Jedes Jahr am 6. April ist der International Asexuality Day und ich habe hier im Blogbeitrag passende Buchtipps, darunter auch einige eigene Bücher.
Ich selbst bin auf dem asexuellen Spektrum und ein weiteres meiner Mikrolabels ist Aegosexualität.
Eine Kurzgeschichte von mir mit einer asexuellen Märchenprinzessin ist erschienen in „Beweisstück A – eine a_sexuelle Anthologie“, herausgegeben von Carmilla DeWinter und Carmen Keßler. Das ist eine Benefizanthologie, die auch fortgesetzt wurde, mit „Beweisstück A – Neue Indizien: Eine ace und aro Anthologie“
Carmilla DeWinter hat auch das Sachbuch „Das asexuelle Spektrum – eine Erkundungstour“ veröffentlicht.
Empfehlen kann ich auch das Sachbuch „(und)sichtbar gemacht: Perspektiven auf Aromantik und Asexualität“ von Katharina Kroschel und Annika Baumgart. Beide bieten übrigens ace und aro Bildung und Aktivismus, sie sind online hier zu finden: https://linktr.ee/ace_arovolution
Carmilla DeWinter hat auch mehrere Romane mit ace Figuren veröffentlicht, z.B. „Die A-Karte“ und „Albenbrut“ (in einer Neuausgabe erschienen als Sammelband im Dead Soft Verlag)
„Upside Down – Die Welt steht Kopf“ von N.R. Walker hat ebenfalls asexuelle Protagonisten und erscheint am 9. April in deutscher Übersetzung im Second Chances Verlag (hier zu sehen ist das Cover der englischspr. Originalausgabe)
Der aus meiner Sicht sehr lesenswerte New Adult Roman „Loveless“ von Alice Oseman erzählt von einer asexuellen, aromantischen Hauptfigur, die außerdem aegosexuell ist.
„Hexen in Hamburg: Verbrannt“ (Die Hexe Alannah und ihre Lebensgefährtin sind beide auf dem asexuellen Spektrum und homoromantisch). Dieser Roman ist übrigens auch ganz unabhängig von den anderen lesbar.
Lesezeit: ca. 2 Minuten Ich blogge ungefähr seit 2020 über Diversität, Repräsentation in der Literatur, Inklusion und Queerfeminismus. Aber ich habe nur eine kleine Plattform mit geringer Reichweite. Und selbst wenn ich Leute erreiche, hat natürlich nicht jede Person Zeit und Lust, meine Blogbeiträge zu lesen.
Und ich selbst habe auch schon an anderer Stelle von diesen Anspruchshaltungen mancher Leser*innen gehört: Leute, die sich Bi_PoC Figuren als weiß vorstellen, weil das für sie bequemer sei. Neopronomen in einem Buch seien zu anstrengend und genderneutrale Sprache (oder Gendersternchen und vergleichbare Sonderzeichen) ebenso.
Da frage ich mich: Wenn solche Leser*innen schon mit entsprechenden fiktiven Figuren nicht zurechtkommen, wie gehen sie dann eigentlich im Alltag mit ihren marginalisierten Mitmenschen um?
Oder sind manche Leute mittlerweile von ChatGPT und Co. so sehr eine „Yes, man“-Haltung gewohnt, also eine ständige positive Bestätigung ihres Daseins, dass sie sich nicht mehr empathisch auf Lebenserfahrungen einlassen können oder wollen, die ihrer eigenen nicht entspricht?
Und dann der Anspruch, der Book Space solle doch bitte unpolitisch sein. Ich möchte euch gern etwas dazu sagen, das ich schon öfter angesprochen habe: Wer eine Community, einen Space, eine Subkultur oder eine andere Gruppierung „unpolitisch“ haben möchte, lädt damit praktisch rechtskonservative und rechtsextreme Leute ein. Und damit nicht genug, diese Leute bringen ihren rechtskonservativen und rechtsextreme Freundeskreis mit, während marginalisierte Leute erst an den Rand gedrängt werden und letztendlich aus der entsprechenden Community vertrieben werden, weil sie sich darin nicht (mehr) sicher fühlen können. Und das kann nicht in eurem Sinne sein, oder?
Ich lade euch ein, euch weiterzubilden. Das geht auch kostenlos. Hier gibt es von mir eine „Literaturliste rund um Diversität“, mit Artikel, Büchern, Podcasts und mehr. Viele, nicht alle, beziehen sich auf Literatur und richten sich an Autor*innen, aber es sind auch mehrere dabei, die allgemein auf die betreffenden Themen eingehen.
Auch in meinem Blog gibt es zahlreiche Artikel, alle ebenfalls kostenlos. Bitte ins Suchfeld beim Blog Stichworte nach Wunsch eingeben, z.B. „Diversität“, „Repräsentation“, „Inklusion“, „Feminismus“, „Patriarchat“, „Ableismus“, „Rassismus“, „queer“, „Queerfeindlichkeit“ oder andere, die zu diesem Themenbereich passen.
Anlässlich der Leipziger Buchmesse melden sich wieder Stimmen zu Wort, die die beliebten Genres Young Adult und New Adult Romance kategorisch als „Schund“ oder „minderwertige Literatur“ abwerten. Wir leben generell in einer Gesellschaft, in der Liebe und Romantik größtenteils als „Frauensache“ gilt. Gern wird alles, was damit zu tun hat, von Männern abgewertet: als Gefühlsduselei, als verweichlicht, als „nicht männlich“.
Das ist leider kein Wunder, denn vielen Männern wurde bereits in der Kindheit vermittelt, dass sie auf gar keinen Fall Gefühle oder Verhaltensweisen zeigen dürfen, die als „ typisch feminin“ gelten. Nichts wird von vielen Männern als schlimmer erachtet, als in irgendeiner Form feminin zu wirken. Man könnte sie ja für schwul halten (oder queer), und wo kämen wir denn dahin? Ja, das war sarkastisch.
Entsprechend wird auch in der Kunst alles in dieser Richtung häufig abgewertet, weil es als „nicht männlich“ wahrgenommen wird. Nicht nur YA und NA Romance, auch Erotikliteratur, häufig von Frauen für Frauen geschrieben, wird kategorisch von weißen, männlichen cis hetero Feuilletonjournalisten zum literarischem Müll erklärt (ich nenne jetzt mal keine Namen. If you know, you know.) Diese Literaturkritiker schreiben auch gern, Romantasy sei total seicht und nur etwas für die „Booktok Girlies“, die dann wiederum auch für ihre Vorlieben abgewertet werden. Dahinter steckt nicht selten eine Menge Misogynie, anstelle einer differenzierten Betrachtung des Genres.
Die Autorin Rebecca Humpert schrieb kürzlich in einer Story auf Instagram: „Man könnte ja vielleicht auch erwähnen, dass viele NA-Bücher female pleasure empowern und entabuisieren, anstatt Spice nur zu verteufeln“, und das sehe ich auch so – aber im deutschen Feuilleton ist diese Message vieler Bücher offenbar noch nicht angekommen.
Männliche Künstler, die sich mit Romantik und Liebe befassen, „dürfen“ das. Ihnen wird zugestanden, kreativ und künstlerisch mit Emotionen aller Art umzugehen. Sie werden dafür von anderen Männern (und Menschen anderer Gender) gefeiert – also z.B. Popstars, die über die große Liebe singen oder Schauspieler, die in einem Liebesfilm den romantic Lead oder den Love Interest spielen. Mehrere Liebesromane von Nicholas Sparks wurden zu Bestsellern.
Aber bei uns Normalsterblichen gilt oft noch immer: Romantik und Liebe sind Frauensache. Oder auch Sache der Queers. Überzeugt mich gern vom Gegenteil. Kennt ihr cis hetero Männer, die mit Begeisterung Liebesromane lesen? Oder sich mit Genuss eine Rom Com oder eine Weihnachtsromanze ansehen, und nicht nur, um ihrer Freundin zu gefallen?
Da alles politisch ist, ist auch das Private politisch. Auch Liebe ist politisch. An dieser Stelle möchte ich nicht das Fass aufmachen, dass Romantik und romantische Beziehungen in unserer Gesellschaft und Kultur stark überhöht werden, als das ultimativ erstrebenswerte Ziel, und dass dabei andere Lebensentwürfe, z.B. von aromantischen Menschen und Menschen auf dem a_sexuellen Spektrum, oft nicht mitgedacht werden. Dazu ließe sich ein eigener Blogbeitrag schreiben.
Mir geht es heute um etwas anderes. Auf der einen Seite gelten Liebe und Romantik als maximal erstrebenswert, auf der anderen Seite werden sie aber ständig abgewertet, weil im Patriarchat praktisch alles abgewertet und kleingeredet wird, was Frauen und Queers zugeordnet wird.
Dem gegenüber steht der im rechten Backlash der letzten Jahre wieder sehr verbreitete Mythos vom starken Mann, der über Kontrolle, Macht und Dominanz verfügt (die Mens Right Bewegung, Andrew Tate und die Incels lassen grüßen). Und ihr ahnt es schon, bei solchen angeblich „starken“ Männern ist keinerlei Platz für echte Liebe und Romantik. Denn diese Männer müssten sich ja dann mit „zarten“ Gefühlen oder zumindest kleinen Gefühlspflänzchen beschäftigen, diese hegen und pflegen, sie müssten auch emotional erreichbar sein für ihre Partner*innen.
Und das machen diese Männer natürlich nicht, denn das wäre nach ihrer Einschätzung „nicht männlich“. Stattdessen müssen ihre Partner*innen häufig die gesamte emotionale Arbeit in der Beziehung leisten (englisch: emotional labour), mitunter auch, um häusliche Gewalt zu verhindern.
Im christlichen Glauben gibt es die Nächstenliebe, die weder romantisch noch sexuell ist. Aber auch dafür ist bei diesen angeblich starken und dominanten Männern kein Platz (und ich rede hier von christlichen Nationalisten und Fundamentalisten, wie es sie so viele in den USA, aber nicht nur dort, gibt). Denn die einzige Liebe zu ihren Nächsten bezieht sich bei diesen Männern auf einen kleinen Kreis vertrauter Leute, z.B. der eigenen Familie und maximal noch der eigenen Kirchengemeinde. Ihre „Nächstenliebe“ erstreckt sich weder auf ihre andersgläubigen, immigrantischen Nachbar*innen, noch auf Queers oder andere marginalisierte Menschen.
Überall dort, wo sich Menschen solidarisch und menschlich verhalten (wie z.B. im friedlichen Kampf und Protest gegen die Behörde ICE in Minnesota und weiteren Orten in USA zu sehen), wo sie ihre Nachbar*innen unterstützen, zeigen sie eine Form der bedingungslosen Nächstenliebe. Das mag christlich motiviert oder auch nicht, und man muss das auch nicht unbedingt mit diesem Begriff bezeichnen, wenn man das nicht möchte, aber darauf läuft es hinaus.
Und das ist wichtig. Ich zucke immer zusammen, wenn Politiker*innen von Liebe sprechen (und ich meine hier nicht die „Liebe zum Vaterland“), weil ich es schlichtweg nicht gewohnt bin, dass dieser Begriff in politischen Zusammenhängen genannt wird. Aber bedingungslose Nächstenliebe, Solidarität und Menschlichkeit sind genau das, was wir in diesen Zeiten mehr denn je brauchen.
Was viele Männer dagegen von klein auf gelernt haben: Wut ist in Ordnung. Wut sei eine „männliche“ Emotion. Das lernen viele Männer auch in wettbewerbsorientierten Sportarten, oder im Beruf, wenn dort eine aggressive Ellenbogenmentalität herrscht. Aber Wut kann konstruktiv oder destruktiv sein. Und bei zu vielen Männer schlägt die Wut (oder manchmal auch unterdrückte Angst oder eine innere Unsicherheit, oder eine Kombination aus all dem) irgendwann um in Hass. Hass auf Frauen. Hass auf die Regierung. Hass auf die eigene Familie. Hass auf alle, die anders sind als sie selbst. Und zu häufig fallen sie dabei auf destruktive Narrative herein, von rechten oder rechtsextremen Parteien, die genau all das befeuern. Und dieser Hass bereitet den Boden für all die menschenfeindlichen -ismen, die es gibt, wie Rassismus und Sexismus, Ableismus, Misogynie und Queerfeindlichkeit.
Vielleicht sollten wir den Begriff Liebe einfach etwas mehr normalisieren. Speziell im Hinblick darauf, dass es eben nicht nur romantische Liebe gibt, sondern auch eine unromantische, unsexuelle Liebe zu seinen Mitmenschen. Und ich wäre sehr dafür, dass nicht nur Frauen, Queers und FLINTA* diesen Begriff normalisieren, sondern auch Männer.
Und das geht aus meiner Sicht nur, wenn wir Jungen und amab (assigned male at birth) Personen so erziehen, dass sie alle ihre Gefühle fühlen und ausdrücken können, ohne sich fürchten zu müssen, dass sie dann abgewertet oder ausgelacht werden. Und was die erwachsenen Männer betrifft: Fangt bitte an, in euch hineinzuhorchen, wenn ihr das noch nicht getan habt. In euch ist ein ganzer Schatz an vielseitigen Emotionen, und ihr dürft sie alle fühlen. Ihr dürft sie auch benennen und euch mit euren Partner*innen oder Freund*innen darüber austauschen. Und wenn ihr schon mal darüber nachgedacht habt, eine Therapie zu machen, auch das ist ein Weg, sich seinen Emotionen zu nähern und diese zu reflektieren.
Übrigens: Wusstet ihr, wie hoch die Suizidrate bei Männern im Vergleich zu Frauen ist? Sehr viel höher (Fußnote 1). Und einer der traurigen Gründe dafür ist, dass viele der betroffenen Männer ihre Gefühle wegsperren, unterdrücken, in sich hineinfressen oder ähnliches, sich niemandem anvertrauen, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sehen.
Definitiv ein weiterer Grund, sich mit seinen Emotionen zu befassen.
Weiteres: Ein Reel von Interstellar Isabellar auf Instagram analysiert die Serie „Heated Rivalry“ und zeigt auf, wie politisch Liebe ist – und wie hier die zwei Protagonisten (über einen Zeitraum von mehreren Jahren!) lernen, mit ihrer Liebe umzugehen und füreinander da zu sein, aller Widrigkeiten zum Trotz. https://www.instagram.com/reel/DU8bBTtDfgf/
Ein empfehlenswertes Sachbuch: „Boys don’t cry – Identität, Gefühl und Männlichkeit“ von Jack Urwin, auf Deutsch erschienen in der Edition Nautilus
(Oder: Warum ich keine Arschloch-Protagonist*innen schreibe.)
Vera vom YouTube Kanal Council of Geeks hat kürzlich eine sehr positive Video-Review über „Heated Rivalry“ gemacht und darin gesagt: „There are no assholes in this story.“ Damit meinte sie, dass es in Heated Rivalry keine Figuren gibt, die ihre Love Interests schlecht behandeln oder sich diesen gegenüber wie Arschlöcher aufführen – weder Ilya, noch Shane, noch Scott oder Kip, auch Svetlana und Rose nicht.
Daraufhin habe ich reflektiert, wie ich Romance schreibe. Und ich kann sagen, bei mir gibt es auch keine Bad Boys, keine Arschlöcher, die ihre Partner*innen (oder potenzielle Partner*innen) mies behandeln. Ich könnte an solch einem Verhalten nichts, aber auch gar nichts Romantisches entdecken.
Stattdessen erleben meine Protagonist*innen innere Konflikte: Dani aus „Hexen in Hamburg: Verliebt“ und Francis aus „Francis und das Gasthaus der Geister“ haben soziale Ängste, was sich auch auf ihr Liebesleben auswirkt.
Esteban aus „Die Rolle seines Lebens“ und „An seiner Seite“ hat Depressionen und muss damit für sich und auch für seinen Freund einen Umgang finden.
Andere meiner Hauptfiguren sehen sich mit äußeren Konflikten konfrontiert: Jay und Nicholas aus „Frei und doch verbunden“ kämpfen um ihr Überleben, als sie auf einer abgelegenen Insel stranden.
Leroy und Clay aus „Love & Crime 101“ haben einige Struggles, die mit ihrem beruflichen Umfeld zusammenhängen.
Die nichtbinäre Person Ashley aus „Regency Park“ hat einen Stalker am Hals – der nicht Ashleys Love Interest ist.
In „Ein göttliches Paar“ hat eine der Hauptfiguren Konflikte mit ihrem Vater.
Der Vampir Richard und der Engel Turiel aus „Blutige Flügel“ müssen sich gegen Dämonen und ein Vampirjägerduo zur Wehr setzen, gegen Richards Schöpfer, aber auch Turiels Vorgesetze aus dem Himmel.
Grundsätzlich schreibe ich Hauptfiguren, die einander unterstützen, füreinander da sind, die einfühlsam mit ihrem Love Interest umgehen. Figuren, die sich bei Problemen nicht gegenseitig an die Gurgel gehen, sondern sich zusammenraufen, um die Probleme gemeinsam zu lösen.
Entsprechend sind meine Romances eher wholesome und ein weiterer Punkt, der mir wichtig ist: Konsens ist sexy.
In diesem Blogbeitrag schreibe ich abwechselnd von Frauen und FLINTA*-Personen. Am Ende des Beitrag findet ihr zahlreiche Fußnoten mit verlinkten Artikeln, Statistiken und einige Erläuterungen. Inhaltswarnungen: Erwähnung von: häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Femizid
Ich zähle zu den FLINTA* (Fußnote 1) Personen und streike am Montag, den 9. März 2026. Das ist der Tag nach dem feministischen Kampftag, der jedes Jahr am 8. März stattfindet.
Auf dem Papier sind Frauen in Deutschland gleichberechtigt mit (cis) Männern, aber die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
Immer noch gibt es den Gender Pay Gap. Und viele FLINTA* arbeiten lange in Teilzeit, um ihren Beruf und die Care-Arbeit für Kinder unter einen Hut zu bekommen. Entsprechend bekommen sie später geringere Renten, Altersarmut droht vielen. Noch stärker benachteiligt sind alleinerziehende Mütter.
Deutschland ist generell kein kinderfreundliches Land und viele Elternteile werden mit ihren Sorgen und Problemen ziemlich allein gelassen. (2) In diesem Zusammenhang weise ich auch auf die Probleme der Hebammen hin, mehr dazu in dem verlinkten Beitrag. (Fußnote 3). Zwar besteht in Deutschland ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, aber in der Realität sieht es oft anders aus.
Und auch in den Kitas selbst gibt es häufig Probleme, zum Beispiel durch Personalmangel und ungünstige Arbeitsbedingungen. (4)
Frauen, FLINTA* und Mädchen werden immer noch viel zu häufig Opfer von Kindesmissbrauch (5), häuslicher Gewalt (6), Vergewaltigungen und Femiziden (7). Auf der anderen Seite gibt es aber zu wenig Frauenhäuser (8 und 9) und andere schutzbietende Institutionen oder Angebote.
Die Frauenhauskoordinierung schreibt auf ihrer Webseite: „FHK setzt sich seit vielen Jahren für einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt ein. Damit wollen wir erreichen, dass Frauen und ihre Kinder adäquate Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt bekommen.“ (10)
Die Gleichberechtigung mag auf dem Papier stehen, aber in vielen Köpfen ist sie immer noch nicht angekommen, denn noch immer übernehmen viele Frauen in Familien fast die gesamte Care-Arbeit, unbezahlt: sie machen die Hausarbeit, kümmern sich um die Kindern, pflegen ältere oder erkrankte Angehörige.
Und von dem rechten Backlash, der Frauen wieder in einem völlig überholten Rollenbild sehen will (wie in den 1950ern, nach dem Motto der drei K: „Kirche, Küche, Kinder“) und dem „Trad Wives Trend“ fange ich jetzt lieber nicht an, sonst sitzen wir in einer Woche noch hier.
Außerdem ist es so, dass viele Männer sich quasi ihrer Männlichkeit beraubt fühlen, wenn ihre Partnerinnen oder Ehefrauen beruflich erfolgreicher sind als sie. Weil immer noch in den Köpfen das alte Bild vom männlichen Alleinverdiener, der seine Familie ernährt, vorhanden ist.
Darüber hinaus übernehmen viele Frauen und FLINTA* nicht nur den Mental Load, der mit all der unbezahlten Care-Arbeit einhergeht, sondern häufig auch noch Emotionsarbeit (11) für sich selbst und ihre (cis) männlichen Partner, Lebensgefährten oder Ehemänner. Das kann auf Dauer sehr belastend sein und auch zu Burn Out oder anderen psychischen Erkrankungen führen.
Außerdem sind Frauen und Mädchen im Vergleich zu Männern überproportional sexueller Belästigung ausgesetzt, offline und online. Sie bekommen es mit Hassrede und Trollen zu tun, pornografischen Deepfakes oder anderen Formen von sexueller Belästigung. Und auch hiermit werden die Betroffenen größtenteils allein gelassen, denn die aktuellen Gesetze in Deutschland bieten zu wenig Schutz vor all dem. (12)
Last but not least: Marginalisierte und mehrfach marginalisierte Frauen und FLINTA* haben es noch schwerer, da sie meistens in ihrem Alltag mehrfachen Belastungen und Diskriminierungen ausgesetzt sind: Behinderte, chronisch Kranke, Queers, Women of Colour, Frauen mit Migrationshintergrund, Geflüchtete, Neurodivergente, von Armut betroffene oder FLINTA* mit noch anderen Marginalisierungen. Deshalb muss ein Frauen* Streik immer intersektional gedacht werden und berücksichtigen, dass unterschiedliche Frauen und FLINTA* aufgrund ihrer Lebenssituation und ihren Voraussetzungen ganz verschiedene Erfahrungen mit Diskrimierungen, Gewalt und menschenverachtenden -ismen (z.B. Rassismus, Sexismus, Ableismus) machen.
Um es mal überspitzt zu formulieren: Mädchen, Frauen und FLINTA* haben in Deutschland keine Lobby, obwohl sie rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung bilden. Entsprechend werden ihre Bedürfnisse immer wieder übergangen, als „nicht wichtig“ betrachtet, und manche Leute glauben ernsthaft, Feminismus sei nun überholt, weil wir ja alle gleichberechtigt seien.
Es gibt also noch viel zu tun – insbesondere auch angesichts des rechten Backlashs weltweit, der bereits erreichte Rechte und gesellschaftliche Errungenschaften von Frauen und FLINTA* wieder zurückdrehen will. Man denke nur an die Gesetze zur Abtreibung in den USA (13).
Und um auf all das aufmerksam zu machen, habe ich diesen Blogbeitrag geschrieben und streike am 9. März 2026. Ich arbeite nicht, ich gehe nicht einkaufen, ich mache keine Care-Arbeit. Ich würde mich einer entsprechenden Demo anschließen, aber aus gesundheitlichen Gründen kann ich nicht gut an Demonstrationen teilnehmen.
Und wer nun denkt, so ein Streiktag würde doch gar nichts bringen, den lade ich ein, sich den historischen Frauenstreik in Island von 1975 (14) einmal genauer anzuschauen, der tatsächlich politische Veränderungen bewirkt hat. Und es war bei weitem nicht der einzige Generalstreik dieser Art, bereits davor und auch danach hat es in vielen Ländern vergleichbare Streiks gegeben, auch einen FrauenStreikTag in Deutschland. (15)
Es ist so, wie Hannah Arendt gesagt hat: „Dort, wo Frauen streiken, wird deutlich, dass Politik nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern überall, wo Menschen ihren Konsens zurückziehen.“
Mehr zu diesem Streik und entsprechenden Veranstaltungen in Deutschland erfahrt ihr hier, die Webseite ist in Deutsch und Englisch gehalten: https://enoughgenug.org/
Lesenswert: Wenn ihr auf Instagram seid, kann ich das Profil „Rising Gaze“ empfehlen, z.B. diese Beiträge: „6 Argumente gegen Feminismus – und wie du sie entkräften kannst“ https://www.instagram.com/p/DTBgACJCB8Q/
„Wie Männer unter dem Patriarchat leiden – Starre Geschlechterrollen sind für niemanden gut – auch nicht für diejenigen, die scheinbar davon profitieren“
Fußnoten: (1) FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Menschen. Der Genderstern steht außerdem für weitere Gender-Identitäten, die nicht cis männlich sind.
(11) Emotionsarbeit bedeutet, dass man die eigenen Emotionen, aber auch die einer Partnerperson quasi managt, zum Beispiel, um den „lieben Frieden“ in einer Beziehung zu wahren und Konflikte (oder gar Gewalt) zu vermeiden. Emotionsarbeit findet darüber hinaus auch in beruflichen Kontexten statt. Mehr Informationen darüber z.B. hier auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Emotional_labor
Fanart von mir zu „Heated Rivalry“ (Shane und Ilya)
Lesezeit: ca. 4 Minuten Disclaimer: Ich verwende hier größtenteils den Begriff „Frauen“, aber FLINTA* sind ebenfalls mitgemeint, bzw. afab (assigned female at birth) Personen.
Der unerwartete große Erfolg der TV-Serie „Heated Rivalry“ hat große und kleine Medien unter anderem zu der Frage veranlasst, warum die Serie und auch die Bücher von Rachel Reid, auf denen sie basiert, so beliebt bei Frauen sind – obwohl es hier um die Liebe zwischen Männern geht. Ich habe darauf mehrere interessante Antworten gefunden, mehr als in den vergangenen Jahren.
Um 2017 wollte mir die Idee für eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern in der Regency Ära nicht mehr aus dem Kopf gehen. Damals wurde mir auch langsam bewusst, dass es im Fanfiction Bereich viel MM Romance gibt und ich shippte Dean Winchester und Castiel aus „Supernatural“ (auch bekannt mit dem Shipping-Namen „Destiel“).
Aber ich fragte mich auch: Darf ich das überhaupt, eine MM Romance schreiben und veröffentlichen? Keine Fanfiction, sondern ein Buch, für das ich Geld verlange? Ich bin ja weder ein Mann, noch bin ich schwul. Oder anders ausgedrückt, ich bin nicht own voice. Aber dann wurde ich auf Facebook-Gruppen für queere Literatur aufmerksam und da wurde mir klar, es gibt zahlreiche Frauen (oder afab Personen), die MM Romance schreiben – und dafür auch ein begeistertes, größtenteils weibliches Publikum finden.
Und so habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und wenig später „Frei und doch verbunden“ veröffentlicht. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellte, denn das Buch kam gut an.
In den folgenden Jahren machte ich zahlreiche Erfahrungen, die mich nachdenklich machten. Ich hörte von Autorinnen, die offen von schwulen Männern angefeindet wurden, weil sie MM Romance schrieben. Ich erntete irritierte Blicke bis hin zu beleidigenden Kommentaren von manchen schwulen Männern, wenn ich erzählte, dass ich unter anderem auch MM Romance schrieb. Oft hörte ich den Vorwurf, Frauen, die MM Romance schreiben, würden einfach schwule (oder bi) Männer fetischisieren.
Ich las einige Erklärungen, warum manche Frauen MM Romance so sehr mögen. Allerdings blieb einiges davon („Zwei heiße Männer sind spannender als nur einer.“) eher an der Oberfläche. Und mir selbst wurde auch nicht so ganz klar, warum ich MM Romance so sehr mag.
Erst in den Diskursen um „Heated Rivalry“ habe ich kürzlich einige Erklärungen für das Phänomen gefunden, in denen ich mich selbst auch wiederfinde, als afab Person.
Hier ein Zitat (aus dem Englischen übersetzt): „Aber warum sind Millionen von Frauen so besessen von Geschichten über Männer, die sich ineinander verlieben? Warum scheint dies ein prägender Bestandteil weiblicher Fandoms zu sein? Warum hat sich dies als beliebte romantische Erkundung über Jahrzehnte, Genres und Fandoms hinweg gehalten? Die einfache Antwort, die schon tausendmal geschrieben wurde, lautet, dass MM Romances geschlechtsspezifische Machtverhältnisse aufheben. Ohne die Last sexueller Gewalt, männlicher Privilegien und der Erniedrigung, die oft damit einhergeht, wie Männer Frauen im Patriarchat behandeln, können (junge) Frauen endlich ohne Angst ihre Sehnsüchte erkunden. Sie nutzen MM als Experimentierfeld, um herauszufinden, wie Sehnsucht und Romantik aussehen könnten, wenn wir die spezifischen Dynamiken weglassen, die heterosexuelle Beziehungen im Patriarchat als erstickend, unsicher und deprimierend empfinden lassen, und gleichzeitig die Elemente beibehalten, die sie tatsächlich faszinierend finden: Intensität, Risiken, maskuline Ästhetik, Machtspiele. Oder sie erforschen ihre eigene queere Identität.“ (Quelle siehe Fußnote 1)
Weitere interessante Erklärungen findet ihr in den verlinkten (englischsprachigen) Artikeln, die sich alle mehr oder weniger auf „Heated Rivalry“ beziehen, aber auch darüber hinausgehen. Wenn ihr anderen dieses Phänomen erklären möchtet, oder wenn ihr selbst MM Romance lest oder schreibt und in eurem Umfeld auf Unverständnis stoßt, zeigt den betreffenden Leuten gern diesen Blogbeitrag oder die verlinkten Artikel.
Was mich betrifft, ich bin agender und auf dem asexuellen Spektrum. Mich mit MM Romance zu beschäftigen, ob lesend oder schreibend, bietet mir eine wohltuende Distanz zu mir, meinem Körper und auch manchen meiner Struggles.
Fußnote (1) Quelle: „Everyone Hates Fangirls (Until They’re Right) Slash fics, girl yearning, fangirl expertise, and all that we call culturally frivolous until it prints $125 million.“ von Rachel Issan Lowenstein, insgesamt ein lesenswerter Essay, wenn man sich für Fandoms, Fanfiction und auch aktuelle Buchtrends wie Romantasy interessiert. https://girlstudies.substack.com/p/everyone-hates-fangirls-until-theyre
Die bipolare Störung war früher bekannt als manisch-depressive Erkrankung, da Betroffene häufig entweder depressive oder manische Phasen erleben, sich also zwischen diesen zwei Polen bewegen.
Depressionen und ihre Symptome sind dank vielfacher Aufklärung mittlerweile recht bekannt, Manien allerdings weniger (oder sie werden in Geschichten teilweise verfälscht dargestellt, z.B. in reißerischen Thrillern).
Hier einige Symptome von Manien. (Disclaimer: Manien können sich je nach Individuum unterschiedlich äußern, jede Person ist einzigartig.)
In manischen Phasen neigen viele Betroffenen häufig zu einem völlig sorglosen Umgang mit Geld, z.B. tätigen sie größere Ausgaben, obwohl sie sich diese nicht leisten können. Viele neigen zur Selbstüberschätzung. Häufig fühlen sich Betroffene sehr energiegeladen, schlafen aber kaum, weil sie abends/nachts nicht zur Ruhe kommen. Manche werden sehr gereizt, fahrig oder nervös und/oder aggressiv. Die Libido verändert sich bei einigen. Manche nehmen alles intensiver wahr: Farben, Gerüche, Musik, Berührungen … Und ja, das kann sich anfühlen wie auf einem Drogentrip. Ich habe nie Drogen konsumiert, aber aus Erzählungen, Geschichten und Berichten weiß ich, wie sich ein Drogentrip anfühlen kann. Einige Betroffenen reden plötzlich wie ein Wasserfall, um all die vielen Gedanken und Ideen auszudrücken, die in solchen Phasen auf sie einströmen. Die Konzentrationsfähigkeit leidet.
Manches kann sogar positiv sein: Für kreativ tätige Menschen können manische oder hypomanische (1) Phasen starke kreative Schübe bringen. Ich selbst habe über die Jahre gelernt, hypomanische Phasen für meine Tätigkeiten zu nutzen und sie damit teilweise zu verarbeiten. Vielleicht ist es nicht verwunderlich, dass es im Laufe der Geschichte mehrere Kunstschaffende gegeben hat bzw. auch heute gibt, die die bipolare Störung haben/hatten, z.B. der Künstler Vincent van Gogh, die Musikerinnen Emilie Autumn und Mary Lambert.
Was ist der Fokus eures Aktivismus auf Instagram? 2. Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll? 3. Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen? 4. Habt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?
Was ist der Fokus eures Aktivismus?
Mir liegen Diversität, Queerfeminismus, Inklusion, Repräsentation von marginalisierten Menschen am Herzen, außerdem versuche ich marginalisierte Autor*innen zu unterstützen. Ein weiteres Thema: Ich bin gegen den Einsatz von generativer KI in der Kunst und zwar in allen Bereichen: Texte, Bilder, Videos, Musik… (siehe Fußnote 1)
Was wünscht ihr euch, das sich in der Buchbranche ändern soll?
Die Produktionsbedingungen. Dazu habe ich schon mehrfach geschrieben, siehe Fußnote 2 und 3. Vor allem marginalisierte Autor*innen werden strukturell auf dem Buchmarkt benachteiligt. Ich habe schon mal an anderer Stelle darüber geschrieben: Oft ist es so, dass marginalisierte Autor*innen gar nicht erst einen Fuß in die Tür von Verlagshäusern bekommen. Und wenn es ihnen doch gelingt, dann wird oft von ihnen erwartet, dass sie in erster Linie über ihre Marginalisierung und marginalisiertes Leid schreiben. Oder dass ihr Werk als Quelle von Inspiration Porn dient, z.B. wenn sie behindert sind. Oder aber ihnen wird gesagt, „Tut uns leid, wir haben hier schon eine Autorin mit deiner Marginalisierung und wir haben hier keinen Platz für eine zweite“.
Was können wir (Lesende und Arbeitende in der Buchwelt) tun, um diesem 2026 Ziel näher zu kommen?
Lesende: Liebe Booktoker, liebe Buchbloggende, schaut bitte mal abseits all der Hypes und der super populären Bücher. Traut euch an die Bücher von Kleinverlagen und von Selfpublisher*innen.
Schaut euch die Werke marginalisierter Autor*innen an. Und stöbert mal in den Backlists von Verlagen und Autor*innen – es muss nicht immer das neueste Buch sein, auch ältere Bücher können wahre Schätze sein.
Aktuell erinnert mich die Buchbubble sehr an Fast Fashion: Unmassen an Bücher werden gekauft, in kürzester Zeit konsumiert, dann aussortiert und zack, der nächste Buch-Haul und so geht es immer weiter, in einem irrsinnigen Tempo. Aber ihr müsst da nicht mitmachen.
Lasst euch Zeit beim Lesen. Es ist ein Hobby, kein Leistungssport. Anders ausgedrückt, ihr müsst nicht jährlich 100 Bücher oder mehr lesen, egal was andere Buchbloggende sagen.
Autor*innen: Unterstützt andere Autor*innen, vor allem marginalisierte: queere, People of Colour, neurodivergente, chronisch kranke, behinderte… Selbst wenn ihr deren Werke nicht (oder nicht alle) kennt, könnt ihr darauf hinweisen, denn es kann ja immer sein, dass andere Leute genau solche Werke suchen und mögen. Ihr könnt die Beiträge anderer Autor*innen z.B. auf Instagram reposten oder Storys machen.
„Say no to AI“: Wenn es euch möglich ist, nutzt Alternativen für KI-Bilder, z.B. indem ihr Illustrator*innen beauftragt, euch Charakterbilder zu zeichnen oder malen.
Aber es gibt auch viele kostenlose Alternativen zu KI Bildern (siehe Fußnote 4).
Kennt ihr sonstige interessante Projekte, die ihr empfehlen wollt?
Ein eigenes Projekt von mir auf Instagram ist der #DiversityDienstag, ohne vorgegebene Themen.
Jeden Dienstag schreibe ich zu einem Thema, das etwas mit Diversität zu tun hat. Teilweise geht es da auch um Bücher und den Buchmarkt oder um marginalisierte Autor*innen, aber auch um andere Themen.
Fußnoten: 1) siehe z.B. meinen Blogbeitrag „No to AI: Warum KI in der Kunst nichts verloren haben sollte“
Im Rahmen meiner Aktion #DiversityDienstag mache ich mir heute mal Gedanken über das Patriarchat. Ich verwende in diesem Blogbeitrag sowohl die Begriffe Frauen wie FLINTA*.
Es gibt zahlreiche Beispiele, wie das Patriarchat nicht-cis-männliche Menschen kontrolliert, hier geht es um einige Aspekte, die manchen vielleicht gar nicht so bewusst sind.
Kürzlich sah ich auf Instagram ein interessantes kurzes Reel von Andela Alexa, im Moment Magazin: „Kontrolle durch Dünnheitsideale“ https://www.instagram.com/p/DRtcL5HCJKB/ Andela sagte darin unter anderem, das Patriarchat liebe müde Frauen. Frauen, die beständig hungern – um abzunehmen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Auf diese Weise übt das Patriarchat Kontrolle aus, denn wer ständig hungrig und/oder müde sei, habe keine Kraft sich zu solidarisieren, keine Energie für Aktivismus.
Das hat mich nachdenklich gemacht und ich schließe hier einige Gedanken an.
Das Patriarchat hat schon immer Mittel und Wege gefunden, Frauen (oder afab Personen bzw. FLINTA* Personen) zu kontrollieren.
Ich habe mich durch meine schriftstellerische Tätigkeit und aus Interesse viel mit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Und damals wurden Frauen massivst kontrolliert. Sie mussten die Etikette ihrer Klasse beherrschen. In einigen höheren Klassen der Gesellschaft mussten sie sich mehrmals täglich umziehen, je nach Anlass, und das war zeitaufwändig. Sie mussten sich buchstäblich in enge Korsetts quetschen und trugen ausladende Reifröcke oder später Tournüren-Gestelle, die teilweise bei Bewegungen sehr hinderlich waren. Sie mussten im Damensattel reiten.
Heutzutage gibt es High Heels. Diese sexualisieren gewissermaßen den Gang einer Frau, da Bewegungen damit die Kurven des Körpers stärker betonen. Allerdings sind High Heels eine wacklige Angelegenheit, Jogging wäre damit kaum möglich. Wegrennen bei Gefahr wohl eher auch nicht. Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an die Reifröcke und andere Gestelle aus dem 19. Jahrhundert, die auch die Bewegungsfähigkeit einschränkten.
Frauen wurden gezwungen, unbezahlte Care-Arbeit zu machen, nach dem Motto der drei K – Kinder, Küche, Kirche. Später, als Ehen eher auf Liebesbeziehungen als auf gesellschaftlichen Arrangements basierten, wurde den Frauen diese Care-Arbeit vom Patriarchat als romantische Erfüllung verkauft. Und, da erzähle ich euch nichts Neues, es gibt rechtskonservative und rechtsextreme Menschen, die Frauen wieder vor allem dort, bei diesen drei K, sehen wollen.
Um das Schönheitsideal „schlank sein“ hat sich eine ganze Industrie gebildet, inklusive der Wellness- und Fitnessbranche. Beim Abnehmen geht es nicht immer um gesundheitliche Aspekte, denn leichtes Übergewicht ist meistens gesundheitlich unbedenklich. Viele Frauen, die abnehmen wollen, sind vor allem um ihr Aussehen besorgt. Tagtäglich sind FLINTA* also mit ihrem Aussehen beschäftigt, kaufen Produkte, quälen sich durch Fitnessprogramme etc. Und von Schönheitsoperationen fange ich jetzt gar nicht erst an.
Ein weiteres Schönheitsideal, das Andela Alexa ebenfalls anspricht, ist eine Verkindlichung der Frau. Ein Beispiel dafür: Abgesehen vom Kopfhaar und den Augenbrauen soll der Körper nach diesem Ideal haarlos sein, wie bei einem Kind. Was auch wieder viel Arbeit macht, durch Rasieren, Zupfen, Epilieren, Wachs … Auch dahinter vermute ich den Gedanken, dass ein kindlicher Mensch (bzw. ein Mensch, der so aussieht), leichter zu kontrollieren sei als eine erwachsene Frau. Entsprechend werden Frauen gern „klein“ gemacht.
Langes Haar, das bei vielen Frauen immer noch als Nonplusultra gilt, ist auch so ein Thema für sich. Langes Haar täglich zu stylen, das kann sehr zeitaufwändig sein.
Und wer nicht ohne Make-up das Haus verlässt, weil Schönheitsideale einreden, ohne Make-up sehe man hässlich aus, der schminkt sich dann natürlich täglich, und auch das kostet Zeit.
Apropos Schönheitsideale: Es gibt einen wachsenden Trend, dass selbst Frauen, die so um die 30 oder noch jünger sind, Schönheitsoperationen machen lassen. Das gilt natürlich vor allem für Celebritys, aber dieser Trend hat für einige andere Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen, eine (zweifelhafte) Vorbildfunktion. Früher war das eher etwas, das einige ältere Frauen machen ließen, aber neuerdings sind solche Prozeduren der neue Schönheitsstandard. Dazu hat z.B. Bryony Claire ein Video gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=U1e0DFYpegQ
Auch die konstante Beschäftigung mit den ständig wechselnden Moden (oder auch Fast Fashion) kann sehr viel Zeit, Energie und Geld kosten. Stattdessen könnten FLINTA* einen eher zeitlosen Look für sich claimen, so dass sie weniger abhängig von diesen ständigen Wechseln sind.
Ich denke, es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was es so alles an gesellschaftlichen Erwartungen an FLINTA*s gibt und wie sie das eigene Leben beeinflussen – vor allem jene, die entweder sehr zeitaufwändig sind, also viel Aufmerksamkeit und Energie binden. Und auch jene, die für Hindernisse im Alltag sorgen, z.B. weil sie Bewegungen einschränken (wie die High Heels).
Wenn ihr wirklich Freude habt an Looks, Styles, Outfits etc, wenn ihr das als kreativen Selbstausdruck erlebt, vielleicht auch als persönliches Empowerment, oder wenn das beruflich für euch eine wichtige Rolle spielt – go for it.
Aber wenn ihr all das eher als lästige Pflicht erlebt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Gesellschaft dies von euch erwartet … dann stellt euch doch mal vor, ihr steigt einfach aus, aus diesem patriarchalen Programm der Kontrolle, getarnt als Schönheitsideal, Wellness, Fitness, Romantik, Mode und und und. Wieviel Zeit und Energie hättet ihr dann für andere Aktivitäten?
In diesem Zusammenhang fand ich auch dieses Video von Marie Joan interessant: „DIE NEUE SKINNY ERA – von Bodypositivity zu Knochen ?!“ https://www.youtube.com/watch?v=_CuwoshXf40
Lesezeit: 1 Minute In Social Media wird recht oft dazu aufgerufen, queere oder anderweitig marginalisierte Autorys zu unterstützen, z.B. indem man ihre Bücher kauft oder darauf hinweist. Aber die Bücher, die dann empfohlen werden, sind praktisch immer dieselben von so ungefähr 5 bis 10 Autorys, zumindest habe ich das öfter so beobachtet.
Oftmals geht es um Bücher, die als besonders herausragend und lesenswert erachtet werden und/oder die für Preise nominiert wurden oder mit welchen ausgezeichnet wurden. Teilweise sind das auch englischsprachige Bücher oder Bücher aus großen Verlagen. Das ist natürlich einerseits sehr schön.
Andererseits entsteht für mich der Eindruck, als ob die Bücher marginalisierter Autor*innnen nur dann beachtenswert sind, wenn sie überdurchschnittlich gut sind.
Die eher durchschnittlich schreibenden Autorys, zu denen ich ebenfalls zähle, kommen bei solchen Empfehlungen nicht oder kaum vor. Gleiches gilt oft auch für Kleinverlage und marginalisierte Selfpublisherinnen. Deshalb: Wenn ihr Autorys unterstützen wollt, auch solche, die vielleicht nicht preisverdächtig schreiben: Traut euch auch an Bücher aus Kleinverlagen und an welche von Selfpublisherinnen.
Das alles erinnert mich übrigens schmerzhaft an etwas, das so einigen marginalisierten Autor*innen bekannt vorkommen dürfte: marginalisierten Leuten, z.B. mit Behinderungen, wird oft schon von Kindheit an vermittelt, dass sie immer mehr als 100 % geben müssten, dass sie besonders viel leisten müssten, um von der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden.
Aber nicht jeder marginalisierte Autorin ist ein literarisches Genie, um es mal überspitzt zu formulieren, oder schreibt preisverdächtig. Und das hängt natürlich auch teilweise mit der eigenen Lebenssituation, aber auch dem Buchmarkt und den Produktionsbedingungen zusammen, bei der marginalisierte Autorinnen oft strukturell benachteiligt werden.