Gute Buch-Alternativen zu „Harry Potter“ und der „Wizarding World“

Lesezeit: ca. 4 Minuten
Inhaltswarnung: Transfeindlichkeit, anti-trans Aktivismus (erwähnt)

Kürzlich wurde bekannt: Die erste Staffel der HBO-Serienverfilmung von „Harry Potter“ soll ab Weihnachten 2026 gezeigt werden. Und ich rufe hiermit dazu auf, sie sich nicht anzuschauen. Es sei denn, ihr wollt eine Milliardärin finanziell unterstützen, die sich seit mehreren Jahren aktiv gegen trans Rechte einsetzt, auch massiv mit ihrem Geld – und dieser anti-trans Aktivismus, auch von anderen Akteuren, hat in UK unter anderem zu transfeindlichen Gesetzesänderungen geführt. Wenn ihr dies nachlesen wollt, weil es so unglaublich klingt, befragt bitte eine Suchmaschine eures Vertrauens oder schaut z. B. hier (Fußnote 1). Besagte Milliardärin wird auch an dieser neuen Serienverfilmung mitverdienen. Zu diesem Thema kann ich auch einen Instagrambeitrag von Cosplaytearoom empfehlen (Fußnote 2).

Ich weiß, dass viele Leute mit „Harry Potter“ angenehme Kindheits- oder Jugenderinnerungen verbinden, sei es mit den Büchern, den Filmen, Games oder dem Gemeinschaftsgefühl im Fandom, oder noch aus anderen Gründen. Wenn ihr euch von all dem nicht trennen könnt, was ihr im Laufe der Zeit gekauft habt, behaltet es. Schreibt weiter Fanfictions oder kreiert Fanart, wenn ihr dieses Fandom nicht loslassen könnt.

Aber kauft bitte keinen neuen Merch, keine neuen „Harry Potter“ oder „Wizarding World“-Produkte. Denn auch damit unterstützt ihr die Milliardärin, deren Name ich hier nicht nenne.

Und wenn ihr meine Ansichten in dieser Angelegenheit zu radikal oder übertrieben findet, dann entfolgt mir bitte in Social Media oder blockiert mich. Trans Rights are Human Rights. Und ich kann die Kunst nicht von den Kunstschaffenden trennen, wie ich hier in diesem Blogbeitrag geschrieben habe.

Und nun etwas Positives: Es gibt inklusive Fantasy-Literatur von diversen Autor*innen, die sich mit Magie, Hexen, Zauberern, Hexen- oder Zauberschulen befassen (oder Ähnlichem) und die diverser sind als „Harry Potter“ und die „Wizarding World“. Von mir gibt es außerdem die Reihe „Hexen in Hamburg“ (keine Jugendbücher, sondern für junge und ältere Erwachsene).

Hier einige Bücher und Buchreihen, die mir empfohlen wurden:

Aiden Thomas: „SOL. Die Rache der Obsidians“ Starke Freundschaften und queere Rivals to Lovers | Fantasywelt voller Götter und Monster | Für Leserinnen und Leser ab 12

Aiden Thomas „Yadriel und Julian. Cemetery Boys“ Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2023 | New York Times Bestseller Autor | Urban Fantasy mit queerer Romance #OwnVoices

Und die Fortsetzung. Aiden Thomas: „Espíritu. Cemetery Boys“ Geister, Dämonen und queere Romance | Urban Fantasy mit einfühlsamer LGBTQ+-Representation | Band 1 nominiert für den Jugendliteraturpreis

Theresa Bells Reihe „Sepia“ – Band 1: „Sepia und das Erwachen der Tintenmagie“

Rick Riordan: „Percy Jackson 1: Diebe im Olymp“ Moderne Teenager, griechische Götter und nachtragende Monster – die Fantasy-Bestsellerserie ab 12 Jahren

Rick Riordan: „Magnus Chase 1: Das Schwert des Sommers“ – Ein Loser soll Ragnarök aufhalten? Lustiges Fantasy-Abenteuer ab 12 Jahren über nordische Mythen und einen (fast) normalen Typen

Rick Riordan hat mehrere Jugendbuchreihen geschrieben, hier eine Übersicht über sein gesamtes Werk auf Deutsch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rick_Riordan#Werke

Noah Stoffers: „A Midsummer’s Nightmare“ Dark Academia – Schottland – Shakespeare – queere Own-Voice-Fantasy an einem Elite-College

Zu einem Aufruf von mir für Buchtipps schrieb Desiderius Rainbow:
„Ich schmeiße mal meine Magier aus meiner Mânil-Reihe in die Runde! Contemporary-Fantasy zum Wohlfühlen: ein intensiver, skurriler und magischer Mix aus cozy Happyplace und düster-bösem Psychochaos mit Tiefgang, Casual Queerness, Neurodivergenz, own voice und viel Subtext. „Mânil – Einfach nur der Anfang“, „Mânil 2 – Keine Leinenpflicht in Katurath’ka“ und am 30.4. erscheint „Mânil 3 – Irgendwas mit neuen Jacken“, ist auch schon vorbestellbar. Ich bin Selfpublisher und zusätzlich zu meiner Geschichte stammen auch die Cover und sämtliches Design aus meiner Feder.“ Diese Buchreihe ist für Erwachsene.

Wolf September: „Grisper Castle: Eine Gay-Romantasy“ (Grisper Castle – Ein Schloss in Schottland – Cosy-Mystery 1) Vierteilige Buchreihe

Wolf schreibt: „[Meine Buchreihe] spielt in einem alten Schloss in Schottland, mit Magie, Geistern, alten Geheimnissen und einer Gruppe Figuren, die gemeinsam Rätsel lösen. Also eher Mystery/Cozy mit magischen Elementen. Ich würde die ersten beiden Bände ab 16 empfehlen, das es dort spicy Szenen gibt, ab Band 3 ab 12“

Jamie Enderlein: Die sechsteilige Buchreihe „Abra Kandelabra“
Band 1: „Hexenhut und Hokuspokus“

Fußnoten

(1) Inhaltswarnung zum englischsprachigen Artikel: sehr viel Transfeindlichkeit, Ace-Spektrum-Feindlichkeit.
„A Complete Breakdown of the J.K. Rowling Transgender-Comments Controversy“ https://www.glamour.com/story/a-complete-breakdown-of-the-jk-rowling-transgender-comments-controversy

(2) Der Instagrambeitrag von Cosplaytearoom:
„“This is why, in 2026, you should stop to cosume any Harry Potter related content – if you care at all about trans people.“
https://www.instagram.com/p/DWWPxiVisS9/

Bookies, wir müssen reden

Lesezeit: ca. 2 Minuten
Ich blogge ungefähr seit 2020 über Diversität, Repräsentation in der Literatur, Inklusion und Queerfeminismus. Aber ich habe nur eine kleine Plattform mit geringer Reichweite. Und selbst wenn ich Leute erreiche, hat natürlich nicht jede Person Zeit und Lust, meine Blogbeiträge zu lesen.

Kürzlich las ich einen Beitrag von Levi Elliott, den ich sehr empfehlen kann, hier zu finden:
https://www.instagram.com/p/DV01ihPE8kd

Und ich selbst habe auch schon an anderer Stelle von diesen Anspruchshaltungen mancher Leser*innen gehört: Leute, die sich Bi_PoC Figuren als weiß vorstellen, weil das für sie bequemer sei. Neopronomen in einem Buch seien zu anstrengend und genderneutrale Sprache (oder Gendersternchen und vergleichbare Sonderzeichen) ebenso.

Da frage ich mich: Wenn solche Leser*innen schon mit entsprechenden fiktiven Figuren nicht zurechtkommen, wie gehen sie dann eigentlich im Alltag mit ihren marginalisierten Mitmenschen um?

Oder sind manche Leute mittlerweile von ChatGPT und Co. so sehr eine „Yes, man“-Haltung gewohnt, also eine ständige positive Bestätigung ihres Daseins, dass sie sich nicht mehr empathisch auf Lebenserfahrungen einlassen können oder wollen, die ihrer eigenen nicht entspricht?

Und dann der Anspruch, der Book Space solle doch bitte unpolitisch sein. Ich möchte euch gern etwas dazu sagen, das ich schon öfter angesprochen habe: Wer eine Community, einen Space, eine Subkultur oder eine andere Gruppierung „unpolitisch“ haben möchte, lädt damit praktisch rechtskonservative und rechtsextreme Leute ein. Und damit nicht genug, diese Leute bringen ihren rechtskonservativen und rechtsextreme Freundeskreis mit, während marginalisierte Leute erst an den Rand gedrängt werden und letztendlich aus der entsprechenden Community vertrieben werden, weil sie sich darin nicht (mehr) sicher fühlen können. Und das kann nicht in eurem Sinne sein, oder?

Ich lade euch ein, euch weiterzubilden. Das geht auch kostenlos. Hier gibt es von mir eine „Literaturliste rund um Diversität“, mit Artikel, Büchern, Podcasts und mehr. Viele, nicht alle, beziehen sich auf Literatur und richten sich an Autor*innen, aber es sind auch mehrere dabei, die allgemein auf die betreffenden Themen eingehen.

Auch in meinem Blog gibt es zahlreiche Artikel, alle ebenfalls kostenlos.
Bitte ins Suchfeld beim Blog Stichworte nach Wunsch eingeben, z.B. „Diversität“, „Repräsentation“, „Inklusion“, „Feminismus“, „Patriarchat“, „Ableismus“, „Rassismus“, „queer“, „Queerfeindlichkeit“ oder andere, die zu diesem Themenbereich passen.

Buch-Aktivismus

Sunita Sukhana hat vier Fragen:

  1. Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram?
    2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
    3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
    4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Was ist der Fokus eures Aktivismus?

Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)

Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?

Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.

Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?

Lesende:
Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.

Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.

Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.

Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.

Autor*innen:
Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.

„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.

Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).


Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?

Victoria Linnea, Nora Bendzko und Noah Stoffers bieten regelmäßig Workshops für Autor*innen an, die sich mit Diversität befassen. https://www.victorialinnea.de/seminare-workshops

Auch Lena Richter bietet regelmäßig Workshops an:

Empfehlen kann ich auch das halbjährlich erscheinende Phantastik-Magazin „Queer*Welten“, das im Amrûn Verlag erscheint: https://amrun-verlag.de/cat/verlagsbuchhandlung/lgbt/

Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.

Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.

Fußnoten:
1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“

2) „Der Buchmarkt, BookTok-Hypes und KI-generierte Bücher oder: Wo bleiben wir Autor*innen?“

3)„Farbschnitte und was das mit Kapitalismus und Produktionsbedingungen zu tun hat“
https://www.instagram.com/p/DPyred4jq_V/

4) Alternativen zu KI generierten Bildern (Beitrag in Deutsch und Englisch):

#DiversityDienstag: Support für marginalisierte Autor_innen… die nicht preisverdächtige Literatur schreiben

Lesezeit: 1 Minute
In Social Media wird recht oft dazu aufgerufen, queere oder anderweitig margi­nalisierte Autorys zu unterstützen, z.B. indem man ihre Bücher kauft oder darauf hinweist. Aber die Bücher, die dann empfoh­len werden, sind praktisch immer dieselben von so ungefähr 5 bis 10 Autorys, zumindest habe ich das öfter so beobachtet.

Oftmals geht es um Bücher, die als besonders herausragend und lesenswert erachtet werden und/oder die für Preise nomi­niert wurden oder mit welchen ausgezeichnet wurden. Teilwei­se sind das auch englischsprachige Bücher oder Bücher aus großen Verlagen. Das ist natürlich einerseits sehr schön.

Andererseits entsteht für mich der Eindruck, als ob die Bücher marginalisierter Autor*innnen nur dann beachtenswert sind, wenn sie überdurchschnittlich gut sind.

Die eher durch­schnittlich schreibenden Autorys, zu denen ich ebenfalls zähle, kommen bei solchen Empfehlungen nicht oder kaum vor. Gleiches gilt oft auch für Kleinverlage und marginalisierte Selfpublisherinnen. Deshalb: Wenn ihr Autorys unterstützen wollt, auch solche, die vielleicht nicht preisverdächtig schreiben: Traut euch auch an Bücher aus Kleinverlagen und an welche von Selfpublisherinnen.

Das alles erinnert mich übrigens schmerzhaft an etwas, das so einigen marginalisierten Autor*innen bekannt vorkommen dürfte: marginalisierten Leuten, z.B. mit Behinderungen, wird oft schon von Kindheit an vermittelt, dass sie immer mehr als 100 % geben müssten, dass sie besonders viel leisten müssten, um von der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden.

Aber nicht jeder marginalisierte Autorin ist ein literarisches Genie, um es mal überspitzt zu formulieren, oder schreibt preisverdächtig. Und das hängt natürlich auch teilweise mit der eigenen Lebenssituation, aber auch dem Buchmarkt und den Produktionsbedingungen zusammen, bei der marginalisierte Autorinnen oft strukturell benachteiligt werden.

Vorstellung der Aktion #DiversityDienstag

Jüngst gab es einen Skandal mit dem rechtskonservativ ausgerichteten „Aktionsbündnis Fantastik und Gesellschaft“. Die betreffende Webseite wurde mittlerweile vom Netz genommen wurde, aber das Manifest und die Erstunterzeichnenden sind immer noch auf einem Yopad und im Web Archive online lesbar – das Internet vergisst nicht.

Das alles hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir folgende Hashtag-Aktion überlegt: den #DiversityDienstag.

Ich schreibe seit 7.10. 2025 dienstags über progressive Phantastik, andere Genres sowie progressive Sachbücher und gebe Tipps oder teile Blogbeiträge von mir.

Nach dem Motto, wir müssen lauter sein als rechtskonservative und rechtsextreme Autor*innen, Verleger*innen und andere Leute mit diesen Einstellungen.

Aber ich möchte die Aktion gern noch weiter fassen. Von daher, wenn euch die Themen Diversität, Inklusion und Repräsentation in irgendeiner Form beschäftigen, macht gern ebenfalls dienstags mit und nutzt den Hashtag in euren Social Media.

Bitte beachten: Anders als bei mehreren Hashtag-Aktionen in Social Media gibt es KEIN vorgegebenes wöchentliches Thema. Schreibt bitte einfach dienstags mit dem Hashtag zu den Themen rund um Diversität, Inklusion, Repräsentation, progressive Bücher und Verwandtes, was euch in dieser Hinsicht bewegt.

Diesen Beitrag sehr gern teilen. Ihr könnt auch das Bild aus diesem Beitrag gern verwenden.

Metaphern von Marginalisierung in Horrorfilmen und -Serien

Lesezeit: ca 3 Minuten
Ich sehe gern Horrorfilme und -serien, nicht nur in der Gruselsaison, Spuktober oder wie mensch es sonst gern nennen mag. Marginalisierte Menschen haben es schwer in der Welt (1) und mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass entsprechende Probleme auch sehr gern in Horrorfilmen und -serien thematisiert werden, seien es Behinderungen, Queerness, Rassismuserfahrungen, Fluchterfahrungen oder noch andere. In diesem Blogbeitrag geht es mir nicht um Geschichten, die diese Themen dramatisch und klischeebehaftet für Schockeffekte einsetzen, sondern die damit sensibel umgehen.

Hier einige der Filme/Serien, die ich in diesem Zusammenhang sehr sehenswert finde. Ich stelle sie jeweils kurz vor.

His House
erzählt die Geschichte eines geflüchteten Paares aus dem Südsudan, das in England versucht sich ein neues Leben aufzubauen. Doch in dem Haus, das ihnen zugeteilt wird, passieren mysteriöse Dinge. Hier geht es zentral um das Thema Krieg, Flucht, Tod und damit verbundene Traumata.
https://de.wikipedia.org/wiki/His_House

Still (Originaltitel: Hush)
Eine gehörlose Horrorautorin, die Gebärdensprache spricht, muss sich gegen einen Serienkiller zur Wehr setzen. Aus meiner Sicht ein empowernder und feministischer Film von Mike Flanagan, der auch zahlreiche weitere Serien und Filme im Horrorbereich entwickelt hat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Still_(2016)

Get Out
Auf Wikipedia ist zu lesen: „Der satirische Mystery-Horror-Thriller mit Comedy-Elementen basiert auf einem Originaldrehbuch des Regisseurs [Jordan Peele].“ Ein Schwarzer Amerikaner besucht mit seiner weißen Freundin deren ebenfalls weiße Eltern zum ersten Mal, doch der schöne Schein trügt …
https://de.wikipedia.org/wiki/Get_Out

The Old Ways
Ein Folk-Horror-Film über eine mexikanisch-amerikanische Reporterin, die auf der Suche nach einer Story über Hexerei in ihre Heimatstadt in der Nähe von Veracruz (Mexiko) zurückkehrt. Dort wird sie von einer Gruppe von Einheimischen entführt, darunter eine Bruja (eine Art Hexe), die glaubt, dass die Reporterin von einem Dämon besessen sei. In diesem Film gibt es einen starken Fokus auf Folklore, Hexenglauben und alte Traditionen.
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Old_Ways

Niemand kommt hier lebend raus (Originaltitel: No One Gets Out Alive)
Ambar, eine illegale Einwanderin, zieht nach dem Tod ihrer Mutter von Mexiko nach Cleveland, Ohio. Auf der Suche nach einer Bleibe findet sie eine baufällige Pension, doch nachdem sie dort eingezogen ist, geschehen im Haus und anderswo merkwürdige Dinge mit ihr. Dieser Film thematisiert die Schwierigkeiten von Immigrant*innen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Niemand_kommt_hier_lebend_raus

In diese Serie habe ich reingeschaut, sie aber nicht zu Ende gesehen, weil ich es nicht ausgehalten habe, wie ich zugeben muss.

THEM: Covenant
spielt im Jahr 1953 und handelt von einer Schwarzen Familie, die während der zweiten großen Migration von North Carolina in ein rein weißes Viertel in East Compton zieht. Das idyllische Haus der Familie verwandelt sich langsam in ein Epizentrum böser Mächte von nebenan und aus dem Jenseits, die sie heimzusuchen, zu verwüsten und zu zerstören drohen. Was hier besonders stark thematisiert wird, ist Rassismus durch die weiße Nachbarschaft.
https://en.wikipedia.org/wiki/Them_(TV_series)


Den folgenden Film habe ich noch nicht gesehen, er ist aber auf meiner Wunschliste.
They/Them
Ein Slasher-Horrorfilm: Mehrere queere Menschen, auch eine nichtbinäre Person, kommen in ein Camp, das ihnen ihre Queerness austreiben soll (amerikanisch: Conversion Camp) … und das Ganze wird mörderisch.
https://en.wikipedia.org/wiki/They/Them_(film)

Einige weitere Filme mit Marginalisierungsthemen

Forgiveness
https://en.wikipedia.org/wiki/Forgiveness_(2021_film)

Orphan
https://en.wikipedia.org/wiki/Orphan_(2009_film)

A quiet place
https://en.wikipedia.org/wiki/A_Quiet_Place

und die Fortsetzung: https://en.wikipedia.org/wiki/A_Quiet_Place_Part_II

The Silence
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Silence_(2019_film)

Wer sich speziell für das Thema Behinderungen in Bezug auf Horror interessiert:
Disability in Horror Films
https://en.wikipedia.org/wiki/Disability_in_horror_films

In diesem Zusammenhang kann ich auch die Folge „Horrormetaphern“ vom Genderswapped Podcast empfehlen:
https://genderswapped-podcast.podigee.io/47-episode-37

Fußnote
(1) Siehe bei Interesse meinen Blogbeitrag „Die Welt ist gemein zu marginalisierten Menschen“

Buchtipps zum Trans Visibility Day



Hier einige deutschsprachige Bücher (teilweise auch ins Deutsche übersetzt) mit trans Hauptfiguren (oder trans und nonbinary):

Im Februar 2024 habe ich „A Midsummer’s Nightmare“ von Noah Stoffers gelesen und kann den Roman sehr empfehlen. Meine Rezension gibt es u.a. hier bei Lovelybooks.

Neu auf meiner Wunschliste:
„Muskeln aus Plastik“ von Selma Kay Matter, mit einer trans Hauptfigur, die Long Covid hat. Dieser Roman wurde mir empfohlen.

Falls ihr Lust habt, euch weitere passende Buchempfehlungen anzuschauen, stöbert gern mal auf diesen Seiten:

Empfehlungen von Linus Giese:
http://buzzaldrins.de/2018/04/01/bucher-zum-thema-trans-meine-empfehlungen/

Bücher mit trans Themen in der Lili-Elbe Bibliothek:
https://lili-elbe.de/bestaende/alle-trans-inter-buecher/

Schaut auch mal in euren Social Media nach dem Hashtag #transreadathon,
da gibt es jedes Jahr viele Buchempfehlungen für trans Autor*innen und deren Bücher.

Unbezahlte Werbung:
Wenn ihr gern in einem queeren Shop zum Thema trans stöbern möchtet,
kann ich Trans*Fabel sehr empfohlen, dort gibt es nicht nur Bücher, sondern auch Pins, Schmuck, Pride-Flaggen und noch einiges mehr. Siehe:
https://www.transfabel.de/index.php?main_page=advanced_search_result&search_in_description=1&keyword=trans

Und last but not least: Trans Rights are Human Rights. Trans Women are Women. Trans Men are Men. Trans nonbinary people are trans nonbinary people.

Für mehr Diversität im Bücherregal

Neulich schrieb mir jemand im Fediverse, er fühle sich nicht »divers« genug für Phantastik mit Diversität. Er sei ein monogamer cis hetero Mann. Und da möchte ich gern widersprechen. Heute richte ich mich einmal an alle, die diesen Beitrag lesen und straight (heterosexuell), cis und weiß sind. Oder auch ablebodied anstatt behindert, neurotypisch, allosexuell, nicht von Armut betroffen – mit anderen Worten: Ich wende mich mit diesem Beitrag an Leute, die nicht einer oder mehreren marginalisierten Minderheiten angehören.

Das Lesen von Belletristik fördert die Empathie und das Sich-Hineinversetzen-Können in andere Lebenswelten. Dazu gibt es übrigens auch psychologische Studien, von denen einige z.B. Elea Brandt in ihrem lesenswerten Blogbeitrag „Ist Phantastik unpolitisch?“ verlinkt hat.

Ich habe online öfter Statements gehört oder gelesen a la „Ich bin weiß. Ich kann mich mit einer Schwarzen Hauptfigur nicht identifizieren.“ Oder: „Ich bin heterosexuell. Warum sollte ich Bücher mit queeren Hauptfiguren lesen?“ Oder ähnliches, zu anderen Marginalisierungen. Aber wer als weißer cis hetero Mensch immer nur Bücher von anderen weißen cis hetero Menschen liest, die wiederum nur von weißen cis hetero Menschen handeln … Ihr ahnt es schon, so hat man wenig Chancen, sich literarisch in die Erfahrungswelten von Menschen hineinzuversetzen, die nicht so sind, wie man selbst. Zum Beispiel queer. Oder Schwarz. Oder neurodivergent. Oder behindert. Oder oder oder … es gibt viele Diversitätsthemen.

In den USA gibt es zurzeit rechtskonservative bis hin zu noch rechteren Intiativen, die massiv Bücherzensur betreiben und bestimmte Bücher in Bildungseinrichtungen verbieten (sucht mal online »Banned Books«). Davon sind auch Klassiker der Weltliteratur betroffen, sowie überdurchschnittlich viele Bücher über marginalisierte Themen, häufig auch von marginalisierten Autor*innen. Es gibt dort also immer mehr Menschen, die wollen, dass nur noch die Lebenswelten von weißen cis hetero Menschen in Büchern Gehör finden. Und wer sich fragt, zum Glück gibt es auch Gegenintiativen, die gegen diese Bücherzensur ankämpfen.

In Deutschland gibt es zurzeit keine Bücherzensur dieser Art und ich hoffe sehr, dass das auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten so bleibt.

Und was können wir heute tun? Ich bin bei weitem nicht die erste Person, die darüber schreibt, aber ich möchte auch gern daran erinnern, falls ihr noch nichts in der Richtung gehört oder gelesen habt: Liebe nicht marginalisierte Lesefans, bitte diversifiziert eure Bücherregale, wenn ihr dazu die Möglichkeit habt – zusätzlich zu dem, was ihr sonst so lest. Auf die Weise findet ihr vielleicht auch die eine oder andere Bücherperle, die euch sonst entgangen wäre. Viel Freude beim Lesen.

#DiverserDonnerstag: Hautfarben

Eine Aktion von @equalwritesde

Diesmal mit dem Thema Hautfarben. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Hautfarben gar nicht beschrieben werden, wenn es um weiße Figuren geht. Vielleicht ist da der Gedanke, dass müsse nicht sein, weil Lesende automatisch davon ausgehen, dass die nicht näher beschriebenen Figuren weiß sind. „Weiß als Default“, sozusagen – aber das ist keine gute Einstellung. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit die Hautfarben weißer Figuren auch nicht näher beschrieben habe. Erst in den letzten Jahren ist mir dieses Problem überhaupt bewusst geworden.

Wer Tipps haben möchte, wie man Hautfarben diskriminierungsfrei beschreiben kann, dem empfehle ich die folgenden Texte:

“Warum Hautfarbe allein nichts aussagt” von Victoria Linnea

Und der zweiteilige „Hautfarben-Guide“, eine Übersetzung von Victoria Linnea zu einem Text aus dem Tumblr-Blog „Writing with Color“
Teil 1:

Teil 2:

Und wenn ihr euch gern in diesem oder anderen Bereichen rund um Diversität weiterbilden möchtet, schaut gern mal in meine Literatur- und Linksammlung „Literatur/Links über Diversität, Inklusion und Repräsentation“, diese findet ihr hier (ein Google Doc):
http://bit.ly/literaturundlinksdiversität

Schreibtipp: Mythologie in der Belletristik, aus paganer Sicht

Sandro Botticelli, Die Geburt der Venus (c.1484)


Ich sage es heute mal ganz offen: Ich bin seit einigen Jahren eine pagane Polytheistin, d.h. ich verehre einige Gottheiten, die bereits in der Antike verehrt wurden.

Neulich kam auf Twitter eine Unterhaltung auf dazu, wenn sich Autor*innen an antiken Mythologien bedienen, z.B. an der nordischen, keltischen, altägyptischen, römischen, griechischen oder noch anderen. Ich schreibe dazu nun etwas aus meiner pagan Perspektive, das ich bereits auf Twitter in einem Thread geschrieben habe und hier noch um einige Überlegungen ergänze.

Für viele pagane oder polytheistische Menschen sind antike Mythologien nicht einfach nur alte Geschichten, die man nach Belieben nehmen und nach eigenem Gutdünken verändern kann. Diese alten Mythen haben für viele pagane Menschen eine religiöse Bedeutung.

Wenn sich nun Autor*innen daran machen, diese Mythen neu zu interpretieren, gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten:

Methode 1
Die Autor*innen bleiben dicht am Original. Oder an einem der Originale, denn oft ist es so, dass es unterschiedliche Mythen zu ein und derselben Gottheit oder einem Wesen gibt, je nach regionaler (oft zunächst mit mündlicher und erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte später schriftlich festgehaltener) Überlieferung, und ja, manche dieser Mythen widersprechen sich auch.

Die Autor*innen adaptieren dann den vorhandenen Stoff so, dass das Original gewissermaßen noch durchscheint, aber neu interpretiert wird. Damit erweist man den historischen Überlieferungen und der Kultur, in der diese Mythen entstanden sind, einen gewissen Respekt aus meiner Sicht.

Methode 2
Die Autor*innen nehmen sich, was sie wollen aus der mythologischen Vorlage und drehen ihr ganz eigenes Ding draus, ohne Rücksicht auf die Eigenschaften der verwendeten Wesen/Gottheiten oder der historischen Quellen. Zum Beispiel nehmen sie den Namen einer Gottheit und verleihen diesen einem Dämon.

Oder sie versetzen Figuren aus einer bestimmten Region oder einem bestimmten Pantheon ganz ans andere Ende der Welt, ohne das näher zu begründen. Im schlimmsten Fall werden hier historische Mythen gewissermaßen ausgebeutet und das geht in Richtung kulturelle Aneignung.

Diese Gefahr besteht auch, wenn man sich an den Mythen einer Kultur bedient, in der man nicht selbst aufgewachsen ist. Zum Beispiel wenn eine Autorin aus Deutschland sich mit japanischer Mythologie oder Folklore befasst und dann Methode 2 anwendet.

Und man kann es sich schon denken, ich würde immer zur ersten Methode raten.

In der Twitter Unterhaltung kam das Gegenargument zu meiner Position, dass ja auch zahlreiche Motive aus der christlichen Religion auf unterschiedlichste Weise Einzug in die Popkultur gefunden haben und da auch viele Autor*innen einfach machen, was ihnen gefällt (z.B. in der Phantastik Engel, Teufel, Dämonen, im Horror-Genre Exorzismen, oder auch neue Interpretationen biblischer Geschichten in verschiedenen Genres).

Ich möchte allerdings zu Bedenken geben, dass die christliche Religion im Gegensatz zu heutigen paganen Glaubensgemeinschaften seit Jahrhunderten weltweit bestens etabliert ist. Christ*innen werden eher nicht diskriminiert (oder in einigen Fällen nur dort, weltweit gesehen, wo sie eine Minderheit bilden). Von daher haben Christ*innen größtenteils, zumindest was ihren Glauben betrifft, eine privilegierte Position.

Pagane/heidnische Menschen sind dagegen überall eine Minderheit und müssen sich oft mit Vorurteilen oder diskriminierendem Verhalten herumschlagen, wenn sie offen von ihrer Religion sprechen – das zeigt z.B. dieser englischsprachige Bericht über eine Umfrage der Pagan Federation in Schottland:
https://wildhunt.org/2021/03/scottish-pagan-federation-to-release-results-of-discrimination-survey.html

Insofern tut man aus meiner Sicht als Autor*in diesen Menschen einen großen Gefallen, wenn man die alten Mythen, die vielen von ihnen heilig sind, mit Respekt behandelt. Und deshalb würde ich wie gesagt, immer zur ersten Methode raten.