich kann sagen, bei mir gibt es auch keine Bad Boys, keine Arschlöcher, die ihre Partner*innen (oder potenzielle Partner*innen) mies behandeln. Ich könnte an solch einem Verhalten nichts, aber auch gar nichts Romantisches entdecken.
Stattdessen erleben meine Protagonist*innen innere Konflikte: Dani aus „Hexen in Hamburg: Verliebt“ und Francis aus „Francis und das Gasthaus der Geister“ haben soziale Ängste, was sich auch auf ihr Liebesleben auswirkt.
Esteban aus „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ hat Depressionen und muss damit für sich und auch für seinen Freund einen Umgang finden.
Andere meiner Hauptfiguren sehen sich mit äußeren Konflikten konfrontiert: Jay und Nicholas aus „Frei und doch verbunden“ kämpfen um ihr Überleben, als sie auf einer abgelegenen Insel stranden.
Leroy und Clay aus „Love & Crime 101“ haben einige Struggles, die mit ihrem beruflichen Umfeld zusammenhängen.
Die nichtbinäre Person Ashley aus „Regency Park“ hat einen Stalker am Hals – der nicht Ashleys Love Interest ist.
In „Ein göttliches Paar“ hat eine der Hauptfiguren Konflikte mit ihrem Vater.
Der Vampir Richard und der Engel Turiel aus „Blutige Flügel“ müssen sich gegen Dämonen und ein Vampirjägerduo zur Wehr setzen, gegen Richards Schöpfer, aber auch Turiels Vorgesetze aus dem Himmel.
Grundsätzlich schreibe ich Hauptfiguren, die einander unterstützen, füreinander da sind, die einfühlsam mit ihrem Love Interest umgehen. Figuren, die sich bei Problemen nicht gegenseitig an die Gurgel gehen, sondern sich zusammenraufen, um die Probleme gemeinsam zu lösen.
Entsprechend sind meine Romances eher wholesome und ein weiterer Punkt, der mir wichtig ist: Konsens ist sexy.
Was sind Gothic Novels? Das ist eine historische Form der Schauerliteratur, die inbesondere Ende des 18. Jahrhundert und im frühen 19. Jahrhundert im englischsprachigen Raum und darüber hinaus beliebt war. Oft, nicht immer, geht es darin um verwunschene alte Häuser, Geistererscheinungen oder zwielichtige Figuren, die düstere Geheimnisse hüten. In der Epoche der Romantik gab es die Unterströmung der »Schwarzen Romantik«. Wikipedia weiß zu berichten: »Typische Motive der Schwarzen Romantik sind unter anderem das Unheimliche, Dämonische, Abgründiges in der menschlichen Psyche bis hin zum Wahnsinn, Erotik und Gewalt sowie der Tod.«
Einige Beispiele sind die folgenden Werke: »Udolphos Geheimnisse« von Ann Radcliffe (1794) »Die Elixiere des Teufels« und »Der Sandmann« von E. T. A. Hoffmann (1815 und 1816) »Frankenstein« von Mary Shelley (1818) »Der Glöckner von Notre Dame« von Victor Hugo (1831) »Der Untergang des Hauses Usher« von Edgar Allan Poe (1839) »Die Blumen des Bösen« von Charles Baudelaire (Lyrik, erschienen 1857 bis 1868)
Auch Jane Austen greift Gothic Novels auf, in ihrem Roman »Die Abtei von Northanger« (von 1817) schwärmt die Protagonistin Catherine für den Roman »Udolphos Geheimnisse« von Ann Radcliffe.
Gothic Novels heute? Im englischsprachigen Raum ist das Genre immer noch beliebt, wie unter anderem „Mexican Gothic” von Silvia Moreno-Garcia zeigt. Allerdings sind Gothic Novels, abge- sehen von einigen Übersetzungen, nicht so wirklich auf dem deutschen Buchmarkt angekommen und vielen ist das Genre kein Begriff. Es gibt auch nur wenige Verlage, die Gothic Novels verlegen oder verlegt haben. Drei Beispiele für deutschsprachige Gothic Novels sowie meine Gothic Novelle „Geisterhaft“ findet ihr in den Bildern unten.
Nicht in den Bildern: Drei Gaslicht-Romane von Maja Ilisch gehen auch in die Richtung Gothic Novels: „Das Puppenzimmer“, „Die Spiegel von Kettlewood Hall“ und „Die Schatten von Owls End“ siehe hier auf Majas Webseite.
Und last but not least, meine eigene Gothic Novelle „Geisterhaft“, diese habe ich als eine Art Liebeserklärung an das Genre geschrieben.
Ich werde diesen Post gelegentlich updaten, wenn mir weitere Begriffe einfallen, die ich hier aufführen möchte.
Achillean Romance Liebesromane über Männer, die Männer lieben. Der Begriff gilt als inklusiver als Gay Romance, vergleiche -> Sapphic Romance
Anthologie Eine Sammlung an Kurzgeschichten oder anderen Textformen, die von verschiedenen Autor*innen verfasst wurden, zusammengefasst in einem Buch (oder einer Buchreihe)
Biografischer Roman Eine teilweise fiktionalisierte Biografie
Blogtour Aktion von -> Buchblogger*innen, typischerweise zur Veröffentlichung eines neuen Buches: Mehrere von ihnen sprechen sich untereinander ab, bzw. mit den betreffenden Autor*innen und gestalten einen Beitrag über das Buch, zu einem abgesprochenen Thema. So entstehen rund um ein Buch mehrere interessante Inhalte, die auf den verschiedenen Blogs und/oder in Social Media präsentiert werden.
Bookie, bookish, auch buchig Umgangssprache: Ein*e Bookie ist eine Person, die Bücher liebt, sei es als Leser*in, Autor*in, Buchblogger*in oder noch anders. Eine deutsche Entsprechung ist „Buchmensch“. Bookish bezeichnet auf Englisch potenziell alles, was mit Büchern zu tun hat, und wird als Adjektiv verwendet, die deutsche Entsprechung ist „buchig“.
BookTok Der Teil von TikTok, der sich mit Büchern beschäftigt, wird auch als Hashtag verwendet. Eine Entsprechung auf Instagram ist „Bookstagram“. Das hat insofern Relevanz, weil seit einiger Zeit auch der deutschsprachige Buchmarkt auf BookTok Trends reagiert und diese z.B. im Marketing mit einbezieht.
Buchblogger*innen Viele Buchblogger*innen lesen gern und viel in ihrer Freizeit und bloggen darüber, z.B. machen sie Buchvorstellungen, nehmen Teil an -> Blogtouren, schreiben Rezensionen, einige interviewen auch Autor*innen, sie besuchen Buchmessen und Lesungen oder machen noch andere Dinge. Für viele ist dies ein Hobby, einige sehr reichweitenstarke Buchblogger*innen verdienen damit teilweise auch Geld (z.B. durch monetarisierte Videos auf YouTube)
Buchsatz Das Layout eines Buches, bei dem der Text in die abschließende Form gebracht wird, wie sie später nach der Veröffentlichung in Printbüchern und E-Books zu sehen ist. Auch die Platzierung von Kapitelzierden, Grafiken oder Illustrationen wird in diesem Zusammenhang gemacht.
Coverrelease, Coverreveal Das erste Zeigen eines neuen Buchcovers, z.B. in Social Media. Auf Instagram machen viele Autor*innen Buchcover-Flashmobs, mit der Unterstützung von Buchblogger*innen, anderen Autor*innen oder anderen ihrer Follower: Zu einer verabredeten Zeit bzw. Datum zeigen alle das neue Buchcover, eventuell auch schon den Klappentext und weitere Informationen rund um das Buch.
Drabble Kurzprosa mit genau 100 Worten
Druckkostenzuschussverlag Finger weg, solche Verlage sind zwar nicht illegal, aber nicht seriös. In diesem Blogbeitrag erfahrt ihr mehr darüber.
E Fanfiction Text beliebiger Länge (bis hin zu Romanlänge) über bekannte oder weniger bekannte Figuren aus einem Buch, Film, Serie, Game oder ähnlich von anderen Autor*innen. Entsprechende Texte gibt es unkommerziell in Fanfiction-Portalen. Einige Autor*innen wandeln ihre Fanfictions um in -> Original-Fiktion, indem sie die Figuren und den Weltenbau verändern. Bekanntes Beispiel dafür ist „Fifty Shades of Grey“ von E. L. James, das ursprünglich auf einer „Twilight“-Fanfiction basierte, oder in jüngerer Zeit „Alchemised“ von SenLinYu, das auf einer Fanfiction basierte, die teilweise in der Welt von „The Handmaid’s Tale“ und teilweise im „Harry Potter“-Universum angesiedelt war, mit einer Liebesgeschichte zwischen den Figuren Hermione und Draco.
G Herausgeber*in Person, die die Texte für eine -> Anthologie prüft und diese in einem Buch herausgibt. I J Kleinverlag Kleiner, unabhängiger Verlag, oft mit wenig Personal oder auch als Ein-Personen-Betrieb. Hier gibt es eine Liste mit deutschsprachigen Kleinverlagen (Der Link führt zu einem Google Doc)
Korrektorat Korrekturlesende korrigieren Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler, sowie teilweise auch Stilistisches. In manchen Fällen übernehmen Korrekturlesende auch ein Lektorat, wenn dies so abgesprochen wurde.
Lektorat Lektor*innen prüfen Manuskripte hin auf Stil, Charakterentwicklung, Plotfehler- oder -Lücken, Weltenbau, Dialoge, Beschreibungen, Handlungsverlauf, Spannungsbogen und noch mehr. Nicht zu verwechseln mit einem -> Korrektorat. In manchen Fällen übernehmen Lektor*innen auch ein Korrektorat, wenn dies so abgesprochen wurde.
Literaturagentur Literaturagent*innen vermitteln die Arbeit von Autor*innen, in der Regel an Großverlage. Umgekehrt gilt, dass für die Einreichung von Manuskripten bei Kleinverlagen eine Literaturagentur eher nicht notwendig ist.
Mikrofiktion Eine sehr kurze Geschichte, kürzer als eine Kurzgeschichte New Adult (abgekürzt NA) Bücher, die sich vor allem um junge Erwachsene drehen (ca. 18 bis 30 Jahre). Der Übergang von Schule in Ausbildung oder Studium, Sex, Liebesbeziehungen, Arbeitswelt, Freundschaften sind häufige Themen. Aber es gibt auch Phantastik NA in zahlreichen Subgenres, sodass es hier eine ganze Vielfalt an Themen geben kann, auch in frei erfunden Fantasy- oder Science-Fiction Welten.
Original Fiktion Geschichten, in denen alles von den Autor*innen erfunden worden ist, im Gegensatz zu -> Fanfiction.
Phantastik Der Überbegriff für alle Genres mit übernatürlichen oder frei erfundenen Elementen, z.B. Fantasy, Science-Fiction, Dystopie, Utopie, Horror. Diese Genres haben zahlreiche weitere Subgenres, z.B. High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy, Romantasy, Space Opera, Space Western, Cyberpunk, Steampunk, Solarpunk, Hopepunk, Cosmic Horror, Schauerliteratur und noch viele weitere.
Plotbunny Typischerweise eine neue Idee für einen Plot oder eine Geschichte, während man eigentlich gerade an etwas anderem arbeitet. Manche Plotbunnys verlangen sehr viel Aufmerksamkeit. Ich rate dann gern dazu, sie sich kurz zu notieren, damit sie Ruhe geben.
Queere Literatur An diesem Begriff scheiden sich die Geister. Manche Autor*innen sagen, „Queer“ sei kein Genre. Andere fragen sich, wie genau Queere Literatur denn definiert sei, wieviel Queerness muss enthalten sein? Andere Leute wiederum betrachten Bücher mit queeren Figuren, Romances, Themen wie Coming-out, erste Liebe, Erfahrungen mit Queerfeindlichkeit und noch mehr als eigenes Genre.
Romance Hier gibt es bei den verschiedenen Formen von Liebesromanen verschiedene Abkürzungen, z.B. MM, FF, MF, MMF – das bezeichnet die Figurenkonstellationen, dabei steht M für Mann, F für Frau. WLW steht für Woman loving woman. Gay Romance steht im deutschsprachigen Raum für schwule Liebesromane, Queer Romance für andere Formen von Queerness.
Romantasy Aktuell ein beliebtes Genre, sehr im Trend. Entsprechende Bücher verfügen über ein Fantasysetting, aber die entsprechende Liebesgeschichte steht eindeutig im Vordergrund und die Handlung würde ohne diese nicht funktionieren. Dem gegenüber steht Romantic Fantasy: Hier gibt es eine romantische Nebenhandlung (Subplot), die aber hypothetisch auch weggelassen werden könnte. In relativ vielen Fantasyromanen gibt es solche Subplots.
Sapphic Romance Romances über Frauen, die Frauen lieben. Der Begriff gilt als inklusiver als Lesbian Romance, siehe zum Beispiel diesen Blogbeitrag. Ein Pendant dazu ist -> Achillean Romance
Selfpublishing Beim Selfpublishing übernehmen die Autor*innen das Verlegen ihrer Bücher selbst, was nicht bedeuten muss, dass sie dafür einen Verlag gründen. Entsprechend müssen die Autor*innen Dienstleistende beauftragen, Verschiedenes für sie zu übernehmen, falls sie dies nicht selbst machen können: Buchcover, Werbebanner, Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Erstellung eines E-Books und anderes. Es gibt verschiedene Anbieter für Selfpublishing, die auch den Vertrieb der Bücher übernehmen, z.B. Epubli, Tolino Media, Tredition und weitere. Bei den gratis Texten auf meiner Webseite habe ich einen Ratgeber zum Thema Selfpublishing, als herunterladbares PDF. Hier gibt es eine Liste mit einigen Dienstleistenden, z.B. Lektor*innen und Buchcoverdesigner*innen. Tipps für Selfpublisher*innen bietet u.a. die „SelfpublisherBibel“.
Testleser*in (auch Betaleser*in) Die ersten Leute, die ein Manuskript lesen und dazu Feedback geben. Nicht zu verwechseln mit einem -> Lektorat.
Unterhaltungsliteratur Manche Leute lehnen eine Unterscheidung von Literatur in Unterhaltungs- und gehobene Literatur ab, weil die Übergänge fließend sein können. Allgemein gelten folgende Genregruppen als der Unterhaltungsliteratur zugehörig: Phantastik, Liebesromane, Krimis/Thriller, historische Romane. V Work in progress auch abgekürzt als WIP: aktuelles Manuskript in Arbeit (kann aber auch pausiert sein), oder ein erster Entwurf bzw. eine Rohfassung, die noch nicht bearbeitet wurde
X Young Adult (abgekürzt YA) Bücher, die sich vor allem um jugendliche Figuren drehen, bis hin zu sehr jungen Erwachsenen (ca. 14 bis 18 Jahre). Schule, erste Liebe, (teilweise auch Sex), Freundschaften sind entsprechend häufige Themen. Aber es gibt auch Phantastik YA in zahlreichen Subgenres, sodass es hier eine ganze Vielfalt an Themen geben kann, auch in frei erfunden Fantasy- oder Science-Fiction Welten. Z
Es ist ein offenes Geheimnis: Von allen Dienstleistungen rund um eine Buchveröffentlichung (Lektorat, Korrektorat, Buchcoverdesign, Vertrieb u.a.) verdienen die Autor*innen selbst am wenigsten. Sie werden von Verlagen nicht für ihre Arbeitszeit bezahlt, sondern gewissermaßen für die Vermarktung ihrer Bücher, bzw. Lizenzen.
Im deutschsprachigen Raum bezahlen die meisten Verlage auch keine Vorschüsse. Das heißt: wer keine Bestseller landet oder am laufenden Band Bücher produziert, wird vom Schreiben allein nicht leben können (statistische Zahlen dazu lassen sich online suchen).
Im Selfpublishing machen es viele Autor*innen so, dass sie Crowdfundings machen, um all die Dienstleistungen rund um ihre Veröffentlichung bezahlen zu können. Ich habe vor mehreren Jahren einmal ein Crowdfunding gemacht, um die Teilnahme mit einem Stand an der Buchmesse Berlin finanzieren zu können. Es ist gelungen, war allerdings sehr zeitaufwändig. Ich weiß auch von anderen Leuten, die Crowdfundings gemacht haben, dass dies sehr viel Arbeit bedeutet. Außerdem gibt es keine Garantie, dass das Crowdfunding erfolgreich ist.
Das andere Modell im Selfpublishing, das ich teilweise mache, ist Arbeitstausch, dadurch lassen sich Kosten reduzieren. Meine Buchcover und Werbebanner etc. kann ich selbst gestalten, auch dank eines Grafikdesignstudiums.
Ich bin Hybridautorin: vier meiner Bücher sind in Kleinverlagen erschienen, den Rest habe ich im Selfpublishing veröffentlicht.
Für bezahlte Werbung habe ich kein Budget, also bin ich auf meine eigenen Werbebeiträge in Social Media angewiesen. Und dort treffe ich auf tausende andere Autor*innen, die ebenfalls Werbung für ihre Bücher machen. Wir alle kämpfen mit den Algorithmen und sinkender Reichweite. Und die Anzahl der Follower oder der Likes entspricht nie der Zahl der Buchkäufe (siehe Fußnote 1).
Nach rund zehn Jahren als Autor*in mit Veröffentlichungen bin ich ziemlich desillusioniert, was den Buchmarkt und meine persönlichen Möglichkeiten betrifft. Ich habe nie damit gerechnet, einen Bestseller zu schreiben. Das ist einfach unrealistisch, weil es nur den wenigsten gelingt. Aber wenn ich, so wie in den vergangenen zwei Jahren, Monate an einem Buch arbeite und sich dieses dann nur zwanzig Mal verkauft, nimmt mir das die Motivation.
Ja, ich hatte auch Bücher, die sich sehr gut verkauft haben, insbesondere die Reihe „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“. Ich bin sehr dankbar für all die Menschen, die dieser Reihe ihre Lesezeit gewidmet haben. Aber ganz ehrlich, ich konnte diese Reihe nicht endlos fortsetzen, weil mir die Ideen für weitere Kriminalfälle ausgegangen sind.
Ich habe noch eine anstehende Veröffentlichung und zwei weitere eigene Buchprojekte, die ich umsetzen möchte, aber danach werde ich voraussichtlich keine weiteren in Angriff nehmen, oder vielleicht nur noch ein Buch pro Jahr schreiben und wie bisher auch, hin und wieder Fanfictions. Mir geht es mittlerweile so: Ich verdiene mehr mit Lektoraten als mit meinen Buchveröffentlichungen. Also werde ich mich in Zukunft mehr auf diese Tätigkeit konzentrieren.
Fußnote: (1) In diesem Zusammenhang empfehle ich immer wieder gern das folgende Video, in dem die Situation für Instagram analysiert wird: „Instagram und Autoren – Schluss mit dem Stress“ (ca. 39 Minuten) https://www.youtube.com/watch?v=UHn23higV1M
In diesem Blogbeitrag schreibe ich abwechselnd von Frauen und FLINTA*-Personen. Am Ende des Beitrag findet ihr zahlreiche Fußnoten mit verlinkten Artikeln, Statistiken und einige Erläuterungen. Inhaltswarnungen: Erwähnung von: häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Femizid
Ich zähle zu den FLINTA* (Fußnote 1) Personen und streike am Montag, den 9. März 2026. Das ist der Tag nach dem feministischen Kampftag, der jedes Jahr am 8. März stattfindet.
Auf dem Papier sind Frauen in Deutschland gleichberechtigt mit (cis) Männern, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
Immer noch gibt es den Gender Pay Gap. Und viele FLINTA* arbeiten lange in Teilzeit, um ihren Beruf und die Care-Arbeit für Kinder unter einen Hut zu bekommen. Entsprechend bekommen sie später geringere Renten, Altersarmut droht vielen. Noch stärker benachteiligt sind alleinerziehende Mütter.
Deutschland ist generell kein kinderfreundliches Land und viele Elternteile werden mit ihren Sorgen und Problemen ziemlich allein gelassen. (2) In diesem Zusammenhang weise ich auch auf die Probleme der Hebammen hin, mehr dazu in dem verlinkten Beitrag. (Fußnote 3). Zwar besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber in der Realität sieht es oft anders aus.
Und auch in den Kitas selbst gibt es häufig Probleme, zum Beispiel durch Personalmangel und ungünstige Arbeitsbedingungen. (4)
Frauen, FLINTA* und Mädchen werden immer noch viel zu häufig Opfer von Kindesmissbrauch (5), häuslicher Gewalt (6), Vergewaltigungen und Femiziden (7). Auf der anderen Seite gibt es aber zu wenig Frauenhäuser (8 und 9) und andere schutzbietende Institutionen oder Angebote.
Die Frauenhauskoordinierung schreibt auf ihrer Webseite: „FHK setzt sich seit vielen Jahren für einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt ein. Damit wollen wir erreichen, dass Frauen und ihre Kinder adäquate Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt bekommen.“ (10)
Die Gleichberechtigung mag auf dem Papier stehen, aber in vielen Köpfen ist sie immer noch nicht angekommen, denn noch immer übernehmen viele Frauen in Familien fast die gesamte Care-Arbeit, unbezahlt: sie machen die Hausarbeit, kümmern sich um die Kindern, pflegen ältere oder erkrankte Angehörige.
Und von dem rechten Backlash, der Frauen wieder in einem völlig überholten Rollenbild sehen will (wie in den 1950ern, nach dem Motto der drei K: „Kirche, Küche, Kinder“) und dem „Trad Wives Trend“ fange ich jetzt lieber nicht an, sonst sitzen wir in einer Woche noch hier.
Außerdem ist es so, dass viele Männer sich quasi ihrer Männlichkeit beraubt fühlen, wenn ihre Partnerinnen oder Ehefrauen beruflich erfolgreicher sind als sie. Weil immer noch in den Köpfen das alte Bild vom männlichen Alleinverdiener, der seine Familie ernährt, vorhanden ist.
Darüber hinaus übernehmen viele Frauen und FLINTA* nicht nur den Mental Load, der mit all der unbezahlten Care-Arbeit einhergeht, sondern häufig auch noch Emotionsarbeit (11) für sich selbst und ihre (cis) männlichen Partner, Lebensgefährten oder Ehemänner. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und auch zu Burn Out oder anderen psychischen Erkrankungen führen.
Außerdem sind Frauen und Mädchen im Vergleich zu Männern überproportional sexueller Belästigung ausgesetzt, offline und online. Sie bekommen es mit Hassrede und Trollen zu tun, pornografischen Deepfakes oder anderen Formen von sexueller Belästigung. Und auch hiermit werden die Betroffenen größtenteils allein gelassen, denn die aktuellen Gesetze in Deutschland bieten zu wenig Schutz vor all dem. (12)
Last but not least: Marginalisierte und mehrfach marginalisierte Frauen und FLINTA* haben es noch schwerer, da sie meistens in ihrem Alltag mehrfachen Belastungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind: Behinderte, chronisch Kranke, Queers, Women of Colour, Frauen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete, Neurodivergente, von Armut betroffene oder FLINTA* mit noch anderen Marginalisierungen. Deshalb muss ein Frauen* Streik immer intersektional gedacht werden und berücksichtigen, dass unterschiedliche Frauen und FLINTA* aufgrund ihrer Lebenssituation und ihren Voraussetzungen ganz verschiedene Erfahrungen mit Diskrimierungen, Gewalt und menschenverachtenden -ismen (z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus) machen.
Um es mal überspitzt zu formulieren: Mädchen, Frauen und FLINTA* haben in Deutschland keine Lobby, obwohl sie rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung bilden. Entsprechend werden ihre Bedürfnisse immer wieder übergangen, als „nicht wichtig“ betrachtet, und manche Leute glauben ernsthaft, Feminismus sei nun überholt, weil wir ja alle gleichberechtigt seien.
Es gibt also noch viel zu tun – insbesondere auch angesichts des rechten Backlashs weltweit, der bereits erreichte Rechte und gesellschaftliche Errungenschaften von Frauen und FLINTA* wieder zurückdrehen will. Man denke nur an die Gesetze zur Abtreibung in den USA (13).
Und um auf all das aufmerksam zu machen, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben und streike am 9. März 2026. Ich arbeite nicht, ich gehe nicht einkaufen, ich mache keine Care-Arbeit. Ich würde mich einer entsprechenden Demo anschließen, aber aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht gut an Demonstrationen teilnehmen.
Und wer nun denkt, so ein Streiktag würde doch gar nichts bringen, den lade ich ein, sich den historischen Frauenstreik in Island von 1975 (14) einmal genauer anzuschauen, der tatsächlich politische Veränderungen bewirkt hat. Und es war bei weitem nicht der einzige Generalstreik dieser Art, bereits davor und auch danach hat es in vielen Ländern vergleichbare Streiks gegeben, auch einen FrauenStreikTag in Deutschland. (15)
Es ist so, wie Hannah Arendt gesagt hat: „Dort, wo Frauen streiken, wird deutlich, dass Politik nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern überall, wo Menschen ihren Konsens zurückziehen.“
Mehr zu diesem Streik und entsprechenden Veranstaltungen in Deutschland erfahrt ihr hier, die Webseite ist in Deutsch und Englisch gehalten: https://enoughgenug.org/
Lesenswert: Wenn ihr auf Instagram seid, kann ich das Profil „Rising Gaze“ empfehlen, z.B. diese Beiträge: „6 Argumente gegen Feminismus – und wie du sie entkräften kannst“ https://www.instagram.com/p/DTBgACJCB8Q/
„Wie Männer unter dem Patriarchat leiden – Starre Geschlechterrollen sind für niemanden gut – auch nicht für diejenigen, die scheinbar davon profitieren“
Fußnoten: (1) FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Menschen. Der Genderstern steht außerdem für weitere Gender-Identitäten, die nicht cis männlich sind.
(11) Emotionsarbeit bedeutet, dass man die eigenen Emotionen, aber auch die einer Partnerperson quasi managt, zum Beispiel, um den „lieben Frieden“ in einer Beziehung zu wahren und Konflikte (oder gar Gewalt) zu vermeiden. Emotionsarbeit findet darüber hinaus auch in beruflichen Kontexten statt. Mehr Informationen darüber z.B. hier auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Emotional_labor
Inhaltswarnung: In diesem Beitrag geht es um Social-Media-Sucht.
Ich struggle seit Jahren mit meinem Social-Media-Gebrauch. Ich bin chronisch online, übrigens am PC, nicht am Handy, denn ich habe bewusst keine Social-Media-Apps am Handy. Kürzlich sah ich ein Video auf Youtube: „How Social Media is Slowly Ruining Society“ von Ashley Embers (Fußnote 1). Ashley geht darin unter anderem darauf ein, dass das menschliche Gehirn schlichtweg nicht für die Massen an Informationen (und Desinformationen) gemacht ist, die bei ständigem Social-Media-Konsum, und weiterem Medienkonsum, auf uns einströmen. Auch Multitasking ist oft nicht, wie viele glauben, ohne Weiteres gut möglich, ohne dass es Konzentrationsprobleme gibt. Bei mir selbst habe ich in den vergangenen Wochen zunehmend ein Problem beobachtet, das Ashley Embers ebenfalls anspricht: eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne. Dazu weiter unten mehr.
Ich arbeite allein zu Hause, mit Texten, immer am PC. Aber mein PC ist auch mit dem Internet verbunden und dort habe ich auch Zugang zu allen meinen Social Media. Teilweise benötige ich das Internet für Recherchen. Aber ich ertappe mich ständig dabei, dass ich von der Textarbeit abschweife und „nur mal eben schnell“ auf Instagram, im Fediverse, Facebook oder Tumblr schauen will, ob es irgendetwas Interessantes, Neues zu sehen gibt. Oder ob ich Benachrichtigungen habe. Oder ob jemand einen Beitrag von mir kommentiert hat. Oft habe ich keine, oder kaum Benachrichtigungen. Auch nicht oft Kommentare, oder private Nachrichten. Aber sobald ich in die Social Media schaue, beißt sich meine Aufmerksamkeit oft fest an irgendeinem Beitrag, der mein Interesse weckt. Und zack, verbringe ich Zeit mit einem Kommentar, oder ich teile den Beitrag in irgendeiner Form (je nach Social Medium). Das an sich ist ja nicht verkehrt, aber damit verbringe ich leider oft viel mehr Zeit, als ich eigentlich vor hatte und schon sind 20 Minuten vergangen, statt 5.
Die verkürzte Aufmerkssamkeitsspanne Diese macht sich bei mir mittlerweile schmerzlich bemerkbar. Ich werde unruhig, wenn ich versuche, länger als 20 Minuten am Stück ein Buch zu lesen. Weil in meinem Hinterkopf bald wieder diese Stimme aufploppt: Schau doch mal in deine Social Media! Wirklich lange lesen, das schaffe ich nur im Sommer, draußen im Park. Oder auf Bahnfahrten. Dort habe ich kein Internet, keine Social Media.
Wenn ich (am PC) einen Film sehe, werde ich ebenfalls früher oder später unruhig, unterbreche den Film und schaue in meine Social Media. Egal, was ich mache, früher oder später treibt es mich wieder in die Social Media.
Doomscrolling Dieses Thema ist euch ja sicher allen bekannt: Wie sich die tägliche 24/7 Flut an schlechten Nachrichten negativ auf die eigene Psyche auswirken kann. Natürlich möchte ich informiert bleiben, was in der Welt passiert. Aber muss ich wirklich täglich x Beiträge, x Kommentare und x Videos von Leuten zu einer aktuellen Nachrichtenmeldung oder dem neuesten „Aufregerthema“ sehen/hören/lesen? Nein. Da schreibe ich auch nichts Neues: Die Algorithmen in den kommerziell ausgerichteten Social Media leben von diesen Aufregerthemen, von negativen Schlagzeilen, von Hassreden, Wut, Empörung, Ärger, und Traurigkeit.
Was also tun? Ich möchte mir wieder eine längere Aufmerksamkeitsspanne antrainieren, wenn das möglich ist. Ich trickse mich nun selbst aus: Mit dem gratis Browser Add-on „Leechblock NG“ sperre ich alle meine Social Media und auch Youtube nun täglich (oder fast täglich) für mehrere Stunden. Ich muss damit ein bisschen herumexperimentieren. Mein erster Versuch: eine Sperre an den Werktagen, von 6 bis 18 Uhr. Mal sehen, wie es damit so läuft. Vielleicht muss ich stattdessen andere Zeiten sperren, das wird die Zeit zeigen. Ich nehme an, dass es auch Apps für Handys gibt, die solche Sperren möglich machen, aber damit kenne ich mich nicht näher aus.
Ich wollte schon mal meinen Umgang mit Social Media gründlich ändern, das war 2022. Darüber habe ich zwei Blogbeiträge geschrieben (2, 3). Mittlerweile weiß ich allerdings: Eine Sucht ist ein täglicher Struggle, wenn man das Objekt der Sucht nicht völlig aufgeben kann oder möchte. Denn trotz allem brauche ich die Social Media, auch für den Austausch mit anderen.