Lesezeit: 1 Minute In Social Media wird recht oft dazu aufgerufen, queere oder anderweitig marginalisierte Autorys zu unterstützen, z.B. indem man ihre Bücher kauft oder darauf hinweist. Aber die Bücher, die dann empfohlen werden, sind praktisch immer dieselben von so ungefähr 5 bis 10 Autorys, zumindest habe ich das öfter so beobachtet.
Oftmals geht es um Bücher, die als besonders herausragend und lesenswert erachtet werden und/oder die für Preise nominiert wurden oder mit welchen ausgezeichnet wurden. Teilweise sind das auch englischsprachige Bücher oder Bücher aus großen Verlagen. Das ist natürlich einerseits sehr schön.
Andererseits entsteht für mich der Eindruck, als ob die Bücher marginalisierter Autor*innnen nur dann beachtenswert sind, wenn sie überdurchschnittlich gut sind.
Die eher durchschnittlich schreibenden Autorys, zu denen ich ebenfalls zähle, kommen bei solchen Empfehlungen nicht oder kaum vor. Gleiches gilt oft auch für Kleinverlage und marginalisierte Selfpublisherinnen. Deshalb: Wenn ihr Autorys unterstützen wollt, auch solche, die vielleicht nicht preisverdächtig schreiben: Traut euch auch an Bücher aus Kleinverlagen und an welche von Selfpublisherinnen.
Das alles erinnert mich übrigens schmerzhaft an etwas, das so einigen marginalisierten Autor*innen bekannt vorkommen dürfte: marginalisierten Leuten, z.B. mit Behinderungen, wird oft schon von Kindheit an vermittelt, dass sie immer mehr als 100 % geben müssten, dass sie besonders viel leisten müssten, um von der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden.
Aber nicht jeder marginalisierte Autorin ist ein literarisches Genie, um es mal überspitzt zu formulieren, oder schreibt preisverdächtig. Und das hängt natürlich auch teilweise mit der eigenen Lebenssituation, aber auch dem Buchmarkt und den Produktionsbedingungen zusammen, bei der marginalisierte Autorinnen oft strukturell benachteiligt werden.
Ich werde im Januar 2026 alle meine Selfpublishing E-Books bei Amazon deaktivieren. Das heißt, dass neue Käufe nicht mehr möglich sind. Sie werden weiterhin via Tolino Media (d. h., in allen online Buchhandlungen außer Amazon) erhältlich sein.
Es tut mir leid für diejenigen von euch, die Kindle nutzen. Auf der anderen Seite fällt mir diese Entscheidung nicht schwer, da ich seit Monaten beobachte, dass meine E-Book Verkäufe auf Amazon stark eingebrochen sind. Davon berichten auch andere Autor*innen. Ein möglicher Grund ist die zunehmende Flut an KI-generierten Büchern auf Amazon.
Wenn ihr zurzeit überlegt, ein Kindle E-Book von mir kaufen zu wollen, jetzt wäre noch Gelegenheit dazu. Es tut mir leid, dass diese Ankündigung so kurzfristig kommt, aber ich hatte die entsprechenden Informationen nicht früher.
Der Grund für meine Entscheidung? Dafür zeige ich euch hier ein längeres Zitat:
Golden Czermak schrieb auf Facebook (übersetzt aus dem Englischen): „Was haltet ihr davon, dass Amazon einen Chatbot in Büchern implementiert, mit dem man „das Buch, das man gerade liest, weiterverfolgen kann – aber nur bis zu der Stelle, die man bereits gelesen hat, ohne Spoiler. Für unsere unendlich neugierigen Leser bietet Ask this Book die Möglichkeit, während des Lesens eine beliebige Textstelle zu markieren und spoilerfreie Antworten auf Fragen zu erhalten, beispielsweise zum Motiv einer Figur oder zur Bedeutung einer Szene.“ Außerdem wird angedeutet, dass der Bot den Lesern die Gedanken der Autor*innen vermittelt … Das scheint harmlos zu sein, bis man sich bewusst wird, dass das gesamte Buch von Amazons KI analysiert werden muss, damit dies funktioniert (und daher wahrscheinlich für weitere Trainingszwecke verwendet wird). Auf Nachfrage war Amazon nicht bereit, näher darauf einzugehen, wies jedoch darauf hin, dass „Ask This Book“ für Rechteinhaber*innen nicht optional ist: „Um ein einheitliches Leseerlebnis zu gewährleisten, ist die Funktion immer aktiviert, und Autoren oder Verlage haben keine Möglichkeit, Titel davon auszunehmen.“ Diese Funktion ist derzeit in der Kindle-iOS-App verfügbar und wird 2026 auf alle Geräte und Apps ausgeweitet.“
Ein englischsprachiger Artikel mit weiteren Infos zu diesem Thema:
Ich habe zurückgeblickt auf meine schriftstellerische Tätigkeit, seit 2014. Mein Debütroman „Der Stern des Seth“ erschien 2015. Viel hat sich seit damals verändert, auch der Buchmarkt für Genreliteratur, u.a. durch BookTok, den Trends wie Romantasy und Dark Romance, der wachsenden Beliebtheit von Young Adult und New Adult und ich könnte hier noch viel mehr darüber schreiben, aber ich belasse es mal dabei.
Viele meiner Bücher waren und sind größtenteils eine Nische in der Nische der queeren Literatur, entsprechend ist meine Zielgruppe nie groß gewesen. Ich habe Versuche gemacht, mainstreamiger zu schreiben, aber auch das war nicht so erfolgreich wie erhofft.
Ich verdiene mittlerweile mit Lektoraten deutlich mehr als mit meinen Büchern und möchte mich mehr darauf konzentrieren. Hinzu kommt: Meine Motivation für neue Veröffentlichungen hat leider sehr gelitten. Einfach, weil es den ganzen Aufwand und die Zeit kaum noch lohnt, wenn ich mir meine Verkaufszahlen so ansehe.
Folgendes habe ich geplant:
Band 4 meiner Urban Fantasy Reihe „Hexen in Hamburg“ erscheint 2026. Hauptfigur ist diesmal der Student Fabian, der es mit einer sektenartigen Gruppe zu tun bekommt und mit seiner Mental Health kämpft (bipolare Störung). Ein genaues Veröffentlichungsdatum habe ich noch nicht.
Ebenfalls 2026 schreibe ich den fünften, letzten Band der Reihe, mit dem Goth Jannis als Hauptfigur. Ursprünglich hatte ich sechs Bände geplant, bin aber von diesem Plan abgekommen. In diesem finalen Band wird Samhain/Halloween eine wichtige Rolle spielen und ich möchte ihn 2027 veröffentlichen.
Außerdem habe ich noch einen High-Fantasy-Roman in meiner Fantasywelt Vanfarin, dieser handelt von einem jungen schwulen Mann, der in eine Sekte gerät und sich in ein Sektenmitglied verliebt. Wann dieser Roman erscheint, kann ich euch noch nicht sagen.
Ich habe also insgesamt noch drei Veröffentlichungen geplant.
Die Lust am Schreiben ist mir trotz allem geblieben, nur das ganze Drumherum einer Veröffentlichung finde ich zunehmend schwer. Was mache ich also stattdessen? Ich werde nach meinen letzten Veröffentlichungen nach Lust und Laune gratis Kurzgeschichten und (englischspr.) Fanfictions schreiben, zumindest ist das mein Plan. Also Schreiben als reines Hobby ohne Gewinnabsicht.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an euch – fürs Liken, Kommentieren in Social Media, Feedback zu meinen Büchern, dass ihr Bücher von mir gekauft habt, für das Lesen meiner Blogbeiträge, Gespräche mit mir auf Veranstaltungen vor Ort und online, für eure Unterstützung und auch den Austausch unter Autorenkolleg*innen. Das weiß ich sehr zu schätzen und es bedeutet mir viel.
Vielleicht kennt ihr das, den „Horror“ vor dem leeren Blatt. Oder virtuell am PC, die leere Seite. Man setzt sich hin, möchte schreiben, starrt auf die weiße Fläche, aber die Ideen fehlen. In dem Fall hilft es natürlich meistens wenig, weiter auf das Papier oder den Bildschirm zu starren und sich Druck zu machen, dass man doch Jetzt. Bitte. Sofort. Ideen produzieren muss!
Hier deshalb ein paar Tipps. Ich habe schon öfter von Autor*innen gehört, dass ihnen am leichtesten Ideen kommen, wenn sie sich in einem angenehm entspannten Zustand befinden. Zum Beispiel, und das kann nervig sein, kurz vor dem Einschlafen. Unter der Dusche oder in der Badewanne. Bei der Hausarbeit oder beim Handarbeiten – während die Hände mit etwas anderem beschäftigt sind, gehen die Gedanken auf Wanderschaft. Beim Sport – wenn man diesen allein betreibt. Bei einem Mannschaftssport oder zu zweit dürfte das eher schwierig sein.
Ich selbst wende gern verschiedene Methoden an:
Entweder lege ich mich einfach ganz bequem aufs Sofa, schließe die Augen und fange an mit einer Art Tagtraum: Ich werfe mein Kopfkino an und warte darauf, dass mir Details zu der Geschichte einfallen, an der ich gerade arbeite. Ich versuche dabei nichts zu erzwingen. Die Ideen kommen nach meiner Erfahrung eher nicht, wenn man verzweifelt danach sucht, sondern wie gesagt, wenn man sich in einem eher ruhigen, meditativen Zustand befindet.
Das Folgende klingt nun sicherlich schräg, aber ich finde es hilfreich: Ich habe in solchen Tagträumen schon manchmal Gespräche mit meinen Figuren gehabt, in denen sie mir so manches über sich erzählt haben, oder über andere Figuren, den Verlauf der Handlung oder noch etwas anderes. Ich habe auch schon laut Gespräche dieser Art geführt, das half mir dann auch dabei, meine Gedanken zu strukturieren. Auf eine außenstehende Person würde das vermutlich nach einem seltsamen Selbstgespräch aussehen, aber da ich allein wohne, habe ich in der Hinsicht keine Probleme.
Was ich auch sehr praktisch finde, sind Spaziergänge ohne Druck, ohne festes Ziel, einfach ein Drauflosschlendern. Dabei kommen mir oft auch Ideen, ich denke, dass dabei auch die Bewegung hilfreich sein kann.
Und was die Ideen kurz vor dem Einschlafen betrifft: Ich habe ein Notizbuch direkt auf meinem Nachttisch liegen, so dass ich im Fall der Fälle nicht extra wieder aufstehen muss, um eine zündende Idee zu notieren.
Mir ist bewusst, dass ich mich insofern in einer privilegierten Position befinde, weil ich allein wohne (also ungehört „Selbstgespräche“ führen kann), außerdem habe ich keine Kinder, Haustiere oder andere Verpflichtungen, mit denen ich die genannten Methoden nicht oder nur eingeschränkt anwenden könnte.
Immer wieder lese ich in Social Media Beiträge von Autor*innen oder anderen kreativen Leuten, die von argen Selbstzweifeln berichten, die sie mal mehr oder weniger plagen – das Hochstapler Syndrom lässt grüßen (englisch: Imposter Syndrome). Dieses Phänomen ist so weit verbreitet, dass es mir manchmal so scheint, als würden einige Leute es sozusagen als „gottgegeben“ betrachten – in dem Sinne: Haben viele, man kann nichts dagegen machen.
Das ist ein Trugschluss, man kann etwas dagegen unternehmen. Zum Beispiel mit Selbsthilfebüchern wie „Dein Erfolg ist kein Zufall – Vom Gefühl, nie gut genug zu sein. Das Hochstapler-Syndrom erkennen und überwinden“ von Dr. Jessamy Hibberd.
Hier einige Eindrücke aus dem Buch: Zwei eher schlechte Bewältigungsstrategien, die darin genauer beleuchtet werden, sind Überarbeitung (im Sinne von zu viel arbeiten) und Vermeidung (letzteres auch bekannt als „Aufschieberitis“ bzw. Prokrastination). Das Buch zeigt auf, dass unter anderem Menschen, die zu Perfektionismus neigen, in eine dieser Fallen tappen können, und sich damit selbst sabotieren. Die Autorin gibt Hinweise, was man dagegen unternehmen kann und regt außerdem dazu an, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen. Im Buch ist auch ein englischsprachiger kostenloser online Test zu eigenen Stärken verlinkt (eine Registrierung ist erforderlich). Die Autorin schreibt im Kapitel 15, »Der beste Schutz vor dem Hochstapler-Syndrom ist es, sich in der eigenen Haut wohlzufühlen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.« Eines der Gegenmittel gegen das Hochstaplersyndrom ist entsprechend eine liebevolle Haltung gegenüber sich selbst und auch Selbst-Mitgefühl. Das klingt einfach, ist es aber nicht, weil viele Mensch ziemlich hart mit sich ins Gericht gehen und dazu neigen, sich selbst – und auch eigene Erfolge – abzuwerten. Das Buch richtet sich übrigens nicht nur an Menschen mit kreativen Tätigkeiten, sondern ist branchenübergreifend, da sich das Hochstapler-Syndrom in ganz verschiedenen Berufen zeigen kann. Weitere Tipps aus dem Buch sind Achtsamkeitsübungen und Visualisationen, bei denen man sich vorab eigene Erfolge bildlich vorstellt. Die Autorin rät dazu, sich ein Notizbuch anzuschaffen, um darin so einiges festzuhalten: objektive Erfolge zum Beispiel, und verschiedene Glaubenssätze, die einem das Leben schwer machen. Es gibt noch weitere Ratschläge und Methoden, die ich hier nicht im Detail verraten möchte, weil das diesen Blogbeitrag sprengen würde. Mir hat dieses Buch gut gefallen, denn es hat mir einige Probleme aufgezeigt, mit denen ich von nun an anders umgehen möchte. Ich finde es empfehlenswert.
Auch empfehlenswert: Dieses englischsprachige Video der Geschwister Kate und Abbie Emmons, die beide schriftstellerisch tätig sind. »How to Overcome Self-Doubt as a Writer« (ca. 30 Minuten) https://www.youtube.com/watch?v=FLyQzAiy60o
Sicherlich habt ihr schon das eine oder andere Mal Aufrufe von Autor*innen gelesen, doch bitte Rezensionen zu schreiben, wenn ihr ein Buch gelesen habt. Das ist unter anderem möglich auf Amazon und auch bei anderen online Shops, wie z.B. Thalia, in Buchportalen wie Lovelybooks und Goodreads, in Bücherforen und natürlich auch im eigenen (Buch-)Blog. Warum sind Rezensionen so wichtig? Kurz gesagt: Auf Amazon werden Bücher mit vielen Rezensionen und Bewertungen häufiger angezeigt, ihr Ranking steigt, zumindest bei einer guten Durchschnittsbewertung. Und natürlich sind Rezensionen auch in anderen Portalen eine gute Orientierungshilfe für andere Lesende.
Auf Amazon und Goodreads kann man auch einfach nur Sterne-Bewertungen abgeben, ohne eine Rezension zu verfassen. Das ist natürlich sehr leserfreundlich, bietet aber leider auch das Potential für Missbrauch. Zur Vergabe einer Stern-Bewertung muss man das betreffende Buch nämlich gar nicht gelesen haben, außerdem kann man das anonym machen (auf Amazon) und ich fürchte, dass einige Leute dies ausnutzen. Ich habe mittlerweile schon mehrfach von Autor*innen gehört, dass sie häufig 1-Sterne-Bewertungen erhalten, ohne eine entsprechende Rezension. Da liegt der Verdacht nah, dass einige Leute gezielt schlechte Bewertungen verteilen, um bestimmten Autor*innen zu schaden. Besonders stark ist dieser Verdacht, wenn solche Bewertungen schon wenige Stunden oder Tage nach dem Erscheinen eines Buches auftauchen. Gerade habe ich wieder von solch einem Fall gehört.
Dem gegenüber stehen dann aber meistens im Laufe der Zeit deutlich bessere Bewertungen. Und genau das ist wichtig, um solche negativen Bewertungen, die nur aus Sternen bestehen und möglicherweise von Trollen vergeben wurden, auszugleichen: ehrliche Rezensionen, die tatsächlich auf das betreffende Buch eingehen. Das muss kein langer Text sein, einige Zeilen würden schon reichen. Denn ansonsten entsteht unter Umständen ein völlig falscher verzerrter Eindruck von einem Buch, weil es von Trollen bewertet worden ist, die es möglicherweise gar nicht gelesen haben.
Ein ähnliches Phänomen gab es übrigens eine Zeitlang im Film-Bereich. So erhielt der Film „Captain Marvel“ beispielsweise schon vor seiner Premiere haufenweise negative Bewertungen, was natürlich keinen Sinn ergab, da die entsprechenden Leute, den Film noch gar nicht gesehen hatten. (1) Einige Portale, darunter z.B. die IMDB (International Movie Data Base), haben mittlerweile ihre Bewertungssysteme so angepasst, dass man Filme und Serien erst nach dem Erscheinen bewerten kann.
Überlassen wir also den Trollen nicht das Feld, denn deren Beurteilungen würden wie gesagt die Bewertungen verzerren. Dazu ein Zitat aus dem 2019 erschienenen Artikel „Was sind Sterne-Bewertungen bei Büchern heute wert?“ von Stephanie Vonwiller: „Laut dem Institut für Demoskopie Allensbach (AWA) geben nur zehn Prozent der Internetnutzer ihre Meinung ab. Tendenz seit Jahren gleichbleibend. Diese werden von der Branche »Meinungsführer« genannt. Dagegen orientieren sich vor dem Kauf tendenziell immer mehr Menschen an den Bewertungen.“ (2)
Deshalb auch von mir der Aufruf: Wenn ihr Autor*innen unterstützen möchtet, sodass ihre Bücher auf Amazon und Co. mehr Reichweite oder ein besseres Ranking erhalten, schreibt bitte eine ehrliche Rezension. Oder wenn euch das aus Zeitmangel oder anderen Gründen nicht möglich ist, vergebt eine Sterne-Bewertung.
Diesmal mit dem Thema Hautfarben. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Hautfarben gar nicht beschrieben werden, wenn es um weiße Figuren geht. Vielleicht ist da der Gedanke, dass müsse nicht sein, weil Lesende automatisch davon ausgehen, dass die nicht näher beschriebenen Figuren weiß sind. „Weiß als Default“, sozusagen – aber das ist keine gute Einstellung. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit die Hautfarben weißer Figuren auch nicht näher beschrieben habe. Erst in den letzten Jahren ist mir dieses Problem überhaupt bewusst geworden.
Wer Tipps haben möchte, wie man Hautfarben diskriminierungsfrei beschreiben kann, dem empfehle ich die folgenden Texte:
“Warum Hautfarbe allein nichts aussagt” von Victoria Linnea
Und wenn ihr euch gern in diesem oder anderen Bereichen rund um Diversität weiterbilden möchtet, schaut gern mal in meine Literatur- und Linksammlung „Literatur/Links über Diversität, Inklusion und Repräsentation“, diese findet ihr hier (ein Google Doc): http://bit.ly/literaturundlinksdiversität
Viele Autor*innen, und dazu zähle ich mich auch, haben ernsthafte Probleme mit E-Book-Piraterie-Websites, auf denen raubkopierte E-Books unserer Veröffentlichungen illegal kostenlos oder für ein paar Cent heruntergeladen werden können. Wenn Leser*innen E-Books in Facebook-Gruppen oder Foren hochladen, ist das ebenfalls illegal.
Einigen Leuten, die solche illegalen Inhalte nutzen, scheint nicht klar zu sein, was das Problem dabei ist: Man nimmt damit den Autor*innen und ihren Verlagen Einkünfte weg. Was einige offenbar auch nicht wissen: Als Autor*in verdient man ohnehin nicht viel Geld, wenn ein Buch verkauft wird. Oft sind es nur ca. 1 bis 3 Euros, bei günstigen Angeboten sogar noch weniger. Bei einem Selfpublishing E-Book, das eine Autorin für 99 Cent auf Amazon anbietet, verdient sie pro Verkauf nur ca. 30 Cent. Die meisten Autor*innen können nicht vom Schreiben leben, und sie schreiben auch keine Bestseller mit hoher Auflage, das gelingt nur wenigen. Das alles bedeutet letztendlich auch: Wenn du für künstlerische Inhalte zahlst, hilfst du damit aktiv den Autor*innen und ihren Verlagen, ihre schriftstellerische Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen.
Das genannte Problem bezieht sich nicht nur auf Bücher, sondern auch auf andere Medien, die als Dateien heruntergeladen werden können (Bilder, Musik, Filme, Spiele …) Und es gibt noch mehr Probleme, die damit verbunden sind. Autor*innen und andere Künstler*innen (z.B. im Bereich Illustration und Design, Musik, Gesang, Talente in der Filmindustrie …) brauchen Geld, um arbeiten zu können. Wir alle müssen unsere Miete, Nahrungsmittel und Rechnungen aller Art bezahlen. Ich wiederhole es noch einmal: Jede illegal heruntergeladene Datei nimmt den Urheber*innen, den Künstler*innen Geld weg.
Wenn du Bücher, Musik, Filme, Spiele konsumieren willst, aber wenig Geld hast – es gibt mehrere günstige oder sogar kostenfreie Möglichkeiten, dies legal zu tun. Im Internet finden sich z.B. zahlreiche online Radios, Streamingdienste und verschiedene Leihservices wie Skoobe oder Kindle Unlimited. Nicht zu vergessen die örtliche Bibliothek. Du kannst Printbücher auch Second Hand erwerben, z.B. bei Booklooker oder Medimops.
Es gibt außerdem auch legal zugängliche kostenlose Werke, z.B. gilt das für manche Spiele, für Fanfiction und gratis online Plattformen für Geschichten, z.B. Wattpad und Belletristica. Manche Autor*innen machen auch zeitlich begrenzte Gratis- oder Rabatt-Aktionen für einige ihrer Bücher, so dass man diese günstiger oder sogar kostenlos als E-Book erwerben kann.
Content Note: Ich erwähne in diesem Blogbeitrag J. K. Rowling. Mir ist bewusst, dass sie aufgrund ihrer Transfeindlichkeit eine problematische Person ist. Ich erwähne sie hier dennoch, in Bezug auf eine ihrer Figuren, um einen bestimmten Punkt zu unterstreichen.
Ich bin seit 2014 als Autorin aktiv. Und in meiner Anfangszeit habe ich so manchen Anfängerfehler gemacht. Einer davon ereignete sich kurz nachdem mein zweiter Roman erschienen war. Eine Rezensentin merkte ein Detail kritisch an, das ich ganz anders sah. Ich schrieb ihr auf Facebook und versuchte ihr dieses Detail aus meiner Sicht zu erklären.
Allerdings wurde meine Sicht auf dieses Detail nicht aus dem Roman allein deutlich. Und hier kommen wir zu einem allgemeinen Problem: Wenn ihr Leuten abseits von eurem Text diesen erklären wollt, ist das praktisch immer zum Scheitern verurteilt. Damit möchte ich sagen: Was nicht direkt (und deutlich) aus einem Buch hervorgeht, oder nur irgendwo tief im Subtext verborgen ist, werden die meisten Leute nicht verstehen. Oder sie werden etwas missverstehen, weil es euch nicht gelungen ist, die betreffende Stelle deutlich und präzise zu formulieren.
Ich habe mir die oben erwähnte Kritik zu Herzen genommen und beleuchtete das Detail in Band 2 der Reihe kurz näher, so dass es aus meiner Sicht deutlicher wurde.
J.K. Rowling hat irgendwann erklärt, ihre Figur Albus Dumbledore sei schwul. Was nirgends in den betreffenden Büchern erwähnt oder auch nur angedeutet wird. Entsprechend gab es viel an Kritik dazu. Denn Erklärungen, die einer Geschichte im Nachhinein hinzufügt werden, führen zu nichts.
Vor einer Weile habe ich ein Detail in einem Phantastikroman gefunden, das mir negativ auffiel, im Sinne eines problematischen Handlungsmusters. Ich schrieb etwas darüber auf Twitter. Darauf schrieb mir die Autorin jenes Romans (unaufgefordert) eine persönliche Nachricht, ebenfalls auf Twitter, und fing an, mir dieses Detail aus ihrer Sicht zu erklären. Mir wurde dadurch zwar klar, warum sie dieses Detail trotz des problematischen Inhalts verwendet hat, aber es änderte nichts an meiner Leseerfahrung, nämlich dass ich beim Lesen der entsprechenden Szenen ein starkes Unbehagen verspürt habe.
An dieser Stelle möchte ich gern ein Zitat von Misha Madgalene anbringen – they hat einmal geschrieben (aus Autorensicht): „What they are reviewing is not what I wrote. What they are reviewing is their experience of what I wrote.“ („Was sie rezensieren ist nicht, was ich geschrieben habe. Was sie rezensieren, ist ihre Erfahrung mit dem, was ich geschrieben habe.“) Wenn man dies umdreht und aus Sicht von Lesenden betrachtet, macht das deutlich: Meine Erfahrung als Leserin einer Geschichte ist eine andere als jene der Autorenperson, die die Geschichte geschrieben hat. Und auch Erklärungen von Autor*innen ändern daran vermutlich nicht viel, oder sie stellen vielleicht sogar meine Erfahrung mit einem Text in Abrede.
Ich gebe an dieser Stelle auch zu bedenken: In der Regel kennt man als Autor*in nicht die Vorlieben und Abneigungen von Lesenden, man weiß auch nicht oder nur im Ausnahmefall, was für Bücher sie ansonsten noch gern lesen oder welche sie eher meiden. Manche Lesende werden auch leicht von problematischen Inhalten getriggert oder zumindest unangenehm berührt, was wieder ein eigenes Thema für sich ist. (1) Der genannte Phantastikroman verfügte übrigens über Triggerwarnungen. Auch die Leseerfahrungen generell sind sehr unterschiedlich, was teilweise auch damit zusammenhängt, wieviel eine Person liest und wie lange sie schon (regelmäßig) liest.
Kathy schrieb: „Ich würde gerne eine Aktion ins Leben rufen, die den Druck der sozialen Medien etwas mehr in die Köpfe der Menschen bringen soll. (…) Die Idee zu der Aktion kam mir, als ich die letzten Monate vermehrt bemerkt habe, wie sich Künstler, Autoren, Blogger, aber auch Leute wie du und ich eine Pause von Social Media nehmen mussten, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlten. (…)“ (Quelle: https://www.facebook.com/nadja.losbohm/posts/4808317815873150)
Zunächst möchte ich gern sagen, ich bin viel online. Ich tausche mich gern in Social Media mit Menschen aus. Im vergangen Jahr habe ich bei vielen Hashtag-Aktionen für Autor*innen mitgemacht, weil ich die Zeit dafür hatte. Mittlerweile ist mir das zu viel geworden und ich beschränke mich auf die Aktionen #DiverserDonnerstag und #Autor_innensonntag. Eine Autorenkollegin, die ich sehr schätze, hat mal dazu geraten, täglich etwas in den eigenen Kanälen zu posten, damit die Reichweite erhalten bleibt. Das habe ich eine Zeitlang gemacht. Ich habe auch oft Beiträge geplant, die dann automatisch zur gewünschten Zeit gepostet wurden. Im Folgenden gehe ich auf meine Erfahrungen mit verschiedenen Social Media ein und gebe am Ende einige Tipps.
Die Algorithmen auf Facebook Mittlerweile ist es auf Facebook so ziemlich egal, wieviel ich poste, meine Reichweite ist tief in den Keller gegangen. Das liegt an den Algorithmen von Facebook, die Werbeanzeigen begünstigen und Beiträge mit Links kaum anzeigen (aber selbst Beiträge ohne Links werden weniger als früher angezeigt).
Instagram – alles schick hier? Insbesondere auf Instagram sehe ich weiterhin den Trend, die schönen Seiten des Autoren- oder Buchbloggerdaseins zu zeigen. Und manche Autor*innen und Blogger*innen betreiben viel Aufwand, schöne Fotos aus ihrem Alltag, ihren Bücherregalen, Büchern mit Deko, von sich, aus dem Urlaub oder noch andere Dinge zu zeigen. Und ganz ehrlich, da kann und will ich nicht mithalten. Ich schrieb neulich dort den Beitrag: „Ich bin nicht instagramable … und das ist okay.“
Doomscrollingauf Twitter Als ich noch auf Twitter war, bewegte ich mich größtenteils in einer progressiven Bubble. Oft ging es dort um Diversität, um Repräsentation, Inklusion und um Social Justice Themen. Viele der Leute, denen ich dort folge, berichteten von schlimmen Erfahrungen mit Diskriminierungen oder ihren Mental Health Problemen. Hinzu kamen die vielen Nachrichten zur Pandemie und andere globale oder regionale Probleme und Missstände. Das führte bei mir oft zu Doomscrolling, und da ich als Mensch mit chronischer Erkrankung nicht viel Energie (oder „Löffel“) habe, musste ich immer wieder mit jenem Profil eine Pause einlegen.
Twitch Ich habe mal kurzfristig im vergangenen Jahr versucht, auf Twitch einen Livestream für Co-Working (gemeinsam Schreiben) anzubieten. Das ist an meinem altersschwachen PC gescheitert, der immer wieder abgestürzt ist. Stattdessen war ich öfter zu Gast in anderen Co-Working Livestreams, zum Beispiel von Ann-Kathrin Karschnick (kann ich sehr empfehlen) und ich werde das sicherlich auch in diesem Jahr wieder machen. Aber ich selbst werde auf Twitch auch in Zukunft nichts Entsprechendes anbieten. EDIT: Ich habe mich mittlerweile komplett von Twitch zurückgezogen und bin dort auch nicht mehr als Gästin bei Livestreams dabei.
TikTok? Mit TikTok kann ich persönlich nichts anfangen, mir fehlen hier auch die Kenntnisse, deshalb schreibe ich nichts weiter dazu.
EinigeTipps Entfolgt oder blockiert toxische Personen, wenn es euch möglich ist. Ihr müsst nicht mit jeder Person in Social Media befreundet sein. Ihr seid ja auch offline nicht mit jeder Person befreundet.
Ich bin in Facebook in vielen Gruppen, die meisten davon beziehen sich auf Bücher. Ich habe aber so gut wie sämtliche Gruppenbenachrichtigungen ausgestellt, weil meine Timeline sonst quasi in Bücherwerbung ertrinken würde.
Es kann auch hilfreich sein, die Benachrichtigungen aus Social Media am Handy auszustellen oder eine App zu nutzen, die eure Social Media Zeit beschränkt (z.B. auf einige Minuten pro Stunde oder für mehrere Stunden am Tag.) Ich nutze dafür gelegentlich die kostenfreie App „Leech Block NG“, in meinem Fall am PC. Man kann sie im Browser installieren, z.B. hier für Firefox:https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/leechblock-ng/
Sucht euch eine oder zwei Social Media Plattformen, mit denen ihr gut zurecht kommt und konzentriert euch ganz darauf. Ich habe mehrfach von Autor*innen gehört, die sich z.B. von Facebook komplett zurückgezogen haben und stattdessen Twitter und Instagram nutzen. Egal, was andere sagen: Ihr müsst nicht auf sämtlichen Social Media aktiv sein.
Ich zitiere aus Instagram-Beiträgen von mir: Überlegt euch gut, ob ihr in Facebook-Gruppen oder in Internet-Foren aktiv sein wollt, in denen ein toxisches Klima herrscht, in denen zum Beispiel destruktive, hässliche Diskussionen geführt werden, die nicht moderiert werden.
Reagiert nicht auf negative Rezensionen. Regt euch nicht öffentlich darüber auf (diesen Fehler habe ich früher gemacht und ich kann davon nur abraten. Das kommt nicht gut an und entmutigt unter Umständen auch Leute, überhaupt Rezensionen zu schreiben.) Diskutiert nicht mit den Rezensent*innen, auch wenn ihr die Rezension für unfair, unlogisch oder schlichtweg falsch haltet. Bitte immer im Hinterkopf behalten: Rezensionen sind letztendlich Einzelmeinungen. Nach 25 veröffentlichten Büchern habe ich die Erfahrung gemacht, dass praktisch alle davon die ganze Bandbreite an Bewertungen erhalten haben, von einem Stern bis fünf Sterne. Misha Magdalene hat in diesem Zusammenhang in einem Podcast gesagt: »What they are reviewing is not what I wrote. What they are reviewing is their experience of what I wrote.« (Was sie rezensieren, ist nicht das, was ich geschrieben habe. Was sie rezensieren, ist ihre Erfahrung mit dem, was ich geschrieben habe.«) Ich würde hier im Zweifelsfall zu »Lächeln und winken« raten, also z.B. 1-Sterne- Bewertungen einfach ignorieren, auch wenn es schwer fällt.
Zum Thema Selbstdarstellung und Selbstvermarktung
Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass manche Autor*innen eine Selbstdarstellung mit Selbstvermarktung verwechseln. Damit meine ich, dass sie sich im Grunde eher als Privatperson präsentieren anstatt als Autor*innen. Ich lese da in einigen Beiträgen u.a. von Ehrlichkeit und Authentizität.
Meine Sicht dazu: Selbst wenn man sich ehrlich und authentisch präsentieren möchte, ist es dazu nicht notwendig, sein Privatleben in Social Media auszubreiten, wenn man eigentlich in erster Linie für die Tätigkeit als Autor*in werben möchte. Natürlich kann es sein, dass die Themen in den eigenen Bücher eng mit dem Privatleben verknüpft sind, z.B. Bücher, die stark autobiografisch geprägt sind. In einem solchen Fall kann es Sinn machen, über das eigene Leben auch in Social Media zu erzählen. Das habe ich bei zwei Büchern auch schon gemacht.
Aber ansonsten: Als Autorin wird man durch Selbstvermarktung zu einer „Marke“ – und die sollte nicht verwechselt werden mit der Privatperson dahinter. Entsprechend muss man als Autor*in auch in Social Media nicht alles von sich zeigen, das eigentlich in den Privatbereich gehört und nichts mit den eigenen Büchern zu tun hat.