Wie das Patriarchat Frauen und FLINTA* Personen kontrolliert

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Rahmen meiner Aktion #DiversityDienstag mache ich mir heute mal Gedanken über das Patriarchat. Ich verwende in diesem Blogbeitrag sowohl die Begriffe Frauen wie FLINTA*.

Es gibt zahlreiche Beispiele, wie das Patriarchat nicht-cis-männliche Menschen kontrolliert, hier geht es um einige Aspekte, die manchen vielleicht gar nicht so bewusst sind.

Kürzlich sah ich auf Instagram ein interessantes kurzes Reel von Andela Alexa, im Moment Magazin: „Kontrolle durch Dünnheitsideale“
https://www.instagram.com/p/DRtcL5HCJKB/
Andela sagte darin unter anderem, das Patriarchat liebe müde Frauen. Frauen, die beständig hungern – um abzunehmen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Auf diese Weise übt das Patriarchat Kontrolle aus, denn wer ständig hungrig und/oder müde sei, habe keine Kraft sich zu solidarisieren, keine Energie für Aktivismus.

Das hat mich nachdenklich gemacht und ich schließe hier einige Gedanken an.

Das Patriarchat hat schon immer Mittel und Wege gefunden, Frauen (oder afab Personen bzw. FLINTA* Personen) zu kontrollieren.

Ich habe mich durch meine schriftstellerische Tätigkeit und aus Interesse viel mit dem 19. Jahrhundert beschäftigt. Und damals wurden Frauen massivst kontrolliert. Sie mussten die Etikette ihrer Klasse beherrschen. In einigen höheren Klassen der Gesellschaft mussten sie sich mehrmals täglich umziehen, je nach Anlass, und das war zeitaufwändig. Sie mussten sich buchstäblich in enge Korsetts quetschen und trugen ausladende Reifröcke oder später Tournüren-Gestelle, die teilweise bei Bewegungen sehr hinderlich waren. Sie mussten im Damensattel reiten.

Heutzutage gibt es High Heels. Diese sexualisieren gewissermaßen den Gang einer Frau, da Bewegungen damit die Kurven des Körpers stärker betonen. Allerdings sind High Heels eine wacklige Angelegenheit, Jogging wäre damit kaum möglich. Wegrennen bei Gefahr wohl eher auch nicht. Woran erinnert mich das nur? Ach ja, an die Reifröcke und andere Gestelle aus dem 19. Jahrhundert, die auch die Bewegungsfähigkeit einschränkten.

Frauen wurden gezwungen, unbezahlte Care-Arbeit zu machen, nach dem Motto der drei K – Kinder, Küche, Kirche. Später, als Ehen eher auf Liebesbeziehungen als auf gesellschaftlichen Arrangements basierten, wurde den Frauen diese Care-Arbeit vom Patriarchat als romantische Erfüllung verkauft. Und, da erzähle ich euch nichts Neues, es gibt rechtskonservative und rechtsextreme Menschen, die Frauen wieder vor allem dort, bei diesen drei K, sehen wollen.

Um das Schönheitsideal „schlank sein“ hat sich eine ganze Industrie gebildet, inklusive der Wellness- und Fitnessbranche. Beim Abnehmen geht es nicht immer um gesundheitliche Aspekte, denn leichtes Übergewicht ist meistens gesundheitlich unbedenklich. Viele Frauen, die abnehmen wollen, sind vor allem um ihr Aussehen besorgt. Tagtäglich sind FLINTA* also mit ihrem Aussehen beschäftigt, kaufen Produkte, quälen sich durch Fitnessprogramme etc. Und von Schönheitsoperationen fange ich jetzt gar nicht erst an.

Ein weiteres Schönheitsideal, das Andela Alexa ebenfalls anspricht, ist eine Verkindlichung der Frau. Ein Beispiel dafür: Abgesehen vom Kopfhaar und den Augenbrauen soll der Körper nach diesem Ideal haarlos sein, wie bei einem Kind. Was auch wieder viel Arbeit macht, durch Rasieren, Zupfen, Epilieren, Wachs … Auch dahinter vermute ich den Gedanken, dass ein kindlicher Mensch (bzw. ein Mensch, der so aussieht), leichter zu kontrollieren sei als eine erwachsene Frau. Entsprechend werden Frauen gern „klein“ gemacht.

Langes Haar, das bei vielen Frauen immer noch als Nonplusultra gilt, ist auch so ein Thema für sich. Langes Haar täglich zu stylen, das kann sehr zeitaufwändig sein.

Und wer nicht ohne Make-up das Haus verlässt, weil Schönheitsideale einreden, ohne Make-up sehe man hässlich aus, der schminkt sich dann natürlich täglich, und auch das kostet Zeit.

Apropos Schönheitsideale: Es gibt einen wachsenden Trend, dass selbst Frauen, die so um die 30 oder noch jünger sind, Schönheitsoperationen machen lassen. Das gilt natürlich vor allem für Celebritys, aber dieser Trend hat für einige andere Frauen, die nicht im Rampenlicht stehen, eine (zweifelhafte) Vorbildfunktion. Früher war das eher etwas, das einige ältere Frauen machen ließen, aber neuerdings sind solche Prozeduren der neue Schönheitsstandard. Dazu hat z.B. Bryony Claire ein Video gemacht:
https://www.youtube.com/watch?v=U1e0DFYpegQ

Auch die konstante Beschäftigung mit den ständig wechselnden Moden (oder auch Fast Fashion) kann sehr viel Zeit, Energie und Geld kosten. Stattdessen könnten FLINTA* einen eher zeitlosen Look für sich claimen, so dass sie weniger abhängig von diesen ständigen Wechseln sind.

Ich denke, es lohnt sich, einmal genauer zu schauen, was es so alles an gesellschaftlichen Erwartungen an FLINTA*s gibt und wie sie das eigene Leben beeinflussen – vor allem jene, die entweder sehr zeitaufwändig sind, also viel Aufmerksamkeit und Energie binden. Und auch jene, die für Hindernisse im Alltag sorgen, z.B. weil sie Bewegungen einschränken (wie die High Heels).

Wenn ihr wirklich Freude habt an Looks, Styles, Outfits etc, wenn ihr das als kreativen Selbstausdruck erlebt, vielleicht auch als persönliches Empowerment, oder wenn das beruflich für euch eine wichtige Rolle spielt – go for it.

Aber wenn ihr all das eher als lästige Pflicht erlebt, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass die Gesellschaft dies von euch erwartet … dann stellt euch doch mal vor, ihr steigt einfach aus, aus diesem patriarchalen Programm der Kontrolle, getarnt als Schönheitsideal, Wellness, Fitness, Romantik, Mode und und und. Wieviel Zeit und Energie hättet ihr dann für andere Aktivitäten?

#DiversityDienstag: Support für marginalisierte Autor_innen… die nicht preisverdächtige Literatur schreiben

Lesezeit: 1 Minute
In Social Media wird recht oft dazu aufgerufen, queere oder anderweitig margi­nalisierte Autorys zu unterstützen, z.B. indem man ihre Bücher kauft oder darauf hinweist. Aber die Bücher, die dann empfoh­len werden, sind praktisch immer dieselben von so ungefähr 5 bis 10 Autorys, zumindest habe ich das öfter so beobachtet.

Oftmals geht es um Bücher, die als besonders herausragend und lesenswert erachtet werden und/oder die für Preise nomi­niert wurden oder mit welchen ausgezeichnet wurden. Teilwei­se sind das auch englischsprachige Bücher oder Bücher aus großen Verlagen. Das ist natürlich einerseits sehr schön.

Andererseits entsteht für mich der Eindruck, als ob die Bücher marginalisierter Autor*innnen nur dann beachtenswert sind, wenn sie überdurchschnittlich gut sind.

Die eher durch­schnittlich schreibenden Autorys, zu denen ich ebenfalls zähle, kommen bei solchen Empfehlungen nicht oder kaum vor. Gleiches gilt oft auch für Kleinverlage und marginalisierte Selfpublisherinnen. Deshalb: Wenn ihr Autorys unterstützen wollt, auch solche, die vielleicht nicht preisverdächtig schreiben: Traut euch auch an Bücher aus Kleinverlagen und an welche von Selfpublisherinnen.

Das alles erinnert mich übrigens schmerzhaft an etwas, das so einigen marginalisierten Autor*innen bekannt vorkommen dürfte: marginalisierten Leuten, z.B. mit Behinderungen, wird oft schon von Kindheit an vermittelt, dass sie immer mehr als 100 % geben müssten, dass sie besonders viel leisten müssten, um von der Mehrheitsgesellschaft anerkannt zu werden.

Aber nicht jeder marginalisierte Autorin ist ein literarisches Genie, um es mal überspitzt zu formulieren, oder schreibt preisverdächtig. Und das hängt natürlich auch teilweise mit der eigenen Lebenssituation, aber auch dem Buchmarkt und den Produktionsbedingungen zusammen, bei der marginalisierte Autorinnen oft strukturell benachteiligt werden.

Biphobie und Bi-Erasure in der deutschsprachigen queeren Buchbubble

Lesezeit: ca. 8 Minuten.

Ich schreibe diesen Beitrag aus Sicht einer agender Person, die afab (assigned female at birth) ist, außerdem panromantisch und grauasexuell. Ich bin damit auf dem bi Spektrum und habe mich auch mit Diskursen um Bisexualität/Biromantik beschäftigt.

(Meine Unterscheidung in Romantik und Sexualität kommt durch das Split Attraction Model (SAM, das wird z.B. hier auf Deutsch erklärt: https://lgbt.fandom.com/de/wiki/Split_Attraction_Model)

Zunächst einmal:

Was ist Biphobie, oder Bifeindlichkeit?
Das ist eine Diskriminierung und Abwertung von bi Menschen, die oft leider auch innerhalb der queeren Community stattfindet. Aber auch außerhalb davon; für viele hetero Menschen sind bi Menschen nicht „straight“ genug, für manche queere Menschen sind sie „nicht queer genug“.

Was ist Bi Erasure?
Das Unsichtbarmachen von Bisexualität und Biromantik, z.B. weil Figuren in Romanen oder Filmen sich quasi „entscheiden”, ob sie schwul oder hetero sind, während die Möglichkeit von Bisexualität noch nicht mal erwähnt wird. Teilweise wird auch ganz real immer noch angezweifelt von manchen, ob Bisexualität überhaupt existiert, oder ob es nur eine Phase sei.

Beides ist sehr schädlich für Betroffene, da ihre sexuelle und/oder romantische Orientierung ständig abgewertet, geleugnet, kleingeredet oder ins Lächerliche gezogen wird.

Nicht queer genug?
In einer queeren Büchergruppe auf Facebook kam jüngst eine Diskussion zu einem Buch auf, in dem der bisexuelle Protagonist eine Beziehung mit einer Frau eingeht. Einige Personen waren der Ansicht, eine solche Beziehung sei „nicht queer genug“, daher würde das Buch nicht in die queere Büchergruppe passen.

Hier zum Mitschreiben:
Ein bisexueller Mensch wird nicht heterosexuell, nur weil er eine Beziehung mit einer Person eines anderes Geschlechts eingeht und mit dieser Sex hat. Bisexualität ist eine valide sexuelle Orientierung und nicht einfach nur eine Phase. Merkt euch das bitte, wenn es euch noch nicht klar war.

Klar, wenn Leser*innen nun sagen, wie es in der Gruppe der Fall war, sie wollen ausschließlich MM Romance oder FF Romance (oder MMM, FFF) lesen, werden sie sich nicht auf eine MF Romance einlassen – auch nicht, wenn eine der Figuren oder beide queer sind. Das mag viele Gründe haben und es ist zwar aus meiner Sicht schade, aber natürlich eine individuelle Entscheidung und das ist okay.

Aber zu sagen, bi oder pan Menschen oder fiktive Figuren, die eine Beziehung mit einem anderen Geschlecht eingehen, seien „nicht queer genug“ – das ist wie ein Schlag in den Magen für bi oder pan Menschen, die sich ständig mit solchen abwertenden Bemerkungen und Vorurteilen herumschlagen müssen. Das wurde auch in der genannten Diskussion von verschiedenen Leuten angesprochen.

Die betroffene Autorin, Svea Lundberg, hat nun in einem Instagram-Reel ein hörenswertes Statement zu dieser Angelegenheit gemacht. Hört es euch an, falls ihr Instagram nutzt: https://www.instagram.com/p/DSKLCwdDCDl/

Kommen wir zu einem anderen Thema.
Es ist seit Jahren ein Phänomen in der queeren Buchbubble, dass nicht nur schwule Personen, sondern auch viele queere und heterosexuelle Frauen MM Romance schreiben, für schwule Leute, aber auch für andere Frauen. Und da habe ich immer wieder beobachtet, dass manche Leserinnen Frauenfiguren in solchen Romanen häufig ablehnen. Weil diese natürlich von den männlichen Figuren ablenken. Oder auch, weil sie von den Autorinnen von vornherein negativ dargestellt werden, z.B. als Frau, die dem männlichen Protagonisten schöne Augen macht, was dieser aber einfach nur nervig findet, weil er nun mal schwul ist. Die weibliche Figur, die ihm Avancen macht, steht ihm also gewissermaßen als ärgerliches Hindernis im Weg. Andere „nervige“ Frauenfiguren treten oft ebenfalls auf, z.B. die queerfeindliche Mutter, die überfürsorgliche Schwester oder andere weibliche Verwandte, die beste Freundin, die zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ist, die neugierige, tratschende Nachbarin, die eiskalte Vorgesetzte, oder Ähnliches.

Und in diesem Zusammenhang müssen wir über internalisierte Misogynie sprechen.
Das bezeichnet den Umstand, dass manche Frauen die in unserer Gesellschaft stark verbreitete Misogynie so sehr unbewusst verinnerlicht haben, dass sie nicht solidarisch mit anderen Frauen sind, sondern andere Frauen eher ablehnen, z.B. als potenzielle Rivalinnen betrachten. Noch mal zur Betonung, die internalisierte Misogynie ist den Betroffenen dabei häufig gar nicht bewusst.

Entsprechend werden solche Frauen leider auch weibliche Figuren in der Fiktion eher in einem negativen Licht sehen oder von vornherein ausschließen, Geschichten zu lesen, in denen Frauenfiguren eine wichtige Rolle spielen. Ganz insbesondere MF Romances, denn hier würde die Protagonistin wohl auch eher unbewusst als unerwünschte „Rivalin“ betrachtet werden (obwohl es sich ja um eine fiktive Figur handelt).

Zurück zum Thema Bisexualität und Vorurteilen über bi Menschen.
Hier sind noch mehr und alle davon sind einfach nur falsch. (Das wird nun etwas länger.)

Den folgenden Text habe ich übersetzt aus einem englischsprachigen Artikel von 2011, von Angela Dallara bei GLAAD: „Celebrate Bisexuality! GLAAD Dispels Common Myths and Stereotypes“, der allerdings nicht mehr online ist. Ich hatte mir den gesamten Text abgespeichert. Entsprechend handelt es sich um ein längeres Zitat.

„Vorurteil: „Alle Frauen sind bisexuell.“ oder „Es gibt keine bisexuellen Männer.“

Richtig ist: Eine pauschale Verallgemeinerung über die sexuelle Orientierung eines ganzen Geschlechts ist unverantwortlich, da sie die individuellen Erfahrungen und die Selbstidentität jeder Person in dieser Kategorie außer Acht lässt. Beispielsweise fühlen sich manche Frauen ausschließlich zu Männern hingezogen, manche fühlen sich romantisch, aber nicht sexuell zu anderen Frauen hingezogen, und manche fühlen sich gleichermaßen zu Frauen und Männern hingezogen. Ebenso fühlen sich manche Männer ausschließlich zu Frauen hingezogen, manche fühlen sich romantisch, aber nicht sexuell zu anderen Männern hingezogen, und manche fühlen sich gleichermaßen zu beiden Geschlechtern hingezogen. Die Behauptung, dass die sexuelle Orientierung einer Person nicht existiert, macht diese Person unsichtbar. Die romantischen Neigungen und Identitäten jedes Menschen sind einzigartig und wertvoll und verdienen Respekt.
(Denkt daran, dass diese beiden Stereotypen Hand in Hand gehen, um starre und schädliche Geschlechternormen durchzusetzen. Sie ähneln Vorstellungen wie „alle Frauen sind fürsorglich” und „alle Männer sind maskulin”, die nur dazu dienen, Menschen zu schaden, die nicht in diese Kategorien passen oder diese Eigenschaften nicht haben.)

Vorurteil: „Man ist nicht bisexuell, wenn man nicht mindestens eine Beziehung mit einem Mann und einer Frau hatte.“

Richtig ist: Viele Menschen wissen schon vor ihrer ersten Beziehung, dass sie bisexuell sind, genauso wie viele Menschen schon in jungen Jahren wissen, dass sie schwul oder heterosexuell sind. Es ist nicht notwendig, romantische Erfahrungen mit beiden Geschlechtern oder einem der beiden Geschlechter zu haben, bevor man sich als bisexuell identifiziert. Außerdem ändert sich die sexuelle Orientierung einer bisexuellen Person nicht, wenn sie heiratet.

Vorurteil: „Man ist nicht bisexuell, wenn man sich nicht zu gleichen Teilen zu Frauen und Männern hingezogen fühlt.“

Richtig ist: Manche bisexuelle Menschen fühlen sich überwiegend zu Männern hingezogen und gelegentlich zu Frauen. Manche bisexuelle Menschen fühlen sich überwiegend zu Frauen hingezogen und gelegentlich zu Männern. Manche bevorzugen es, genderqueere oder nichtbinäre Personen zu daten. Das Spektrum bisexueller Menschen umfasst alle möglichen individuellen Vorlieben. Das Einzige, was bisexuelle Menschen gemeinsam haben, ist, dass sie sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen.

Vorurteil: „Bisexuelle müssen in einer Dreiecksbeziehung mit einem Mann und einer Frau sein, anders können sie nicht glücklich werden.“ oder auch „Bisexuelle sind promiskuitiv, polyam und/oder unmoralisch.“

Richtig ist: Viele Bisexuelle leben in liebevollen, festen, monogamen Beziehungen mit einer Person. Viele bisexuelle Menschen heiraten schließlich. Bisexuelle Menschen neigen nicht eher dazu, mehrere Beziehungen gleichzeitig zu führen als heterosexuelle oder homosexuelle Menschen. Bisexuelle Menschen sind nicht unmoralisch, betrügerisch oder weniger sicher als Menschen anderer Orientierungen. Bisexuell zu sein hat damit zu tun, zu wem sich eine Person hingezogen fühlt, aber nichts damit, welche Art von Beziehungen sie bevorzugt.

Vorurteil: „Bisexuelle sind transfeindlich.“ oder „Das Wort Bisexualität ist transfeindlich“

Richtig ist: Bisexuelle Menschen diskriminieren trans Menschen nicht häufiger als heterosexuelle oder homosexuelle Menschen dies tun. Viele bisexuelle Menschen sind starke Verbündete von trans Personen, da sie Gemeinsamkeiten zwischen der Fluidität der sexuellen Orientierung und der Fluidität des Geschlechts sehen. Viele bisexuelle Menschen sind trans und viele gehen mit trans Personen aus. Das Wort „bisexuell“ bezieht sich einfach auf Menschen, die nicht monosexuell sind: Sie fühlen sich nicht ausschließlich zum anderen Geschlecht hingezogen und sie fühlen sich nicht ausschließlich zum eigenen Geschlecht hingezogen.

Vorurteil: „Bisexuelle werden nicht so diskriminiert wie schwule Männer oder lesbische Frauen, da sie ein heterosexuelles Privileg haben, als halb-heterosexuell.“

Richtig ist: Bisexuelle haben Schwierigkeiten sichtbar zu sein, sowohl in der heterosexuellen als auch in der homosexuellen Community. Bisexuelle sind oft sowohl der Diskriminierung ausgesetzt, der schwule Männer und Lesben ausgesetzt sind, als auch der Diskriminierung, die auf Biphobie beruht. Bisexuelle versuchen nicht mehr als schwule Männer oder Lesben, ihre Identität unter dem Deckmantel der Heterosexualität zu verbergen.“

(Ende des übersetzten Zitats)

Abschließend möchte ich gern sagen:
Bitte fallt nicht auf diese Vorurteile herein. Und sprecht bitte weder Menschen noch fiktiven Figuren ihre Queerness ab. Und falls ihr Frauen seid, die gern MM Romance lesen – überlegt doch mal bitte, wie ihr Frauenfiguren in diesen Romances gegenübersteht – und wie ihr mit anderen, ganz realen Frauen umgeht. Gleiches gilt ähnlich auch für Autorinnen: Überlegt doch bitte mal, wie stellt ihr die Frauenfiguren in euren MM Romances dar?
Und darüber hinaus wünsche ich mir mehr Offenheit und Neugier. Auch hinsichtlich Bi Romances mit Paaren, die nicht gleichgeschlechtlich sind.

Deutschsprachige Phantastik ohne Romance und Spice, von FLINTA* Autor*innen

Romantasy ist überall, aber was ist eigentlich mit deutschsprachiger Phantastik ohne Romance und Spice? Oder nur mit ganz wenig Romance, in Nebenhandlungen? Darum ging es kürzlich auf Bookstagram. Ich tauschte mich mit einigen Leuten aus, fragte nach Empfehlungen, aber nicht für die „üblichen Verdächtigen“ – sehr erfolgreiche cis-männliche Autoren. Stattdessen fragte ich nach FLINTA* Autor*innen, die entsprechende Bücher veröffentlicht haben.
Ich habe in diesem Beitrag rund 30 Bücher und Buchreihen ganz ohne Spice und Romance gesammelt, sowie einige, die einen geringen Romance- oder Spice-Anteil haben (als Nebenhandlung, Subplot).
Bitte beachten: Bis auf einige habe ich nicht alle diese Bücher selbst gelesen. Schaut sie euch näher an, wenn ihr mögt, bildet euch gern selbst eine Meinung darüber.
Ich habe nicht alle Buchcover herausgesucht, sondern eine zufällige Auswahl getroffen, die keine Wertung darstellt. Die Webseiten oder Instagram-Profile der Autor*innen sind ebenfalls verlinkt, sofern es mir möglich war.

Patricia Eckermann: „Elektro Krause“ (Urban Fantasy)

Roxane Bicker: In den Buchreihen „Herren des Schakals“ und „Gezeitenwechsel“ gibt es queere romantische Subplots, aber keinerlei Spice.

Iva Moor: „Die Alchemie des Träumens“ (Dark Fantasy) und „Liminal Creatures“ (Dark Fantasy), letzteres enthält Spice mit Succubi-Figuren, aber keine Romance.
https://ivamoor.carrd.co

Lena Richter: „Dies ist mein letztes Lied“ (Science-Fiction)

https://lenarichter.com/veroeffentlichungen-2/dies-ist-mein-letztes-lied/

Melanie Vogltanz: „Wolfswille“ (1. Band der Reihe „Weißer Wolf“) und „Road to Ombos“

Freya Peterson: “Die Mutter der Masken” von Freya Petersen
(Sci-Fi Fantasy mit sehr wenig Romance)
https://linktr.ee/petersenfreya

Saskia Dreßler: Sternenleuchten (Fantasy-Novelle)
https://saskiadressler.com/novellen/

Kathrin Tordasi: „Nightowls. Boten der Dämmerung“ (Urban Fantasy)
https://kathrintordasi.de/meine-buecher-kathrin-tordasi/

Sophie Grossalber: „Blut und Dunkelheit“ (Fantasy-Novelle)

Lumen Milites: „Remoire – Echos der Vergessenen“ (Dark und High Fantasy), ganz ohne Romance, der erste Band einer Dilogie.
https://www.alealibris.de/produkt/remoire-echos-der-vergessenen-lumen-milites/

Evelyne Aschwanden: „Die Diebe von Alderport“ (Fantasy, viktorianisch inspiriert)
https://www.evelyneaschwanden.ch/die-diebe-von-alderport

Noah Stoffers: „A Midsummer’s Nightmare“ (Urban Fantasy, Dark Academia)
mit einem Romance-Subplot, der nicht im Fokus steht.
https://wonderl.ink/@noahstoffers

Tessa Maelle: „Der Riss im Traumnetz“ (High Fantasy)
https://www.instagram.com/tessa.maelle

C. I. Ryze (Christine Ina Ryze): „Spirits of Violence“ (Science Fiction Fantasy, Einzelband) „Splitter der Unendlichkeit“ (Fantasy mit Drachen, Trilogie)
https://www.ciryze.de/buecher

Jamie Enderlein: „Schmiedefeuer“ Trilogie (High Fantasy)
https://www.jamie-enderlein.com/linktree

Desiderius M. Rainbow: Buchreihe „Mânil“ (Academy Fantasy/ Contemporary-Fantasy/ Low Fantasy)
https://desideriusrainbow.jimdofree.com


Katja Jansen: „Nach dem Reset“ (dystopische Fantasy mit SciFi Elementen) und „Schatten über Yagrolor“ (Portalfantasy), beides Einzelbände.

Dee van Lux: „Das Erbe von Elvendahl“ (Buchreihe, Dark High Fantasy)
https://www.instagram.com/deevanlux/

Nadja Fischlin: „Jawra“ (Buchreihe)
https://www.novumverlag.com/onlineshop/belletristik/science-fiction-fantasy/jawra.html

I.R. Leys: „Chroniken der Gefallenen“ (Buchreihe, Dark Fantasy)
https://wonderl.ink/@irleys

Alessandra Reß: „Spielende Götter“ (GameLit), „Die Türme von Eden“ (Space Fantasy), „Sommerlande“ (High Fantasy) und „Liminale Personae“ (Postapokalypse)
https://www.instagram.com/fragmentansichten/

Dorothee Zürcher: „Der schwarze Garten“ (Urban Fantasy)
https://www.dorothe-zürcher.ch

Myra Çakan: „Hier kommt die Flut – When The Music’s Over“ (Science Fiction)

Ria Winter: „Sonnenerben“ (Urban Fantasy, Einzelband), die Protagonistin ist aro-ace.
https://riawinter.de/sonnenerben/

Amrei Lafort: „Weitezeit“ (Fantasy, ab 12 Jahre, All Age)
https://www.instagram.com/lyrik.a.l/


Ein passendes Buch von mir: „Vanfarin – Von Untoten und Totems“ (High Fantasy, Einzelband), komplett ohne Romance und Spice.

Mini-Vorschau auf 2026
Saskia Diepold: „Und in mir die Nacht“ (erscheint im März 2026)
https://www.instagram.com/frl.chaos/

Von mir erscheint:„Hexen in Hamburg: Vergoldet“ (im Juni 2026), mit einem aromantischen Protagonisten. Keine Romance, kein Spice. Das ist Band 4 dieser Urban-Fantasy-Reihe.

Dear Straights, Queer your Relationships

Reading time: ca. 8 minutes.
German version of this: https://amalia-zeichnerin.net/liebe-straights-queert-eure-beziehungen/
This article is primarily aimed at cisgender heterosexual, heteroromantic, allosexual people. To simplify, I will use the English term ‘straight’ almost throughout, including as a noun. And don’t worry, I know you’re not queer, you’re straight and will of course remain so. But there are some things you might want to learn from queers and other people. That’s what this post is about.

What can you learn from queers?
Question your role models. This affects so many aspects of life that I could write a long blog post about it alone. I’ll try to keep it relatively short.
The nuclear family: mother, father, child(ren). Who does the care work and how? What about paid work? Traditional role models still see the father as the main breadwinner, with the mother often working part-time to have more time for the household and the children.
The old model of ‘father earns the money, mother does all the care work at home’ has now become obsolete, as the economic situation, high rents and other problems often force both parents to work full-time in order to earn enough money for the family.
Some heterosexual men find it very difficult to cope when their wives earn more than they do and have successful careers. This is because, according to old ideas, men are supposed to be the main breadwinners.
Queer people question such role models and make their own rules, including in their relationships and families. There is a lot of negotiation and discussion. This also applies to intimacy, more on which in the next section. It focuses on the BDSM community, but of course there are also many queer people in this community.

When I announced this blog post on Fediverse, a queer person commented, and I may quote ve:
„I experience pregnancy, birth and parenthood as extremely gendered and overloaded with cisheteronormative expectations. You have to queer against that.
(Ravna Marin Siever says that sier are “feminised and mothered” in this context, which I find very apt).“


Straight mothers and fathers are also subject to many heteronormative expectations in our society, including, for example, when it comes to raising their children. Question this. Men don’t always have to be “strong”. You are allowed to show vulnerability and be caring, you are allowed to show ‘feminine’ feelings, even towards your children. And as a woman, you are also allowed to be angry or annoyed, you are allowed to show your manual skills, even if manual work is considered typically ‘masculine’ – and you don’t have to take on all the care work and mental load alone. Share this with your partner. These are just a few examples, but I hope they give you some food for thought.

But even people who don’t have a family and don’t want to start one can learn a lot from queer people. Because there are many queer people who also don’t want to start a family and who have other priorities in their lives, e.g. their friendships. More on this below.

What can you learn from the BDSM community?

Even if you are completely ‘vanilla’, i.e. have no inclination towards BDSM practices, you can learn a lot from the relevant community.
In straight relationships, there is often the idea that PiV(1) sex is the ultimate goal and must always end with an orgasm, otherwise it is considered to be bad sex. This creates a lot of pressure and often straight couples talk little to each other before, during or after sex.
In the BDSM community, on the other hand, there is a lot of negotiation and consent, with safe words, and experimentation. There are also ‘non-consensual’ practices, but these are also discussed beforehand. And there is ‘aftercare’, which means, among other things, that after sex or BDSM play, you are there for each other, talking about your experiences, perceptions and feelings.
Talk to each other. Before sex. During and after. Negotiate. Say what you like and what you don’t like. Say an enthusiastic yes or a clear no, depending on the situation and your needs and desires. Sounds unromantic? Not sexy? I once saw in a video by Council of Geeks that such statements can actually be very sensual. In the YouTube video, Vera Wylde says something similar in a very sensual way, by way of illustration.

What can you learn from the community that is on the asexual and/or aromantic spectrum?

Friendships are just as important as other relationships. Yes, really. Often, straight people have this idea of a hierarchy where romantic relationships are the ultimate goal and stand above all other relationships, including friendships.
However, this can be fatal, e.g. if a romantic relationship doesn’t last, but you have completely neglected your circle of friends during the relationship or only had mutual friends, some of whom then break away or take sides. Maybe you don’t have ‘the one best’ friend, but nurture your friendships. This may mean investing some time, perhaps even offering support when your friends need help with something. But ideally, friendships are a mutual give and take.

And in this context:

Queer your friendships

Friendships are as diverse as the people who form them. Break away from traditional ideas of what a friendship should look like. Be bold. Make your own rules.

Leanne Yau wrote on Instagram (my translation):
„Polyamory allows me to have deeper relationships with my partners, but unexpectedly, it has also led me to have deeper relationships with my friends. Since I have no restrictions on how I can show affection to non-romantic friends, it gives me the freedom to express platonic love however I want.“

Here are a few examples: Do you want to cuddle on the sofa with your friend, even though you have no romantic or sexual feelings for them? If your friend want to as well, go for it. (And if they don’t, accept that.)
You and your friends want to have a candlelit dinner in a restaurant that is considered very romantic, but just in a platonic way? Why not?
You want to go on holiday together and share a room, a tent or other accommodation? What’s wrong with that?

In the film ‘When Harry Met Sally’, Harry says something along the lines of: ‘Men and women can’t be friends – eventually sex gets in the way.’
However, this is not true, because it would mean that people on the bi spectrum cannot have platonic friends.

And I would like to say that cis heterosexual men and cis heterosexual women can also just be friends. Let go of the idea that such a friendship must necessarily end in a romantic and/or sexual relationship.

What can you learn from the polyamorous community?

One basis of polyamory is the consent of all involved. That means a lot of relationship work from everyone and open, honest conversations. About your own desires and needs. Negotiating compromises. About your own boundaries. About jealousy and how to deal with it constructively. Also, conversations about how to support each other in relationships. And last but not least, organisational matters such as scheduling joint meetings, going out, excursions, care work and more.
I am not alone in my opinion that such intensive relationship work with open, honest conversations can be very enriching for many straight people as well. Perhaps it can even save a relationship.

There are many different types of attraction

This is also something you can learn from the community of people on the asexual and aromantic spectrum. On the one hand, there is the Split Attraction Model (SAM). This states that the romantic orientation and the sexual (or other forms of) orientation of a person can be different.
A personal example: I am panromantic. This means that I can feel romantic attraction to people regardless of their gender. And I am grey-asexual. Roughly speaking, this means that I rarely or never feel sexual attraction. I am also aegosexual, which is explained here, for example:
https://orientation.fandom.com/wiki/Aegosexual

Accordingly, a person who has always identified as hetero may find that they are heteroromantic but have a different form of sexual orientation, or vice versa, that they are heterosexual but have a different form of romantic orientation. But of course, there are also heterosexual-heteroromantic people.

Another example is demisexuality: people who are demisexual must first establish an emotional connection with someone before they feel sexual attraction towards them. You may be familiar with the trope ‘friends to lovers’, which often fits quite well.

If you would like to explore the topics of romantic and sexual (and other) orientations, here are some detailed lists in English:
Romantic Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Romantic_Orientation

Sexual Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Sexual_Orientation

I hope you found this post useful and I wish you all the best with exploring queering your relationships, if you decide to try that.

Footnote:
(1) PiV is an abbreviation for ‘penis in vagina’.

Liebe Straights, queert eure Beziehungen

(english version of this blog: https://amalia-zeichnerin.net/dear-straights-queer-your-relationships/)
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Dieser Beitrag richtet sich vor allem an cisgender heterosexuelle, heteroromantische, allosexuelle Menschen. Um das sprachlich zu vereinfachen, verwende ich fast durchgehend den englischen Begriff „straight“, auch als Substantiv für entsprechende Leute. Und nein, keine Sorge, ich weiß, ihr seid nicht queer, sondern straight und werdet das natürlich auch bleiben. Aber es gibt einiges, das ihr von Queers und anderen Leuten lernen könnt. Davon handelt dieser Beitrag.

Was könnt ihr von Queers lernen?
Hinterfragt eure Rollenbilder. Das betrifft so viele Aspekte des Lebens, dass ich allein darüber einen langen Blogbeitrag schreiben könnte. Ich versuche, es hier relativ kurz zu halten.
Die Kernfamilie: Mutter, Vater, Kind(er). Wer übernimmt die Care-Arbeit und wie? Wie ist es mit der Lohnarbeit? Traditionelle Rollenbilder sehen immer noch den Vater als Hauptverdiener, die Mutter arbeitet oft in Teilzeit, um mehr Zeit für den Haushalt und die Kinder zu haben.
Mittlerweile hat das alte Modell „Vater verdient allein das Geld, Mutter übernimmt die gesamte Care-Arbeit zu Hause“ ausgedient, denn die wirtschaftliche Situation, hohe Mietpreise und andere Probleme erzwingen es oftmals, dass beide Elternteile in Vollzeit arbeiten müssen, um genug Geld für die Familie zu erwirtschaften.

Manche hetero Männer können nur sehr schwer damit umgehen, wenn ihre Frau mehr verdient als sie und Karriere macht. Weil Männer doch den alten Vorstellungen nach die Hauptverdiener sein sollen.

Queere Menschen hinterfragen solche Rollenbilder und machen ihre eigenen Regeln, auch in ihren Beziehungen und Familien. Da wird gern viel verhandelt und abgesprochen. Auch, was Intimitäten betrifft, dazu im nächsten Abschnitt mehr. Der dreht sich zwar um die BDSM-Community, aber in dieser gibt es natürlich auch viele Queers.

Als ich diesen Blogbeitrag im Fediverse ankündigte, kommentierte eine queere Person, die ich zitieren darf: „Ich erlebe Schwangerschaft, Geburt, Elternsein als krass gegendert und mit cisheteronormativen Erwartungen überfrachtet. Da muss man dagegenqueeren. (Ravna Marin Siever sagt, sier werde in den Kontext „frauisiert und vermuttert“, das finde ich sehr treffend)“
Auch an straighte Mütter und Väter werden in unserer Gesellschaft sehr viele heteronormative Erwartungen gestellt, auch z.B. was die Erziehung ihrer Kinder betrifft. Hinterfragt das. Männer müssen nicht immer „stark“ sein. Ihr dürft euch verletzlich zeigen und fürsorglich sein, ihr dürft angeblich „weibliche“ Gefühle zeigen, auch euren Kindern gegenüber. Und als Frau dürft ihr auch wütend sein oder euch ärgern, ihr dürft euer handwerkliches Geschick zeigen, auch wenn Handwerksarbeit als typisch „männlich“ gilt – und ihr müsst nicht die gesamte Carearbeit und die Mental Load allein übernehmen. Teilt euch das mit eurem Partner. Das sind jetzt nur einige Beispiele, aber ich hoffe, sie bieten ein paar Gedankenanstöße.

Aber auch Menschen, die keine Familie haben und auch keine gründen wollen, können sich von Queers vieles abschauen. Denn es gibt viele Queers, die ebenfalls keine Familie gründen wollen und die andere Prioritäten in ihrem Leben haben, z.B. ihre Freundschaften. Mehr dazu weiter unten.

Was könnt ihr von der BDSM-Community lernen?
Selbst wenn ihr völlig „Vanilla“ seid, also keinerlei Neigung zu BDSM-Praktiken habt, könnt ihr einiges von der entsprechenden Community lernen.

In straight Beziehungen herrscht oft der Gedanke, PiV(1)-Sex ist das Höchste der Gefühle und müsse unbedingt mit einem Orgasmus enden, sonst sei es schlechter Sex. Das erzeugt sehr viel Druck und oftmals reden straight Paare wenig miteinander vor, während oder nach dem Sex.

In der BDSM-Community wird dagegen viel ausgehandelt und mit Konsens gearbeitet, mit Safe Words, es wird sich ausprobiert. Es gibt auch „nonconsensual“ Praktiken, aber auch die werden abgesprochen. Und es gibt „after care“, das bedeutet u.a., dass man nach dem Sex oder BDSM-Play füreinander da ist, miteinander über seine Erlebnisse, Wahrnehmungen, Gefühle spricht.

Redet miteinander. Vor dem Sex. Währenddessen und danach. Verhandelt. Sagt, was euch gefällt und was nicht. Sagt ein enthusiastisches Ja oder ein klares Nein, je nach Situation und euren Bedürfnissen und Wünschen. Klingt unromantisch? Nicht sexy?
Dass solche Äußerungen ausgesprochen sinnlich sein können, habe ich mal in einem Video von Council of Geeks gesehen, in dem YouTuber*in Vera Wylde etwas Entsprechendes auf eine sehr sinnliche Weise sagt, zur Veranschaulichung.

Was könnt ihr von der Community lernen, die auf dem asexuellen und/oder aromantischen Spektrum ist?
Freundschaften sind genau so wichtig wie andere Beziehungen. Ja, wirklich. Oftmals herrscht unter Straights die Idee einer Hierarchie vor, bei der romantische Beziehungen das ultimative Ziel sind und über allen anderen Beziehungen stehen, auch Freundschaften.
Das kann allerdings fatal sein, z.B. wenn eine romantische Beziehung in die Brüche geht, man aber während der Zeit der Beziehung seines Freundeskreis völlig vernachlässigt hat oder nur gemeinsame Freund*innen hatte, die dann teilweise wegbrechen oder eine Seite ergreifen. Vielleicht habt ihr nicht „die eine beste“ Freundschaft, aber pflegt eure Freundschaften. Das mag bedeuten, dass ihr einiges an Zeit investieren müsst, vielleicht auch Unterstützung, wenn eure Freund*innen bei etwas Hilfe brauchen. Aber Freundschaften sind ja idealerweise ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Und in diesem Zusammenhang:

Queert eure Freundschaften

Freundschaften sind so vielfältig, wie die Leute, die sie eingehen. Löst euch von traditionellen Vorstellungen, wie eine Freundschaft auszusehen hat. Seid mutig. Macht eure eigenen Regeln.

Leanne Yau schrieb auf Instagram (Übersetzung von mir):
„Polyamorie erlaubt mir, tiefere Beziehungen mit meinen Partner*innen einzugehen, aber unvorhergesehener Weise hat sie mich auch dazu gebracht, tiefergehende Beziehungen mit meinen Freund*innen einzugehen. Da ich keinerlei Einschränkungen habe, wie ich meine Zuneigung gegenüber nicht-romantischen Freund*innen zeigen darf, gibt mir das die Freiheit, platonische Liebe so auszudrücken, wie ich es will.“

Hier ein paar Beispiele: Ihr wollt mit euren Freund*innen gemütlich auf dem Sofa kuscheln, obwohl ihr ihnen gegenüber weder romantische noch sexuelle Empfindungen hegt? Wenn eure Freund*innen das ebenfalls möchten, go for it. (Und wenn sie das nicht möchten, akzeptiert das.)

Eure Freund*innen und ihr wollt ein Candle Light Dinner in einem Restaurant, das als Inbegriff der Romantik gilt, aber einfach ganz platonisch? Warum eigentlich nicht?
Ihr wollt gemeinsam in den Urlaub fahren und teilt euch ein Zimmer, ein Zelt oder eine andere Übernachtungsstätte? Was spricht dagegen?

Im Film „Harry und Sally“ sagt Harry sinngemäß: „Männer und Frauen können nicht befreundet sein – irgendwann kommt ihnen der Sex dazwischen.“
Das stimmt allerdings nicht, denn es würde bedeuten, dass Menschen auf dem bi Spektrum keine platonischen Freund*innen haben können.

Und ich wage einfach mal die Behauptung, auch cis hetero Männer und cis hetero Frauen können einfach so befreundet sein. Löst euch von der Vorstellung, dass eine solche Freundschaft unbedingt in einer romantischen und/oder sexuellen Beziehung enden muss.

Was könnt ihr von der polyamoren Community lernen?

Eine Basis der Polyamorie ist Einvernehmlichkeit aller Beteiligten. Das bedeutet viel Beziehungsarbeit von allen und entsprechende offene, ehrliche Gespräche. Über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Das Aushandeln von Kompromissen. Über eigene Grenzen. Über Eifersucht und wie man damit einen konstruktiven Umgang finden kann. Auch Gespräche darüber, wie man einander unterstützen kann in den Beziehungen. Und last but not least Organisatorisches, wie Terminfindungen für gemeinsame Treffen, Ausgehen, Ausflüge, Carearbeit und noch mehr.

Ich stehe nicht allein mit der Meinung, dass auch für viele Straights eine solche intensive Beziehungsarbeit mit offenen, ehrlichen Gesprächen sehr bereichernd sein kann. Vielleicht können sie sogar eine Beziehung retten.

Es gibt viele verschiedene Arten von Anziehung

Auch das ist etwas, dass ihr aus der Community der Menschen auf dem asexuellen und aromantischen Spektrum lernen könnt. Zum einen gibt es das Split-Attraction-Model (SAM). Dieses besagt, dass die romantische Orientierung und die sexuelle (oder auch noch andere Formen von Orientierung) bei einer Person unterschiedlich sein können.

Ein persönliches Beispiel: Ich bin panromantisch. Das bedeutet, dass ich romantische Anziehung zu Menschen unabhängig von ihrem Gender empfinden kann. Und ich bin grau-asexuell. Das bedeutet grob gesagt, dass ich eher selten oder gar keine sexuelle Anziehung verspüre. Ich bin darüber hinaus außerdem aegosexuell, das wird z.B. hier erklärt:
https://orientation.fandom.com/wiki/Aegosexual

Entsprechend könnte eine Person, die sich immer als hetero verortet hat, feststellen, dass sie heteroromantisch ist, aber eine andere Form von sexueller Orientierung hat, oder umgekehrt, dass sie heterosexuell ist, aber eine andere Form von romantischer Orientierung hat. Aber natürlich gibt es auch heterosexuelle-heteroromantische Menschen.

Ein weiteres Beispiel ist Demisexualität: Menschen, die demisexuell sind, müssen zuerst eine emotionale Beziehung zu einem Menschen aufbauen, bevor sie eine sexuelle Anziehung zu diesem Menschen verspüren. Vielleicht kennt ihr das Trope „Friends to Lovers“, das passt oft recht gut.

Wenn ihr gern mal stöbern wollt zu den Themen romantische und sexuelle (und weitere) Orientierungen, hier gibt es ausführliche Auflistungen auf Englisch:
Romantic Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Romantic_Orientation

Sexual Orientation: https://orientation.fandom.com/wiki/Category:Sexual_Orientation

Ich hoffe, ihr konntet etwas aus diesem Beitrag für euch mitnehmen und ich wünsche euch gute Erfahrungen mit dem Queeren eurer Beziehungen, wenn ihr das ausprobieren möchtet.

Fußnote:
(1) PiV ist eine Abkürzung für „Penis in Vagina“

Weiteres zum Thema

„Konsens ist sexy“
https://amalia-zeichnerin.net/konsens-ist-sexy/

Eine Inspiration für diesen Blogbeitrag war die Podcastfolge „Romantasy“ vom Genderswapped Podcast, danke an Lena und Judith.
Link zur Folge: https://genderswapped-podcast.podigee.io/101-folge82

Interview mit Noah Stoffers

Noah Stoffers, Foto © Marco Ansing

Interview mit Noah Stoffers

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Amalia: Hallo Noah, danke, dass du dir die Zeit nimmst für ein Interview. Du bist als Autor*in und Lektor*in tätig. Was gefällt dir an diesen beiden Tätigkeiten besonders? Und magst du das eine lieber als das andere?

Noah: An beiden Tätigkeiten liebe ich die Arbeit mit Geschichten und mit Sprache. Was sie unterscheidet, ist die Perspektive. Beim Schreiben meiner eigenen Romane bin ich automatisch tiefer in der Geschichte. Ich kenne sie irgendwann in- und auswendig. Im Lektorat schaue ich von außen auf eine Geschichte, die jemand anderes geschrieben hat, und kann auf inhaltlicher und stilistischer Ebene Hinweise zur Überarbeitung geben.

Ich liebe es schon sehr, meine eigenen Geschichten zu schreiben. Gleichzeitig merke ich bei einem neuen Lektorat immer wieder, wie bereichernd es sein kann, an anderen Geschichten mitzuarbeiten. Das hat auch mein eigenes Schreiben verändert.

© Droemer Knaur Verlag, Buchcoverdesign: © Alexander Kopainski

Amalia: Deinen neuen Urban-Fantasy-Roman „Cage of the Moon“, der im Januar 2026 erscheint und vorbestellbar ist, durfte ich testlesen und finde ihn schön divers, du gehst auch auf unterschiedliche Kulturen ein, wie es zu einer multikulturellen Stadt wie San Francisco sehr gut passt. Wie hast du für den Roman recherchiert? Und bist du selbst schon mal in San Francisco gewesen?

Noah: San Francisco ist schon seit langem ein Traumziel von mir, aber ich war noch nicht dort. Ich habe einerseits viel zur Stadt recherchiert, durch Reiseberichte, Dokumentationen oder auch Vlogs von Bewohnern, die ihre Heimat online zeigen. Und ich wollte andererseits gerne Figuren, die San Franciscos Vielfalt widerspiegeln. Dafür habe ich zum Beispiel das Buch „American Brujeria: Modern Mexican American Folk Magic“ von J. Allen Cross gelesen oder auch Reportagen von Amerikaner*innen mit Migrationsgeschichte gesehen. Andere Sachbücher handelten zum Beispiel von der Darstellung von Vampiren im Laufe der Zeit oder von Alcatraz, das ein wichtiger Schauplatz ist. Auch Food- und Festivalblogs waren eine wichtige Inspiration. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich von dir und auch von meiner Lektorats-Person, Lian Stollenwerk-Ganssehr wertvolle Anmerkungen bekommen habe.

Amalia: Stark, wie viel Recherche in deinem Roman steckt. Wie bist du auf die Idee zu für die Geschichte gekommen?

Noah: Den Anstoß hat ein Gespräch mit meiner damaligen Lektorin Jacqueline Wagner nach einer Lesung gegeben. Wir hatten uns über Vampir- und Werwolf-Romane unterhalten und über die Chancen, polyamore Geschichten zu schreiben. Ich wollte schon lange eine Liebesgeschichte zwischen mehr als zwei Personen schreiben und ich habe Werwölfe sehr gern. Hauptsächlich, weil ich in Pen-&-Paper-Runden regelmäßig Werwölfe gespielt habe. Vampire waren ein neues Feld für mich, aber ich wollte gern eine Heldin haben, die mindestens genauso stark ist, wie die beiden männlichen Hauptfiguren.

Gabhán, Honora und Dan. Charkterportraits
© @jessamyart

Amalia: Das ist dir aus meiner Sicht fantastisch gelungen. Welche Figur im Roman, abgesehen von deinen drei Hauptfiguren, magst du besonders, und warum?

Noah: Es hat tatsächlich Spaß gemacht, den Antagonisten Ryder Mallroy zu schreiben, der ein ziemliches Ekelpaket ist. Und ich bin ein großer Fan von Dans Kollegin, einer Art magischer Polizistin, die alleinerziehende Mutter ist, Mode liebt und sich von niemandem herumschubsen lässt.

Amalia: Mit deinem Dark-Academia/Fantasy-Roman „A Midsummer’s Nightmare“, den ich sehr empfehlenswert finde, warst du auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Was war das für ein Gefühl für dich?

Noah: Vielen Dank für das liebe Kompliment! Die Nachricht von der Platzierung auf der Bestseller-Liste habe ich im ersten Moment überhaupt nicht geglaubt. Ich fragte sogar zurück, ob da nicht vielleicht ein Irrtum vorliegen würde, weil ich es für ausgeschlossen gehalten habe. Danach war ich aber ungeheuer glücklich. Obwohl der orange Bestseller-Sticker ja nichts über die Qualität eines Buches aussagt, tut er einiges für die Sichtbarkeit. Deshalb war das schon lange ein großer Traum von mir. Die Nachricht kam am Nachmittag meines Geburtstags an: Ich habe sehr aufgeregt meine Eltern angerufen und war dann noch eine Weile völlig aus dem Häuschen.

Amalia: Das freut mich sehr für dich. Was steht als nächstes für dich an? Schreibst du an einem neuen Projekt (falls du schon etwas darüber verraten kannst) oder arbeitest du eher an Lektoraten oder etwas anderem?

Noah: Ich habe schon zwei Romanideen, die ich sehr gerne schreiben würde, da ist aber im Augenblick noch nichts spruchreif. Außerdem habe ich im Dezember das nächste Lektorat, vorher noch eine Lesung und hoffentlich ein Seminar. Als Selbstständig*er habe ich meistens mehrere Bälle in der Luft und arbeite oft an mehr als einem Projekt.

Amalia: Du gibst auch manchmal Workshops für Autor*innen zum Thema Schreiben von trans und nichtbinären Figuren, bzw. queere Repräsentation. Was für Erfahrungen hast du damit gemacht? Schreibe auch gern, wo man deine Workshops finden kann.

Noah: Das ist eine Arbeit, die ich sehr gern mag. Gerade durch den Austausch in den Workshops. Ich gestalte sie in der Regel so, dass es einen Vortrag gibt und danach oder zwischen zwei Vortragsblöcken Diskussionen und gemeinsame Aufgaben. Meistens kommen da Menschen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Lebenserfahrungen zusammen – was oft zu spannenden Gesprächen führen kann. Besonders oft werde ich zur Darstellung von queeren Figuren gebucht. Aber ich gebe auch sehr gern Fortbildungen rund um den Weltenbau.

Am 8. November 2025 gebe ich zum Beispiel ein Seminar für die Bücherfrauen zu queerer Repräsentation in den Medien.
https://www.buecherfrauen.de/termine/artikel/diversitaet-in-romanen-queere-repraesentation-1

Und zusammen mit Victoria Linnea und Nora Bendzko arbeite ich gerade im Hintergrund an einer Seminarreihe. Dafür gibt es hier eine unverbindliche Warteliste:
https://www.victorialinnea.de/diversitaet101-warteliste

Amalia: Apropos Diversität – sprechen wir kurz über progressive Phantastik und Diversität. Was hat sich aus deiner Sicht in den vergangenen paar Jahren diesbezüglich auf dem Buchmarkt verändert? Ist die Phantastik zumindest teilweise progressiver geworden oder war mehr Diversität in der Literatur nur eine Art kurzer Trend?

Noah: Ich habe schon den Eindruck, dass Bücher mehr Diversität zeigen als vor zehn Jahren und dass die Repräsentation auch immer besser gelingt. Sowohl bei deutschsprachigen Autor*innen als auch bei Übersetzungen sehe ich mehr Own-Voice-Romane und auch viele Autor*innen, die sich sichtlich um gute Repräsentation bemühen. Ich glaube, das ist die stärkste Veränderung. Gleichzeitig ist Progressivität in den Medien generell eher ein Marathon als ein Sprint. Die Strukturen in den Verlagen verändern sich nicht so schnell und der Markt ist nicht von jetzt auf gleich ein komplett anderer.

Er ist gefühlt in den letzten Jahren sogar noch härter, noch schnelllebiger geworden – was natürlich gerade mit zum Beispiel chronischen Erkrankungen, geringem Einkommen oder als Alleinerziehende kaum zu stemmen ist. Also können Marginalisierte härtere Produktionsbedingungen im Zweifel noch schlechter wegstecken.

Und natürlich schreibt auch nicht die gesamte Buchbranche nur noch Romane voller Diversität. Viele Alteingesessene bleiben seit Jahren ihren Themen treu und haben schlicht kein Interesse an progressiven Büchern. Manche lehnen sie sogar regelrecht ab, vielleicht weil sie sich von dieser Entwicklung bedroht fühlen.

Also ich würde sagen, es gibt einen merklichen Fortschritt – aber eben auch noch Luft nach oben.

Amalia: Wenn du zwei Wünsche frei hättest, was würdest du dir von Leser*innen und dem deutschsprachigen Buchmarkt wünschen?

Noah: Von den Lesenden würde ich mir wünschen, dass sie sich auf Bücher einlassen, die die Lebensrealität von Marginalisierten oder schlicht anderen Kulturen abbilden – gerade auch dann, wenn es mit Gewohnheiten bricht und vielleicht mal herausfordernd ist. Bitte gebt diesen Büchern eine Chance! Und wenn sie euch gefallen, dann feiert sie genauso, wie berühmte Titel.

Vom Buchmarkt würde ich mir wünschen, dass er anfängt, seine Strukturen aufzubrechen. Wir stecken alle in finanziellen Zwängen, aber wenn Autor*innen unter dem Druck, gleichzeitig im Akkord zu schreiben und ihre Bücher zu bewerben, zusammenbrechen, dann hat der Buchmarkt dauerhaft nichts davon. Gebt uns mehr Zeit und mehr Unterstützung beim Marketing. Gerade auch bei ungewöhnlichen Ideen, die vielleicht ein Risiko darstellen.

Amalia: Danke für deinen Aufruf an die Lesenden und den Buchmarkt. Gibt es noch etwas, was du gern ansprechen möchtest?

Noah: „Cage of the Moon“ ist mein erster romantischer Fantasy-Titel. Ich habe großen Respekt davor, über Liebe, Romantik und Bettgeflüster zu schreiben. Gerade, weil es keine Kleinigkeit ist, diese Gefühle in Worte zu packen. Aber natürlich wird es auch wieder Geheimnisse, Verbrechen und einen magischen Weltenbau geben. Der Roman erscheint Mitte Januar 2026 und ich bin schon sehr gespannt darauf, wie er den Lesenden gefällt.

Herzlichen Dank, dass du ihn noch in der ersten Fassung gelesen hast. Das hat definitiv Spuren auf den Seiten hinterlassen. Und vielen Dank für das Interview!

Amalia: Vielen Dank auch von mir für das Vertrauen beim Testlesen und dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Last but not least: Wo kann man dich online finden? (Deine Webseiten und/oder Social Media Profile)

Noah:

Am ehesten auf Instragram: https://www.instagram.com/noah.stoffers

Aber auch hier:

Threads: https://www.threads.com/@noah.stoffers

TikTok: https://www.tiktok.com/@noah.stoffers

Lektorats-Webseite: https://www.textpfade-lektorat.de/

Bücher
Die Verlagsseite von „A Midsummer’s Nightmare“
https://www.droemer-knaur.de/buch/noah-stoffers-a-midsummer-s-nightmare-9783426530177

Die Verlagsseite von „Cage of the Moon“
https://www.droemer-knaur.de/buch/noah-stoffers-cage-of-the-moon-9783426564752

Bücher von Noah Stoffers im Amrûn Verlag:
„Berlin – Rostiges Herz“ https://amrun-verlag.de/produkt/berlin/

„Berlin – Magische Knochen“ https://amrun-verlag.de/produkt/berlin-magische-knochen-band-2/

Vorstellung der Aktion #DiversityDienstag

Jüngst gab es einen Skandal mit dem rechtskonservativ ausgerichteten „Aktionsbündnis Fantastik und Gesellschaft“. Die betreffende Webseite wurde mittlerweile vom Netz genommen wurde, aber das Manifest und die Erstunterzeichnenden sind immer noch auf einem Yopad und im Web Archive online lesbar – das Internet vergisst nicht.

Das alles hat mich zum Nachdenken gebracht und ich habe mir folgende Hashtag-Aktion überlegt: den #DiversityDienstag.

Ich schreibe seit 7.10. 2025 dienstags über progressive Phantastik, andere Genres sowie progressive Sachbücher und gebe Tipps oder teile Blogbeiträge von mir.

Nach dem Motto, wir müssen lauter sein als rechtskonservative und rechtsextreme Autor*innen, Verleger*innen und andere Leute mit diesen Einstellungen.

Aber ich möchte die Aktion gern noch weiter fassen. Von daher, wenn euch die Themen Diversität, Inklusion und Repräsentation in irgendeiner Form beschäftigen, macht gern ebenfalls dienstags mit und nutzt den Hashtag in euren Social Media.

Bitte beachten: Anders als bei mehreren Hashtag-Aktionen in Social Media gibt es KEIN vorgegebenes wöchentliches Thema. Schreibt bitte einfach dienstags mit dem Hashtag zu den Themen rund um Diversität, Inklusion, Repräsentation, progressive Bücher und Verwandtes, was euch in dieser Hinsicht bewegt.

Diesen Beitrag sehr gern teilen. Ihr könnt auch das Bild aus diesem Beitrag gern verwenden.

#DiversityDienstag: Solarpunk

eine von vielen verschiedenen Solarpunkflaggen. Bildbeschreibung: Die Flagge ist grün und gelb, mit einer austrebenden Diagonale. Darin eingebettet ist eine runde, halbierte Form, oben mit einer stilisierten gelben Sonne, unten mit einem stilisierten Zahnrad auf grünem Untergrund

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Solarpunk ist nicht nur ein literarisches und künstlerisches Genre, irgendwo zwischen Science-Fiction und Utopie mit positiven Zukunftsvisionen, sondern auch eine wachsende gesellschaftliche Bewegung weltweit, die nicht zentral organisiert ist. Das hat sie übrigens gemeinsam mit dem Paganismus/Heidentum und der Hexen-Community, aber ich schweife ab. Solarpunk-Beiträge finde ich viele im Fediverse – zumindest für den deutschspr. und englischspr. Raum, andere sind für mich persönlich wegen der Sprachbarrieren nicht accessible.

Was die Fiktion und auch Kunst angeht, aber auch weitere Informationen zu Solarpunk, kann ich die Story Seed Libary empfehlen. Diese wurde in mehrere Sprachen übersetzt, hoffentlich auch später ins Deutsche: https://storyseedlibrary.org/

Dort gibt es Kunst und Ideen für Geschichten. Die Kunst ist von menschlichen Künstler*innen gemacht, frei von KI-generiertem Slop und darf unter bestimmten Bedingungen genutzt werden. Mehr darüber hier: https://storyseedlibrary.org/pages/about/

Ein englischsprachiges Video mit vielen schönen Bildern, das gut erklärt, was Solarpunk ist, stammt von Andrewism (4,5 Minuten):

Lesenswert ist auch dieses „Solarpunk Manifesto“:
https://storyseedlibrary.org/de/essays/solarpunk-manifesto/

Ich zitiere daraus:
„Solarpunk verfolgt eine Vielzahl von Taktiken: Es gibt keinen einzigen richtigen Weg, um Solarpunk zu machen. Stattdessen übernehmen verschiedene Gemeinschaften aus der ganzen Welt den Namen und die Ideen, und bauen kleine Nester der sich selbst vorantragenden Revolution.“

Einige Beispiele für Möglichkeiten, wie sich das umsetzen lässt:

  • Foodsharing
  • Tauschbörsen und -partys, bzw. Tauschgeschäfte allgemein
  • Visible Mending
  • Reparaturcafés
  • Upcycling und DIY (letzteres vor allem mit recycelten Materialien, bzw. nicht alles neu gekauft)
  • Guerilla Gardening
  • Permakulturen
  • eher Second-Hand-Kleidung, nachhaltige oder selbstgenähte Kleidung anstatt von Fast Fashion
  • Antikapitalistische und antifaschistische Aktivitäten
  • Materialien oder Werkzeuge verleihen
  • Vegetarisch oder vegan leben
  • Selbstversorgung: im eigenen Garten oder auf dem Balkon Obst, Gemüse oder Kräuter anbauen und mit seiner Community teilen (wenn die Ernte gut ausfällt und etwas übrig bleibt zum Teilen)
  • Solarpanele und Wärmepumpen, sowie andere Formen erneuerbarer Energie
  • generell Nachhaltigkeit aller Art
  • Alternativen zu großen Konzernen (z.B. Meta, Amazon, Spotify …) nutzen
  • Nachbarschaftstreffen, bei denen man schaut, welche Nachbar*innen Hilfe benötigen oder wie man sich gegenseitig unterstützen kann
  • Umwelt- und Tierschutzaktivitäten
  • Demonstrationen und andere politische Tätigkeiten für Social Justice, Klima- und Umweltschutz

Vielleicht macht ihr selbst auch einiges davon? Wer weiß, vielleicht schlummert auch in euch ein Solarpunk …

Ein weiteres Zitat aus dem Manifest: „Solarpunk culture includes all cultures, religions, abilities, sexes, genders and sexual identities.“

Übersetzung: „Die Solarpunk-Kultur schließt alle Kulturen, Religionen, Fähigkeiten, (Menschen aller) sexuellen Orientierungen, Gender und sexuellen Identitäten mit ein.“

Ihr seht, Solarpunk ist ein Diversitätsthema. Und das alles macht mir Hoffnung. Apropos Hoffnung, es gibt im Solarpunk auch Überschneidungen zum Genre Hopepunk (1)

Zum Thema belletristische Bücher:
Im deutschsprachigen Raum weiß ich bisher von zwei Anthologien, die sich mit Solarpunk befassen:
„Sonnenerwachen – Facetten des Aufbruchs“ hrsg. von Karl-Heinz Zimmer und Saskia Dreßler
und „Sonnenseiten – Streetart trifft Solarpunk“ https://muenchnerschreiberlinge.com/anthologie/sonnenseiten/

Im englischsprachigen Raum hat z.B. Susan Kaye Quinn mehrere Solarpunk-Romane geschrieben, siehe: https://susankayequinn.com/

Susan ist auch im Fediverse sehr aktiv: @susankayequinn@wandering.shop

Fußnote:
(1) Was Hopepunk ist, wird z.B. hier erklärt:
https://www.vox.com/2018/12/27/18137571/what-is-hopepunk-noblebright-grimdark

Ein Zitat über Hopepunk, das aus meiner Sicht auch zu Solarpunk passt:
„Hopepunk is about fighting for a better future and taking action and doing radical kindness.“
(Alexandra Rowland)
Beispiele für Hopepunk-Romane im deutschsprachigen Raum ist „Wasteland“ von Judith und Christian Vogt, sowie die Fortsetzung „LayLayLand“.

#DiversityDienstag: Märchen, gibt’s die auch in divers?

Lesezeit: 3 Minuten
Neulich habe ich ein Babysitting für ein viereinhalbjähriges Kind gemacht. Es wurde zu mir nach Hause gebracht, aber in meinem Bücherregal habe ich nur wenige Kinderbücher. Ich dachte mir, vielleicht finde ich etwas in einem Buch mit den Märchen der Gebrüder Grimm.

Das war sehr, sehr naiv von mir. Als ich begann, dem Kind „Aschenputtel“ vorzulesen, wurde mir nach wenigen Zeilen bewusst, wie unpassend der historische Originaltext des Märchens für den Zeitgeist und Kinder von heute ist. Ich muss dazu sagen, ich habe diesen Originaltext schon seit Jahrzehnten nicht mehr gelesen. Hier zwei Beispiele: Zunächst ging es bei Aschenputtel um Gottesfürchtigkeit und Frommheit. Bald darauf um Stiefschwestern, die zwar „schön und weiß von Angesicht waren“ aber „garstig und schwarz von Herzen“ waren. Ich hoffe, ich muss euch nicht erklären, warum der Satz mit den Stiefschwestern problematisch ist aus heutiger Sicht. Und das sind nur kurze Beispiele.

Mein nächster Gedanke war: Hat eigentlich schon mal jemand versucht, den Originaltext stilistisch so zu überarbeiten, dass er besser in eine diverse, bunte Gesellschaft passt? Ich meine keine Märchenadapationen und auch keine Disney-Verfilmungen.

Dann wurde mir allerdings schnell klar, eine solche Überarbeitung würde auch nicht reichen. Es gibt einfach zu viele Inhalte in diesen Märchen, die aus heutiger Sicht überholt, veraltet, problematisch sowie voller Vorurteile und Stereotypen sind und schon gar nicht passend für Kinder: Die böse Hexe in „Hänsel und Gretel“ stirbt den Feuertod (ein Echo auf die realen Hexenverfolgungen und deren Scheiterhaufen). Die Prinzessin oder eine junge Frau von niederem Stand muss ganz heteronormativ den Prinzen heiraten, was für zahlreiche Märchen gilt. Wer in einem Grimmschen Märchen „entstellt“ oder behindert ist, wird meistens auch als böse, hässlich und verkommen dargestellt, oder die Behinderung ist eine göttliche Strafe, die es durch tugendhaftes Verhalten zu überwinden gilt. In diesem Zusammenhang kann ich übrigens das Sachbuch „Entstellt – Über Märchen, Behinderung und Teilhabe“ von Amanda LeDuc sehr empfehlen.

Das Märchen „Frau Holle“ beginnt mit den Zeilen: „Eine Witwe hatte zwei Töchter, davon war die eine schön und fleißig, die andere häßlich und faul.“ Im weiteren Verlauf geht es dann u.a. um die Tugendhaftigkeit der Fleißigen. Was mich auf sehr unangenehme Weise an den Kapitalismus und die Leistungsgesellschaft erinnert, sowie an einige Strömungen im Christentum, wie den Calvinismus. (Und ich fange jetzt nicht mit dem Christofaschismus bzw. Christlichen Nationalismus in USA und anderen Ländern an, sonst sitzen wir morgen noch hier.)

Und es ließen sich sicherlich noch viele Beispiele in weiteren Märchen finden. Deshalb werfe ich mal die unpopular opinion in den Raum, dass die Grimmschen Märchen zumindest in ihrer Urform nicht in Kinderhände gehören.

Die gute Nachricht ist: Es gibt auf der ganzen Welt Märchen, aus so vielen Kulturen und darunter sind sicherlich auch viele, die sich wirklich für Kinder von heute eignen, besser als die alten Grimmschen Märchen. Und es gibt moderne, diverse Kunstmärchen von verschiedenen Autor*innen und auch Märchenadapationen für Kinder und/oder Erwachsene.

Hier zwei Beispiele:
„Die neun bunten Königinnenreiche: Queere Märchen nicht nur für Kinder“ von
Frank Thies und Martin Breuer.

https://buchshop.bod.de/die-neun-bunten-koeniginnenreiche-frank-thies-9783746099378

Christian Handel schreibt u.a. queere Fantasy und Märchenadaptionen für eine erwachsene Leserschaft, siehe: https://www.christianhandel.de/fantasy-buecher-von-christian-handel

Und stöbert gern mal hier: https://fairytales-retold.com/

Last but not least eine Eigenwerbung: Ich selbst habe ein queeres Märchen für Jugendliche und Erwachsene geschrieben: „Queer durch die Märchenwelt: Der Prinz, der mich liebte“. Darin tauchen zwar mehrere Figuren aus den Grimmschen Märchen auf, aber ich verwende sie eher für humorvolle Einlagen.