In letzter Zeit gab es eine Kontroverse um den ab morgen geschlossenen Phantorion Verlag. Mehrere Autor*innen und Buchbloggende haben darüber u.a. auf Instagram berichtet, außerdem kann ich einen Artikel vom Literaturcafé empfehlen (siehe Fußnoten).
Und das ist bei weitem nicht der erste Skandal um einen Verlag. Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an die Kontroversen um den Papierverzierer Verlag und „Bundesamt für magische Wesen“ (beide existieren nicht mehr).
Hier meine Tipps:
Zunächst mal, reicht wirklich nur dann Manuskripte ein, wenn der Verlag deutlich gemacht hat, dass sie aktuell Manuskripte annehmen. Entsprechende Hinweise findet ihr entweder in Social Media, oder auf der Verlagswebseite.
Prüft, auf wen ihr euch einlasst. Schaut euch das Impressum der Verlagswebseite an. Fehlen dort Angaben, z.B. eine Adresse? Und welche Person(en) werden im Impressum genannt?
Schaut euch auch die Webseite genauer an. Macht sie einen guten Eindruck auf euch? Sind Bücher leicht zu finden, bzw. gibt es gut strukturierte Kategorien, falls der Verlag mehrere Genres verlegt? Gefällt euch das Buchcoverdesign?
Hört euch unter anderen Autor*innen um, ob sie den Verlag empfehlen können. Das muss nicht öffentlich sein, ihr könnt z.B. eine DM schreiben. Wie konstruktiv ist die Zusammenarbeit? Gibt es ein gutes Lektorat und Korrektorat? Dürfen sie beim Buchcoverdesign ein Wort mitreden? Werden Tantiemen regelmäßig gezahlt? Gibt es häufiger Probleme?
Ist der Verlag auch auf Buchmessen dabei? (Nicht jeder Kleinverlag kann das leisten, aber mehrere schon.)
Lest euch auch Verträge ganz genau durch. Fragt im Zweifelsfall bei anderen Autor*innen nach, falls euch etwas unklar ist.
Bitte beachten: Manche Kleinverlage sind sehr kleine Eine-Person-Betriebe, die mehrere Freiberufler*innen engagieren (für Lektorate, Korrektorate, Buchcoverdesign…). Manche Kleinverleger*innen arbeiten zusätzlich in einem Brotjob. Entsprechend kann es sein, dass es lange dauert, bis ihr eine Antwort auf eure Manuskripteinreichung erhaltet.
Die Anregung zu diesem Blogbeitrag kam durch einen Beitrag, den Judith Vogt auf BlueSky geschrieben hat. Danke dafür und auch für den Austausch.
Seit ich vor zehn Jahren mit Buchveröffentlichungen begonnen habe, hat sich der Buchmarkt im Bereich der Unterhaltungsliteratur, wozu ich auch die Phantastik zähle, sehr verändert. (Generell finde ich die Unterscheidung in E- und U-Literatur fragwürdig, aber das ist ein anderes Thema, dieses Fass mache ich nun hier nicht auf.)
Dieser Bereich des Buchmarkt lässt sich mittlerweile sehr stark von Booktok- und anderen buchigen Social Media-Trends beeinflussen, die sich schnell verändern. Vor wenigen Jahren war Dark Academia populär, heute ist z.B. Romantasy und Dark Romance sehr gefragt, morgen vielleicht etwas ganz anderes. Aber es ist schwer vorherzusagen, welcher neue Trend als nächstes ganz an der Spitze steht, weil die Social-Media-Landschaft so pluralistisch und zersplittert ist.
In einem Beitrag auf Instagram zu meiner Aktion #DiversityDienstag habe ich geschrieben (1): In immer kürzeren Abständen werden neue Bücher auf den Markt geworfen, die dann möglichst schnell konsumiert werden. Nach dem kapitalistischen Motto: mehr, weiter, schneller, Gewinnmaximierung.
Viele Buchbloggende und andere Leser*innen beklagen schon seit längerem, dass die Qualität vieler dieser schnell auf den Markt geworfenen Bücher zu wünschen übrig lässt, selbst aus großen Verlagen. Ich sehe das vor allem im englischsprachigen Raum, aber nicht nur. Oftmals würden z.B. nur bestimmte Tropes checklistenmäßig, aber eher lieblos abgearbeitet. Tropes, die in manchen Verlagsausschreibungen mittlerweile vorgegeben werden.
Dass die Qualität leidet, ist wohl kein Wunder, wenn Autor*innen und andere, die an einer Buchveröffentlichung beteiligt sind, auch Lektor*innen, dazu angehalten werden, in erster Linie schnell zu arbeiten.
Die Flut der KI-generierten Bücher Mehrere Selfpublishing-Autor*innen berichten, dass ihre Buchverkäufe auf Amazon stark zurückgegangen sind. Dafür mag es viele Gründe geben, und einer davon ist sicherlich die Flut an komplett KI-generierten Büchern auf Amazon, die echten Autor*innen die Sichtbarkeit nehmen. (2)
Und wo bleiben wir Autor*innen? Autor*innen (und damit meine ich alle, die Bücher ohne KI schreiben), die jetzt im Bereich der Unterhaltungsliteratur durchstarten oder schon länger dabei sind, haben also im wesentlichen zwei Probleme: Wenn sie Selfpublishing machen möchten, müssen sie dabei gegen eine Flut KI-generierter Bücher anschreiben. Wenn sie in Verlagen veröffentlichen wollen, müssen sie damit rechnen, dass viele ihrer kreativen Ideen dort abgelehnt werden, weil sie nicht zu den aktuell gehypten Trends oder Tropes passen.
Ich zitiere noch etwas aus dem schon erwähnten Instagrambeitrag:
Autor*innen sehen sich nun zunehmend dem Druck ausgesetzt, möglichst viele Bücher pro Jahr zu schreiben, damit sie mithalten können mit dieser, ich nenne es mal Fast-Books-Produktion. Gleichzeitig können aber die meisten Autor*innen nicht vom Schreiben leben, müssen sich zwischen Brotjob und Familie oder anderen Verpflichtungen irgendwie arrangieren, damit sie weiterhin Bücher schreiben können. Ich lese hier immer wieder von Autor*innen, die psychisch oder physisch erkrankt sind (z.B. Burnout), weil sie diesem Druck auf Dauer nicht gewachsen sind.
Besonders schwer haben es marginalisierte Autor*innen, weil sie häufig noch weitere Belastungen haben (z.B. Diskriminierungserfahrungen wie täglichen Alltagsrassismus).
Hinzu kommt natürlich noch das Phänomen, dass Autor*innen diejenigen sind, die bei einer Buchveröffentlichung von allen beteiligten Personen am wenigsten verdienen, da nicht ihre Arbeitszeit bezahlt wird, sondern eine Form der Lizenz für ihr Werk.
Und was marginalisierte Autor*innen betrifft, gehe ich davon aus, dass in Zukunft weniger solche Leute veröffentlichen werden – wenn sich die Produktionsbedingungen auf dem Buchmarkt nicht strukturell wirklich verbessern. Und das zeichnet sich zurzeit leider nicht ab, soweit ich es sehen kann.
Und wie ist eigentlich das Verhältnis der vielen veröffentlichten Bücher zu tatsächlich gelesenen? In der Buchbubble sehe ich manchmal unglaubliche Zahlen, wie viele Bücher manche Buchblogger*innen jährlich lesen, teilweise über 150 Bücher.
Also habe ich eine Umfrage auf Tumblr gemacht, an der sich immerhin 373 Leute beteiligt haben. Klar, es ist keine repräsentative Umfrage, aber sie ergibt dennoch eine Tendenz. Die Mehrheit, rund ein Viertel der Beteiligten lesen jährlich nur 11 bis 25 Bücher, gefolgt von rund 21%, die bis zu 52 Bücher lesen.
All of that being said – ich denke, die Menschen, die dafür brennen, Geschichten zu erzählen, Geschichten zu schreiben, werden das auch weiterhin tun, aber vielleicht manche von ihnen auf anderen Wegen.
Geschichten zu erzählen und zu hören ist ein menschliches Grundbedürfnis, weil wir auf diese Weise unsere Welt und unsere menschliche Existenz in einem geschützten Rahmen erforschen können. Und das wird eine KI niemals verstehen, denn diese Systeme wissen nicht aus eigener Erfahrung, was es heißt, ein Mensch zu sein. Stattdessen produzieren (oder halluzinieren, wie manche es nennen) sie gewissermaßen nur aneinandergereihte Buchstaben, die nach Wahrscheinlichkeiten berechnet werden.
Was dieses menschliche Grundbedürfnis betrifft, komme ich immer wieder gern auf ein Zitat von Alan Rickman zurück: „It’s a human need to be told stories. The more we’re governed by idiots and have no control over our destinies, the more we need to tell stories to each other about who we are, why we are, where we come from, and what might be possible.“
Übersetzung: „Es ist ein menschliches Bedürfnis, Geschichten erzählt zu bekommen. Je mehr wir von Idioten regiert werden und keine Kontrolle über unser Schicksal haben, desto mehr müssen wir uns Geschichten darüber erzählen, wer wir sind, warum wir sind, woher wir kommen, und was möglich sein könnte.“
Was mich betrifft, ich ziehe mich aus mehreren Gründen aus dem Schreiben mit Gewinnabsicht ca. 2027 zurück und werde dann „nur“ noch hobbymäßig schreiben, z.B. Fanfictions (die schreibe ich auch jetzt schon immer mal zwischendurch). Ich würde eigentlich liebend gern weiter als Autor*in mit Veröffentlichungen tätig sein. Ich hatte mal gehofft, das bis ins hohe Alter tun zu können. Aber der hohe Aufwand rund um eine Veröffentlichung lohnt sich für mich schlichtweg nicht mehr, wenn ich mir meine Buchverkäufe ansehe. Außerdem finde ich das hobbymäßige Schreiben, z.B. von Fanfictions, im Vergleich zu den Buchveröffentlichungen wunderbar entspannt.
Grafik von dem Autor, Illustrator und Grafikdesigner Christian Günther
In gewisser Weise ist alles politisch – wo immer Menschen zusammenkommen, zusammenleben, Gemeinschaften bilden, es ist alles politisch, denn es gibt so viele Dinge, die sich gegenseitig beeinflussen. Auch dein Privatleben ist politisch. Du glaubst mir nicht? Denke an die Gesundheitsfürsorge, die beispielsweise in USA immer wieder Menschen in den Bankrott treibt. In Deutschland sind wir zurzeit besser abgesichert, was das betrifft. Oder schau dir Bildungspolitik an. Oder die häufig unbezahlte Carearbeit für Kinder oder ältere Menschen, beispielsweise die Pflege von Angehörigen. Und wer arbeitet und unter welchen Umständen? Denk auch an Beziehungen, selbst diese haben bis zu einem gewissen Grad politische Aspekte, schauen wir uns nur einmal die Debatten über das Recht auf Abtreibung an. Oder die allgemeinen Menschenrechte, die an so vielen Orten auf der Welt bedroht sind.
Selbst wenn man sagt, man interessiere sich nicht für Politik, ist das auf die eine oder andere Weise eine politische Entscheidung. Dies machen vor allem Menschen, die so privilegiert sind, dass sie sich nicht viel um Politik kümmern müssen, weil das politische System zu ihren Gunsten funktioniert.
Ebenso sind Geschichten politisch, weil sie menschliche Erfahrungen, die Gesellschaft, das Privatleben und das öffentliche Leben in Gemeinschaften widerspiegeln.
Die schiere Existenz von queeren und anderen marginalisierten Menschen ist politisch, denn während auf dem Papier Gleichheit für alle herrscht (oder einst herrschte, wenn man in die USA schaut), sieht die Realität ganz anders aus. Queere und anderweitig marginalisierte Menschen werden diskriminiert, schikaniert, unter Druck gesetzt, manipuliert und Schlimmeres. Es gibt einen wachsenden rechten Backlash auf progressive Politik, in so vielen Ländern, da erzähle ich euch nichts Neues.
In letzter Zeit habe ich zwei (englischsprachige) Fanfictions geschrieben, und ich konnte nicht anders, als Politisches mit einzubeziehen. „Beau and the Beast“ enthält antimonarchistische Ideen und ein bisschen von einer queeren, inklusiven Utopie. In „The Story of Alexander Lemtov“, die im Jahr 2024 spielt, beginnt der russische Protagonist sich zu fragen, was er mit seinem immensen Reichtum anfangen soll, um anderen zu helfen, und bricht die Verbindung zu seinem Heimatland ab, weil er den Krieg gegen die Ukraine nicht tolerieren und akzeptieren kann, ebenso wenig wie die Queerfeindlichkeit in Russland.
Ich habe schon oft über queere oder anderweitig marginalisierte Figuren geschrieben und das möchte ich auch weiterhin tun. Ich möchte ihre Freuden, aber auch ihre Struggles zeigen.
Diesen lesenswerten Blogbeitrag der Autorin und Psychologin Elea Brandt habe ich schon oft empfohlen: „Fantastisch politisch“ – darin geht es darum, ob Phantastik unpolitisch sei.
Anna und Eleanor, am 11.10. 2024 erscheint euer gemeinsamer Roman „Love Education – Wo gehobelt wird, fallen Spä(h)ne“, unter dem Pseudonym Elana Bardini.
Was hat euch zu diesem Roman inspiriert?
Anna: Horny, sexy, messy Ü30-Menschen … da will ich nicht lügen.
Elli: Und ein Fandom, das wir nicht verraten. Lesende sind aber herzlich eingeladen, ihr Rateglück während des Lesens zu versuchen!
Wie habt ihr euch das Schreiben aufgeteilt? Im Roman wechselt die Perspektive zwischen den Protagonisten Adam und Leo. Hat jede von euch jeweils eine dieser Perspektiven geschrieben, oder habt ihr anders gearbeitet?
Anna: Wir haben die Perspektive nicht aufgeteilt, sondern beide alles und jede*n geschrieben, wie es sich ergeben hat (bzw. haben Elli oder ich manche Szenen für uns reserviert). Damit wir auf verschiedenen Endgeräten sowohl live bei der anderen mitlesen und kommentieren als auch gleichzeitig Text schreiben konnten, haben wir zum Schreiben Google Docs verwendet. Das war eine sehr dynamische Sache, die darauf hinausgelaufen ist, dass wir praktisch 24/7 im Austausch waren – und der Roman nach einem guten Monat in der Erstfassung fertig war. Figuren, Plotpoints und den ungefähren Ablauf haben wir auf Telegram gebrainstormt, im jeweiligen Google Doc – wir hatten wegen der Wortmenge insgesamt drei verschiedene – haben wir am Ende immer die Punkte, die wir noch inkludieren wollen, aufgelistet. Durch Elli und die Love Edu bin ich zum chronologischen Schreiben bekehrt worden; anders hätte das in diesem Fall wahrscheinlich auch nicht funktioniert.
Elli: Es hat gut gepasst, dass meine und Annas Herangehensweisen sowie Stärken und Schwächen gerade unterschiedlich genug sind, dass sie sich in diesem Fall zu einem guten Gesamtpaket ergänzt haben.
Welche Figur im Roman, abgesehen von Adam und Leo, ist eure persönliche Lieblingsfigur und warum?
Anna: Ich liebe leider alle Figuren, aber wenn ich mich entscheiden müsste, sind es Judith und Wolfgang. Judith ist – meiner Meinung nach – eine Frauenfigur, die es eher selten als positive Figur gibt, dabei braucht die Welt mehr grantige, kantige Jüdinnen Mitte Vierzig mit Butch Energy und geringer Bullshit-Toleranz. Wolfgang hingegen könnte mit seiner Extravaganz eine Witzfigur sein, ist es aber nicht, und das ist uns – meiner Meinung nach – gut gelungen. Beide verkörpern in gewisser Weise gelebte „Klischees“ des queeren Spektrums, und das ist auch richtig und wichtig so. (Selbstverständlich stehen die Schülis außer Konkurrenz.)
Elli: Definitiv Judith, die so viele Layer hat, die wir (noch) gar nicht alle zeigen konnten. Und dann noch Kamala, die autistisch ist und auf eine Weise von den Lehrkräften abgeholt wird, die ich mir auch gewünscht hätte – obwohl ich im Gegensatz zu vielen anderen neurodivergenten Kids eine ziemlich gute Schulzeit hatte.
Eine Person auf Instagram bezeichnete den Roman als (Unter-)Haltungsliteratur. Wie seht ihr das, bzw. was können wir uns darunter vorstellen?
Anna: Danke an dieser Stelle erstmal an die begriffsstiftende Person! Ich denke, dass (Unter-)Haltungsliteratur das beschreibt, was auf einen hohen Prozentsatz der sogenannten Unterhaltungsliteratur zutrifft: nicht nur der Anspruch zu unterhalten, sondern das Bewusstsein, dass Unterhaltung eine politische Dimension hat. Die Love Education ist eine alberne kleine RomCom – und die Love Education ist ein Roman mit behinderten Leads und „schwierigen“ Themen.
Elli: Genau deshalb ist die Unterscheidung in U-Literatur und E-Literatur („ernste“ Literatur) einfach nur albern.
Ihr seid Mitglied im Schreibkollektiv Wiener Schrei(b)salon, gemeinsam mit anderen Autor*innen. Warum ist das „b“ darin stumm?
Anna: Weil wir oft mehr (metaphorisch) schreien als schreiben. Gemeinsames Schreien ist halbes Schreien, oder so.
Wenn ihr mögt, erzählt gern mal von euren Erfahrungen mit dem Buchmarkt, oder vielleicht auch, was sich aus eurer Sicht in den letzten Jahren verändert hat.
Anna: Der Buchmarkt ist tot, lang lebe der Buchmarkt!! Nein, im Ernst, auch der Buchmarkt ist selbstverständlich kein Monolith, aber er funktioniert entlang von Verwertungsstrukturen, die zu Ein/Kauftendenzen führen; es hat einen Grund, warum die Love Edu im SP erscheint und nicht in einem Verlag.
Elli: Nicht, dass wir es nicht versucht hätten, da möchte ich ganz offen sein. Meine Agentur war leider nicht interessiert, weil die Protagonisten über 30 marktschwierig sind, und bei diversen Ausschreibungen hat es auch nie geklappt. Weil wir diese Geschichte aber so lieben und überzeugt davon sind, dass sie ihre Fans finden wird, haben wir uns fürs SP entschieden. Im Genderswapped-Podcast in der Folge zu progressiver Phantastik sprechen Judith Vogt und Lena Richter davon, dass der ursprüngliche Aufschwung progressiverer Phantastik-Bearbeitungen vor ein paar Jahren fast komplett abgeflaut ist, und den Eindruck würde ich unterschreiben, auch wenn es in allen Bereichen unheimlich engagierte Menschen gibt, die sich für diese Texte einsetzen. Grundsätzlich ist die Marktlage momentan schwierig, in vielen Genres wartet man auf den nächsten Trendsetter-Roman, ohne aber Risiken zu Neuem einzugehen. Das ist natürlich eine Katze, die sich in den Schwanz beißt. Und eine, die es für gewagtere Texte (sowohl formal als inhaltlich) schwieriger macht. Da bleibt einem fast nur der Rückzug in die sogenannte E-Literatur, aber die wiederum hat öfter mal Antipathie für alles, was Spaß macht.
Ihr habt beide einiges an Phantastik veröffentlicht. Habt ihr weitere Pläne in dieser Hinsicht, bzw. könnt ihr darüber schon etwas verraten?
Anna: Ja. Ich schreibe momentan #AlexTheGreatWarlock (ein Dark Fantasy Reimagining der Figur und Biografie Alexanders des Großen), und im Hintergrund schwirren weitere phantastische Projekte herum, von denen mindestens eines wieder eine Kollaboration ist.
Elli: Jein. Ich möchte Anfang 2025 in konkretere Planungen für ein Projekt gehen, über das der Verlag ohneohren und ich schon seit einer ganzen Weile reden. Ansonsten hoffe ich, vielleicht bald wieder ein Großverlagsprojekt zu haben und bin dafür in der Konzeptphase für zwei Ideen (eins davon die #Sonnendrache Story …). Und in der bald anstehenden Planung für 2025 werde ich festlegen, welche der laufenden Projekte ich da wirklich zu Ende schreiben werde – neben einem eher (familien)historischen, nichtfiktionalen Projekt wird das vermutlich mein arthurianisches Cyberpunk-Projekt #RoterGeist sein. Falls da ein schöner neuer Vertrag dazwischenkommt, kann sich das natürlich ändern.
Habt ihr weitere Ideen, gemeinsam als Elana Bardini zu schreiben?
Anna: SO. VIELE. IDEEN.
Elli: Konkret: Eines der Projekte erwähnen wir schon im Abspann der Love Education, das andere hat den liebevollen Arbeitstitel „Brokeback Weitra“. Wann die jedoch fertig sein werden, ist noch unklar. Wir lassen uns da auch bewusst Zeit: die bardinischen Romane sind in erster Linie Leidenschaftsprojekte, für die wir so wenig wie möglich leiden wollen.
Habt ihr Lesungen für „Love Education“ geplant, vielleicht als Live-Lesung auf Instagram oder live vor Ort?
Anna: Zum Release wird es am 11. Oktober 2024 eine Lesung auf Instagram geben, die Infos folgen!
Elli: Vielleicht machen wir vor Weihnachten auch nochmal was. Und natürlich dürfen sich Leute gerne noch mehr wünschen, wir schauen dann, was möglich ist.
Gibt es noch etwas, was ihr gern ansprechen möchtet?
Anna: Von meiner Seite aus nicht, aber ich möchte mich an dieser Stelle für deine Zeit und die Fragen bedanken!
Elli: Was Anna sagt: Und es missfällt mir, darum zu bitten, aber leider leben wir in wirtschaftlich orientierten kapitalistischen Strukturen, daher: Wenn ihr möchtet, dass Leute weiterhin die Kunst machen, die ihr gut findet – wenn ihr möchtet, dass wir weiterhin diese Kunst machen, überlegt euch doch, ob ihr uns supporten möchtet. Bei mir kann man das über Ko-Fi machen, das fast genauso wie Patreon funktioniert, aber auch einmalige Spenden zulässt. Oder ihr kauft einfach unsere Bücher und empfehlt sie weiter, das ist uns sogar am liebsten und ihr habt am meisten davon. <3
Ich hatte vier Jahre lang einen Buchblog und habe regelmäßig Rezensionen geschrieben. Ich schreibe auch heute noch welche, aber nicht mehr zu jedem Buch, das ich lese. Bzw. manchmal beschränke ich mich auf eine Kurzmeinung.
Natürlich kann jede Person so Rezensionen schreiben, wie sie kann und möchte. Ich nenne hier einige allgemeine Tipps, vielleicht inspiriert euch das ja.
Inhaltsangaben? Ziemlich viele Buchblogger*innen oder andere Rezensent*innen schreiben in ihren Rezensionen nicht nur ungefähr, worum es im Buch geht, sondern zeigen den gesamten Handlungsverlauf auf, manchmal sogar bis zum Ende. Das ist aber keine gute Idee, wegen der Spoiler. Die heißen so, weil sie Leser*innen, die das Buch noch nicht kennen, dieses verderben (englisch: to spoil) können. Besonders deutlich wird das im Krimi. Wird in einer Rezension verraten oder auch nur sehr stark angedeutet, wer für den Mord bzw. das Verbrechen verantwortlich ist, kann das dazu führen, dass manche Leute den Krimi gar nicht erst lesen wollen. Rezensionen sind keine Arbeiten aus dem Deutschunterricht, eine komplette Inhaltsangabe eines Buches ist hier nicht notwendig, sondern würde das Lesevergnügen für andere schmälern.
Deshalb mein Tipp: Zeigt in euren Rezensionen nicht den gesamten Handlungsverlauf und schreibt keine Spoiler. Bzw. wenn ihr sie aus bestimmten Gründen doch schreiben wollt, dann kündigt das an, z.B. mit einem „ab hier Spoiler“, kennzeichnet sie eventuell zusätzlich durch Leerzeilen oder ähnliches.
Wenn ihr ausführliche Rezensionen schreibt, könntet ihr zu den folgenden Themen etwas schreiben:
1. Wie wirken die Figuren auf euch? Sind sie euch sympathisch, sind es grummelige Anti-Held*innen, „morally grey“ oder ganz anders?
2. Der Schreibstil. Ist dieser eher schlicht? Blumig oder gar kitschig? Hochliterarisch oder poetisch?
3. Der Spannungsbogen. Baut sich die Spannung stetig auf oder hat sie mittendrin ungünstige Schwankungen?
4. Ist die Geschichte langatmig erzählt aus eurer Sicht oder auf den Punkt verdichtet? Oder liegt die Erzählweise irgendwo dazwischen?
5. Werden die Gedanken, Emotionen der Figuren, die Räumlichkeiten, Landschaften, Orte etc. anschaulich und lebendig geschildert? Konntet ihr euch gut in die Figuren hineinversetzen und mit ihnen „mitfiebern“? Oder wirkten sie auf euch eher blass oder flach?
6. Gibt es überraschende Wendungen (Plot-Twists)? Falls ja, lieber diese nicht spoilern.
7. Gibt es Figuren aus marginalisierten Gruppen, z.B. queer, BI_PoC, neurodivergent, behindert oder andere?
8. Was für eine Stimmung herrscht im Buch vor? Zum Beispiel mysteriös, heiter, melancholisch, traurig … Oder wechseln die Stimmungen häufig?
Natürlich könntet ihr euch auch einzelne dieser Themen heraussuchen, ihr müsst nicht zu jedem etwas schreiben.
Weitere Themen In mehreren Genres gibt es noch spezielle Themen, über die man sich in Rezensionen Gedanken machen kann. Hier eine kleine Auswahl, die natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Phantastik: Wie wirkt der Weltenbau auf euch? Ist er sehr detailliert oder eher oberflächlich? Ist er in sich logisch und stimmig? Das muss übrigens nicht unbedingt heißen, dass alles darin nach Maßstäben gängiger Naturwissenschaften funktionieren muss. Der Weltenbau sollte aber innerhalb der geschilderten Welt Sinn ergeben.
Romance (auch Romantasy): Gibt es im Buch typische Tropes aus dem Romance-Bereich, z.B. „Enemies to Lovers“? Findet ihr die Figuren auf irgendeine Weise liebenswert, bzw. konnte ihr deren romantische/sexuelle/sinnliche Empfindungen füreinander nachempfinden?
Krimis/Thriller: War es euch möglich, mitzurätseln, wer für das oder die Verbrechen verantwortlich war?
Horror: Konntet ihr euch bei der Lektüre schön gruseln? Hattet ihr nachts Albträume mit einem Bezug zum Buch? Oder eine andere Reaktion auf das Buch?
Manche Bücher sind so spannend oder „fesselnd“, dass man sie kaum aus der Hand legen kann. Falls ihr solche Bücher gelesen habt, könnt ihr das natürlich auch in den Rezensionen erwähnen. Oder auch umgekehrt – habt ihr ein aus eurer Sicht sehr langatmiges, langweiliges Buch gelesen? Vielleicht könnt ihr auch benennen, woran es lag?
Über den Begriff „man“
Manche Rezensent*innen verstecken sich gern hinter einem vagen „man“, z.B. in Sätzen wie: „man wird sofort in die Handlung hineingezogen“, „man kann sich nicht gut in die Figuren hineinversetzen“ oder auch Sätze wie: „als Leser*in kann man die Motivation des Protagonisten oft nicht nachvollziehen“.
Macht das besser nicht so. In eurer Rezension geht es nicht um fremde Leute, nicht um andere Leser*innen und deren Bewertungen, es geht um euren ganz persönlichen Eindruck von einem Buch. Schreibt also z.B. „ich fühlte mich sofort in die Handlung hineingezogen“ oder „als Leser*in konnte ich nicht so richtig mit den Figuren mitfiebern und zwar weil …“ oder ähnliches.
Formulierungen wie „ich persönlich finde, dass …“ zeigen auch an, dass es um eure persönliche Meinung geht, nicht um eine allgemein gültige Wahrheit über ein Buch. Denn letztendlich nimmt jede*r Leser*in ein Buch anders wahr, es gibt also nicht eine einzige Meinung, die alles umfasst, was sich zu einem Buch sagen lässt.
Ich hoffe, diese Tipps helfen euch ein bisschen weiter. Viel Spaß beim Lesen und Rezensieren.
Wo fange ich da an? Es gibt so vieles, das mich inspiriert. Oft sind es andere Geschichten, die bei mir einen Funken entzünden – z.B. in Filmen, Serien oder Büchern. Mein aktuelles Urban-Fantasy-Projekt ist von der Serie »Good Omens« inspiriert – kurz nachdem ich die 2. Staffel gesehen hatte, stand ein sehr drängeliges Plotbunny bei mir vor der Tür, mit zwei übernatürlichen Protagonisten im Schlepptau.
Meine Buchreihe „Hexen in Hamburg“ ist inspiriert von T. Thorn Coyle Buchreihe „The Witches of Portland“ – ich habe ein ähnliches Konzept wie Thorn, aber natürlich einen anderen Schauplatz, andere Figuren und andere Geschichten. Ich habe Thorn vorher gefragt, ob they etwas dagegen hätte, wenn ich diese Buchreihe mit den Hexen in Hamburg in Angriff nehme. They war einverstanden. Im Gegenzug gibt es in meiner Buchreihe Werbeseiten für Thorns Buchreihe und ich empfehle die „Witches of Portland“ immer gern weiter.
Meine Hobbys Liverollenspiel und Pen & Paper Rollenspiel haben mich ebenfalls schon öfter auf schriftstellerische Ideen gebracht. Anders wären mein Debütroman »Der Stern des Seth« und der vom Fantasy-LARP beeinflusste High Fantasy Roman »Vanfarin – Von Untoten und Totems« wohl gar nicht entstanden. In letzterem habe ich dazu etwas im Nachwort geschrieben.
Die Kurzgeschichte »Mein Regenbogenschirm« ist inspiriert von Tom Hollands Drag-Tanz- und Playback-Performance zu Rihannas »Umbrella« bei Lipsync Battle.
Mein Roman »Love and Crime 101« geht zurück auf etwas, das der Schauspieler Oscar Isaac in einem Interview erzählt hat. Dazu habe ich etwas im Nachwort geschrieben und ihn auch in meiner Danksagung genannt. Ich finde auch noch weitere Schauspieler*innen inspirierend, außerdem Songs/Musik, weitere Kunstschaffende …
Womit ich eher nicht gerechnet habe: auch manche historischen Recherchen haben mich auf weitere Ideen gebracht, die gar nicht für das ursprüngliche Projekt gedacht waren. Teilweise waren es nur kleine Details, die ich dann in einem neuen Projekt unterbringen konnte.
Ich habe eine Schwäche für schön gestaltete Ambience-Videos und höre auch gern thematisch passende Musik, wenn ich lese oder schreibe, um mich in die Atmosphäre und Stimmung der Geschichte hineinzuversetzen. An dieser Stelle möchte ich gern Erdenstern erwähnen. Sie machen „Musik für das Abenteuer im Kopf“, zum Beispiel für Pen & Paper Rollenspiel und sind sehr vielseitig im Bereich der Phantastik. Ihre Musik kann kostenfrei hier probegehört und auch gekauft werden: https://erdenstern.bandcamp.com/
Hier eine Auflistung meiner bisherigen Ambience/Musik Playlists:
Immersive Writing (Music, Ambience) In den Videos dieser Playlist gibt es nach der Pomodoro-Methode jeweils 25 Minuten Schreibzeit und 5 Minuten Pausen im Wechsel.
Diesmal mit dem Thema Hautfarben. Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Hautfarben gar nicht beschrieben werden, wenn es um weiße Figuren geht. Vielleicht ist da der Gedanke, dass müsse nicht sein, weil Lesende automatisch davon ausgehen, dass die nicht näher beschriebenen Figuren weiß sind. „Weiß als Default“, sozusagen – aber das ist keine gute Einstellung. Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit die Hautfarben weißer Figuren auch nicht näher beschrieben habe. Erst in den letzten Jahren ist mir dieses Problem überhaupt bewusst geworden.
Wer Tipps haben möchte, wie man Hautfarben diskriminierungsfrei beschreiben kann, dem empfehle ich die folgenden Texte:
“Warum Hautfarbe allein nichts aussagt” von Victoria Linnea
Und wenn ihr euch gern in diesem oder anderen Bereichen rund um Diversität weiterbilden möchtet, schaut gern mal in meine Literatur- und Linksammlung „Literatur/Links über Diversität, Inklusion und Repräsentation“, diese findet ihr hier (ein Google Doc): http://bit.ly/literaturundlinksdiversität
Diese und ähnliche Aussagen machen gerade mal wieder die Runde in den Autor_innenbubbles in Social Media, zum Beispiel auch „Ich traue mich gar nicht mehr zu schreiben…“
Im Grunde ist es ganz einfach: Die Kunst ist frei, dazu zählt auch die Literatur. Hier übrigens das entsprechende Gesetz in Deutschland. Du darfst über (fast) alles schreiben. Es gibt einige Grenzen dabei, z.B. können volksverhetzende Texte strafrechtlich verfolgt werden. Deshalb das „fast“.
Mit der Freiheit, über alles schreiben zu können, geht aber auch eine Verantwortung einher. Du bist für das, was du schreibst, verantwortlich. Diese Verantwortung kannst du auch nicht an ein Lektorat oder einen Verlag abwälzen. Du musst außerdem immer damit rechnen, dass dein Text, dass deine Geschichte auf Kritik stößt – nicht nur stilistisch, sondern auch inhaltlich. Wer damit nicht umgehen kann, sollte sich stark überlegen, ob das Veröffentlichen von Geschichten das Richtige für einen ist.
Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der Kritik an Belletristik allein in den Zeitungsspalten, z.B. in einem Feuilleton, in Literaturmagazinen, oder in literarischen TV-Sendungen zu finden ist. Jede Person, die Zugang zum Internet und Social Media hat, kann ihre Meinung zu einem Buch oder einer Kurzgeschichte kundtun. Entsprechend gibt es auch generell mehr Kritik (und sei es lediglich eine reine Sterne-Bewertung bei Amazon).
Marginalisierte Menschen hat es schon immer gegeben, aber erst seit dem Aufkommen der Social Media sind ihre Stimmen weithin hörbar. Aus diesen Stimmen spricht oft eine Menge Wut, Ärger, Traurigkeit, Verzweiflung oder Frustration. Und ja, das kann sich auch auf eine schlechte, unrealistische oder destruktive Repräsentation ihrer marginalisierten Gruppe in fiktiven Werken beziehen. Manche von ihnen outcallen solche Werke, oft laut und verärgert.
Viele Menschen, die privilegierter sind, verstehen das oft nicht und dazu zählen oft auch Autor_innen. Einige von ihnen fangen dann in Diskussionen mit Tone Policing an (1) oder wehren kategorisch alle Kritik ab, fühlen sich persönlich angegriffen und sind nicht zu einem Dialog bereit. Sie fragen sich dann, woher kommt all diese Wut oder andere als negativ gesehene Reaktionen marginalisierter Menschen? Diese Frage kommt meistens dann auf, wenn sie keine entsprechenden Diskriminierungserfahrungen selbst erlebt haben und sich nicht vorstellen können, wie sehr betroffene Menschen unter solchen Erfahrungen leiden. (2)
Was heißt das nun? Wer über sensible Themen, über marginalisierte Menschen oder über gesellschaftskritische Themen (wie Rassismus, Sexismus, Misogynie, Queerfeindlichkeit, Transfeindlichkeit, Antisemitismus, Ableismus, Saneismus, Klassismus oder noch andere Formen von Diskriminierung) schreiben möchte, der tut gut daran, gründlich zu recherchieren und mit Menschen zu sprechen, die davon betroffen sind. Idealerweise sollte man sich entsprechend erfahrene Sensitivity Reader suchen.
Ich wiederhole es noch einmal. Du darfst (fast) alles schreiben. Hier ein persönliches Beispiel. Ich habe vor kurzem eine Kurzgeschichte geschrieben, in der BDSM eine wichtige Rolle spielt. Aus meiner Sicht ist das ein Diversitätsthema. (3) Ich kenne Menschen, die in der BDSM-Community aktiv sind, bin selbst aber kein Teil dieser Community. In dieser Kurzgeschichte gibt es einen Teil der Handlung, der mit dem Thema BDSM direkt verbunden ist und den ich schwierig fand. Im Sinne von, ist das problematisch? Aber ich konnte nicht genau den Finger darauf legen, ob oder wie das problematisch sein könnte. Vor kurzem habe ich ein sehr ausführliches Feedback von meiner Sensitivity Reader-Person erhalten, die mir in deutlichen Einzelheiten erklärt hat, warum diese Sache in der Kurzgeschichte in der Tat problematisch und ein No-Go ist. Bald werde ich das alles überarbeiten und alle ihre Vorschläge dabei berücksichtigen.
Mit diesem Beispiel möchte ich gern zeigen: Du kannst erst einmal wirklich frei heraus schreiben, was du möchtest. Und es danach am besten von entsprechend erfahrenen Personen auf sensible Themen hin überprüfen lassen, wenn du über solche Themen schreibst.
Eine weitere Möglichkeit ist es natürlich, mit betroffenen Personen schon vorab deine Plotidee durchzusprechen, um herauszufinden, ob es darin etwas Problematisches gibt. In manchen Fällen wird das bereits beim Plot an sich deutlich, z.B. destruktive Tropes wie „Bury your gays“ (4), in anderen Fällen erst im Verlauf der individuellen Ausarbeitung, also erst nach dem Schreiben.
Zensur?
Ich habe mehr als einmal das Vorurteil gehört, Sensivity Reader würden Texte zensieren. Das stimmt nicht. Ich habe nun mehrfach Erfahrungen mit Sensitivity Readern sammeln dürfen und auch selbst schon mehrere Sensitivity Readings durchgeführt. Sensitivity Reader machen Verbesserungsvorschläge. Sie schreiben nicht vor, wie man seinen Text zu gestalten hat. Wie Autor*innen oder Verlage diese Vorschläge umsetzen, bleibt diesen überlassen.
Wenn du keine Lust oder keine Kapazitäten hast, sensible Themen zu recherchieren, mit Betroffenen zu sprechen, dir Sensitivity Reader zu suchen – dann überlege dir am besten, worüber du schreiben kannst und möchtest, in dem all das nicht notwendig ist.
Wenn du gern mit mehr Diversität schreiben möchtest und Tipps für den Anfang suchst, schau gern mal auf diese Linksammlung, da findest du viele Anregungen.
Auf diese Idee hat mich Anja Bagus gebracht, und es haben bereits mehrere AutorInnen
etwas über „5 Dinge“ geschrieben.
Man kann nichts mehr wirklich unvoreingenommen lesen
Wer sich erstmal intensiv mit der Struktur und den grundlegenden Regelnzum Aufbau eines gutes Romans beschäftigt hat, wird nichts mehr lesen können,
ohne es ganz beiläufig und nebenbei zu analysieren. Die amerikanische Autorin K.M. Weiland beschreibt in ihrem Blog „Helping writers to become authors“, man kann sich probehalber Filme anschauen oder bei Büchern bestimmte Seiten aufblättern, denn nach allgemeinen dramaturgischen Regeln sollte nach circa 25 %, 50% und 75 % der Geschichte etwas Bestimmtes passieren – zum Beispiel der erste Plotpoint, eine überraschende Wende und der Auftakt zum spannende Finale. Das bedeutet z.B. bei einem 90-Minuten-Film, es lohnt sich, einmal zu schauen was in Minute 22 und 45 passiert (+/- ein paar Minuten).
Als AutorIn brauchst du tolerante Freunde, Lebensgefährten und Verwandte.
AutorInnen sind ein merkwürdiges Volk – sie sind glücklich damit, stundenlang etwas in ihr Notizbuch zu kritzeln – oder auch auf lose Zettel, die überall in der Wohnung herumfliegen, in Handtaschen oder Schubladen verschwinden. Oder sie starren mit ernster Miene ihren Bildschirm an, während sie in die Tasten hauen. Schüchterne Anfragen des Lebensgefährten, wie man denn voran komme, werden häufig mit einem mürrischen „Stör mich nicht!“ beiseite gewischt. Und nicht selten fällt bei der Wahl zwischen Freunde/Verwandte treffen oder etwas gemeinsam unternehmen und einer ausgedehnten Schreibsession die Wahl auf letztere – weil man den gerade vorhandenen Flow ausnutzen muss oder den Kuss der Muse…
Rezensionen sind wichtig, aber nicht alles. Ich freue mich, wenn jemand sich die Mühe macht, mein Buch zu rezensieren. Allerdings ist mir bewusst geworden, dass ich es nicht Allen recht machen kann und nicht jeder mein Buch mögen wird. Jede Rezension stellt letztendlich eine subjektive Meinung dar, zumal sie in der Regel von einem Leser und nicht von einem Literaturkritiker geschrieben wird. Und Geschmäcker sind nun mal verschieden…
Andere AutorInnen können deine Freunde sein. Müssen aber nicht.
Als angehende Autorin und Debütantin im literarischen Bereich hatte ich lange Zeit erst mal eine Riesenehrfurcht vor anderen AutorInnen, die bereits ein oder mehrere Bücher veröffentlicht haben. Und dann wurde ich eingeladen zu einem Fantasy-Autorenstammtisch und war positiv überrascht von den sympathischen Leuten dort.
Eine AutorIn erzählte von den gerade zu familiären Freundschaften, die sie mit anderen KollegInnen verbindet. Mit dieser Kollegialität geht einher, dass wir gegenseitig Flyer oder Lesezeichen mitnehmen zu Veranstaltungen oder auch mal Bücher unserer schreibenden Kollegen auf Veranstaltungen mit verkaufen, auf denen sie nicht dabei sein können. Da ist nichts zu spüren von Ellenbogen-Mentalität oder Konkurrenzdenken.
Auf der anderen Seite habe ich in manchen Social-Media-Gruppen gnadenlose Besserwisserei oder auch absurde, negativ gefärbte Diskussionen unter AutorInnen erlebt, was mich ganz schnell dazu bewogen hat, die entsprechende Gruppe wieder zu verlassen.
Irgendwann wird jeder Autor betriebsblind. Jeder.
Unausweichlich kommt früher oder später der Punkt, an dem man die Distanz zum eigenen Werk verliert. Ich hatte das nicht so stark erwartet, und war ziemlich überrascht. Anschlussfehler, Logiklücken, inkonsequente Charakterhandlungen oder unpassende Perspektivwechsel und manches mehr sind mir entgangen. Und das ist der Moment, wo man sein Werk erst mal ruhen lassen sollte. Einige Tage oder Wochen. Wenn man das Manuskript anschließend wieder liest, ist man objektiver. Außerdem sind Testleser und Lektoren hier die richtigen Ansprechpartner, denn selbst wenn ich mein Buch zehnmal lese und überarbeite, wird es immer noch Dinge geben, die ich übersehe.