Produktionsbedingungen für Autor*innen und ein persönliches Fazit nach rund zehn Jahren

Jocelyn Morales, Unsplash

Es ist ein offenes Geheimnis: Von allen Dienstleistungen rund um eine Buchveröffentlichung (Lektorat, Korrektorat, Buchcoverdesign, Vertrieb u.a.) verdienen die Autor*innen selbst am wenigsten. Sie werden von Verlagen nicht für ihre Arbeitszeit bezahlt, sondern gewissermaßen für die Vermarktung ihrer Bücher, bzw. Lizenzen.

Im deutschsprachigen Raum bezahlen die meisten Verlage auch keine Vorschüsse. Das heißt: wer keine Bestseller landet oder am laufenden Band Bücher produziert, wird vom Schreiben allein nicht leben können (statistische Zahlen dazu lassen sich online suchen).

Im Selfpublishing machen es viele Autor*innen so, dass sie Crowdfundings machen, um all die Dienstleistungen rund um ihre Veröffentlichung bezahlen zu können. Ich habe vor mehreren Jahren einmal ein Crowdfunding gemacht, um die Teilnahme mit einem Stand an der Buchmesse Berlin finanzieren zu können. Es ist gelungen, war allerdings sehr zeitaufwändig. Ich weiß auch von anderen Leuten, die Crowdfundings gemacht haben, dass dies sehr viel Arbeit bedeutet. Außerdem gibt es keine Garantie, dass das Crowdfunding erfolgreich ist.

Das andere Modell im Selfpublishing, das ich teilweise mache, ist Arbeitstausch, dadurch lassen sich Kosten reduzieren. Meine Buchcover und Werbebanner etc. kann ich selbst gestalten, auch dank eines Grafikdesignstudiums.

Ich bin Hybridautorin: vier meiner Bücher sind in Kleinverlagen erschienen, den Rest habe ich im Selfpublishing veröffentlicht.

Für bezahlte Werbung habe ich kein Budget, also bin ich auf meine eigenen Werbebeiträge in Social Media angewiesen. Und dort treffe ich auf tausende andere Autor*innen, die ebenfalls Werbung für ihre Bücher machen. Wir alle kämpfen mit den Algorithmen und sinkender Reichweite. Und die Anzahl der Follower oder der Likes entspricht nie der Zahl der Buchkäufe (siehe Fußnote 1).

Nach rund zehn Jahren als Autor*in mit Veröffentlichungen bin ich ziemlich desillusioniert, was den Buchmarkt und meine persönlichen Möglichkeiten betrifft. Ich habe nie damit gerechnet, einen Bestseller zu schreiben. Das ist einfach unrealistisch, weil es nur den wenigsten gelingt. Aber wenn ich, so wie in den vergangenen zwei Jahren, Monate an einem Buch arbeite und sich dieses dann nur zwanzig Mal verkauft, nimmt mir das die Motivation.

Ja, ich hatte auch Bücher, die sich sehr gut verkauft haben, insbesondere die Reihe „Die mysteriösen Fälle der Miss Murray“. Ich bin sehr dankbar für all die Menschen, die dieser Reihe ihre Lesezeit gewidmet haben. Aber ganz ehrlich, ich konnte diese Reihe nicht endlos fortsetzen, weil mir die Ideen für weitere Kriminalfälle ausgegangen sind.

Ich habe noch eine anstehende Veröffentlichung und zwei weitere eigene Buchprojekte, die ich umsetzen möchte, aber danach werde ich voraussichtlich keine weiteren in Angriff nehmen, oder vielleicht nur noch ein Buch pro Jahr schreiben und wie bisher auch, hin und wieder Fanfictions. Mir geht es mittlerweile so: Ich verdiene mehr mit Lektoraten als mit meinen Buchveröffentlichungen. Also werde ich mich in Zukunft mehr auf diese Tätigkeit konzentrieren.

Fußnote:
(1) In diesem Zusammenhang empfehle ich immer wieder gern das folgende Video, in dem die Situation für Instagram analysiert wird: „Instagram und Autoren – Schluss mit dem Stress“ (ca. 39 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?v=UHn23higV1M

Meine Pläne für 2026

(Lesezeit: 2 Minuten)
Update am 18.12. 2025 wegen einer Änderung
Ich stehe 2026 für Lektorate und/oder Sensitivity Readings zur Verfügung, aber bitte bei Interesse anfragen, ob ich im gewünschten Zeitraum Kapazitäten habe. So viel kann ich schon einschätzen: Im ersten Quartal des Jahres lege ich teilweise eine Pause ein, damit ich meine eigenen Buchprojekte weiter bearbeiten kann. Aber einzelne Kurzgeschichten kann ich in diesem Zeitraum für ein Lektorat und/oder Sensitivity Reading unterbringen.

Das unkommerzielle Buchprojekt „Stimmen aus der schwarzen Szene: Interviews mit Goths“ ist fertig und es war mir ein Fest!

Ich möchte Band 4 von „Hexen in Hamburg“ bearbeiten und veröffentlichen (anvisiert ist der 20. Juni, also kurz vor der Sommersonnenwende – die Geschichte beginnt mit einer Sommersonnenwendfeier.)

Außerdem möchte ich Band 5 der „Hexen in Hamburg“ schreiben (oder zumindest damit anfangen), die Veröffentlichung habe ich geplant für Oktober 2027, denn in der Geschichte sind Samhain und Halloween wichtig. Das ist der finale Band der Reihe. Er schließt auch gewissermaßen den paganen/Hexen-Jahreskreis, denn in Band 1 spielt die Wintersonnenwende eine Rolle.

2026 möchte ich auch meinen Fantasyroman weiter bearbeiten, der von einer Sekte handelt. Angesiedelt ist er übrigens in meiner Fantasywelt Vanfarin, die Handlung spielt einige Jahre nach „Vanfarin – Von Untoten und Totems“. Es handelt sich jedoch nicht um eine Fortsetzung und es geht auch um ganz andere Figuren.

Das sind übrigens die letzten eigenen Buchprojekte, die ich noch umsetzen möchte. Danach ist Schluss, stattdessen konzentriere ich mich auf Lektorate und Sensitivity Readings für andere Autor*innen. Außerdem werde ich wie bisher hobbymäßig Fanfictions und kostenlose Blogbeiträge schreiben, letzteres auch ein bisschen für aktivistische Themen, wie für den Diversity Dienstag – zumindest ist das mein Plan. Aber: meine bisher veröffentlichten Bücher werden weiterhin erhältlich sein, als E-Books und Prints (Mit einer Ausnahme: E-Books nicht mehr auf Amazon, die Gründe dafür habe ich vor kurzem hier beschrieben.)

Wie geht es hier weiter? – Pläne für meine schriftstellerische Tätigkeit

Ich habe zurückgeblickt auf meine schriftstellerische Tätigkeit, seit 2014. Mein Debütroman „Der Stern des Seth“ erschien 2015. Viel hat sich seit damals verändert, auch der Buchmarkt für Genreliteratur, u.a. durch BookTok, den Trends wie Romantasy und Dark Romance, der wachsenden Beliebtheit von Young Adult und New Adult und ich könnte hier noch viel mehr darüber schreiben, aber ich belasse es mal dabei.

Viele meiner Bücher waren und sind größtenteils eine Nische in der Nische der queeren Literatur, entsprechend ist meine Zielgruppe nie groß gewesen. Ich habe Versuche gemacht, mainstreamiger zu schreiben, aber auch das war nicht so erfolgreich wie erhofft.

Ich verdiene mittlerweile mit Lektoraten deutlich mehr als mit meinen Büchern und möchte mich mehr darauf konzentrieren. Hinzu kommt: Meine Motivation für neue Veröffentlichungen hat leider sehr gelitten. Einfach, weil es den ganzen Aufwand und die Zeit kaum noch lohnt, wenn ich mir meine Verkaufszahlen so ansehe.

Folgendes habe ich geplant:

Band 4 meiner Urban Fantasy Reihe „Hexen in Hamburg“ erscheint 2026. Hauptfigur ist diesmal der Student Fabian, der es mit einer sektenartigen Gruppe zu tun bekommt und mit seiner Mental Health kämpft (bipolare Störung). Ein genaues Veröffentlichungsdatum habe ich noch nicht.

Ebenfalls 2026 schreibe ich den fünften, letzten Band der Reihe, mit dem Goth Jannis als Hauptfigur. Ursprünglich hatte ich sechs Bände geplant, bin aber von diesem Plan abgekommen. In diesem finalen Band wird Samhain/Halloween eine wichtige Rolle spielen und ich möchte ihn 2027 veröffentlichen.

Außerdem habe ich noch einen High-Fantasy-Roman in meiner Fantasywelt Vanfarin, dieser handelt von einem jungen schwulen Mann, der in eine Sekte gerät und sich in ein Sektenmitglied verliebt. Wann dieser Roman erscheint, kann ich euch noch nicht sagen.

Ich habe also insgesamt noch drei Veröffentlichungen geplant.

Die Lust am Schreiben ist mir trotz allem geblieben, nur das ganze Drumherum einer Veröffentlichung finde ich zunehmend schwer. Was mache ich also stattdessen? Ich werde nach meinen letzten Veröffentlichungen nach Lust und Laune gratis Kurzgeschichten und (englischspr.) Fanfictions schreiben, zumindest ist das mein Plan. Also Schreiben als reines Hobby ohne Gewinnabsicht.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an euch – fürs Liken, Kommentieren in Social Media, Feedback zu meinen Büchern, dass ihr Bücher von mir gekauft habt, für das Lesen meiner Blogbeiträge, Gespräche mit mir auf Veranstaltungen vor Ort und online, für eure Unterstützung und auch den Austausch unter Autorenkolleg*innen. Das weiß ich sehr zu schätzen und es bedeutet mir viel.

Schreiben ist politisch

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Grafik von dem Autor, Illustrator und Grafikdesigner Christian Günther

In gewisser Weise ist alles politisch – wo immer Menschen zusammenkommen, zusammenleben, Gemeinschaften bilden, es ist alles politisch, denn es gibt so viele Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen. Auch dein Privatleben ist politisch. Du glaubst mir nicht? Denke an die Gesundheitsfürsorge, die beispielsweise in USA immer wieder Menschen in den Bankrott treibt. In Deutschland sind wir zurzeit besser abgesichert, was das betrifft. Oder schau dir Bildungspolitik an. Oder die häufig unbezahlte Carearbeit für Kinder oder ältere Menschen, beispielsweise die Pflege von Angehörigen. Und wer arbeitet und unter welchen Umständen? Denk auch an Beziehungen, selbst diese haben bis zu einem gewissen Grad politische Aspekte, schauen wir uns nur einmal die Debatten über das Recht auf Abtreibung an. Oder die allgemeinen Menschenrechte, die an so vielen Orten auf der Welt bedroht sind.

Selbst wenn man sagt, man interessiere sich nicht für Politik, ist das auf die eine oder andere Weise eine politische Entscheidung. Dies machen vor allem Menschen, die so privilegiert sind, dass sie sich nicht viel um Politik kümmern müssen, weil das politische System zu ihren Gunsten funktioniert.

Ebenso sind Geschichten politisch, weil sie menschliche Erfahrungen, die Gesellschaft, das Privatleben und das öffentliche Leben in Gemeinschaften widerspiegeln.

Die schiere Existenz von queeren und anderen marginalisierten Menschen ist politisch, denn während auf dem Papier Gleichheit für alle herrscht (oder einst herrschte, wenn man in die USA schaut), sieht die Realität ganz anders aus. Queere und anderweitig marginalisierte Menschen werden diskriminiert, schikaniert, unter Druck gesetzt, manipuliert und Schlimmeres. Es gibt einen wachsenden rechten Backlash auf progressive Politik, in so vielen Ländern, da erzähle ich euch nichts Neues.

In letzter Zeit habe ich zwei (englischsprachige) Fanfictions geschrieben, und ich konnte nicht anders, als Politisches mit einzubeziehen. „Beau and the Beast“ enthält antimonarchistische Ideen und ein bisschen von einer queeren, inklusiven Utopie.
In „The Story of Alexander Lemtov“, die im Jahr 2024 spielt, beginnt der russische Protagonist sich zu fragen, was er mit seinem immensen Reichtum anfangen soll, um anderen zu helfen, und bricht die Verbindung zu seinem Heimatland ab, weil er den Krieg gegen die Ukraine nicht tolerieren und akzeptieren kann, ebenso wenig wie die Queerfeindlichkeit in Russland.

Ich habe schon oft über queere oder anderweitig marginalisierte Figuren geschrieben und das möchte ich auch weiterhin tun. Ich möchte ihre Freuden, aber auch ihre Struggles zeigen.

Weiteres

Aktueller Blogbeitrag von Klaudia aka Vienna Writer zum Thema Autor*innen gegen Rechts,
mit Stickermotiven:
https://www.viennawriter.net/blog/autor_innengegenrechts/

Diesen lesenswerten Blogbeitrag der Autorin und Psychologin Elea Brandt habe ich schon oft empfohlen: „Fantastisch politisch“ – darin geht es darum, ob Phantastik unpolitisch sei.