Buch-Aktivismus

Sunita Sukhana hat vier Fragen:

  1. Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram?
    2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
    3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
    4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Was ist der Fokus eures Aktivismus?

Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)

Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?

Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.

Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?

Lesende:
Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.

Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.

Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.

Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.

Autor*innen:
Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.

„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.

Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).


Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Victoria Linnea, Nora Bendzko und Noah Stoffers bieten regelmäßig Workshops für Autor*innen an, die sich mit Diversität befassen. https://www.victorialinnea.de/seminare-workshops

Auch Lena Richter bietet regelmäßig Workshops an:

Empfehlen kann ich auch das halbjährlich erscheinende Phantastik-Magazin „Queer*Welten“, das im Amrûn Verlag erscheint: https://amrun-verlag.de/cat/verlagsbuchhandlung/lgbt/

Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.

Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.

Fußnoten:
1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“

2) „Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?“

3)„Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“
https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/

4) Alternativen zu KI generierten Bildern (Beitrag in Deutsch und Englisch):

Einige Erfahrungen mit Armut, bzw. Existenzminimum

(This post in English)

Lesezeit: 5 Minuten

Die Menschen lieben Erfolgsgeschichten, nicht wahr? Vom Tellerwäscher zum Millionär. Menschen, die sich aus Armut herausgekämpft haben. Dies basiert lose auf der sehr neoliberalen Erzählung, dass „jeder seines Glücks Schmied ist“. Grüße auch vom Kapitalismus.

Aber was, wenn das Glück einfach nicht kommt oder verschwindet? Du verlierst deinen Job. Oder du erkrankst an Long Covid und bist nun dauerhaft arbeitsunfähig. Dein Partner verlässt dich und du bist plötzlich alleinerziehend. Du hast einen schweren Unfall oder eine schwere Krankheit und bleibst mit einer schweren Behinderung zurück, die nie wieder ganz heilen wird. Du leidest seit Langem an einer chronischen Krankheit oder hast seit deiner Geburt eine Behinderung. Du wirst obdachlos, weil du durch alle sozialen Sicherheitsnetze fällst.

Ich bin privilegiert aufgewachsen. Meiner Familie hat es materiell an nichts gefehlt. Ich konnte studieren und dann eine Ausbildung machen, auch dank der finanziellen Unterstützung meiner Eltern. Aber: Ich habe eine Behinderung und eine chronische psychische Erkrankung. Nachdem ich etwa 15 Jahre lang versucht hatte, irgendwo langfristig Fuß zu fassen, musste ich erkennen, dass ich einfach nicht belastbar genug für eine Vollzeitstelle oder sogar für bestimmte Formen von Teilzeitarbeit bin.

Ein weiteres Problem war, dass ich aufgrund meiner Neurodiversität Schwierigkeiten habe, mich über viele Stunden hinweg intensiv zu konzentrieren, aber in meinem früheren Arbeitsbereich (Grafikdesign) muss man sehr präzise arbeiten und selbst kleinste Details in Layouts erkennen und jederzeit korrekt gestalten können. 8 Stunden am Tag oder länger. Das war mir einfach nicht möglich. Das wurde mir während des Studiums nicht bewusst, sondern erst später, während einiger Praktika.

Während einer Gesprächstherapie wegen meiner psychischen Erkrankung empfahl mir die Therapeutin, einen sicheren, aber unspektakulären Job zu suchen. Sie war der Meinung, dass es in einem solchen Job einfacher wäre, mit der psychischen Erkrankung umzugehen. Einige Zeit später schlug mir ein Jobcoach eine Ausbildung zur Bibliothekarin vor, da ich Bücher liebe. Als ich mich jedoch in zwei verschiedenen Städten für eine entsprechende Ausbildung bewarb, wurde ich abgelehnt.

Und hier bin ich nun. Trotz aller Privilegien, die ich als Kind, Teenager und junge erwachsene Person hatte, lebe ich jetzt mit Existenzminimum, und selbst meine selbstständigen Tätigkeiten, denen ich ein paar Stunden pro Woche nachgehen kann, ändern daran nichts.

Warum schreibe ich das alles? Ich möchte zeigen, dass Armut aufgrund einer Kette unglücklicher Umstände jeden treffen kann – selbst wenn man irgendwann in seinem Leben Privilegien hatte.

Im Moment komme ich über die Runden, aber ich habe Angst vor meiner Zukunft. Vor allem angesichts möglicher politischer Veränderungen in Deutschland. Wenn die rechtsextreme Partei an die Macht kommt, könnte sie mir die staatlichen Leistungen wegnehmen, auf die ich teilweise angewiesen bin, um meine Miete, Lebensmittel und andere Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Oder sie könnte die Leistungen so stark kürzen, dass ich in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würde.

Oh, und übrigens: Eine Behinderung ist teuer. Ich brauche spezielle Schuhe, die schwer zu finden und nicht billig sind. Irgendwann in meinem Leben werde ich sicherlich einen Rollator oder einen Rollstuhl brauchen. Ich brauche eine Brille wegen meiner Kurzsichtigkeit. Außerdem muss ich täglich Medikamente einnehmen und einen Teil dieser Kosten selbst tragen (im Falle der Brille sogar die gesamten Kosten). Ich war seit sechs Jahren nicht mehr beim Augenarzt, weil ich Angst habe, dass er mir gesagt wird, ich bräuchte eine neue Brille, oder dass mir zusätzliche Untersuchungen nahegelegt werden, die für Menschen meines Alters empfohlen, aber nicht von meiner Krankenkasse bezahlt werden.

Ich habe nur sehr wenig Ersparnisse, die ich für Notfälle aufhebe – zum Beispiel, wenn mein Computer, mein Handy, mein Backofen, mein Drucker, meine Waschmaschine oder mein Kühlschrank ersetzt werden müssen. Ich musste meinen Computer sowie den Bildschirm und mein Handy ersetzen, was ein ziemliches Loch in meine Ersparnisse gerissen hat.
Seit 2019 habe ich keinen Urlaub mehr gemacht – nicht einmal einen kurzen, und ich habe solche Angst, dass ich das Geld von meinem Sparkonto für einen weiteren Notfall brauchen könnte, dass ich es nicht wage, es für etwas zu verwenden, das mir Spaß macht, wie ihr euch vorstellen könnt.

Ich habe Freund*innen und Familie. Manche Menschen haben es natürlich noch schwerer als ich, sie sind ganz allein.

Früher dachte ich, ich sei eine Last für alle um mich herum. Grüße vom verinnerlichten Ableismus.

Jahrelang hatte ich Schuldgefühle wegen des Geldes, das ich von meinen Eltern bekam – für mein Studium, für meine weitere Ausbildung. Ich machte Pläne, es ihnen eines Tages zurückzuzahlen. Eines Tages, so stellte ich mir vor, wenn ich endlich erfolgreich im Beruf wäre und Karriere gemacht hätte. Denn „jeder ist Schmied seines eigenen Glücks“, oder?

Ich komme immer wieder auf ein Zitat zurück, das ich einmal in den sozialen Medien gelesen habe, von Melanie Lau:
„In westlichen Kulturen glauben wir, dass wir aus einem bestimmten Grund leben müssen. Um zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Einige indigene Kulturen glauben, dass wir genauso leben wie die Natur: Um hier zu sein, um schön und seltsam zu sein. Wir müssen nichts erreichen, um als Menschen valide zu sein.“

Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lassen uns alle glauben, dass es unsere moralische Pflicht ist, erfolgreich zu sein und Karriere zu machen. Viele Menschen richten ihr ganzes Leben danach aus. Es gibt seit Jahrhunderten religiöse Traditionen, zum Beispiel den Calvinismus, die diese Idee ebenfalls stark unterstützen.

Wenn ich mich selbst mit den Augen des Patriarchats, des Kapitalismus und des Neoliberalismus betrachte, habe ich völlig versagt. Ich habe keine Karriere gemacht. Ich arbeite ein paar Stunden pro Woche als Autor*in und Lektor*in, weil das die einzige Arbeit ist, die ich langfristig ausüben kann, ohne wieder ernsthaft krank zu werden. Aber davon kann ich nicht leben. Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden, also habe ich keinen weiteren Menschen in die Welt gesetzt, der im Patriarchat und Kapitalismus leben muss (wenn diese Systeme nicht irgendwann in den kommenden Jahrzehnten abgeschafft werden).

Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass ich trotz alledem nicht versagt habe. Ich bin hier. Ich bin schön und seltsam. Und ich muss nichts erreichen, um als Mensch valide zu sein. Trotzdem arbeite ich gerne. Ich mag es, Dinge zu erreichen. Aber ich leite meinen Wert als Mensch nicht mehr aus meinen Leistungen ab.

Some of my Experiences with Poverty

(Dieser Beitrag auf Deutsch)

reading time: 5 minutes

People love success stories, don’t they? From rags to riches. From dish washer to millionaire. People who have fought their way out of poverty. This is based loosely on the very neoliberal narrative that ‘everyone is the architect of their own fortune,’ Greetings also from capitalism.

But what if luck just doesn’t come your way or disappears? You lose your job. Or you get long Covid and are now permanently unable to work. Your partner leaves you and you suddenly find yourself a single parent. You have a serious accident or illness and are left with a severe disability that will never heal. You have had a chronic illness for a long time or have had a disability since birth. You become homeless because you fall through all the social safety nets.

I grew up privileged. My family lacked nothing materially. I was able to study, then do an apprenticeship, also with the financial support of my parents. But: I have a disability and a chronic mental illness. After trying for around 15 years to gain a long-term foothold somewhere in a job, I had to realise that I am simply not resilient enough for full-time work, or even some forms of part-time work.

Another problem was because of my neurodivergency I have trouble with deep focus for many hours, but in the field of work I was in (graphic design), you need to be a high precision worker and spot even tiny details in layouts and design correctly all the time. 8 hours a day, or longer. I just wasn’t able to do it. Which I didn’t realize during studying, but later, in internships.

During therapy because of my mental illness, my therapist recommended to me to find a secure, but unexciting job. Her line of thought was, that it would be easier to handle the mental illness in such a job. Sometime later, a job coach suggested an education as a librarian to me, because I love books. However, when I applied for a respective education in two different cities, I got rejected.

And here I am now. Despite all the privileges I had as a child, teenager and young adult, I now live on the minimum subsistence level, and even my self-employed activities, which I can pursue for a few hours a week, do not change that.

Why am I writing all this? I want to show that poverty can affect anyone due to a chain of unfortunate circumstances – even if you used to have some privileges at some point in your life.

I get by these days, but I have fears about my future. Especially given possible political changes in Germany. If the right wing extremist party comes to power, they might take away the benefits by the state on which I partly depend to pay for rent, food and other living expenses. Or they might cut the benefits so much, that I’d be in serious trouble.

Oh, and by the way, being disabled is expensive. I need special shoes, which are hard to find and not cheap. At some point later in my life, I’ll surely need a rollator or a wheel chair. I need glasses for short-sightedness. I also need meds on a daily basis and I have to pay a part of all those bills (in the case of the glasses, all of it). I haven’t been to a eye specialist for six years for fear that they are going to tell me I need new glasses or want me to have extra examinations which are recommended for people of my age, but which do not get paid for by my health insurance.

I have very little savings, which I keep for emergencies – like if my computer, cell phone, oven, printer, washing machine or frigde need to be replaced. I had to replace my computer as well as the screen and cell phone, which caused quite a hole in my savings. I haven’t done a holiday trip since 2019 – not even a short one, and I am so worried I might need the money from my savings account for another emergency that I dare not use it for anything fun, as you can imagine.

I have friends and family. Some people have it worse than me, of course, they are all alone.

I used to think I am a burden to everybody around me. Greetings from internalized ableism.

For years, I felt guilty for the money I got from my parents – for studying, for another education. I made plans to pay them back some day. A day, I imagined when I finally was successful in a job, having a career. Because, ‘everyone is the architect of their own fortune’, right?

I keep returning to a quote I once read on social media, by Melanie Lau:
„Western cultures believe we must be alive for a purpose. To work, to make money. Some indigenous cultures believe we’re alive just as nature is alive: to be here, to be beautiful and strange. We don’t need to achieve anything to be valid in our humanness.“

Capitalism and neoliberalism make us all believe that it is our moral duty to become successful, to have a career. Many people make their whole life about this. There are religious traditions, for instance Calvinism, which also strongly endorse this idea.

If I look at myself through the eyes of patriarchy, capitalism and neoliberalism, I have utterly failed. I haven’t made a career for myself. I work a few hours a week as a writer and editor, because that is the only work I can do long-term without getting seriously ill again. But I cannot make a living from it. I am childfree by choice, so I haven’t produced yet another human being who has to live in patriarchy and capitalism.

It took me years to understand that despite all of this, I am not a failure. I am here. I am beautiful and strange. And I don’t need to achieve anything to be valid in my humanness.

That being said, I like to work. I like to achieve things. But I no longer derive my value as a person from my achievements.

Wo bekommt ihr meine Bücher?

Grundsätzlich gilt: Taschenbücher könnt ihr jederzeit direkt bei mir bestellen, einfach eine
E-Mail an amaliazeichnerin(at)gmx.de mit dem gewünschten Buch senden.
Ich signiere sie gern und lege Goodies mit bei. Ihr bekommt von mir eine Warensendung mit einer Rechnung. Diese bitte erst nach dem Erhalt zahlen.

E-Books:
Alle meine im Selfpublishing veröffentlichten E-Books sind erhältlich via Tolino Media, d.h. in allen online Buchhandlungen, außer Amazon und Kindle Unlimited. Die in Verlagen erschienenen E-Books gibt es zusätzlich wie bisher auf Amazon.

Taschenbücher:
Die folgenden Taschenbücher (Romane und Novellen) gibt es nur bei Amazon, sie können aber auch direkt bei mir bestellt werden:

Der Stern des Seth
Berlingtons Geisterjäger 1 – Anderswelt
Berlingtons Geisterjäger 2 – Mördernächte
Berlingtons Geisterjäger 3 – Die Türme von London
Berlingtons Geisterjäger 4 – Untotentanz
Vanfarin – Von Untoten und Totems
Frei und doch verbunden
Sein wahres Selbst
Ein Mann namens Flora
Maskiert
Die Rolle seines Lebens
An seiner Seite

Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Cleveland Street
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Theatergeist
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Mörderische Ostern
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Kunstraub in Kensington
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Manege frei für einen Mord
Die mysteriösen Fälle der Miss Murray: Adel vernichtet

Die folgenden Taschenbücher (Romane, Novellen, Kurzgeschichtenband, Essayband) sind überall im Buchhandel bestellbar und es gibt sie auch auf Amazon:

Das Herz eines Rebellen
Orangen und Schokolade
Ein göttliches Paar
Diversity in der Literatur
Love & Crime 101
Post Mortem
In Vino Veritas
Memento Mori
Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte
Regency Park
Hexen in Hamburg: Verflucht
Hexen in Hamburg: Verliebt
Hexen in Hamburg: Verbrannt
Die vielen Farben der Liebe
Geisterhaft
Liebeswirren und Sommerwind
Unser Vorstadtidyll
Nox and the Shadows
Blutige Flügel
Francis und das Gasthaus der Geister
Ein Konzert für einen guten Zweck mit den Demonettes
Mikaels Entscheidung

Diese Bücher könnt ihr auch direkt beim Verlag bestellen, als Taschenbuch oder
E-Book:

Francis und das Gasthaus der Geister (Link zur Seite des Buches im Dead Soft Verlag)

Post Mortem (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)
In Vino Veritas (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)
Memento Mori (Link zur Seite des Buches im Dryas Verlag)

Einen Überblick über all meine Veröffentlichungen gibt es wie immer hier,
nach Genres sortiert und mit Leseproben bei den Büchern.

Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die Anregung zu diesem Blogbeitrag kam durch einen Beitrag, den Judith Vogt auf BlueSky geschrieben hat. Danke dafür und auch für den Austausch.

Seit ich vor zehn Jahren mit Buchveröffentlichungen begonnen habe, hat sich der Buchmarkt im Bereich der Unterhaltungsliteratur, wozu ich auch die Phantastik zähle, sehr verändert. (Generell finde ich die Unterscheidung in E- und U-Literatur fragwürdig, aber das ist ein anderes Thema, dieses Fass mache ich nun hier nicht auf.)

Dieser Bereich des Buchmarkt lässt sich mittlerweile sehr stark von Booktok- und anderen buchigen Social Media-Trends beeinflussen, die sich schnell verändern. Vor wenigen Jahren war Dark Academia populär, heute ist z.B. Romantasy und Dark Romance sehr gefragt, morgen vielleicht etwas ganz anderes. Aber es ist schwer vorherzusagen, welcher neue Trend als nächstes ganz an der Spitze steht, weil die Social-Media-Landschaft so pluralistisch und zersplittert ist.

In einem Beitrag auf Instagram zu meiner Aktion #DiversityDienstag habe ich geschrieben (1): In immer kürzeren Abständen werden neue Bücher auf den Markt geworfen, die dann möglichst schnell konsumiert werden. Nach dem kapitalistischen Motto: mehr, weiter, schneller, Gewinnmaximierung.

Viele Buchbloggende und andere Leser*innen beklagen schon seit längerem, dass die Qualität vieler dieser schnell auf den Markt geworfenen Bücher zu wünschen übrig lässt, selbst aus großen Verlagen. Ich sehe das vor allem im englischsprachigen Raum, aber nicht nur. Oftmals würden z.B. nur bestimmte Tropes checklistenmäßig, aber eher lieblos abgearbeitet. Tropes, die in manchen Verlagsausschreibungen mittlerweile vorgegeben werden.

Dass die Qualität leidet, ist wohl kein Wunder, wenn Autor*innen und andere, die an einer Buchveröffentlichung beteiligt sind, auch Lektor*innen, dazu angehalten werden, in erster Linie schnell zu arbeiten.

Die Flut der KI-generierten Bücher
Mehrere Selfpublishing-Autor*innen berichten, dass ihre Buchverkäufe auf Amazon stark zurückgegangen sind. Dafür mag es viele Gründe geben, und einer davon ist sicherlich die Flut an komplett KI-generierten Büchern auf Amazon, die echten Autor*innen die Sichtbarkeit nehmen. (2)

Und wo bleiben wir Autor*innen?
Autor*innen (und damit meine ich alle, die Bücher ohne KI schreiben), die jetzt im Bereich der Unterhaltungsliteratur durchstarten oder schon länger dabei sind, haben also im wesentlichen zwei Probleme: Wenn sie Selfpublishing machen möchten, müssen sie dabei gegen eine Flut KI-generierter Bücher anschreiben. Wenn sie in Verlagen veröffentlichen wollen, müssen sie damit rechnen, dass viele ihrer kreativen Ideen dort abgelehnt werden, weil sie nicht zu den aktuell gehypten Trends oder Tropes passen.

Ich zitiere noch etwas aus dem schon erwähnten Instagrambeitrag:

Autor*innen sehen sich nun zunehmend dem Druck ausgesetzt, möglichst viele Bücher pro Jahr zu schreiben, damit sie mithalten können mit dieser, ich nenne es mal Fast-Books-Produktion. Gleichzeitig können aber die meisten Autor*innen nicht vom Schreiben leben, müssen sich zwischen Brotjob und Familie oder anderen Verpflichtungen irgendwie arrangieren, damit sie weiterhin Bücher schreiben können. Ich lese hier immer wieder von Autor*innen, die psychisch oder physisch erkrankt sind (z.B. Burnout), weil sie diesem Druck auf Dauer nicht gewachsen sind.

Besonders schwer haben es marginalisierte Autor*innen, weil sie häufig noch weitere Belastungen haben (z.B. Diskriminierungserfahrungen wie täglichen Alltagsrassismus).

Hinzu kommt natürlich noch das Phänomen, dass Autor*innen diejenigen sind, die bei einer Buchveröffentlichung von allen beteiligten Personen am wenigsten verdienen, da nicht ihre Arbeitszeit bezahlt wird, sondern eine Form der Lizenz für ihr Werk.

Und was marginalisierte Autor*innen betrifft, gehe ich davon aus, dass in Zukunft weniger solche Leute veröffentlichen werden – wenn sich die Produktionsbedingungen auf dem Buchmarkt nicht strukturell wirklich verbessern. Und das zeichnet sich zurzeit leider nicht ab, soweit ich es sehen kann.

Und wie ist eigentlich das Verhältnis der vielen veröffentlichten Bücher zu tatsächlich gelesenen? In der Buchbubble sehe ich manchmal unglaubliche Zahlen, wie viele Bücher manche Buchblogger*innen jährlich lesen, teilweise über 150 Bücher.

Also habe ich eine Umfrage auf Tumblr gemacht, an der sich immerhin 373 Leute beteiligt haben. Klar, es ist keine repräsentative Umfrage, aber sie ergibt dennoch eine Tendenz. Die Mehrheit, rund ein Viertel der Beteiligten lesen jährlich nur 11 bis 25 Bücher, gefolgt von rund 21%, die bis zu 52 Bücher lesen.

All of that being said – ich denke, die Menschen, die dafür brennen, Geschichten zu erzählen, Geschichten zu schreiben, werden das auch weiterhin tun, aber vielleicht manche von ihnen auf anderen Wegen.

Geschichten zu erzählen und zu hören ist ein menschliches Grundbedürfnis, weil wir auf diese Weise unsere Welt und unsere menschliche Existenz in einem geschützten Rahmen erforschen können. Und das wird eine KI niemals verstehen, denn diese Systeme wissen nicht aus eigener Erfahrung, was es heißt, ein Mensch zu sein. Stattdessen produzieren (oder halluzinieren, wie manche es nennen) sie gewissermaßen nur aneinandergereihte Buchstaben, die nach Wahrscheinlichkeiten berechnet werden.

Was dieses menschliche Grundbedürfnis betrifft, komme ich immer wieder gern auf ein Zitat von Alan Rickman zurück:
„It’s a human need to be told stories. The more we’re governed by idiots and have no control over our destinies, the more we need to tell stories to each other about who we are, why we are, where we come from, and what might be possible.“

Übersetzung: „Es ist ein menschliches Bedürfnis, Geschichten erzählt zu bekommen. Je mehr wir von Idioten regiert werden und keine Kontrolle über unser Schicksal haben, desto mehr müssen wir uns Geschichten darüber erzählen, wer wir sind, warum wir sind, woher wir kommen, und was möglich sein könnte.“

Was mich betrifft, ich ziehe mich aus mehreren Gründen aus dem Schreiben mit Gewinnabsicht ca. 2027 zurück und werde dann „nur“ noch hobbymäßig schreiben, z.B. Fanfictions (die schreibe ich auch jetzt schon immer mal zwischendurch). Ich würde eigentlich liebend gern weiter als Autor*in mit Veröffentlichungen tätig sein. Ich hatte mal gehofft, das bis ins hohe Alter tun zu können. Aber der hohe Aufwand rund um eine Veröffentlichung lohnt sich für mich schlichtweg nicht mehr, wenn ich mir meine Buchverkäufe ansehe. Außerdem finde ich das hobbymäßige Schreiben, z.B. von Fanfictions, im Vergleich zu den Buchveröffentlichungen wunderbar entspannt.

Fußnoten
(1) Instagram-Beitrag: „Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“ https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/
(2) siehe z.B. „Wie KI-Bücher Amazon KDP überfluten und den Buchmarkt verändern“ von Patrick Meier https://buchmarkt.de/patrick-meier-amazon-ki/

Über Konsumkritik, Neoliberalismus, Millionäre und Milliardäre

Foto: Jason Leung, Unsplash

Die Themen Konsumkritik sowie Millionäre und Milliardäre (bzw. überreiche Leute) haben mich in den letzten Tagen sehr beschäftigt, hier einige Gedanken dazu.

Fangen wir buchig an: Erinnert ihr euch noch an den lang anhaltenden Trend mit den Millionärs- und Milliardärsromanzen? Es scheint, dass manche Menschen sich stark angezogen fühlen von Reichtum, Luxus, Macht, Statussymbolen. Der Kapitalismus und der Neoliberalismus lassen grüßen. Entsprechend wirken dann auch Millionäre und Milliardäre auf solche Leute attraktiv.

Aber seit dieser Trend stattfand, hat sich viel verändert. In den USA regiert ein faschistisches Regime (nein, das ist nicht einfach eine Meinung von mir, lest dazu bei Bedarf die politische Analyse von Annika Brockschmidt im Volksverpetzer).

Millionen Menschen dort haben staatliche Unterstützung für Bedürftige für Lebens- und Haushaltsmittel verloren (das Programm SNAP – „Supplemental Nutrition Assistance Program“ wurde durch den Shutdown der Regierung ausgesetzt), ebenso wurde die Gesundheitsversorgung Medicaid gekürzt, die Preise für Lebensmittel und andere Dinge sind durch die aktuelle Politik explodiert.

Auf der anderen Seite machen die Reichen Business as usual, sie feiern, als ob kein Morgen gäbe, sie konsumieren, sie werfen mit Statussymbolen um sich. Der Ruf nach „Tax the Rich“ wird immer lauter, prallt aber an der Regierung ab, und das nicht nur in den USA.

Wenn Millionäre und Milliardäre in diesen Zeiten (immer noch) ihren Reichtum zur Schau stellen und damit prahlen, dann ist das wie ein Schlag ins Gesicht all der Menschen, die kaum über die Runden kommen. Da ist auch nicht viel mit Solidarität mit Bedürftigen, mit Menschen, die wenig haben.

Stattdessen will der Neoliberalismus lauter individualistische, egoistische Einzelkämpfer*innen, die nur auf den eigenen Vorteil und Profit bedacht sind. Ein neoliberales Narrativ ist ja: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Also erfolgreich Karriere zu machen und gut Geld zu verdienen. Das blendet aber die strukturellen Probleme aus, von denen viele Menschen betroffen sind. Zum Beispiel Leute, die in Armut aufwachsen und weniger Bildungschancen haben, bzw. im Bildungssystem unter anderem aufgrund von Vorurteilen benachteiligt werden. Marginalisierte Menschen aller Art sind ebenfalls von zahlreichen strukturellen Problemen betroffen.
„Jeder ist seines Glückes Schmied“ passt also im Grunde nur für Personen, die schon von vornherein mit gewissen Privilegien ausgestattet sind, z.B. weil sie in eine wohlhabende weiße Familie hineingeboren wurden. Auch das Gegenteil wird im Neoliberalismus gern verbreitet: Wer es nicht schafft, sein eigenes Glück zu schmieden, hat sich halt sich genug angestrengt und Pech gehabt. Leider glauben immer noch viel zu viele Leute an den Mythos, dass jede Person doch einfach ihr Glück schmieden könne.

In den USA hat zumindest in Teilen Gesellschaft mittlerweile gewissermaßen eine Entzauberung der Superreichen stattgefunden, wie eine Umfrage zeigt. Dieser zufolge glauben außerdem 53% der Amerikaner*innen, dass Milliardäre eine Gefahr für die amerikanische Demokratie darstellen. (1)

Millionäre und Milliardäre stellen in der Tat eine Gefahr für die Demokratie dar, wie in diesem Video (33 Minuten) von der Politikwissenschaftlerin und Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas erläutert wird. Die Beschreibung des Videos:
„In der neuen Folge von „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ spricht die Politikwissenschaftlerin und Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas über die wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland, die Ursachen von Armut und Reichtum und die Gefährdung unserer Demokratie durch die Vermögensungleichheit. Sie erklärt, wie neoliberale Politik die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert und welche Rolle dabei die Steuerpolitik spielt.“
https://www.youtube.com/watch?v=f-UmRwTv07E

Die Singer-Songwriterin Billie Eilish hat übrigens kürzlich 11,5 Millionen Dollar an mehrere gemeinnützige Organisationen gespendet und sie hat andere Millionäre und Milliardäre dazu aufgerufen, es so wie sie zu machen. (2)

Kommen wir zum Thema Konsumkritik.
Ich bringe das hier mit ein, da bald wieder Black Friday ist. Ich bin seit Jahren konsumkritisch eingestellt. Fast Fashion, Fast Books, Fast Irgendwas, das alles ist mir ein Gräuel, unter anderem, weil es eine Katastrophe in Sachen Nachhaltigkeit ist und weil solch ein Lifestyle schlichtweg sehr teuer ist.

Was Fast Fashion betrifft, schaut euch mal Dokus darüber an, wo ein Großteil der ausrangierten Kleidung landet, in riesigen Müllhalden im globalen Süden. Schaut euch Dokus an über Kinderarbeit und Sweatshops, in denen in menschenunwürdiger Weise Fast Fashion produziert wird, oft in minderwertiger Qualität, was angesichts der katastrophalen Produktionsbedingungen kein Wunder ist.

Und deshalb möchte ich gern auf den konsumkritischen Kauf-Nix-Tag (3) hinweisen: Einfach an diesem Tag überhaupt nichts kaufen. In Deutschland findet er immer am letzten Samstag im November statt, also in diesem Jahr am 29.11.
In den USA findet er am Freitag nach Thanksgiving statt – am Black Friday, der auch hier mit Schnäppchen und allerhand Angeboten lockt.

Ich möchte diesen Beitrag schließen mit einem Austausch, den ich im Fediverse hatte.
Katharina Nocun schrieb kürzlich dort mit Bezug auf deutsche Politik (4)
„Es ist mir rätselhaft, warum manch einer es für angemessener hält, die Versorgung von besonders alten und kranken Menschen mit teuren Medikamenten zur Diskussion zu stellen, anstatt über Reformen bei Erbschaftsteuer & Vermögensteuer zu reden.“

Mein Kommentar:
„Aber das musst du doch verstehen, die Reichen, die Millionäre und Milliardäre, das sind die ungekrönten Könige und Kaiser unserer Zeit, die dürfen und bekommen alles, das Fußvolk aber nicht. (Ja, das ist Sarkasmus.)“

Daraufhin wies ein anderer Nutzer darauf hin, was während der Französischen Revolution mit den Reichen und Adligen geschehen sei.

Ich kommentierte, dass ich mittlerweile recht häufig Anspielungen auf die Französische Revolution in Social Media sähe. Wie kämen die Leute nur darauf, fragte ich dann noch auf sarkastische Weise.

Nachtrag: Schauspielerin und Regisseurin Riley Keough (eine Enkelin von Elvis Presley) hat sich Billie Eilish angeschlossen – sie hat angekündigt 8 Millionen Dollar an gemeinnützige Zwecke zu spenden und darüber hinaus hat sie Milliardäre wie Mark Zuckerberg und Elon Musk outgecallt, siehe z.B.
https://kok.xemgihomnay247.com/trangbtv/ch2-breaking-riley-keough-torches-mark-zuckerberg-and-other-billionaires-at-manhattan-gala-then-backs-it-up-with-bold-action-f0-9f-94-a5/
Sie sagte: “If you can spend billions building rockets and metaverses, you can spend millions feeding children. If you call yourself a visionary, prove it — not with money, but with mercy.“ Und am Ende ihrer Rede: “Greed isn’t strength — compassion is.”

In diesem Sinne: Tax the Rich. Und seid bitte solidarisch mit marginalisierten und armen Menschen.

Fußnoten
(1)
Siehe: https://www.forbes.com/sites/maryroeloffs/2025/11/14/americans-want-billionaires-out-of-politics-and-think-theyre-a-threat-to-democracy-poll-shows/

(2)
Siehe z.B.: https://edition.cnn.com/2025/10/31/entertainment/billie-eilish-billionaires-donation

(3)
Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Kauf-nix-Tag

(4)
Quelle: https://chaos.social/@kattascha/115548518567675124

Meine Pläne für 2026

(Lesezeit: 2 Minuten)
Update am 18.12. 2025 wegen einer Änderung
Ich stehe 2026 für Lektorate und/oder Sensitivity Readings zur Verfügung, aber bitte bei Interesse anfragen, ob ich im gewünschten Zeitraum Kapazitäten habe. So viel kann ich schon einschätzen: Im ersten Quartal des Jahres lege ich teilweise eine Pause ein, damit ich meine eigenen Buchprojekte weiter bearbeiten kann. Aber einzelne Kurzgeschichten kann ich in diesem Zeitraum für ein Lektorat und/oder Sensitivity Reading unterbringen.

Das unkommerzielle Buchprojekt „Stimmen aus der schwarzen Szene: Interviews mit Goths“ ist fertig und es war mir ein Fest!

Ich möchte Band 4 von „Hexen in Hamburg“ bearbeiten und veröffentlichen (anvisiert ist der 20. Juni, also kurz vor der Sommersonnenwende – die Geschichte beginnt mit einer Sommersonnenwendfeier.)

Außerdem möchte ich Band 5 der „Hexen in Hamburg“ schreiben (oder zumindest damit anfangen), die Veröffentlichung habe ich geplant für Oktober 2027, denn in der Geschichte sind Samhain und Halloween wichtig. Das ist der finale Band der Reihe. Er schließt auch gewissermaßen den paganen/Hexen-Jahreskreis, denn in Band 1 spielt die Wintersonnenwende eine Rolle.

2026 möchte ich auch meinen Fantasyroman weiter bearbeiten, der von einer Sekte handelt. Angesiedelt ist er übrigens in meiner Fantasywelt Vanfarin, die Handlung spielt einige Jahre nach „Vanfarin – Von Untoten und Totems“. Es handelt sich jedoch nicht um eine Fortsetzung und es geht auch um ganz andere Figuren.

Das sind übrigens die letzten eigenen Buchprojekte, die ich noch umsetzen möchte. Danach ist Schluss, stattdessen konzentriere ich mich auf Lektorate und Sensitivity Readings für andere Autor*innen. Außerdem werde ich wie bisher hobbymäßig Fanfictions und kostenlose Blogbeiträge schreiben, letzteres auch ein bisschen für aktivistische Themen, wie für den Diversity Dienstag – zumindest ist das mein Plan. Aber: meine bisher veröffentlichten Bücher werden weiterhin erhältlich sein, als E-Books und Prints (Mit einer Ausnahme: E-Books nicht mehr auf Amazon, die Gründe dafür habe ich vor kurzem hier beschrieben.)

Alternatives to AI-generated Images – Alternativen zu KI generierten Bildern

(English below)

Ich hab mich schon mehrfach gegen KI-generierte Bilder ausgesprochen. Die werden aber gern auf Instagram und anderen Social Media genutzt, um Aufmerksamkeit für Beiträge zu erzielen. Hier einige Alternativen:

Auf Unsplash.com gibt es, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich Fotos, keine KI-generierten Bilder. Die lizenzfreien Fotos (außer die von Unsplash+, gekennzeichnet mit einem Plus im Bild) dürfen kostenlos heruntergeladen und frei verwendet werden, bitte nennt jeweils die Urheber*innen.

Das gleiche gilt für Pexels.com.

Graphics Fairy
Hier gibt es historische Zeichnungen und Grafiken, die kostenlos nutzbar sind.

Solarpunk Artworks der Story Seed Library
Die entsprechenden Artworks haben eine Creative Commons Lizenz, siehe: https://storyseedlibrary.org/art/

https://openverse.org/ bietet sehr viele Fotos, ebenfalls mit einer Creative Commons Lizenz

Das gilt auch für Wikimedia Commons, bzw. einige der Bilder dort sind gemeinfrei (public domain). Um sicher zu gehen, was die Lizenzen betrifft, kann man diesen Lizenzhinweisgenerator verwenden: https://lizenzhinweisgenerator.de/

Fotos aus historischen Foto-Archiven
https://www.flickr.com/commons

esa.int/Newsroom/Photos, https://images.nasa.gov/ (alles rund um Raumfahrt & Astronomie, überwiegend frei nutzbar)

https://esahubble.org/images/ (Fotodatenbank des Weltraumteleskops)

Das niederländische Rijksmuseum bietet viele schöne Bilder kostenlos gegen Quellennennung an: https://www.rijksmuseum.nl/en/research/image-requests

Apropos: Zahlreiche große Museen und Bibliotheken (z.B. die British Library), verfügen über große Bilddatenbanken und die Bilder dürfen teilweise unter bestimmten Bedingungen (z.B. Quellennennung) kostenlos verwendet werden. Bitte stöbert bei Interesse selbst einmal im Internet.

Jordan Acosta hat ebenfalls Empfehlungen, auf Englisch:

https://www.jordanacosta.co/p/free-to-use-picture-resources

https://www.jordanacosta.co/p/more-free-to-use-picture-resources

Klar, das Stöbern in den entsprechenden Portalen ist zeitaufwändiger als mal eben schnell ein KI-Bild zu generieren. Aber auf diese Weise habe ich schon so einige Schätze gefunden.

Einige Fallstricke bei der Verwendung von kostenlosen Bildern werden in diesem Beitrag näher beleuchtet:
https://targetlab.de/blog/kostenlose-bilder-von-pixabay-pexels-unsplash#elementor-toc__heading-anchor-3

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In English: Alternatives to AI images

AI-generated images are often used on Instagram and other social media platforms to attract attention to posts. Here are several alternatives.

At Unsplash.com, there are currently only photos, no AI-generated images. The royalty-free photos (except those from Unsplash+, marked with a + sign in the image) can be downloaded and used free of charge, but please credit the authors.

The same applies to Pexels.com.

Graphics Fairy
Here you will find free historical drawings and graphics.

Solarpunk Artworks from the Story Seed Library
The corresponding artworks have a Creative Commons license, see: https://storyseedlibrary.org/art/

https://openverse.org/ offers a large number of photos, also with a Creative Commons license.

This also applies to Wikimedia Commons, where some of the images are in the public domain. To be on the safe side regarding the licenses, check out this page:
https://lizenzhinweisgenerator.de/?lang=en

photos from historical photo archives:
https://www.flickr.com/commons

esa.int/Newsroom/Photos, https://images.nasa.gov/ (astronomy, mostly for free use)

https://esahubble.org/images/ (photo database of the space telescope)

The Rijksmuseum from the Netherlands has a database with many beautiful images and they can be used for free if you name the source: https://www.rijksmuseum.nl/en/research/image-requests

Speaking of which: Several large museums worldwide and libraries, (e.g. the British Library) have huge databases with images and some of them may be used for free under certain circumstances (for instance naming the source). If this is interesting for you, please do an online search.

Jordan Acosta has more tipps for free picture ressources, in these two blogs:

https://www.jordanacosta.co/p/free-to-use-picture-resources

https://www.jordanacosta.co/p/more-free-to-use-picture-resources

Of course, browsing the respective portals is more time-consuming than generating an AI image. But I have found quite a few treasures while browsing for images.



Dear Straights, Queer your Relationships

Reading time: ca. 8 minutes.
German version of this: https://amalia-zeichnerin.net/liebe-straights-queert-eure-beziehungen/
This article is primarily aimed at cisgender heterosexual, heteroromantic, allosexual people. To simplify, I will use the English term ‘straight’ almost throughout, including as a noun. And don’t worry, I know you’re not queer, you’re straight and will of course remain so. But there are some things you might want to learn from queers and other people. That’s what this post is about.

What can you learn from queers?
Question your role models. This affects so many aspects of life that I could write a long blog post about it alone. I’ll try to keep it relatively short.
The nuclear family: mother, father, child(ren). Who does the care work and how? What about paid work? Traditional role models still see the father as the main breadwinner, with the mother often working part-time to have more time for the household and the children.
The old model of ‘father earns the money, mother does all the care work at home’ has now become obsolete, as the economic situation, high rents and other problems often force both parents to work full-time in order to earn enough money for the family.
Some heterosexual men find it very difficult to cope when their wives earn more than they do and have successful careers. This is because, according to old ideas, men are supposed to be the main breadwinners.
Queer people question such role models and make their own rules, including in their relationships and families. There is a lot of negotiation and discussion. This also applies to intimacy, more on which in the next section. It focuses on the BDSM community, but of course there are also many queer people in this community.

When I announced this blog post on Fediverse, a queer person commented, and I may quote ve:
„I experience pregnancy, birth and parenthood as extremely gendered and overloaded with cisheteronormative expectations. You have to queer against that.
(Ravna Marin Siever says that sier are “feminised and mothered” in this context, which I find very apt).“


Straight mothers and fathers are also subject to many heteronormative expectations in our society, including, for example, when it comes to raising their children. Question this. Men don’t always have to be “strong”. You are allowed to show vulnerability and be caring, you are allowed to show ‘feminine’ feelings, even towards your children. And as a woman, you are also allowed to be angry or annoyed, you are allowed to show your manual skills, even if manual work is considered typically ‘masculine’ – and you don’t have to take on all the care work and mental load alone. Share this with your partner. These are just a few examples, but I hope they give you some food for thought.

But even people who don’t have a family and don’t want to start one can learn a lot from queer people. Because there are many queer people who also don’t want to start a family and who have other priorities in their lives, e.g. their friendships. More on this below.

What can you learn from the BDSM community?

Even if you are completely ‘vanilla’, i.e. have no inclination towards BDSM practices, you can learn a lot from the relevant community.
In straight relationships, there is often the idea that PiV(1) sex is the ultimate goal and must always end with an orgasm, otherwise it is considered to be bad sex. This creates a lot of pressure and often straight couples talk little to each other before, during or after sex.
In the BDSM community, on the other hand, there is a lot of negotiation and consent, with safe words, and experimentation. There are also ‘non-consensual’ practices, but these are also discussed beforehand. And there is ‘aftercare’, which means, among other things, that after sex or BDSM play, you are there for each other, talking about your experiences, perceptions and feelings.
Talk to each other. Before sex. During and after. Negotiate. Say what you like and what you don’t like. Say an enthusiastic yes or a clear no, depending on the situation and your needs and desires. Sounds unromantic? Not sexy? I once saw in a video by Council of Geeks that such statements can actually be very sensual. In the YouTube video, Vera Wylde says something similar in a very sensual way, by way of illustration.

What can you learn from the community that is on the asexual and/or aromantic spectrum?

Friendships are just as important as other relationships. Yes, really. Often, straight people have this idea of a hierarchy where romantic relationships are the ultimate goal and stand above all other relationships, including friendships.
However, this can be fatal, e.g. if a romantic relationship doesn’t last, but you have completely neglected your circle of friends during the relationship or only had mutual friends, some of whom then break away or take sides. Maybe you don’t have ‘the one best’ friend, but nurture your friendships. This may mean investing some time, perhaps even offering support when your friends need help with something. But ideally, friendships are a mutual give and take.

And in this context:

Queer your friendships

Friendships are as diverse as the people who form them. Break away from traditional ideas of what a friendship should look like. Be bold. Make your own rules.

Leanne Yau wrote on Instagram (my translation):
„Polyamory allows me to have deeper relationships with my partners, but unexpectedly, it has also led me to have deeper relationships with my friends. Since I have no restrictions on how I can show affection to non-romantic friends, it gives me the freedom to express platonic love however I want.“

Here are a few examples: Do you want to cuddle on the sofa with your friend, even though you have no romantic or sexual feelings for them? If your friend want to as well, go for it. (And if they don’t, accept that.)
You and your friends want to have a candlelit dinner in a restaurant that is considered very romantic, but just in a platonic way? Why not?
You want to go on holiday together and share a room, a tent or other accommodation? What’s wrong with that?

In the film ‘When Harry Met Sally’, Harry says something along the lines of: ‘Men and women can’t be friends – eventually sex gets in the way.’
However, this is not true, because it would mean that people on the bi spectrum cannot have platonic friends.

And I would like to say that cis heterosexual men and cis heterosexual women can also just be friends. Let go of the idea that such a friendship must necessarily end in a romantic and/or sexual relationship.

What can you learn from the polyamorous community?

One basis of polyamory is the consent of all involved. That means a lot of relationship work from everyone and open, honest conversations. About your own desires and needs. Negotiating compromises. About your own boundaries. About jealousy and how to deal with it constructively. Also, conversations about how to support each other in relationships. And last but not least, organisational matters such as scheduling joint meetings, going out, excursions, care work and more.
I am not alone in my opinion that such intensive relationship work with open, honest conversations can be very enriching for many straight people as well. Perhaps it can even save a relationship.

There are many different types of attraction

This is also something you can learn from the community of people on the asexual and aromantic spectrum. On the one hand, there is the Split Attraction Model (SAM). This states that the romantic orientation and the sexual (or other forms of) orientation of a person can be different.
A personal example: I am panromantic. This means that I can feel romantic attraction to people regardless of their gender. And I am grey-asexual. Roughly speaking, this means that I rarely or never feel sexual attraction. I am also aegosexual, which is explained here, for example:
https://orientation.fandom.com/wiki/Aegosexual

Accordingly, a person who has always identified as hetero may find that they are heteroromantic but have a different form of sexual orientation, or vice versa, that they are heterosexual but have a different form of romantic orientation. But of course, there are also heterosexual-heteroromantic people.

Another example is demisexuality: people who are demisexual must first establish an emotional connection with someone before they feel sexual attraction towards them. You may be familiar with the trope ‘friends to lovers’, which often fits quite well.

If you would like to explore the topics of romantic and sexual (and other) orientations, here are some detailed lists in English:
Romantic Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Romantic_Orientation

Sexual Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Sexual_Orientation

I hope you found this post useful and I wish you all the best with exploring queering your relationships, if you decide to try that.

Footnote:
(1) PiV is an abbreviation for ‘penis in vagina’.

Liebe Straights, queert eure Beziehungen

(english version of this blog: https://amalia-zeichnerin.net/dear-straights-queer-your-relationships/)
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Dieser Beitrag richtet sich vor allem an cisgender heterosexuelle, heteroromantische, allosexuelle Menschen. Um das sprachlich zu vereinfachen, verwende ich fast durchgehend den englischen Begriff „straight“, auch als Substantiv für entsprechende Leute. Und nein, keine Sorge, ich weiß, ihr seid nicht queer, sondern straight und werdet das natürlich auch bleiben. Aber es gibt einiges, das ihr von Queers und anderen Leuten lernen könnt. Davon handelt dieser Beitrag.

Was könnt ihr von Queers lernen?
Hinterfragt eure Rollenbilder. Das betrifft so viele Aspekte des Lebens, dass ich allein darüber einen langen Blogbeitrag schreiben könnte. Ich versuche, es hier relativ kurz zu halten.
Die Kernfamilie: Mutter, Vater, Kind(er). Wer übernimmt die Care-Arbeit und wie? Wie ist es mit der Lohnarbeit? Traditionelle Rollenbilder sehen immer noch den Vater als Hauptverdiener, die Mutter arbeitet oft in Teilzeit, um mehr Zeit für den Haushalt und die Kinder zu haben.
Mittlerweile hat das alte Modell „Vater verdient allein das Geld, Mutter übernimmt die gesamte Care-Arbeit zu Hause“ ausgedient, denn die wirtschaftliche Situation, hohe Mietpreise und andere Probleme erzwingen es oftmals, dass beide Elternteile in Vollzeit arbeiten müssen, um genug Geld für die Familie zu erwirtschaften.

Manche hetero Männer können nur sehr schwer damit umgehen, wenn ihre Frau mehr verdient als sie und Karriere macht. Weil Männer doch den alten Vorstellungen nach die Hauptverdiener sein sollen.

Queere Menschen hinterfragen solche Rollenbilder und machen ihre eigenen Regeln, auch in ihren Beziehungen und Familien. Da wird gern viel verhandelt und abgesprochen. Auch, was Intimitäten betrifft, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Der dreht sich zwar um die BDSM-Community, aber in dieser gibt es natürlich auch viele Queers.

Als ich diesen Blogbeitrag im Fediverse ankündigte, kommentierte eine queere Person, die ich zitieren darf: „Ich erlebe Schwangerschaft, Geburt, Elternsein als krass gegendert und mit cisheteronormativen Erwartungen überfrachtet. Da muss man dagegenqueeren. (Ravna Marin Siever sagt, sier werde in den Kontext „frauisiert und vermuttert“, das finde ich sehr treffend)“
Auch an straighte Mütter und Väter werden in unserer Gesellschaft sehr viele heteronormative Erwartungen gestellt, auch z.B. was die Erziehung ihrer Kinder betrifft. Hinterfragt das. Männer müssen nicht immer „stark“ sein. Ihr dürft euch verletzlich zeigen und fürsorglich sein, ihr dürft angeblich „weibliche“ Gefühle zeigen, auch euren Kindern gegenüber. Und als Frau dürft ihr auch wütend sein oder euch ärgern, ihr dürft euer handwerkliches Geschick zeigen, auch wenn Handwerksarbeit als typisch „männlich“ gilt – und ihr müsst nicht die gesamte Carearbeit und die Mental Load allein übernehmen. Teilt euch das mit eurem Partner. Das sind jetzt nur einige Beispiele, aber ich hoffe, sie bieten ein paar Gedankenanstöße.

Aber auch Menschen, die keine Familie haben und auch keine gründen wollen, können sich von Queers vieles abschauen. Denn es gibt viele Queers, die ebenfalls keine Familie gründen wollen und die andere Prioritäten in ihrem Leben haben, z.B. ihre Freundschaften. Mehr dazu weiter unten.

Was könnt ihr von der BDSM-Community lernen?
Selbst wenn ihr völlig „Vanilla“ seid, also keinerlei Neigung zu BDSM-Praktiken habt, könnt ihr einiges von der entsprechenden Community lernen.

In straight Beziehungen herrscht oft der Gedanke, PiV(1)-Sex ist das Höchste der Gefühle und müsse unbedingt mit einem Orgasmus enden, sonst sei es schlechter Sex. Das erzeugt sehr viel Druck und oftmals reden straight Paare wenig miteinander vor, während oder nach dem Sex.

In der BDSM-Community wird dagegen viel ausgehandelt und mit Konsens gearbeitet, mit Safe Words, es wird sich ausprobiert. Es gibt auch „nonconsensual“ Praktiken, aber auch die werden abgesprochen. Und es gibt „after care“, das bedeutet u.a., dass man nach dem Sex oder BDSM-Play füreinander da ist, miteinander über seine Erlebnisse, Wahrnehmungen, Gefühle spricht.

Redet miteinander. Vor dem Sex. Währenddessen und danach. Verhandelt. Sagt, was euch gefällt und was nicht. Sagt ein enthusiastisches Ja oder ein klares Nein, je nach Situation und euren Bedürfnissen und Wünschen. Klingt unromantisch? Nicht sexy?
Dass solche Äußerungen ausgesprochen sinnlich sein können, habe ich mal in einem Video von Council of Geeks gesehen, in dem YouTuber*in Vera Wylde etwas Entsprechendes auf eine sehr sinnliche Weise sagt, zur Veranschaulichung.

Was könnt ihr von der Community lernen, die auf dem asexuellen und/oder aromantischen Spektrum ist?
Freundschaften sind genau so wichtig wie andere Beziehungen. Ja, wirklich. Oftmals herrscht unter Straights die Idee einer Hierarchie vor, bei der romantische Beziehungen das ultimative Ziel sind und über allen anderen Beziehungen stehen, auch Freundschaften.
Das kann allerdings fatal sein, z.B. wenn eine romantische Beziehung in die Brüche geht, man aber während der Zeit der Beziehung seines Freundeskreis völlig vernachlässigt hat oder nur gemeinsame Freund*innen hatte, die dann teilweise wegbrechen oder eine Seite ergreifen. Vielleicht habt ihr nicht „die eine beste“ Freundschaft, aber pflegt eure Freundschaften. Das mag bedeuten, dass ihr einiges an Zeit investieren müsst, vielleicht auch Unterstützung, wenn eure Freund*innen bei etwas Hilfe brauchen. Aber Freundschaften sind ja idealerweise ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Und in diesem Zusammenhang:

Queert eure Freundschaften

Freundschaften sind so vielfältig, wie die Leute, die sie eingehen. Löst euch von traditionellen Vorstellungen, wie eine Freundschaft auszusehen hat. Seid mutig. Macht eure eigenen Regeln.

Leanne Yau schrieb auf Instagram (Übersetzung von mir):
„Polyamorie erlaubt mir, tiefere Beziehungen mit meinen Partner*innen einzugehen, aber unvorhergesehener Weise hat sie mich auch dazu gebracht, tiefergehende Beziehungen mit meinen Freund*innen einzugehen. Da ich keinerlei Einschränkungen habe, wie ich meine Zuneigung gegenüber nicht-romantischen Freund*innen zeigen darf, gibt mir das die Freiheit, platonische Liebe so auszudrücken, wie ich es will.“

Hier ein paar Beispiele: Ihr wollt mit euren Freund*innen gemütlich auf dem Sofa kuscheln, obwohl ihr ihnen gegenüber weder romantische noch sexuelle Empfindungen hegt? Wenn eure Freund*innen das ebenfalls möchten, go for it. (Und wenn sie das nicht möchten, akzeptiert das.)

Eure Freund*innen und ihr wollt ein Candle Light Dinner in einem Restaurant, das als Inbegriff der Romantik gilt, aber einfach ganz platonisch? Warum eigentlich nicht?
Ihr wollt gemeinsam in den Urlaub fahren und teilt euch ein Zimmer, ein Zelt oder eine andere Übernachtungsstätte? Was spricht dagegen?

Im Film „Harry und Sally“ sagt Harry sinngemäß: „Männer und Frauen können nicht befreundet sein – irgendwann kommt ihnen der Sex dazwischen.“
Das stimmt allerdings nicht, denn es würde bedeuten, dass Menschen auf dem bi Spektrum keine platonischen Freund*innen haben können.

Und ich wage einfach mal die Behauptung, auch cis hetero Männer und cis hetero Frauen können einfach so befreundet sein. Löst euch von der Vorstellung, dass eine solche Freundschaft unbedingt in einer romantischen und/oder sexuellen Beziehung enden muss.

Was könnt ihr von der polyamoren Community lernen?

Eine Basis der Polyamorie ist Einvernehmlichkeit aller Beteiligten. Das bedeutet viel Beziehungsarbeit von allen und entsprechende offene, ehrliche Gespräche. Über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Das Aushandeln von Kompromissen. Über eigene Grenzen. Über Eifersucht und wie man damit einen konstruktiven Umgang finden kann. Auch Gespräche darüber, wie man einander unterstützen kann in den Beziehungen. Und last but not least Organisatorisches, wie Terminfindungen für gemeinsame Treffen, Ausgehen, Ausflüge, Carearbeit und noch mehr.

Ich stehe nicht allein mit der Meinung, dass auch für viele Straights eine solche intensive Beziehungsarbeit mit offenen, ehrlichen Gesprächen sehr bereichernd sein kann. Vielleicht können sie sogar eine Beziehung retten.

Es gibt viele verschiedene Arten von Anziehung

Auch das ist etwas, dass ihr aus der Community der Menschen auf dem asexuellen und aromantischen Spektrum lernen könnt. Zum einen gibt es das Split-Attraction-Model (SAM). Dieses besagt, dass die romantische Orientierung und die sexuelle (oder auch noch andere Formen von Orientierung) bei einer Person unterschiedlich sein können.

Ein persönliches Beispiel: Ich bin panromantisch. Das bedeutet, dass ich romantische Anziehung zu Menschen unabhängig von ihrem Gender empfinden kann. Und ich bin grau-asexuell. Das bedeutet grob gesagt, dass ich eher selten oder gar keine sexuelle Anziehung verspüre. Ich bin darüber hinaus außerdem aegosexuell, das wird z.B. hier erklärt:
https://orientation.fandom.com/wiki/Aegosexual

Entsprechend könnte eine Person, die sich immer als hetero verortet hat, feststellen, dass sie heteroromantisch ist, aber eine andere Form von sexueller Orientierung hat, oder umgekehrt, dass sie heterosexuell ist, aber eine andere Form von romantischer Orientierung hat. Aber natürlich gibt es auch heterosexuelle-heteroromantische Menschen.

Ein weiteres Beispiel ist Demisexualität: Menschen, die demisexuell sind, müssen zuerst eine emotionale Beziehung zu einem Menschen aufbauen, bevor sie eine sexuelle Anziehung zu diesem Menschen verspüren. Vielleicht kennt ihr das Trope „Friends to Lovers“, das passt oft recht gut.

Wenn ihr gern mal stöbern wollt zu den Themen romantische und sexuelle (und weitere) Orientierungen, hier gibt es ausführliche Auflistungen auf Englisch:
Romantic Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Romantic_Orientation

Sexual Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Sexual_Orientation

Ich hoffe, ihr konntet etwas aus diesem Beitrag für euch mitnehmen und ich wünsche euch gute Erfahrungen mit dem Queeren eurer Beziehungen, wenn ihr das ausprobieren möchtet.

Fußnote:
(1) PiV ist eine Abkürzung für „Penis in Vagina“

Weiteres zum Thema

„Konsens ist sexy“
https://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Eine Inspiration für diesen Blogbeitrag war die Podcastfolge „Romantasy“ vom Genderswapped Podcast, danke an Lena und Judith.
Link zur Folge: https://genderswapped-podcast.podigee.io/101-folge82