Inhaltswarnung: In diesem Beitrag geht es um Social-Media-Sucht.
Ich struggle seit Jahren mit meinem Social-Media-Gebrauch. Ich bin chronisch online, übrigens am PC, nicht am Handy, denn ich habe bewusst keine Social-Media-Apps am Handy. Kürzlich sah ich ein Video auf Youtube: „How Social Media is Slowly Ruining Society“ von Ashley Embers (Fußnote 1). Ashley geht darin unter anderem darauf ein, dass das menschliche Gehirn schlichtweg nicht für die Massen an Informationen (und Desinformationen) gemacht ist, die bei ständigem Social-Media-Konsum, und weiterem Medienkonsum, auf uns einströmen.
Auch Multitasking ist oft nicht, wie viele glauben, ohne Weiteres gut möglich, ohne dass es Konzentrationsprobleme gibt.
Bei mir selbst habe ich in den vergangenen Wochen zunehmend ein Problem beobachtet, das Ashley Embers ebenfalls anspricht: eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne. Dazu weiter unten mehr.
Ich arbeite allein zu Hause, mit Texten, immer am PC. Aber mein PC ist auch mit dem Internet verbunden und dort habe ich auch Zugang zu allen meinen Social Media. Teilweise benötige ich das Internet für Recherchen. Aber ich ertappe mich ständig dabei, dass ich von der Textarbeit abschweife und „nur mal eben schnell“ auf Instagram, im Fediverse, Facebook oder Tumblr schauen will, ob es irgendetwas Interessantes, Neues zu sehen gibt. Oder ob ich Benachrichtigungen habe. Oder ob jemand einen Beitrag von mir kommentiert hat. Oft habe ich keine, oder kaum Benachrichtigungen. Auch nicht oft Kommentare, oder private Nachrichten. Aber sobald ich in die Social Media schaue, beißt sich meine Aufmerksamkeit oft fest an irgendeinem Beitrag, der mein Interesse weckt. Und zack, verbringe ich Zeit mit einem Kommentar, oder ich teile den Beitrag in irgendeiner Form (je nach Social Medium). Das an sich ist ja nicht verkehrt, aber damit verbringe ich leider oft viel mehr Zeit, als ich eigentlich vor hatte und schon sind 20 Minuten vergangen, statt 5.
Die verkürzte Aufmerkssamkeitsspanne
Diese macht sich bei mir mittlerweile schmerzlich bemerkbar. Ich werde unruhig, wenn ich versuche, länger als 20 Minuten am Stück ein Buch zu lesen. Weil in meinem Hinterkopf bald wieder diese Stimme aufploppt: Schau doch mal in deine Social Media!
Wirklich lange lesen, das schaffe ich nur im Sommer, draußen im Park. Oder auf Bahnfahrten. Dort habe ich kein Internet, keine Social Media.
Wenn ich (am PC) einen Film sehe, werde ich ebenfalls früher oder später unruhig, unterbreche den Film und schaue in meine Social Media. Egal, was ich mache, früher oder später treibt es mich wieder in die Social Media.
Doomscrolling
Dieses Thema ist euch ja sicher allen bekannt: Wie sich die tägliche 24/7 Flut an schlechten Nachrichten negativ auf die eigene Psyche auswirken kann. Natürlich möchte ich informiert bleiben, was in der Welt passiert. Aber muss ich wirklich täglich x Beiträge, x Kommentare und x Videos von Leuten zu einer aktuellen Nachrichtenmeldung oder dem neuesten „Aufregerthema“ sehen/hören/lesen? Nein. Da schreibe ich auch nichts Neues: Die Algorithmen in den kommerziell ausgerichteten Social Media leben von diesen Aufregerthemen, von negativen Schlagzeilen, von Hassreden, Wut, Empörung, Ärger, und Traurigkeit.
Was also tun?
Ich möchte mir wieder eine längere Aufmerksamkeitsspanne antrainieren, wenn das möglich ist. Ich trickse mich nun selbst aus: Mit dem gratis Browser Add-on „Leechblock NG“ sperre ich alle meine Social Media und auch Youtube nun täglich (oder fast täglich) für mehrere Stunden. Ich muss damit ein bisschen herumexperimentieren. Mein erster Versuch: eine Sperre an den Werktagen, von 6 bis 18 Uhr. Mal sehen, wie es damit so läuft. Vielleicht muss ich stattdessen andere Zeiten sperren, das wird die Zeit zeigen. Ich nehme an, dass es auch Apps für Handys gibt, die solche Sperren möglich machen, aber damit kenne ich mich nicht näher aus.
Ich wollte schon mal meinen Umgang mit Social Media gründlich ändern, das war 2022. Darüber habe ich zwei Blogbeiträge geschrieben (2, 3). Mittlerweile weiß ich allerdings: Eine Sucht ist ein täglicher Struggle, wenn man das Objekt der Sucht nicht völlig aufgeben kann oder möchte. Denn trotz allem brauche ich die Social Media, auch für den Austausch mit anderen.
Fußnoten:
(1) https://www.youtube.com/watch?v=_QEnSSKLL48
(2) https://amalia-zeichnerin.net/digitaler-minimalismus-von-einem-anderen-umgang-mit-social-media/
(3) https://amalia-zeichnerin.net/von-einem-anderen-umgang-mit-social-media-micro-journalling/





